Turnen und Sport
Noch ist nicht alles verloren!
Neue deutsche Olympiahossnungen.
Cos Angeles, 13. August.
Endlich wieder einmal ein erfolgreicher Tag der deutschen Olympiamannschaft in Cos Angeles. Einige Siege unserer Ruderer, Boxer und Schwimmer lassen uns Hoffnung, die geringe „Beute“ an Olympiamedaillen um einige zu vermehren.
Im Boxen haben sich außer Ziglarski auch der Weltergewichtler Campe und der Federgewichtler Schleinkofer weiter durchsetzen können. Spannagel und Bernlöhr sind leider ausgeschieden.
Unser Schwimmer Küppers hat sich durch einen 2. Platz im 100-Meter-Rückenschwimmen hinter dem Japaner Kiyokawa im Zwischenlauf die Teilnahmeberechtigung an der Entscheidung gesichert. ebenso wie S i e t a s - Deutschland durch seinen 2. Platz im SM-Meter-Brustschwimmen in den Zwischenlauf kommt. Bei den Damen ging eine neue Goldmedaille nach USA. Eleanor Holm wurde im 100-Meter-Rückenschwimmen in 1 :19,4 Siegerin vor Mealing-Australien. Ueber 400 Meter Crawl schuf Kight-USA. einen neuen olympischen Rekord mit 5:40.9 FrI. Godord-Frank- reid) schied überraschend aus. Im 1500-Meter-Crawlschwimmen siegten in den ersten beiden Vorläufen Kitamaru-Iapan und Christy-USA. Den dritten Vorlauf gewann Flanagan-USA, den vierten Makino-Iapon.
2n den Hoffnungsläusen der Ruderer konnte Deutschland sich im Vierer m. St., im Vierer o. St. und im Doppelzweier für die Entscheidung qualifizieren. Der deutsche Segler Lehr kam im Gesamtklassement aus den 4. Platz. Die Reihenfolge Holland— Frankreich—Spanien—Deutschland ist aber noch nicht endgültig, da ein Protest vorliegt.
Im Wasserball siegte Ungarn über USA. mit 7 :0 in seinem letzten Spiel und wurde damit Weltmeister. Dagegen ist noch nicht entschieden, ob USA. oder Deutschland Zweiter wird. — Die Inder haben die goldene Medaille im Hockey bekommen. — Im Fünfkampf der Turner siegte Italien.
Deutschland dreimal siegreich
An einem Tage eine goldene und zwei silberne Medaillen von unserer Olympiamannschaft erkämpft. — Deutsche Boxer aussichtsreich.
Los Angeles, 15. August.
Solche Tage, an denen gleich dreimal die deutsche Flagge am Siegesmast aufgezogen wird, hätten wir gern mehr gesehen. Aber nun ist ja die für uns an Enttäuschungen so reiche Olympiade bald zu Ende, so daß der Tag, an dem der Berliner Ruder-Elub eine goldene, die'deutsche Wasserballmannschaft und Oberleutnant Hax im Pistolenschießen silberne Medaillen erkämpften, mit zu den wenigen erfolgreichen gezählt werden muß.
Im Schwimmstadion gelangten die Entscheidungen über 100 Meter Rücken und im Turmspringen der Damen zur Austragung. Im Rückenschwimmen versagte der Deutsche Küppers im Endspurt und konnte nur Fünfter werden. Die ersten drei Plätze belegten Japaner, und zwar in der Reihenfolge Kiyokawa (1:08,6), Jrye (1:09,8) und Kawazu. Dan Zehr-USA. wurde Vierter vor Küppers (1:11,3) und Kerber-USA. Ein großer Erfolg für die USA. wurde das Turmspringen, das Miß Poynton-USA. mit 40,26 P. überlegen vor Coleman-llSA. (35,56), Roper-USA. und Sjöquist-Schweden gewann. Die Oesterreicherin Epply wurde nur Siebente. In der 4-mal-1M-Meter-Erawlstaffel siegte erwartungsgemäß USA. in der olympischen Rekordzeit von 4 :38,0 vor Holland (4 : 47,5), England, Kanada und Japan. S i e t a s « Deutschland wurde über 200 Meter Brust Zwischenlaufsieger in 2:47,6 vor Jldefonso-Philippinen und Nagakawa-Japan. Den ersten Zwischenlauf sicherte sich Koikke-Japan nach hartem Kamps in 2:44,9 (Olympiarekord) vor Tfuruta-Japan. Olympischen Rekord schwamm auch im Zwischenlauf der 1500 Meter Crawl der Japaner Kitamaru mit 19:51,5 vor Taris-Frankreich; doch schon im zweiten Zwischenlauf verbesserte der Japaner Makino diese Zeit auf 19 : 38,1.
In den Zwischenläufen der 400 Meter Crawl der Damen siegten Helen Madison und Kight (beide USA.).
Der Sieg des deutschen Vierers m. St. war eine große Ucberraschung deshalb, weil die Deutschen nur durch einen 2. Platz im Hoffnungslauf sich für die Entscheidung qualifiziert hatten, in der sie die favorisierten Italiener im Endspurt gerade noch abfingen. Im Einer siegte erwartungsgemäß der Australier P e a r c e überlegen und wiederholte damit seinen Sieg von Amsterdam. Miller-ÜSA., Douglas-Uruguay und Southwood-England belegten die nächsten Plätze. Im Riemenzweier o. St. gab es einen Sied Englands vor Neuseeland, Polen und Holland.
Erfolgreich verlief auch bisher für Deutschland das Boxturnier, wo wir noch mindestens drei silberne Medaillen zu erwarten haben. Für die Schlußrunden qualifizierten sich Ziglarski (Banfam), Schleinkofer (Feder) und Campe (Welker).
Im Säbelfechten konnte sich der Deutsche C a s m i r bis zum Finale durchsetzen. Bei den Turnern gab es zwei Entscheidungen. Im Barrenturnen siegte der Italiener Neri mit 56,9 P. vor Pelle- Ungarn und Savolainen-Finnland, an den Ringen Gulack "SA. Mit 56,9 P. vor Dentan-USA. und Latuada-Jtalien.
Abschluß in Los Angeles
Fünf neue silberne Medaillen für Deukjch'and. — Erfolge der Ruderer und Boxer.
Los Angeles, 15. August.
Bei den letzten o l y m p i s che n S ch w i m m w e t t b e w c r - b e n war Deutschland nur im 200 Meter-Brustschwimmen durch Sietas-Hamburg vertreten. Sietas konnte jedoch nur Vierter in 2:48 werden. Olympia-Sieger wurde T I u r u t a • Japan in 2:45,4 vor seinem Landsmann Koikke und dem Philippinen Jldesonso. — Das Turmspringen war wieder ein großer USA.-Ersolg. Smith siegte mit 124,80 vor Galitzen und Kurtz. Staudinger-Oesterreich wurde Vierter mit 103,44 P. — Das 400 Meter-Kraulschwimmen gewann helen Madison erst nach hartem Kampi in Weltrekordzeit von 5:28,5 mit Handschlag vor Kicht-USA. 5:28,6, Maakal- Südafrika, Cooper-England und Godard-Frankreich. — Die lange , Strecke, 1500 Meter "raul der Herren, gewann der Japaner Kita- | mura in 19:12,4 (Olympia-Rekord) vor seinem Landsmann Makino (19:14,1), Christy-USA., Ryan-Kanada und Crabbe-USA Taris-Frankreich wurde nur Sechster.
Bei den rudersportlichen Wettbewerben kam Deutschland noch zu zwei Silber-Medaillen. 3m Vierer o. St. belegte Amicitia- Mannheim hinter England, jedoch vor Italien und USA. den zweiten Platz. — 3m Doppelzweier kamen Buhtz-Boehelen hinter USA. an gleicher Stelle vor Kanada und Italien ein. — Sieget im Achterrenen wurde USA. vor Italien, Kanada und England.
Bei den Boxentscheidungen errangen drei deutsche Boxer, der Bantamgewichtler Ziglarjki, der Federgewichtler Schleinkofer und der Weltergewichtler Campe drei weitere Silbermedaillen für Deutschland. Die Sieger stellte USA.
Im Säbelfechten kam Casmir-Deutschland nur auf den 4. Platz. Die Goldmedaille erhielt der Ungar Piller, während der Italiener Gaudini den 2. Platz vor Kabos-Ungarn erwischte
Im Kleinkaliberschießen teilten der Schwede Ronn- mark und Huet-Mexiko den 1. Platz, womit beide eine Goldmedaille erwarben.
Das Nationenklaffement sieht die Amerikaner in klarer Ueberlegenheit aus den ersten Platz J Deutschland vermochte sich in den letzten Tagen durch die Erfolge I der Ruderer und Boxer auf den sechsten Platz vorzuarbeiten. USA 1. 193 Punkte, 2. Italien 64 Punkte, 3. Frankreich 47 Punkte, 4. Finnland 43 Punkte, 5. Schweden 42 Punkte, 6. Deutschland j PO Punkte, 7. Japan 36 Punkte, 8. England 34 Punkte usw.
Mehr siegte im Goldenen Rad von Leipzig, in zwei Läusen , über je 50 Kilometer ausgetragen, im Gesamtergebnis vor Hills < unb Lacquehay. [ Turnus Ausschluß von den Olympischen Spielen hat in Finn- ' land so großen Unwillen erregt, daß man jetzt zum Wirtschafte- ; boyki-Ä g«gen Schweden auffordert. Vor allem hat man es auf Edllvvm ichgesehen, der Direktor eines schwedischen Elektrizitäts- , iorizerns ih, der in Abo, der Heimat Nurmis, aufs schärfste boy- I $ostiert werben soll !
——n—mnif ।
Deutsche TennismMerschuften
Von Cramm Sieger im Einzel. - Art. Krähwinkel von Frl. pm knapp geschlagen.
Nach Frl. Krähwinkels und von Stamms Einzug in die Cr spiele der Einzel brächte der vorletzte Tag der Titelkämpse b deutschen Teilnehmern neue Erfolge. — Im gemischten Dap^ sicherten sich Frl. Krahwinkel-Cramm durch einen 3 :6, 6 : 4, 6 : Sieg über die Engländer Whittingstall-Hughes die Teilnahme der Endrunde - Auch im Damendoppel sonnten sich die deutsch Damen Krahwinkei-Peitz durch den überraschenden 6 :3. 6 :3-C! über die Favoriten Nuthall-WHUtingstall für die Endrunde q-nali zieren. Im Herren-Doppel waren die Austämber fedoch unter si und zwar Australien und England.
Bei den Endspielen schlug der deutsche Spitzenspieler Fr von Cramm den Deutsch-Böhmen Roderich Wenzel in der Schst runde in einem Viersatzkampf mit 3 : 6, 6 : 2, 6 : 2, 6 : 3. Dageg verlor die Deutsche Hilde Krähwinkel gegen die Schwexzerin Pm 6 : 2, 2 : 6, 6 : 4.
Bei den deutschen Tennismeisterschaften siegte von Cramm der Vorschlußrunde über den Franzosen Boussus mit 7 :5, 6: 6:3. Er trifft im Finale auf Roderich Wenzel, der Crawford r 6:4, 6:4, 6:4 ausschaltete. Im Dameneinzel siegten im 6er finale Frl. Krähwinkel mit 6 :1, 6:1 über die Holländerin So querque und die Schweizerin Payot mit 6 :4, 4 : 6, 6 :3 üt Mamoff-Frankreich.
Berlin schlug Hamburg 11:5 im 10. Städbekampf der Air irurboxer beider Städte, der im Berliner Saalbau Friedrichsh« ftattfanb. Die Berliner haben damit für ihre letzte in Hambu erlittene 6:10-Niederlage glänzend Revanche genommen.
Ausländische Fußballgäste siegten in Berlin, denn Tenn! Borussia verlor gegen Ferencsvaros-Budapest mit 3 :5 (1 :4) u! Minerva gegen Feyenoord-Holland mit 1:3 (1:1). — In Wej deutschland spielte Viktoria-Berlin gegen VfL. Benrath 3: — In Halle unterlag die Wiener Austria gegen eine Auswal Mannschaft des VMBV. mit 2 :5 (1 :2).
F.T.C. Budapest siegt in Leipzig mit "4:1. Die Budapest Fußballelf Ferencvaros T C. trat nach ihrem Berliner Gaftsp in Leipzig einer Auswahlmannschaft der dortigen Ib-Klasse gege über. Zur Ueberraschung der etwa 2000 Zuschauer gingen i Mitteldeutschen durch Kopfball in Führung, hatten damit jede schon ihr Pulver verschossen. Zur Pause stand das Treffen no 1:1, bei Schluß 4 :1 für die Gäste.
Holstein-Kiel schlägt Magdeburg 7 :1. Anläßlich der Tribüne weihe im Magdeburger Polizeistadion gastierte Holstein-Kiel bester Besetzung gegen die Fortunen. Namentlich Ludwig ui Widmaier haben Anteil an dem hohen Siege von 7 :1 (3:0) b Kieler.
Deutschlands Handballmannschaft siegte mit 16:8. -Die Siegen aus Grund eines Auswahlspieles aufgesiteltte deutsche Han ball-Mannschaft wurde in Barmen gegen eine Wuppertaler Stak Mannschaft einer erneuten Prüfung unterzogen. Vor etwa 201 Zuschauern siegte die Auswahlelf mit 16 :8 (7 :6).
Berlins Polizei-Handballer geschlagen. Der deutsche Handba Meister Polizei-S.V. Berlin war einer Einladung der Magdeburg Polizisten gefolgt. Die Magdeburger wurden mit 10:8 (3: Sieger.
Brandenburgs Turner wurden Titelhalter. Die Fanstba! Meisterschaft der Kreisgruppe Nord der DT., bestehend aus bt Turnkreisen Pommern und Brandenburg, wurde in Stettin e mittelt. Bei den Turnern siegte der Turnverein Forst über bt Tv. Kolberg verhältnismäßig glatt mit 33 :21 (19 :9), während i die BT. V. bei den Frauen gegen den Turnverein Korporatic Stettin erst in der Verlängerung schaffte: 30 : 30 (16:12), 43 :< nach Verlängerung.
Das Berliner Championat der Sleeckenläufer über 25 Kil, Meter gewann der Berliner Brauch in 1:27:18,2 vor Gerhard, Gießen (1:31:26,4) und Boß-Berlin. Im 10-Kilometer-Gehen siegt Schmidt-Charlottenburg in 50:20,1.
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ORtGINA L-eO MAN VON LOLA S T B t N
Fortsetzung 36)
„Das ist nicht der Grund, warum ich sprechen will", rief, Arpad empört, „der Grund ist allein deine Feigheit, Eustel, deine Art, allem Unangenehmen aus dem Wege zu gehen."
„Nenne es, wie du willst, die Hauptsache ist, daß du es tust", jagte Hasielreder. „Aber wo soll diese Aussprache stattfinden? In unserem Hause^ wo Aranka krank liegt und wo wir UNS nicht blicken lassen, wäre es doch zu seltsam Also wo?"
„Ich hole ihn von der Bahn ab", sagte der junge Arzt. „Er kommt mit dem Abendzug. Ich fange ihn am Bahn- hos ab und spreche gleich mit ihm.
„Wirst du ihn aber auch erkennen, Arpad?" fragte die junge Frau. „Du hast ihn doch nur einmal gesehen."
Ein Haßblitz brach aus den schwarzen Augen des Mannes. „Ich kenne ihn", sagte er leise. „Glaube mir, Erzsi, er wird mir nicht entgehen."
2 6. Kapitel.
So kam es denn, daß, als Michael Köhler am Abend dieses Tages mit einem erlösten Aufatmen in Wien dem Zuge entstieg, belebt durch den Gedanken, Aranka endlich, endlich hier wiederzusehen, von der unerträglichen Sehn- iuchi und Spannung erlöst zu werden, wiederum eine Ent- räujchung auf ihn wartete. Denn zwischen die Menschen, unter denen er dem Ausgang zustrebte, drängte sich plötzlich ein schlanker, dunkeläugiger Mann an ihn heran, zog den Hut und sagte:
„Verzeihung, Herr Michael Köhler, nicht wahr?" Und als Michael überrascht nickte und befremdet in dieses Ee- ncht iah, das ihm unsympathisch war, das er schon gesehen hatte und doch nicht sofort erkannte, fuhr der Fremde fort: „Ich bin Doktor Arpad Bedö, Herr Köhler, und möchte Sie um einige Minuten Gehör bitten."
Die beiden Herren hatten den Ausgang erreicht. „In welcher Angelegenheit, Herr Doktor?" fragte Michael beklommen.
„Ich komme im Auftrage . . . Ihrer . . . bisherigen Frau, oder, vielleicht bester gesagt, im Auftrage von Aran- kas Familie."
Michael tastete nach einer Stütze.
„Meiner bisherigen Frau, sagen Sie. Ich wüßte nicht, daß meine Ehe gelöst worden ist."
„Von der Seite Ihrer Gattin wohl, Herr Köhler. Doch, das läßt sich hier in der offenen Bahnhofshalle nicht jagen. Gestatten Sie, daß ich Sie in Ihr Hotel begleite?"
„Nein", entgegnete Michael, „nein. Solange kann ich nicht warten. Was ist hier wieder geschehen? Was haben Sie mir zu sagen? Sprechen Sie, sprechen Sie hier, Herr Doktor."
„Wie Sie wünschen, Herr Köhler."
Sie betraten den Warteraum und fanden in einer Ecke einen Platz, auf dem sie ziemlich abseits und unbemerkt sitzen konnten.
„Ich bin nicht zu einer Unterredung mit Ihnen nach Wien gekommen, Herr Doktor Bedö", sagte Michael, der sich langsam faßte. Daß er hier mit seinem größten Feind, mit dem Manne zusammensaß, den er Aranka einst genommen hatte, erschien ihm plötzlich widersinnig und unmöglich. Der junge Arzt machte eine abwehrende Bewegung.
„Ich weiß es, Herr Köhler. Und nur die ganz besonderen, tragischen Umstände, die sich inzwischen ereignet haben, machen diese Unterredung zwischen uns erklärlich. Von — Arankas Familie ist heute und morgen keiner imstande, mit Ihnen zu sprechen. Denn in Erzsöböts Haus hat sich in der letzten Nacht Entsetzliches zugetragen, Herr Köhler."
„Was ist mit Aranka?" schrie der gequälte Mann. Er achtete nicht mehr auf seine Umgebung, nicht daraus, daß -er hier unter fremden Menschen saß. „Was ist mit ihr? Ist sie — tot?“
„Sie lebt, Herr Köhler. Noch lebt sie, und mit Gottes Hilfe wird es uns hoffentlich gelingen, sie am Leben zu erhalten. Aber sie wollte sterben. In der letzten Nacht hat Aranka einen Selbstmordversuch gemacht. Und wenn man sie nicht wenige Minuten später gefunden hätte, wäre alle menschliche Hilfe zu spät gekommen."
„Warum?" stöhnte der im Tiefsten erschütterte Mann. „Warum wollte sie sterben?"
„Ja, warum? Wenn Sie selbst den Grund nicht misten, Herr Köhler? Wir alle stehen vor einem Rätsel, das für uns unlösbar ist."
„Ich, ich sollte es wissen?" Er starrte den jungen Arzt mit einem vor Gram und Entsetzen so irren Blick an, daß es Arpad heiß überrieselte. „Seit Wochen, seit schweren, qualvollen Wochen habe ich aus diesen Tag gehofft, der mir Aufklärung, Befreiung, der mir mein Weib wiedergeben sollte. Und nun — das."
Sein Kopf sank tief aus die Brust. Ein geschlagener, ein vom Schicksal zerbrochener, vernichteter Mann, so saß er da.
Arpad Bedö nahm dieses Bild der hoffnungslosen Verzweiflung in sich auf. Heiße Freude durchflutete ihn, ein Gefühl des Triumphes, der Trunkenheit ergriff ihn. Wenn Aranka genas, wenn er sie dem Leben zurückgeben würde, konnte er dann nicht ein zweitesmal um sie werben? Vielleicht . . Von diesem Manne hier, um den sie sterben gewollt, schien ihm keine Gefahr mehr zu drohen.
Jetzt hob Michael das Haupt. Arpad nahm sich zusammen. Der Rivale durfte nicht wissen, was in ihm vorging.
„Wie — ist das Schreckliche geschehen?" fragte Michael.
„Aranka war ein wenig ruhiger geworden", erzählte Arpad. „Noch sehr teilnahmslos, noch sehr traurig, aber doch etwas ruhiger als zuerst nach ihrer — Flucht. Da brächte Erzsi ihr gestern früh Ihren Brief, der ihr Ihr Kommen meldete. Erzsi, durch die bisherigen Erfahrungen
unruhig gemacht, ließ sich von Aranka das Versprechen geben, nicht wieder heimlich davonzulaufen. Aranka schie sehr bestürzt über Ihren Brief, sehr erschrocken. Aber s gab das geforderte Versprechen. In der Nacht schlich sich Marinka, in Sorge um ihre Herrin, die ihr am Tage vorher besonders verzweifelt erschienen war, an Arankas Tür. Sie hörte ihr Stöhnen, sie fand sie — in ihrem Blut Aranka hatte versucht, sich die Pulsadern zu öffnen. M- rinka holte Erzsi und ihren Mann. Man benachrichtigt« mich. Ich brächte das Blut zum Stillstand. Ich Hofs«, Aranka am Leben erhalten zu können."
„Entsetzlich", murmelte der Mann und bedeckte d Augen mit beiden Händen.
„Arankas Furcht vor einer Unterredung und einem Wiedersehen mit Ihnen, Herr Köhler, ist so groß, daß fit zu diesem letzten, verzweifelten Mittel griff", hörte et wieder die erbarmungslose, junge Stimme neben ftdj. „Lieber sterben als Sie wiedersehen."
Die Hände sanken Michael Köhler schlaff vom Antli herunter. Arpad Bedö blickte in erloschen scheinende Augen, in ein graues, verfallenes Gesicht. Selbst ihn,- der diesen Mann haßte und verwünschte, erschütterte der Anblick. El wurde in diesen Minuten seines Triumphes über den Feind nicht froh.
„Was habe ich ihr getan?" stöhnte Michael. „Was, um Gottes willen? Seit ich sie kenne, liebe ich sie. Und sie ... ?"
„Wenn Sie sie lieben", sagte Arpad Bedö, „dann lassen Sie sie am Leben." >
„Ich? Treibe ich sie aus dem Leben?"
„Es scheint so", entgegnete Arpad erbarmungslos, war ruhiger geworden. Daß Sie sie nicht lassen, nicht der von Aranka gewallten Einsamkeit und Ruhe lassen, das hat sie so weit getrieben. Aranka will nicht mehr w Ihnen leben, das hat sie klar und deutlich bewiesen. LaW Sie ihr ihren Willen. Achten Sie ihn."
Michael Köhler stöhnte: „So soll ich sie lassen?
zu wissen? Ohne sie wiederzusehen?"
„Ein plötzliches Wiedersehen würde sie töten, H^ Köhler. Jede Aufregung könnte ihren geschwächten Nerven einen schweren Schaden zufügen, könnte ihr rettungslojee Verderben sein. Und wohin eine vorher angemeldete W spräche — wie die heutige sein sollte — Aranka treibt das hat sie uns allen bewiesen. Ein zweiter Selbstmord' versuch würde nicht wieder mißglücken, bedenken Sie nW' Sie halten Arankas Leben in Ihren Händen, in Willen. Wenn Sie sie wirklich lieben, dann lassen Sie p den Weg gehen, den sie will."
„Welches ist dieser Weg?" ,
^»Ss ist ein Weg fern von Ihnen. Mehr weiß ich W
Michael Köhler erhob sich plötzlich. „Ich kann mehr. Ertrage diese Unterredung nicht länger. Wer, Doktor Bedö, hat Sie zu mir geschickt? Weiß Aranka, Sie zu mir gegangen sind?"
(Fortsetzung folgt.)