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Wre ein Ei dem andern

EZ* undZZ* die Geheimnisse der Zwillingsgeburten Schicksalsgleichheit und Abweichung Wichtige Forschungen auf dem Gebiete der menschlichen Erblehre

Don Dr. R. Felde», Berlin

on der Nasenspitze bis zu den Zehen gleichen sie sich vollkommen. Selbst das Lachen und die Stimmen sind die gleichen, von dem Gang und den Bewegungen ganz zu schweigen. Nur an ihren Haarschleifen kann ich sie unterschei­den", sagte einmal die

glückliche Mutter eines Zwillingspärchens. Be­weis für die Exaktheit, mit der die Natur zu­weilen bei diesem ihrem seltsamen Spiel mit Doppelleben und Lebewesen vorgeht. Denn dem Auge der Mutter pflegt sonst an ihrem Kind, das immer das einzige auf der Welt ist in ihren Augen, keine noch so verborgene Eigenart zu übersehen.

Beweis weiterhin, daß es sich bei diesem Zwillingspürchen um einen besonders ge­lungenen Fall, um ganz

Zechte Zwillinge"

gehandelt haben muß. Man bezeichnet mit jenem Ausdruck Kinder, die durch Entwick­lung von zwei Keimen im gleichen Ei ent­standen sind. Man erkennt sie oft bei der Geburt schon daran, daß die gleiche Eihülle sie umgibt. Diese Zwillinge sind also durch symmetrische Spaltung des Urkeimes im frühen Stadium entstanden und haben in­folgedessen die gleiche Erbmasse. Daraus erklärt sich einerseits der volkstümliche Aberglaube, daßechte Zwillinge" geistig oder zumindest körperlich minderbegabt sein müssen, da ja die Erbmasse und die verfüg­baren Kräfte, die eigentlich für ein Kind bestimmt waren, nun auf zwei kleine Wesen verteilt wurden. Eine Anschauung, die

und dem Vater zur Seite stand, um später

traf die Todesnachricht des iunaen._Mannes näheren Umstände dieses tragischen "Endes

echten und 82 Zeug- nisse von gleichge- eine auswärtige höhere Studienanstalt, IchlechttWDNfuOkchten --qndes-der andere in seinem Heimatort blieb - Zwillingen mitein- ""'v '........

auch die Gefühlswelten der Zwillinge ähneln

einander

interessantesten ist

eine erstaunliche

traf, in dem er mit-

ihren nicht

teilte, daß Stellung habe, um zu werden, in seiner

von ein«

völlig überraschend jenem ein Brief

er seine aufgegeben Kaufmann Er glaube bisherigen

Uebereinstimmung in Veranlagung und Schicksal!

Zum Duell um einen Mann

wäre es fast zwischen diesen beiden gekommen. Denn

Diese beiden kamen fast in Gefängnis weil sie im Scherz ein leichtsinniges Spiel mit Bräuten spielten. Die Frauen selbst konnten sie unterscheiden

heute durch die exakte Wissenschaft längst widerlegt und verurteilt wurde. Es erklärt sich jedoch auf der anderen Seite aus eben dieser gleichen Erbmasse, daß die echten Zwillingspaare immer aus Knaben oder Mädchen bestehen, also stets gleichgeschlech­tig sind. Und weiterhin, was für den Wissenschaftler wie für den Laien wohl am

EZ undZZ"

so unterscheidet die Wissenschaft zwischen denechten Zwillingen", denhomologen" oder einzelligen Zwillingen, und denun­echten" oder zweizeiligen Zwillingen. Man rechnet in unseren Breiten durchschnittlich mit einer Zwillingsgeburt auf 87 Lebend­geburten. Seltfamerweise ist dieser Prozent­satz höher in slawischen Ländern, ja, er stei­gert sich sogar noch außerordentlich in heißen Zonen.

DieZZ", die Zwillinge, die aus zwei verschiedenen, getrennten Keimen durch die gleichzeitige Befruchtung von zwei Eiern entstanden, sind innerhalb der Zahl der Zwillingsgeburten weitaus in der Ueber- zahl. Nur der vierte Teil aller Zwillings­geburten rechnet zu denechten Zwillingen". Die unechten Zwillingsgeschwister haben oft miteinander nicht viel mehr Aehnlichkeit, als Geschwister gemeinhin.

Zwillingsforschung und Vererbungslehre

Die erstaunliche Tat­sache, daß homologe Zwil­linge ganz abgesehen von den stark ins Auge fallen­den äußeren Aehnlich- keiten, oft erstaunliche Uebereinstimmungin Hand- und Fußlinien aufweisen, die die Wissenschaft all­gemein für den individu­ellsten Ausdruck eines jeden Menschen hält, hat, neben anderen Erscheinungen, den Weg gewiesen, an den echten Zwillingspaaren" das Wissen über Ver­erbung und Anlage durch Geburt zu erweitern. Denn da, wie wir sahen, die un­echten Zwillinge mitein­ander im Durchschnitt kaum größere Aehnlichkeit auf­weisen als Geschwister ge­meinhin, erklärt es sich

Zwillinge" die

von selbst, daß dieechten weitaus interessanteren Studienobjekte sind.

Die große Frage ist: bestimmt die gleiche Veranlagung auch gleiche oder ähnliche Ent­wicklung oder entwickelt sich der Mensch un­abhängig von seinen ursprünglichen An­lagen doch nach einem eigenen, unbekannten Gesetz?

Experiment mit 120 Schulkindern

Ein Mitglied des Kaiser-Wilhelm- Jnstitutes für Antropologie in Berlin hat sich der Mühe unterzogen, 120 Versetzungs- schulzeugnissen von

ander zu vergleichen. Es handelte sich stets um Pärchen, die die gleichen Klassen be­suchten. Es zeigte sich nun überraschender­weise, daß die Zeug­nisse der echten Zwil­linge zum großen Teil fast vollkommen miteinander überein- stimmten und nur in seltenen Fällen leichte

Abweichungen aufwiesen. Die unechten Zwil­linge zeigten nach dem Durchschnitt dieser Prüfung doppelt so große Unterschiede in den Zeugnissen wie die echten Zwillinge. In einigen Fächern, wie Physik, Zeichnen, Turnen steigerte sich dieser Unterschied bis zum Vierfachen. Das erbringt den Beweis, daß bei unechten Zwillingsgeschwistern ge­rade die Erbanlage verschieden ist, was durch körperliche Konstitution Turnen und Spezialbegabung Zeichnen, Natur­kunde seinen Ausdruck findet. Bei unechten Zwillingen beobachtete man dreimal so oft als bei echten Zwillingen den Fall, daß nur eines der Geschwister versetzt wurde.

nismäßig kurzer Zeit in dem neuen Be­ruf gute Erfolge zu erzielen.

Noch sind sie einander vollkommen gleich. Vielleicht ändert das sich mit der Zeit? Im Gegenteil!

Dieseechten Zwillinge hier, Kaufleute aus Boston und 68 Jahre alt, können sich, wie man sagt, selbst nicht voneinander unterscheiden . . .

Echte Zwillinge Gleiche Schicksale

Besonders interessant ist in dem Rahmen dieser Untersuchung natürlich ein Vergleich der beiden Lebenskurven von echten Zwil­lingen. In den meisten Fällen läßt sich auch hier eine überraschende Uebereinstimmung feststellen. Ein Beispiel aus der Stadt D. im Rheinland:

Ein Kaufmann wurde Vater eines Zwillingspärchens, Vater zweier Söhne. Es war sein Wunsch, daß zumindest einer der beiden die Studienkarriere einschlagen möge, die zu verfolgen ihm selbst aus wirt­schaftlichen Gründen nicht möglich gewesen war. Er schickte daher seinen Sohn auf

einmal das Geschäft übernehmen zu können.

Die Geschwister sahen sich nur in den Ferien, der Student schien mit seinem Stu­dium einverstanden. Er legte alle Examina mit durchschnittlichem Erfolg ab und bekam eine verhältnismäßig sehr günstige An­stellung. In dieser Zeit starb der Vater. Der Zwillingsbruder daheim ging nunmehr daran, das väterliche Geschäft auszubauen, von Grund auf neu zu organisieren und auf eine modernere, bessere Grundlage zu stellen. Er hatte seinem Bruder von diesen Absichten noch keine Mitteilung gemacht, als

Karriere völlig seinen Beruf verfehlt zu haben und nur zum Kauf­mann geboren zu sein.. Tatsächlich gelang es dem jungen Mann, trotz äußerer Schwie­rigkeiten in verhält-

Seelische Übertragung?

Ein seltsamer Fall trug sich während des Krieges zu. Man erklärte ihn damals gern mit mystischen Gründen, mit telepa- thischer Uebertragung oder Hellsicht. Die moderne Forschung sieht die Sache nüch­terner an und glaubt zu wissen, daß ein echter Zwilling, gleichsam alsHälfte" nur, schicksalsverbunden ist mit dem andern.

Zwillingsbrüder, die Zeit ihres jungen Lebens in ihrem Heimatdorf gemeinsam gelebt und gearbeitet hatten, wurden durch die Einberufung zum Heeresdienst getrennt. Der eine kam nach Osten, der andere nach Westen/ Gleichmäßige und ruhige Briefe trafen von beiden ein. Eines Tages blieben von beiden die Nachrichten gleichzeitig aus. Ein Kamerad des jungen Mannes, der im Osten stand, zufällig ein Mann aus dem gleichen Dorf, kam um jene Zeit auf Ur­laub in die Heimat. Gleichzeitig mit ihm

erzählen: Er war stets ruhig und besondren, gewesen, der junge Mensch, und aus allen Angriffen und schweren Gefechten ohne Ver­wundung hervorgegangen. Eines Abends, indes der Feind gerade die Stellung mit schwerem Feuer belegte, wurde er unruhig, lief aufgeregt umher, behaupteteStimmen" zu hören und konnte nicht beruhigt werden. Ehe man ihn zu halten vermochte, war er aufgesprungen und aus der Stellung hinaus­gelaufen, geradeswegs auf ein flaches Feld und mitten hinein ins feindliche Feuer . . .

Wenig später erhielten die Eltern die Nachricht, daß gerade um die gleiche Zeit der andere Sohn an der Westfront gefallen war.

Selbst kriminelle Veranlagung

pflegt sich bei beiden echten Zwillings­geschwistern auszuwirken. Professor Lange aus München stellte eingehende Unter­suchungen an Insassen von Gefängnissen und Zuchthäusern an. Bei 17 unechten Zwillings­paaren war nur in zwei Fällen an beiden Geschwistern eine kriminelle Veranlagung festzustellen. Hingegen hatten sich bei 13 echten Zwillingspaaren in zehn Fällen beide Geschwister krimineller Handlungen schuldig gemacht!

Ein echt auch

Paar der wenigenechten Dolly-Sisters, in unserem Sinne; es sind homologe Zwillinge.

Auch dieses Ergebnis bestätigt die Be» deutsamkeit von Veranlagung und Ver­erbung, die lange so viel umstritten war.