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Schlüchtmm Rettung

Krris-Kmtsblatt * MyemeLner amUütierKnzeiyerfür den Kreis -chtüchtao

Nr. 95

<1. Blatt)

Dienstag, den 9. August 1932

84. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Laudratsa«!« .?-^ ,

Verfassungsfeier.

Der diesjährige Versassungstag fällt in eine Zeit schwer­ster wirtschaftlicher Not und tiefster politischer Zerrissen-- Heit unseres Volkes. wenn trotz alledem aud)i in diesem Notjahre der Verfassungstag festlich begangen werden soll, so geschieht es in der Ueberzeugung, daß auch, aus den ge- yenmärtigen Stürmen der Weg in eine bessere Zukunft sich auftun wird, wenn wir das Vertrauen zu uns selbst und den unbeugsamen Willen behalten, unsere innere und äußere Fisi- heit als mündiges zur Selbstbestimmung seiner Geschicke befähigtes Staatsvolk bis zum äußersten zu verteidigen. Die allzeit verläßlichen Grundlagen dafür bietet unsere re­publikanische und demokratische Neichsverfassung, für deren Erhaltung und Ausbau im Sinne einer wirklichen Volks­gemeinschaft wir am Sonntag, den 14. August am Acis- brunnen ein lebendiges Bekenntnis ablegen wollen.

Die Feier wird folgenden Verlauf nehmen:

10.45 Uhr Antreten der Wettkämpfer zu den leichtathleti­schen Wettkämpfen und zu den Stafetten auf dem Sport­platzBuwiese" in Schlüchtern.

11 Uhr Beginn des Dreikampfes in vier Altersklanen (100 Meter Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen), Stafetten- lauf (4 mal 100 Meter Pendelstafette, ausgetragen in zwei Altersklassen).

14. Uhr Fuß- und Faustballspiele am Acisbrunnen.

16 Uhr Beginn des FestaktVs am Acisb-run= nen. s !

: vortragsfolg e : 1. Musikstück (Musikverein Schläch­tern. 2. Einklang von Lendvai (Gremmelsscher Männer­chor Schlüchtern). 3. Deklamationen (Lateinschule Schlüch- tern). 4. Lobet den Herren, alle, die ihn ehren (Stadtschule Schlüchtern). 5. Sprechchar (habertshof). 6. Säerspruch Don Lendvai (Gremmelsscher Männerchor Schlüchtern), ?r Festrede. 8. Deutschlandlied. 9. Musikstück (Musikverein Schlüchtern). 10. Volkslieder (Evang. Jungmädchenverein Schlüchtern). 11. Ein Laienspiel: Der verrostete Ritter Uath. Jungmännerverein Salmünster). 12. Wer jetzig Seiten leben will (Stadtschule Schlüchtern). 13. Schwank: Hier geht er hin, da geht er her (Aufbau] dyule Schlüch- fern). 14. Preisverteilung an die Sieger in den sport­lichen Wettkämpfen. 15. Musikstück.

Anschließend gemütliches Beisammensein und Tanz.

Während der Spiele und Feier finden Kinderbelustigungen statt. Die Wettkämpfe und Spiele werden von folgenden Turn- und Sportverbänden gemeinsam ausgeführt: Arbei­ter- Turn- und Sportverein, Deutsche Sugendkraft, Deutsche Turnerschaft, Westdeutscher Spielverband.

Die Einwohnerschaft des Kreises Schlüchtern wird zu der Feier herzlich eingeladen und gebeten, durch vollzähliges Er­scheinen zur Verschönerung des Festes und zum Erfolg der vaterländischen Kundgebung beizutragen.

3tt der Feier werden insbesondere auch die Herren Beälnv feit und Angestellten der hiesigen Deichs-, Staats- und Kom- «uunalbehörden, die Mitglieder der kommunalen Körper­schaften, die Vorstände und Angehörigen der Kirchen- und Sättigemeinben, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerver- bande, der landwirtschaftlichen, Handels- und Gewerbe­vereine, sowie aller übrigen Vereine, der Innungen, Beam­ten- HM Anaestelltenorganisationen unb derjenigen der liefen Berufe hiermit eingeladen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich. in meinem Auf- kage, die Mitglieder der städtischen Körperschaften, die Temeindevorstände und Gemeindevertretungen, sowie die in Städten und Gemeinden bestehenden vereine Und Orga­nisationen besonders einzuladen.

. Schließlich werden alle Einwohner des Kreises gebeten, ^vrch Ausschmückung und Beflaggung ihrer Häuser am 11. Ruquft wie auch am 14. August ben Städten und Dörfern vm festliches Gepräge zu geben.

Schlüchtern, den 4. August 1932.

_____________Der Landrat' Dr. Müller.

Kretsausschuß.

dcchfäh. Ziegen «. fprnngfSH. Ziegenböcke.

^Mr. 3295 K. A. Zwecks Berichterstattung an den Herrn ^verprchidenten in Kassel ersuche ichi die Herren Bürger- ^ister der Stadt- und Canbgemeinben, mir binnen 8 Tagen , n jetzt vorhandenen Bestand an deckfähigen Ziegen und Mungfähigcn Siegenböcken, je getrennt nach weißen und unten, mitzuteilen.

schlüchtern, den! 5. August 1932.

Der Landrat: Dr. Müller.

Z-Nr.. 3381 K. A. Mit Dücksicht darauf, daß sich die Anzeige über Obstdiebstähle an den Landwegen des KreU in den letzten Jahren erheblich vermehrt haben, es nur in seltenen Fällen gelungen ist, die Diebe festzu-

I stellen und der Bestrafung zuzuführen, hat der Kreisaus- ' schütz bereits im Jahre 1929 die Aussetzung von Prämien für die Namhaftmachung von Gbstdieben beschlossen. Auf Grund dieses Beschlusses wird für die Benennung vezw. Er­mittlung von Gbstdieben, deren Straftat sich auf Gbstbäume des Kreiskommunalverbandes Schlüchtern erstreckt, in je­dem Linzelsalle eine Prämie bis zu 20 AM. aus Kreis­mitteln ausgesetzt. Die Herren Bürgermeister und die Her­ren Landjägereibeamten des Kreises mache ich! hierauf be­sonders aufmerksam und ersuche die Herren Bürgermeister, diese Bekanntmachung wiederholt in ihren Gemeinden ver­öffentlichen zu lassen.

Schlüchtern, den 6. August 1932.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

J.-Nr. 3287 K. A.

An sämtliche Herren Schulleiter und Lehrer des Kreises.

Gelegentlich einer Besichtigung des Kreisobstgartens (der Kreisbaumschule) in Schlüchtern durch den Kreisausschuß hat letzterer einmütig die Auffassung vertreten, daß es sehr em­pfehlenswert sei, den Schulkindern, insbesondere denjenigen der Oberklassen, die Anlage des Kreisobstgartens zu zeigen. Die immer wieder vorkommenden Beschädigungen an den Obstbäumen der Landwege des Kreises bestätigen, daß beim Publikum und namentlich auch bei der Schuljugend noch nicht allgemein das nötige Verständnis für den Wert und die Be­deutung des Obstbaues für unser Wirtschaftsleben besteht. Es darf daher keine Gelegenheit versäumt werden, die Jugend hierauf hinzuweisen. Den Herren Schulleitern und Lehrern empfehle ich deshalb, bei gelegentlichen Ausflügen mit den Oberklaffen den Kreisobstgarten in Schlüchtern zu besichtigen. Die Zeit vor der Ernte ist dafür am besten geeignet. Herr Kreisobergärtner Holstein ist gerne bereit, bei solchen Besich­tigungen aufklärende, für die Kinder verständliche Verträge über Obst- und Gartenbau zu halten. Was die Kinder bei tereS Leben nur von Vorteil sein.

Es empfiehlt sich, den Kreisobergärtner vorher von der Besichtigung zu verständigen, damit er in der Kreisbaum­schule anwesend ist.

Schlüchtern, den 30. Juli 1932.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

Der Kanzler wieder in Berlin

Berlin, 8. August.

Reichskanzler von papen hat Sonnkagmitkag mit dem fahrplanmäßigen Zug von Dillingen aus die Rückreise r.ad) Berlin angelrelen, wo er Montag früh eingetroffen ist.

*

Minister Schleicher bei den Alokkenübungen.

An den Flottenübungen, die zur Zeit in der westlichen Ostsee stattfinden, werden der Reichswehrminister, General von Schleicher, der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Raeder, und der Chef der Heeresleitung, General der In­fanterie Freiherr von Hammerstein teilnehmen.

Vereiieltes Attentat

Ein Sinnfeiner wollte den englischen stolonialminister ermorden.

Oktawa, 8. August.

Die kanadische Polizei hat einen Sinnfeiner-Anschlag auf das Leben des englischen Ministers für die Dominien, Thomas, entdeckt, und in Verbindung hiermit einen Iren, namens Dan Malone, in Toronto, festgenommen. Der An­schlag sollte während der Feierlichkeiten zur Eröffnung des Welland-Kanals stattfinden.

Malone ist Mitglied der englischen Sinnfeiner und war vor einigen Jahren nach Kanada gekommen, wo er sich wegen kommunistischer Tätigkeit verdächtig gemacht hatte. Die Polizei hatte ihn überwachen lassen und dabei eine B e - sprechung abgehört, in der Malone seine verbreche­rische Absicht darlegte. Er hatte geschworen, daß er den Thomaskriegen" werde, der sich bei den irischen Republi­kanern während des jetzigen irisch-englischen Streitfalles sehr unbeliebt gemacht hat. Die Eröffnungsfeierlichkeiten des Kanals, an denen neben dem Dominionminister Thomas und Baldwin mehr als hundert Delegierte der Reichswirtschafts- konferenz teilnahmen, sind ohne Zwischenfall verlaufen.

Riesenüberschwemmung in der Mandschurei

Bisher 120 Tote.

Peking, 8. August.

Die Uebeüchwemmungen in der Ziordmandschurei haben einen großen Umfang angenommen. Verschiedene chinesische Dörfer bei Tsitsikar 'sind völlig zerstört. Ueber 40 Dörfer stehen unter Wasser. Bisher wurden 120 Tote geborgen.

v. Gronau in Milwaukee eingetroffen. Der deutsche Flieger von Gronau flog von Chikago ab und traf in Mil- waukee ein, wo er von einer riesigen Menschenmenge be­geistert empfangen wurde.

Uebereinstimmung Gayl-Bracht

Ein amtliches Dementi.

Berlin, 7. August.

Zu den von einem Berliner Morgenblatt gemachten Ausführungen, wonach zwischen dem Bevollmächtigten des Reichskommissars für Preußen Dr. Bracht und der Reichs­regierung Meinungsverschiedenheiten über die Wege zur Abwehr der rechtsradikalen Terrorakte entstanden sein sol­len, erklärt Dr. Bracht, daß diese Mitteilungen frei erfun­den sind.

Durch tägliche persönliche Fühlungnahme wird im Ge­genteil völlige Uebereinstimmung mit dem federführenden Reichsinnenminister von Gayl gewährleistet. Auch durch die ständige Zusammenarbeit der Sachbearbeiter des kommissa- Ä preußischen Innenministers mit denen der Reichs- ing wird das ständige Einvernehmen bewirkt und ge­sichert. Der Zeitpunkt und das Ausmaß für weitere Maß­nahmen hängen in der Hauptsache davon ab, ob die jetzt im Lande mehr und mehr eingetretene Beruhigung von Dauer ist Auf besondere vorbeugende Vorkehrungen wird jedoch voraussichtlich nicht verzichtet werden können.

Die Strafen für Sprengstoffanschläge

Von zuständiger Stelle 'wird mitgeteilt, daß die zahl­reichen Sprengstoffanschläge der letzten Tage durch eine neue Notverordnung nicht erfaßt werden würden. Neue Maßnahmen gegen Sprengstoffanschläge seien nicht nötig, da das Sprengstoffgesetz von 1884 bereits die schärfsten Strafen vorsehe.

Es sei Zuchthaus von 5 bis 15 Jahren, möglicherweise lebenslängliches Zuchthaus vorgesehen und für Fälle, daß bei einem Sprengstoffanschlag Todesfälle zu beklagen seien, die Todesstrafe.

Keine Polizeifunktionen an Parteien

Zu der Besprechung des Reichsinnenministers mit den Ministerpräsidenten von Oldenburg und Mecklenburg- Schwerin sowie dem Innenminister von Braunschweig wird MB auMto^ M W Mm LSklgrt,

daß keinerlei Parteiformationen zu polizeilichen Funk­tionen zugelassen werden würden.

Das Reichsinnenministerium steht auf dem Standpunkt, daß grundsätzlich gegen die Einstellung von hilfspolizeilichen Kräften nichts eingewendet werden könne, daß aber der Grundsatz der Ueberparteilichkeit gewährleistet werden müsse.

Landtagssitzung vertagt

Der Präsident des Preußischen Landtages, fierrt, hat sämtlichen Fraktionen des Landtages mitgeteilt, daß die für den 16. und 17. August in Aussicht genommenen Landtags- fitzungen nicht stattfinden.

Diese Mitteilung des Präsidenten geht auf ein Schrei­ben des nationalsozialistischen Fraktionsführers, Abg. Kube, zurück, der den Präsidenten gebeten hatte, die in Aussicht genommenen Landtagssitzungen abzusetzen, da an bkfen bei­den Tagen eine große Tagung aller nationalsozialistischen Abgeordneten des Reichstages und der Länderparlamente abgehalten werde. Wenn Präsident Kerrl der Bitte des Abg. Kube gefolgt ist, so entspricht das der bisherigen Uebung des Landtages, der derartige Wünsche von Land­tagsfraktionen stets berücksichtigt hat.

Ein Dementi

Gegenüber anderslautenden Pressemeldungen wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß irgendwelche Aenderungen auf dem Gebiet des Tarifwesens auf gesetzlichem Wege nicht geplant seien. Die Zurückhaltung bei Verbindlichkeitser- klärungen liege auf der Linie der alten Regierung. Der frühere Reichsarbeitsminister Skegerwald sei bereits für eine elastische Handhabung bei Verbindlichkeitserklärungen eingelegten.

Trauer um dieAiobe"-Opfer Gedächtnisfeier in der Berliner Garnisonkirche.

Berlin, 8. August.

Am Sonntag fand in der Berliner alten Garnison- kirche eine Gedächtnisfeier für die Toten des Segelschulschif- fesNiobe" statt. Von der Empore herab hing die Flagg« der Reichsmarine unter Trauerflor und vor dem Altar standen die Abordnungen der Marinevereine mit umflorten Fahnen. Als Vertreter des Reichspräsidenten war der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Raeder, er­schienen, und neben ihm hatte der Chef der Heeresleitung, General von Hammer st ein, Platz genommen.

Nach einem Trauermarsch, gespielt von dem Musik- korps des Wachtregiments Berlin, verlas Feldprobst D. Schlegel die Namen der 69 Seeleute, Unteroffiziers- und Offiziersanwärter, Sanitäts- und Ausbildungsoffiziere, die am 26. Juli in den Wellen des Fehmarn-Belts den Tod gefunden hatten. Er spendete Trost den Angehörigen dieser Opfer, die in treuer Pflichterfüllung für ihr Vaterland star- ben. Mit einem Gebet für die Toten und die Geretteten des stolzen Schulschiffes und dem gemeinsamen GesangLaßt Kraft für mich erwerben in Herz und in Hand, zu leben und zu sterben fürs heil'ge Vaterland" fand der Trauergottes­dienst ffin Ende.