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Achlüchtemer Zeitung

Kreis Kmtsdiatt * Mgemeinee amUicherKnzeitzev fLr ßen Kreis Schlächtern

Nr. 66 <1. Blatt)

Donnerstag, den 2. Juni 1832

84. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen.

Sandra tsa»r«

I.-Nr. 2258. Der f)err Kreismedizinalrat wird am Mitt­woch, den 8. 3uni d. 3s. von vormittags 9 Uhr ab im hiesigen Kreisläufe Sprechstunde halten. Schlächtern, den 30. Mai 1932.

Der Landrat. 3. D.: Duwe.

Nr. 2308. Der Maschine na rdeiter Lazarus Hofackec zu bad Soden ist als Schiedsmannsstellvertreter wiederge­wählt und bestätigt worden.

Schlächtern, den 27. Mai 1932.

Der Landrat. 3. D.: Duwe.

Kreisausschuß.

Kauresstauspflicht für den Milchverkauf.

I.-Nr. 2257 K. 6. Nach § 14 des Neichsmilchgesetzes vom 31. Juli 1930 (R. G. Bl. von 1930 Teil I Seite 421) bedarf derjenige, der ein Unternehmen zur Abgabe von Milch betreiben will, dazu der Erlaubnis der zuständigen behörde. Außerdem bedarf nach § 17 des Neichsmilchge- setzes der Inhaber eines landwirtschaftlichen Betriebes zur : Abgabe der darin gewonnenen Milch der Erlaubnis, wenn ' er außerhalb der landwirtschaftlichen Betriebsstätte Milch : Mmittelbar an den Verbraucher abgibt, sofern in dem ; Betriebe mehr als 8 Milchkühe gehalten werden. Dieser 1 Erlaubniszwang erstreckt sich auch auf solche Unterneh­men, die zur Seit des Inkrafttretens des Neichsmilchge- setzes (1. Januar 1932) bereits bestanden haben. Diese Unternehmen waren gemäß § 1 Abs. 2 der Verordnung über das Inkrafttreten des Neichsmilchgesetze; vom 15. Mai 1931 (Uebergangsbestimmungen) nur bis zum 1. April 1932 widerruflich zugelassen. Da bis heute nur we- -lriae Nnträge auf Erteilung der Konzession für die Abgabe odn ATiUc^sowohl geinäß §§14 uM t / des Keichsn.ikch^ gefe^es hier eingegangen sind, ersuche ich die Herren Bür= germeifter des Kreises, die in Betracht kommenden Unter­nehmen zur umgehenden Stellung der Komessionsanträge M veranlassen. Formulare für die Stellung der Anträge auf Erteilung der Konzession zur Abgabe von Milch sind im Kreisausschußbüro hierselbst erhältlich.

Die Herren Landjägereibeamten der Kreises ersuche ich, die konzessionspflichtigen Betriebe zur Abgabe von Milch gelegentlich zu kontrollieren und sich den Erlaubnisschein vorzeigen zu lassen. Soweit Unternehmer noch- nicht im besitz eines Erlaubnisscheines sind und- auch- die Erlaubnis für die Abgabe von Milch bisher noch nicht beantragt haben, ersuche ich sie zur Stellung der Anträge gleichfalls zu veranlassen.

Schlächtern, den 1. Juni 1932.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung.

Amtliche Bekanntmachungen werden fortan nicht mehr mittels Ausschellen veröffentlicht.

Als amtliche Veröffentlichung gilt lediglich die Aufnahme i» Zeitungen und die Veröffentlichung an den amtlichen bekanntmachungstaseln.

Steinau, den 31. Mai 1932.

Der Magistrat. Dr. Kraft.

Reichskanzler Dr. Brüning stattete am Dienstag dem Diplomatischen Korps seine Abschiedsbesuche ab.

Buch am Dienstag kam es wieder in Hainborn zu bammunistischen Ausschreitungen. Bei der Plünderung ei- Mr Konsumanstalt wurde ein Arbeiter durch einen Brust- Ihuß so schwer verletzt, daß er kurze Seit später starb.

~ Der amerikanische Botschafter in London ist von Präfibent Hoover angewiesen worden, dem britischen Plan, Obigst eine Meltwirtschastskonserenz einzuberusen, unter Bedingung zuzustimmen, daß sie sich nicht mit der. »riegsschulden- und Neparationsfrage beschäftigt.

- Die rumänische Regierung ist zurückgetreten. Als ®uinb wird die schwere finanzielle Lage des Landes äuge* «eben. Der König wird den Londoner rumänischen (5e= Mitten Titulescu mit der Neubildung des Kabinetts be- ^lstragen.

In Rumänien stoßen die Steuereintreibungen, besonders ^f dem flachen Lande in der Bukowina, auf immer grö» wie Schwierigkeiten. Su ernsten Zusammenstößen baut ,s in der Nähe von Ezernowitz, wo die Bauern sich mit S«nfen und Mistgabeln bewaffneten und bie Steuereintrei- fr verjagten. Sie nahmen auch gegen die Gendarmen ^'e drohende Haltung ein. Es wurden zahlreiche verhaf- Wngen vorgenommen.

Die Haltung der Parteien

Abschluß der Empfänge beim Reichspräsidenten.

Berlin, 1. Juni.

Der Reichspräsident setzte seine Empfänge der Partei- und Fraktionsführer fort. Er empfing nacheinander als Ver­treter des Zentrums Prälat Dr. Kaas und Dr. Perlitius, als Vertreter der Deutschnationalen Volkspartei Geheimrat Hugenberg und Landrat a. D. o. Winterfeld, von der Volks­partei Dingeldey und, von der Wirtschaftspartei die Ab­geordneten Drewitz und Mollath, von der Staatspartei Dr. Weber.

Augenblicklich stehen im Vordergrund der Erörterungen über den Kanzlerposten der Zentrumsabgeordnete v. P a - p e n, der Essener Oberbürgermeister Dr. Bracht und der frühere Reichswehrminister Dr. Geßler, wobei aber gerade die Verhandlungen des Reichspräsidenten noch erhebliche Veränderungen in den Absichten über die Betrauurw ein­zelner Persönlichkeiten dann bringen können, wenn das neue Kabinett nicht von vornherein den Reichstag auflösen, sondern den Versuch machen soll, mit dem jetzigen Reichs­tag zu regieren. In westlichen Kreisen nennt man auch den Führer der westfälischen Bauernvereine, Freiherrn v. L ü - n in ck, der dem Zentrum angehört, Nach wie vor wird auch Dr. Goerdeler genannt.

Es sind das alles natürlich nur Kombinationen. Die Person des neuen Kanzlers steht noch keinesfalls fest.

Die Haltung der Nationalsozialisten gegenüber dem kommenden Kabinett auf der vom Reichspräsidenten angestrebten Grundlage kann dahin gekennzeichnet werden, daß die Partei an der geplanten Neubildung uninteressiert ist

Das nationalsozialistische Ziel sind nach wie vor mög­

lichst baldige Neuwahlen im Reich.

Die Nationalsozialisten würden aber je nach dem, wie die Regierungsbildung ausfällt, das neue Kabinett unter Umständen vorläufig tolerieren.

Die Haltung des Zentrums ist nach dem Ausschei- chen .BrüningL^.ÜLr. sichan. her Neubildung des Kabinetts auf keinen Fall beteiligen wird, zwar nicht direkt ablehnend; es will feine Haltung von der Person des Kanzlers ab­hängig machen.

Die Möglichkeit von baldigen Neuwahlen rückt bei dieser Haltung der Parteien aber stärker in den Vordergrund.

Auch die Deutschnationalen dürften ihre Hal­tung von der Person des kommenden Kanzlers abhängig machen. Die kl^Mren rechtsorientierten Mittelparteien, so­weit ihre Führer bisher vom Reichspräsidenten empfangen worden sind, dürften der geplanten Neubildung lpyal gegen- überstehen.

Die Forderungen der NSDAp.

ImVölkischen Beobachter" erklärt Alfred Rosenberg, der Nationalsozialismus werde sich mit größtem Ernst auf seine große Sendung vorbereiten und ohne Kleinlichkeit die besten Kräfte heranziehen, um sie der deutschen Zukunft dienstbar zu machen. Er werde auch heute, da Brüning ge­fallen sei, diesen nicht ohne Not demütigen wollen.

Die Losung aber heiße heute mehr denn je: Alle Macht Adolf Hitler!

In der nationalsozialistischen Parteikorrespondenz schreibt Dr. Goebbels:Eine halbe Lösung kommt nicht mehr in Frage. Der Reichspräsident will auf dem üblichen parla­mentarischen Wege zu einer Neubildung des Kabinetts kom­men. Das kann nichts anderes bedeuten, als daß die na­tionale Opposition, geführt durch Adolf Hitler, und seine Bewegung, die Dinge entscheidend bestimmt. Ein Kabinett des besonderen Vertrauens hätte vorerst keine anderen Auf­gaben, als den Reichstag nach Hause zu schicken, Neuwahlen auszuschreiben, die Organisations-, Agitations- und Demon­strationsfreiheit für die nationalsozialistische Bewegung wie­der herzustellen.

Erst wenn die Notverordnungen, die eine freie Mei­nungsbildung in Deutschland bisher verhinderten, gefallen sind, wird der Wille des Volkes ungehemmt und eindeutig zum Ausdruck kommen können. Die absolute Mehrheit für Hitler und seine Partei ist unser Ziel.

*

Der Blickpunkt der Welt

Echo des Regierungswechsels in Deutschland.

Bern.

Uebereinstimmend weisen sämtliche Blätter darauf hin, daß mit einer stark nach rechts gerichteten Regierung in Deutschland für die Zukunft zu rechnen sei, und werfen hier­bei die Frage auf, welchen Einfluß der nationalsozialisti­schen Bewegung in der künftigen Regierung eingeräumt werden wird. Die Frage nack der Auflösung des Reichs­tags wird allgemein gestellt.

Moskau.

Der Sturz des Kabinetts Brüning hat in Moskau großen Eindruck gemacht. Man verfolgt die Entwicklung der innerpolitifchen Lage in Deutschland mit großem Interesse. Es wird betont, daß Deutschland vor einer Schicksalswende stehe. Das Kabinett sei von der ansteigenden nationalisti­schen Welle gestürzt worden und werde von einem Kabinett obgelöst, das aus nationalistischen Elementen bestehen werde.

v. Papen beauftragt

Berlin, 1. Juni.

Der Herr Reichspräsident hat den früheren Jen-» trumsabgeordneten b. Papen mit der Bildung des Kabi­netts der nationalen Konzentration beauftragt.

Franz v. Papen wurde am 29. Oktober 1879 in Wert in Westfalen geboren und schlug die Offizierslaufbahn ein. Nach dem Krieg nahm er seinen Abschied und wurde 1921 im Wahlkreis Westfalen-Nord in den Preußischen Landtag gewählt, wo er zum rechten Flügel des Zentrums gehörte. Von Papen ist Aufsichtsratsvorsitzender des Zen­trumsorgansGermania".

Die voraussichtliche Ministerliste.

Herr von Papen beabsichtigt die einzelnen Mini­sterien wie folgt zu besetzen:

Inneres: Freiherr von Gahl.

Aeußeres: Botschafter von Neurath.

Reichswehr: General von Schleicher:

Wirtschaft: Professor Warmbold.

Justiz: Ioel.

Finanz: Schmitt (Allianz).

Arbeit: Dr. Goerdeler.

Landwirtschaft: von Lüninck.

Post: Schätzel.

Bon Papen wird im Laufe des heutigen Tages die Herren empfangen und die Frage an sie richten, ob sie zur Uebernahme der Ministerien bereit sind. Unbesetzt ist das Verkehrsministerium. Die Aussichten für das Kabinett werden ziemlich skeptisch beurteilt. Die Haltung der Nationalsozialisten ist noch ungeklärt, man nimmt aber an, daß sie es bis zur Neuwahl tolerieren werden.

Warschau.

Die Warschauer Presse, soweit sie zum Rücktritt des Reichskabinetts schon Stellung nimmt, ist beinahe ausschließ­lich d Meinung, daß der Rücktritt nicht allein aus inner­politischen Gründen erfolgt sei, sondern daß in weit höherem Maße außenpolitische Ursachen den Rücktritt des Reichs­kanzlers veranlaßt hätten. Man neigt daher in der pol­nischen Presse allgemein der Ansicht zu, daß eine Rechts­regierung in Anmarsch sei, die vor allen Dingen in außen- politischen Dingen einen radikalen und tatkräftigen Kurs im Sinne der Nationalsozialisten einschlagen dürfte.

Budapest.

Die meisten Blätter bezeichnen den Regierungswechsel in Deutschland als Folge der für die Nationalsozialisten günstigen Volksstimmung.P e st i Napl e" stellt die Sache so dar, daß mit Brüning der Hort der bürgerlichen Stabi­lität gegangen ist. Ob der Hitlerismus hundertprozentig zur Geltung komme, fei fraglich.. Jedenfalls werde er, wenn er auch nur teilweise zur Macht gelange, die Innen- und Außenpolitik wesentlich beeinflussen.

Stockholm.

Der Rücktritt der Regierung Brünina hat in Schweden größtes Aufsehen erregt, obwohl man diese Entwicklung erwartet hatte. Sämtliche Stockholmer Zeitungen beschäf­tigen sich in ausführlichen Telegrammen ihrer Berliner Ver­treter und in Leitartikeln mit der neuen Lage, wobei sie heroorheben, daß zum ersten Male eine Regierungskrise durch mangelnde Uebereinstimmung zwischen Reichspräsident und Reichskabinett hervorgerufen ist.

London.

Der Rücktritt Brünings steht im Mittelpunkt der Lon­doner Pressebetrachtungen. Man glaubt, daß mächtigere Personen als Hitler und mächtigere Kräfte als die National­sozialisten am Werke waren, um den Fall Brünings her- beizuführen. Es fei möglich, daß nunmehr die Forderung nach einer Revision des Versailler Vertrages erhoben würde. Man könne unter den jetzigen Umständen daher kaum viel von Lausanne erwarten. Man könne sich des Eindrucks nicht erwehren, daß das Gefühl des Nationalismus, welches jetzt in Deutschland herrscht, unwillkürlich auch in den anderen Teilen Europas verstärkt werde.

New Zork.

Während dieTimes" den Rücktritt Brünings in einem langen Artikel bespricht, der sich jedes Angriffs enthält, ver- tritt die republikanische ZeitungHerold Tribune" die Auf­fassung, daß die innenpolitische Lage Deutschlands ein Kom­promiß zwischen den bisherigen Regierungsparteien und Hitler oder Hugenberg nicht zulasse. Das Blatt glaubt, daß eine Koalition der Rechtsparteien zustandekommt, der möglicherweise auch der rechte Flügel des Zentrums ange- höfFn werde. Weiterhin macht das Blatt dem Reichspräsi- denten zum Vorwurf, daß er den Ratschlägen rechtsstehen, der Elemente Gehör schenkte, und meint, die Entscheidung Hindenburgs entspreche nicht dem Willen der Mehrheit des Volkes.

Die Gemeinderäte von zwölf Moldeckischen und eini­gen oberhessischen Gemeinden haben beschlossen, Adolf Hit­ler das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.

Papst Pius XI. feierte am 31. Mai feinen 75. Ge- burtstag.