ertrinkt auf dem trockenen Lande", wie di« Engländer sagen. Der Mensch mit der Gasvergiftung ertrinkt an der eigenen Blutflüssigkeit, die in die Lungenbläschen tritt und sie überschwemmt . . .
Tausend „Fachleute" arbeiten ständig in den chemischen Arsenalen von Edgewood in USA. an der Vervollkommnung und Neu- entdeckung stärker wirkender Giftgase. Vor einiger Zeit erzitterte die Welt unter dem Namen „Lewisit", das neue und „völlig sicher wirkende" Giftgas, das den Namen feines Erfinders Lewisit trägt. Gegen dieses
Munitionsfabriken im fernen Osten — Billigste Arbeitskräfte — In unmittelbarer Nähe von einem Kriegsschauplatz
Die britische Schwerindustrie, an ihrer Spitze die Munitionskönige Vidcers und Armstrong, errichten in China und der südlichen Mandschurei grosse Fabrikanlagen. Das vorläufige Kapital beträgt eine halbe Milliarde Mark. Wir erhalten dazu von einem gelegentlichen Mitarbeiter aus dem Fernen Osten den folgenden Bericht:
Schanghai, Chinesenstadt, in einem Viertel, das von den Schrecknissen der japanischen Bombenangriffe und der Tanks fast völlig verschont geblieben ist. Keine zerstörten Häuser, kein Trümmerfeld nach den Verheerungen der Brandminen . . .
Einst Baumwolle — heute Granaten
Ich stehe vor einem großen, schwarzen Fabriksgebäude, das stark ramponiert, wie von einem Schadenfeuer mitgenommen aus- sieht. Ein Blick durch die Toreinfahrt belehrt einen darüber, daß die Hallen drinnen leer stehen. Trotzdem herrscht im Fabriks- Hof lebhaftestes Getriebe; von großen Lastautos werden.Kisten, mit Jute und öligen Lappen verhüllte Maschinenbestandteile abgeladen.
Ich wende mich an den Eurkha-Poli- zisten, der am Tor Wache hält. „Stammt das vom letzten Krieg, daß die Fabrik aus- gebrannt ist?" Der schwarzbärtige Inder zeigt lächelnd seine blanken Zähne: „No, Sir, das ist länger her. Brandlegung — zur Zeit des Boykotts gegen die fremden Waren. Die Fabrik hier war — Cotton."
Eine englische Textisfabrik, die im Jahre 1926 dem chinesischen Nationalismus zum Opfer fiel. „Und was wird jetzt daraus?" frage ich.
Der Gurkha antwortet mit der gleichen heiteren Ruhe: „Munition. Maschinengewehre. Bomben. Granaten. — Für den nächsten Krieg hier. . .“
18. Ginnten Arbeit — 40 Pfg. Lohn
von und noch weniger beträgt — so billige Menschenkraft gibt es auf der ganzen Welt nicht wieder.
Das warnende Schicksal der „Georges Philippar"
Und die Geschichte dieses französischen Personendampfers, der allen Ableugnungen zum Trotz anscheinend doch einen großen Munitionstransport besorgen sollte und der bei sorgfältigster Bewachung doch nicht sein Ziel erreichte? Der Brand und Untergang dieses größten und modernsten Schiffes der französischen Handelsflotte sprach für die Munitionsfabrikanten deutlich genug und befürwortete den Fabrikationsplan an Ort und Stelle.
Neue Zeniren der Kriegsindustrie
^sÄSjxaerijdje Verwicklungen in China Mosrpoffener Krieg ip der Mandschurei oder in Ostsibirien — auf jeden Fall hat die moderne Industrie ihre Vorbereitungen getroffen. Die größte Verlockung zum Aufbau einer Munitions- und Geschützerzeugung „an Ort und Stelle" waren die konkurrenzlos billigen Arbeitslöhne. Ein Taglohn für 15=, ja 18stündige Arbeit, der höchstens 40 Pfennig, oft nur die Hälfte da-
um eine mit säubern.
In und um Schanghai, in der englischen Konzession Weiheiwei, in Tientsin, dem ja-
50 bis 40 Pfennig beträgt der Tagesverdienst chinesischer Arbeiter bei 14 ständiger Arbeitszeit
Gas gibt es keinen Schutz. Es dringt nicht nur durch die Atmungsorgane ein, sondern durch die Kleidung direkt auf die Haut. „Es tötet sogar den Bohrwurm im meterdicken Eichbaum", so rühmte sich Lewisit. Ein Gummipanzer, mehrere Zentimeter dick, der kein noch so kleines Hautpartikelchen freiläßt, wäre einzig vielleicht Schutz gegen dieses Gas.
Zwölf Fliegerbomben sollen ausreichen, mittels Lewisit eine moderne Millionenstadt mit Mann und Maus zu vernichten. Eine „optimistische" Uebertreibung der stolzen Erfinder. Immerhin würden einige Flugzeug- geschwader notwendig sein . . .
Das Lewisit ist im übrigen keine amerikanische Erfindung, sondern eine Flüssigkeit vom Gelbkreuztyp, nicht viel wirksamer als Dichlordiachylsulfit und Deutschland schon vor dem Kriege bekannt. Ein Verspritzen von Chlorlauge wäre ein Mittel,
Gelbkreuz verseuchte Stadt zu J. Meh ring.
Bomben
39 Zenf er schwer
Die andern Waffen
Frankreich sieht die besten Möglichkeiten in einem Krieg der Zukunft für die Luftgeschwader voraus. Dem Flugzeug steht heute
die Brandbombe
zur Verfügung. Sie ist seit dem Weltkrieg außerordentlich „verbessert", im wesentlichen mit Magnesium gefüllt und entfaltet eine Hitze von 2000 bis 3000 Grad! Löschungsversuche sind so gut wie ergebnislos. Ein Kilogramm dieser Bombe durchschlägt jedes Hausdach. Wenn von 100 Flugzeugen nur fünf über eine Großstadt gelangest und von ihren 5000 Bomben nur 600 bis 700 ihr Ziel erreichen, so ist damit die Stadt schon eingeäschert.
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panischen Dairen und der mandschurischen Hauptstadt Mulden entstehen die neuen Anlagen, die für das Pulverfaß Ferner Osten den modernen, hochwertigen, in großen Mengen hergestellten Zündstoff liefern sollen.
450 000 Mark kostet die Herstellung eines Stückes schwerer Artillerie! ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■»■■■■■eHeeeeseHeiieneeeeeNeeseeeeeeeeseeeeeesseeeeeeeeee
Und die 50 000 Granaten mit Höchst- brisanzwirkung, die man in einem Betrieb bei Weiheiwei mit einer Belegschaft von 200 Kulis schon heute herstellen kann, kosten nicht mehr etwa 30 Mark das Stück, sondern — wegen der billigen Löhne, des Fehlens von Sozial- und Krankenversicherung — nur mehr 60 Prozent des früheren Betrags. Mit der weiteren Steigerung der Erzeugung werden sich die Kosten auch noch stärker herabdrücken lassen. Selbst ein Stück schwersten Geschützes, bisher mit einem Kostenaufwand von 450 000 Mark zu erbauen, stellt sich unter diesen Umständen schon wesentlich billiger . . .
Das Töten eines Soldaten
kostet 20000 Mark
Auch dieser, von Fachleuten und Statistikern ausgestellte Preis wird sich wesentlich verbilligen, wenn erst hier im Osten Millionen Stück Geschützmunition pro Tag, Tausende von Haubitzen und Mörsern, Zehntausende von Maschinengewehren, Schnellfeuerkanonen, Fliegerabwehrgeschützen, von Bomben- und Flammenwerfern hergestellt werden . . .
. , Das alles in einer Zeit, die von Abrüstungskonferenzen, Bemühungen zu internationaler Vermittlung und Zusammenarbeit und von pazifistischen Phrasen wieder- hallt!
Die Sprengbombe
hat heute in ihrer vollendeten Form ein Gewicht von 1000 Kilo und eine Durchschlagskraft von 18 Meter Tiefe. Nur ein Erdwall von 24 Meter Höhe also könnte ihr Widerstand leisten. Vier Meter dicke Betondecken werden von der Sprengbombe glatt durchschlagen. Selbst die kleine Sprengbombe von 500 Kilo dringt bis 13 Meter tief in die Erde ein.
Die Tauchbombe,
die neueste amerikanische Erfindung, hat ein Gewicht von 39 Zentnern. Fast die Hälfte davon entfällt auf die Sprengladung. Sie ist für den Kampf zwischen Flugzeug und Groß-Kampfschiff bestimmt. Ein Treffer dieser ungeheuren Bomben wird selbst die modernsten, dreifach vorgedichteten Schiffswände glatt durchschlagen.
Was ist eigentlich
KLOP UND LEWISIT?
Blick in eine Giftgas-Fabrik
trockenen Lande", die Deutschen kurzweg „Klop", zweckmäßige Abkürzung von Chlorpikringas.
Leicht herzustellen ... In großen, offenen Fässern wird rötlich braunes Pulver zum Botitch gerollt. Mit größter Vorsicht handhaben Arbeiter die Schaufel, um das
„Man braucht nur Pikrinsäure mit Chlorkalk im lebhaften Wasserstrom zu behandeln, dann geht sie in Chlorpikrin über. Chlorpikrin wurde im letzten Kriege in sehr großen Mengen zu Großkampfzwecken verbraucht und hat neben seinen starken Wir- m ..., - ,.^-„ . .
kungen den großen Vorteil, daß es sich leicht tn den Bottich zu füllen, tnbes
andere ununterbrochen das Faß mit Wasser bespritzen. Das Pulver ist die Pikramin«
herstellen läßt . . :
Universitätsprofessor Dr. I. Meyer.
Die Franzosen nannten es
,Tau des
säure. Winzige Teile davon, Rückstände in
Die Franzosen nannten es „Tau des Holzfugen, können bei Druck oder Stoß eine Todes", die Engländer „Vrtrinken auf dem erhebliche Explosion hervorrufen
Zur Pikraminsäure fließt im Bottich Salzsäure und Nitrit. Nach einiger Zeit ist ein dicker, brauner Brei entstanden, der langsam pulverisiert. Zur Bearbeitung werden nur Holzinstrumente gebraucht. Die Arbeiter tragen Schutzschirme vor den Augen, starke Bandagen um die Hände. Erst als neutrale Stoff hinzugefügt werden, ist die äußerste Gefahr gemildert. . . Auch dann ist die Mischung noch kein Kinderspielzeug. Noch immer hochexplosiv, gehört sie zu den, schwersten Giften der Welt, wenn sie sich in das Gas Chlorpikrin verwandelt.
Das Gas Chlorpikrin tötet. Es ist kein Feind der leblosen Dinge, es hat es nur auf das Lebendige abgesehen. Der Mensch, der geringe Mengen davon einatmet, stirbt. „Er
Die Tanks
laufen in Form von Kampfwagen heute schon 25 bis 30 Kilometer in der Stunde. Die modernsten Typen sind als Wasser- und Landmaschinen eingerichtet. Manche haben Raupenketten aus Eummigliedern — die Mammutmaschinen sind also vollkommen geräuschlos! Der moderne Tank nimmt ohne wesentliche Geschwindigkeitseinbuße Steigungen bis zu 40 Grad, dem schweren und mittleren Tank widersteht selbst alter Hochwald nicht! Er kann Tagesmarschleistungen von 200 Kilometern vollführen mit einer einzigen Betriebsstoffüllung. Sie sind als Querfeldein-Maschinen bisher unerreicht!
Trotz offizieller Abrüstungsreden und -Projekte ist mehr oder minder heimlich die ganze Welt mit Rüstungen beschäftigt. Gleichlaufend mit der Vervollkommnung der Angriffswaffen wird an den Abwehrmaßnahmen und Maschinen gearbeitet. Es scheint, daß der Friedensidee, dem Vermächtnis von Millionen von Toten aus dem mordenden Weltkrieg, kein grundlegender Sieg be> schieden ist.