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Schüchterner Zeitung

Kreis-Kmtsbtatt * MyemeLner amtlicher KuMtzer für ßm Kreis Schlüchtan

Nr. 105 (1. Blatt)

Donnerstag, den 1. September 1932

84. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Dank an die Mahtorgaue.

Die Wahl zum Reichstag hat über 44 V2 Millionen deUt- ^r Männer und Frauen zur Ausübung ihres staatsbiir- ^ichen Rechts auf gerufen. Vorbereitung, Durchführung ier Wahl und Ermittlung des Wahlergebnisses haben an ia$ Grganisationsgeschick und die Arbeitskraft der Behör- «n in Stadt und Land sowie an die Arbeitsfreubigkeit der Vahlvorstände hohe Anforberungen gestellt. Besondere Auf= laben kamen durchs die Rücksichtnahme auf den sommer- ichen Reiseverkehr und die neueingesührte Abstimmung nif den Seefahrzeugen hinzu. Dem Schutze der Wahlfreiheit Witte die Polizei in bewährter pflichttreue.

Ich spreche sämtlichen beteiligten Reichs-, Landes- und lommunalbehörden und den zahlreichen Männern unb galten, die in den Wahlvorständen ehrenamtlich tätig ge- vesen sind, Dank und Anerkennung aus. In diesen Dank chliche idp besonders die Deutsche Reichsbahngesellschaft, »e Gesterreichischen Bundesbahnen, die deutschen Schiff- hhrtsgesellschaften, wie alle übrigen Verkehrsgesellschaf- en ein, die zur Erleichterung der Stimmabgabe wesentlich «{getragen haben.

Berlin, den 2. 8. 1932.

Der Reichsminister des Innern: Freiherr von Gayl.

KadepsUseiVersrdnnng

Auf Grund der §§ 14, 25 und 33 des Polizeiverwaltungs- rsches vom 1. 6. 1931 (®S. S. 77) wird für das Land reichen folgende Polizeiverordnung erlassen:

| 1. Das öffentliche Nacktbaden oder Baben in anstößi- !r Badekleidung ist verboten.

Als öffentlich im Sinne dieser Bestimmung gilt das Ba= in wenn die Badenden von öffentlichen Wegen oder Ge-

Hindenburg in Uebereinstimmung mit Kabinett

In ruhig verlaufener Sitzung wurde Göring lNGDRD) zum Reichstagspräsibenten gewählt Preustenparlament auf 21. September vertagt

Deutscher Reichstag

Abg. Göring Reichstagspräsident

Berlin, 31. August.

Zur Eröffnungssitzung des Reichstags sind die Tribünen schon einige Zeit vorher überfüllt. Auch das Haus selbst ist nach dem geschlossenen Einmarsch der nationalsozialistischen Fraktion in SA.- und SS.-Uniform ebenfalls dicht besetzt, die Abgeordneten sind fast vollzählig erschienen. Nur die Mitglieder der deutschnationalen Fraktion bleiben derSitzung zunächst fern.

Gestützt von zwei Parteifreundinnen wird die Alters­präsidentin,

Frau Zetkin

die zunächst bei der Fraktion Platz genommen hatte, von dort aus zum Präsidentenstuhl geleitet, auf dem sie Platz nimmt. Frau Zetkin stellt fest, daß sie am 5. Juli 1857 ge­boren, das älteste Mitglied des neugewählten Reichstages ist, als das sie nach der Geschäftsordnung die erste Sitzung zu leiten habe. Sie beruft darauf zu vorläufigen Schrift­führern die Abgeordneten Frau Agnes (Soz.), Rauch-Mün­chen (Bayer. Volksp.), Schwarz-Frankfurt a. M. (Ztr.) und Torgler (Komm.),

Nach der Bildung des vorläufigen Büros fährt Frau Zetkin in ihrer Ansprache fort. Der Reichstag sei in

Frau Zetkin vermochte die weiteren Ausführungen nur mit großer Anstrengung und unter mehrfachen größeren Pausen unter dem Beistand des Abg. Torgler vorzubringen. Sie feierte die russische Revolution, wie überhaupt das System der Sowjetunion, die als Regierung des schassenden Volkes allein imstande sei, den Kapitalismus niederzuwer­fen. Frau Zetkin schloß ihre fast einstündige Ansprache mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß sie als Alterspräsidentin noch den ersten Rätekongreß im Sowjet-Deutschland eröffnen könne.

Die Ansprache wurde vom Reichstag mit eisigem Schweigen angehört. Nur von den Kommunisten ertönten hin und wieder Bravo-Rufe, sie nahmen die Ausführungen von Frau Zetkin am Schluß mit Händeklasschen auf.

Darauf erfolgte der Namensaufruf durch die Schrift­führer, der längere Zeit in Anspruch nimmt.

Dieser Namensaufruf, zu dem auch die deutschnationalen Abgeordneten wieder den Saal betreten, hat das Ergeb­nis, daß 587 Abgeordnete anwesend sind, der Reichstag also beschlußfähig ist.

Nach Verlesung von 14 dem Reichstag in der Zwischen­zeit zugegangenen Vorlagen der Reichsregierung über Not-

Verordnungen usw. beschließt das Haus entsprechend den .lla... der Kommunisten und der Nationalsozialisten die

oeroroumgi Anträgen bi

einer Situation zusammengetreten, in der die Krise des zusammenbrechenden Kapitalismus große Schichten des werk- der furchtbarsten Weise peinige. Die poli-

tätigen Volkes in

flirrn aus Wbar sind. -lMMMt^Leur abe,eiii. MMMtkadincil an M.

§ 2. M und am Wasser ist jedes verhalten 31t Hitler "'gerissen untei Ausschaltung des Reichstages. Auch dieses

ssen, das in sittlicher Beziehung Aergernis zu geben ge= gnet ist.

§ 3. Es ist verbäten, nur mit einem Badeanzüge beklei- t öffentliche Gaststätten zu betreten oder sich in diesen chichalten, es sei denn, daß die Gaststätten nur vom Vade- rand oder den Ladeeinrichtungen aus zugänglich sind.

§ 4. Die Nachgeordneten Polizeibehörden können weiter- tende Bestimmungen erlassen.

§ 5. Gegen die Nichtbefolgung der Polizeiverordnung wird ermit die Festsetzung von Zwangsgeld bis zu 150 RM. »gedroht. i i i 1 f

§ 6. Diese polizeiverordnung tritt am Tage nach ihrer ^öffentlichung in Kraft.

Berlin, den 18. August 1932.

Der Minister des Innern.

Mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt. gez> Dr. Bracht,

M veröffentlicht!

Tchlüchtern, den 26. August 1932.

Der Land rat. Dr. Müller.

abinett arbeite mit Rotverordnungen im ureigentlichen

Sinne des Wortes, denn es verordne Not und steigere die schon vorhandene Not. Das Präsidialkabinett trage für die Ereignisse der letzten Zeit die volle Verantwortung, beson­ders'auch für die Aufhebung des Uniformverbots, für die nationalsozialistischen Sturmabteilungen und für die offene Förderung der faschistischen Bürgerkriegsdrohungen. In diesem Zusammenhang spricht Frau Zetkin von faschistischen Mördern. Sie erklärt weiter, die Ohnmacht des Reichstages und die Allmacht des Präsidialkabinetts seien der Ausdruck des Verfalls des bürgerlichen Liberalismus, und wendet sich auch gegen die Tolerierungspolitik derreformistischen So- zialdemokratie". Der Kampf gelte vor allem dem Faschis­mus, der vernichtet werden müsse. Die proletarischen Mas­sen würden Gewalt mit Gewalt zurückschlagen. Ihr Ziel sei der Sturz des bürgerlichen Staates und feiner Grund­lagen, der kapitalistischen Wirtschaft.

Hindenburgs Zustimmung

Der Vortrag des Kanzlers beim Reichspräsidenten.

Neudeck, 31. August.

Freilassung zweier in Haft genommener Abgeordneter der KPD. und der NSDAP. zu beantragen.

Die Alterspräsidentin erklärt dann, daß nach Feststel­lung der^sschlußfähigkeit des Hauses die

Wahl des Präsidenten

^nd feiner drei Stellvertreter zu erfolgen hat.

5ui Wahl des Präsidenten schlägt Abg. Dr. Zfrick (Natsoz.) den Abg. Göring (Natsoz.) vor, während Abg. Rädel (komm.) den Abg. Torgler (komm.) in Vor­schlag bringt Abg. Dittmann (Soz.) teilt mit, daß seine Frakllon für den bisherigen Präsidenten, Abg. Löbe, stimmen wird.

Für die Wahl des Abg. Göring zum Präsidenten stim­men mit den Nationalsozialisten im wesentlichen das Zen­trum, die Deutschnationalen, die Bayerische Volkspartei und die Deutsche Volkspartei.

Im Auftrage der Alterspräsidentin teilt Wg. Torgler (Komm.) als Ergebnis der Abstimmung mit, daß 587 Stim­men abgegeben worden sind, von denen 583 gültig waren. Es erhielten der Abg. Göring (Nat.-Soz.) 367, Abg. Löbe (Soz.) 135. Abg. Torgler (Komm.) 80 und Abg. Stöhr (Nat.- Soz.) 1 Stimme. Das Abstimmungsergebnis wurde von den Nationalsozialisten mit stürmischen Bravo-Rufen und Hände­klatschen ausgenommen.

Esser Erster Vizepräsident

Nach der Entscheidung über die Neuwahl des Präsiden-

Per Herr Kreismedizinalrat epfember d. 3 s. von 9 Uhr Pächstunde halten.

^chlüchtern, den 25. Kugust Der

wird am Dienstag, den

6.

ab im hiesigen Kreishause

1932.

Landrat. Dr. Müller.

K r e i s a u s s ch u tz.

^-Nr. II 16553 F. Die für Dienstag, den 6. Septem- 1952 in der orthopädischen Beratungsstelle Kassel, KSbergftt. 5, vorgesehene Untersuchung von Hilfsbedürf- 9en Krüppeln fällt wegen Rbwesenheit der beiden Lan- -krüppelärzt« aus.

Trichtern, den 30. August 1932.

Kreiswohlfahrtsalirt. Dr. Müller.

Auftöfnng des Msvinstalschulkollegiums?

.Kaffes, 30. 8. wie dieKasseler Post" aus gut unter­ster chuelle hört, soll das in Kassel amtierende Provin- Mtdiulkoilcgium aufgelöst und der Regierung angegliedert *kden. Die Entscheidung über die Auflösung der Provin- ^!chulkollegien soll noch im Laufe dieser Woche in einer Winettssitzung fallen.

; Nach einer Berliner Blättermeldung soll bereits am "^igen Mittwoch zwischen Aböls Hitler und den Zen- 'chnsführern in Berlin eine Konferenz stattfinden, in der 1c bereits eingeleiteten Koalitionsverhiandlungen fortgeJ M werden sollen.

Graf Zeppelin" passierte auf seinem Südamerika- N am Dienstag abend 23 Uhr 50 MEZ. die Kapver- Ufen Inseln.

Amtlich wird mitgeteilt:

Reichspräsident von Hinstenburg empfing den Reichskanzler von Papen, den Reichsminister des Innern Frhr. von Gayl und den Reichswehrminister von Schlei­cher zum gemeinsamen Vortrag über die schwebenden Fragen der Innenpolitik, insbesondere das Wirtschafts­programm der Reichsregierung. Der Herr Reichspräsi­dent erteilte seine Zustimmung zu den von der Reichs­regierung geplanten, vom Reichskanzler in seiner Rede in Münster in den Grundzügen bekanntgegebenen wirt­schaftlichen und finanziellen Maßnahmen. Der Reichs­präsident ersuchte den Reichskanzler, bei der Ausarbei­tung der einzelnen Bestimmungen insbesondere darauf zu achten, daß die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter­schaft gesichert und der soziale Gedanke gewahrt bleibe. Die eingehende Besprechung der innerpolitischen Lage ergab völlige Uebereinstimmung zwischen dem Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung."

Am die Reichslagsauflösung.

Neuwahlen Mitte November?

Berlin, 31. 8. Wie von unterrichteter Seite verlautet, hat der Reichspräsident dem Reichskanzler am Dienstag die Vollmacht gegeben, den Reichstag wieder aufzulösen, wenn er, wie zu erwarten ist, in seiner nächsten Sitzung um 8. September dem Kabinett das mißtrauen auszu- sprechen oder das bis dahin auf dem Wege der Notver- ordnung in Kraft gesetzte Wirtschaftsprogramm bezw. die übrigen bisher erlassenen Notverordnungen aufzuheben be­absichtigt. Die Neuwahlen sollen zum verfassungsmäßigen Termin, also spätestens Hütte November, erfolgen. Die neue Notverordnung wird voraussichtlich am Freitag ver­öffentlicht werden.

ten nahm Reichstagspräsident Göring unter den Heilrufen der Nationalsozialisten den Platz des Präsidenten ein und dankt mit dem Faschistengruß für die Kundgebung seiner Fraktion, die die Ansprache stehend anhörte.

r die Kundgebung seiner

Präsident Göring erklärte, er werde sein Amt unpar­teiisch, gerecht und nach der bestehenden Geschäftsordnung ausüben, für die Ordnung und Würde des Hauses sorgen, er lasse aber keinen Zweifel, daß er ebensowenig die Würde und Ehre des deutschen Volkes antasten lassen werde.

Nachdem Präsident Göring noch die Abgeordneten Kaufmann und Lindner (Natsoz.), Frau Teusch (Ztr.) und Laverrenz (Dnat.) zu Schriftführern berufen hatte, wurde die Wahl des Präsidiums fortgesetzt.

Bei der Wahl des Ersten Vizepräsidenten erhielt von 568 abgegebenen gültigen Stimmen der von den Nationalsozia-

listen vorgeschlagene Zentrumsabgeordnete Esse. 272 men, der bisherige Reichstagspräsident Löbe 214 Stimmen,

er 276 Stim-

der Abgeordnete Torgler 77 Stimmen und die Abgeordnete Zetkin eine Stimme. Da keiner der Abgeordneten die absolute Mehrheit von 284 Stimmen erreicht hatte, mußte Stichwahl zwischen den Abgeordneten Esser und Lobe stattfinden.

In der Stichwahl wurde Abg. Esser mit 464 Stimmen gegen 138 Stimmen, die für Lobe abgegeben worden waren, zum Ersten Vizepräsidenten gewählt. 78 Stimmen für den Kommunisten Torgler waren ungültig.

Zum Zweiten Vizepräsidenten wurde mit 335 Stimmen der deutschnationale Abgeordnete Graef-Thüringen gewählt. Von den Gegenkandidaten hatten Löbe 139 und Torgler 78 Stimmen erhallen.

Dritter Vizepräsident wurde mit 350 Stimmen Abg. Rauch von der Bayerischen Volksparkei.

Es folgte die Wahl der zwölf Schriftführer. Dann wur­den die Mitglieder des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung und des Auswärtigen Ausschusses be­nannt.