Chronik -er Krawatte
Der Einsatz von Reichswehr in Ohlau.
Ueber den Einsatz von Reichswehr bei den Unruhen in Ohlau am 10. Juli teilt das Reichswehrministerium mit: ; Die bisherigen Nachrichten ergeben folgenden Sachverhalt: i Zwischen Nationalsozialisten, die von einer Parteiveranstal- ■ tung in Brieg zurückkehrten, und Reichsbannerleuten kam ! es in Ohlau zu schweren Zusammenstößen. Der Bürger- ■ weister von Ohlau forderte von Breslau Polizeinerstärkung ! an und bat den Standortältesten um die Gestellung von j Patrouillen zur Sammlung der Verletzten in der Stadt. 1 Diesem Ersuchen wurde entsprochen. Ein bewaffneter Zivi- sjst — wie sich später herausstellte, ein Reichsbannermann — ' leistete hierbei der Aufforderung, stehen zu bleiben und die 1 Waffe abzugeben, nicht Folge. Da es i^ der Dunkelheit 1 ungewiß war, ob der Mann nicht seinerseits von der Waffe : Gebrauch machen würde, wurde auf ihn geschossen. Er H ^hjelt einen Oberschenkelschuß und wurde von der Polizei H sofort festgenommen. Wie bisher feststeht, ist nur in diesem ' einen Falle von selten der Soldaten von der Schußwaffe Gebrauch gemacht worden. Ferner sind Soldaten nur als ■; Patrouillen zum Sammeln und Fortbringen von Verwun- :, beten verwendet worden. Ein Einsatz gegen eine bestimmte j; Front oder zu bestimmten Kampfaufträgen ist nicht erfolgt." . | Politischer Terror in Hagen.
Anläßlich einer Kundgebung der NSDAP. auf der Kuh- l weide im Hagener Stadtteil Delstern, bei der der national-
- sozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Goebbels sprach, 1 kam es schon in den Nachmittagssrunden mehrfach zu klei- ; neren Zusammenstößen. Zu besonders heftigen Krawallen 'kam es in der Jägerstraße und an der Schwenke. In der ■ Iägerstraße wurde aus den Häusern geschossen, so daß die 1 Polizei gezwungen war, das Feuer zu erwidern. Bisher ; ■ wurden etwa 20 Verletzte, darunter einige Schwerverletzte, '-festgestellt. Festgenommen wurden insgesamt 13 Personen. '; bie zum größten Teil der KPD. angehören.
Die Polizei in Köln angegriffen.
In Köln versuchten die Kommunisten — angeblich als -Protest gegen die Erschießung eines Parteigenossen durch Nationalsozialisten — wiederholt Kundgebungen durchzu- siihren. Die Polizei war stark aufgeboten, um Gewalttätigkeiten zu verhüten. Um der Unruhebewegung Herr zu werden, mußten schließlich 28 Rädelsführer in polizeiliche Verwahrung genommen werden. In einer Straße in Köln- Sülz kam es gelegentlich eines Propagandamarsches der NSDAP. wiederholt zu bedrohlichen Ansammlungen. Bei Räumung der Straße wurde die Polizei tätlich angegriffen und mit Flaschen und Steinen beworfen, so daß die PGzei- beamten von der Schußwaffe Gebrauch machten. Zwei Per- jonen wurden durch Oberschenkel- und Handschüsse als verletzt sestgestellt und dem Krankenhaus zugeführt.
Kassel. (Schwere Schlägerei im Stadtparlament). Im Verlaufe einer politischen Debatte im Stadtparlament nannte der Stadtverordnete Freister (NSDAP) den sozial- hemokratischen Abgeordneten Wittrock einen „begnadigten Zuchthäusler*, was der nationalsozialistische Vorsteher nicht M. NMLdranadieaesa^^
fielet ein^umringte ihn und schlug auf ihn ein. Als . «inNationalsozialistischer Stadtverordneter seinem Fraktions- r'Mtgen zur Hilfe kommen wollte, wurde auch er von den 5 Dozialdemokraten mißhandelt, ebenso der Berichterstatter der . Nationalsozialisten „Hessischen Volksmacht*. Nur das Da-
wischentreten anderer Stadtverordneter verhinderte die filimmsten Folgen für die beiden nationalsozialistischen itadtverordneten, die erhebliche Verletzungen davontrugen. chutzpolizei mußte das Eindringen von SA-Leuten in das lathaus verhindern.
Kassel. (Straßenschlacht). Am Sonntag abend kam < in dem kleinen Weserstädtchen Beverungen im Anschluß einen nationalsozialistischen Propagandaumzug zu einer blutigen Straßenschlacht zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, die aus der Umgebung zusammengeströmt waren. Die Gegner gingen mit Dolchen und Messern aufeinander loö, und eö viel auch eine Reihe Schüsse. Ein Nationalsozialist erhielt einen Dolchstoß in den Unterleib, dem | bald darauf im Unterhaus erlag. Drei Personen, deren politische Zugehörigkeit nicht feststeht, wurden schwer und biete andere leichter verletzt. Die meisten der 'Verletzten gehören der NSDAP an. Die wenigen Polizeibeamten standen der Straßenschlacht, die anderthalb Sunden dauerte, machtlos gegenüber. Als das Ueberfallkoinmando aus Hörter nntraf, waren die Unruhen bereits beendet.
| ~ Das hessische Landtagsamt hat den Abgeordneten mit« stellt, daß die für Donnerstag vorgesehene Sitzung des chischen Landtags mit der Tagesordnung Wahl des Staats= Wdenten ausfällt. (Ein neuer Termin wird zunächst nicht Kanntgegeben. Ferner kann entgegen allen anderslauien- n Meldungen festgestellt werden, daß die Noalitionsge- räche zwischen Nationalsozialisten und Zentrum fortge- werden.
i — Die Gegend von Nßmannshausen und Nüdesheim
1 ^rbe am Dienstag nachmittag von einem Unwetter Heim- l sucht, das Hagelschlag und große Wassermassen brächte " an den Weinbergshängen beträchtlichen Schaden an- htete.
। 17; Die Erwerbslosenzisser in NeuyorK wird auf eine Million geschätzt. — Diejenige in ganz England 23A lNil- ■ «onen.
im LmWn fufjballbunti!
Wie alljährlich, so hält auch dieses Jahr der Deutsche Fußball-Bund gemeinschaftlich mit der Deutschen Sport- behörde seinen „Jugenbtag" ab. Für den Gau Fulda (Gruppe Neuhof—Schlächtern) findet der Jugend tag am Sonntag, den 17. Juli von mittags 1 Uhr am Acisbrunnen Schlächtern statt. Die Veranstaltung hat der Fußballverein 1910 e. v. Schlächtern übertragen erhalten.
An diesem Tage sollen die Jugendlichen beider Verbände einmal vor der GefsentlichKeit Kunde geben von ihrem meist im Verborgenen vor sich gehenden Leben und Treiben. Sie sollen in großer Zahl den Tag erfüllen mit Spiel und Sport, mit Kampf und frohem Leben.
Sie sollen Kunde geben von dem Schwung und der neuen Jugendbegeisterung, von der unverbrauchten und blühenden Kraft ihrer jungen, kampfbegeisterten Herzen i
Sie wollen vor allem Volke zeigen, wie die Leibesübungen stark und groß und lebendig machen und erhalten! Sie wollen unter Alt und Jung werben für ein neues, vernünftiges Leibesleben, das Voraussetzung und erstes Erfordernis her deutschen Volkskraft ist.
Sie wollen zeigen, wie Sport mehr ist als bloße Fuxerei und gewöhnlicher Zeitvertreib. Sie wollen Kunde geben von der Kraft und Gesundheit, van der Freude und den blanken Augen, die die Leibesübung gibt.
Jugend und Sport gehören zusammen wie die Form zu ihrem Inhalt! Der Sport ist die Form modernen Jugend- lebens. In ihm findet die Jugend was sie sucht: Kampf, Sieg und Spiel! Sie findet Freude, Lust und Leben.
Sie sucht den Kampf! Jeder Junge will, wenn er voll Lebenskraft ist, ringen und Kämpfen. Er will die wachsenden Kräfte messen, mit denen der Kameraden. Er will streiten und ringen und über den Gegner triumphieren in hartem Kampf!
Ein Junge, der nicht Kämpfen will, der als Zwölfjähriger nicht von großen Taten träumt und als Vierzehnjähriger die Sporthelden nicht verehrt, ist nicht gesund. Es fehlt ihm eine Seite jugendlichen Wesens! Jungen müssen wagen und schlagen, wollen streiten und reiten um den Sieg!
Sieg will jeder Junge, der Erste sein im Kampf ums blaue Band der Schnelligkeit, der Beste sein im Ringen um den Siegerkranz. Ist dieser Wille zum Sieg nicht das Abbild und die erste Sehnsucht, in siegreichem Kampf das Leben zu bezwingen? So sollen unsere Jungen Kämpfen und ringen! Wer Kräfte fühlt, der soll die Kräfte regen!
Es ist grundfalsch zu sagen, Sport sei Luxus. Er ist für die Alten wie für die Jungen so nötig wie das tägliche Brot. Er gießt, recht betrieben, Stahl in die Leiber, härtet die schmalen Knaben empor, reift und stählt sie rank und tüchtig.
Und wie wächst aus dem Sport Freude und Lust! Aber welche Freude, und welche Lust!
So laßt die Jungen Sport treiben. Laßt sie ringen und „Jugendtag seht sie euch an draußen auf den Platzen; haltet euch den Tag frei.
Mac Donald vor dem ttnierhaus
Bericht über das Ergebnis in Lausanne.
London, 13. Juli.
Vor fast vollzählig versammeltem Unterhaus gab der englische Ministerpräsident Macdonald seinen Bericht über die Konferenz in Lausanne. Einleitend erklärte der Minister, er nehme für sich in Anspruch, daß die Konferenz letzten Endes zu einer Regelung der Reparationsfrage führen könne, die an der Wurzel einer jeden wirtschaftlichen Schwierigkeit seit der Beendigung des Krieges liege.
Die Reparationen hätten die Staatshaushalte der einzelnen Länder verfälscht, sie hätten im Herzen Europas ein Land in eine finanzielle Lage gebracht, die
eine Drohung für die Welt geworden sei; sie Hütten viel dazu beigetragen, die Wirtschaft der einzelnen Länder in Unordnung zu bringen. Solange es Reparationen gebe, könne sich die Wirtschaft nicht wieder vollständig erholen. Die Herren Abgeordneten möchten sich einmal vorstellen, was geschehen wäre, wenn er ohne ein Abkommen zurückgekommen wäre. Immer wieder seit dem Kriege hätten auf allen Konferenzen die wirtschaftlichen Trugschlüsse der Reparationen den Beteiligten ins Gesicht gestarrt.
Er hoffe, daß man als Ergebnis von Lausanne nunmehr das letzte Wort über die Reparationen gehört habe. Wacdonald wies auf die Gefahren hin, unter denen die Welt dauernd wegen der Krise Deutschlands gelitten habe. Solange nicht die Lage Deutschlands als ein Element im Welthandel, als ein Faktor nicht nur innerhalb Europas, sondern auch ls ein Faktor für England verstanden und behandelt werde, gebe es auch für England keine Erholung. Mit immer größer werdender Besorgnis hätten darum er, der Schatzkanzler und der Handelsminister die Anzeichen außergewöhnlicher Erscheinungen in Deutschland verfolgt.
Macdonald sprach dann über die geschichtliche Entwicklung seit der Londoner Siebenmächte-Konferenz.
— Die argentinische Regierung hat einen Kusschuß zum Studium der Arbeitslofenfrage eingesetzt. Die Zahl der Arbeitslosen und ihrer Angehörigen wird auf 800 000, d. h. 8 v. h. der Bevölkerung geschätzt.
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flus Stadt, Kreis und Provinz
Mitteilungen lokalen Interesses aus dem Kreisgebitt sind für diese Rubrik willkommen.
G, diese Hitze!
Was der Winter und ein unbeständiges Frühjahr an Gesundheitsstörungen gebracht, das soll der Sommer wieder gut machen. Und doch müssen auch die vielen Sommer- freuden mit Vorsicht genossen werden, denn auch sie haben Gefahren für die Gesundheit. In erster Linie ist die übermäßige Hitze zu berücksichtigen und der Gesundheitswart muß auf dem Posten sein, um die Schädigungen, die daraus entstehen können, zu verhindern. Die schlimmsten Ueber- Hitzungswirkungen sind Hitzschlag und Sonnenstich. An heißen, windstillen Tagen kann es vorkommen, daß im Freien arbeitende Menschen ganz plötzlich hinstürzen, das Bewußtsein verlieren und bei hoher Körpertemperatur Krämpfe und Herzschwäche bekommen. Beim Sonnenstich kommt neben der allgemeinen Gluthitze noch die Wirkung der direkten strahlenden Wärme in Betracht. Vorbeugungsmittel dagegen sind besonders die Vermeidung körperlicher Anftreng= ungen und Märsche während der Mittagshitze, leichte und lockere Bekleidung, mäßige Zufuhr von Getränken. Ist die Erkrankung aber schon eingetreten, dann muß die Umgebung bis zum Eintreffen eines Urztes dafür sorgen, daß der Kranke an einen kühlen, schattigen Grt gelegt, dann entkleidet und mit dem Oberkörper etwas höher gelagert wird. Ueberrieselungen des ganzen Körpers mit kühlem Wasser sind dann angebracht, und wenn der Kranke noch schlucken kann, Flüssigkeitenzufuhr von starkem Kaffee, von 'Tee oder Wasser. Bei den ganz schweren Fällen müssen künstliche Atmung, Herzmassage und Hautreize angewendet roerden, die aber möglichst nur von ärztlicher Hand ausge- sührt werden sollen. Um die sonstigen Analen einer übermäßigen Hitze zu vermeiden, muß man ein besonderes Gewicht auf die Nühlhaltung der Wohnung legen und zu erreichen versuchen, daß der Wohnraum während der Gluthitze um mehrere Grade Kühler ist als die Außentemperatur. Die schöne Sommerszeit hat auch sonst noch einige bekannte Tücken, wie das leichte Verderben der Nahrungsmittel, unreifes Obst, Insektenstiche usw.; aber mit einiger Aufmerksamkeit kann man sich dagegen meist ausreichend schützen.
Wetterbericht. Durch die starke Ueberhitzung des Festlandes hat sich über Mitteldeutschland ein flaches Tief gebildet, in dessen Bereich es vorübergehend zu stärkerer Bewölkung und stellenweise lokalen Gewitterstörungen gekommen ist. Da aber der Luftdruck von Westen her erneut arffteigt, ist damit zu rechnen, daß sich die Hochdruckwetterlage wieder herstellt. Aussichten für Donnerstag und Freitag: Nach einzelnen gewittrigen Störungen wieder heiteres und trockenes Wetter wahrscheinlich.
Schulabbau in den Ländern. Während im höheren Schulwesen Schülerrückgang und Finanznot bei der Einschränkung zusammenwirken, wird die Lage im Volksschulwesen bei zunächst noch sich gleichbleibender oder gar steigender Schülerzahl einseitig finanziell beeinflußt bleiben. Wie die Entwicklung gehen dürfte, zeigen die aus einzelnen Ländern vorliegenden Nachrichten. Danach hat Hessen mehr als 100 Volksschulen abgebaut. In Oldenburg ist der Kassenstand um 7,6 v. h. seit 1924=25 zurückgegangen; in Bremen wurden rund 12 v. h. aller Volks- schulklassen aufgelöst. Das^Traurige ist dabei, daß' die Einsparung mit einer zum Teil sehr starken Erhöhung der Nlassenbesuchsziffer verbunden ist.
Stadtverordnetenversammlung Schlächtern. Am Freitag, den 15. Juli 1932, abends 8 Uhr, findet eine Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung mit folgender Tagesordnung statt. 1. Verwaltungsbericht für das Geschäftsjahr 1931. 2. Feststellung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1932. 3. Festsetzung der Real- steuerzuschläge und der Bürgersteuer für das Rechnungsjahr 1932. 4. Feststellung des Voranschlags über die Verwal- tungskosten der Stadtsparkaffe für das Geschäftsjahr 1932. 5. Genehmigung eines Nachtrags zu dem Ortsstatut über das städtische Wasserwerk (Neufestsetzung des Wassergeldes betr.). 6. Neufestsetzung der Gebühren für Benutzung der Stadtwagc betr. 7. Weiterverpachtung der Klostcrfischcrci betr. 8. Wahl des Stadtverordnetenvorstehers bezw. seines Stellvertreters in den Finanzausschuß. 9. Verschiedenes.
Fahrpreisermäßigung zum Sängerbtln- d e s f e st. Um den Besuch des Sängerbundesfeftes zu erleichtern, werden Sonntagsrückfahrkarten nach Frankfurt a. M. ausgegeben: a) Am Donnerstag, 21. Juli, und Freitag, 22. Juli, mit eintägiger Geltungsdauer von allen Bahnhöfen innerhalb einer EntfernungSgrenze von 150 Tarifkilome- tern. b) Am Samstag, 23. Juli, und Sonntag, 24. Juli, von allen Bahnhöfen innerhalb einer EntfernungSgrenze von 300 Tarifkilometern. Die Hinfahrt kann am Samstag, 23. Juli, schon von o Uhr ab angetreten werden, die Rückfahrt muß bis Montag vormittag 9 Uhr angetreten sein. Sonn- tagskartcn werden innerhalb der angegebenen Enlfernungs-
Extra-Packung und Spezialsorte Extra- Blond mit Schaumbrille 27 Pfennig.