Nr. 99
Gchlüchterner Zeitung
2. Blatt.
Der Bluijonntag in Ohlau
Die Verhandlungen vor dem Sondergericht.
Brleg, 16. August
Vor dsm Sondergericht Brieg begann der auf acht Tage berechnete politische Prozeß gegen den Reichsbanner- stjhrer Durnick und Genossen. 3m Hintergründe stehen die blutigen Straßenkämpfe am Sonntag, den 10. Juli, in Of)- IdU, bei denen zwei SA.-Leule getötet und über 30 Perso- nen, zum Teil schwer, verletzt wurden.
Von den 45 Angeklagten, die in der Hauptsache aus Ohlau, Würben und dem Dominium Meschwih aus dem Ohlauer Kreise stammen, sind drei Kommunisten, während : Sie übrigen dem Reichsbanner bezw. der Eisernen Front i angehören. Alle Angeklagten werden des Landfriedensbruchs beschuldigt. Weiter wird Anklage erhoben gegen sieben Be- leiligle wegen Körperverletzung mit Todeserfolg, gegen fünf wegen Aufruhrs sowie gegen eine Reihe weiterer wegen Rädelsführerschaft und schließlich gegen zwei Personen wegen unbefugten Waffentragens.
Als erster schildert der Hauptanaeklagte, Eisenbahnar- | heiter Durnick, der Kreisleiter des Reichsbanners Ohlau, I ausführlich die Veranstaltungen des Reichsbanners am frag- | lieben Sonntag. Letzter Treffpunkt war das Lokal „Zum I Walfisch" in Ohlau, in dem Durnick etwa 80 Reichsbanner- I leute zusammengezogen hatte.
Nach der Anklage wirkte sich gerade diese Zusammen- I Ziehung der Reichsbannerleute später so verhängnisvoll aus. f Durnick begründete fein Verhalten damit, daß er der Ansicht i war, die Ausgänge der Stadt Ohlau wären von National- sozialisten besetzt und die SA. beherrsche die Straße. Bei den h alarmierenden Nachrichten aus der Oderstraße habe er etwa : 40 Leute zum Schutze der Linksorganisationen eingesetzt. 1 i Es folgten die Zusammenstöße an dem nationalsozialistischen i f Trecker und in der August-Feige-Straße, wobei mehrere L Nationalsozialisten durch Schläge mit Zaunlatten schwer ver- s letzt wurden. Der Zeuge gibt schließlich zu, daß seine Leute mit Zaunlatten auf die SA.-Leute eingeschlagen haben. Die ü Polizei sei durch das Reichsbanner weder bedroht noch be- U schassen worden.
JL Als Zweiter sagt der sozialdemokratische Gewerkschafts- I sekretär Strulik, der Ohlauer Kreistagsmitglied ist, aus. M Irgendeine Rädelsführerschaft, wie sie die Anklage behaup- tUtet, lehnt er entschieden ab.
Der Arbeiter Karl Blech, der Ortsgruppenführer pes Ohlauer Reichsbanners, gibt an, den Landrat des Krei- lUses'Ohlau aufgefordert zu haben, den nationalsozialistischen 'kDurchmarsch nicht zu genehmigen, weil das Reichsbanner «sonst zur Selbsthilfe schreiten würde. Das Wort Selbsthilfe «erklärt er dahin, daß in diesem Falle trotz Verbots auch das .»Reichsbanner einen Umzug in Ohlau veranstalten würde. 'kBlech gibt zu, bei den Schlägereien aktiv beteiligt gewesen zu sein, doch will er in Notwehr gehandelt haben. Der Ar- ” bester Karl Vanin, Tambourmajor des Reichsbanners, n will bei keiner Prügelei beteiligt gewesen sein. Dagegen t habe ihn ohne Anlaß ein SA-Mann mit einem Schlagring h ps^EeniL geschlagen. Auch die weiteren Angeklagten t, geben an, nur passiv beteiligt gewesen zu sein.
Vorsitzender: „Wenn mir dann bloß einer sagen könnte, . wer in aller Welt den SA-Mann koniehki niedergeschla- jen, die Leiche in die Ohle geworfen und andere Leute »erprügelt und beschossen hat."
o Der Arbeiter Herbert Vanin hat das Reichsbanner ilarmiert und gehört, wie die Leute Zaunlatten abrissen. I )er Tischler Georg Fischer hörte, wie Durnick im „Wal- >!ch" die Frauen nach Hause schickte und die Männer zu- 1 iickbehielt. Weiter will er beobachtet haben, wie fünf bis " echs Reichsbannerleute auf Nationalsozialisten einschlugen. > Eine Reihe von Aussagen stehen zum Polizeiprotokoll wie iuch zu den Angaben der anderen Angeklagten in oft er- ieblichem Widerspruch.
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Zweiter Verhandlungstag
Brieg, 17. August
I Die Beweisaufnahme am zweiten Verhandlungstag Wurde mit der Vernehmung des Ohlauer Bürgermeisters Wu u n sch j l d eröffnet. Er sei von der Mitteilung über Zu- Wumenstöße in der Stadt höchst überrascht gewesen. Auf der Wiratze habe er den Ohlauer Ortsgruppenführer des Reichs- Mners, Blech, getroffen, den er aufgefordert habe, seine zurückzuziehen, wenn er sich nicht eines schweren Mandfriedensbruches schuldig machen wolle. Die Lastkraft- Wgen mit SA- und SS -Leuten, die aus Brieg nach Ohlau Mterwegs gewesen seien, habe er nicht mehr aufhalten kön- Anschluß an diese Aussagen hielt Rechtsanwalt Dr. dem Zeugen vor, daß in Kreisen der Angeklagten Mgen ihn ein Mißtrauen insofern bestände, als man an= er habe die polizeilichen Maßnahmen absichtlich hin- gezögert und später geäußert, er habe genug Material für W Reichsbannerverbot zusammen. Bürgermeister Haun- stellt eine solche Aeußerung auch selbst in ähnlichem entschieden in Abrede. — 'Oberlandjäger Schön be- ?a& es bereits auf der Reichsbannerkundgebung in Mskowitz zu Hetzreden gegen die Nationalsozialisten gekom- sei. An der Postbrücke in Ohlau seien etwa 150 Per- ■ p" der Aufforderung, die Straße zu räumen, nicht nach- "^men. Als die Beamten gegen das Reichsbanner vorge- Wgen seien, feien aus der Menge heraus gegen die Polizei U As 15 Schüsse abgegeben worden. Am Steindamm sei ° den Häusern heraus auf Nationalsozialisten geschossen wen. — Polizeihauptwochmeister P h i l i p o w s k i sagt ’’ er habe als einziger Beamter im Rathaus nicht oer= öern können, daß SA.- und SS.-Leute von Reichsban- 'euten mit Stöcken und Zaunlatten überfallen und nie- .Mniippelt worden feien. Die Beweisaufnahme bis zur > sagspaufe brächte in der Hauptsache die Vernehmung von uzeibeamten, unter ihnen des Oberlandjägermeisters .fdn>el aus Ohlau. Dieser begegnete, als er von'einer r 8ahrt zurückkehrte, in der Stadt etwa 100 Reichs- Zuteil, die, mit Latten bewaffnet waren und ihm zu- J .Straße frei für die Eiserne Front!" Die Menge gegen ihn eine drohende Haltung ein, so daß er in „ Rasthof flüchten mußte. Auch ein anderer Oberland- 5 W in ähnlichem Sinne wie der Oberlandjägermeister
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Die Aufhebung von Amtsgerichten
Ueberleitungsbestimmungen des Justizministers.
Berlin, 17. August.
Amtlich wird mitgeteilt: Im Preußischen Justizministerialblatt werden Ueberleitungsbestimmungen aus Anlaß der Aufhebung von 60 preußischen Amtsgerichten veröffentlicht. Diese Ueberleitungsbestimmungen setzen den Erlaß einer noch ausstehenden Verordnung über die Aufteilung der Bezirke der aufgehobenen Amtsgerichte voraus und sollen schon jetzt die Justizbehörden zur Einleitung der erforderliä)«n Vorbereitungen in die Lage versetzen. Da in nicht wenigen Fällen die früheren Bezirke unter mehrere Amtsgerichte aufgeteilt werden, müssen personelle Anordnungen (betreffend die Schöffen, die Beisitzer der Pachteinigungsämter, die Schiedsmänner), ferner organisatorische Anordnungen (Bezirksabgrenzung der Arbeitsgerichte, der auswärtigen Strafkammern, der Schöffengerichte) getroffen werden.
Zur Vereinfachung der Ueberleitung ist in den Fällen, in denen der frühere Bezirk auf mehrere Amtsgerichte aufgeteilt wird, eines der aufnehmenden Gerichte als sogenanntes Stammgericht vorgesehen, an welches namentlich alle Prozeßverfahren und -akten des aufgelösten Gerichtes über- gehen. Dagegen ist vorgesehen, daß namentlich Grundbuch-, Zwangsversteigerungs- und Vormundschaftssachen sogleich an die demnächst örtlich zuständigen einzelnen Gerichte ab- zugeben sind.
Kein Staatskommissar für die Gemeinden
Durch Pressemitteilungen über die Bestellung von „Staatskommissaren" für preußische Gemeinden zum Zwecke der Sicherstellung des Staatssteueraufkommens ist in der Oeffentlichkeit der irrtümliche Eindruck erweckt worden, als ob neue Eingriffe in die Selbstverwaltung stattfinden sollten. Es wird demgegenüber als ausgeschlossen bezeichnet, daß die preußische Staatsregierung vorhabe, Staatskommissare für die Gemeinden einzusetzen.
Es könne sich nur darum handeln, daß hinsichtlich derjenigen Gemeinden, die mit der Ablieferung der Staats- steuern im Rückstand sind, Staatsbeamte den Sonderauftrag erhalten, für die laufende Ablieferung der aufkommenden Smatssteuern Sorge zu tragen.
Weitere Exportminderun«»
Rückgang des Ausfuhrüberschusses auf 66 Millionen RM.
Berlin, 17. August.
Nach dem Ausweis über den deutschen Außenhandel im Juli ist der Ausfuhrüberschuß von 79 Millionen RM auf 66 Millionen RM zurückgegangen.
Im Vormonat betrug der Ueberschuß einschließlich der Reparationssachlieferungen 90 Millionen RM. Diese kommen aber jetzt nach Abschluß des Lausanner Vertrages nicht mehr in Frage. Die Einfuhr stieg von 364 Millionen RM auf 366 Millionen RM. Einer Zunahme der Einfuhr von Rohstoffen um 3 Millionen RM und von Lebensmitteln um etwa % Millionen RM steht ein Rückgang der Fertigwaren- einfuhr um 1,3 Millionen RM gegenüber. Der Menge nach hat aber auch die Fertigwareneinfuhr leicht zugenommen. Die Ausfuhr verminderte sich um 22 Millionen von 454 auf 432 Millionen RM. Der Rückgang entfällt im wesentlichen auf den Warenabsatz nach der UdSSR., der starken Schwankungen unterliegt. Im übrigen steht einer Zunahme der Ausfuhr nach Großbritannien ein Rückgang im gleichen Umfang bei der Ausfuhr nach Frankreich gegenüber. Der Rückgang der Ausfuhr entfällt allein auf die Fertigwarenaus- fuhr. Einen wesentlichen Minderabsatz haben erlitten nicht- elektrische Maschinen, davon insbesondere Werkzeugmaick'- neu, sowie Eisenhalbzeug.
Das erste Sondergerichtsurteil.
Dom Breslauer Sondergericht mürbe das erstemal feit dem Bestehen dieser Sondergerichte ein Urteil verkündet. Wegen einer schweren Schlägerei mit Nationalsozialisten am 22. Juni hatten sich die Landarbeiterin Marta Kurock, der Arbeiter Fritz Kupke, der Ackerkutscher Paul Jenke und der Verkäufer Max Magoliner zu verantworten. Ein Nationalsozialist wurde durch Messerstiche verletzt und ihm ein Zahn -ungeschlagen. Ein weiterer Nationalsozialist erhielt einen Schutz in den Unterleib. Das Urteil lautete wegen schweren Lankstriedensbruches bezw. einfachen Landfriedensbruches gegen die Kurock, die bei der Schlägerei als Rädelsführerin in Frage kam, auf ein Jahr drei Monate Gefängnis, gegen Kupke auf ein Jahr Gefängnis und gegen Jenke und Mago- ßaer of je sechs Monate Gefängnis. Die Bestrafung er- ?s^e »sch nicht nach den neuen Strafbestimmungen.
Festnahmen in Schleswig-Holstein.
Die Justizpressestelle in Altona teilt mit: Gelegentlich der Ermittlungen über die Handgranatenanschläge in Schleswig-Holstein in der Nacht nach der Reichstagswahl sind am 15. August durch den aus Berlin entsandten Son- derkommissar sowie Beamte der Polizeipräsidien Altona, Flensburg und Kiel weitere Festnahmen erfolgt. Festgenommen wurde u. a. auch der auf der Liste der NSDAP. in den Reichstag gewählte Angestellte Moder, der Führer der 4. SS-Standarte Altona ist, in deren Bereich sich sämtliche vier Handgranatenanschläge ereignet haben. Alle Festnahmen erfolgten wegen Verdachts des Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz. Die Namen der übrigen Festgenommenen konnten amtlicherseits noch nicht genannt werden; doch handelt es sich um Dr. med. Först - Wesselburen, Landwirt G u b h - Heuberg bei Schlichting, Siedler Wartens- Karolinenkrug, Kaufmann Otto H ö l ck - aus Wrohm in Dithmarschen und Dentist B e st m a n n aus Hohn bei Flensburg. Letzterer ist bereits aus dem Alto- naer Bombenlegerprozeß bekannt.
Erneute Ueberfälle in Ostpreußen.
In Lyck wurde außerhalb der Stadt ein auf dem Heimweg befindlicher Stahlhelmmann von sechs jungen Burschen überfallen, zu Boden gerissen und mit Stöcken besinnungslos geschlagen. Nach der Tat ergriffen die Täter die Flucht und entkamen unerkannt.
Einen Leichlathlelik-Länderkampf bestritten USA. und England in San Franziska. Die Amerikaner siegten mit 6 : 4 Punkten. Dabei gab es folgende neue Weltrekorde: 4 mal 800 Meter: England 7 :40,2; 80 Meter Hürden Damen: S. Schaller-USA. 11,6.
Neues aus aller Welt
Gewitterschäden in der Magdeburger Börde. Die Magdeburger Börde wurde erneut von schweren Gewittern hoim- gesucht, die nicht unerheblichen Schaden anrichteten. So schlug in der Klein-Wanzlebener Feldmark der Blitz mehrfach in groß«, für die Zuckerfabrik Klein-Wanzleben ausgedroschene Strohdiemen ein. Riesige Rauchwolken und Feuerschein leuchteten weit in die Nacht. Sämtliche Feuerwehren der Umgegend waren in kurzer Zeit an der Brandstelle erschienen, ohne jedoch die Vernichtung der großen Stroh- vorräte verhindern zu können. Der Schaden ist beträchtlich. In Hohenwarsleben wurde die Scheune des Landwirts Brandt durch Blitzschlag vernichtet. Große Erntevorräte wurden dabei ein Opfer der Flammen. Auch in diesem Falle ist dem Besitzer großer Schaden zugefügt worden.
Schadenfeuer durch Blitzschlag. Während eines Gewitters, das über Hamburg und Umgegend niederging, schlug der Blitz in Billstedt in einen Gutshof, der in Flammen aufgina. Das Feuer sprang auf eine Scheune des Nachbar- hofes über, die aber durch die Feuerwehr gerettet werden konnte. Durch das Feuer find zehn Personen obdachlos geworden.
Unglaublldje Blutfat in ONwetler. In Ottweiler (Saar- gebiet) wurde eine grauenhafte Bluttat ausgeführl Zwischen einigen jungen Leuten waren Streitigkeiten entstanden Einer der Beteiligten wurde mit einem Schürhaken bewußtlos geschlagen. Als er wieder zu sich kam, mußte er sich in ärztliche Behandlung begeben. Bei der Rückkehr vom Arzt wurde er wieder angegriffen. Mit einer Art erhielt er wuchtige Schläge auf den Kopf. Der Schädel wurde an mehreren Stellen eingeschlagen. Weiter erlitt der Angegriffene schwere Verletzungen am Oberkörper und an der Hand. Eine Hand wurde ihm buchstäblich abgeschlagen. In hoffnungslosem Zustande wurde der Verletzte dem Krankenhaus zugeführt.
Staubeckendamm gebrochen. — Großer Schaden. In der Nacht brach ein aus Kies aufgeschütteter Damm des Schlammstaubeckens der Grube Weis bei Untereschbach in der Nähe von Köln. Die losbrechenden Wassermassen des hochgefüllten Weihers richteten großen Schaden an. U. a. wurden eine Scheune mit Inhalt, eine Hühnerfarm und ein Stall gänzlich zerstört. Viel Vieh ertrank. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Provinzialstraße Köln—Olpe wurde auf einer Strecke von mehreren Metern tief eingerissen. Auch die Ferngasleitung wurde so stark beschädigt, daß die Gaslieferung einstweilen eingestellt werde« mußte.
Weitere tödliche Unfälle in den Bergen. Während der letzten Tage sind in den Tiroler Bergen eine ganze Reihe von schweren Unfällen vorgekommen. In den Stubaier Alpen wurde die Oberbaumeistersgattin Zinn aus Gafchwitz bei Leipzig bei der Besteigung der Schaufelspitze von einem herabrollenden Gestein am Kopfe getroffen. Sie erlag einige Minuten später ihren Verletzungen. — Im Zillertal ist eine Frau Toni Timm aus Hamburg tödlich verunglückt. Sie war seit einigen Tagen vermißt und wurde nun von einer Gendarmeriepatrouille tot aufgefunden. Die Frau ist wahrscheinlich über eine 70 Meter, hohe Felseywand.olM'stürzt. ... — Im Oetztal wurde am Vorderen Remolkogel ein männliches Skelett aufgefunden. Es handelt sich um den Forst- akademiker Hans Ernst Wiskott aus Essen, der seit dem 16. August 1925 vermißt wird. Er dürfte seinerzeit aus einer Höhe von 200 Metern abgestürzt sein.
Schweres Autobusunglück. Ein schweres Autobusunglück ereignete sich in unmittelbarer Nähe von Toulon. Anläßlich des Feiertages herrschte ein außergewöhnlich starker Verkehr, und Autobusse sowie Straßenbahnen waren überfüllt. Ein Autobus, in dem etwa 40 Personen Platz genommen hatten, wollte eine Straßenbahn überholen, wobei der Führer erst zu spät bemerkte, daß aus der entgegengesetzten Richtung ebenfalls ein Straßenbahnwagen herannahte. Der Autobus wurde zwischen die beiden Straßenbahnen eingeklemmt und zerquetscht. Von den 40 Insassen wurden 20 zum Teil sehr schwer verletzt. 18 Fahrgäste mußten mit Knochenbrüchen und Quetschungen ins Krankenhaus übergeführt werden. Bei einigen von ihnen hat man jede Hoffnung aufgegeben.
Der Waffenfund im Lissaboner Zollgebäude. Die portugiesische Regierung hat die militärische Wache von der spanischen Botschaft in Lissabon wieder zurückgezogen, nachdem der spanische Geschäftsträger eine befriedigende Erklärung über den Waffenfund im Lissaboner Zollgebäude abgegeben hat. Er gab an, daß die beschlagnahmten Gewehre spanischer Fabrikation nur als Muster gesandt worden seien, um einen Auftrag von der portugiesischen Regierung zu erhalten. Der portugiesische Botschafter in Madrid hat diese Erklärung bestätigt.
Ein russischer Ort durch Feuer zerstört. In dem Orte Solzy (Gouvernement Pskow) brach ein Feuer aus, das sich bald über das ganze Dorf ausbreitete. 30 Bauernhäuser brannten nieder. 14 Personen werden vermißt.
Schwere Zusammenstöße in Burnley. Infolge der Wiedereröffnung von fünf Baumwollwebereien kam es in der englischen Stadt Burnley, wo nahezu sämtliche Weber in den Streik getreten sind, zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Streikenden und der Polizei. Mehrere tausend Streikende blockierten die Straß', auf der einige hundert Weber, die die Arbeit wiederaufgenommen hatten, zurückkehrten. Da den mehrfachen Befehlen der Polizei, die Straße zu räumen, nicht Folge geleistet wurde, ging diese mit Gummiknüppeln gegen die Menge vor. Es entwickelte sich ein erbittertes Handgemenge, in dessen Verlauf mehrere Polizisten zu Boden gestoßen wurden. Ein Arbeiter wurde ernstlich verletzt.
Das Hochwasser bei Charbin geht zurück. In der durch das Steigen des Sungariflusies in der Mandschurei verursachten Ueberschwemmung ist nunmehr ein Stillstand eingetreten. Die Fluten gehen langsam zzirück, so daß mit einer Wiederaufnahme des Eisenbahnverkehrs bis zum Ende dieses Monats gerechnet wird. In Eharbin herrscht großer Mangel an Trinkwaffer. Die BchöiDen haben die Todes- straf« für alle Personen angekündigt, die i« Lebensmitteln spekutteren. Internationale Hiysmaßnahmen für die durch die Mut« geschädigten Personen find eingeleitet worden.
Zirka 3 Millionen Mark Uebcrschuh haben die Dh)mpifd)en Spiele in Los Angeles zu verzeichnen. Die offiziellen Zahlen sind allerdings noch nicht bekanntgegeben worden. — Studienrat Bin- ner, der Vorsitzende des Deutschen Schwimm-Verbandes, wurde in Los Angeles zum Präsidenten des Internationalen Schwimm- Verbandes, der Fina, gewählt.