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M. 59 (1. Blatt)
Dienstag, den 17. Mai 1932
84. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen. b^ndra t's amt.
gm Mittwoch, den 18. Mai d. 3s. finden von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 3 Uhr auf dem Schießstand des Zchützenvereins in Zchlüchtern Schießübungen der Landjägereibeamten statt. Dor dem Betreten des Geländes Hin- ter der Deckung des Schietzstandes während des Schießens wird gewarnt.
Schlüchtern, den 12. Mai 1932.
Der Landrat. 3. D.: Duwe.
Kreisausschuß.
Berufsberatung.
3.=Hr. II 9096 5- Während der Sommermonate 1932 ! finden Sprechstunden der Berufsberatung nur beim Rr= Mitsamt in kfanau a. M., Sandeldamm 7, statt. Schlüchtern, den 13. Mai 1932.
Kreiswohlfahrtsamt. 3. D.: Preiß.
Ketr.: Aufnahme Hagener Kinder.
3.=Hr. II 8978 $. Die Geschäftsstelle für Landaufenthalt von Stadtkindern in Hagen i. W. ist erneut mit der Bitte an mich herangetreten, außer den bereits' aufgenom» nienen erholungsbedürftigen Kindern möglichst noch eine Anzahl Knaben im Alter von 10—14 Jahren zum Landaufenthalt im Kreise Schlüchtern unterzubringen. Mit Rüdt» ficht auf die große Notlage der dortigen Bevölkerung, die durch ständig wachsende Arbeitslosigkeit veranlaßt wird, unter der besonders auch die Kinder zu leiden haben, bitte ich die Kreisbevölkerung, dem Hilfswerk auch weiterhin Interesse entgegenzubringen. Familien, die zur Aufnahme eines ober mehrerer Knaben im After von 10—14 Jahren bereit und in der Lage sind, wollen dies unter Angabe der genauen Anschrift und der Konfession durch Vermittlung der Bürgermeisterei umgehend, spätestens bis 25. Mai ds. 3s., hierher mitteilen. . ... r - Schlüchtern, den 14. Mai 1932. i
Kreiswohlfahrtsamt. 3. V.: preiß.
Stadt Schlüchtern.
Setr.: Instandhaltung der elektrischen Anlagen.
Die Hausbesitzer werden ausdrücklich darauf Hingswie- fen, daß sie zivilrechtlich und strafrechtlich für alle durch mangelhafte elektrische Anlagen entstehenden Schäden haften.
Es wird daher allen Hausbesitzern in ihrem eigensten Interesse dringend empfohlen, ihre elektrischen Anlagen zu prüfen oder durch Fachleute prüfen zu lassen, ob sie den jetzt bestehenden Vorschriften entsprechend angelegt sind bezw. noch entsprechen.
Etwaige Mängel müssen sofort beseitigt werden, um Un= WckL- und Feuerfälle zu vermeiden und den daraus ent- stehenden Folgen vorzubeugen.
schlüchtern, den 13. Mai 1932. Der Magistrat: Fenner.
Stadt Steinau.
Der Entwurf einer Grtsfatzung zum Schutze gegen Ver- Mstaltung der Stadtgemeinde Steinau (Kr. Schlüchtern), liegt vom Dienstag, den 17. Mai 1932 ab, im Zimmer ^s Stabtsekretärs zur öffentlichen Kenntnis offen.
Gemäß § 13 der Städteordnung für die Provinz Hessen- "afsau vom 4. August 1897, steht es jedem Bürger frei, innerhalb der nächsten 2 Wochen, vom '(Lage der Offen» Üegung an gerechnet, bei dem Magistrat Einwendungen zu erheben.
Steinau, den 12. Mai 1932. Der Magistrat. Dr. Kraft.
Schwere Unwetter.
Ueber ganz Westdeutschland ging am zweiten Pfingtag- nachmittag ein schweres Unwetter nieder, von dem beson- ders die untere Mosel und die Höhenlagen der Eifel be» Mfen wurden. namentlich in Güls an der Mosel sind die «ngerichteten Schäden sehr groß. Dort sind auch eine Frau und vier Kinder ertrunken. Die Obsternte ist vernichtet worden. Auch über Mülheim a. d. Ruhr ist ein schweres Unwetter niebergegangen. Dort hat ein furchtbarer Hagel- Wag die ganze Obsternte vernichtet. Die Bäume machen ^n Eindruck, als seien sie einem Granatfeuer ausgesetzt gewesen.
3m Uagoldtal in Württemberg ging gleichfalls ein schwe- Gewitter mit Hagelschlag nieder. Der Hagelschlag war w stark, daß die Gegend "einer Winterlandschaft glich. Die ®bftbäume erlitten großen Schaden.
Sud; im Zabergüu brächte das Gewitter schweren Hagel- Mng mit sich, der die Obsternte so gut wie vernichtete. Die Hagelkörner erreichten Taubeneiergröße. Die außer- ^dentlich starken Niederschläge riefen überall Ueberschwem- wungen hervor.
3m Grenzgebiet von Nordbaden und unterfränkischen Uainfaf gingen gleichfalls heftige Gewitter nieder.
Blutige Pfingsten in Japan
Revolutionäre Anschläge in Tokio. — Der Ministerpräsident ermordet.
Am Pfingstsonntag wurden in Tokio eine Reihe von aufsehenerregenden revolutionären Anschlägen verübt, denen u. a. der japanische Ministerpräsident 3 n u f a i zum Opfer gefallen ist. Sieben als Marine- und Armeeoffiziere verkleidete Revolutionäre drangen in die Wohnung des Ministerpräsidenten ein und feuerten mehrere Schüsse auf ihn ab. 3nutai wurde schwer verwundet. Man brächte den 76jährigen Ministerpräsidenten sofort ins Krankenhaus, wo er trotz einer Blutübertragung wenige Stunden später am Montag gestorben ist.
Gleichzeitig mit dem Anschlag aus Jnukai wurden Anschläge auf die Bank von Japan, auf die Polizeizentrale, aus die Zentrale der Seiyukai-Partei, auf die Mitsu-Bishi-Bank und auf die Wohnung des Außenministers Joschisawa, des Admirals Suzuki, des Oberstzeremonienmeisters Baron Ha- gashi und des Groß-Siegelbewahrers Graf Makino verübt
Wie sich das Attentat abspielte
Ueber den Anschlag aus Jnukai teilte dieSchwiege r» tochter des Ministerpräsidenten folgende Einzelheiten mit: Sie befand sich außerhalb des Hauses, als die Attentäter eindrangen. Versuche von Dienern und Polizisten, sie auf» zuhalten, waren vergebens Jnukai befand sich mit einem anderen Minister im Zimmer. Die Schwiegertochter eilte zu ihm und bat ihn, zu fliehen. Er weigerte sich jedoch und trat den Eindringlingen entgegen, wobei er ihnen zurief:
„Schießt? nicht aus mich. Ich werde Eure Aorderungen anhören. Ihr dürft es nicht wagen, aus mich zu schießen."
Der Führer der Eingedrungenen ließ sich jedoch nicht auf Unterhandlungen eim sondern befahl, Feuer zu geben. Von mejiLerm_fluge 1 n^aetrasfen laut Inukai-wüamwew. Die Attentäter flüchteten daraus zunächst in Automobilen. Wie noch bekannt wird, trug Jnukai seit einigen Monaten eine stählerne Weste, um sich gegen Anschläge zu schützen. Infolgedessen zielten die Attentäter auch in erster Linie auf den Kopf des Ministerpräsidenten.
Die Verschwörer stellen sich
Räch dem Anschlag aus den Ministerpräsidenten stellten sich 18 junge Leute freiwillig der Polizei. Es handelt sich um fünf Marineoffiziere, mehrere Armeeoffiziere und Kadetten. Sie gehören sämtlich der Gesellschaft der schwarzen Drachen an, die auch „Todeshand" genannt wird. Die Mitglieder dieser Vereinigung kämpfen gegen die neue Ordnung. Sie waren insbesondere mit der Politik der japanischen Regierung in der Mandschurei und in Schanghai nicht einverstanden.
Gleichzeitig mit den Anschlägen wurden überall in der Stadt Flugblätter verbreitet mit Aufschriften wie: „Nieder mit den untreuen Elementen; lang lebe der Kaiser; beendet die Korruption der Politiker; nieder mit der Oligarchie der Finanzleute."
Bei den verschiedenen Anschlägen und Bombenwürfen wurden ein Polizist getötet, sieben Polizisten, ein Offizier und drei Zivilisten verwundet.
Der Kaiser hat den Finanzminister Takahashi zum stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt.
Kabinettssitzung am Krankenbett.
Nachdem der schwerverletzte Ministerpräsident Jnukai ins Krankenhaus gebracht worden war, ordnete er an, daß an seinem Bett, eine Kabinettssitzung stattfinden solle. Die Minister fanden sich auch sofort ein, doch konnte Jnukai an den Beratungen nicht mehr teilnehmen, da er während der ganzen Zeit mit kurzen Unterbrechungen besinnungslos war. Das Parlament ist zu einer Sondersitzung einberufen worden. Man erwartet, daß das bisherige Kabinett der Ueberlieferung entsprechend zurücktreten wird.
Entscheidung über den Reichshaushalt nach Pfingsten.
Das Reichskabinett hat die Beratungen über den Reichshaus- Hall und die damit zusammenhängenden Wirtschastsfragen fort» gesetzt. In Regierungskreisen hasst man, die Arbeiten bis Donnerstag nach Pfingsten abgeschlossen zu haben. Der Haushalt wird alsdann dem Haushaltsausschuh des Reichstages zugeleitet, der am 23. Mai zusammen tritt. Eine Entscheidung über die Besetzung der verwaisten Ministerposten wird erst nach Pfingsten fallen.
Donaukagung in München.
Die in Innsbruck im April begonnenen Verhandlungen über das Donauproblem werden in dieser Woche in München fortgesetzt werden. Dort wird am 19. und 20. Mai eine Vc-rsammlung des Ausschusses der Finanzsachverständigen stattfinden. In erster Linie wird aus der Tagesordnung die Frage der Devisenbestimmungen bestehen. Den Vorsitz des Ausschusses führt der Direktor der Deutschen Bank und Disconto-Gefellschast, Dr. Kurt Weigelt, Generalberichterstatter ist der ständige britische Vertreter bei der Internationalen Handelskammer, Owen Iones.
Der Schwur von Elbing
Machtvolles Bekenntnis zur Schicksalsverbundenheit zwischen dem Reich und Deutsch-Oesterreich.
Elbing, 16. Mai.
Der dritte Tag der VDA.-Tagung in Elbing wurde mit Gottesdiensten eingeleitet. Nach der Studententagung begann in der Aula der pädagogischen Akademie der große Festakt des Pfingstsonntags. Oberpräsident Dr. h. c. Siehr, Oberbürgermeister Dr. Werten, Senator a. D. Dr. Strunk-Danzig und Abgeordneter Dr. Roth aus Hermann- stadt hielten Ansprachen. Die Feier schloß mit einer Rede des Vorsitzenden des VDA., Dr. Geßler.
Den Abschluß des ersten psingstfeiertages bildete eine große Abendfeier und Bannerweihe in Vogelfang.
Die Festrede hielt Universitätprofessor Dr. H u g e l m a n n. Sie wurde zu einem gewaltigen Bekenntnis der Schicksalsverbundenheit des gesamten Deutschtums und insbesondere der engen Verbindung zwischen der südostdeutschen Grenzmark in Oesterreich und der nordostdeutschen Grenzmark in Ostpreußen.
Unter starkem Beifall der vielen Tausenden, die das weite Rund des Stadions füllten, legte Hugelmann das Gelöbnis ab, daß das österreichische Volk unter keinen Umständen einen Vertrag oder ein Zugeständnis anerkennen würde, daß sich etwa eine schwach werdende Regierung von fremden Mächten zur Lösung der engen Verbundenheit mit dem Reich abbringen ließe. Tausende von Schwurhänden erhoben sich, als er den Bannerspruch gab: „Wir wollen das Wort nicht brechen, nicht Buben werden gleich, wollen predigen und sprechen vom Heilgen Deutschen Reich."
An den österreichischen Bundespräsidenten wurde ein Begrüßungstelegramm gerichtet, in der auf die unauflösliche Schicksalsoerbundenheit beider Länder hingewiesen wird.
„Wir werden auf nichis verzichten"
Ostkundgebung des Vereins für das Deutschtum im Aus-
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Elbing, 17. Mai.
Die Hauptversammlung des Vereins für das Deutschtum im Auslande wurde mit Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Minister a. D. Dr. Geßler eröffnet. Er erklärte unter anderem:
„Die Beteiligung an dieser Pfingsttagung zeigt uns: Es war richtig, daß wir nach dem Osten gekommen sind, um zum Ausdruck zu bringen, daß deutsches Land und deutsches Volk keine Handelsware sind. Wir werden aus nichts verzichten, was zu diesem Lande und Volk gehört."
Reichspräsident von H i n d e n b u r g dankte in seinem Begrüßungstelegramm für das Gelöbnis des V d. A., auch in ' schwerster Zeit die V e r b u n d e n h e i t mit den deutschen Brüdern außerhalb der Reichsgrenzen zu pflegen und immer enger zu gestalten.
Ministerialdirektor Dr. Loehrs überbrachte.die Grüße des preußischen Innenministers und betonte, daß durch die Abhaltung der Tagung in Elbing dem deutschen Osten vor Augen geführt werde, daß einer der hervorragendsten Vertreter des stolzen Kulturgedankens sein Verständnis für die schwere Lage des deutschen Nordostens bekunde.
Ministerialdirektor T i e d j e übermittelte die Wünsche und Grüße der Reichsregierung. Er führte aus, daß auch die R e i ch s r e g i e r u n g es auf das wärmste begrüße, daß der V. d. A. seine Tagung in die innerhalb des Ostens am meisten an kultureller und wirtschaftlicher Not leidenden Städte Elbing und Marienburg verlegt habe. Die Grüße des evangelischen Oberkirchenrats überbrachte Oberdomprediger B u r g h a r d t, die Grüße Elbings Oberbürgermeister Dr. Merte n.
Der Vertreter für das Deutschtum in Estland, Rechts- anwalt Hasselblatt-Reval gab dann einen Gesamt- überblick über die Lage der deutschen Volksgruppen in Europa. Er zeigte, wie sehr der Kampf sich zu Ungunsten der Ausländsdeutschen in der Nachkriegszeit verschlechtert habe.
Räch der Annahme einer Entschließung sprach Regierungsrat Dr. G o e d e ck e - Marienwerder über den Weichselkorridor als europäisches Problem. Er erklärte dabei, daß Polen für seine Ansprüche aus das kor- ridorgebiet keine sachliche Begründung geben könne. Für die Deutschen ergebe sich die Pflicht, nicht zuletzt wegen der Sorge um Danzig, sich mit den Dingen vertraut zu machen und auf eine Lösung der Off frage hinzu- arbeiten.
Begrüßungstelegramm tzindenburgs an den VDA. — Jeder dritte Volksgenosse lebt außerhalb der Reichs
grenzen.
Elbing,
17. Mai.
Reichspräsident von Hindenburg hat dem Verein für das Deutschtum im Auslande folgendes Begrüßungstelegramm gesandt:
„Den in Elbing versammelten Vertretern der Schutzvereinsbewegung des Auslandsdeutschtums danke ich für ihr treues Gedenke» und für das Gelöbnis, auch in schwerster Zeit die Verbundenheit mit den deutschen Brüdern außerhalb der Reichsgrsnzen zu Pflegen und immer enger zu gestalten. Möge die Arbeit des VDA. stets von wei-