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Schlüchtemer Leitung

Aeels-Hmtsblatt * MyemeLaer amtlich erKazeLtzer Kr ßm Leets Schlüchtao

Nr. 11S

(L Blatt)

Gamstag, den 1. Oktober 1932

84. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen

LandratsaNt«

g?is Beschluß des Aaatsministeriums sind die staatlichen Unb Kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der übrigen Körperschaften des öffentlichen Rechts sowie die Gebäude bet öffentlichen Schulen aus Anlaß der Vollendung! des 85. Lebensjahres des Herrn Reichspräsidenten von Hinden- Urg am 2. Oktober d. 3s. nach den Bestimmungen der Verordnung vom 29. 6. 1929 GS. S. 79 zu be­flaggen.

Innenminister.

Wird veröffentlicht!

Schlichtern, den 29. September 1932.

Der Landrat. 3. V.: Duwe.

Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Beant­wortung meiner Verfügung vom 4. September 1932, lireis- Haft Nr. 107, betr. Sammlung des Vereins für das Deutich- tum im Aus lande fisoch im Rückstände find, werden an die sofortige (Erlebi-gting erinnert.

Schlüchtern, den 26. September 1932.

Der Landrat. 3. v.: Duwe.

Der Landwirt Wilhelm Behacker ist als Schiedsmann und der Landwirt Johannes Hölzer in Gberzell als Schieds- maanftellvertreter gewählt und bestätigt worden. Schlächtern, den 27. Septembier 19'32.

Der Landrat. 3. v.: Duwe.

Nr. 692 v. Bei der Landesversicherungsanstalt in Ras­sel sind Ausrechnungsbücher für Ouittungskarten mit den vorgedruckten hauptsächlichsten Gesetzesbestimmungen zum Preise von 30 Psg. für das Stück erhältlich!

Ich ersuche die Ortspolizeibehörden, ihren etwaigen Be- !arf mWffpmestens bis zum 1 0. n. Mts. anzuzergen Spä- er eingehende Bestellungen können Lei der Sammelbestel- ung nicht berücksichtigt werden.

Schlichtern, den 28. September 1932.

Der Vorsitzende des Versicherungsamts. 3. V.: Duwe.

Nr. 4044. Der Landwirt Christian Fehl 2. ist als Schieds­mann und der Landwirt Johannes Nosenberger in hohen- zell als Schiedsmannsstellvertreter gewählt und bestätigt worden.

Schlüchtern, den 28. September 1932.

Der Landrat. 3. V.: Duwe.

8 t ab t S ch lüchtern^

Bekanntmachunij.

Die diesjährige Personenständsausnahme erfolgt nachdem Staub vom 10. Oktober 1932. Die Listen werden vorher den Hausbesitzern, haushaltungsvorständen Md Vetriebs- inhabern zuaestellt und sind so rechtzeitig auszufüllen. daß sie von Mittwoch, den 1 2. Oktober 1 932 ab Oir 3 bbolu n g bereit liegen. BemeE wird, daß der Magistrat berechtigt ist, die rechtzeitige und ordnungs- mafige Ausfüllung und Ablieferung der Listen durch owanysftrafeN bis zu 5000 RM. nach § 202 Reichsab- Ukenordnung zu erzwingen. Es ist in früheren Jahren pwiwimmen, daß die Beauftragten der Stadt 34 mal E den Haushaltungen vorsprechen mußten. Um endlich "der auch dann nach' nickt die Listen zurückzuerhaften Dies erfordert Zeit und unnötigen sonstigen Aufwand. 3n d'e-

Jahre werden die Listen nur einmal zurückgefordert Herden, unb es haben die dann noch Säumigen zu gewär- MN, daß mit Zwonasstrafen gegen ü" vorgeaangen wird. bemerkt wird, daß in die Haushaltungslisten alle in deh Nacht vom 9. zum 10. Oktober anwesenden versauen MMfübren sind. Vorübergehend Abwesende sind in den m der Liste vorgesehenen besonderen Abschnitt einzutra ren.

Schlächtern, den 28. September 1932.

1 Der Magistrat. Renner.

Bekanntmach unff.

Her die Feuerwehrdienstpflickt betreffende § 2 der Grd- ^W» betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens in der Aodtaemeinde Schlächtern vom 8. Januar 1907 unb die Loskaufgeld für Befreiung Dem Feue^öfchdienst betref­fen Absätze 25 des § <3 der genannten Ordnung in der fung der Nachträge vom 23, Mai 1913, 3. Juni 1926 4. April 1928 2. Absatz sollen durch einen neuen Nach- ran ersetzt werden.

9er Entwurf dieses Nachtrages liegt in der Zeit vom 1. Düker bis zum 14. Oktober 1932 während der Dienst- p&n im Rathaus Zimmer Nr. 4 M Einsicht der findeangehörigen öffentlich! aus.

Einwendungen können innerhalb der Auslegungsfrist bei

Deutschland muß leben!"

von Braun spricht in der Tonfilm-Wochenschau.

Berlin, 30. September.

In der Tonfilm-Wochenschau hielt der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Freiherr von Braun, eine Ansprache über die neuen Agrarmaßnahmen der Reichs- regierung, in der er u. a. ausführte:

Die Milliardenverluste unserer Landwirtschaft in den letzten Jahren und der dadurch bedingte Ausfall von Auf­trägen für die Industrie sind eine der Hauptursachen unserer Arbeitslosigkeit. Wer diese bekämpfen und überwinden will, muß deshalb auch alles daransetzen, um für unsere Bauern wieder tragbare wirtschaftliche Verhältnisse zu schaffen.

Aus diesem Grunde hak sich die Reichsregierung ent­schlossen, als Ergänzung zu den bisherigen Maßnahmen ein umfassendes landwirtschaftliches Programm durchzuführen. Die Einsuhr vieler landwirtschaftlicher Erzeugnisse wird in Zukunft mengenmäßig begrenzt. Durch entsprechende Zoll­maßnahmen wird der Geflügel- und Fischwirtschaft geholfen.

Die Reichsregierung strebt die Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft aber nicht nur durch Aus­schaltung der unerträglichen Einflüsse des zerrütteten Welt­marktes an, sie hat gleichzeitig auch durch Senkung der Zin­sen für Personal- und Realschulden und Erleichterung der Steuerlast über das System der Steuergutscheine eine Ent­lastung der Landwirtschaft um mehrere hundert Millionen Mark durchgeführt.

Entschlossene Agrarpolitik ist aber nicht nur eine volks­wirtschaftliche Aufgabe, sondern eine unentrinnbare natio­nale Pflicht. Ein Volk, das seine Bauern vergißt, hat das Recht auf Leben und Zukunft verwirkt. Wir aber wollen, daß Deutschland lebe.

polnische Todesopfer in Preußen

155 Tote bisher im Jahre 1932, allein 86 im Juli.

Me wir einer amtlichen Uebersicht über Todesfälle bei polnischen Ausschreitungen in derZest vom 3ßnuatJ)is September 193Z entnehmen, wurden im Freistaat Preußen vom 1. Januar 1932 bis 23. September 1932 insgesamt 155 Menschen im politischen Kampf getötet. 3m Juni for­derten die politischen Ausschreitungen 19, im Juli 86 Opfer.

Die Uebersicht gibt einen deutlichen Beweis für die im Juli d. J. eingetretene Notwendigkeit, der Entartung des politischen Kampfes mit allen Mitteln der Staatsgewalt ent- gegenzutreten. Die politischen Auseinandersetzungen forder­ten allein in der Zeit vom 1. bis 20. Juli, dem Tage der Einsetzung des Reichskommissars für Preußen, 63 Todes­opfer. In der Zeit vom 21. bis 30. Juli fiel die Zahl der Todesopfer von 38 in den vorhergehenden 10 Tagen auf 23. Im August gelang es, eine merkbare Befriedung und damit einen Rückgang der Tötungen durch verschärftes polizeiliches Vorgehen und Erhöhung der richterlichen Strafen herbei- zuführen.

Mit dem Tage der Verkündung der Todesstrafenverord- nung am 9. August sank die Kurve der politischen Gewalt- taten offensichtlich und näherte sich bis Ende August und im September vollends dem Nullpunkt. Der Monat September hat eine im politischen Leben der letzten Zeit noch nicht be- obachtete Befriedung gebracht.

Reichskabineti billigt Neuraths Politik

B e r l i n, 30. September.

Das Reichskabinekt nahm in feiner gestrigen Sitzung einen Bericht des Reichsaußenministers von Neurath über die Genfer Tagung entgegen und billigte einstimmig die Hal­tung des deutschen Delegakionsführers. Sodann beriet das Kabinett eine Reihe von Wirkschafts- und Verwaltungs- fragen.

Keine Vorverlegung der preußischen Gemeindewahlen.

Der preußische Staatsrat hat gegen den Landkagsbeschluß, die preußischen Gemeindewahlen schon am 6. November d. 3. statt- finben zu lassen, Einspruch erhoben. Der Landtag könnte jetzt er­neut zu der Frage Stellung nehmen. Für eine Verabschiedung des Gesetzes wäre jetzt aber eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Für die Vorverlegung treten jedoch nur die Nationalsozialisten und die Kommunisten ein, die aber keine Zweidrittelmehrheit im Landtag haben. Voraussichtlich wird sich daher der Landtag mit dieser Vor­lage nicht mehr beschäftigen.

dem Magistrat schriftlich» ober mündlich zu Protokoll erhoben werden.

Zchlüchtern, den 29. September 1932.

Der Magistrat: Gaentzlen.

Bekanntmachung.

Die Geschäfte des städtischen Wiegemeisters sind vom 1. Oktober bs. 3s. ab dein Herrn Friseur Karl Druschel, hier- selbst, übertragen worden.

Lchlüchtern, den 30. September 1932.

Der Magistrat; Gaenßlen.

Hindenburgs historische Persönlichkeit.

Zu seinem 85. Geburtstag am 2. Oktober.

Als der Kommandierende General von Hindenburg noch tief in der schönen Friedenszeit sich in das Privatleben au« rückzog, hielt man selbstverständlich seine Karriere für ab­geschlossen. Er führte fortan das geruhsame und beschauliche Leben des pensionierten höheren Offiziers und wäre nie in die Geschichte eingegangen, wenn der Weltkrieg nicht ge­kommen wäre. Und dann wurde ganz plötzlich der gleiche Mann der Retter Ostpreußens vor den Russen, der populärste Feldherr des Weltkrieges und trotz seiner fast 70 Jahre der einzige Mann der Obersten Heeresleitung und des kaiserlichen Hauptquartiers, der nie die Nerven verlor und mit ruhiger Entschlossenheit das Menschenmögliche zu erreichen suchte.

Der alte Moltke begann mit 64 Jahren, eine geschichtliche Persönlichkeit zu werden, Hindenburg mit 67 Jahren. Und Weit mehr als Moltke verdankt Hindenburg den Aufstieg seines Lebens an der Schwelle des Greifenalters unvorher­gesehenen und zufälligen Ereignissen. Aus seinem Beispiel ergibt sich, daß große historische Peffönlichkeiten nie zur Entfaltung ihrer Größe gekommen sind, weil ihnen die Ge­legenheit dazu nicht geboten wurde. Man kann sich freilich den großen Künstler, den großen Erfinder, den großen Unternehmer nicht als vom Schicksal Übergängen denken, denn sie alle entfalten sich notwendigerweise schon in jungen Jahren; aber für den Feldherrn, vielleicht auch für den Staatsmann, gibt es die Möglichkeit, ein Leben ohne allzu großen Inhalt noch spät zur geschichtlichen Größe zu steigern.

Man wird einer Persönlichkeit gegenüber, wie Hinden­burg sie ist, nicht sagen können, daß er nur durch glückliche Imstande zu großen Erfolgen gekommen sei. Man hat ihn rüher manchmal mit Ludendorff gleichgestellt, und dieser Aber zögerte keinen Augenblick, sich über den Rivalen zu teilen. Heute stehen diese beiden Männer in langer Ent­wicklung vor uns wer wird bezweifeln, daß auf der einen Seite die wahre geschichtliche Größe stehst während auf der unseren ein junketiwer Stern entschwandHw verlosch?

Als Hindenburg 1917 bei der Feier seines 70. Geburts­tages in der Obersten Heeresleitung auf eine kurze Glück­wunschrede Ludendorffs antwortete, hat er sein Verhältnis zu diesem in charakteristischen Worten geschildert:Wenn ich eine neue Aktion entworfen hatte, durfte ich die Durch­führung ruhig in Ihre Hände legen." So war es in der Tat: In der strategischen Phantasie lag Hindenburgs mili­tärische Größe. Ihm war gegeben, Feldzüge und Schlachten in ihren entscheidenden Zügen zu entwerfen dann hatten die anderen, alle Hände voll zu tun, die Ideen in die Wirk­lichkeit überzuleiten. Und hierin, im praktischen Sinn für diese Wirklichkeit, lag die Stärke Ludendorffs, der deshalb, solange er neben Hindenburg stand, größer erschien, als er im ganzen war. Als bei der Kriegserklärung Rumäniens im Sommer 1916 im Hauptquartier zu Pleß alle, vom Kaiser bis zu Ludendorff, die Nerven verloren hatten, gab Hinden­burg am Abend allen die innere Ruhe zurück, als er sagte: Das wird einen interessanten Feldzug geben; wir rücken auf der und jener Gebirgsstraße in Rumänien ein und neh- men bie Leute in die Zange. Ich weiß zwar noch nicht, wo­her ich die Truppen dazu nehme, aber sie werden sich schon finden." Das war der Große unter zitternden Kleinen. Und ebenso ursprünglich und volksverbunden war es, daß er beim Zufammenbruch der deutschen Front sein Heer und sein Volk nicht im Stich ließ. Er stand den Feinden und den inneren Unruhen genau so waffenlos gegenüber wie die anderen, die damals flohen; er blieb auf feinem Platz in tiefstem Pflichtgefühl und in einer Verbundenheit mit der Nation, die ihn auch den sozialdemokratischen Volks, caustragten die­nen ließ aus dem tiefen Instinkt heraus, daß Deuffchland mehr fei als irgendeine Partei.

So stieg er nach stillen Jahren der Zurückgezogenheit auf den Präsidentenstuhl des Reiches, mit 78 Jahren, ohne jeden Ehrgeiz, aber mit dem Einsatz einer Ehrfurcht, die die eigene Nation und die Welt ihm zollte. In den langen Jah­ren seiner Amtsfiihrung hat er nichts getan, was diese Ehr­furcht gemindert hätte im Gegenteil, er wurde noch mehr zur Verkörperung aller erhaltenden und aufbauenken Kräfte und einer Politik, die in Zeiten schwerster Bedrängnis nur mit der weisen Vorsicht des Alters und nicht mit der stür­mischen Ungeduld dsr Jugend gefiihrt werden konnte. Aus dem Feldherrn, der alle Aktionen nach dem Maß der vor­handenen Kräfte ansetzte, war der Staatsmann geworden, der mit demselben unbetrüglichen Blick sich vor ben Fehlern einer nicht wieder gutzumachenden Niederlage hütete.

Es sind echteste Kräfte unseres Volkes, die in Hinden­burgs Persönlichkeit vereinigt sind. Je später er aufgestiegen ist zum großen Handeln auf der Weltbühne, um so weiter ist entwickelt, was er im großen geschichtlichen Moment ein- setzt. Gab uns das Schicksal in einer Zeit, in derbes sich um Sein oder Nichtsein unseres Volkes handelt, diesen Mann, so möge sick die Nation seiner würdig erweisen und ihm in Dankbarkeit folgen!

3m Finnischen Meerbusen stieß ein dänischer Dampfer mit einem russischen Unterseeboot zusammen. Man befiirch- tet, daß das Unterseeboot mit seiner oököpfigen Besatzung gesunken ist