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Schlüchterner Zeitung

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Nr. 76 Q. Blatt) Gamstag, den 2S. Juni 1932 84. Iahra.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 2234 b. Der Landwirt Johannes Staaf und der Steinbrucharbeiter Nikolaus Firnges beide in Kreffenbach sind als Schiedsmann bezw. Schiedömannsstellvertreter wieder« gewählt und bestätigt worden.

Schlüchtern, den 20. Juni 1932.

Der Landrat. J. V.: Duwe.

K r e i s a u s s A u ß.

Aufstellung der Gemeinderechnungen für das Rechnangsjahr 1931.

I.-Nr. 2614 K. A. Nach § 91 6er Landgemeinde-ordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 6. S. S. 301 ist die Gemeinderechnung von dem Ge­meinderechner binnen 6 Wochen nach Lchlutz des Rech- nungsjahres dem Bürgermeister einzureichen, von diesem binnen weiteren 6 Wochen der Gemeindevertretung vor- zulegen, von letzterer festzustellen und sodann während eines Zeitraumes von zwei Wochen zur Einsicht der Ge- meindeangehörigen auszulegen.

Die Unterlagen aus den Gemeinderechnungen für das abgelaufene Rechnungsjahr 1931 werden zur Aufstellung der dem Preuß. Statistischen Landesamt in Berlin ein- zureichenden Zinanzstatistik benötigt. Die Herren Bürger­meister und Gemeinderechner der Landgemeinden des Krei= [es ersuche ich daher, dafür zu syrgen, daß die Gemeinde- rechnung für das Rechnungsjahr 1931 unverzüglich aus­gestellt wird und in einer Ausfertigung ohne die Beläge alsbald hier eingeht.

Im übrigen bestimme ich, daß die durch die Gemeinde- oertretung festgestellte und ausgelegte Gemeinderechnung für das Rechnungsjahr 1931 nebst den dazu gehörigen Belegen bis zum 1. Oktober d. 3 s. hier vorzulegen ist. Eine Verlängerung dieses Termines kann nicht erfolgen.

Lchlüchtern, den 23. Juni 1932.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. J. D.: Preiß.

Stadt Schlüchtern.

Sammlung von Schuhen und Kleidungsstücke».

Bei der städtischen Armenverwaltung sprechen täglich arme Wanderer vor mit der Bitte um Gewährung von Schuhen, Strümpfen, Hemden und sonstigen Kleidungsstücken. Den berechtigten Wünschen kann wegen Mangels ausreichender Mittel nicht in jedem Falle entsprochen werden. Um den armen Menschen, die zum größten Teil die Not der Zeit auf die Landstraße treibt, einigermaßen zu helfen, haben wir >m Rathaus eine Sammelstelle für abgelegte aber noch einigermassen brauchbare Schuhe und Kleidungsstücke einge­richtet.

An die Einwohnerschaft ergeht hiermit die Bitte, abge« legte Schuhe und Kleidungsstücke der Sammelstelle über­reifen zu wollen. Die Erfüllung der Wohlfahrtsaufgaben der Stadt wird dadurch erleichtert.

Schlüchtern, den 18. Juni 1932. Der Magistrat: Gaenßlen.

Gtegertvalb spricht in Augsburg»

MB. Augsburg, 23. 6. (Lig. Meldung). Auf einer grossen Kundgebung der christlich-nationalen Arbeiterschaft Augsburgs sprach heute abend der frühere Reichsarbeits- minister Stegerwald. Nach einer Rechtfertigung der Politik des Kabinetts Brüning erklärte er, die Regierung Papen habe eine soziale Reform durchgeführt, die nur aus Lei- skmgskürzungen bestehe, die übrigen von der alten Regic- rung in Aussicht genommenen Reformen aber versuchen lassen. Seine, Stegerwalds, Idee sei es gewesen, die 5ozial- °rrsich«rung zur Selbstverwaltung überzuführen, da sie jetzt M stark bürokratisiert und mechanisiert sei. Es müsse eine grundlegende Reform der öffentlichen Verwaltung und der Sozialversicherung kommen.

Der Redner kam dann auf die Ostsiedlung zu sprechen. Wir seien im Westen ein Volk ohne Raum und hätten im ^sten einen Raum ohne Volk. Vier- bis fünfhunderttausend Arbeitskräfte, die im Westen überflüssig feien, sollten nach fern Osten gebracht werden und dort eine neue Existenz er­holten. Dies bedeute praktisch, daß die Dstsiedlnngspolitik Me gesunde Agrarpolitik in die Wege geleitet hätte um daß lc leider immer noch vorhandenen Gegensätze ZWische» ~ n- Mtrie und Arbeiterschaft ausgeglichen worden wären.

Das Kabinett v. Papen sei das erste, in dem Kern rlli- Erster vertreten sei, der die Denkweise der unteren MiMo- °n«n Schichten zum Ausdruck bringe. §ür den Wahlkampf Ibisse die Parole sein: gegen Reaktion unb, ^ustenherr- i^aft - für einen sozialen Volksstaat und eine dnüllich- "ationale Volksordnung. , , ,

.Die Ausführungen Stegerwalds wurden mehrfach von iurnüfchem Beifall unterbrochen. Die Kundgebung verlief W jede Störung.

Hovoers neue Botschaft

Kompromiflversuche am Genfer Gee

Der Vorstoß in der Abrüslungsfrage.

Lausanne, 24. Juni.

Rund vier Monate verhandelt man nun bereits in Genf über die Abrüstung. Die größte internationale Konferenz, die jemals auf der Welt zustande gekommen ist, berät und berät, aber noch ist nichts herausgekommen, das irgendwie die Abrüstung der Mächte im ganzen entscheidend vorange­bracht hätte. Man hat sich zwar dazu bequemt, den deutschen Standpunkt der Gleichberechtigung nach der grundsätzlichen Seite hin anzuerkennen, aber diese Frage ist, was die Ab­rüstungskonferenz in ihrer Gesamtheit anlangt, ja für die internationale Abrüstung nicht entscheidend.

Jetzt hat hoover den Stier bei den Hörnern ergriffen und einen Vorschlag gemacht, von dem selbst die Franzosen sagen müssen, daß er in seiner Einfachheit überzeugend wirkt. Dieses Argument wird allerdings von den Franzofen auch gleich wieder in das Gegenteil verkehrt, indem nämlich gesagt wird, daß gerade die Einfachheit des Vorschlages bei einer so komplizierten Materie, wie es die Abrüstung sei, nicht angewandt werden könne. Dieses Argument wird aber in der Weltöffentlichkeit nicht verfangen, und im Grunde wird niemand einsehen, warum nicht eine Abrüstung um ein volles Drittel vorgenommen werden kann.

Die Formulierung des amerikanischen Vorschlages ist ganz ausgezeichnet, insbesondere die Verbindung mit der Wirtschaftskrise. Wenn in zehn Jahren zehn Milliarden Dollar für die Abrüstung eingespart werden können, und sonst nutzbringende Verwendung finden, so ist das ein Schritt zur Ueberwindung der Weltkrise, der Erfolg haben muß wenn man überhaupt an die Ueberwindung der Weltkrise glaubt. Auch die weiteren Einzelheiten des amerikanischen Vorschlages, wonach die Tanks, die schweren Geschütze, die Bombenflugzeuge, die Kriegsgche imS die chemischen Kriegs- mittel ganz verboten werden sollen, werden nicht ohne Ein­druck auf die Völker der Welt bleiben.

wie auch das weitere Schicksal des Vorschlags schließ­lich sein wird, die Abrüstungskonferenz hat einen neuen Im­puls erhalten, eine neue Chance, vielleicht die letzte. Bedauer­lich bleibt, daß von französischer Seite als Argument gegen die Hoover-Botschaft nur wieder die alten Ladenhüter von dem französischen Kriegsminister Paul-Boncour hervorgeholt worden sind.

Die französischen Ausführungen sind in Genf ohne Wir­kung geblieben. 2ln dem unzureichenden Sicherheitszustand Frankreichs glaubt doch in Genf schließlich niemand mehr. Der englische Delegierte, Sir John Simon hat sich viel vor­sichtiger ausgedrückt, dabei aber zugegeben, daß zweifellos der Hooversche Vorschlag große finanzielle Erleichterungen bringen würde.

Zustimmung, selbstverständliche Zustimmung hat der Vorschlag gesunden von Deuischland, Italien. Sowjet- rußland, Japan und Spanien.

Wünschenswert wäre es gewesen, wenn in seiner Zustim­mung der deutsche Vertreter Nadolny die großen politischen Gesichtspunkte klarer in den Vordergrund gestellt hätte.

Immer klarer bildet sich eine Front auf der Konferenz aller Mächte gegenüber England und Frankreich heraus. Einstweilen werden nun die Spezialberatungen wieder ein­setzen, und dabei wird es darauf ankommen, ob Frankreich nicht Möglichkeiten findet, die große Linie der Abrüstung, die jetzt nach vier Monaten wieder aufgezeigt ist, zu verwischen

Italien stimmt bedingungslos zu

Der italienische Außenminister Grand» gab zu dem hoo- ver-Vorschlag eine Erklärung ab, nach der die Kasten» che Regierung uneingeschränkt den amerikanischen Plan in allen seinen Teilen bedingungslos und vollständig anmmmt.

Grandis Rede wurde mit stürmischem Beifall ausgenom­men während die Erklärungen Simons und Paul-Boncours fühle Aufnahme fanden. Die klaren und mutigen Ausfüh­rungen des italienischen Außenministers haben in allen Kon- ferenzkreisen starken Eindruck gemacht.

Der Eindruck in Paris

Wie eine Bombe hat der Abrüstungsvorschlag Hoovers in Paris gewirkt und mit einem Schlag das Interesse an den Genfer Verhandlungen wieder aufleben lassen. Die all­gemeine Auffassung der großen Pariser Blätter ist die, daß es .sich um ein reines Wahlmanöver des amerikanischen Staatspräsidenten handle. Abgesehen von einigen Links- blättern wird der Hooversche Plan aufs schärfste abgelehnt, um so mehr, als er keine Versprechungen darüber enthalte, daß Amerika sich nach seiner Annahme zu Zugeständnissen in der Schuldenfrage bereit erklären werde. Pertinax be-

zeichnet im

Echo de Paris'

die Vorschläge als reine Wahldemagogie. Hoover stürze alles um, was in den jahrelangen Verhandlungen der Sach­verständigen aufgebaut worden fei. Seine Initiative könne daher nur als eine egoistische Anstrengung gewettet werden, einmal gegebene Versprechungen wieder zurückzuziehen.

DieJournee industrielle"

ironisiert den ganzen Plan und erklärt, diese Methoden dürf- ten die in Genf und Lausanne eingenommene Stellung Frankreichs in nichts ändern. Leon Blum ist von den Vor- ßhlägen begeistert.Mit aller Kraft", so schreibt er

impopulaire",

schreien wir den Männern, die Frankreich vertreten, zu, seid nicht länger halsstarrig! Sagt ja!" .

Geteilte Meinung in England

Die Abrüstungsvorschläge Hoovers haben in London einen starken Eindruck gemacht, der in der Presse offen zum Ausdruck kommt.

DieTimes"

sagt: Dieser eingehende und weitgehende Plan ist großzü­giger als alle andern, die in Genf von verantwortlicher Seite bisher vorgelegt worden sind. Gegenüber den ursprünglichen Vorschlägen der amerikanischen Abordnung unterscheidet er sich insofern, als das bestehende Stärkeverhältnis erhalten bleibe. Für den Hooverplan spricht sehr stark, daß durch ihn eine Verletzung des Kellogg-Paktes so gut wie unmöglich gemacht wird.

Daily Telegraph"

beurteilt den Hoover-Plan sehr günstig und erklärt, daß England ihn voll und ganz unterstützen müsse. Der Hoover- plan stimmt sehr stark mit der englischen Abrüstungspolitik überein, die zurzeit schon weitergegangen sei. So seien die englischen Streitkräfte bereits auf bloßen Polizeistand her­abgesetzt worden.

DieMorningpost"

äußert ihre Zweifel, ob eine Abrüstung Europas die Ame­rikaner zu einem Schuldenerlaß geneigter machen werde. Ob der Plan die Stärke der englische», Armee, die 210 000 Mann verrnge, berühren werde, werde davon' abhängen, welche Zugeständnisse für die englischen überseeischen Besitzungen gemacht würden. Sicherlich aber würde Frankreich davon betroffen sein.

Daily Herold"

erklärt, das Hoover-Programm sei nicht ideal, aber es sei eine brauchbare Grundlage für Verhandlungen und Maß­nahmen. Es sei eine Antwort an die Rationen, die uner­müdlich darauf beständen, daß sie ihre Rüstungen nur zur Verteidigung und nicht für Angriffszwecke auftürmten.

Warme Anerkennung in Deutschland

In maßgebenden deutschen Kreisen betont man die außrordentliche Bedeutung des neuen Abrüstungsplans des Präsidenten Hoover, der als ein erster entscheidender Schritt aufs wärmste begrüßt wird.

Man hebt besonders hervor, daß in der völlig verfah­renen und ausweglosen Lage der Abrüstungskonferenz der Vorschlag des Präsidenten Hoover eine völlig neue Lage ge­schaffen und die schwergerüsteten europäischen Großmächte jetzt in die Zwangslage gebracht habe, endlich die Verant­wortung für den weiteren Verlauf der Abrüstungskonferenz zu übernehmen. Der amerikanische Vorschlag, der inhaltlich nach deutscher Auffassung mit der italienischen Stellungnahme übereinstimmt, würde im Falle einer tatsächlichen Durchfüh­rung bereits zu der von der deutschen Regierung seit jeher geforderten weitgehenden Verminderung der Rüstungen und damit Verminderung der völlig untragbar gewordenen fi­nanziellen Lasten für die Rüstungsausgaben führen.

Die mutige Initiative des Präsidenten Hoover ist daher in deutschen Regierungskreisen mit großer Sympathie aus­genommen worden, jedoch wird ganz selbstverständlich hervor­gehoben, daß hierdurch die grundsätzliche deutsche Forderung auf Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung in keiner Weise berührt wird und die deutsche Regierung selbstver­ständlich in den weiteren Abrüstungsverhandlungen an die­ser elementaren Forderung lebenswichtiger deutscher In­teressen weiter festhält.

Belgischer Tributplan unannehmbar

Der belgische Finanzsachverständige Francgui hat einen Plan zur Regelung der Tributfrage überreicht. Francqui stellt zunächst den Mangel an Gold und Devisen in Deutsch­land fest.

Es bestehe jedoch die Möglichkeit, gewisse Guthaben in -leutschland aus ben Erträgen der städtischen Gas- und Elektrizitätswerkeü zu mobilisieren, die noch immer mit Ueberschüssen arbeiteten. Für diesen Zweck müsse eine Zen­tralstelle geschaffen werden, für die die BIZ. am geeignetsten erscheine.

Die europäischen Banken mühten zunächst der deutschen Regierung die notivendigen Gold- und Devisenbelräge zur Verfügung stellen, für die die Regierungen ihrer Länder die Bürgsä-ast übernehmen sollen. Diese Beträge könnten dann aus den Ueberschüssen der städtischen Werke abgedeckt

lverden.

Für Deutschland ist dieser Francqui-plan selbstverständ­lich untragbar. Es ist nicht anzunehmen, daß der Francqui- Plan bei den gegenwärtigen Tttbutverhandlungen eine grö­ßere Rolle spielen wird.