Einzelbild herunterladen
 
  

Nr. 85

Gchlüchterner Zeitung

2. Blatt

Neue Wege

MacDonald über Lausanne.

Der englische Premierminister hat vor dem Unterhaus in London Erklärungen abgegeben, die mit größter Span- nung erwartet worden sind. Man darf wohl sagen, daß die­jenigen, die auf Sensationen gerechnet haben, nicht auf ihre Kosten gekommen sind. MacDonald hat keine Erklärung ab­gegeben, die jene verunglückte politische Diskussion von Lau­sanne in neue Bahnen gelenkt hätte. MacDonald hat dar­auf verzichtet, das Thema Kriegsschuld und das Thema Waffengleichheit auch nur andeutungsweise mit Namen zu nennen. Aber er hat die Lage Europas schonungslos klar­gelegt. Vergeblich nur warten die Völker Europas darauf, daß aus solchen Erkenntnissen konsequentes Handeln ge- chöpft wird. Der englische Premier feiert Lausanne als eine Tat, als die erste Tat, die endlich, endlich neue Wege geöffnet hat.

Noch ist den verantwortungsbewußten Staatsmännern bange um die Wirkung dieser Tat. Noch weiß man nicht, ob nicht der Vertrag von Lausanne von den Par­lamenten oder von einem Parlament der beteiligten Wächte abgelehnt wird. Was dann?

Für den Fall eines Fehlschlagens würde eine neue Kon­ferenz der Mächte zusammentreten; aber das Abkommen von Lausanne wird nicht fehlschlagen! Die britische Regie­rung wird alles tun, um den Erfolg zu sichern. Das ist ein Optimismus, der wiederum aus Vernunft diktiert ist, und man kann nur hoffen, daß anderswo nicht die Unvernunft Triumphe feiern darf . . .

MacDonald hat die deutsche Lage als ein eiterndes Ge­schwür in der Witte Europas gekennzeichnet, das nicht belassen werden dürfe. And er hat darauf vertraut, daß die neuen Wege, die Lausanne freigemacht hat, zum Ziel führen werden.

Lausanne, so meint MacDonald, haben England und Frank­reich wieder näher gebracht, haben aber auch Frankreich näher an Deutschland und Frankreich und Deutschland näher an England herangeführt. Die Völker sind gewißlich des Wartens müde geworden, auch des Wartens auf Wahlen. Es war sehr dankenswert, daß MacDonald mit diesem Hin­weis ein vorsichtiges aber mahnendes Wort an Amerika ge­richtet hatte. Amerika darf nicht mit feinem Präsident- fchaftswahlen eine Konstellation schaffen, die die ersten Keime zu einem neugegliederten Europa zum Ersticken brin­gen würden. Europas Völker haben lange genug gewartet, und insbesondere die Geduld des deutschen Volkes ist schon zu lange auf die Probe gestellt worden.

WacDonalds Kommentar ist wichtig genug, um bei der Auswertung des Lausanner Ergebnisses für die nächste praktische Zukunft beachtet zu werden.

Schon deshalb wichtig, weil nach Italien nun auch England die friedliche Revision des Versailler Vertrages mit sehr vorsichtigen Worten, aber immerhin hörbar, als das nächste ; Ziel europäischer Verhandlungen hingestellt hat. Kern dieser i bedeutsamen Rede bleibt die Feststellung, daß der Doung- . fiw jiwk^WUd) wieder praktische Bedeutung.gs- 1 winkten kann. Kern bleibt hie Feststellung, daß bei einer I nicht glatten Ratifizierung des Lausanner Vertrages die ^Männer aufs neue zusammenkommen müssen, um eben dann f nach neuen Formeln zu suchen.

Rur wenn man so die Dinge sieht, wird man allerdings mit Erfolg daran wirken können, daß die neuen Wege auch wirtschaftlich aus dem Elend herausführen, das die Repara­tionen, das der Wahnsinn von Versailles über Deutschland und damit über Europa gebracht hat.

* Lausanne Gonderabmachungen

Englisch-französische Uebereinkunft. Deutschland, Italien und Belgien zur Mitarbeit eingeladen.

Lausanne, 14. Juli.

Im englischen Unterhaus gab Außenminister Simon eine hochpolitische Erklärung ab. Unter Hinweis auf die im Lausanner Vertrag enthaltene Feststellung, in der die Unter­zeichnermächte die Hoffnung aussprechen, daß der in Lau­fanne erfüllten Aufgabe neue Leistungen folgen werden, und wonach sie bereit sind, jede Anstrengung zu machen, um die Fragen, die im gegenwärtigen Augenblick bestehen oder späterhin auftreten können, im Geiste des Lausanner Ab­kommens zu lösen, fuhr Minister Simon dann fort:

Die Regierungen Englands und Frankreichs haben in diesem Geiste beschlossen, die Führung zu übernehmen, in- dem sie einen sofortigen und gegenseitigen Beitrag zu diesem Zwecke nach folgenden Richtlinien liefern:

1. In Uebereinstimmung mit dem Geiste der Völker- bundsfatzung beabsichtigen sie mit vollständiger Aufrichtig­keit gegenseitig miteinander Ansichten auszutauschen und sich einander gegenseitig über Fragen, die zu ihrer Kenntnis kommen, zu unterrichten, die etwa ähnlichen Ursprungs wie ! die jetzt in Lausanne so glücklich gelösten Fragen sind, und | die das europäische Regime berühren. Sie hoffen, daß an-

bete Regierungen sich bei Annahme dieses Vorgehens an­

schließen werden.

2. Sie beabsichtigen, miteinander und mit anderen Ab­ordnungen in Gens zusammenzuarbeiten, um eine Lösung der Abrüstungsfrage zu finden, die für alle beteiligten Mächte vorteilhaft und gleichmäßig gerecht sein werde.

3. Sie wollen miteinander sowie mit anderen interessier­ten Regierungen in der sorgfältigen und praktischen Vorbe­reitung für die Weltwirtschaftskonferenz zusammenarbeiten.

4. Bis zu Verhandlungen zu einem späteren Zeitpunkt über einen Handelsvertrag zwischen diesen Ländern werden sie jede Handlung vermeiden, die ihrer Ratur nach eine Diskrimierung von einem Lande gegen die Interessen des anderen Landes darstellt.

Simon fügt hinzu, dies sei selbstverständlich in keiner Weise und in keinem Punkte eine besondere oder andere ausschließende Erklärung. England habe im übrigen bereits seine Absicht mitgeteilt, mit den Vereinigten Staaten in der Abrüstungsfrage in Genf zusammenzuarbeiten.

Was die Einladung anderer europäischer Länder be­trifft, so habe er bereits am heutigen Tage die Gelegenheit gehabt, die Vertreter Deutschlands, Italiens und Belgiens zu sehen, und in jedem Falle habe er ihnen eine Abschrift dieser Erklärung übergeben und eine Einladung an ihre be­treffenden Regierungen gerichtet, sich der Erklärung anzu- schließen.

Das deutschnationale Programm

Schmidt-Hannover lm Rundfunk.

Berlin, 13. Juli.

UeberGedanken zum Staat" sprach am Dienstagabend der deutschnationale Abgeordnete Hauptmann a. D. Schmidt-Hannover im Rundfunk. Er führte u. a. aus:

Der Vertrag von Lausanne vom 9. Juli 1932 ist auf den Tag genau 125 Jahr« nach dem Frieden von Tilsit unterzeichnet. Vielleicht wird sehr bald der Geist von Lau­sanne überall die gleiche Kritik erfahren, wie der Geist von Locarno. Dem 9. Juli 1807 folgte der Neubau des Staates und die Befreiung Preußens. Mit dem 9. Juli 1932 be­ginnt in Deutschland ein neuer schwerer Kampfabschnitt. Neuer Geist in der Staats- und Wirtschaftspolitik ist die Voraussetzung des Erfolges. Ein Gneisenau, ein Stein, ein Uorck von heute, sie müssen nationalrevolutionären An­griffsgeist mit nüchtern kalter staatspolitischer Beherrschung verbinden. Im Mittelpunkt des kommenden Kampfes wer­den unsere unverzichtbaren Forderungen auf Revision von Versailles, Widerruf der Kriegsschuldlüge und Erringung der deutschen Wehrhoheit stehen.

Das Experiment des Sozialismus ist mißglückt. Was sozialistischer Massenwahn zerschlug, das kann auch durch Staatssozialismus und Massenrausch nicht wieder aufgebaut werden. Sozial ist heute der, der Arbeit schafft Dahin zu wirken, daß verhärmte Arbeiter- und Angestelltenfrauen sagen können:Gott sei Dank, mein Mann hat wieder Arbeit", ist sozial gehandelt.

Als Sofortprogramm kann durchgeführt werden: Wie­deraufbau des Herabgewirtschafteten Apparates der Reichs­bahn, Aufträge der Reichspost und sonstiger öffentlicher Be­triebe, Ausbau des Wasserstraßennetzes nach festgelegten Plänen, Ausbau des Straßennetzes nach einheitlichem Reichsplan usw. Das Programm hat nur dann einen Sinn, wenn hinter ihm die große belebende Wirtschafts- und Kredit-Reform steht, die die Rente der deutschen Wirtschaft wiederherstellt. Die Einführung der Arbeitsdienstpflicht ist notwendig und nützlich. Sie wird in ihren Wirkungen aber leicht überschätzt. Sie ist stufen- und landschaftsweise, unter Einschaltung der freien Wirtschaft auszubauen.

Damit der Staat seine außen-, währungs-, steuer- und sozialpolitischen Aufgaben erfüllen kann, ist eine durch­greifende Staatsreform nötig. Reichsregierung und Preu­ßenregierung sind sinnvoll miteinander zu verbinden, die Staatsaufgaben zwischen Reich und Ländern klar zu ver­teilen. Die Fahne des kommenden Reiches kann nur das Banner sein, unter dem unsere Väter und Brüder auf den Schlachtfeldern der Welt die Heimaterde schützten. Sie wird, will's Gott über dem neuen Großdeutschland wehn."

Mahnung zur Besonnenheit

Ein Aufruf Severings an die Bevölkerung.

Berlin, 14. Juli.

Der preußische Minister des Innern, Severing, hat folgenden Aufruf an die Bevölkerung erlassen, der eine Mahnung zur Besonnenheit darstellt:

Von Tag zu Tag werden die politischen Leidenschaften wilder ausgehetzt, immer stärker überwuchern Verhetzung und blinder haß die Besonnenheit und Vernunft und lassen ver­kennen, daß auch der politische Gegner Volksgenosse und gleich­berechtigter Staatsbürger ist.

Die gewaltsamen Zusammenstöße mehren sich in erschüttern­der Zahl. An Stelle geistiger Auseinandersetzung tritt der Kampf mit Messer und Revolver. Tag für Tag färbt das Blut deutscher Bürger das Pflaster, rast der politische Mord durch die Straßen der Dörfer und Städte.

Alle politischen Parteien überschütten die Behörden mit Klagen über mangelhaften Schuh und mit Beschwerden über den Terror der anderen. Wer die Tätigkeit unserer Polizei aufmerk­sam verfolgt und gerecht beurteilt, wird zugeben müssen, daß sie in diesen Unruhezeiten mehr als ihre Pflicht tut. Aber Wunder verrichten kann auch die Polizei nicht. Sie kann Bluttaten ver­folgen, die Täter verhaften und dem Richter zusühren, die politischen blutigen Kämpfe verhindern kann die Polizei nur dann, wenn Frauen und Männer aller Parteien diese entsetzliche Entartung politischer Meinungskämpfe einmütig ablehnen und verabscheuen.

Man verlangt Sicherheit, mit Recht; die Polizei wird sie mit allen Kräften aufrecht erhalten, aber die größte Sicher­heit der Staatsbürger beruht auf dem verzicht, die Sicherheit der anderen zu bedrohen.

Man spricht von Selbstschutz; aber der wirksamste Selbst­schutz ist die Selbstzucht. Jeder andere vermeintliche Selbstschutz muß schließlich zu brutalstem Fauftrecht führen, und neue Blut- ströme würden seine unausbleibliche Folge sein. Aber es darf kein Blut mehr fließen.

Ich richte darum an alle, die guten Willens sind, die drin­gende Bitte, der ruhigen Besonnenheit wieder Eingang ins poli- tische Ringen zu verschaffen, wenn die Führer aller politischen Parteien und Verbände mithelsen, jeden versuch gewaltsamer Auseinandersetzung zu unterdrücken und zu brandmarken, dann wird dem Morden Einhalt geboten und Deutschlands Ansehen in der Welt wiederhergestellt werden können."

Zwei weitere Erlasse

Der preußische Innenminister Hak ferner in einem Funk­spruch alle Polizeibehörden ersucht, mit schärfsten Maßnah­men gegen das unbefugte Waffentragen vorzugehen. Die Polizeibehörden werden angewiesen, bei Usberlrelung der Bestimmungen über das Waffengesetz sofort vom § 17 der Reichsnotverordnung vom 14. Iuni 1932 Gebrauch zu ma­chen und die längstmögliche Haft der auf frischer Tat er­tappten Täter anzuordnen.

Hierzu ist ergänzend zu sagen, daß die Polizeibehörden berechtigt sind, Polizeihaft bis zu 3 Monaten ohne richter­liche Anordnung durchzuführen. Durch richterlichen Spruch kann dann noch einmal eine dreimonatige Haft verfügt werden. Die Polizeibehörden sollen darauf achten, daß durch diese Maßnahme eine Störung der politischen Rechte fried­liebender Staatsbürger nicht eintritt.

Severing hat ferner die preußischen Regierungspräsi­denten in einem Erlaß unter Berufung auf die Verordnung des Reichsinnenministers vom 14. Juni 1932 angewiesen, in jedem Falle bei Anmeldung von Versammlungen und Demonstrationen scharf zu prüfen,

ob auf den An- und Abmarsch-Straßen zu Demonstra tionen der Schutz der Staatsbürger gesichert sei.

Falls das nicht zutreffe, soll auf jeden Fall ein Verbot der Veranstaltung erlassen werden.

Die Gewerkschaften an den Reichspräsidenten

Der Vorstand des Gesamtverbandes der christlichen Ge­werkschaften Deutschlands hat an den Reichspräsidenten auf Gut Neudeck folgendes Telegramm gesandt:

Die zunehmenden Terrorakte und die sich täglich meh- renden politischen Morde erfordern sofortiges allgsmMes Uniformoerbot. Wir bitten den Herrn Reichspräsidenten, seiner öffentlichen Zusage gemäß, nunmehr alle verfassungs­mäßigen Mittel in Anwendung zu bringen, um weitere Ge­walttätigkeiten zu verhindern, das Leben der Volksgenossen zu sichern und die freie Entschließung bei der Reichstags- wähl zu garantieren. -

2.

5

wird»

Weites

Steigt kerzengrabm die Höh' der ZRaud), dann bleibt das schöne Wetter auch

so weiu utie Ale kaikeute^ , die WcUcke auf M Leute:

wie sie es macht? Sie wäscht mit Persil, weil ihr für ihre Wäsche bas Beste gerade gut genug ist. Sie weiß, richtiges waschen mit persil bringt immer einen vollen Wascherfolg. Das ist ihr Rezept:

persil allein und kalt auflösen. Auf je 3 Eimer Master 1 Rormaipatei persil Keine weiteren Zusätze. Waschkeffel gut bis zur Hälfte mit kaltem Master füllen und dieses mit etwas Henko weichmachen. Kali angerührte Persillöfung in den Waschkeffel geben.

Wäsche locker einlegen und einmal etwa '/, Stunde kochen lassen Öfteres Umrühren.

Gut spülen, erst warm, dann kalt

Persil«« Persil

Zum Einweichen der Wäsche, zum Weichmachen des Wassers: Henko, Henkel's Wasch- und Bleich-Soda