invaliden Arbeitnehmern. Hier findet die Freiheit der Wirtschaft ihre Grenze in Gebot sozialer Gerechtigkeit.
.„Die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft soll gesichert und der soziale Gedanke gewahrt bleiben."
Nach dieser Richtschnur will die Reichsregierung handeln, Niemand in der Reichsregierung denkt daran, die wohlerworbenen Rechte des öffentlich-rechtlichen Versicherungsschutzes zu beseitigen, den Arbeiterschutz aufzuheben oder die begrifflichen Merkmale des Tarifvertrages zu zerstören. Das Mißtrauen, das in dieser Hinsicht der Ermächtigungs- verordnung entgegengebracht wird, ist grundlos..
Mahnung an das Llnternehmerium
Ich möchte hier eine sehr ernste Mahnung aussprechen. Alle Maßnahmen, die in den Verordnungen vom 4. und 5. September niedergelegt sind, gelten für eine Uebergangszeit von zwölf Monaten. In dieser Zeit entscheidet sich die Zukunft unserer Wirtschaft und damit unseres Staates.
Die Reichsregierung erwartet von den Unternehmern, daß sie die ihnen anvertrauten Mittel gewissenhaft zum Wohle des ganzen Volkes verwalten. Sie wird mit eiserner Strenge gegen Elemente vorgehen, die sich als Parasiten der Wirtschaft auf Kosten der Arbeitnehmer bereichern wollen. Mißlingt der Plan der Reichsregierung, dann ist das freie Unternehmertum verloren. Wehe dem Unternehmertum, wenn es jetzt nicht feine Stunde er- kennt und die große Chance begreift, die ihm die Reichsregierung bietet, wenn es nichts wagt, sondern zurückhaltend abwartet.
Umbau des staatlichen Lebens
Die Regierung wäre fehl am Platze, wenn sie zugeben wollte, daß nach dem demokratischen Pendelgesetz wechselnder parlamentarischer Mehrheiten ihre Nachfolgerin wieder eine irgendwie zusammengesetzte Parteien-Koalition sein könnte. Damit wäre für eine grundlegende Umstellung nichts gewonnen. Ebenso verfehlt würde es sein, an die Stelle wechselnder Partei-Koalitionen die Diktatur einer Partei zu setzen, — eine Staatsform, die möglicherweise den Bedürs- nissen anderer Länder, niemals aber denen des deutschen Volkes entspricht.
Aus der heutigen Zerfetz,mg unseres Staatslebens her- aus und in gesunde, zukunftsvolle Verhältnisse kann uns allein die Herstellung einer wahrhaft unparteiischen nationalen Staatsführung bringen, die gestützt ist aus die Macht und die Autorität des vom Volke gewählten Reichspräsidenten.
Innere Erneuerung
Der Staat muß sich der geistigen und religiösen Grundlagen bewußt sein, auf denen er ruht Kulturelle Neutralität ist für ihn ein Unding. Staatliche Führung kann nie Kultur hervorbringen, kann sie nur schützen und lebend erhalten. Aber in Zeiten, in denen das Volk sich in einer geistigen Wende befindet und dem inneren Streit zu erliegen droht, muß die Staatsgewalt auch auf dem Wege der inneren Erneuerung vorangehen. Sie wird den
Kutturbolschewismus in jeglicher Form bekämpfen,
der die geistige Grundlage unseres Volks- und Staatslebens zerfetzt. Die Erziehung der Jugend muß wieder unter den Gesichtspunkt gestellt werden, ein Geschlecht heranzubllden, das^fähig ist, den Staat zu tragen.
Ich erfülle eine selbstverständliche Pflicht, wenn ich mich in dieser Stunde großer Entscheidungen vor die historische
Roman von
Ida Boy- Ed
1 Copyright by Romandienst „Digo“, Berlln-Schmargendorf
(Fortsetzung 5)
Ach, die Mutter hatte ihnen vielleicht gefehlt, die an rich- nger Stelle zugelte, an anderer sie vorwärts trieb. So er- narte sich Ebba viel. Auch das, daß Helene sich in eine solche Rolle hinemgelebt hatte. Ebba konnte und mochte nicht alau- ben, da^ es Natur sei. Aber doch fragte sie sich, wo denn die „Molle ansange und wo die angeborene Art fei. Seit gestern mittag fegten es, als ob die Vertraute eine Fremde gewor- den wäre, als ob in der Harmlosen unheimlich Geheimnis- voues revte.
unb Schweigen kamen sie allmählich in die Stadt hm ein.
Das Haus der Tante lag auf dem Platz, der die Iohannis- kirche umgab Alte Linden mit viereckig zugeschnittenen Kro- nen standen da um eine rote, aus Backsteinen gebaute gotische Kirche. Jetzt brach sanftes Licht aus den hohen Bogen- jenftern, und vielstimmiger Kindergesang und leise schwel- d^Ki^che^ ^^E ^Een halb traulich, halb melancholisch aus
Die Lünstedter waren stolz auf ihre alte Kirche und achte- ten die neuere Petrikirche und die aus dem sechzehnten Jahrhundert stammende Anscharkapelle weit geringer. Sie taten auch alles, um dem Platz seinen strengen, düsteren Charakter zu erhalten, und wer da bauen wollle, mußte gotische Formen wählen. So hatte auch Tante Luisens verstorbener
aufgefuhrt, die einen Treppengiebel mtt Turmchenaufsätzen zeigte und viel zu anspruchsvoll für das geräumige, aber nüchterne Wohnhaus war, das sie deckte. ?^ZEnster des ersten Stockes waren alle hell. Wenn die Lünstedter Mittwoch abends über den Iohanniskirchplatz gin- gen, sagten sie: „DieHerlingen hat ihren ,Tag'." Die Kommer- zienratln war gewissermaßen die große Dame von Lünstedt, u ungemein in dieser Stellung. Die Gesell- jchast, die bei ihr zusammenkam, war auch das Beste, was die
Ergeben konnten. Die Stadt hatte emiae erhebliche Fabriken, denn sie lag an der großen Schienen- straße, die Hamburg mit dem südlichen und westlichen Deutsch- oerband, und ein kleines, schiffbares Flüßchen gab Ge- legenljett, Waren zu Waßer zur Elbe hinab zu verfrachten. öo bildeten mehrere reiche Fabrikantenfamilien den Stamm der Gesellschaft, ^azu kamen einige Rechtsanwälte und Herr von Kunowsky als Inhaber des großen Bankhauses.
Diese erste Gesellschaft von Lünstedt fühlte sich nicht'als Kleinstadtbewohner. Ihr Gesichtskreis ging über ihr Gemein- wesen mit den ungefähr vierzehntausend Einwohnern hinaus. Groye Handelsbeziehungen weiten immer Blick und Ur- teil und geben Lebensbedürfnisse und Gewohnheiten der anspruchsvollsten Art.
Ebba sah vorn auf dem Flur, daß schon einige Herrenhüte WS -mantel dahingen. Jener lange, weite, rehsarvene Pale-
Persönlichkeit unseres Staatschefs stelle. So hoch die sümpfenden "einalten von heute überschattet werden von diesem Sym I der Einigkeit, von der ehrfurchtgebietenden Persönlichkeit Hindenburgs, — so sicher bin ich, daß jeder gute Deutsche nur mit Kopfschütteln und Abscheu von Reden Kenntnis genommen hat, die jede Ehrfurcht vor der Weis- Heft des Alters und der großen Persönlichkeit vermissen
Die grundsätzliche Beseitigung der Schäden, die aus der Staatsführung der letzten dreizehn Jahre entstanden sind, kann folgerichtig nur in einer
Reform der Verfassung
gefunden werden. Wir werden diese Frage nicht übereilt und nur in Uebereinstimmung mit den Ländern der Lösung zuführen.
Wir beabsichtigen, dem deutschen Volk nach sorgfältiger Prüfung einen Entwurf vorzulegen, der auf Grund der Erfahrungen der Geschichte und der Eigenart unserer Heimat für lange Zeit die Grundlage unseres staatlichen Lebens sichern soll. Ganz dringend ist die Frage einer Neuregelung des Aufbaus des Reiches. Das W a h l r e ch t — das ist die Auffassung fast aller politischen Parteien — bedarf eines Umbaues. Die Heraufsetzung des Wahlalters wird Schule und Universität in weitem Maße von politischer Radikalisierung befreien, der sie heule zum Opfer zu fallen drohen. Die Frage Reich-Preußen wird im Rahmen der Verfassungsund Reichsreform gelöst werden. Wir werden den geschichtlich gewordenen preußischen Staat nicht zerschlagen. Notwendig ist aber eine organische Verbindung der preußischen Regierung mit der des Reichs. Auf diesem Gebiet liegt die Möglichkeit einer durchgreifenden Verwaltungsreform und । Verwalkungsverbilligung. Die Regelung des Verhältnisses I zwischen Reich und Preußen wird die Eigenstaatlichkeit der anderen deutschen Länder nicht antasten. Ich bin überzeugt davon, daß eine Reichereform möglich ist, die sowohl dem geschichtlichen Recht der Länder wie dem Gesamtwohl des deutschen Volkes entspricht.
Der Kanzler schloß: „Ich hatte die Absicht, von der Tribüne des Reichstags die erwählten Vertreter des Volkes auf- zufordern, dem Lande dadurch zu dienen, daß sie der Reichsregierung die Durchführung ihres Programms ermöglichen. Die Volksvertretung hat mich daran gehindert, sie hat es nicht gewollt. Deshalb rufe ich dem Lande in dieser Stunde Stunde zu: Mit Hindenburg und für Deutschland!"
„Fliegende Familie" gerettet
Auffinden durch englischen Fischdampfer.
London, 14. September.
Der schottische Fischdampfer „Lord Talbot", der auf die SOS.-Rufe des Flugzeugs der Familie Hutchinson nach der Küste von Grönland fuhr, hatte zunächst der Reede in Aber- deen durch Funkspruch mitgeteilt, daß er noch immer keine Spur der Vermißten finden konnte. Das Schiff setzte die Suche mit Hilfe von Scheinwerfern fort, doch wurden seine Bemühungen durch Eisberge erschwert. Zwei Mitglieder der britischen Expedition zur Erforschung einer arktischen Luftlinie waren von Angmagsalik aufgebrochen, um an den Nachforschungen teilzunehmen.
Nach einem Telegramm, das bei der Verwaltung von Grönland eingegangen ist, hat der Trawler „Lord Talbot" um 2 Uhr nachts sämtliche Mitglieder der Fliegerfamilie Hutchinson auf Land bei 3ferfuaf gefunden. Die Geretteten befinden sich wohl, die Maschine aber ist wrack.
tot, war das nicht der Kunowskys? Wie jollie man es fertig bringen, Kunowsky unbefangen zu begrüßen? Ebba konnte nicht heucheln, auf gar keine Weife, nicht einmal aus gesellschaftlicher Notwendigkeit. Und wie mattes nur möglich, daß Helene nicht einmal die Farbe wechselte?
Sie traten ein. Richtig, gleich im ersten Zimmer, in einem ruhigen Gespräch mit dem Doktor Stecher, der alle Leute immer schräg über die Brille weg ansah und sich fortwährend seinen blonden Backenbart kratzte, stand er.
Aber er — ja, er wechselte die Farbe. Ebba sah es deutlich. Als Helene mit ihrem schwebenden Gang, der kaum die weichen Falten ihres weißen Kleides bewegte, auf ihn zukam, errötete er. Er küßte Helene auch die Hand, was man sonst in Lünstedt nicht tat und was sofort Herrn Doktor Stecher und der Frau Buschmann so auffiel, daß sie einen Blick wech- fellen, der Tante Luise, die gerade mit der Buschmann sprach, nicht entging. Tante Luise lächelte darauf der Buschmann vertraulich und bedeutungsvoll zu.
Man trank Tee, und nach und nach kamen mehr Gäste. Jeder hatte eine Entschuldigung für das Zuspätkommen. Es waren alles arbeitsame Menschen: Männer, die in Labora-
i" Auros gesessen, Frauen, die eine Kinderstube, einen Hausstand zu beaufsichtigen hatten. Ebba war zerstreut und konnte sich nicht unterhalten. Sie sah immer Richaro von Kunowsky an. Er war wohl eigentlich kein schöner Mann, aber er sah vornehm aus. Sein etwas fahles Gesicht mit den hellen Augen machte einen verschlossenen Eindruck. Er pflegte auch wenig und gemessen zu sprechen. Sein blondes Haar war sehr sorgsam geordnet, die ganze Erscheinung in sehr modischer Tracht fast zu gepflegt; dennoch wirkte Kunowsky wie ein ernster Mann.
S° von außen könnte es scheinen, als paßten sie zusammen, dachte Ebba.
Gerade hielt sie den Komplimenten des jungen Buschmann stand. Tante Luise guckte hoffend hinüber: der junge Busch- ™.a™' .mi* filier Mutter zusammen Besitzer einer großen Wollspinnerei, der wäre was für Ebba! Und Frau Busch- m*?™ Au forgend herüber: die arme Professorstochter war nichts für ihren sohn; das Verloben steckt an, und wenn Ku- floussky sich wirklich mit der Helene verlobte, würde am Ende ihr Fiddie sich auch fangen lassen! - Es war Ebba, als läse sie diese Gedanken von den Gesichtern der beiden Damen- in ihr empörte sich etwas: Hier war ein schnöder, häßlicher Hei- ratsmarkt und Helene und sie wurden ausgeboten ...
Holene?" fragte Ebba, unruhig sich umsehend, denn die Pflegeschwester war ihr aus den Augen gekommen. „Wir fort — ja, wir müssen gleich fort — hier können wir nicht bleiben.
„Was haben Sie? Ist Ihr Herr Vater krank?"
,,O nein, gar nicht — gottlob nicht," sagte Ebba.
Sie ließ Fiddie Buschmann einfach stehen und wollte He- lene suchen. Sie wollte sie an der Hand nehmen und mit sich fortreißen. Sie wollte ihr sagen, ob sie denn nicht fühle, wie roll wie unkeusch es sei, daß man hier so auegeboten werde. Da erschrak sie und blieb ganz still und klein stehen. Es trat noch ein Gast herein, und dieser Gast war der Mann. an
Haushaltsnotverordnung in Hamburg.
Bei der Beratung des Staatshaushaltsplanes für 1932 lehnt« die Hamburger Bürgerschaft ^en ersten Abschnitt des Haushalts, planes, „Senat", mit 77 Stimmen der Rechten und der Sommu. nisten gegen 64 Stimmen ab. Bürgermeister Roß erklärte darauf daß der Senat nach Ablehnung dieses Abschnittes des Haushalts- planes die gesamte Haushaltsvorlage zurückziehe. Nach diesem überraschenden Abbruch der Etatsberatungen wird der Senat den Staatshaushaltsplan durch Notverordnung in Kraft fetzen.
2000 Obdachlose durch Riesenfeuer. In der im polnischen Kreise Lomza gelegenen Stadt Kolno (südlich der ostpreußi- schen Stadt Johannisburg) brach ein Feuer aus, das sich mit rasender Schnelligkeit über den größten Teil der Staot aus. breitete. Wassermangel und Sturm erschwerten die Lösch- arbeiten, so daß die halbe Stadt niederbrannte. Ueber 2000 Personen sind obdachlos. Die Höhe des Sachschadens konnte noch nicht festgestellt werden.
Ueberführung der Leiche Zwirkos nach Polen. Die Ueberführung der beiden verunglückten polnischen Flieger Oberleutnant Zwirko und Ingenieur Wigura vom tschechoslowakischen Gebiet nach der polnischen Grenze ist mit allen militärischen Ehren erfolgt. Eine Staffel von neun Flugzeugen aus Prag und Olmütz, eine Ehrenkompanie aus Tschechisch-Teschen und eine Ehrenabteilung des Fliegerregiments aus Olmütz sowie zahlreiche militärische Würdenträger erwiesen den beiden toten Fliegern die letzte Ehre. Die Beisetzung der beiden polnischen Flieger wird am Donnerstag in Warschau auf Staatskosten stattfinden.
Dorfbrand im Kanton Wallis. Durch ein Großfeuer, das in der Nacht das in der Hauptsache von Kleinbauern । bewohnte Dorf Blitzingen heimsuchte, sind zehn Wohnhäuser I und zehn erntegefüllte Scheunen vernichtet worden. Niedergebrannt find auch das Schulhaus, das Wirthaus und das Postgebäude. 80 Personen sind obdachlos. Menschen kamen bei dem gewaltigen Brand nicht zu Schaden. Der größte Teil der Brandgeschädigten ist nicht versichert. Die Brandursache ist noch nicht festgestellt.
24 Tote bei Dampsfährunglück in Japan. Infolge des Kenterns einer Dampffähre, die hundert Arbeiter des Arsenals von Kure beförderte, find 24 Personen ertrunken.
45 Millionen Francs veruntreut. Der englische Bankier Joseph Aspinail, Eigentümer und Direktor der Bank Bebis in Paris, ist unter dem Verdacht des Betruges und des Vertrauensmißbrauches verhaftet worden. Die Summe, die Aspinail veruntreut haben soll, soll 45 Millionen Francs betragen.
Neuer Transozeanflug. Die Flieger Miß Newcomer, Dr. Ulbrich und Dr. Pisculli sind von Neuyork aus zu einem Transozeanflug gestartet. Sie wollen versuchen, ohne Zwi- } schenlandung nach Rom zu gelangen.
Ausbruch von 32 Gefangenen in La Plata. Aus einem Gefängnis in La Plata sind 32 Gefangene durch einen unterirdischen Tunnel von etwa einhundert Meter Länge entkommen, der erst jetzt entdeckt wurde.
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den Ebba, zwischen Hingabe und Auflehnung leidvoll hin und her schwankend, allezeit zu denken sich von ganzer Seele gezwungen fühlte.
Auch Doktor Andreas Alteneck war der Besitzer und Lei- ter eines großen industriellen Unternehmens, des bedeutendsten in der Stadt. Es hieß, dies Unternehmen habe in feinen Fundamenten gewankt, als der junge Alteneck es nach dem Tode seines Vaters als vierundzwanziger junger Mann übernehmen mußte. Aber in noch nicht zehn Jahren hatte er es gefestigt und vergrößert und derart zu heben vermocht, daß man ihn heute einen wohlhabenden Mann nannte.
Jahre der angestrengtesten Arbeit hatten fein Antlitz mit mehr charaktervollen Zügen beschrieben, als man sie bei einem Mann seines Alters sonst wohl sah. Die Gewohnheit, vierhundert Untergebenen der leitende Führer zu sein, vielleicht auch das Bewußtsein, ungewöhnliche Fähigkeiten erfolgreich betätigt zu haben, gaben seinem Auftreten eine besondere stolze Sicherheit.
Ebba schaute ihm entgegen, wieder wie stets, wenn sie ihn sah, betroffen, berauscht fast von seiner Erscheinung. Kein Männerantlitz erschien ihr eines Vergleiches mit diesem würdig- Sein großes, graues Auge unter starken Brauen blitzte.
Seine Stirn hatte die edelste Form. Ein wenig gewellt legte sich das dunkle Haar um feinen Schädel. Seine Gestalt war hoch und breit.
Ein Mann! dachte sie wieder voll inneren Jubels, ein wirklicher, ein ganzer Mann.
Und sie errötete, als sie sich der Gedanken erinnerte, die ihr gestern morgen gekommen waren, bei Tante .Luisens Andeutungen. Wie hatte sie nur einen einzigen Augenblick denken können, er werbe so — er werbe überhaupt . ..
Eine schmerzliche Hoffnungslosigkeit durchzitterte ihre Seele und feuchtete ihr die Augen.
Er kam näher. Tante Luise, die sich immer durch sein Cr- lchemen geehrt fühlte, dankte ihm mit übertriebenen Worten, daß er noch gekommen sei. Er begrüßte jedermann, ganz der Reihe nach, wie die Leute gerade dastanden und sahen.
So kam er auch zu Ebba. Ihre Finger waren eiskast in seiner Hand. Er sagte etwas, sie hörte es nicht. Sie sah ihn nur stumm an, bittend, beinahe schuldbewußt. Und er blieb neben ihr, ohne ein Gespräch mit ihr fortzusetzen. Er sprach nach der anderen Seite. Aber Edda hatte mit jagendem Herzklopfen die Einbildung, er stehe doch ihretwegen da.
Tante Luise rief, man möge sich setzen oder doch zuhören, Herr Buschmann werde singen.
Fiddie Buschmann sang mit einem gutgeschulten Bariton, von seiner Mutter am Piano begleitet, fast jeden Mittwoch hstv ein paar Lieder. Man mußte nur nicht hinfehen, denn die Mutter wiegte ihren rundlichen Oberkörper hinschmelzend im Genuß bewundernden Hörens im Takt, und der Sohn hob die Oberlippe in einer fast grotesken Weise, was seiner Tonbildung und Textaussprache sehr zu statten kommen mochte, aber ihm bei seinen Raffzähnen eine verhängnisvolle Aehnlichkeit mit einem schnüffelnden Känguruh gab.
(Fortsetzung folgt)