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Arsis-Dmtsbtatt * MyemeLner amtlich erKazeitzer für öen. Kreis Schlürf

Nr. 103

V. Blatt)

Gamstag, den 27. August 1932

84. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen.

La«drats»Mt«

Der Bürgermeister Geier und der Landwirt August Schreiber beide in Marjoß sind als Schiedsmann bezw. Schiedsmannöstellvertreter gewählt und bestätigt worden.

Schlächtern, den 22. August 1932.

Der Landrat. Dr. Müller.

Stadt SHlüchtern.

Bekanntmachung

Das städtische Schwimmbad steht am Sonntag, den 28. August 1932, von nachmittags 15 Uhr ausschließlich dem Turnverein Schlächtern e. D. 1861 zu Veranstaltung des Gauschwimmfestes des Rinziggaucs der deutschen Tur- nerschaft zur Verfügung. Dem Turnverein ist gestattet, für diese Zeit ein Eintrittsgeld zu erheben, und zwar für Erwachsene 30 Rpfg. je Person,

für Jugendliche unter 18 Iahren 20 Rpfg. je Person. Die gelösten Karten berechtigen zugleich! zum Laden nach Beendigung des Wettschwimmens, also von etwa 5 Uhr ab.

In der Seit von 15 Uhr nachmittags ist Keine all­gemeine Badezeit. Die von der Stadt ausgegebenen Iah- reskarten, Dutzendkarten und Einzelkarten berechtigen dem­gemäß während dieser Stunden nicht zum Eintritt in das städtische Schwimmbad.

Zchlüchtern, den 25. August 1932.

Der Magistrat: Gaentzlen.

Weitere Bekanntmachungen im 2. Blatt!

Der Auflösung des Reichstags entgegen, sReichskanzler von Palpen wird sich! am Montag nach Keudrck begeben, um dem Reichspräsidenten über die po= WW Lage Bericht zu erstatten. Der Reichskanzler dürfte vorn Reichspräsidenten das Dekret zur Auflösung des Reichs­tags erMMnBM^WMntt^ ~-------*--- '

Keim Verlängerung des Burgfriedens

ß Berlin, 26. August.

Wie verlautet, wird nicht daran gedacht, die am 31. August ablaufende Verordnung über den Burgfrieden zu verlängern. Sollte sich später eine Wiederholung der Ver­ordnung als notwendig erweisen, so kann immer wieder auf sie zurückgegriffen werden.

Kapitänleutnant Engel als Leiche geborgen

kiel, 26. August.

Wie die Marinestalion der Ostsee mitteilt, wurde am Donnerstag westlich des Fehmarn-Belt-Feuerschiffes durch das TorpedobootWolf" die Leiche des mit derNiobe" untergegangenen Kapitänleutnants Siegfried-Heinrich Engel geborgen. Die Leiche ist in das Marinelazarett kiel-Wik ge­bracht worden.

Die Frau des zum Tode verurteilten Rationalsozia- Wm LackMann hat telegraphisch! ein Gnadengesuch an den Reichskommissar Dr. Bracht gerichtet. Dr. Bracht hat geantwortet, daß er allein für die Begnadigung nicht zu­ständig sei und daß die Angelegenheit erst dann entschieden werden könne, wenn der Bericht des Gnadenanwalts und die schriftliche Urteilsbegründung in Berlin vorliegen.

Die Meldung eines Berliner Blattes, daß Adolf M- ; Kr beim Empfang der Nachricht über die Beuthener To- : desurteile einen Nervenzusammenbruch erlitten habe und m Sanatorium aufsuchen mußte, wird aus dem Braunen Heus in München dementiert.

Die kommunistischeRote Fahne" in Berlin ist bis Am 2. September verboten worden wegen ihrer Angriffe gegen das Dom Zandergericht Berlin gefällte Urteil.

Der spanische Staatspräsident Samora. hat die gegen General Sanjurjo verhängte Todesstrafe in lebenslängliche ^rkerstrase um gewandelt.

' Nach dem neuesten Wochenbericht des Instituts für Konjunkturforschung beträgt die Verschuldung der öfsent- bchen Hand - Reich-, Länder und Gemeinden - am 51. märz 1932 rd. 24 Milliarden Mark, während die 3in= Mast rd. 1,4 Milliarden Mark ausmacht.

Die Berliner nationalsozialistische ZeitungDer An= : Aiff" ist bis zum 31. Kugüst verboten worden. Die Kaf= nationalsozialistische Zeitunghessische Volkswacht" M bis einschließlich! 30. August verboten worden. In beiden Wen liegt böswillige Verächtlichmachung von Mitgslie- Ml der Reichsregiemng vor.

In Barcelona wurde der Erzherzog Karl von Habs- Und Bourbon, ein Sohn des verstorbenen Erzherzogs "opeld, verhaftet, weil er angeblich in die letzte Verschwö- Ang verwickelt sein soll. Die Menge versuchte, den Kraft« Wn des Erzherzogs in Brand zu stecken.

. Wolfgang von Gronau ist am Donnerstag von Tor- o°vn (Alaska) nach Vutch harbor gestartet.

Der Dank der Marine

Für die Teilnahme an demNiobe"Rnglück.

Kiel, 26. August.

Der Chef der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral Hansen, richtet an die Kieler Bevölkerung folgende Dankes­worte:

Es ist mir tiefempfundenes Bedürfnis, allen Kreisen der Bevölkerung Kiels und der weiteren Umgebung von herzen zu danken für die vielen, von fester Verbundenheit mit der Reichsmarine zeugenden Beweise der Anteilnahme, die mir und dem Inspekteur des Bildungswesens nach dem Untergang unsererKiobe und dem Seemannskod unserer 69 mit ihr gebliebenen Kameraden entgegengebracht worden sind. Wenn auch zu meinem besonderen Schmerz die Teil­nahme an der Gedenkfeier auf dem Ehrenstledhof nur einem kleinen Kreise ermöglicht werden konnte, so habe ich doch aus den zahlreichen in allen Straßen der Stadt halbstock gesetzten Flaggen und der großen Zahl derer, die in der Umgebung des Friedhofs in stiller Teilnahme der Trauer­feier beigewohnt haben, ersehen, daß in dieser ernsten Stunde jeder unserer Mitbürger mit seinen Gedanken bei uns war. Schicksalverbundenheit wurde spürbar in gemein­samem Leid. Dessen bin ich mir mit tiefer Bewegung be­wußt geworden."

Wieder Ltnruhen in Beuihen

Schaufenstereinwürfe. Reue Festnahmen.

Beuthen, 26. August.

Im Laufe des Abends kam es in den Straßen der Stadt Beuthen erneut zu Ausschreitungen und Ansammlungen. In verschiedenen Geschäften wurden die Schaufenster ein- geschlagen; auch im Volkshaus wurden mehrere Fenster­scheiben zertrümmert.

hier konnte ein Täter festgenommen werden. Es han­delt sich um einen Anaehöriaen h«**- wSDscc ' ^,.'77 Nationalsozialisten, zum u«-- w uMonn, zum Xeu in 3wu. -Mn-r^. ...:^ o-^uL-rtTTpjgen um das wecichtsgeoaude herum und skandalierten. Die Polizei drängte sie ab. Um dieselbe Zeit sammelten sich auch mehrere hundert Personen auf dem Kaiser-Franz-Joseph-Platz. Die Polizei schritt ein und trieb die Menge auseinander. In einem Falle wurde ein ein­geschlagenes Fenster zum Teil geplündert. Ein Arbeiter namens Fischer wurde von Nationalsozialisten festgenommen und der Polizei übergeben. Ein zweiter Täter namens Schwarz wurde von der Polizei verhaftet. Gegen Mitter­nacht versuchten mehrere junge Leute in der Schul- Ecke Kluckowitzer Straße, die Fenster des kommunistischen Büros zu zertrümmern.

Um Mitternacht wurde in der Bahnhofstraße ein Kraft­wagen angehalken, dessen Insassen, sechs Nationalsozialisten, aus Grund des Demonstrationsverbots und wegen ruhe- störenden Lärms festgenommen wurden. Insgesamt sind bisher neun Festnahmen erfolgt.

Bannmeile um das Beuthener Gericht

Nach einer Verordnung des Regierungspräsidenten von Oberschlesien ist in einem besonders begrenzten Stadtbezirk um das Landgericht Beuthen jede Ansammlung oder Zusam­menrottung von einzelnen Personen oder Gruppen auf der Straße verboten. Auch das Befahren der Straßen in die­sem Bezirk mit Lastwagen zu Zwecken der Personenbeförde­rung ist untersagt. Zuwiderhandlungen werden mit Er­hebung eines Zwangsgeldes bis zu 150 Mark bedroht. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. Im übrigen bleiben die Bestimmungen der bisherigen Notverordnung über Demon- strations- und Umzugsverbot davon unberührt.

Die festgesetzte Bannmeile ist durch starke Polizeikräfle gesichert, in weiteren Unruhen ist es nicht mehr gekommen.

Neue Sondergerichtsurteile in Breslau.

Bom Breslauer Sondergericht wurden die Arbeiter Paul Iäntsch, Siegmund Gerhard sowie der Tischler Alfred Gerlach wegen eines Raubüberfalles auf einen Bücherrevisor zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Schaufenster derMünchener Neuesten Nachrichten" eingeworfen.

In der Nacht wurden Schaufenster derMünchener Neuesten Nachrichten" durch Steinwürfe aus einem Per­sonenkraftwagen zertrümmert. Der zur Tat benutzte Kraft­wagen trug die Erkennungsnummer 0 A 24 901, die auf den nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Wagner eingetragen ist. Nach dieser Richtung wurden Erhebungen eingeleitet, die zur Festnahme des Referendars und Propa- gandalciters des Gaues München der NSDAP. Otto Nip- pold, führten, der sich für die Täterschaft als verantwortlich erklärte. *

Der Deutsche Ostbund über Beuchen.

Berlin. 26. August. Der Deutsche Ostbund setzt sich sowohl für die Wiederaufnahme wie auch für die Anwen­dung des Begnadigungsrechtes für die Verurteilten im Beu­thener Prozeß ein und hat entsprechende Eingaben an das preußische Staatsministerium, das preußische Justizministe­rium und an den Reichskanzler gerichtet.

Schwieriger Narlamentsbeginn

Die Loge im Reich und in Preußen.

Berlin, 26. August.

Der neue Reichstag wird am 30. August zum ersten Male zusammentreten. Dieser Sitzung kommt allerdings nur formale Bedeutung zu es wird die Namensliste ver­lesen am 31. August soll dann die Wahl des neuen Prä­sidiums erfolgen, falls nicht durch das Auftreten der Alters- prästdentin Zetkin Lärmszenen entstehen, die diese Tagesord­nung umstoßen werden. Wegen des Katholikentages dürfte dann eine kleine Pause eintreten. Am 5. September will das Kabinett sich dem Reichstage vorstellen, Reichskanzler von Papen die Regierungserklärung verlesen. Der Kanzler wird im Anschluß eine allgemeine politische Ansprache halten. Zu dieser Zeit soll bereits die Notverordnung zur Ausfüh­rung des Wirtschaftsprogramms Vorlieben, dessen Grund­züge der Reichskanzler am kommenden Sonntag auf einer Bauernkundgebung in Westfalen verkünden will.

Im Reichstage folgt dann der Kampf um die Miß- krauensanträge und um die Anträge auf Aufhebung der verschiedenen Notverordnungen, die die Regierung Papen gegengezeichnet hat.

Bracht bsi Kerrt

Der stellvertretende preußische Reichskommissar Dr. Bracht begab sich zum Präsidenten des Preußischen Land­tages in dessen Dienstwohnung in der Leipziger Straße. Die Unterredung geht, wie verlautet, aus eine Anregung des Landtagspräsidenten zurück.

Dr. Bracht legte im einzelnen dar, daß sich die kommis- sarische preußische K^s-ung dem Landtag gegenüber nicht verantwortlich und an seine Beschlüsse nicht gebunden er­achte, da sie ihren Auftrag vom Reichspräsidenten Herleite. Präsident Kerrl nahm die Erklärungen Brachis entgegen und behielt sich die Stellungnahme vor.

Im Preußischen Landtag steht die Entscheidung, ob es zur Wahl eines Ministerpräsidenten kommen wird, bevor Sowohl diese Entscheidung als auch die im Reichstage und Zerium I einer Emrguno ß% «h.

3u politischen Kreisen werden die Aussichten dafür nur gering bewertet.

Zu bemerken ist aber, daß nicht einflußlose Zentrumskreise beteuern, sie wollten dieEinschaltung der Nationalsoziali­sten in die Verantwortung" auch unter erheblichenOpfern" erreichen.

Seitens der Reichsregierung liegen irgendwelche Be­schlüsse noch nicht vor. Man rechnet vielfach damit, die Reichsregierung werde den neuen Reichstag alsbald wieder auflöfen, vermutlich ehe es zu einer Abstimmung über die Mißtrauensanträge gekommen wäre.

Daß die Reichsregierung eine sehr wesentliche Aenderung der Reichsverfassung anstrebt, daß sie sich aber bei diesen Reformbestrebungen an die Reichsverfassung halten will, ist seit der Verfassungsrede des Reichsinnenmimsters Frei- Herrn von Gayl auch offiziell bekannt. Es kann aber noch nicht mit Bestimmtheit gesagt me^en, in welcher Richtung sich diese Aenderungen bewegen, weil bindende Aeußerun­gen seitens der Reichsregierung nicht bekanntgeworden sind. So lange ist alles, was über diese Punkte gesagt oder ge­schrieben wird, lediglich als Kombination zu werten, Die jeglicher realen Grundlage entbehrt.

Nürnbergs Errettung

Gustav-Adolf-Gedenkfeier im Rathaussaal.

Nürnberg, 26. August.

Nürnberg steht im Zeichen des Gustav-Adolf-Jahres. Viele Straßen tragen Flaggenschmuck. Im festlich geschmückten Rathaussaal, in dem im Jahre 1649 das Friedensmahl ftatt- gefunden hat, das den eigentlichen Abschluß des dreißigjähri­gen Krieges bildete, fand die Hauptfeier der Erinnerungs- veranstaltungen der Städte Nürnberg, Fürth und Zirndorf statt, an die Errettung Nürnbergs im dreißigjährigen Kriege durch Gustav Adolf. Fanfarenklänge leiteten die Feier ein. Dann erscholl der Chor:Allein Gott in der Höh' sei Ehr!"

Hierauf begrüßte Oberbürgermeister Dr. Luppe die Fest­versammlung und die Ehrengäste aus Schweden. Nach einer weiteren Ansprache des Rektors der Handelshochschule über- brachte Oberstleutnant Bergren als Vertreter der schwedischen Gesandtschaft in Berlin den Dank des Königs Gustaf von Schweden und der schwedischen Regierung für die Einladung zu der Feier.

Erhebliche Entlastung der Reichsbank.

Die dritte Augustwoche hat eine weitere Entlastung der Kapi­talanlage um 169 Millionen RM gebracht, so daß die Reichsbank erheblich gestärkt dem Ultimo entgegensteht. Der Notenumlauf, der weiter um 126 Millionen zurückgegangen ist, ist jetzt mit 3617 Millionen RM so gering wie seit Jahren nicht. Auch der Wechsel- bestand, der um 134 Millionen zurückging, hat mit 2780 Millio­nen RM die geringste Höhe seit der Bankenkrise. Dasselbe gilt von den Lombardforderungen, die um 14 Millionen auf 92 Mil­lionen RM zurückgingen. Der Gold- und Devisenbestand erfuhr insgesamt eine Stärkung um 12 Millionen RM, wovon 5 Mil­lionen aus Gold und 7 Millionen auf Devisen entfallen. Das Deckungsverhältnis stieg von 24. auf 25,2 0. H.

Generalstreik im Hafen von Gibraltar. Die Arbeit im Hafen von Gibraltar ist vollkommen ssillgelegt, da sich die spanischen Kohlenträger einem vor zwei Tagen ausgerufenen Streit der Hafenarbeiter angeschlossen haben.