Bunter Wochenspiegel.
Ein Nachwort zum Skkarck-Skandal. — Die Volksmeinung.
— Die Kehrseite. — Das reinigende Gewitter. — Leichte
Kost. — Der Mann mit den 1000 Schwiegermüttern.
Halali. — Die Jagd ist aus, die Jagd nach den Sklareks und ihren Anhang, und der Skandal, derZetzt seine Sühne gefunden hat, ist nicht nur ein Berliner Skandal gewesen, sondern er war ein deutscher Skandal. Wer nur irgendwie mit dem Ausland in Verbindung steht, der weiß, welch einen vertrauenerschütternden Eindruck gerade dieser Prozeß gemacht hat, der die Stadtverwaltung Berlins in einer beispiellosen Korruption enthüllte. Das Gericht hat gesprochen, und nun dürfen wir sprechen, dürfen einmal rücksichtslos Stellung nehmen, denn es sind gar viele, denen die vier Jahre Zuchrhaus für die Brüder Sklarek noch zu wenig sind, die solche Schiebernaturen am liebsten an den nächsten Baum geknüpft sehen würden, aber bei sachlichster Prüfung des Prozeßergebnisses steht der Laie dem Unterschied des Strafmaßes zwischen den Sklareks und den Siadtbankdirektoren ziemlich verständnislos gegenüber, denn erst die durch Kieburg eingeleitete Korruption der Stadtverwaltung hat den Boden für die Saat und schimpfliche Ernte der Sklareks vorbereitet.
Das Volk sieht die Herren Stadtbankdirektoren große Gehälter einstreichen, das Volk sieht, wie jeder* Briefträger, der einen Einschreibebrief unterschlägt, mit Zuchthaus bestraft wird, und versteht nicht, wieso" diese Herren, die sich sehr oft der Fragwürdigkeit ihrer Handlungen bewußt waren, verhältnismäßig gut davonkommen. Hohe Gehälter verpflichten, verpflichten zu doppelter Verantwortlichkeit. Nur dadurch haben sie Sinn, weil sie die Menschen, die über Riesensummen zu entscheiden haben, von jeder Versuchung befreien sollten. Ein Mißbrauch dieser Verantwortlichkeit rechtfertigt aber auch den Sturz solcher Leute ins tiefste Elend, weil hier das Einzelschicksal gegenüber dem Allgemeinwohl absolut zurücktreten muß.
Wenn überhaupt irgendwo, dann ist in solchen Fällen spartanische Zucht am ehesten angebracht. Die Steuerlasten kommen bald der mittelalterlichen Fron gleich. Unbescholtene Bauern verlieren wegen Ueberschuldung Hof und schölle und gehen vielleicht ins gleiche Elend wie ein schuldiger Verbrecher. Warum sollen die Herren, die auf dem Jagdschloß der Sklareks in Waren oder in Berliner Luxuslokalen ihnen anvertrautes Gut sorglos verprassen halfen, nicht hinter Zuchthausmauern die Kehrseite ihres Tuns kennenlernen? Der ehrliche Arme kann vergeblich um ein paar Mark betteln und winseln, indes der großsprecherische Lump mit einem bestechlichen Anhang in Saus und Braus lebt_ 8% Monate dauerte die Hauptverhandlung mit ihren 124 Sitzungen, gewiß, kein Vergnügen für die Angeklagten, obwohl gar mancher Tag im Ton und in der Art der Verhandlung bei den Angeklagten keine Reue spüren ließ. Nach dem Urteil, nach dem Ende mit Schrecken kann jeder heulen. Laßt sie heulen, denn Ströme von Tränen unschuldiger Not und Elends fließen in Deutschland unge- sehen,^ungestört. So wollen auch wir die Akten über den Fall Sklarek schließen, hoffend, daß auch dieser Prozeß mit zu den reinigenden Gewittern gehörte, die eine Atmosphäre schaffen, in der auch der ehrbare Kaufmann gesunden Lebensramn sind-Lahne Sorge, vonWenr^ZWenM übertrumpft zu werden. Die Erscheinung der Sklareks war eines der schlimmsten Zeichen der Zeit, einer Zeit, die restlos überwunden werden muß in allen Teilen des Reiches:
denn was in der Reichshauptstadt in Riesenausmaßen geschah, fand auch im Reich seine Miniaturausgaben, und darum ist der Skandal der Reichshauptstadt und seine Sühne zugleich auch eine Angelegenheit, die jedem Deutschen interessieren müßte.
Wir wollen uns jedoch in unserer Wochenbetrachtung weit, weit von diesen Dingen entfernen, die uns wie sRnkige Luft erscheinen, und zur Erholung leichte Kost genießen. Was sagt der Leser z. B. zu einem Mann mit 10 0 0 Schwiegermüttern? Es handelt sich dieses Mal wirklich nicht um einen Heiratsschwindler größten Formats, sondern um einen ehrbaren französischen Schauspieler, der anläßlich seines 25jährigen Bühnenjubiläums eine kleine Privatstatistik herausgab, die faxende bemerkenswerten Angaben enthielt: Der Schauspieler hat während seiner bisherigen Bühnenlaufbahn genau 2318 Liebeserklärungen abgegeben und damit erreicht, daß ihm 1925 junge, schöne Damen ewige Treue geschworen haben. Wie ewig diese Treue war, geht allein daraus hervor, daß über 50 Prozent, nämlich 980 grauen, sich wieder scheiden ließen. Die Zahl der Bühnenküsse ist mit 12 500 Küssen gering, wenn man dabei bedenkt, daß im Durchschnitt auf jede Braut nur knapp 5% Küsse kommen, während die aus den Bühnenehen heroor- gegangenen Mitgiften in einer Gesamthöhe von 50 Millio- nenf Francs den Kummer mit 1000 Bühnenschwiegermüt- tern leicht vergessen lassen. Eines aber scheint uns bei dieser Statistik festzustehen, daß gegenüber dem wirklichen Leben die Bühne bestimmt lügt, deckn bei den heutigen Zeiten — wer wagt da zu widersprechen — sind 50 Millionen Küsse bei einer Gesamtmitgift von 12 500 Francs weit eher denkbar. Jörg.
Börse und Handel
Berlin, den 30. Juni 1932.
Neue Aktien-Erholung
Die heutige Börse stand im Zeichen weiterer Deckungen der Spekulation, dagegen hielt sich das Publikum vom Geschäft fern. Die zuversichtliche Tendenz wurde beeinflußt durch eine günstigere Beurteilung der Aussichten in Lausanne, eine feste New Wörter Börse und die Senkung des englischen Diskontsatzes von 2,5 auf 2 Prozent. Am Montanmarkt betrugen die Kursgewinne etwa 1 Prozent, nur Gel- senkirchen gaben auf 30% (32%) nach. Rheinische Braunkohlen erholten sich nach anfangs 165 (166%) wieder. Farben wurden am Schluß mit 87% gehandelt. Kaliwerte lagen fester, ebenso Elektrowerte. Dessauer Gas gewannen 2 Punkte. Schiffahrtswerte waren sehr befestigt. Reichsbahnvorzugsaktien lagen weiter fest, wohl im Zusammenhang mit der Kuponhonorierung.. Von Renten konnten Berliner Hypothekenbank, Mitteldeutsche Bodenkredit und Foncier Pfandbriefe zum großen Teil unverändert notiert werden. Auch die übrigen behaupteten sich. Landschaftliche Pfandbriefe gewannen %. Alt- und Neubesitz wurden höher bezahlt.
Am Geldmarkt versteifte sich Tagesgeld auf 6. Der Privatdiskont war mit 4% in der Mitte notiert. In internationalen Devisenverkehr lag die Mark weiter fest.
Dollar: 4,209 (Geld), 4,217 (Brief), engl. Pfund: 15,16 15,20, holl. Gulden: 170,23 170,57, Belga (Belgien): 58,54 58,66, itaL Lira: 21,44 21,48, dän. Krone: 82,62 82,78, norw.
Thrones
12,465 12,485, schweiz. Franken: 81,92 82,08, span. Peseta: 34,67 34,73, schweb. Krone: 77,82 77,98, österr. Schilling: 51,95 52,05.
— Produkkenmarkt. Die Beruhigung im Berliner ®e< treidegeschäft macht in Anbetracht des weiterhin günstigen Wetters weiter Fortschritte. Das uffertenmaterial auf Herbst- lieferuno hat deshalb einen neuerlichen Anstieg erfahren, die Forderungen sind aber nicht zu erzielen. Noch seltener finden die Promptangebote Unterkommen. Auch Roggen wurde schwächer. Roggenmehle sind im Preise gehalten. Gerste still. Hafer ruhig. Promptkurse sind etwa unverändert, Lieferung war nachgebend.
Warenmarkt.
Mittagsbörse. (Amtlich.) Getreide und Oelsaaten per 1000 j Kilo, sonst per 100 Kilo in Reichsmark ab Station: Weizen : Märk. 247-249 (am 29.6.: 249-251). Roggen Mark. 189-191 1 (189—191). Futter- und Industriegerste 162—172 (162—172), Hafer Mark. 157-161 (157-161). Weizenmehl 30,50-34,50 (30,50-34,40). Roggenmehl 25,70-27,60 (25,70-27,60). Weizenkleie 10—10,50 (9,90—10,50). Roggenkleie 10—10,50 (10 bis 10,50). Biktoriaerbsen 17—23 (17—23). Kleine Speise- erbsen 21—24 (21—24). Futtererbsen 15—19 (15—19). Peluschken 16—18 (16—18). Äckerbohnen 15—17 (15—17). Wicken 16-18 (16-18). Lupinen blaue 10-11 (10-11), gelbe (14,50 bis 16 (14,50-16). Leinkuchen 10,30-10,60 (10,30-10,60). Erdnußkuchen 50 Prozent ab Hamburg 10,60 (10,60). Erdnuß- । kuchenmehl ab Hamburg 11 (11). Trockenschnitzel 8,70 (8,70). I Sojabohnenschrot 10,20-11,20 (10,20-11,20).
Magerviehhof Berlin-Friedrichsfelde.
(Amtlicher Bericht vom 3 0. Juni.) Auftrieb: 376 Rinder (darunter 335 Milchkühe, 2 Bullen. 39 Stuck Jungvieh) unb-457 Kälber.
Es wurden je nach Qualität gezahlt für das Stück: Milchkühe und hochtragende Kühe: 180—290 Mark. Tragende Färsen: 160—250 Mark.
Jungvieh zur Mast: Bullen, Stiere und Färsen 18—20 Mark für einen Zentner Lebendgewicht.
I , Marktverlauf: Sehr ruhig, Preise gedrückt. Ausae- , suchte Posten über Not/:.
Pferdemarkt:
__ Auftrieb: 327 Stück. Preise je nach Qualität 150—190 Mark. Schlachtpferde 20—150 Mark.
Marktverkauf: Ruhig.
Am 4. Juli findet auf dem Magerviehhof eine Zuchtviehversteigerung der Brandenburgischen Rindvieh- und Schweinezüchterverbände statt.
Bon den Boxweltmeisterschasten sind jetzt die ersten Origi- nalbilder eingetroffen. „Schade, daß ich verloren habe!" sagte Max Schmeling lächelnd, als er mit seinem Trainer
Max Machon (rechts) geschlagen den Ring ner*U6^- g
Fortsetzung 17)
Emma, das Hausmädchen, meldete sich .Deutlich hörte Äranka, die atemlos lauschte, die Worte:
„Ja, Herr Köhler, ich werde Fräulein Balke sofort holen.
Die junge Frau sank enttäuscht zurück. Käte wollte er sprechen, nicht sie!
„ Und , nun draußen am Apparat die verhaßte Stimme des Mädchens: „Ja, Michael. Es geht ziemlich unverändert. ^Das Fieber ist noch gestiegen. Neununddreißig Grad ^a, es ist furchtbar. Wir können nichts tun, sagt der^Arzt, wir muffen Geduld haben. Aus Wiedersehen!" sie hängte den Hörer ein, ohne nach Aranka zu rufen. So hatte Michael gar nicht nach ihr gefragt. Seine Gedanken waren nur aus das Kind gerichtet, an seine Frau dachte er nicht. Zum erstenmal zog etwas wie Haß aus
Arankas Herz. Sie erschrak. Nicht so, nicht io. Die arme kleine Rita, die so sehr leiden mußte durch ihre Schuld leiden, wollte und mußte sie lieben.
Sie versuchte rPoch ein wenig zu schlafen. Wozu sollte sie aufstehen? Für wen sich ankleiden? Was mit den langen stunden, bis Michael nach Hause kam, beginnen? Sie fiel in einen unruhigen Halhjchlummer. Verträumte den ganzen Vormittag im Bett. Fühlte sich unglücklich. Lallte nichts sehen und hören von alledem, was im Hause vorging.
Dann stand Marinka wieder vor ihr. „Mein Täubchen mug ausstehen Der Herr hat sagen lassen, er käme zum Mittageffen nach Hause. Er will Rita sehen."
Also Ritas wegen kam er heim. Nicht ihretwegen. Jetzt plötzlich konnte er Tischzeit machen, was bisher unmöglich schien Nun, wo ihn Angst und Sorge um das Kind trieben. Diese Gefühle also waren mächtiger in ihm als die Liebe zu ihr . . .
Sie erhob sich, ließ sich ankleiden. Blieb stumm und müde. Stand dann in Unruhe am Fenster und wartete aus ihren Mann. In Ritas Krankenzimmer traute sie sich nicht hinein. Die beiden Frauen wachten dort bei dem Kinde. Sie wollte der alten Frau Giese heute nicht begegnen.
Jetzt sah sie Michaels hohe Gestalt. Er bog schnell in die Straße ein, blickte zu den Fenstern seines Hauses empor Aranka trat zurück, er sollte sie hier nicht sehen.
Nun stand sie mitten im Zimmer und lauschte aus seinen Schritt. Er kam die Treppe heraus. Aber er kam nicht sogleich in ihr Zimmer wie sonst, er ging in Ritas Stube
Die junge Frau sank in tiefer Enttäuschung in einen Sessel. Plötzlich war das Kind seinem Herzen am nächsten Plötzlich verdrängte die Sorge um Rita alle anderen Gefühle in seiner Brust. Wieder waren ihr die Tränen nahe.
Vielleicht war Rita ihm immer am nächsten gewesen, und nur sie in ihrer Verliebtheit hatte es nicht bemerkt?
Sie war so in ihre traurigen Gedanken versunken, daß sie seinen Eintritt überhörte. Da weckte sie seine zärtliche Stimme:
„Aranka!"
Sie sah aus und in seine bleichen, sorgenvollen Mienen Er tat ihr leid. Und ihn erschreckte es, ihre verweinten Augen, ihr kummervolles Gesichtchen zu sehen. Mit ausgebreiteten Armen trat er auf sie zu.
„Wir wollen recht gut zueinander sein, mein Liebling, jetzt, wo wir Sorgen haben um unser Kind, und nicht böse und zornig wie heute morgen, nicht wahr?"
„Du warst böse zu mir!" sagte sie und schmiegte den dunklen Kops an seine Brust.
„Und habe es nachher sehr bereut. Liebling, trag es mir nicht nach Ich bin so in Sorge um Rita, ich klage mich furchtbar an.“
„Dich?" fragte sie erstaunt. „Nicht mich?"
„Du bist ja selbst beinahe noch ein Kind. Ich trage doch die Verantwortung für euch beide. Ich habe allein die Schuld. Ich habe dir eben nicht eindringlich genug gesagt, wie behutsam Rita behandelt werden muß. Du konntest es so nicht wissen. Du hast Gutes gewollt, und daß Böses daraus entstanden ist, ist nicht dein Verbrechen. Ich aber war zu gedankenlos, zu leichtsinnig in meinem großen Glück mit dir."
Sie war sehr beschämt. „Dich trifft doch gar keine Schuld, Michael."
„Doch, doch", jagte er schnell. „Das kannst du nicht so begreifen. Wir wollen auch davon nicht sprechen. Das ist nun alles gleich. Die Hauptsache ist, daß Rita wieder gesund wird."
„Wie geht es ihr?" fragte Aranka zaghaft.
„Unverändert. Sie hat hohes Fieber. Der Arzt befürchtet eine Lungenentzündung."
„Das ist ja entsetzlich, Michael."
„Ja, es ist furchtbar. Aber wir wollen nun nicht immer davon reden. Wir wollen uns die wenigen Minuten unseres Beisammenseins nicht ganz verderben. Komm es ist angerichtet, wir wollen essen, ich habe nicht lange Zeit.
Er führte sie hinunter. Sagte, daß er jetzt immer wieder zum Essen kommen werde, denn die Ferien seines Schwiegervaters, die er in seinem Hause verlebt hatte
A?"^' »Es ist mir sehr lieb, daß kch dann mittags nach Rita sehen kann", meinte er.
Das Kind, nur das Kind, dachte Aranka. Aber sie schwieg.
Sie waren allein bei der Mahlzeit. Aber sie berührten beide die Speisen kaum. Jeder bat den anderen, zu essen. Aber beiden saß die Angst in der Kehle.
„Bist du schon bei Rita gewesen, Aranka?"
«Ich traute mich nicht", gestand sie. „Ich mochte unter keinen Umständen deiner Schwiegermutter begegnen
„Sie ist jetzt selbst zum Essen hinübergegangen. Käte
weigert sich, das Krankenzimmer zu verlassen. Sie ist aufopfernd."
„Aber sie posiert auch", sagte die junge Frau erbittert. „Immer und immer will sie von dir bewundert werden. Immer dich zu Dankbarkeit verpflichten. Natürlich könnte sie sehr gut zum Speisen hinunterkommen, und ich würde so lange bei Rita bleiben."
„Sie sagt, sie wolle Rita nicht allein lassen, damit auch nicht der geringste Fehler gemacht werden könnte."
„Das richtet sich gegen mich, Michael! O diese gräßliche Person!"
„Sei nicht ungerecht, Liebling. Was wären wir in einem solchen Krankheitsfall ohne Käte? Ich bin froh, daß ich sie habe!"
„Es gibt genug gute Krankenpflegerinnen, Michael. Die könnte man nehmen."
„Die sind mit Kätes Aufopferung, mit Kätes Liebe für Rita doch nicht zu vergleichen. Wie kannst du nur so sprechen, Aranka, ich verstehe dich nicht." Er war verstimmt, und auch sie war es. „Wieder um das Kind", dachte sie. „Marinka hat doch recht!"
„Willst du mit mir zu Rita kommen, Aranka? Meine Schwiegermutter ist jetzt nicht da. Ich kann nicht mehr essen." Er legte nervös die Serviette zur Seite und stand aus.
„Ja, ich komme mit dir."
Arankas Herz klopfte in rasenden Schlägen, als sie sich über das Bett des Kindes beugte, das mit vom Fieber hochroten Bäckchen und unnatürlich glänzenden Augen unruhig dalag.
„Ritachen!" sagte sie zärtlich, überwältigt von Mitleid und Selbstanklagen, als sie die Kleine in diesem traurigen Zustand erblickte.
Aber Rita erwiderte Wort und Lächeln nicht. Sie drehte sich nach der Wand um. Erschrocken sah Aranka aus ihren Mann. Auch Michael war erstaunt.
„Rita, willst du die liebe Mama nicht sehen?"
„Sie ist nicht lieb, ich bin krank geworden durch sie!" „Rita!" rief er in strengem, erschrockenem Ton. „Was sind das für Reden? Sofort gibst du der Mama freundlich die Hand und bittest sie um Verzeihung."
Rita brach in Tränen aus. Käte Balke jagte schnell:
„Du darfst das Kind nicht aufregen, Michael. Du darfst nicht in solchem Ton mit ihr sprechen. Bedeute ihr Fieber, ihren Zustand! Jede Aufregung muß streng vermieden werden, sagt der Arzt. Es ist höchste Gefahr." Und mit energischen Bewegungen, förmlich schützend, stellte sie sich vor das Krankenbett.
„Rita soll möglichst wenig Menschen sehen, Michael, das hat Doktor Kühl immer wieder gesagt. Wenn Taut» und ich sie pflegen und du dann noch an ihr Bett kommst, 1° >lt das überreichlich genug."
„Selbstverständlich wird meine Frau auch kommen und nach ihr sehen."
(Fortsetzung folgt.)