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Attts-Kmwbtatt * MyemeLner amtlicher Kuzettzer für Verr Kreis Schlüchtero

Rr. 81 (1. Blatt) Donnerstag, den 7. Juli 1932

84. Nahes.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Bett. Erhaltung trigonometrischer Marksteine.

Es wird daraus aufmerksam gemacht, daß die Marksteinschutzfläche, d. i. die kreisförmige Boden- fläche von 2 Quadratmeter um den Markstein nicht vom Pfluge berührt werden darf, vergl. § 2 der Anwei­sung vom 20. Juli 1878, betr. die Errichtung und Erhal­tung trigonometrischer Marksteine. Zuwiderhandlungen werden nach § 370, I des R.=Str.=®.= B. mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft.

Durch das Umpflügen und Eggen der Marksteinschutz­fläche entstehen die vielen Verrückungen und Beschädigun­gen der Marksteine- mit der geringsten Verschiebung ist aber der Punkt zerstört und kann nur unter Aufwendung erheb­licher Kosten von Technikern der Landesaufnahme wieder hergestellt werden. Die Zerstörung von trigonometrischen Punkten der preußischen Landestriangulation fällt unter § 304 des R.=Str.=®.=B. Gegenstand der Wissenschaft und wird unter Umständen mit Gefängnis bis zu 2 Jahren bestraft.

Wiederholt ist es vorgekommen, daß Beschädigungen an Marksteinen von Kindern verübt worden sind. Um dieses zu verhüten, ersuche ich die Herren Lehrer, die Kinder auf die Bedeutung solcher Steine aufmerksam zu machen. Schlüchtern, den 2. Juli 1932.

Der Landrat. J. D_: Duwe.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Die Stimmkartei für die am 31. Juli 1932 stattfindende

Reichstagswahl liegt in der Zeit vom 10. bis einschließlich 17. Juli 1932 im Rathaus Zimmer Rr. 4 und zwar Don vormittags 912 Uhr und nachmittags 46 Uhr zur »Linsichtnahnre gWMftch aus. ----------------------- _

An den beiden Sonntagen (10. und 17. Juli) wird die ' Aus^M^HasHeit auf vormittags 10i/212 Uhr beschränkt. - Jeder WabTbereditigte, der die Wahlkartei für unrichtig «der unvollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der Muslegungsfrist bei dem Magistrat schriftlich anzeigen oder Hur Niederschrift geben.

* Schlüchtern, den 4. Juli 1932.

Der Magistrat. Gaenßlen.

s Am Donnerstag, den 7. Juli 1932, vormittags 8i/2 Uhr, wird auf dem Rathaus Kanzlei der Schafpferch öffentlich meistbietend verpachtet.

B Schlüchtern, den 6. Juli 1932.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Oesterreichs 300 Millionen-Anleihe

Dollfuß erstattet Bericht.

Wien, 6. Juli.

Nach seiner Rückkehr aus Lausanne erstattete Bundes- kanzler Dr. Döllfuß dem Bundespräsidenten und dem Mi- nisterrat Bericht über Lausanne.

Ueber die Anleihe selbst keilte der Bundeskanzler mit, daß sie 300 Millionen Schilling betrage und 20 Jahre lau­fen werde, wobei Oesterreich das Recht haben solle, die Rück­zahlung früher vorzunehmen. Das Protokoll über die An­leihe sei im ganzen technischen Teil fertig.

I Auf der Lausanner Reparatienskonferenz hat sich am Dienstag abend eine Versteifung gezeigt. Nach einer Unter­redung mit Macdonald erklärte Herriot, die Summe, um die As sich bei dem gegenwärtig behandelten Vorschläge han­dele, sei minder entscheidend. Dagegen müsse er es unbe­dingt ablehnen, über die politischen Bedingungen zu verhan­deln, die von deutscher Seite gestellt werden. Es handelt sich dabei im wesentlichen um die deutschen Wünsche inbezug auf die Abrüstungsfrage.

I Zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten kam es in Duisburg zu schweren Schlägereien, bei denen fünf Personen durch Steinwürfe und Schüsse verletzt wurden, davon drei schwer. Jn Düsseldorf wurde ein Kommunist von Nationalsozialisten überfallen Und durch einen Stich in die Lunge schwer verletzt. Bei politischen Schießereien in Berlin wurden zwei Unbeteiligte verletzt.

Reichspräsident von Hindenburg ist am Dienstag Abend nach Schloß Neudeck abgereist.

I Die Frankfurter sozialdemokratische Volksstimme ist nach einer Meldung der Frankfurter Zeitung wegen eines ArtikelsRationale Würdelosigkeit in Lausanne" nach einer Verfügung des Gberpräsidenten in Rassel auf die Dauer von fünf Tagen verboten worden.

I Der amerikanische Präsident Hoover unterzeichnete ein Gesetz, das die Lieferung von 45 Millionen Bushels Weisen und einer halben Million Ballen Baumwolle an das Rote Rreuz zur weiteren Verwendung vorsieht.

Sieuerstundung für Landwirte

Beschlüsse des Landwirlschaftsausschusses in Preußen.

Berlin, 6. Juli.

Der preußische Landwirtschaftsausschuß beschloß, das Staatsministerium zu ersuchen, bis zur Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft bei einer Verschuldung über 50 Prozent, des Einheitswertes der Betriebe für Land- und Forstwirtschaft, Obst-, Gemüse- und Weinbau sowie Geflügelhaltung sämtliche staatlichen Steuern mit dem Ziel der Niederschlagung zinslos zu stunden.

Ferner soll das Staatsministerium auf die Reichsregie­rung dahin einwirken, daß zur Schaffung von auskömm­lichen Preisen für die Landwirtschaft mit Einfuhrverboten vorgegangen wird. Handelsverträge, die dem entgegen­stehen. sollen gekündigt werden

Gegen die Notverordnung

Hauptausschuß des preußischen Landtags.

Berlin, 6. Juli.

Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags beschäf­tigte sich am Dienstag mit Anträgen zur Durchführung von Notverordnungen der Reichsregierung in Preußen. Ein An­trag der Kommunisten, das Staatsministerium zu beauftra­gen ,die Reichsnotverordnung in Preußen nicht durchzufüh- ren, wurde abgelehnt. Annahme fand dagegen ein national­sozialistischer Antrag über den Wegfall von Zuschlägen für Steuerrückstände. Danach soll ein Zuschlag nicht erhoben werden, wenn Her einzelne rückständige Betrag unter 10C RM. liegt Angenommen wurde auch ein deutschnationaler Antrag, bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, daß eine weitere Senkung der Lebenshaltung durch neue Steuern nicht eintritt und alles getan wird, um die Wirt­schaft in Gang zu bringen und Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.

3m weiteren Verlauf feiner Beratungen nahm der Hauptausschuß bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten und des Zentrums einen deutschnationalen Gesetzentwurf an, wonach die preußische Notverordnung vom S. Juni d. I. mit sofortiger Wirkung aufgehoben werden soll.

Vorher hatten die Nationalsozialisten ihren Antrag, die Maßnahmen auf Einführung der Schlachtsteuer aufzuheben, zugunsten des deutschnationalen Antrags zurückgezogen. Es sollen also sowohl die Schlachtsteuer als auch die Bestimmun­gen über die Zwangssparkasse für die Beamten nicht durch­geführt werden.

Beamte un- Parteien

Beamkenausschuß des preußischen Landtags.

Der Beamtenausschuß des Preußischen Landtags hatte sich mit den Anträgen der Nationalsozialisten und der Kom­munisten zu beschäftigen, die sich auf die Zugehörigkeit von Beamten zu diesen beiden Parteien beziehen. In der Aus­sprache setzten sich die Vertreter der beiden Parteien mit Ent­schiedenheit für die Aufhebung dieser Maßnahmen ein. Ein Regierungsvertreter teilte mit, daß dem Staatsministerium bereits ein Entwurf für einen Abänderungserlaß zu diesen Erlassen vorgelegt worden ist. Das Staatsministerium habe aber von diesem Erlaß noch keine Kenntnis genommen, so daß er sich zur Zeit außerstande sehe, den Inhalt bekannt­zugeben.

Der Ausschuß beschloß, dem Landtag vorzuschlagen, an Stelle der beiden Anträge folgenden Grundsatz für die Ver­waltung der Staatsangelegenheiten nach Artikel 29 der Ver­fassung anzunehmen:Den Beamten, Angestellten und Ar- beitern des Staates, der Gemeinden und Gemeindeverbände und der öffentlichen Körperschaften ist es erlaubt, jeder nicht verbotenen Partei anzugehören, sie zu unterstützen und sich für sie in jeder Weise zu betätigen."

Aufseher burcy Aaumchlag getötet

Leipzig, 6. Juli.

Drei Aufseher der Großmarkthalle nahmen einen Mann fest, der sich unberechtigt auf dem Hallengelände bewegte. Der Mann zog zunächst ein Messer und bedrohte die Be­amten. Einem der Beamten versetzte er einen Schlag mit der bloßen Faust an den Kopf. Als der Festgenommene auf der Wache war, brach plötzlich der von ihm geschlagene Be­amte zusammen und war tot. Der Tod ist durch den Schlag an den Kopf verursacht worden.

Noch ein Opfer der spinalen Kinderlähmung

Magdeburg, 6. Juli.

Der spinalen Kinderlähmung ist jetzt ein weiteres Kind erlegen, so daß diese Krankheit bisher zwei Tote in Magde­burg gefordert hat.

Ein mecklenburgisches Amt meldet Konkurs an.

Das Amt Hagenow hat mit feinen 4000 Seelen eine Schulden­last von 3 Millionen Mark, mehr als sünztliche übrigen Aemter von Mecklenburg-Schwerin zusammen. In einer Versammlung teilte Amtshauptmann Busch mit, daß das Amt Hagenow seinen Verpflichtungen nicht mehr Nachkommen könne. Fällige Zinslei­stungen müßten ab 1. Juli eingestellt werden. Der einzige Ausweg sei der Konkurs. Daher habe sich der Amtsausschuß entschlossen, den entscheidenden Schritt zu tun und beim Amtsgericht die Er­öffnung des Konkurses für das Amt zu beantragen.

Nach Hernots Rückkehr

Der Streit um die Ziffern.

Lausanne, 6. Juli.

Die sehr zugespitzten Erklärungen, mit denen sich der französische Ministerpräsident von Paris verabschiedete, haben erwarten lasiert, daß er in Lausanne den französischen Stand­punkt mit einer aufs stärkste betonten Unnachgiebigkeit ver­fechten werde, und es konnte daher kaum überraschen, wenn er in der gemeinsamen Besprechung bei MacDonald rund- meg erklärte, die kritische Lage seiner Regierung mache ihm jedes Nachlassen von der französischen Forderung unmöglich, Frankreich müsse die geforderten vier Milliarden haben und nicht einen Sou weniger.

Diesem schroffen französischen Standpunkt gegenüber hat die deutsche Delegation mit aller Entschiedenheit noch einmal klargestellt, was sie bereits in ihrem Gegenvorschlag oder, wie man es offiziös formuliert haben will, in ihren Einwendungen zu dem Vorschlag der Gläubiger erklär« hatte, daß eine über zwei Milliarden hinausgehende Summe für Deutschland nicht in Frage komme.

Der Streit um die Ziffern ist also in vollem Gang und in seinem entscheidenden Stadium, und man hat sich auf die beiden gegeneinander gestellten Zahlen so festgelegt, daß man augenscheinlich die Verschiedenartigkeit der Zahlungsmetho- den, die dabei von den beiden Parteien ins Auge gefaßt find, und die sich daraus ergebenden zahlenmäßigen Unterschiede sticht genügend berücksichtigt. Bei diesem Punkt scheint nun für MacDonald die Möglichkeit eines Vermittlungsvorschla- ges zu liegen, mit dem er alsbald heroorgetreten ist, und der sich nicht an die umstrittenen Nominalbeträge, sondern an die Höhe der Zinsen hält, indem er auf dem Wege einer Herabsetzung des Zinssatzes bei gleichbleibender Höhe der Annuitäten einen höheren Betrag errechnet als die von Deutschland errechneten zwei Milliarden.

Er scheint auf eine ausgleichende Ziffer hinzuarbeiten, die in der Nähe von drei Milliarden liegen dürfte.

Man hat jedenfalls in Lausanne den Eindruck, daß es stichst gelingen wird, diese Schwierigkeiten bis zum Mittwoch Zu überwinden, trotzdem zu Beginn dieser Woche MacDonald angekündigt hat, daß er unbedingt am Donnerstag nach London zurückkehren müsse. Man rechnet vielmehr mit der Notwendigkeit, -die Konferenz bis zum Ende dieser Woche zu verlängern, und der englische Premierminister, der als Leiter der Konferenz, den dringenden Wunsch hat, ihr ein positives Ergebnis zu sichern, wird also vielleicht doch seine Dispositionen noch einmal umstoßen müssen.

Er und die englische Delegation und mit ihr auch die italienische, deren Auffassung durch das sehr offenherzige Interview Grandis unmißverständlich bekundet worden ist, hätten nach Lage der Dinge allen Anlaß, in dem jetzt durch- zuführenden Endkamps um die Schlußziffer herriok klar zu machen, daß seiner von innervolitischen Erwägungen diktierten Unnachgiebigkeit auf der deutschen Seite sehr tat­sächliche materielle Gesichtspunkte gegenüberstehen, für die man in England und Italien weitestgehendes Verständnis hat und an denen auch Frankreich nicht vorübergehen darf, wenn ihm an einer positiven Lösung gelegen ist. Auf diese Frage aber muß in den nächsten zwei oder drei Tagen der französische Ministerpräsident der Konferenz und der Welt eine klare Antwort geben»

Das Hin und Her der Konferenz

Kaum eine halbe Stunde dauerte die Unterredung zwi­schen den englischen und den deutschen Ministern am gestri­gen Vormittag, nachdem bereits vorher MacDonald mit Herriot verhandelt hatte, ohne daß über ein Ergebnis etwas bekannt geworden wäre. Immerhin kann angenommen werden, daß in der deutsch-englischen Besprechung von deul- scher Seite von neuem darauf hingewiesen worden ist, daß die Höchstgrenze der deutschen Beseitigung an der Dieder- aufbaukasse bei zwei Milliarden liegt und daß im übrigen dW i bereits hinlänglich bekannten deutschen Bedingungen eingr allgemeinen Regelung genannt worden sind.

Die Gegensätze stehen sich nach wie vor schroff gegen» über. MacDonald versucht jetzt, wie er sich selbst bezeichnet,

als ehrlicher Mäkler­

in letzter Stunde die deutschen u«, französischen Gegensätze zu überwinden. E-> soll versucht werdrn, eine deutsch-eng- lisch-französische Unterredung herbeizuführen, in der sodann durch Vermitlung von MacDonald eine gemeinsame Eini- gungsgrundlage gefunden werden soll. Deutlich tritt von neuem der. dringende Wunsch und das ausgesprochene Inter­esse der englischen Regierung zutage, im Hinblick auf die gesamte Weltwirtschastslage und die besonderen englischen Interessen endgültig die Tributfrage auf dieser Konferenz zu bereinigen.

Herriot kann nicht nachgeben

Nach einer Unterredung nM MacDonald erklärte Herriot der Presse,

er könne nicht mehr weiter nachgeben und halte an dem bisherigen Gläubigervorschlag fest. Ein weiteres Nach- geben würde für ihn die Kabinettsfrage bedeuten.

Die Besprechungen werden zunächst noch von MacDonald weiter gesondert mit den deutschen und französischen Mi­nistern geführt werden. In französischen Kreisen werden die üblichen pessimistischen Gerüchte verbreitet und erklärt, die deutsche unnachgiebige Haltung mache jede Einigung unmöglich.