M Werner Zeitung
Krets-Pmisblatt * Myernemer amtlich er Kazeitzev für den Kreis Schlüchtao
Nr. 69 (1. Blatt)
Donnerstag, den g. Juni 1932
84. gahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I .°Nr. 2443. Nach der Bekanntmachung des Herrn Ministers des Innern und des Herrn Justizministers vom 18. Januar 1882 — Reg. Amtsbl. $. 72 — soll die Aufstellung der Schöffenlisten seitens der Gemeindebehörden all- ährlich bis zum 1. August und ihre Einsendung an die stressenden Amtsgerichte bis zum 1. September erfolgen. Unter Hinweis auf die Vorschriften in den §§ 31 bis 38 des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 22. März 1924 (R. ®. Bf. S. 299 ff) werden die Herren Bürgermeister des Kreises veranlaßt, die Schöffenlisten rechtzeitig sorgfältig auf- juftellen, öffentlich auszulegen und mit der vorgeschriebenen Bereinigung versehen bis zum 1. September d. 3s. an das zuständige Amtsgericht einzufenden.
In die Schöffenliste sind alle zum Schöffenamt befähigten männlichen und weiblichen Gemeindeangehörigen ein- zutragen.
Schlächtern, den 6. Juni 1932.
Der Landrat. 3. V.: Duwe.
Kreisausschutz.
Notkreuztag 1032.
höherer Anordnung gemäß soll auch in diesem Jahr im ganzen Deutschen Reich ein Rotkreuztag! abgehalten werden, dessen Ergebnis der wohlfahrts- und Samariter- | arbeit der Notkreuzvereinigungen zugute kommen soll.
Als Termin ist Sonntag, den 1 2. Juni d. 3s. be» timmt worden.
Die Vorstände des hiesigen Frauen- und Männer-Vereins und der Sanitätskolonnen haben beschlossen, mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse von einer Sonde Veranstaltung ab- zusehen, aber am Notkreuztag in allen Orten des Kreises durch Mädchen und Sanitätskolonnen-Mitglieder enre^ar^s- unb Stratzensammlung mit Slumenoerkauf vohuMffch.
An die Kreisbevölkerung, an alle Vereine, Behörden, Säulen und Beamten ergeht hiermit die Bitte, das Unter- nehmen auch in diesem Jahre zu unterstützen und ihm zu ' einem guten Erfolg zu verhelfen. Gemde in der heutigen , schweren Zeit ist es besonders notwendig, den Notkreuz- i vereinen die Mittel zur Verfügung zu stellen, die sie für ' ihr selbstloses Wirken im Dienst der Nächstenliebe benötigen.
Ichlüchtern, den 4. Juni 1932.
3 . H. des Vaterl. Frauenvereins: 3. N. des Männervereins
L. 5 a u st Vorsitzende.
vom Roten Kreuj:
Dr. Müller
Vorsitzender.
Krtrifft: Ergebnis der Schafbockst-rung am 6. und 7. Mai d. Is
I .-Nr. 2150 K. A. Bei der Schafbockkörung am 6. und 7. Mai d. 3s. konnte von den vorgeführten Schafböckm nur der Schafbock der Stadtgemeinde Schlüchtern ange- kikt werden/Die Anhörung der übrigen Vorgefühlen Schaf- böke mußte unterbleiben, da für dieselben Ab;tammungs= Nachweise nicht vorgezeigt werden konnten.
Bei dieser Gelegenheit mache ich nochmals darauf auf« merksam, daß nach den abgeänderten Bestimmungen des § 6 der Polizeiverordnung über bü Körung der Schafböckm D«m 19. Oktober 1927 (Schlücht. Ztg. Nr. 135 von 1927 und Nr. 44 von 1931) ach 1. 3ianuar ix 3s. nur noch bchafböcke mit Abstammungsnachweistn angekört werden dürfen. Bei dem Ankauf von Schafböcken muß hieraus besonders geachtet werden.
5chlüchkrn, den 2. Juni 1932.
Der Landrat. Dr. titulier.
Znsatzrrntc für Kriesbefchädtpte und Krikgs- hiuierbltebcne.
3 .=Rr. II 10990 $. Die Empfänger von Zusatzrenten sind Htimmungsgemäf) verpflichtet, jede Aenderung in den Voraussetzungen für den Bezug der Renten ber Fürsorge- Wie unverzüglich anzuzeigen. Hierzu gehören insbes ordere Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, Erhöhung desErn- xmmene (auch der Kinder), Wegfall der Waisenrente oder »lnderzulngc, Tod eines Kindes usw. Ueberhobene Zusatz- We uruß Mch den gesetzlichen Vorschriften m jebem ^ik zurückgefordert werden.
Die Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Vor- ’nünber von Waisen, die Zusatzrente beziehen, ersuche ich, Me Bestimmungen künftighin genau zu beachten, damit ^«jaljlungen und Rückforderungen an Zu.atzrente vermieden werden.
Schlächtern, den 2. Juni 1932.
Kreiswohlfahrtsamt. Dr. HUlIcr.
Reich und Preußen
von Papen fordert früheren Zusammentritt des Landtags.
Berlin, 8. Juni.
Reichskanzler von Popen hat an den Präsidenten bei. preußischen Landtags, Kerrl, ein Schreiben gerichtet, in dem eine frühere Einberufung des preußischen Landtages als ursprünglich beabsichtigt, empfohlen wird.
In dem Brief bittet der Kanzler den Präsidenten, sich Dafür einzusetzen, daß der Preußische Landtag, der nach den bisherigen Dispositionen erst am 22. Juni wieder zusammentreten sollte, früher einberufen werde. Der Reichskanzler begründet diese Bitte damit, dag zwischen dem Reich und Preußen gegenwärtig verschiedene wichtige Angelegenheiten, vor allem Finanzfragen, zu verhandeln seien, und daß er es für besser halte, wenn diese Verhandlungen auf preußischer Seite nicht von einem geschäftsführenden, sondern von einem nach verfassungsrechtlichen Grundsätzen gebildeten ordentlichen Kabinett geführt werden können.
Präsident kerrl hat unmittelbar nach Empfang des Schreibens sich mit den maßgebenden Vertretern der Fraktionen in Verbindung gesetzt.
Die ursprünglich längere Vertagung des preußischen Parlaments war auf Wunsch verschiedener Parteien mit der Begründung erfolgt, daß die Parteien Gelegenheit haben müßten, sich an dem jetzt im Gange befindlichen Wahlkampf in Hessen zu beteiligen Mit Rücksicht auf den gleichfalls einsetzenden Reichstagswahlkampf nimmt man in preußischen parlamentarischen Kreisen an, daß auch die zweite Juni- tagung des Preußenparlaments nur von kurzer Dauer sein wird.
Aettestenrat des Landtags am Freitag
Präsident Kerrl hat den Aettestenrat des preußischen Landtags aus Freitag, den 10. Juni, nachmittags 17 Uhr, einberufen. In dieser Sitzung des Aeliestenrats soll die Entscheidung über eine frühere Einberufung des preußischen Landtages getroffen werden.
Zwischen dem Reichs zier und Reichsfinanzminister Graf von Schwerin-Krosigk einerseits und dem preußischen Wohlfahrtsminister hirtsiefer bzw. dem Finanzminister Klepper auf der anderen Seite fand in der Reichskanzlei eine Besprechung statt, die der Frage des 100-Millionen- Fehlbetrages im preußischen Haushalt galt.
Das Reich hatte sich seinerzeit verpflichtet, der preußischen Regierung gegen Abtretung der preußischen Anteile an der Siedlungsbank die Mittel zur Deckung des Fehlbetrages zur Verfügung zu stellen.
Von Reichsseite wird zu dieser preußischen Darstellung erklärt: Bei der damaligen Besprechung, bei der das Reich durch den heutigen Reichsfinanzminister Graf von Schwerin- Krosigk vertreten wurde, sind keine bindenden Zusicherungen gegeben worden. Es hat sich vielmehr lediglich um eine bedingte Zusage gehandelt, da noch gewisse Bürgschaften durch Preußen geleistet werden mußten. Die Verhandiungen seien infolgedessen nie endgültig abgeschlossen worden.
Krankheitsurlaub Dr. Brauns
Ministerpräsident Dr. Braun hat in einem an den Staatsminisker Dr. hirtsiefer gerichteten Schreiben davon Mitteilung gemacht, daß er aus gesundheitlichen Gründen einen längeren Urlaub antreten müsse. Er hat Staatsminister Dr. hirtsiefer gebeten, die Präsidialgeschäfte des Ministeriums in seiner Vertretung zu führen.
Wer wird Ministerpräsident?
Landtagspräsident Kerrl hatte mit den Vertretern der Deutschnationalen und des Zentrums Besprechungen über die Lage, wie sie sich nach dem Schreiben des Reichskanzlers von Papen an den Landtagspräsidenten gegenwärtig in Preußen ergibt. Es ist anzunehmen, daß bei der Erörterung der Regierungsbildung in Preußen besonders die Frage besprochen worden ist, wer für den Posten des preußischen Ministerpräsidenten in Aussicht genommen werden könnte. Es hat den Anschein, als ob auf diesem Wege tatsächlich eine Lösung der Regierungsfrage in Preußen möglich ist.
Das Zentrum scheint unter Umständen bereit zu sein, sich auf solche Verhandlungen einzulassen. Von den Nationalsozialisten ist zwar irgendeine Stellungnahme noch nicht bekanntgeworden, doch hält man es in parlamentarischen Kreisen für möglich, daß auch sie sich einverstanden erklären werden.
Bis zu der Aeltestenratssitzung, in der ja nach Möglichkeit der Termin für die Wahl des Ministerpräsidenten festgesetzt werden soll, werden die meisten Parteien Gelegenheit haben, eine Klärung der preußischen Regierungsfrage her- beizuführen. lieber die Person des in Aussicht genommenen Kandidaten wird strengstes Stillschweigen bewahrt.
Die Finanzverhandlungen gescheitert
Die Aussprache, die der stellvertretende preußische Ministerpräsident, Wohls«chrtsminister Dr. Hirtsiefer, und Fl- nanzminister Dr. Klepper mit dem Reichskanzler von Papen und dem Reichsfinanzminister über den Ausgleich des preußischen Haushalts halten, ist, wie von preußischer Seite verlautet, insofern gescheitert, als das Räch erklärt habe, jm Augenblick nicht imstande zu sein, die von dem früheren
Reichsfinanzminister Dietrich für die preußischen Siedlungs- anteile zugesagten 100 Millionen Reichsmark zu überweisen.
Das preußische Staatsministerium trat sofort zusammen, um sich mit der entstandenen Lage zu befassen. Da die 100 Millionen Reichsmark zum Haushaltsausgleich erforderlich sind, ist infolge des Scheiterns der Verhandlungen mit dem Reich ein Fehlbetrag in dieser Höhe des preußischen Haushalts vorhanden, der durch weittragende Beschlüsse des Staatsministeriums ausgeglichen werden soll.
von Neurath über den neuen Kurs
London, 8. Juni.
In einer Unterredung mit einem Vertreter der „Times" erklärte Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath, daß das neue Kabinett, wie jedem unbefangenen Beobachter klar sein müsse, sich aus Männern mit gutem Willen und gesundem Menschenverstand zusammensetze, die meist als frühere Beamte eine erhebliche Vorbildung für ihren Ministerposten besäßen Es sei vom Präsidenten von Hindenburg zusammenberufen worden, um die vielen schwierigen Probleme zu lösen, die sich der deutschen Regierung entgegenstellten. Es werde in der Lage sein, Deutschland durch eine besonders schwierige Zeit hindurchzubringen.
Von einer Wiederherstellung der Monarchie sei keine Rede, und der Gedanke, daß Präsident hindenburg dem früheren deutschen Kronprinzen das Amt als Präsidenten übergeben werde, sei eine reine Erfindung.
Freiherr von Neurath sprach sich zuversichtlich über das vor- aussickstliche Ergebnis von Lausanne und der Abrüstungskonferenz aus, die, wie er annehme, parallel laufend mit der Lausanner Konferenz, weiter fortgesetzt würd«. Im großen und ganzen werde die Kontinuität der deutschen Politik erhalten bleiben. Er habe selbst Dr. Brüning gesehen, der sich jetzt in einem Zustand der Erschöpfung befinde, und er glaube sagen zu können, daß der frühere Kanzler feiner Uebernahme des Amtes als Außenminister zustimme.
Um die Ministerpräsidentenschaft in Preußen
_. Die—V<MDVP.—m<U4—i^#4n.—Rnsp»>,ch—«m».-----
' ———— Berlin, 8. Juni.
Der Preußische Pressedienst der NSDAP. ist von dem Abgeordneten Kube zu der Erklärung ermächtigt, daß für die Nationalsozialisten als Kandidat für den Posten des preußischen Ministerpräsidenten nur ein Nationalsozialist in Frag^komme. Die Nationalsozialisten lehnen es ab, ihre Stimme für irgendeinen anderen Kandidaten abzugeben, da sie der Auffassung sind, daß der Willensbildung des Volkes Rechnung ge- tragen werden müsse und nur die stärkste Partei, nämlich die NSDAP. den Ministerpräsidenten zu stellen habe.
Diese Erklärung richtet sich offenbar gegen die von verschiedenen Seiten in die Erörterung gezogene Kandidatur des deutschnationalen Fraktionsvorsitzenden Dr. v. W i n r e r f c l d t für den Posten des preußischen Ministerpräsidenten. Ohne zu der Person des Herrn v. Win- tcrfeldt Stellung zu nehmen, erklärt der Pressedienst der NSDAP., daß die Nationalsozialisten für keinen deutsch- nationalen Ministerpräsidenten stimmen würden.
Eine deutschnationale Gegenerklärung.
Die deutschnationale Pressestelle erklärt dazu, daß die Partei nicht auf den Posten des preußischen Ministerpräsidenten Anspruch erhebe und daß auch keine Verhandlungen stattgefunden haben,- deshalb »sei auch nicht erklärlich, weshalb die N^-DAP. — lediglich auf Zeitungsmeldungen hin — sich gegen einen deutschnationalen Ministerpräsidenten ausspreche. -
Brüning verabschiedet sich beim Reichspräsidenten
Berlin, 8. Juni.
Reichspräsiden von hindenburg empfing am Dienstag den bisherigen Reichskanzler Dr. Brüning zur Verabschiedung. Der Empfang sollte schon früher stattfin- den, hatte sich aber durch die Erkrankung Dr. Brünings bis jetzt verzögert.
Das Handwerk tut Kabinettsumbildung.
NH. Der Reichsverband des deutschen Handwerks Hat am 1. Juni nachstehendes Telegramm an den Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg gesandt: Die Absicht des Herrn Reichspräsidenten,d ie ungeheuren Schwierigkeiten derdeiut- schen Wirtschaft durch die Bildung eines Konzentraiisnr- Kabinetts zu meistern, findet volles Verständnis beim Hand- werk. Die stärkste Entfaltung aller produktiven Kräfte des Volkes und die Beseitigung aller Hemmungen, die einer Entwicklung dieser Kräfte bisher entgegenstanden, ist unbedingt notwendig. Dabei darf aber das Handwerk nicht wie bisher ausgeschaltet oder zurückgesetzt werden. Das letzte Jahrzehnt hat bewiesen, daß die ftaatspolitifdje Vernachlässigung des gewerblichen Mittelstandes zu einer schweren Erschütterung der deutschen wirtschaft geführt hat. Des« Halb fordern wir, gestützt auf die Notwendigkeit der Umbildung zum Klein- und Mittelbetrieb, daß neben Vertretern der Großwirtschaft und der Landwirtschaft auch vcr- > tretet des gewerblichen Mittelstandes an entscheidender ) Stelle im Reichskabinett Ausnahme finden.