chlüchtemer Zeitung
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Rr. »4 (I. Blatt)
Donnerstag, den 22. September 1932
84. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamk.
J.-Nr. 3806. Zur Unterstützung der bei der Landeskri- minalpotizeistelle (Polizeipräsidenten) Kassel eingerichteten Hauptmordkommissionen, sind, um in jedem Falle eines Terroraktes eine schnelle Aufklärung herbeizuführen, bei der Polizeidirektion in Hanau eine Hilfs- und eine Reservehilfs- mordkommission eingerichtet worden, deren Zuständigkeitsbereich sich auf die Kreise Hanau-Stadt, Hanau-Land, Geln- hausen und Schlüchtern erstreckt. Die Hilfsmordkommission ist zuständig für alleFälle des p o l i t i s ch e n T e r r o r S wie Mord, Totschlag, schwere Körperverletzung, Aufruhrs, Landfriedensbruch, Brandstiftung Sprengstoffanfchlägen und -Dieb- stählen. Die Hilfsmordkommission ist mit dem gesamten kriminaltechnischen Gerät ausgerüstet, ständig einsatzbereit und unter Fernruf Hanau 4056 (Polizeidirektion — Kriminalpolizeiwache) jederzeit erreichbar.
Die OrtSpolizeibehörden und die Herren Landjägereibeamten ersuche ich, bei politischen Terrorakten auf schnellstem Wege die Hilfsmordkommission in Hanau zu benachrichtigen, welche dann ihrerseits das Weitere — auch die Verbindung mit der L. K. P. Stelle in Kassel — übernehmen wird. Selbstverständlich ist auch mir in jedem derartigen Falle sofort fernmündlich Nachricht zu geben.
Schlüchtern, den 13. September 1932.
Der Landrat. Dr. Müller.
I.-Nr. 3800. In letzter Zeit hat sich die Ichildlaus Le- canium corni im Regierungsbezirk Kassel in solch starkem Maße vermehrt, daß namentlich die Kulturen von Zwetschen und Pflaumen ernstlich gefährdet sind.
Durch die Laugtätigkeit der Ichildläuse lassen die Bäume in ihrer Entwicklung und Fruchtbarkeit nach, kränkeln und gehen bei Massenbefall oft völlig zugrunde. Bei der großen Vermehrungsfähigkeit der Ichildläuse — ein Weibchen kann bis 3000 Eier erzeugen — ist eine durchgreifende Bekämpfung erforderlich. Die Bekämpfung hat nur dann Erfolg, wenn sie nicht von einzelnen Personen sondern gemeinschaftlich durch gemeindeweise Bespritzungen der Bäume mit 8—lOprozentigem Dbstbaumkarbolineum vorgenommen wird.
Ich ersuche deshalb die Grtspolizeibehörden, mit Hilfe der Feldhüter, Dbstbaumwarter und sonstigen mit der Pflege der Gbstbäume vertrauten Personen die Anzahl der befallenen Bäume bis zum 1. DAtober festzustellen und hierher mitzuteilen.
Huf Grund dieser Listen werde ich dann für die Gemeinden die Bestellung des Gbstbaumkarbolineums veranlassen. Die entstehenden Kosten müssen von den Gemeinden bezw. den Dbstbäumbeiitzern getragen werden.
Ueber die Durchführung der Bekämpfüngsaktion ergibt demnächst noch nähere Anweisung.
Lchlüchtern, den 17. September 1932.
Der Landrat. Dr. Müller.
Kreisausschutz.
Jassir. 3941 K. A. Nach der Bestimmung tm § 1 Kapitel II des ersten Teiles der Verordnung vom 4. September 1932 — Reichsgesetzbl. von 1932 Teil 1 Seite 428 — sind die Zuschläge für Steuerrückstände — vergleiche § 1 der zweiten Verordnung über Zuschläge für Steuerrückstände vom 22. Januar 1932 (Reichsgesetzbl. 1 Seite 31) — mit Wirkung vom r6. September 1932 von einundeinhalb (i1/») vom Hundert auf eins (1) vom Hundert für jeden angefangenen kalben Monat herabgesetzt worden. Meine Kreisblatt - Verfügung vom 2. Februar 1932 — A-Nr. 501 K. A. — Kreisblatt Nr. 17 von 1932) ändert sich sonach entsprechend.
Schlüchtern, den 19. September 1932.
Der Vorsitzende des KreiSausschmIrS: Dr. Müller.
I.-Nr. 3914 K. A. Die Herren Bürgermeister und Her» ner der 5radt- und Lan dgemeMden des KreSes werden zu einer Besprechung dienlicher Hnaele venhoften auf M o u- , tag, dem 26- September d. 3s„ vorM. 9'-. 11 br l in dem Sitzungssaal der bieten Kreisbaufes eingeladem. ' Im Vordergrund dieser Oersammsuna steht eine Besprechung । über Bleuer- und Finanziragen sowie ein Dortrag über den , freimilligen Arbeitsdienst. Im Hinblick auf die Wichtig- 1 best dieser Tagesordnung ist es unbedingt erforderlich, daß s sÄntssche Herren Bürgermeister erscheinen oder einen Vertreter entsenden. Etwaige Anträge oder Vorschläge über weitere Verhandlungsgegenstände ersuche ich mir alsbald einzuverchen.
Bchlüchtern, den 14. September 1932.
Der Vorsitzende des lireisaurschusses: Dr. Müller-
Stadt Schlüchtern.
Oeffentliche Mahnung.
An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat September 1932 bezw. für Vormonate zu entrichtenden Staatssteuern (Grundvermögens- und Hauszinssteuern), städtische Steuern und fpnftigen Abgaben an die Stadtkasse nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung Bei Meidung kostenpflichtiger Einziehung sind sofort zu zahlen:
Staatliche Grundvermögenssteuer mit Zuschlag,
Staatliche Hguszinssteuer,
Städtische Grundvermögenssteuer-Zuschläge,
Gewerbeertragsteuer für 1. u. 2. Viertelst 1932, Gewer- bekapitalsteuer-vorauszahlungen für l.u. 2. Viertels. 1932, Bürgersteuer, Holzgelder, Schulgelder für Lateinschule, Schulgelder für Staatliche Aufbauschule, Wassergelder, Staats- lo^holzgeld, Mieten, Polizeistrafen, Hundesteuer, Pachtgelder, Kanab und Anerkennungsgebühren sowie alle anderen angeforderten Abgaben.
Bei nicht rechtzeitiger Zahlung werden die gesetzlichen Verzugszinsen bezw. Verzugszuschläge erhoben.
Mahnungen erfolgen nur öffentlich, nicht durch Behändi- gung von Mahnzettelm
Schlüchtern)d en 21. September 1932.
Stadtkasse.
Amerikanischer Druck
Deutschland soll sich an den Genfer Beratungen beteiligen.
Washington, 21. September.
Zur deutschen Forderung nach Gleichberechtigung hak der Präsident der Vereinigten Staaten, Hoover, eine Erklärung veröffentlicht, in der er darauf hinweist, daß die Haltung Amerikas zu dieser Frage klar sei. Es handle sich um eine europäische Frage, und überdies habe Amerika auch nicht den Vertrag von Versailles unterzeichnet. Die Vereinigten Staaten hätten lediglich an einer schrittweisen Abrüstung in der ganzen Welt Interesse und wünschten, daß sich Deutschland weiterhin an der Abrüstungskonferenz beteilige, die heute für die ganze Welt so erfolgversprechend sei. Die Vereinigten Staaten würden ihre Hilfe leihen, um dieses Ziel zu erreichen.
Sparausschuß konstituiert
Berlin, 21. September.
Wie verlautet, besteht der Ausschuß, der von der Konferenz der Finanzminister eingesetzt worden ist, außer dem Reichsfinanzministerium aus den vier großen Ländern Preußen, Bayern, Sachsen und Württemberg und den mittleren Ländern Hamburg, Thüringen und Mecklenburg- Schwerin. Der Ausschuß ist bereits zu einer ersten Sitzung zusammengekommen. Das Arbeitsgebiet erstreckt sich auf die verschiedenen Verwaltungszweige." Der Ausschuß wird sich auch mit der Frage der Beomtenbesoldung beschäftigen, hierfür besteht gerade bei den Ländern ein starkes Interesse, da die Besoldungsverhältnisse bei ihnen recht ungleich sind. Ein besonders wichtiges Gebiet ist die Arbeitslosen- und die Wohlfahrtsunterstützung.
Krönt gegen Japan
Internationale Sorge ersten Ranges.
London, 21. September.
Die japanische Haltung in der Frage der Mandschurei hat nicht nur den nationalen Widerstand in China von neuem angefacht, und die einander bekämpfenden Parteien wenigstens fürs erste zusammengeführt, auch die internationale Politik wird durch das Vorgehen Iapans aufs stärkste in Mitleidenschaft gezogen, und auch hier zeigt sich eine gemeinsame Front gegen Tokio. _
Besonders in den Bereinigten Staaten kommt die Em- oöruna und die sorge über die japanische Politik schr lebhaft zum Ausdruck uM mhrt bis s Erwägungen über dr- plsmarssche und nöimmI-I; auch mikLärssche G-semn-ß- nacmen. Die enzii'che Diplomr-ie kommt «was :ar.A'amr: in Schwung, aber auch in London ist man sich k ar darsser daß die Erklärung des japanischen Tußenminmers 2a« du Einschränkungen der .offenen Tür" in der Mondichurer zu rnternatiimalen Verwicklungen führen, muß. Der em dem Heimweg befindliche Vöikerdundsmrs'chvs. ber der in der Mandschurei an Ort und ereile geprüft hat, nebt nor Berichten und Aeußerungen feiner manoebenden Mugne- der die Lage als überaus kritisch an und glaubt, daß Japan feine politischen Ziele nur mit Gewaltmaßnahmen durch letzen sonnte. So wird das mandschurische Problem zu einer internationalen Sorge ersten Ranges und dürste sich bald neben der Äbrüstungsfrage und den wirtschaftlichen Auseinandersetzungen in den Vordergrund der weltpolitischen Arena drängen.
Reichspräsident bestimmt 6. November zum Wahltag.
Reichspräsident von Hindenburg hat durch Verordnung bestimmt, daß die Neuwahl des Reichstages am 6. November 1932 stattfindet.
Zweierlei Englisch
Präsident Henderson nach Minister Simon.
Der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz, henderson, hat dem Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath in einem Brief die deutsche Absage für die Sitzung des Büros der Konferenz bestätigt, und er hat einen Tag später in einem Zeitungsaufsatz seine Auffassung über die Haltung Deutschlands und die aus ihr abzuleitenden Folgen niedergelegt.
Diese beiden Verlautbarungen des von England bestellten Präsidenten der Abrüstungskonferenz, also wohl doch des für das ganze Abrüftungsproblem kompetentesten Engländers, unterscheiden sich sehr auffällig von der Note, die der englische Außenminister Simon in der Abrüstungsfrage an die Reichsregierung gerichtet hat.
Der Unterschied liegt sowohl in der Form wie in der Gesinnung. Präsident henderson hat sein Schreiben an den Reichsaußenminister in einem überaus konzilianten Ton gehalten und sich bemüht, den deutschen Gründen für das Fernbleiben von der Konferenz sachliche und stimmungs- mäßige Gegengründe entgegenzustellen, die zeigen,
daß er die Berechtigung des deutschen Standpunktes anerkennt, und daß auch er keinen Zweifel an der Notwendigkeit lassen möchte, zu positiven Ergebnissen zu kommen.
Wenn er sich auf seine Rede vor der Generalkommission bezieht und sich selbst zitierend sagt, wenn er nicht an eine Zeit der Ernte glaube, so würde er die Kommission bitten, ihn zu entschuldigen, daß er nicht noch einmal für ein halbes Jahr-nach Genf käme, so ist das für den Kenner der Person hendersons ganz gewiß nicht nur Zweckoptimismus, sondern der ehrliche Glaube an die Möglichkeit des Erfolges.
Die Ehrlichkeit der Gesinnung hendersons und die Geradheit seiner Auffassung geht besonders eindringlich auch aus seinem Aussatz im „News Ehronicle" hervor, wo er sagt, daß auch für die Sitzung des Büros der Konferenz die deutsche Forderung auf Gleichberechtigung die entscheidende Frage sein werde, daß die Dringlichkeit dieser deutschen Forderung nicht zu unterschätzen sei, und daß keine Sektion der Abrüstungskonfereu; darüber erstaunt sein könne, daß diese Frage jetzt mit solcher Dringlichkeit aufgeworfen werde.
Das klingt wesentlich anders als der schulmeisternde und völlig an dem Gewicht der Tassachen vorübergehende Inhalt der Londoner Note. Wenn henderson am Schluß seines Aussatzes sagt, daß im Hinblick gerade auf die Bindungen von Versailles und Locarno nur eine Antwort auf die deussche Forderung möglich ist, die sich nicht nur mit der Ehre, sondern ebenso mit der Auftechterhaltung guter Beziehungen unter den Nationen verträgt, so spricht auch aus diesen Worten ein anderer Geist als aus denen des englischen Außenamtes. Die Kommentare der englischen Presse zu der Note an Deusschland zeigen, daß der überwiegende Teil der öffentsschen Meinung Englands ebenso denkt wie Henderson, und vielleicht bleibt doch noch ein Rest von Hoffnung, daß die verhärtete Bürokratie des englischen äußeren Dienstes durch solche Stimmen eines Bessern belehrt und^auf den einzig möglichen Weg gewiesen wird. Niemand würde das mehr begrüßen als Deusschland.
Englische Kritik
London, 21. September.
Der liberale „News Ehronicle" bedauert in einem Leitartikel den Ensschluß Deusschlands, nicht nach Genf zurückzukehren, nennt ihn aber begreiflich. Es sei auch bedauerlich, daß die britische Denkschrift keinen entschiedeneren Beitrag zur Lösung dieses kritischen Problems bringe. Die Denkschrift des Foreign Office sei keineswegs ein Ausdruck der wahren Stimmung des Landes.
„Daily Expreß" schreibt: Das britssche Publikum ist der Ansicht, daß der Fftieüensverrrag meint, was er sagt, und daß die britische Nation nickt beabsichtigt, sich mit den Deutschen zu verckkeinigen um der Franzosen willen. Sie nur chre militärische Beherrschung Europas aufrechterhalten wollen.
SchMskei an Hino-nburg Geburtstag
Berlin, 21 September
Nach einer Mitteilung des Amtlichen Preußischen Presjedrenürs h-r 5er mir der Wahrnehmung der Äelchä'» | des prrußIcheri Ministers für Wi-enicheft. Kunst und Vslls- i bißung beauftragte Smarsiekretär Dr. Ban*mors an die > ProornziallchulkÄlegiea und dir Regierungen einen Erlaß । herausgegeben, daß zur Feier des 85. Geb^rrsrages des Herrn Reichspräsidemen am 1. Oktober oder, ioweu Meier Tag in die Ferien fällt, am letzten Schultage der Unter- ; richt ausfällt.
Der Polizisienmor- in Königsberg
Königsberg, 21. September.
Das Sondergericht in Königsberg verurteilte den Angeklagten Otto Altrock, der auf einer Einbruchsfahrt den Polizeibeamten Wenendt aus Labiau durch einen Schuß in die Lunge getötet hatte, zu 15 Jahren Zuchthaus und x 10 Jahren "Ehrverlust. Sein Komplice Kluwe erhielt ei» । Jahr neun Monate Zuchthaus