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Amtliche Bekanntmachungen.

Land r at samt.

Das Nuspfunben von Vieh.

Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die Kreisbauern» schaft Schlächtern in Nr. 105 der Schlächter ner Zeitung eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Kiel, dessen Aus­führungen bei dem oberflächlichen Leser den (Einbruch er» wecken könnten, als ob die Straffreiheit des Schlachten? selbstgemästeten Viehes auch außerhalb genehmigter Schlachträume und des Verkaufs des daraus gewonnenen Fleisches unmittelbar an die Verbraucher auch in hiesiger Gegend gewährleistet sei. Um zu verhüten, daß Landwirte sich durchs eine solche irrtümliche Auffassung u. U. Bestra­fungen Zuziehen, weise ich daraus hin, daß das Gberlandes- gericht Kiel eine den Charakter des landwirtschaftlichen Nel'enbetriebes für solche Schlachtungen und Verkäufe be­gründende Allgemein-üblich Keil solcher Produktionsverwer- tung nur für die Provinz Schleswig-Holstein festgestellt hat, während andere Oberlandesgerichte, wie Berlin und Dres­den, für ihre Bezirke gegenteilige Feststellungen getroffen haben. Das Gberlandesgericht Frankfurt a. M. hat, soweit hier bekannt, in der Frage noch' nicht grundsätzlich entschie­den. Solange eine solche Entscheidung nicht vorliegt oder sich eine einheitliche Nechtsausfasfung für das ganze Reichs- vder Staatsgebiet gebildet hat, werden aber die Polizeibe­hörden in allen zweifelhaften Fällen also sofern es sich nicht um Notschlachtungen aber ähnliche aus einer Zwangslage des Erzeugers entspringende Notmaßnahmen handelt gegen Schlachtungen außerhalb genehmigter Schlachträume Und gegen das Auspfunden des gewonnenen Fleisches nach wie vor einschreiten und Strafanzeigen er­statten müssen. Ueber die Strafbarkeit der Einzelfälle wer­den alsdann die Gerichte zu befinden haben.

Schlächtern, den 1. September 1932.

r______ ___r Der Landrat. Dr. lNüller.

Betr. Freilichtbühne in GalmÜnster.

Salmünsterer Jungmänner haben durch freiwilligen Ar» kitsbienft in monatelanger .Arbeit bei der sog. Steinkaute am Weg von Salmünster nach« Bad Orb eine Freilicht­bühne errichtet, die jetzt in Benutzung genommen worden ist. Die jugendlichen Darsteller bringen als erstes Werk das hebbels'sche NibelungendramaDer gehörnte Siegfried" undSiegfrieds Tod" zur Aufführung. Vorstellungen sind in Aussicht genommen für Samstag, den 3. Sept 4 Uhr, Sonn­tag. den 4. Sept. 3 Uhr, Samstag, den 10. Sept. 4 Uhr, Sonntag, den 11. Sept. 3 Uhr und Sonntag, den 18. Sept. 3 Uhr nachmittags. Die Aufführungen an den beiden Scans» taaen sollen vor allem auch den Schülern der Volks- und höheren Schulen des Kreises Gelegenheit bieten, sich das Drama in Begleitung ihrer Lehrer anzusehen. Der Eintritts­preis beträgt für Erwachsene 0.80, 0,50 und 0,30 RM., für Schüler und Kinder 0,15 RM.

Den Herren Leitern der Schulen des Kreises kann wärm- stens empfohlen werden, mit ihren Schillern das Freilicht­theater zu besuchen und damit nicht nur diesen und sich selbst eine Freude und geistige Anregung zu bieten, sondern auch kulturelles Werk zu fördern, das die Satmünfterer -uaend in schwerster Zeit mit Opfern und in aNerkennens- werter Unternehmungslust in die Wege geleitet hat.

Schlächtern, den 1. September 1932.

Der Landrat. Dr. Miller.

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MreiZausschu 6»

Detr. Verbesserung des Rettungs- und Kranken- beförverungswefen«.

^-Nr. 3157 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stabs« nb Landgemeinden des Kreises werden hiermit an die Ellchigung meinet Nundverfügung vom 23. Juli d. 3s. - mr. 3157 K. A. betr. Verbesserung des Nettungs- lln.b Urankenbeförderungswesens erinnert. Damit ich den wir zur Berichterstattung an den Herrn Negierungspräsiden- en in Kassel vorgeschriebenen Termin einhalten kann, er»

>ch', diä mach ausstehenden Berichte spätestens Zum

^Ptember d. 3s. hierher einzUsenden.

Schlächtern, den 31. August 1932.

Ber Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

Abführuna Ves LoSbolzgelbeS.

S -Ur. 3705 K. A. Die Herren Bürgermeister der Land- "stneinden mache ich auf die Erledigung der Kreisblatt-Ver- ,^ung vom 8. Januar 1897 I.-Nr 70 K. A. (Kreis« f.w't Nr. 2 von 1897) betreffend Berichterstattung über w erfolgte Abführung des Losholzgeldes an die Forstkäffe "Ufinerhsam.

Schüchtern, den 1. September 1932.

, 0er Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

Konservative <i

Programmatische Aussühl

Berlin, 2. September.

Reichskanzler von Papen veröffentlicht in einer Zeit­schrift eine Arbeit überKonservative Staatsführung", der wir folgendes entnehmen:

In Deutschland besteht die Gefahr, konservative Politik gleichzusetzen mit der Tätigkeit der konservativen Partei Preußens vor dem Kriege. Um dieser Gefahr willen muß immer wieder an die Erkenntnisse erinnert werden, auf denen konservative Politik beruht; nämlich auf der bewußten Sorge um die planmäßige Erhaltung des menschlichen Lebens in seinen natürlichen Ordnungen.

Die Staatsgewalt, deren höchster Träger heute vom Volke gewählt und dem ganzen Volke zum Dienst verpflich­tet .ist, erscheint einer konservativen Politik als teures Gut und kostbarer Besitz des Volkes. Ihre Unabhängigkeit be­gründet sie auf ihre Macht; ihre Autorität aber auf die Ge­rechtigkeit, die ihr die freie Anerkennung eines freien Volkes schafft. Auch die Weimarer Verfassung hat im Ansatz ein solches überlegenes Amt vorgesehen, dem in Notzeiten die Fülle der gesetzgebenden und der ausübenden Gewalt zu- kommt, und dessen Träger die Einheit des Volkes und die Einheit des Reiches darstellen soll:

das Amt des vom Volke gewählten, auf sein Vertrauen gestützten Reichspräsidenten.

Die Autorität der Staatsgewalt muß gesichert werden durch die Macht. Sie ist verkörpert in der Wehrmacht. Die Staatsautorität ist die Grundlage für jede Weiterentwick­lung in Staat und Wirtschaft.

Deshalb erfordert eine konservative Politik die unbe­dingte Sicherung der Staatsautorität.

Wein auch hier verpflichtet konservative Gesinnung zu war­nen vor blindem Glauben an die Macht der Bajonette, die niemals ausreicht, die Staatsautorität auch innerlich zu sta­bilisieren. Der Sinn konservativer Staatsführung liegt in der Aufgabe, mit wenigen Gesetzen und in bewußter Be­schränkung auf die wichtigsten Gebiete des Staatslebens einen Rahmen zu schaffen, in dem sich die Kräfte der Nation frei entwickeln können.

Dieser Rahmen ruht auf den drei Pfeilern: 1. Der christ­lichen Erziehung und Kultur. 2. Staatsautorität und Staatsmacht, 3. den ethischen Gesehen christlicher Wirt­schaftsführung.

Die gegenwärtige Lage zeigt ganz klar, daß Parteiherr- schaft und Staatsführung Begriffe sind, die sich niemals mit» sinander decken können. Es ist wobt theoretisch denkbar, daß eine Partei im Parlament die Mehrheit gewinnt und die Staatsführung für sich in Anspruch nimmt. Die NSDAP. hat diese theoretische Möglichkeit als praktisches Ziel ver­kündet und ist diesem Ziel in hohem Maße nahegekommen. Wer noch einen Sinn für die mitreißende Kraft einer großen Bewegung besitzt, wird es ohne Rückhalt begrüßen, daß sich Millionen Deutsche im Glauben an die Zukunft der Nation zusammengefunken haben.

hier sind Ansätze vorhanden, aus denen sich neuer kon- servativer Geist entwickeln kann.

Jetzt geht es um den Staat und nicht um die Partei. Die Menschen, die zur NSDAP. geströmt sind, haben sich zum größten Teil von den alten liberalistischen Parteien abge» wandt und sich der Bewegung in der Hoffnung angeschlossen, an einem Neubau des Staates auf konservativer Grundlage mitzuwirken. Die Hoffnungen in den Herzen der Millionen von Nationalsozialisten können nur durch eine autoritäre Regierung erfüllt werden.

Die ^rage einer Regierungsbildung auf parlamenta­rischem Koalitionswege ist neuerdings wieder in den Kreis der öffentlichen politischen Diskussion gestellt worden.

Wenn angesichts der wachsenden Not derartige Verhandlun­gen mit dem Motiv geführt werden, den parteipolitischen Gegner durch Mißerfolg seiner Regierungstätigkeit zu ver- nichten, so ist das ein gefährliches Spiel, vor dem nicht genug gewarnt werden kann. Denn letzten Endes bedeuten solche Pläne nichts anderes, als eine Taktik, die in Kauf nimmt, daß es dem Volke noch schlechter geht, und der Glaube von Millionen in bitterste Enttäuschung umschlägt wenn nur damit das Ziel erreicht wird, den politischen Gegner zu ver­nichten.

Es liegt in der Natur solcher parkeikaklischer Manöver, daß sie verschleiert und in der Oessentlichkeit abgeleugnet werden.

Das kann mich nicht hindern, offen vor solchen Plänen zu warnen, bei denen es zunächst unerörtert bleiben mag, wer der Betrogene und wer der Betrüger ist die aber be= stimmt das deutsche Volk um die Hoffnung aus die Beste- rung seiner Lage betrügen.

Die Forderung nach konservativer Staatsführung darf aber nicht in der Weise verfälscht werden, als ob die konser­vativen Elemente in der Staatsführung nicht der Gegen-

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igen des Reichskanzlers.

wart, sondern einer Vergangenheit, die restauriert werden müsse, zu gelten hätten. Der Sinn einer autoritären Re­gierung würde vollkommen verfälscht, wenn man irgendwie dem Gedanken Nahrung gäbe, das Präsidialkabinett sei not­wendig, um den Willen der überwiegenden Mehrheit des Volkes zu durchkreuzen. Ich glaube vielmehr, daß die Maß­nahmen, die die Reichsregierung in nächster Zeit zu treffen hat, den Widerhall viel weiterer Kreise des Volkes finden werden, als sie durch irgendeine parlamentarisch« Regie­rungsbildung .zusammengebracht werden können.

Das Ende des Burgfriedens

Starke Beruhigung macht Verlängerung unnötig.

Berlin, 2. September.

Der von der Reichsregierung verordnete Burgfrieden ist abgelaufen. Da zweifellos eine sehr starke Beruhigung in der Richtung zu verzeichnen ist, daß die politischen Terror­akte, Zusammenstöße und sonstigen Ausschreitungen bis zu einem Grade abgenommen haben, der mit dem Zustand zu Anfang des Monats August gar nicht verglichen werden kann, wurde auf eine Verlängerung des Burgfriedens ver­zichtet.

Im ganzen hat er während des gesamten Monats August gedauert. Das Reichskabinett hatte ihn gleich nach der Wahl vom 31. Juli zunächst bis zum 10. August be» schloffen, damit der Unruhe des Wahlkampfes zunächst ein­mal eine Periode der Befriedung folge. Die Entwicklung der Verhältnisse zwang aber zu der Verlängerung, von der nur der Verfassungstag ausgenommen wurde.

Rebrigens wird sich die preußische Regierung wahr­scheinlich heute mit der Frage der Begnadigung der fünf verurteilten een Beuchen befassen.

Ohne daß der sachlichen Entscheidung vorgegriffen werden kann, die entsprechend der Münsterschen Rede des Kanzlers nach Recht und Gerechtigkeit erfolgen soll, erwartet man in politischen Kreisen, daß die innere Beruhigung und Befrie­dung weitere Fortschritte machen wird, wenn auch die Beuthener Frage geregelt worden ist. Gewiß wird die Ver- sammlungstätigkeit nach dem Fortfall der einengenden Be­stimmungen wieder lebhafter werden. Die Parteien haben aber selbst ein Interesse daran, sie innerhalb eines sachlichen Rahmens abzuwickeln, damit die Reichsregierung nicht ge» zwungen ist, erneut zu einschränkenden Bestimmungen zu greifen.

Hitler fordert erneut die Machtübernahme.

Nach dem Ablauf des politischen Burgfriedens verun­staltete die HSDAp. am Donnerstag abend im Berliner Sportpalast eine Massenkundgebung, in der Adolf Hitler das Wort ergriff. Hitler wandte sich in seinen Ausführun­gen gegen das Kabinett v. Papen und forderte erneut die Machtübernahme durch die nationalsozialistische Bewegung.

Volitischer Frieden auf lange Gicht.

Die Reichstagsfraktionen des Sentrifms und der Na­tionalsozialisten haben zu den zwischen beiden Parteien ge» führten Koalitionsverhandlungen eine gemeinsame Erklä­rung abgegeben, in der es heißt, daß die begonnenen Der» Handlungen fortgesetzt werden sollen mit bem Ziele der Be= ruhigung und Festigung der innerpolitischen Verhältnisse auf längere Sicht.

Explosion eines Munitionslagers.

M- In der Nähe von Bukarest explodierte am Donners­tag abend das Artilleriemunitionslager Toasna. Die Explo­sion rief in der ganzen Umgebung und auch in Bukarest eine Panik hervor. Die in der näheren Umgebung des De» pots stehenden leichten Häuser stürzten ein; in weitem Um» Kreis wurden alle Fensterscheiben zertrümmert. Db die Ex­plosion Menschenleben gefordert hat, steht noch nicht fest. Bisher wurden mehrere Schwer- und Leichtverletzte gebor­gen. Der Schaden überfteigt 100 Millionen Lei.

' Zuchthaus statt Todesstrafe.

H- Der Gnadenbericht der zuständigen Beuthener Justiz­behörden in Sachen der (Lobesurteile gegen die fünf Na- Nonalsozialisten spricht sich', wie verlautet, für eine Um» Wandlung der Todesstrafen in langjährige Zuchth^msstrafen aus. Man vermutet, daß das kommissarische- preußische Ka» binett dementsprechend die (Lobesurteile in Zuchthausstra­fen umwandeln wird.

Aus Berlin wird bestätigt, daß durch Entscheidung des preußischen Staatsministeriums vom 2. September die 5 Todesstrafen, die durch das Urteil des Sondergerichts in Beuthen verhängt worden sind, auf dem Gnadenwege zu lebenslänglichen Zuchthausstrafen umgewandelt wurden.