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Nr. SS (1. Blatt)
Dienstag, den 16. August 1932
84. gahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I M. II 1624/32.
Betrifft: Die amtliche Besichtigung der Drogenhandlunge«.
In sinbetracht der ungünstigen Finanzlage des Staates iimb der Gemeinden läßt sich auch die Bestimmung des Erlasses vom 13. Januar 1910 — M. 8696 — Min. Blatt für Nedizinal-klngelegenheiten Seite 65 —, nach> der die Vrogen-Gift-Usw. Handlungen wenigstens einmal jährlich einer Revision zu unterziehen sind, während der Bauer der gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht durchführett. Die Besichtigungen sind daher bis auf weiteres mit Busnahme der Brogenhandlungen, in denen bei der letzten Prüfung erhebliche Beanstandungen zu machen waren, nur alle zwei Jahre vorzunehmen.
Ich ersuche jedoch dafür Sorge zu trägen, daß die Besichtigungen in diesem verringerten Umfange durchgeführt werden. , ।
PP- I Berlin, den 26. Juli 1932.
Der preußische Minister für Volkswohlfahrt.
Vorstehender Ersatz wird den Grtspolizeibehörden zur mntnis und genauen Beachtung nntgeteilt. Schlüchtern, den 8. August 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
= Zu Schiedsmünnern bezw. Schiedsmannsstellvertretern ind wiedergewählt und als solche bestätigt worden:
. a) zu Schiedsmännern: Bürgermeister Wendelin Hummel, M; Landwirt Eduard Huhn, Ulmbach' Landwirt hein- ich Dieß, Wahlett.
b) ' zu Schiedsmannsstellvertretern: LokoMotivheizer k^lLsted«>jpa^ ; Landwirt Kugust-Herber, Ulv'- >ich,' Landwirt August Hausmann, Wahlert.
Schlüchtern, den 8. August 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
tadt Stein au.
Ketr. Mafferuervrauch.
Um die bevorstehende Wasserknappheit zu beheben, wird gliche Entnähme von Wasser aus der städtischen Wasser- itting zum Besprengen der Gärten, Straßen und dergl. längstens untersagt.
| Die Bürgerschaft wird in ihrem eigenen Interesse dringend ersucht, zur Kenntnis kommende Uebertretungen un- ktes Verbots zur Anzeige zu bringen, damit gegen die fraglichen Personen strafrechtlich vorgegangen werden kann.
Uas bereitgestellte Wasser dient zunächst lediglich den Bedürfnissen der Menschen und des Dieses sowie industriel- P Zwecken, nicht aber zu Sprengzwecken pp.
^ie geschaffene Pumpanlage behebt bei Inbetriebsetzung Wassermangel, verursacht jedoch erhebliche Kosten, die. Hnzusparen, bei der heutigen Wirtschaftslage ein unbeding- Erfordernis sein muß.
[Wenn für die Zukunft jeder Bürger mit dem Wasser Mrhästerisch wirtschaftet und das unnötige Fortlaufen
Wassers abstellt, dann ist genügend Wasser zu jeder R vorhanden. I 1 i '
| Sprengmeister kann in genügendem Umfange aus der ktunaubach. und st^er Winzig entnommen werden. Uebertretungen wollen sofort auf dem Rathaus zur An= gebracht werden.
bkinau, den 12. August 1932.
Der Magistrat. Dr. Kraft.
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Bekanntmachung.
Um Montag, den 29. ds. Mts., nachm. 5 Uhr werden s üentereihofe zur Zwangsversteigerung gebracht: 5 Stück ‘"lOnief), 2 Sofas, 2 Schreibtische, 2 Bettstellen, 1 Uäh- Wne und 1 Waschtisch.
Wir maxien hiervon Käufer darauf aufmerksam; die Ge- ^tände können nach Rückfrage bei der Stadtkasse be- Vgt werden.
ein Verkauf in Steinau nicht mögliche sein, so wer- ch>e Sachen außerhalb zum Verkäufe angeboten. Steinau, den 13. August'1932.
Der Magistrat. Dr. Kraft.
,. Ueber den Schwarzwald ging in der Nacht zum Sonn- J ein schWEs Gewitter nieder. Der Blitz schlug in je , "Erngehäst in Zchönwald und Gremmelsbach! und Ue beide vollkommen ein.
^ 0er badische Innenminister Emil Mater (Sog.) ist am JR vormittag nach längerem schweren Leiden in Freu- ^"ot gestorben.
Verhandlungen mit Hitler gescheitert
Das Präsidial Kabinett von Papen wird unverändert vor den neuen Reichstag treten
Berlin, 14. August.
Der Führer der NSDAP., Adolf Hitler, hatte am Sonnabendvormittag die angekündigte Besprechung zunächst mit dem Reichswehrminister von Schleicher und anschließend daran mit dem Reichskanzler von Papen. In beiden Besprechungen zeigte er sich nicht geneigt, auf die Vorschläge der Regierung einzugehen.
Er beanspruchte nicht nur für sich die politische Staats- führung, also das Kanzleramt, sondern auch für seine Bewegung die allein ausschlaggebende Stellung im Reichskabinekt.
Trotz weitgehenden Entgegenkommens der Regierung in bezug auf diese Wünsche ist es zu einer Einigung nicht gekommen, da Adolf Hitler auf der restlosen Erfüllung aller seiner Wünsche bestand. Der Reichskanzler hatte den'nationalsozialistischen Führer über den Willen des Reichspräsidenten unterrichtet, kein an Parteien gebundenes Kabinett die Reichsgeschäfte führen zu lassen.
Der Reichskanzler teilte Hitler mit, daß er auf Grund des ihm vom Reichspräsidenten gewordenen Auftrages vier Persönlichkeiten, die der nationalsozialistischen Bewegung angehören, Sitze in seinem Kabinett anbieten wolle, darunter das neu zu schaffende Amt des Vizekanzlers, das Reichsinnenminisiermm und zwei andere Portefeuilles, je nach Eignung der in Betracht kommenden Versönlichkeiten. Auch auf die Möglichkeit der Personalunion Reich—Preußen wurde hingewiesen, so daß den Nationalsozialisten ein gleichstarker Einfluß in Preußen wie im Reich eingeräumt werden würde.
Auf diese Vorschläge ist Hitler nicht eingegangen. In Uebereinstimmung mit den Ankündigungen in der nationalsozialistischen Presse forderte Hitler die hundertprozentige Uebergabe der Macht an ihn und seine Partei. Er .ertzob keine .Emwendungen Legen ein Präsidialkabinett, ver- krat aber die Auffassung, daß ein von ihm als Kanzler geführtes, zum Teil aus feinen engeren Parteigenossen gebildetes Kabinett, „keine Parteiregierung" in dem bisher üblichen Sinne wäre. Aber es fei selbstverständlich, daß er als Reichskanzler die Richtlinien der Politik zu bestimmen haben werde und darin völlig freie Hand haben müsse.
Nach 4 Uhr nachmittags war Hitler dann vom Reichspräsidenten empfangen. Auch diese Unterredung, die nur 15 Minuten dauerte,
ist völlig ergebnislos verlaufen, da Hitler von seinen Forderungen nicht abgehen wollte.
Die Regierung Papen wird also jetzt im Amte bleiben und in unveränderter Zusammensetzung vor den Reichstag treten. Diese Losung bedeutet normalerweise eine Vertagung der Entscheidung bis nach dem 30. August. Sollte es inzwischen zu einer Verständigung zwischen Zentrum und NSDAP. kommen, so würde das Kabinett Papen im Reichstag gestürzt. Ob damit eine Klärung erfolgen würde, ist mehr als fraglich, da das Präsidialkabinett dann möglicherweise den Reichstag auflösen würde, Neuwahlen aus- schriebe und als geschäftsführende Regierung weiter amtierte. Eine andere Entscheidung wäre das Eingehen Hitlers auf des Kanzlers oben erwähnte Vorschläge, die aber zunächst von der NSDAP. energisch abgelehnt werden.
Hindenburg wieder in Neudeck. — Das Reichskabinekt mit der beschleunigten Arbeitsbeschaffung beauftragt.
Berlin, 15. August.
Reichspräsident von Hindenburg hat nach dem Abbruch der Verhandlungen über die Umbildung der Reichsregieruntz Berlin sogleich wieder verlassen, um noch einige Tage in Neudeck zu verbringen. Vor seiner Abreise empfing der Reichspräsident noch einmal den Reichskanzler von Papen. Amtlich wird darüber mitgeteilt:
„Der Herr Reichspräsident brächte vor seiner Abreise nach Neudeck gegenüber dem Reichskanzler, der sich von ihm verabschiedete, zum Ausdruck, daß — nachdem nunmehr Klarheit über die politische Lage geschaffen sei — mit der größten Beschleunigung die zur Behebung der Arbeitslosigkeit vordringlichen Aufgaben gefördert werden müßten. Der Herr Reichspräsident erklärte hierbei dem Reichskanzler, daß er seiner tatkäfkigen Unterstützung bei der Erledigung dieser Aufgaben gewiß sein könne."
Reichskanzler von Papen hatte später noch eine Unterredung mit den Zentrumsabgeordneten I o o s und Bolz. Der Reichskanzler unterrichtete die Abgeordneten über den Verlauf der Verhandlungen mit Hitler und gab dabei eine amtliche Darstellung über diese Besprechungen bekannt. Die Zentrumsabgeordneten nahmen die Mitteilungen zur Kenntnis, enthielten sich aber jeder eigenen Stellungnahme.
Die amtliche Darstellung
Das vorstehend erwähnte amtliche Kommunique lautet:
„Reichspräsident von Hindenburg empfing in Gegenwart des Reichskanzlers von Papen den Führer der NSDAP., Adolf Hitler, zu einer Besprechung über die politische Lage und die Frage einer Umbildung der Reichs- regierung. i
Der Reichspräsident richtete an Hitler die Frage, ob er bereit sei, selbst sowie mit anderen geeigneten Persönlichkeiten der NSDAP. in die von dem Reichskanzler von Papen geleitete Regierung einzulreten. Herr Hitler verneinte dies und stellte an den Herrn Reichspräsidenten die Forderung, ihm die Führung der Reichsregierung und die gesamte Staatsgewalt in vollem Umfange zu übertragen.
Reichspräsident von Hindenburg lehnte diese Forderung sehr bestimmt mit der Begründung ab, daß er es vor seinem Gewissen und seinen Pflichten dem Vaterlande gegenüber nicht verantworten könne, die gesamte Regierungsgewalt ausschließlich der nationalsozialistischen Bewegung zu übertragen. die diese Macht einseitig anzuwenden gewillt sei. Er bedauerte, daß Herr Hitler sich nicht in der Lage sehe, entsprechend seinen vor den Reichstagswahlen abgegebenen Erklärungen eine vom Vertrauen des Herrn Reichspräsidenten berufene nationale Regierung zu unterstützen.
Die Aussprache schloß alsdann mit einer ernsten Mah- nung des Reichspräsidenten an Hitler, die von ihm angekün- digte Opposition der NSDAP. ritterlich zu führen und seiner Verantwortung vor dem Vaterlande und vor dem deut- schen Volke bewußt zu bleiben.
Vor dem Empfang bei dem Herrn Reichspräsidenten hatte im Laufe des Vormittags eine Aussprache des Reichskanzlers mit Herrn Hitler stallgefunden. 3n dieser Aussprache hatte sich der Reichskanzler erboten, dem Reichspräsidenten Hitler als Vizekanzler in der gegenwärtigen Regierung vorzuschlagen und ferner einige weitere geeignete Persönlichkeiten aus der nationalsozialistischen Bewegung mit wichtigen politischen und fachlichen Ministerien zu betrauen, um dieser Bewegung einen ihrer Stärke entsprechenden Einfluß auf die Staatsführung einzuräumen."
Erklärung der NGOAp
Von nationalsozialistischer Seite liegt eine Erklärung iur Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP. vor, in der ausgeführt wird:
„Der Führer wurde heute zu Besprechungen zum Reichskanzler von Papen und im Anschluß daran zu Reichs- ' präsident von Hindenburg gebeten. Auf die ihm vorgelegten Fragen, ob er und die Partei bereit feien, in eine Regierung von Papen zur Mitarbeit einzutreten, erklärte der Führer:
Wir sind gewillt und entschlossen, die volle Verantwortung für die deutsche Politik in jeder Beziehung zu übernehmen, wenn man uns dafür die eindeutige Führung der Regierung anvertraut. Ist das nicht der Fall, so kann die nationalsozialistische Bewegung weder an der Macht, noch an der Verantwortung teilnehmen. Insbesondere kommt ein Eintritt in die Regierung von Papen für die Partei nicht in Frage.
Da aber der Reichspräsident von Hindenburg es ab- lehnte, die nationalsozialistische Bewegung als stärkste Partei mit der Führung der Regierung zu betrauen, wurden die Verhandlungen als ergebnislos abgebrochen.
Die nunmehr getroffenen Maßnahmen für die weitere Fortführung des Kampfes der nationalsozialistischen Bewegung werden in einer in der kommenden Woche stattfindenden Führerlagung bekanntgegeben werde«.
Der Führer verließ am Sonnabend Berlin. Zu dem amtlichen Kommunique über die Zusammenkunft Hitler—Hindenburg—Papen, das in manchen Punkten nicht unbedeutende Unrichtigkeiten enthält, wird die NSDAP. noch Stellung nehmen."
Pressestimmen zum Scheitern der Verhandlungen
Der Abbruch der Verhandlungen des Reichskanzlers von Papen mit Adolf Hitler wird von der gesamten deutschen Presse als ein Ereignis von historischer Bedeutung bezeichnet.
Bon den rechtsstehenden Berliner Zeitungen wertet die „B ö r s e n - Z e i t u n g" den 13. August als einen schwarzen Tag der deutschen Geschichte. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" spricht von einer Ueberschätzung des Wahlerfolgs durch die NSDAP. und meint, es wäre die historische Aufgabe der NSDAP. gewesen, den alten Feldmarschall bei der Loslösung Deutschlands von den Auswüchsen des Parlamentarismus zu unterstützen. Hindenburg habe sich erneut als ein Mann erwiesen, der nur die größten, rein vaterländischen Gesichtspunkte gelten lasse. Die „Deutsche Tageszeitung" beurteilt die Lage außerordentlich ruhig und schreibt:
„Wir bedauern, daß der Versuch der Heranziehung der nationalsozialistischen Kräfte zur Teilnahme an der Verantwortung einstweilen nicht zum Ziel geführt hat. Indessen ist mit diesen zunächst ergebnislosen Verhandlungen die Entwicklung der Dinge ja schwer- tid) abgeschlossen, sondern vielleicht erst a n g e b a h n t. Es werden sich ohne Zweifel schon in verhältnismäßig naher Zeit neue Ansatzpunkte ergeben, namentlich wenn allerseits vermieden wird, Zuspitzungen und Schärfen herbeizuführen, die sich naturgemäß sehr leicht als Hemmnisse auswirken können."
Die Zeitungen der bürgerlichen Mitte und die linksstehenden Blätter erblicken in dem Ausgang der Verhandlungen mit Hitler zugleich eine Verurteilung des von der neuen Reichsregierung gesteuerten Kurses. Die „G e r m a - h i a". eines der führenden Blätter des Zentrums, schreibt.