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AchlWemer Mung

Nr. 101 (1. Blatt)

Dienstag, den 23. August 1932

84. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Ve rorönü n g

M Bekämpfung der Ulinenkrankheit.

Bus Grund des § 30 des Feld- und ForstWlizesU- fttzes in der Fassung der Bekanntmachung bom 21. 3a= War 1926 (®S. S. 83) wird für den Umfang des Begie- rungsbezirks Kassel folgendes ungeordnet:

§ 1. i

Wenn bei Ulmen verdächtige Anzeichen der sogenann­ten Ulmenkrankheit (Graphium ulmi), insbesondere plötz­liches Vergilben oder plötzliches Welken des Laubes ent­weder am ganzen Baume oder an einzelnen Zweigen auftreten, so hat der Besitzer binnen einer Woche dem 5andmt, in Stadtkreisen der Grtspolizeibehörde hiervon Anzeige zu erstatten. Die Polizeibehörde hat die Unter­suchung der Ulmen durchs die Hauptstelle oder die Bezirks­stelle für Pflanzenschutz zu veranlassen.

§ 2.

Werden bei der Untersuchung kranke Bäume festge­stellt, so hat der Besitzer nach näherer Unordnung der Polizeibehörde auf Grund des Gutachtens der untersu^ chenden Pflanzenschutzstelle die erkrankten Bäume je nach dem Grade der Erkrankung entweder zurückzuschneiden oder zu fällen. Lei Bückschnitt sind die Schnittflächen mit Steinkohlenteer zu überstreichen. Die abgeschnittenen Zweige sind zu verbrennen, ein gefällter Baum ist zu entrinden und die Binde samt dem gesamten kranken Ge­zweig zu verbrennen. Der Baum ist alsdann möglichst bald zu Werk- oder Brennholz zu verarbeiten. Der Stumpf ist auszUroden. Falls dies untunlich sein sollte, t seine Schnittfläche mit Teer oder Tarbolineum zu über­reichen. Späterer Stockausschlag ist alljährlich zu ent-

Unen.

3.

Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden nach § 30 des Feld- und Forstpolizeigesetzes mit Geldstrafe bis li 150 BM. «oder mit Haft bestraft, sofern nicht schär­te Strafbebimmungen anzurvenden f nd.

§ 4. ' 1

Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Bekannt­machung in Kraft.

A. III. £. u. K. 1215.)

Kassel am 3. 8. 1932. Der Begf-Präsident.

*

Wird veröffentlicht!

Zchlüchtern, den 15. Bugust 1932.

________________________Der Landrat. Dr. Müller.

KreisaussUutz.

ö.-Nr. 3553 K. 6. Die Wahl des Ludwig Bien zum Schöffen der Gemeinde Kressenbach habe ich aus Grund >« § 55 Bbsatz 1 der Landgemeindeordnung für die Pro­vinz Hessen-Nassau vom 4. Bugust 1897 bestätigt.

Zchlüchtern, den 20. Bugust 1932.

Der Landrat. Dr. Müller.

Stadt SKlüchter«.

Oeffentliche Mahnung.

Bn alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat August 1932 bezw. für Vormonate zu entrichtenden btnatssteuern (Grundvermögens- und Hauszinssteuern), städ-

Steuern und sonstigen Bbgaben an die Stadtkasse vicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung. Bei Meldung kostenpflichtiger Einziehung sind sofort W zahlen:

Staatliche Grundvermögenssteuer mit 3uschla.g, staatliche Hpuszinssteuer,

städtische Grundvermügeirssteuer-Zuschläge,

Terverbeertragsteuer für 1. und 2. Vierteljahr 1932, °ä>gersteuer, Holzgelder, Schulgelder für Lateinschule, Schul- Ader für Staatliche Bufbauschule, Wassergelder, Staats- Wagelb, Mieten, Polizeistrafen, Hundesteuer, Pachtgel- eb Kanal- und Bnerkemmngsgebühren sowie alle ande- angeforderten Bbgaben.

Bei nicht rechtzeitiger Zahlung werden die gesetzlichen ""Zugszinsen bezw. Verzugszuschläge erhoben.

Mahnungen erfolgen nur öffentlich, nicht durch Behändi- von Mahnzetteln.

Schlächtern, den 22. Bugust 1932.

Stadtkasse.

^«bt Steina«.

Seitens des Magistrats sind Personen als Hilfsfeld- bestens worden, was der Geffentlichkeit hiermit zur ^ntnis gebracht wird.

^inau, den 20. Bugust 1932.

Der Magistrat. Merz.

Die privaten Auslandsschulden

Reue Erklärungen des Reichswirkschafksministers. Seine einseitige Schuldenabwertung.

Berlin, 22. August.

Reichswirkschaftsminister Warmbold hat dem Ber­liner Verkreker derAssociated Preß" zur Entgegnung aus amerikanische Pressemeldungen, die von einer bevorstehen­den einseitigen Zinsherabsetzung der deutschen Auslands­schulden sprachen, in einem Interview erklärt, daß die deut­sche Regierung eine Herabsetzung der privaten Schulden in Kapital und Zinsen niemals auch nur erwogen habe. Sie werde alles daran setzen, den Schuldendienst des Reiches un­ter allen Umständen sicherzustellen. Auch die privaten deut­schen Schuldner würden alles tun, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Die deutsche Regierung habe, so führte der Minister aus, stets den Standpunkt vertreten, daß es einzig und allein Sache der deutschen privaten Schuldner sei, sich mit ihren amerikanischen und sonstigen ausländischen Gläubigern in Verbindung zu setzen, wenn sie den Schuldendienst nicht mehr leisten zu können glauben. Die Uebertragung der fäl­ligen Zins- und Tilgungsraten nach den Gläubigerländern würde freilich außerordentlich gefördert werden, wenn die Gläubigerländer sich zu der Erkenntnis durchringen könnten, daß die Leistung eines so hohen Schuldendienstes, wie ihn die deutsche Volkswirtschaft in den nächsten Jahren an ihre ausländische Gläubiger zu entrichten hat, mehr als 1,5 Milliarden Mark jährlich, bis auf einen verschwindenden Bruchteil nur in Waren möglich sei und deshalb

bei den Gläubigerländern offene Grenzen voraussetze. Wenn die Frage nach einer Herabsetzung der Zins­rate für Deutschlands private Schulden an das Ausland zur Erörterung komme, so werde Deutschland gewiß nicht einseitig Schritte in dieser Richtung unternehmen, sondern eine Einigung mit seinen Gläubigern zu erzielen suchen. Der Reichswirtschaftsminsster erklärte zum Schluß, er hoffe zuversichtlich, daß durch eine Einigung mit Deutschlands ßrB vatgläubigern ein Transfermoratorium umgangen werden könne.

Hilfe für Ostpreußen

Erklärungen Gayls und Brachts auf der deutschen Ostmesse.

Königsberg, 21. August.

Die 20. Deutsche Ostmesse wurde am Sonntagvormittag mit einem Festakt eröffnet. Die Reichsregierung war durch den Reichsinnenminister Freiherr» von Gayl, Preußen durch den Reichskommissar Dr. Bracht vertreten. In seiner Eröffnungsansprache erklärte Freiherr von Gayl, es sei ihm eine angenehme Pflicht, die Vertreter der Nachbar­staaten auf deutschem Boden zu begrüßen. Das schwer um sein Dasein ringende deutsche Volk habe den lebhaften Wunsch, gute Beziehungen zu seinen Nachbarn zu unter- lalten und zu pflegen und mit ihnen gemeinsam die Wirt- chaft Europas und der Welt im friedlichen Wettbewerb zu ordern, soweit es dabei der Gegenseitigkeit gewiß sei und eine eigenen nationalen Belange es erlaubten.

Schließlich gelte sein Gruß der Provinz Ostpreußen. Hand in Hand mit der preußischen Skaaksregierung arbeite die Reichsregierung an der Erhaltung der ostpreußischen Wirtschaft. Er könne mitteilen, daß vor seiner Abreise von Berlin Reich und Preußen sich entschlossen hätten, für die durch Unwetterschäden schwer betroffenen Kreise Ostpreußens zunächst eine Beihilfe für Aufräumungsarbeiten und zur Be­schaffung von Saatgut sofort bereitzustellen, vorbehaltlich weiterer Maßnahmen.

Der Reichskommissar für Preußen, Dr. Bracht, be­grüßte die Ostmesse namens der preußischen Staatsregie- rung.Ich glaube, kein Amtsgeheimnis preiszugeben", er­klärte er,wenn ich den Herrschaften berichte, daß bei den gegenwärtig so ausgezeichneten Beziehungen zwischen Reich und Preußen die Verständigung über die besondere Hilfsak­tion ebenso viele Minuten in Anspruch genommen hat, wie sie sonst wahrscheinlich Tage in Anspruch genommen hätte. Das Problem der Insel Ostpreußen berührt das gesamte Preußen und das gesamte Deutschland aufs innigste."

Die 20. Deutsche Ostmesse erfreut sich einer starken Be­schickung. Die Mustermesse hat trotz der schweren Zeit den­selben Umfang erreicht wie im Vorjahr.

OerLungdozur Verfassungsänderung

Berlin, 22. August.

Der Führer der jungdeutschen Bewegung, Artur Mah- raun, hat unter Zustimmung aller Unterführer aus dem ganzen Reich bem Reichspräsidenten von Hindenburg die Bitte zur Einberufung eines Ausschusses unterbreitet, der den Entwurf einer Verfassungsänderung zur Abstellung der Mängel der Weimarer Verfassung ausarbeiten soll. Das Schreiben ist auch dem Reichskanzler und dem Reichsinnen­minister übermittelt worden.

Dei spanische Generalstaatsanwalt soll beschlossen haben, gegen die fjauptange klagten der Bufstandsbewegung die Todesstrafe zu beantragen.

preußischer Landtag am 1. September

Roch keine Wahl des Ministerpräsidenten.

Berlin, 21. August.

Der preußische Landtag ist nunmehr auf den 1. Septem­ber, 13 Uhr, einberufen worden. Beraten sollen werden die Anträge, die im Zusammenhang stehen mit der Bestellung des Reichskommissars in Preußen, sowie die Großen An­fragen und Anträge wegen der Gewalttaten und Ausschrei­tungen und der Antrag euf Auflösung der SA.-Formakionen. Die Wahl des Ministerpräsidenten steht nicht auf der Tages­ordnung.

Einigung der Reichsregierung mit Dr. Luther

Wie von zuständiger Stelle mitgekeilt wird, haben die Besprechungen der Reichsregierung mit dem Reichsbank- vräsidenken Dr. Luther zu einer vollständigen Einigung ge- f Die wertvollen Anregungen, die Dr. Luther zu dem Wirtschaftlichen Wiederaufbauprogramm gegeben habe, wür­den von der Reichsregierung verwertst werden.

Or. Groß bei Kerrl

Eine Aussprache fand zwischen dem preußischen Land- tagspräsidenten Kerrl und dem Abgeordneten Dr. Groß (Zentrum) statt. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß Dr. Graß in dieser Unterhaltung dem Präsidenten Kerrl gegenüber die Bedenken seiner Fraktion gegen die Wahl des 1. September als Tagungstermin für den Preußischem Land­tag vortrug, weil in den Tagen vom 31. August bis 1. Sep­tember der Katholikentag in Essen stattfindet. Der Zen­trumsvertreter soll die Bitte geäußert haben, unter diesen Umständen das Landtagsplenum früher zusammenzuberufen, und zwar möglichst zum 25. August.

3m übrigen verlautet, daß die Koalitionsbefprechungen zwischen Rakionalfozialifien und Zentrum in Preußen am Dienstag fortgesetzt werden sollen. Bisher hat man fich offenbar nur die beiderseitigen Forderungen übermittelt, während eigentliche Verhandlungen noch ausstehen. Eine Mitteilung über den Inhalt biefer gegenwärtigen Forde- rungen wird von den Verhandlungsteilnehmern abgelehnt.

ASDAP und Zentrum in Preußen

Unter der UeberschristBeachtliche Zentrumsäußerun­gen,, beschäftigt sich der Preußische Pressedienst der NSDAP. mit den verschiedenen Gerüchten über angebliche Koalitions- verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum in Preußen und mit der Stellungnahme des Pressedienstes der Deutschen Zentrumspartei zu diesen Gerüchten. Es werden die Mitteilungen des Zentrums-Prestedienstes wiedergege­ben, wobei der nationalsozialistsche Prestedienst alsbeson­ders interessant" den Satz bezeichnet, daß die Zentrums­fraktion zu Koalitionsverhandlungen in Preußen bereit fei.

Zunahme der Wohlfahrtserwerbslosen in Preußen

Im Juli ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen sowie die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeits­losenversicherung und Krisenfürsorge zwar weiter zurückge­gangen, die Zahl der von den Gemeinden betreuten Wohl­fahrtserwerbslosen aber erneut gestiegen.

Räch der Erhebung des Skatistischen Landesamkes vom 31. Juli d. Is. sind in Preußen 1 601 386 Wohlfahrkser- werbslose gegen 1 552 131 Ende Juni gezählt worden. Ge­genüber dem 31. Juli 1931 ist die Wohkfahrkserwerbslofen- zahl um 834 239 oder 108,7 v. H. höher. Auf 1000 Einwoh­ner entfallen im Durchschnitt nunmehr 41,9 Wohlfahrkser- werbslose.

62 791 Wohlfahrtserwerbslose haben in Fürsorge- und Notstandsarbeit oder in freiwilligem Arbeitsdienst gestan­den. Wie in den drei vorletzten Monaten ist auch im Juli der Zugang an Wohlfahrtserwerbslosen in den Landkrei­sen geringer gewesen als in den Stadtkreisen.

Fiamknkunogebung

B r ü s s e l, 22. August.

Am Sonntag fand die alljährlich verunstaltete große Flamenkundgebung in Dixmuiden statt. An dem Denkmal, das an der User zur Erinnerung an die gefallenen flämi­schen Frontkämpfer errichtet ig, hatten sich etwa 200 000 Kundgeber versammelt. Die Stadt Dixmuiden wies über­reichen Flaggenschmuck auf. Ihren Höhepunkt erreichte die Kundgebung, als die sterblichen Ueberreste von sieben flä­mischen Gefallenen bei dem User-Denkmal beigesetzt wur­den. In sämtlichen Reden wurde der Opfertod der flä­mischen Gefallenen verherrlicht, die durch ihren Tod zur Be­freiung Flanderns hätten beitragen wollen. Es wurden dann zwei Entschließungen verlesen, eine für die Abrüstung, die andere für die Amnestie flämischer Aktivisten. Am Schluß der Kundgebung leisteten die vielen Tausende den Treueschwur für Flandern.

Neue Verhaftungen in Spanien

Madrid, 22. August.

Am Sonnabend wurde der im Zusammenhang mit dem letzten Putsch verhaftet gewesene, dann aber wieder frei- gelassene Herzog bei Jnfantado erneut verhaftet. Außerdem wurde der Herzog Fernan Nunez festgenommen. Der Pro- zeß gegen den Führer der Putschisten, General Sanjurjo, und drei seiner Begleiter findet am Donnerstag vor dem Madrider Obersten Gerichtshof statt.