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Nr. 85 (t Blatt) Samstag, den 16. Juli 1932 . Iahra.
, Amtliche Bekanntmachungen.
' Land^atsamk.
sl Den Herren Bürgermeistern gehen heute Vordrucke zu PAtimmscheinen für die Neichstagswahl am 31. Juli d. 3s. i- ay. Die Erteilung von Stimmscheinen regelt sich nach § 9 s der Keichsstimmordnung. Stimmscheine dürfen nur bis zum s Abend des 30. Juli d. 3s. ausgestellt werden. Ueber die 4 ((Erteilung eines Stimm] deines ist von den Gemeindebe- Hürden in der für den Vermerk der Stimmabgabe vorge- t Ebenen 'Spalte des Wahlverzeichnisses ein Hinweis aufzu- ■ nehmen.
B Schlüchtern, den 13. 3uli 1932.
■ , Der Landrat. Dr. Müller.
i wegen Vornahme von Jnftandsetzungsarbeiten an der tm » Zuge des Landweges Neuengronau—Ultengronau bei der ! hutzelmühle gelegenen gewölbten Brücke wird dieser Land- : weg vom 18. bis einschl. 21. Juli d. 3s. für den gesamten " Fuhrwerks- und Kraftfahrzeugverkehr gesperrt.
H Die Umleitung des Verkehrs von Sterb-fritz nach^ Alten- gronau bezw. von Ultengronau nach Neuengronau—Sterbsritz ersolgtiü der Mottgers.
Uebertretungen werden nach den geltenden Bestimmungen , mit Geldstrafe bis zu 150 UM. bezw. mit Haft bestraft. ^ Schlüchtern, den 13. 3uli 1932.
! I Der Landrat. Dr. Müller. 1 i ■ ___
j Ich weise darauf hin, daß alle Anträge auf Gestaltung von Haussammlungen für kirchliche Zwecke für das Jahr 0933 mit dem Uollektenorganisationsplan spätestens bis !tzum 15. August d. 3s. bei mir einzureichen sind. Lei Kol= Hekten, die sich über den hiesigen Regierungsbezirk hinaus Huf den Regierungsbezirk Wiesbaden erstrecken sollen, sind Jür jeden Bezirk getrennte Anträge einzureichen.
MEkur Berücksichtigung finden, wenn die Kollekten Beseitigung eines Notstandes dienen sollen und die Anträge reicht vorher eingereicht werden konnten.
| Kassel, den 16. 6. 1932. (A. II. 1864)
1 Der Regierungspräsident.
> 5u Schiedsmännern bezw. Schiedsmannsstellvertretern Mind wiedergewählt und als solche bestätigt worden: M ti) Zu Schiedsmännern: Schuhmacher Adam Ureß, Brei- i|tenbad;; Gastwirt Leonhard Schreiber, herolz! Landwirt Wilhelm Schmitt, Hintersteinau; Lehrer Ludwig Schreiber, Ä^berkalbach;
| b) zu Schiedsmannsstellvertretern: Bahnarbeiter Johan- ■‘-tes Iost, Breitenbad); Maurermeister Bernhard Müller, z herolz^ Landwirt Kaspar Kreß, Hintersteinau' Landwirt WohanneS höhn jr., Hütten; Landwirt Nikolaus (Dmmert, Wberkalbach; Landwirt Anbreas Heil, Reinhards. J Sd][üd]tern, den 12. Juli 1932.
Der Lanchat. 3. V.: Duwe.
IK" ■ 1 .......-
Kreisausschutz.
Wahrprelöermästtgung im Interesse der Jugendpflege.
A I.-Nr. I 12956 $. Um die Fahrten Jugendlicher in klei- Men Gruppen zu erleichtern, gewährt die Deutsche Reichs- Wahn seit einiger Zeit Fahrpreisermäßigung bei Teilnahme | von mindestens 6 Jugendlichen. Der Fahrpreis beträgt die ■ Wülste des Tarifbetrages. Zugelassen mit gleicher Ermäßi- ! Dung ist für 5—9 Jugendliche 1 Führer und für je weitere ‘19 Iugendliche, auch wenn diese Zahl nicht voll erreicht ist, ein Führer.
Die Jugendvereine und -gruppen im Kreise werden auf Worstehendes besonders aufmerksam gemad)t. Hierbei wird barauf hingewiesen, daß die Fahrpreisermäßigung die 3u= zeHörigkeit des Vereins zur staatlichen Jugendpflegeorgani- ation voraussetzt. Die Anerkennung als Jugendpflegeverein ufolgt durch den Herrn Regierungspräsidenten in Kassel. Entsprechende Anträge sind beim Kreisjugenbamt einzu- ' eichen.
Schlüchtern, den 12. Juli 1932.
Kreisausschuß des Kreises Schlüchtern. Kreisjugenbamt.
Dr. Müller.
^adt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
2n der Zeit vom 20. bis einschl. 30. Juli 1932 findet ^ Reinigung der Schornsteine in folgenden Straßen der dtadt statt: Ahlersbacher-, Elmerland-, Hospitalstratze, Tlm-
Graben-, Kaiser-, Kronprinzen-, Garten-, Dreibrüder-, Kurfürsten-, Breitenbacher-, Bahnhofstraße, Helfedorfweg, ootichius-, Brückenauer-, Fuldaer-, Weinberg-, Ludovika von Stummstraße, Altestraße, Amtsberg, Schmieds-, Linsen- Unb Neugasse. Die Kontrollbücher sind bereit zu halten.
Schlüchtern, den 13. Juli 1932.
Der Bürgermeister als Drtspplrzeibehörde: Gaenßlen.
Die ^eise nach Neudeck
Eine amtliche Auslassung über die Besprechungen.
Berlin, 15. Juli.
Mit dem fahrplanmäßigen Zuge trafen Reichskanzler von Papen und Reichsinnenminister Freiherr von Gayl in Deutsch-Eylau ein. Sie wurden von dem Sohn des Reichspräsidenten, Oberst von Hindenburg, empfangen und im Kraftwagen nach Neudeck gebracht. Während der Kanzler etwa drei Tage in Neudeck bleiben wird, will der Innenminister schon abends nach Königsberg weiterfahren. Seit Mittwoch weilt auch Fräulein von Selchow aus Dietramszell in Bayern in Neudeck. Zu den Besprechungen elbst wird amtlich mitgeteilt:
„Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichs- kanzler von Papen zum Bericht über die Lausanner Verhandlungen. Nach Entgegennahme des Vortrags sprach der Reichspräsident dem Reichskanzler seinen Dank für die in Lausanne geleistete Arbeit aus und bat, diesen Dank auch den anderen Mitgliedern der Abordnung zu übermitteln, hieran schloß sich ein gemeinsamer Vortrag des Reichskanzlers und des Reichsministers des Innern über innervolitische Fragen."
Gozialdemokratischer Protest
Otto Wels und Rudolf Breitscheid sandten ein Telegramm an Hindenburg nach Neudeck, in dem sie schärfsten Protest gegen die Politik der Reichsregierung erheben, die innerhalb von sechs Wochen, nicht zuletzt durch die Aufhebung des SA.-Verbotes und die Freigabe ihrer Uniform, bürgerkriegsähnliche Zustände in ganz Deutschland ausgelöst hat. Die sechswöchige Bilanz neuen Kurses sei gekennzeichnet durch eine Herabsetzung der Existenzberechtigung für Millionen unter die Hungersgrenze, durch eine Verwilderung der politischen Sitten, die vor dem Leben der eigenen Volksgenossen und vor der Ehre wehrloser Frauen nicht halt mache, durch eine Erschütterung der Reichseinheit und jeder Staatsautorität, wie sie selbst in den schlimmsten Nachkriegs- jahren nicht in Erscheinung getreten ist. Die Fortsetzung des bisherigen Kurses beschwöre unabsehbare Gefahren für Reich und Volk herauf.
Der freiwillige Arbeitsdienst
Die Verordnung Sonnabend vo dem Reichsrak.
Berlin, 15. Juli.
Den Ländern ist die vom Reichskabinett verabschiedete
Verordnung über den freiwilligen Arbeitsdienst zur Stellungnahme zugegangen. Am Sonnabend wird der Reichsrat die Verordnung zur Kenntnis nehmen. Der Reichsarbeits- minister will am Sonnabendabend im Rundfunk in der Stunde des Reiches über die Verordnung sprechen.
Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt, daß der Arbeitsdienst nicht nur die Unterstützungsempfänger umfassen, sondern allen arbeitswilligen jungen Leuten Gelegenheit geben solle, ernste Arbeit zu leisten und sich geistig und körperlich zu ertüchtigen. Es könne nunmehr eine wesentlich größere Menge von Menschen beschäftigt werden als bisher im freiwilligen Arbeitsdienst. Im Februar dieses Jahres seien im freiwilligen Arbeitsdienst 60 000 Personen, Ende April nur noch 38 000 beschäftigt gewesen. Die Beschäftigung eines Mannes im freiwilligen Arbeitsdienst koste etwa 2 RM am Tage je Mann. Bis Ende des Haushaltsjahres würde dies für 100 000 Mann rund 50 Millionen ausmachen. Bisher ständen für den freiwilligen Arbeitsdienst 55 Millionen zur Verfügung. Es bestehe jedoch die Aussicht, daß auch noch für dieses Haushaltsjahr größere Summen für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden können.
Trätzer der Arbeit könnten alle Vereinigungen sein, die Gruppen von Arbeilsdienstwilligen umfassen, also auch politische Vereinigungen.
Die Arbeiten müßten stets gemeinnützig sein. Es handele sich bei der jetzt verabschiedeten Verordnung nicht um eine abschließende Regelung, sondern es ist noch eine ausführliche Durchführungsverordnung zu erwarten.
Einbürgerungs-Anträge.
Die bei Den preußischen Behörden gestellten Einbürgerungs- anträge, werden, wie der preußische Minister des Innern sagt, in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft. Die Einbürgerung erfolgt nur, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, die Antragsteller den zwischen den Ländern vereinbarten Richtlinien genügen und die außerpreußischen Länderregierungen im Umfrageverfahren Bedenken nicht erhoben haben oder der Reichsrat die vorgebrachten Bedenken für unbegründet erklärt hat. Nach einer neueren Entschließung soll übrigens der Einbürgerung von Ausländern nicht- deutscher Herkunft in der Regel ein Jnlandsaufenthalt von zwanzig Jahren vorhergehen.
Verhaftung russischer Ostbahn-Beamter.
Die mandschurische Regierung hat die sowjetrussischen Beamten entlassen, die sich weigerten, bei der Besetzung der Umschlagstelle der ostchinesischen Eisenbahn die Schlüssel herauszugeben. Die entlassenen Beamten wurden verhaftet; sie sollen abgeurteilt werden. Die Vertreter der mandschurischen Regierung erklärten, daß der Kampf gegen die kommunistische Propaganda jetzt rücksichtslos durch- geführt werde. Alle sowjetrussischen kommunistischen Verbände werden aufgelöst.
Die letzte Woche
Die letzten Tage dieses Abschnittes der Genfer Abrüstungskonferenz sind ausgefüllt mit sehr schwierigen Auseinandersetzungen. Es handelt sich um die Formel, mit der zu Anfang der nächsten Woche dieser Abschnitt der Konferenz abgeschlossen werden soll, und die zugleich die Ueberleitung darstellen soll zu der Wiederaufnahme der Arbeiten im Herbst. Für diesen Zweck war zuerst eine Entschließung Simons in Aussicht genommen, die aber in den internen Genfer Beratungen inzwischen durch eine Formel abgelöst worden ist, die auf Benesch zurückgeht und die ihrerseits wieder eine Zusammenarbeitung einer ganzen Handvoll Entwürfen darstellt, die von den verschiedensten Seiten dem Berichterstatter Benesch zugeleitet worden sind. Unter diesen Entwürfen bereiten besonders der deutsche und der russische Schwierigkeiten, da sie in ihren Formulierungen am weitesten gehen. Der russische Vorschlag sieht einen sehr weitgestreckten Zwang zuk*Abrüstung vor, die deutsche Entschließung beruht auf der von Deutschland immer wieder verfochtenen Forderung nach Gleichberechtigung, und da weder die deutsche noch die russische Delegation von ihren Formulierungen ablassen werden, so ist die Aufgabe des „Allgemeinen" Ausschusses der Konferenz", der am letzten Tag dieser Woche die Vertagungs-Entschließung endgültig gestalten soll, überaus schwierig und in Genfer Kreisen wird diese letzte Phase der Sommertagung als besonders kritisch angesehen. Man erwägt bereits den Ausweg, in der Formel, mit der man sich vertagt, auf jeden Rückblick über die bisherigen Verhandlungsergebnisse und auf jeden Ausblick in die künftige Arbeit der Konferenzzu verzichten, sondern sich auf die Tatsache der Vertagung und auf ein ganz allgemein gehaltenes Programm für die weiteren Arbeiten zu beschränken. Für die d-atsche Delegation ist in Gens freilich eine so naheliegende Möglichkeit, das, was sie in Lausanne nicht erreichen konnte, noch einmal in Angrff zu nehmen, daß sie mit einem so sang- und klanglosen Abschluß des Genfer Tagungsabschnittes kaum einverstanden sein kann. Es wird also um die Wochenwende noch sehr scharfe Auseinandersetzungen in Genf geben.
Die Mitglieder der englischen Regierung, die das Kabinett auf der Reichskonferenz in Ottawa vertreten, sind bereits unterwegs. Sie werden nicht gerade mit hochgestimmten Gefühlen die Reise angetreten haben, denn sie können sich nicht verhehlen, daß die Bewältigung der Aufgaben, die dieser Konferenz gestellt sind, ein Ding der Unmöglichkeit ist. Zwar hat man sich auch in wirtschaftspoli- tisch einsichtigen Kreisen des Mutterlandes von der Por- stellung befreit, daß es möglich wäre, eine autarke Wirtschaft des britischen Weltreiches in die Tat umzusetzen. Die lebhafte Propaganda, die eine Zeitlang für diese Idee betrieben wurde, ist auffällig still geworden. Man hat verstehen gelernt, daß die wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Dominien eine solche Idee nicht verwirklichen lassen, und man sieht ein, daß schon das Streben nach einer Wirtschaftsunion des britischen Weltreiches auf außerordentliche Schwierigkeiten stoßen muß. Gerade Kanada, auf dessen Boden diese erste außerhalb Londons tagende Reichskonferenz stattfindet, ist der stärkste Beweis, für die immer größer werdende wirtschaftliche Selbständigkeit und die sich vom Mutterlande immer weiter entfernenden wirtschaftlichen Tendenzen der Dominien. Diese Erkenntnisse müssen sich auch in der englischen Zollpolitik auswirken. Das Streben nach Vereinbarungen zwischen dem Mutterland und den Dominien über Dauerzölle würde nicht nur England sondern auch die Dominien zur Kündigung einer Unzahl von Handelsverträgen nötigen, während das Ziel jeder wohlverstandenen Weltwirtschaftspolitik in dem Abbau der Zollmauern und in der Erleichterung des internationalen Verkehrs gesucht werden muß. Neben die Handels- und Zollfragen tritt als weitere Schwierigkeit auf der Reichskonferenz die Wäh- rungsfrage. Auch hier steht dem Bestreben nach Vereinheitlichung das Sonderbedürfnis der Dominien schroff entgegen.
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Die norwegische Regierung hat in diesen Tagen einen Teil von Ostgrönland in Besitz genommen. Sie begründet diese Okkupation mit der Notwendigkeit, ihre Interessen gegenüber den dänischen Bestrebungen zu verteidigen, die auf eine völlige Okkupation Grönlands und auf einen Abschluß Grönlands gegenüber allen anderen Staaten, ihrer Schifffahrt und ihrem Handel hinzielen. Die norwegische Regierung behauptet, daß die Dänen in dem von ihnen bereits besetzten Teil Grönlands sehr rücksichtslos gegen die Fischer und Jäger anderer Nationen vorgehen und daß man befürchten müsse, die in diesem Jahr ausgesandten und mit besonderen polizeilichen Befugnissen ausgerüsteten dänischen Expeditionen — eine von ihnen leitet der bekannte Forscher Knud Rasmussen — würden diese Methoden über das ganze Gebiet Grönlands verbreiten. In Dänemark ist man über die norwegische Aktion lebhaft erregt, zumal gerade vor einem Jahr Norwegen schon einmal grönländisches Gebiet okkupiert hat, auf das Dänemark Anspruch erhebt. Ueber den Streit zwischen den beiden Regierungen um die Staatsoberhoheit über die strittigen Gebiete in Ostgrönland schwebt ein Verfahren vor dem Haager Schiedsgerichtshof. Es scheint, daß jede der beiden Regierungen das tut, was sie der anderen;um Vorwurf macht, daß sie nämlich versucht, durch die Schaffung vollendeter Tatsachen den Spruch, den man im Haag erwartet, zu beeinflussen.