Einzelbild herunterladen
 

Hchlüchtemer Leitung

tdeis-Dmwbtatt * Myemeiner mnUicherKn-etyevfLr 6m Kreis Schlüchtem

Nr. 80

(1. Blatt)

Dienstag, den 5. Juli 1932

84. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Im Monat Juni d. JS. sind folgenden Personen Jahres-

jagdscheine ausgestellt worden:

Stelzner, Johann, Jagdaufseher, Brückenau

Dr. Wehn, Veterinärrat, Schlüchtern

Rollmann, Wilhelm, Dentist, Schlüchtern

Schewe, Regierungörat, Schlächtern Spitz, Karl, Syndikus, Oldenburg Kleindienst, Oskar, Kaufmann, Frankfurt a. M. Schöppner, Emil, Bürgermeister, Uerzell, Zeder, Ludwig, Oberpostschaffner, a. D., Joffa

Lübbert, Friedrich, Krankenwärter, Schlächtern

Fuß, Louis, Landw., Dittenbrunn Gemeinde Altengronau

Geschwindner, Heinrich, Architekt, Schlächtern

Schlächtern, den i. Juli 1932.

Der Landrat. 3. V.: Vuwe.

J.-Nr. 2725. Nach § 3 Ziffer 2 der Durchführungsbe­stimmungen über den Ueberlandverkehr mit Kraftfahrzeugen vom 9. Oktober 1931 R. G. Bl. 1 S. 572 in der Fassung vom 19. November 1931 R. G. Bl. 1 S. 687/688 haben die Ortspolizeibehörden den Ortömittel- punkt zu bestimmen und öffentlich bekanntzugeben.

Ich ersuche die Ortspolizeibehörden, dieses zu veranlassen und mir unter Bezeichnung des bestimmten Mittelpunktes über die Erledigung, bis zum 20. Juli d.. zu berichten. Schlüchtern, den 28. Juni 1932.

Der Landrat. 3. D.: Vuwe.

Unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 22. Februar 1912 Nr. 1213 Kreisblatt Nr. 9 werden die Herren Bürgermeister ersucht, die Veränderungsnachweisung .(Zu- und Abgänge) über die noch nicht schulpflichtigen taub- Akümmen uyd blinden Kinder alsbald hierher einzureichen.

Schlüchtern, den 2. Juli 1932.

Der Landrat. 3. D.: Duwe.

| Nr. 2705. Die Gefahr einer Verunkrautung ist bei den ^vorherrschenden kleinbäuerlichen Betrieben im Kreise Schläch­tern mit seinen vielen kleinen Grundstücken, Ackerrainen und Wegen besonders groß. Um so mehr ist es erforderlich, einer weiteren Verunkrautung durch Samenübertragung tun­lichst vorzubeugen. Eines der schlimmsten Unkräuter, dessen Samen vom Wind weit verweht werden kann und daher für die Aecker eine ständige Gefahr bildet, ist die Distel. Ihre Bekämpfung erfolgt durch rechtzeitiges abmähen, bezw. durch auöstechen bevor sie zur Blüte gelangt ist.

Unter Bezugnahme auf § 41 der Polizeiverordnung vom 23. Juli 1928 (Sonderbeilage zum Reg. Amtsblatt Nr. 31) in der Fassung der Polizeiverordnung vom g. Sep­tember 1930 (Sonderbeilage zum Reg. Amtsblatt Nr. 37), betr. Feld- Forstschutz, ersuche ich die Ortspolizeibehörden, für eine wirksame Bekämpfung der Distel zu sorgen.

Schlüchtern, den 29. Juni 1932.

Der Landrat. 3. D.: Vuwe.

KrersaussKuA.

J.-Nr. 2816 K. A. Die Wahl des Schöffen Wilhelm Schmidt 3. in Kreffenbach zum Bürgermeister der Gemeinde Kressenbach habe ich gemäß § 5; Abs. 1 der Landgemeinde- ordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt.

Schlüchtern, den 1. Juli 1932.

Der Landrat': Dr. Müller.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung.

Die Stadt Steinau kauft für die Bullenhaltung prima Heu, Angebote sind unter Angabe des Preises und der Menge , bis zum 2. Juli ds. Js. abzugeben. Das Abladen ist mit einbegriffen.

Desgleichen kauft das Bürgermeisteramt Salmünster Heumengen für ihre Zuchtbullenhaltung. Auch dorthin sind Angebote umgehend einzureichen.

Steinau, den 30. Juni 1932.

Der Magistrat: Dr. Kraft.

Bei Beneschau in Südböhmen stießen am Samstag abend zwei Züge einer Nebenbahn zusammen. Neun Per­sonen wurden getötet und 30 verletzt, davon 12 schwer.

«Graf Zeppelin" ist nach seiner Rundfahrt über Eng­land am Sonntag abend um 9 Uhr vom Flugplatz Han» worth bei London zum Rückflug Friedrichöhafen gestartet.

, Aristide Briand wurde am Sonntag auf dem kleinen Dorffriedhof in Eocherel, seinem Landsitz, zur letzen Ruhe gebracht. Die gesamte französische Regierung und das Dip­lomatische Korps, darunter der deutsche Botschafter, waren Vertreten.

Landgemeinden wem Arbeitsbeschaffung

Für planmäßiges Zusamenarbeiten des Reiches mit den kommunalen Spitzenverbänden.

Koblenz, 4. Juli.

Der Gesamtvorstand des Deutschen Landgemeindetages trat unter Vorsitz des Bürgermeisters Lange-Weißwasser in Koblenz zu einer Vorstandssitzung zusammen. Den Haupt- vortrag hielt der Präsident des Deutschen Landgemeindeta- ges, Landrat a. D Dr. Gereke-Pressel.

Es wurde dann von den Vertretern der Landgemein­den aus ganz Deutschland einstimmig eine Entschließung an­genommen, in der es u. a. heißt, daß die aus der unge­heuren Arbeitslosigkeit entstehenden Lasten von den lei­stungsschwacheren Gemeinden und Gemeindeverbänden über­wiegend auf die stärkeren Schultern des Reiches übernom­men werden müssen. Wenn diese Forderungen durch d-e letzte Reichsnotverordnung auch zum Teil erfüllt wurden, so seien die letzten Schlußfolgerungen von der Reichsregie­rung bisher leider noch nicht gezogen worden.

Eine wirksame Bekämpfung der aus der Arbeitslosig­keit entstehenden Hilfsbedürftigkeit könne niemals durch die Arbeitslosenfürsorge, sondern nur durch eine möglichst roeit- geh-mde Arbeitsbeschaffung stattfinden. Diese müsse von der Reichsregierung im Benehmen mit den kommunalen Spitzen- verbänden schnellstens planmäßig vorbereitet und in An­griff genommen werden.

parlamentsarbeiien

Zahlreiche Ausschüsse tagen in dieser Woche.

Berlin, 3. Juli.

In dieser Woche setzen in Preußen die parlamenta­rischen Arbeiten wieder in verstärktem Umfange ein.

Der Hauptausschuß

hat einen umfangreichen Beratungsstoff zu, bewältigen. U. a. liegen ihm Anträge vor auf Amtsenthebung der beim Aufzug der Skagerrak-Wache die Aufsicht führenden Poli- zeibeamten, über das Betreten akademischen Bodens durch die Poluei, auf die Durchführung der Reichsnotverordnun­gen in Preußen, über den Ausgleich des preußischen Haus­halts durch Maßnahmen, die die letzte Notverordnung ent­behrlich machen, sowie über zahlreiche andere Anträge zum Steuer- und Polizeiwesen.

Der Ausschuß für die Landwirtschaft

wird Anträge auf Aufstellung eines Ernte-Finanzierungs­programms und vieler anderer Maßnahmen zugunsten ein­zelner Zweige der Landwirtschaft beraten.

3m Ausschuß für Beamtenfragen

ist eine Aussprache über den nationalsozialistischen Antrag zur Frage der Zugehörigkeit von Beamten zu politischen Parteien zu erwarten.

Der Handelsausschuß

beschäftigt sich am gleichen Tage mit Bergwerksanträgen und trifft damit die Vorbereitungen für die Tagesordnung der Vollsitzung des Landtags, die am Mittwoch um 13 Uhr beginnt. In dieser Sitzung stehen zahlreiche Anträge über Notstandsarbeiten, Arbeiterentlassungen und Betriebsstill- legungen in den verschiedenen preußischen Bergwerksgebie­ten zur Erörterung. Der Landtag wird dann auch noch an dem letzten drei Tagen der Woche Sitzungen abhalten.

3m Preußischen Staatsrat

sind zur Zeit die Vorarbeiten für einen Amnestieentunirs im Gange. Der am Dienstagabend zusammentretende Ver- fassungsausschuß hofft, den Entwurf bis zur Vollsitzung des Staatsrats am Donnerstag fertiggestellt zu haben, so daß die Vorlage, wie beabsichtigt, auch den Landtag noch in sei­ner kommenden Tagung beschäftigen kann.

3m Reichstag

ist in der nächsten Woche mit dem Zusammentritt des Ueberwachungsausschusses zu rechnen. Dem kommunistischen Antrag auf Einberufung des Auswärtigen Ausschusses wird wahrscheinlich zur Zeit noch nicht stattgegeben, da erst der Ausgang der schwebenden außenpolitischen Verhandlungen abgewartet werden muß.

Listenverbindung DNVP-DBP

Berlin, 4. Juli.

Die DNVP. hat sich mit der Deutschen Volkspartei da- hin verständigt, daß die volksparteilichen Reststimmen auf die deutschnationale Reichsliste überführt werden. Dafür wird einer Anzahl volksparteilicher Kandidaten ent­sprechend der Zahl der wirklich überführten Stimmen ein Platz auf der deutschnationalen Reichsliste eingeräumt (bis zu 8 Plätzen). Die Deutsche Volkspartei wird dafür keine Regierung unterstützen, deren Bildung und Bestand vom Zentrum und der Sozialdemokratie abhängig ist.

3788 Millionen Dollar Fehlbetrag im amerikanischen Haushalt. Die amerikanische Bundesregierung schloß das Haushalljahr mit einem Fehlbetrag nun 3788 Millionen Dollar ab. Die Bundesschul­den werden dadurch um 2686 Millionen Dollar gesteigert.

Schwere Kämpfe in der Mandschurei. Amtlich wird gemeldet, daß die javanische Kavallerie Fugdin Sungari besetzt hat. Die Be­setzung erfolgte nach schweren Kämpfen, in deren Verlauf es den Japanern gelang, über 3000 Gefangene zu machen.

Deutschlands Nein in Lausanne

Der Vorschlag der Gläubigermächte in der vorliegende» Fassung abgelehnt. 4,2 Milliarden Abschlußzahlung gefordert.

Lausanne, 4 Juli.

Reichskanzler von Papen begab sich in den Vormit­tagsstunden des Sonntags zu dem englischen Ministerpräsi­denten MacDonald, dem Präsidenten der Tributkonferenz, der ihm dann von dem Vorschlag derGläubigermächte" zur Lösung der Tributfrage Kenntnis gab. An dem Empfang bei Macdonald nahmen weiter Reichsaußenminister Freiherr von Reurath und der englische Schahkanzler Reville Lham- berlain teil. Räch Ueberreichung des Vorschlages der Gläu­bigermächte brachten die deutschen Unterhändler zum Aus­druck, daß dieser Vorschlag in der vorliegenden Fassung für Deutschland nicht annehmbar ist.

3m einzelnen ist auf deutscher Seite wiederum mit vol­ler Bestimmtheit erklärt worden, daß eine Verbindung der Tribute mit der interalliierten Schuldenfrage, der Vorschlag eines Höchstbetrages für die Abschlußzahlung von 4,2 Mil­liarden und die vorgeschlagene Sicherheitsbedingung für die Ausgabe der Bonds der deutschen Regierung nicht annehm­bar wären. Ein Gegenvorschlag ist von deutscher Seite nicht erfolgt. Die deutschen Minister haben sich darauf beschränkt, ihren grundsätzlichen Standpunkt MacDonald zum Ausdruck zu bringen.

Gleich nach der Unterredung mit den deutschen Mini- stern fand bei MacDonald eine Besprechung der fünf Gläubigermächte statt, in der der deutsche Stand­punkt erörtert worden ist. Die Besprechungen wurden den ganzen Tag über fortgesetzt: auch die deutsche Delegation hielt fortgesetzt Beratungen ab.

In internationalen Konferenzkreisen bestand während dieser Verhandlungen übereinstimmend der Eindruck, daß auf englischer Seite starke Bestrebungen im Gange sind, den Gläubigervorschlag im Sinne des deutschen Standpunktes abzuWdern. Es, verlautet, daß die englische Regierung sich bereit gefunden hat, die ursprüngliche Summe von 4,2 Mil­liarden erheblich herabzusetzen.

Ebenso soll in der Frage des Zusammenhanges zwi­schen der Tribuffrage und den interalliierten Schulden eine

weitgehende Aenderung des bisherigen Textes vorgenommen werden. Nach den neuesten Formulierungen soll lediglich in einem Anhang das Inkrafttreten des gesam­ten Abkommens von der Notifizierung für die beteiligten Mächte abhängig gemacht werden.

Das unzweifelhaft festzustellende Entgegenkommen von englischer Seite gegenüber dem deutschen Standpunkt wird auf den starken Druck zurückgeführt, der jetzt von internatio­nalen und amerikanischen Finanzkreisen aus die europäischen Großmächte ausgeübt wird im Sinne einer endgültigen Re­gelung der Tributfrage unter Berücksichtigung des deutschen Standpunktes. MacDonald hat bereits wissen lassen, daß er seine ursprünglich auf den 5. Juli festgesetzte Abreise aus Lausanne vorläufig verschoben hat. Man rechnet mit dem Abschluß der Konferenz nicht vor Mitte oder Ende dieser Woche.

Die Gegensahe in Lausanne

England und Italien zur Berücksichtigung der deutschen Forderungen bereit?

Sie Sonntags-Besprechungen in Lausanne fanden fc schnell hintereinander statt, daß die einzelnen Phasen der Verhandlungen nur sehr schwer festzuhalten sind. In den 'Nachmittagsstunden hatte Reichskanzler von Papen, der von den Reichsministern des Auswärtigen und der Finanzen begleitet war, eine nochmalige Konferenz mit dem eng- ischen Ministerpräsidenten Macdonald.

Die Hauptgegensätze können jetzt wie folgt zusammen­gefaßt werden:

1. Die deutsche Abordnung lehnt die vorgeschlagene Ab- schlußzahlnng von 4,2 Milliarden RM als untragbar ab.

2. Die deutsche Abordnung lehnt jeden Versuch, Deutsch­land in die Front der europäischen Schuldnermächte gegen- aber den Vereinigten Staaten einzureihen, ab und ist nicht in der Lage, irgendeine noch so lose Bindung in dieser Rich­tung einzugehen.

3. Die Bedingungen für die Ausgabe der Bonds der deutschen Regierung, die nach dem dreijährigen vollstän­digen Moratorium von deutscher Seite als endgültige Ab- schlußzahlung für die^Tribute ausgegeben werden sollen, werden auf deutscher Seite nicht als annehmbar angesehen.

4. Eine Gesamtregelung der Tributsrage muß nach deutscher Auffassung zu einer endgültigen Beseitigung des gesamten Teiles VIII des Verfailler Vertrages und daher auch des berüchtigten Artikels 231 (Kriegsschuldlüge) führen.

Auf deutscher Seite werden aussichtsreiche Verhand­lungen über die Gesamtregelung der Tribuffrage nur dann als denkbar angesehen, wenn in diesen vier Punkten den deutschen grundsätzlichen Forderungen in vollem Maße ent­sprochen wird.

Wie verlautet, hat sich der englische Ministerpräsident den deutschen Wünschen keineswegs verschlossen. Gleich nych