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Nr. 83 <1. Matt)

Dienstag, den 12. Juli 1932

84. Jahr«

Amtliche Bekanntmachungen.

L a n d r a t s a m i.

Jag-vevordnung.

Der Bezirksausschuß ^at in der Sitzung Dom 24. Juni 1932 auf Grund des § 40 der Jagdordnung Dom 15. Juli 1907 (G. S. S. 207) beschlchsen, die Schonzeit für männ­liche Rehkälber auf das ganze Jahr auszudehnen; für we ibliche Rehkälber verbleibt es bei der durch § 39 Miß 1 Ziffer 6 a. a. G. gegebenen Schonzeit.

Kassel, den 4. Juni 1932.

Der Regierungspräsident. J. 6.: gez. Dr. Knoft.

KreisaussKutz,

I.-Nr. 2956 K. 5.

An

sämtliche Herren Bürgermeister und Gemeinderechner des Kreises.

Krtrifft: Ablieferung der Schlachtsteuer an die? staatl. Kreiskaffe.

l Nach Artikel 22 Ziffer 4 der Durchführungsbestimmungen jum Schlachtsteuergesetz vom 22. Juni 1932 können die Gemeindekassen bei 6er Ablieferung der Steuer die ihnen nach Artikel 16 a. a. G. zusteyen.de Vergütung von 2 v. h. der nach Abflug der Erstattungen abgelieferten Steuer zu- Mck behalten. Die Zurückbehaltung ist auf dem Lieferzet- lel darzusteAen. Die staatliche Kreiskasse hat den dem Kreis zufallenden Anteil (2 v. h.) an die Kreis kommunal« Kasse zu überweisen. Jn Abänöerung meiner Rundver- fügung vom ^8. Juni d. Js. J.=ftr. 2709 K. A. sind daher nicht 96 %, sondern 98°/o" des vereinnahmten Steuerbetrugs an die staatliche Kreistage abzuführen. Die Gemeindekassen (Stadtkassen) des Kreises ersuche ich, die- fes bet Ablieferung der Schlachtsteuer an die staatliche Kreiskaffe zu berücksichtigen. Gleichzeitig mache ich noch WE, '>MM|ÜM|jte

Heuer den LieferWeln die Durchschriften der Steuerbescheide MfMea A und B) und die Erstattungsquittungen (Muster 4) beizufügen sind.

M Schlüchtern, den 9. Juni 1932.

Der Vorsitzende des Rreisausschusses: Dr. Müller.

b I-Nr. 2953 K. A. Der Landgemeindeverlag GmbH, in (Berlin W 9, Potsdamerstr. 22a, gibt ein Merkblatt Ifür die Schlacht ste u e r heraus. Dieses Merkblatt, das in gemeinverständlicher Weise einen Ueberblick über die für die Schlachtsteuer geltenden Bestimmungen gibt, ist sehr dazu geeignet, die Bürgermeister, FleiscybeschMer, Ge­werbetreibenden usw. mit den für sie wichtigen Vorschrif­ten über die Schlachtsteuer vertraut zu machen. Der Be- Ziugspreis für das Merkblatt beträgt 30 Pfg. Etwaige Be­stellungen sind direkt an den eingangs erwähnten Verlag zu richten.

| Schlächtern, den 7. Juli 1932..

Der Vorsitzende des Nreisausschusses: Dr. Müller.

I Die Wahlkampagne hat schon heftig eingesetzt. Na­mentliche das Zentrum und die Nationalsozialisten sind schon eifrig bei der Stimmenwerbung. Reichskanzler a. D. Brüning sprach in Glatz und in Liegnitz, während Aböls Hitler in Berchtesgaden eine Propaganda rede hielt. Kür das Zentrum bezw. die Bayerische Volkspartei traten au­ßerdem noch Dr. Held und Reichstagsvizepräsident Esser ein.

Am Sonntag bezw. am Wochenend kam es wieder in allen Gegenden Deutschlands zu Zusammenstößen zwi- MM politischen Gegnern. Solche Geschehnisse werden aus Duisburg-hamborn, Neustadt a. d. haardt, Hagenow, Dort­mund, Bremen, Kiel usw. gemeldet. Jn allen Fällen gab es blutige Köpfe, aber auch Todesfälle sind an der Tages­ordnung.

(d Jn Gießen kam es am Freitag und Samstag ver- Ahledeutlich zu Krawallen zwischen politischen Gegnern, die die Polizei mit dem Gummiknüppel trennen «nutzte.

A Die Eiserne Front von Groß-Frankfurt eröffnete am Sonntag den Wahlkampf mit einer Massendemonstration, an der schätzungsweise 15 000 Personen teilnahmen. Der Wührer der Frankfurter Eisernen Front, Mulanski, er« klärte:Wir fürchten nicht den Feind, wir greifen an!". ^wischenfällen ist es nicht gekommen.

Nach einer Mitteilung in derHationalsoziaIistischen Parteikorrespondenz" ist die am 19. Mai verfügte Mit­gliedersperre für die NSDRP. am 15. Juli als erloschen an« Auseiyen. Neuaufnahmen sollen jedoch nicht vor dem 1. August erfolgen.

~ Bei Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und Polizei in Villa Don Fabrique in Spanien wurde«r 5 Personen, darunter ein Gendarm, getötet. Zahlreiche Der« . legte gab es außerdem noch.

Papen wieder in Berlin

Mit der deutschen Lausanne-Delegation zurückgekehrt.

Berlin, 11. Juli.

Reichskanzler von Papen und die übrigen Mitglieder der deutschen Abordnung für die Lausanner Konferenz trafen aük Sonntag um 13.43 Uhr aus Lausanne kommend mieder in Berlin ein. Zur Begrüßung hatten sich aus dem Anhalter Bahnhof Reichsinnenminister Freiherr von Gayl als Ver­treter der Reichsministerien sowie u. a. die Staatssekretäre Trendelenburg, Zarden und Manck eingefunden. Aus der Mitte einer etwa lOOföpfigen Menge erschollen hoch. und Bravorufe» als der Kanzler in Begleitung des Reichsinnen­ministers den Seitenausgang des Bahnhofs verlieh.

Ein unmögliches Projekt Amerikanischer Senator verlangt für die Schuldenstreichung die Uebereignung der deutschen Kolonien.

Washington, 11. Juli.

Unter Hinweis auf das Lausanner Abkommen brächte der demokratische Senator McKellar (Tennessee) eine Ent­schließung ein, in der Hoover aufgefordert wird Stellung ä nehmen zu den Presseberichten, daß die Regierung der reinigten Staaten in irgendeiner Form ihre Bereitwillig- Zur Wiederaufrüstung der Kriegsschuldenfrage aus­gedrückt habe.

Der demokratische Senator Gore (Oklahoma) brächte die Anfrage ein, ob die Schuldnerländer der Vereinigten Staaten es vorziehen würden, der amerikanischen Regierung die früheren deutschen Kolonien an Stelle der Kriegsschulden- rückzahlung zu übereignen.

Echo der Lanötagssihung

Erklärungen Grzesinskis und der sozialdemokratischen Fraktion.

Berlin, 10. Juli.

Der Berliner Polizeipräsident nimmt in einer längeren Erklärung Stellung zu den Ausfuhrungen-des nationalsozia- listilchsn 'Abgeordneten Dr. Freister im Preußischen Land­tag, im Zusammenhang mit dem tödlichen Unglücksfall des Polizeioberleutnants Maaß und erklärt dazu, daß im Zu­sammenhang mit der Materialbeschaffung für den Untersu­chungsausschuß des Landtags selbstverständlich keine Ver­haftungen vorgenommen worden seien und daß der Tod des Polizeioberleutnants durch einen von diesem selbst verur­sachten Unglücksfall herbeigeführt wurde.

Es könne nicht scharf genug gebrandmarkt werden, daß ein so tieftrauriger und absolut klar liegender Unglücks- fall zu einer politischen Verhetzung und Aufhetzung mißbraucht werde.

Die sozialdemokratische Landtagsfraktion erklärt zu den Ausführungen des nationalsozialistischen Abgeordneten Lohse bezüglich der Zurückweisung eines sozialdemokratischen Flugblattes, die sozialdemokratischen Abgeordneten, die den die gefallenen Söhne sozialdemokratischer Frauen beleidigen­den Zuruf gehört hätten, seien bereit, die Richtigkeit bet Sachdarstellung zu beeiden.

Freierer antwortet Grzesinski

Der nationalsozialistische preußische Landtagsabgeord- nete Dr. Freisler gibt auf die Erklärung des Berliner Po­lizeipräsidenten Grzesinski eine ausführliche Erwiderung, in der er seine bezüglich des an einer Schußverletzung ver­storbenen Polizeioberleutnants Maaß im Landtag gemach­ten Ausführungen aufrecht erhält und sagt, er sei durch die Erklärung Grzesinskis in seinem Verdacht noch bestärkt worden.

Kanzlerreise nach Reudeck.

Das Reichskabinett trat am Montag vormittag zusammen, um den Bericht des am Sonntag mittag in Berlin eingetrosfenen Reichs­kanzlers von Papen über Verlauf und Ausgang der Lausanner Verhandlungen entgegenzunehmen. Auch die übrigen Mitglieder der deutschen Abordnung sind zum gleichen Zeitpunkt wieder nach Berlin zurückgekehrt, mit Ausnahme des Reichsaußenministers von Neurath, der noch einige Tage in Gens bleibt. Etwa Mitte der Woche wird sich Reichskanzler von Papen nach Neudeck begeben, um dem Reichspräsidenten persönlich über Lausanne zu berichten

Der Erfinder des nach ihm benannten weltbekann­ten Sicyerhei^rafierapparates, Gillette, ist im Alter von 77 Jahren in Los Angeles gestorben.

, Ein mit sechs Personen besetzter Kraftwagen kam am Sonntag im Eifischtal in der Schweiz vom Wege ab und stürzte eine tiefe Löschung hinunter. 5 Insassen wurden auf der Stelle getötet, der Sechste erlag später seinen Ver­letzungen.

Bei einem Gewitter im Dombrowaer Gebiet sind 5 Personen ums Leben gekommen.

In Rösenheim in Gberbayern ist ein schweres löoch- wasser aufgetreten. Der Inn selbst führt zwar kin poch- wasser, aber seine Nebenflüsse sind infolge des anhalten- ben Regens der letzten Tage stark angeschwollen. Durch verschiedene Dämme wird das Wasser am Abläufen ver­hindert. Verschiedentlich ereigneten sich Bergrutsche, wobei Ifäufer, Güter und Fischzüchtereien beschädigt bezw. ver­nichtet wurden.

Die Vertragsunterzeichnung

Feierliche Schlußsitzung in Lausanne. MacDonald» Rede.

Lausanne, 10. Juli.

Nach 23 harten Kampftagen fand in dem großen Kuppelsaale des Hotels Beau Rivage am Sonnabendvor­mittag die feierliche Schlußsitzung der Reparationskonferenz statt. Wieder füllten, in dichten Reihen gedrängt, die Dele­gierten, die Presse und ein zahlreiches Publikum den Saal, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Sämtliche Delega­tionen nahmen der Reihenfolge nach an dem großen vier­eckigen mit grünem Tuch bedeckten Tisch Platz.

Die Sitzung begann mit einer gleichlautenden Erklä­rung der Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens, derzufolge die Regelung der interalliierten Schulden vom Tage des Abschlusses der Konferenz an bis zu der endgül­tigen Ratifizierung des Lausanner Abkommens hinausge­schoben wird, um diesen Mächten die Möglichkeit zu geben, in der Zwischenzeit eine endgültige Regelung der gesamten Kriegsschulden mit der amerikanischen Regierung herbeizu- führen.

Unter lautloser Stille des Saales begann sodann die feierliche Unterzeichnung des

Aktes von Lausanne" durch die sechs einladenden Mächte England, Frankreich, Italien, Deutschland, Belgien und Japan. Als erster unter­schrieb mit einer goldenen Feder der englische Ministerprä­sident MacDonald, dann die weiteren Gläubigermächte und zum Schluß Deutschland, da der Vertrag zwischen den fünf Gläubigermächten auf der einen und Deutschland auf der anderen Seite abgeschlossen wird.

Um 10.35 Uhr unterzeichnete der Reichskanzler von Papen, der Reichsautzenminister Freiherr von Neurath und Reichsfinanzminister Graf Schiverin-Krofigk im Na­men der deutschen Regierung das Lausanner Abkommen der fünf Gläubigermächte mit Deutschland, in dem das 'parationssystem des Versailler Vertrages und des Poungplanes endgültig beseitigt wird.

Englands Ministerpräsident spricht

Mit einer großen Rede des englischen Ministerpräsiden­ten fand die Konferenz ihren Abschluß. MacDonald sprach in dem ihm eigenen Pathos. Er begann mit der Verlesung eines Telegramms an den Schweizer Bundespräsidenten und an das Schweizer Volk, in dem der Dank der Konferenz für die großmütige Gastfreundschaft zum Ausdruck gebracht wird. MacDonald fuhr dann fort: Die Verhandlungen der Konferenz in d- n letzten drei Wochen waren außerordentlich schwer und reif an Kämpfen. Ein Erfolg ist dennoch erzielt worden. Die ' inigung war nicht leicht. Allzu schwere Er­innerungen la :ten auf den Völkern, die bisher einer Eini­gung der! r im Wege standen. Große Opfer sind ge­bracht worden um die bisherigen Widerstände zu überwin­den. Aber ni nals gab es den Fall in der Geschichte, daß Friede und Sicherheit hergestellt wurden, wenn die Völker sich nicht von den alten lastenden Erinnerungen freimachten. Auf dieser Konferenz sind neue Seiten der Weltgeschichte geschrieben worden. Das Schlußkapitel eines alten Buches ist gesetzt und das Anfangskapitel eines neuen Buches der Geschichte ist begonnen worden. Die Erfahrungen seit 1919 lehren zur Genüge, daß es nicht möglich ist, die Lasten nur auf die Schultern eines Volkes abzuwälzen, da diese Lasten nach allen Erfahrungen nicht nur ein Einzelvolk, sondern alle Völker niedsrdrücken. Diese großen Finanzfragen sind der Ursprung dieser Konferenz gewesen.

Der Lausanner vertrag enthält eine politische Klausel, die zu finden außerordentlich schwierig war. Es war schwer, in diesen politischen Fragen allen Genüge zu tun. Aber es ist kein Frieden und keine Sicherheit denkbar, ohne den ehrlichen Willen zu freundschaftlicher Zusammenarbeit.

Die entscheidende Frage erhebt sich jetzt, wie in den Genfer Abrüstungsarbeiten in baldiger Zeit ein voller Er­folg erzielt werden kanp. Die bishe»«ge Verschwendung der nationalen Reichtümer für die Rüstungen muß endlich auf­hören.

Die moralische Abrüstung ist ebenso notwendig wie die materielle Abrüstung, hierbei handelt es sich nicht nur um England und Frankreich, sondern um alle Mächte. die an diesen Arbeiten teilnehmen.

Die weiteren Arbeiten an der Lösung der großen interna­tionalen Fragen können jedoch nicht allein auf Europa be­schränkt werden, sondern müssen im Rahinen der gesamten Weltinteressei« gefunden werden. Europa kann sich nicht «nehr allein hinter Barrikaden verschließen. Der Zusaminen- Hang der Interessen aller Völker ist heute offensichtlich.

MacDonald richtete sodaZin einen Appell an die an­wesenden Premierminister, im Geiste des ehrlichen und auf­richtigen Willens zur Zusammenarbeit an die weiteren Ver­handlungen heranzutreten. MacDonald betonte, er habe nicht die Absicht, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder zu inischen, aber er reiche seine Hand seinen Freun­der« auf der rechten und auf der linken Seite, den Deutschen und den Franzosen, um ihnen zu einer freundschaftlichen Zusammenarbeit und Regelung aller Frage«« zu helfen.

Die Lösung der großen politischen und finanziellen Fragen muß die früheren Gedanken des Krieges verschwin­den lassen. An deren Stelle muß jetzt der Gedanke der Zu-