chluchtemer Zeitung
-Kmtsbtatt * Myememer amUicherKuzeLyer für ßm Kreis Schlüchtem
Sir. 63
st. Blatt)
Donnerstag, den 26. Mai 1932
84. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen. l^ndratsamt«
I z.-Nr. 2172. Auf Anordnung der Reichsregierung findet
1. Juni d. 3s. eine Schweinezählung statt, bei Lr zugleich die in den Monaten März, April und Mai 11932 geborenen Kälber gezählt werden sollen. Die Zäh- jung dient allgemeinen volkswirtschaftlichen und statistischen | Zwecken.
I Die gleichzeitig mit der Lchweinezählung durchzuführende ilialbezeirenerHebung soll feststellen, inwieweit die I Häufung der Kälbergeburten zu gewissen Zeiten Ursache Milchschwemme sein kann. Will man die durch die lUchschwemme verursachten Preisstürze bekämpfen, so ist I eine genaue Kenntnis der Verteilung des Melkwerdens der t Uhe über das Jahr nötig.
I Um auch in Betrieben ohne Zuchtbuchführung zuver- ! lässige Angaben zu erhalten, wird nach den in hen voraufgegangenen 3 Monaten geborenen Kälbern I gefragt werden. Es ist anzunechmen, daß dann jeder Land- Iwirt die Geburtsmonate feiner Kälber fehlerlos, wenn I nötig aus dem Gedächtnis, angeben kann. Dem Wesen der | Ergebung entsprechend ist es gleichgültig, ob die Kälber »noch vorhanden sind oder nicht, da wesentlich das durch I bas Kalben verursachte Knschwellen der Milchmengen in I ben einzelnen Provinzen festgestellt werden soll.
I Die näheren Anweisungen für die Durchführung der Zäh- I img enthalten die den Herren Bürgermeistern zugehenden IFormulare zu den Zählbezirkslisten T und den Gemeinde- lliften E. Mit dem Inhalt dieser Anweisungen und der IFormulare wollen die Herren Bürgermeister sich alsbald I vertraut machen und wegen der Ausführung der Fühlung |bas weitere veranlassen. Etwaiger Mehrbedarf an For- I «Tiaren ist alsbald hier anzumelden.
| Die Reinschriften der Zählbezirkslisten sollen der Rosten- Letiaaniis weaen bei fieser Zahlung Glieder weg^. I fallen. Aus diesem Grunde weise ich besonders auf die lüotwendigkeit hin, die Zählbezirkslisten sauber auszufül- und sie möglichst schonend zu behandeln. Die Gemeinde- Iliften sollen der Licherheit wegen wie bisher in 2 Stücken Ihergestellt werden.
i Die sorgfältig aufgestellten Zählbezirks- und Gemeindelisten sind vollzählig sobald wie möglich, späte st e n s jedoch bis zum 6. 3uni d. 3., im Benehmen mit dem Zuständigen Landjägereibeamten hierher einzureichen. Der für die Einsendung der Listen festgesetzte Termin darf nicht überschritten werden, da zur Zusammenstellung und Nachprüfung der Listen hier nur wenige Tage zur Verfügung lleben. Auffällige Abweichungen gegenüber der Zählung W 1. 3. 1932 sind in besonderem Berichte zu begründen.
Da bei früheren Fühlungen in einigen Fällen Tiere verheimlicht worden sind, ersuche ich die Herren Bürgermeister, die Viehbesitzer darauf hinzuweisen, daß neben der Strafe sTefängnis bis zu 6 Monaten oder Geldstrafe bis zu '0000 Rm.) die Beschlagnahme der verheimlichten Tiere ungeordnet werden kann.
^ch mache ferner darauf aufmerksam, daß die in den Zählbezirkslisten aufgenommenen Angaben über den Vieh-
der einzelnen Haushaltungen nicht für Zwecke der meuerveranlagung verwendet werden dürfen. Ueber diese Angaben ist das Amtsgeheimnis zu wahren.
. Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, für gs- «’gnete Bekanntgabe zu sorgen, auch die Zähler anzuwei- die Einwohner ihrer Zählbezirke auf diese Bestimmungen besonders aufmerksam zu machen.
Die Zählerlisten ersuche ich dem zuständigen Landjä- gereibeamten auf Verlangen zwecks Nachprüfung auszu- hündigen und ihn dabei auf zweifelhafte Angaben aufmerk- ™ zu machen. Die Listen dürfen nicht hierher einge- undt werden, bevor die Landjägereibeamten sie einge- Mn haben.
Schlüchtern, den 18. Mai 1932.
Der Landrat. 3. V.: Duwe.
^Mr. 2173. Der Herr Ureismedizinalrat wird am Dienst den 31. Mai d. 3s. von vormittags 9 Uhr ab im Wiigen Kreisläufe Sprechstunde halten.
dchlüchteim, den 20. Mai 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
, Dll5 Bezirksamt Brückenan erläßt auf Grund des Ars. 2 6 Pol. Str. G. B. in Verbindung mit § 7 der Min.
Dom 4. 1. 1872, die Sicherheit und Bequemlichkeit auf Mntl. wegen. Straßen und Plätzen betreffend, ferner gern, s 366 Zjff. w R. Str. G B. und Art. 1 der V, ®. vom
2. 1924 (R®Bl. I S. 44) folgende
B e 3 i r k s p o I i z ciliche Vorschrift:
§ 1.
Die Bezirksstraße Brückenau - Geroda - Bad Uissingen wird o n der Abzweigung hinter R ö m e r s h a g bis
zur Abzweigung nach Mitgenfeld wegen Umbau- und Walzarbeiten von Montag, den 23. Mai 1932 auf die Dauer von 2 bis 3 Wochen für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art gesperrt.
§2.
Die Umleitung des Durchgangsverkehrs hat über Unter- leichtersbach—Schondra—Deroda, die des Ortsverkehrs über Dberleichtersbach—8 reitenba ch—Mi lgenseid —Schildeck zu erfolgen.
§ 3.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 150 RM. oder mit Haft bestraft.
Die Grtspolizeibehörden haben vorstehendes sofort ortsüblich bekannt zu geben und den Fuhrwerks- und Kraft* fahrzeugbesitzern gesondert zu eröffnen.
Brückenau, den 19. Mai 1932.
Bezirksamt. 3. v.: gez. Pelikan.
Stadt Schlüchtern.
Orffentitche Mahnung ;ur Entrichtung der
Kürgersteuer für das Rechnungsjahr 1931.
Alle Arbeitgeber, welche die für das Rechnungsjahr 1931 an den vorgeschriebenen Terminen fällig gewordenen Bürgersteuerraten ihrer Arbeitnehmer noch nicht an die Stadtkasse Schlüchtern (Postscheckkonto 27450 Ffm.) abgeführt ' haben, werden hiermit aufgefordert, das Versäumte nachzu- ■ holen. Bei weiterem Verzug werden die Steuerrückstände durch die AußenKontrollen in den Lohn- bezw. Gehalts- listen der Arbeitgeber festgestellt, sodann kostenfällig \ zwangsweise beigetrieben.
Nach den gesetzlichen Vorschriften haftet der Arbeitgeber für die von ihm einzubehaltenden Beträge. Kommt er seiner Verpflichtung zur Abführung der einbehaltenen Bür- i gersteuerraten nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist nach, so hat er dies bis zum Ablauf der Frist der Stadtkasse ; -WMeigLN. . Wegen LchtbaachMg diM Vorschrift^bann der Arbeitgeber bestraft werden.
Schlüchtern, den 24. Mai 1932.
Der Magistrat. Fenner.
Am Freitag, den 27. Mai 1932, nachmittags 5Hz Uhr, wird das Gras von den städtischen Grundstücken öffentlich verkauft.
Zusammenkunft der Raufliebhaber auf der Rinzigbrücke. i Schlüchtern, den 25. Mai 1932. :
Der Magistrat. Fenner.
Betrifft Elternbriratswahl der ftiidt. Lateinschule.
Die Wahlvorschläge zu der am 5. Juni ds. 3s. stattfinden- den Elternbeiratswahl der städtischen Lateinschule sind bis Donnerstag, den 26. Mai 1932, abös. 18 Uhr bei dem Vorsitzenden des Wahlvorstandes, Herrn Sebastian Lang, einzureichen.
Die Wahlvorschläge müssen 5 Bewerber enthalten und von 10 stimmberechtigten Personen unterschrieben sein. Schlüchtern, den 25. Mai 1932.
Der Wahlvorstand. 3. A.: Lang, Vorsitzender.
— Reichswehrminister Groener hat dem Reichskanzler Dr. Brüning sein Gesuch um Enthebung vom Amt des Reichswehrministers zugeleitet. Die Erledigung des Gesuches erfolgt, sobald Klarheit über die Nachfolgerschaft geschaffen worden ist.
Das amerikanische Repräsentantenhaus hat den Gesetzentwurf über Genehmigung der Herstellung und des Verkaufs von Bier mit geringern Alkoholgehalt abgelehnt, nachdem sich bereits der Senat dagegen ausgesprochen hatte.
— Papst Pius XI. hat den Bischof von Meißen, Ronrad Gröber, zum Erzbischof von Freiburg i. Br. ernannt.
— Das Gothaer Große Schöffengericht verurteilte im Schnellverfahren acht Teilnehmer an den Waltersbausener j Unruhen, bei denen es einen Toten und etwa 20 verletzte gegeben hatte, zu zwei Wochen bis acht Monaten Gefängnis. Unter den Verurteilten befindet sich eine 65jährige Frau, die sechs Monate Gefängnis erhielt.
— Die Verteilung der 100 Sitze im Mündlichen Parlament ist folgende: Bauernpartei 42 (früher 38), Nationale Mittelpartei 23 (25), Sozialdemokraten 22 (25), Arme-Leute Partei (Kommunisten) 5 (6), Russen 5 (2), Deutsck-Schwedischer Wahlblock 3 (3).
— Dienstag abend wurde die 59 Iahre^alte Frau Selma Schubert in Breslau in ihrer Wohnung von ihrem heimkehrenden Manne mit einer schweren Kopfverletzung tot aufgefunden. Die Behältnisse der Wohnung waren durchwühlt. sodaß Raubmord angenommen werden muß.
- Der Kommunist van t'Ende. der wegen Tötung eines Nationalsozialisten vor Gericht stand, wurde wegen vor- sätzlichen Totscklaas in Tateinheit mit Raufhandel und verschiedener Waffendelikte in Essen zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Die Ergänzung des Aeichskabinetts
Ministerkandidaluren.
Berlin, 25. Mai.
In Verbindung mit der Neubesetzung des Reichswehr- ministeriums ist der Name des Generals der Infanterie Otto Hasse genannt worden.
Wie wir erfahren, ist aber mit dem General Hasse bis« her noch keine Fühlung genommen worden. Es konnte das deshalb noch nicht geschehen, weil General Hasse sich mit dem Chef der Heeresleitung, General von Hammerstein, auf einer Führerreise durch Süddeutschland befindet. General Hasse ist der älteste Offizier der Reichswehr. Aus diesem Grunde ist damit zu rechnen, daß, auch wenn seine Ernennung zum Reichswehrminister nicht erfolgen sollte, er in absehbarer Zeit die Leitung des Gruppenkommandos I in jüngere Hände legen wird. General Hasse, der sich während des Weltkrieges bei verschiedenen Armeen einen ausgezeichneten militärischen Namen erworben hat, war in der Reichswehr einige Jahre Kommandeur der III. Division und wei- terhin Chef des Truppenamtes im Reichswehrministerium. Das Gruppenkommando I führt General Haffe als Oberbefehlshaber feit dem 1. April 1929.
Ais weiterer Kandidat ist der Lhef des Ministeramts General von Schleicher wiederholt genannt worden.
Es ist aber zum Ausdruck gekommen, daß General von Schleicher in der gegenwärtigen Situation wenig Neigung verspüre, das Amt des Reichswehrministers zu übernehmen. Neuerdings läuft die Version um, daß General von Schleicher die Auffassung vertrete, daß nach der Lausanner Konferenz eine Auflösung des Reichstags und im Zusammenhang damit die grundlegende Neubildung des Reichskabinetts erfolgen müsse. Ob General von Schleicher nach einer Besprechung mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg und dem Reichskanzler Dr Brüning nicht schließlich doch den Posten des Chefs des Ministeramts mit dem Minister- amt selbst vertauschen wird, steht dahin.
Die Besprechung, die Reichskanzler Dr. Brüning mit De n Leimspräsidenten von hindenburg nach dessen Rückkehr aus Neudeck haben wird, dürfte von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Politik sein.
In politischen Kreisen ist bemerkt worden, daß Staatssekretär Dr. Meißner dem Reichspräsidenten einen Vorbe- richt geben wird. Es wird angenommen, daß dabei auch die Frage der Kabinettsumbildung eine Rolle spielen wird.
In denjenigen Kreisen, die auf eine Kursänderung drängen, und die Brüning zwar als Außenminister aber nicht als Reichskanzler zu halten wünschen, wird als Kanzler-Kandidat der Name des Landrats a. D. von der Osten genannt.
Landrat a. D von der Osten gehörte dem Preußischen Landtag als stellvertretender Fraktionsooffitzender der Deutsch- nationalen Volkspartei bis zum Jahre 1928 an. Er war schon Landtagsabgeordneter im Vorkriegs-Landtag: von 1906 bis 1916 war von der Osten als Landrat des Kreises Königsberg (Neumark) tätig. Im Jahre 1916 ist er aus dem Staatsdienst ausgeschieden. Er wird deshalb in Vorschlag gebracht, weil man glaubt, daß es ihm gelingen würde, einen Kurswechsel nach rechts reibungslos durchzu- führen.
Für den neuen Reichswirtschaftsminister sind bisher Kandidaturen noch nicht genannt worden. Es wird mit der Möglichkeit ger»chnet, daß Staatssekretär Trendelenburg mit der Wahrnehmung weiterhin beauftragt bleibt, oder daß er, nach dem Vorbild Ioels als Reichs- justizniinifter, zum Reichswirtschaftsminister ernannt wird.
Leichte Besserung am Arbertsmartt
Der Stand am 15. Mai.
Die Frühjahrsbelebung des Arbeirsmarktes hat sich in der ersten Hälfte des Mai fortgesetzt, jedoch in lang» samerem Tempo. Die Zahl der Arbeitslosen, die am 15. Mai bei den Arbeitsämtern gemeldet waren, ist mit rund 5 675 000 nur um rund 64 000 geringer als Ende April. Der Gesamtrückgang seit Ende März beläuft sich damit auf rund 454 000, während er im Vorjahre nach dem damaligen, allerdings bereits Mitte Februar erreichten Höchststände rund 780 000 betragen hatte.
Brüning vor dem Auswärtigen Ausschuß.
Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist unter Vorsitz des Abgeordneten Dr. Frick (Nat.-Soz.j zu einer Sitzung zusam- mengetreten, an der auch Staatssekretär von Bülow, Reichsverkehrsminister Treviranus sowie zahlreiche Mitglieder des Reichsrats teilnehmen. Reichsaußenminister Dr. Brüning nahm gleich nach Eröffnung der Sitzung das Wort zu einem eingehenden Bericht itier alle schwebenden außenpolitischen Fragen, so besonders über die Sensor Verhandlungen, Tribute und Schulden, Abrüstung, die Donaufrage, Memel und Danzig. Die Beratungen sind vertraulich. In der Aussprache nahm als erster Redner Abgeordneter Rosenberg (RSDAP.) das Wort.
Flecktyphus im Wilna-Gebiet. Einige Bezirke im Wil- naer Gebiet ftnb von einer Flecktyphus-Seuche heimgesucht worden. Bis jetzt sind in 20 Ortschaften mehr als 750 Per- sonen erkrankt und davon über 100 Personen gestorben (?). Die Seuche soll durch Flüchtlinge aus Sowjetrußland ein« geschleppt worden sein.