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Wächserner Zeitung

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(1. Blatt)

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Amtliche Bekanntmachungen.

i,ndratsamk.

Hr. 2096. Das den Herren Bürgermeistern und Schul- oeibandsvorste'hern zugehende Formular zur Uebersicht über iie Zahl der die öffentliche Volksschule besuchenden schul- islichtigen Rinder nach dem Stande vom 1. Mai d. 3s. etjud)e ich im Benehmen mit dem betreffenden Schulleiter orgfältig auszusUllen und mir bestimmt bis zum 1 8. ).mts. wreder vorzulegen. Dieser Termin muß genau eingehalten werden.

Auf vollständige unterschriftliche Vollziehung der Ueber- icht (mit Siegel) ist Bebacfyt zu nehmen. Ruch ist darauf zu achten, daß die Gastschulkinder bei dem aufnehmenden Schulverbande mitzuzählen sind, wenn der Heimatschul- verband selbst keine Volksschule hat. (Dergl. den Zusatz

gen

1932).

zu § 42 Rbs. 1 D. B. G. auf Seite 126 der preuß. Gesetz- iemmlung für 1932).

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Schlüchtern, den 12. Mai 1932.

Der Landrat. 3. D.: Duwe.

3»Kr. 2068. Der Herr Regierungspräsident in Rassel hat die im § 36 der Polizeiverordnung vom 23. Juli 1928, betr. Feld- und Forstschutz (S. Beilage zum Regien runigsamtsblatt Nr. 31/1928) angegebenen Schältermine bis zum 1. Juni 1932 verlängert.

Zchlüchtern, den

10. Mai 1932.

Der Landrat. 3. V.: Duwe.

Herren Bürgermeister, welche mit der Verfügung Dom 29. März d. 3s.

Nr. 1280 a. Die

Erledigung meiner

Hr. 1280, betr. Rngestelltenversicherung der Fleisch?

beschauer und Trichinenschauer, noch im Rückstände sind, werden an deren alsbaldige Erledigung nochmals erinnert. 5chlüchtern, den 10. Mai 1932.

Der Landrat. 3. v.: Duwe.

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T-Nr. 1961 R. R. Diejenigen Herren Bürgermeister er Landgemeinden, welche noch mit der (Einreibung der Mshaltspläne für das Rechnungsjahr 1932 im Rück- tanbe find, werden hiermit an die Erledigung meiner lundverfügung vorn 12. März d. 3s. J.-Rr. 1040 ü 3. erinnert.

Lchlüchtern, den 12. Mai 1932.

Der Vorsitzende des Rreisausschufses. 3. v.: preist.

Allg. Ortskrantenlasse Schlüchtern.

Die alsbaldige Einzahlung der noch rückständigen Bei- i>" träge aus den Zahltagen für die Monate Januar, Februar und März 1932 wird hiermit in Erinnerung gebracht.

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Hebetermine finden statt:

1. In Steinau, am Mittwoch, den 18. Mai 1932, von vormittags 10 bis 4 Uhr nachmittags, in der Eckart'schen Gastwirtschaft daselbst,

2- In Sterbfritz, am

1932, von nachmittags 3 bis 7 Uhr, in der Böhur'schen Gastwirtschaft daselbst,

3. In Salmünster, am LiS

1932, von nachmittags 272 bis 6 Uhr, im GasthauseZum Engel" daselbst,

4. In Soden, am Mittwoch, den 1. Juni 1932, ton nachmittags 272 bis 6 Uhr, im GasthauseZur Hoffnung" daselbst,

"nb zwar wie seither auch für alle den genannten Orten naheliegenden Gemeinden.

20. Mai

Freitag, den

Mittwoch, den 25. Mai

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, An dem Hebetermintag am 18. Mai 1932 bleibt die Kas- ' m Schlüchtern für Ein- und A u s z a h l u n g e n ge= Kosten, worauf besonders aufmerksam gemacht wird.

Rückstände, die nach diesen Tagen noch verbleiben, Wen alsdann unverzüglich zur zwangsweisen und kosten- nichtigen Einzahlung gelangen.

. Die Herrn Bürgermeister bitten wir, dieses im Interesse Mr Gemeindeangehörigen, wie seither, möglichst am Tage ?r dem oder an dem Hebetermintage selber nochmals orts- bekannt machen zu lassen.

Schlüchtern, am 12. Mai 1932.

___Der Vorstand der Allg. Ortskrankenkasse Schlüchtern.

-tadt Steinau.

. 3m Dienstag, den 31. Mai d. 3s., vormittags 11 Uhr l|nM in dem Rentereifaale die diesjährige Impfung statt.

-inpfpflichtig sind alle Rinder, welche im vorigen Jahr /toten sind und die Rinder, die im Laufe dieses Jahres ?s Mölfte Lebensjahr zurücklegen und im Vorjahr nicht er ohne Erfolg geimpft wurden, respektiv wegen Rrank- von der Impfung ausgeschlossen werden mußten.

Nachschau erfolgt am Dienstag, den 7. Juni vor- mi*9$ 11 Uhr.

^einau, den 10. Mai 1932.

0er Bürgermeister als Grtspolizeibehörde. Dr. Kraft.

Gamstag, den 14. Mai 1932

Krawall im Reichstag

Schlägereien im Restaurant und in den Gängen

Präsident Löbe eröffnet die Sitzung um 10 Uhr. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des von der Zentrumsfraktion eingebrachten Gesetzentwurfs über die

Rechtsstellung der weiblichen Beamten.

Der Entwurf, der im Ausschuß einige Aenderungen erfah­ren hat, sieht in der jetzigen Fassung vor, daß verheiratete weibliche Reichsbeamte jederzeit auf ihren Antrag aus dem Beamtenverhältnis zu entlassen sind und die Vorgesetzte Dienstbehörde die Entlassung auch ohne diesen Antrag ver­fügen kann, wenn die wirtschaftliche Versorgung des weib­lichen Beamten nach der Höhe des Familieneinkommens dauernd gesichert erscheint. Nach kurzer Aussprache wird das Gesetz in zweiter und gleich darauf auch in dritter Lesung mit 460 gegen 73 Stimmen der Kommunisten, also mit der für Verfassungsänderungen erforderlichen Zwei- drittel-Mehrheit angenommen.

Bei der dritten Lesung des

Schuldentilgungsgesetzes

wird zunächst namentlich abgestimmt über den §8, der die Ermächtigung gibt, Geldmittel zur Arbeitsbeschaffung usw. durch Schuldverschreibungen zu beschaffen und die Höhe des jeweils zu beschaffenden Betrages festzusetzen sowie in Höhe der gezeichneten Beträge bis zum 1. Oktober 1933 Geld­mittel im Wege des Zwischenkredits zu beschaffen.

§ 8 wird mit 283 gegen 256 Stimmen bei einer Ent- halkung angenommen. In der Schlußabstimmung wird das Gesetz angenommen mit 287 gegen 260 Stimmen.

Ein Zwischenfall

Präsident Löbe teilt daraus mit, daß im Reichskags- restauranl ein als Gast anwesender Journalist von Abge- ordneten (große Unruhe im Hause) überfallen und geschlagen wMutw^w. ^ h^»e^ ^sHrbr>-..H«u birTSrnrüoüi- polizei die zu ermittelnden Täter, ganz gleich ob sie dem Hause angehören oder nicht, festnimmt.

Bei dieser Mitteilung entsteht im ganzen Hause große Unruhe. Von den Sozialdemokraten werden lärmende Zu­rufe gegen die Nationalsozialisten gerichtet. Präsident Löbe unterbricht die Sitzung auf eine halbe Stunde.

Prügelszenen im Restaurant

Nach den vorläufigen Ermittlungen entstand die Prü­gelei im Reichstagsrestaurant. Dort saß der Journalist und frühere Kapitänleutnant Dr. Helmut Klotz, der früher den Nationalsozialisten nahestand und jetzt sich als Redner in Kreisen des Reichsbanners betätigt. Klotz ist der Verfasser einer Broschüre über eine Reihe von führenden National­sozialisten u. a. über den Hauptmann Röhm. Klotz soll plötzlich im Reichstagsrestaurant im Verlauf von Auseinan­dersetzungen von einigen Nationalsozialisten tätlich angegrif­fen worden sein. Kellner und Abgeordnete drängten die Nationalsozialisten aus dem Restaurant heraus. Klotz ging dann gleichfalls in die Wandelgänge und wollte in den Umgängen auf der Rechten die Täter feststellen. Hierbei kam es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen ihm und Nationalsozialisten, die damit endeten, daß Klotz gewaltsam aus den Umgängen gedrängt wurde. Auch in der Präsiden­tenvorhalle soll Klotz erneut angegriffen worden sein.

Maßnahmen des Präsidenten

Nachdem Präsident Löbe von der Schlägerei im Reichs­tag Kenntnis erhalten hatte, gab er Anweisung, daß der Journalist Dr. Klotz in den Sitzungssaal hineingeführt

einer der Angreifer unser Klotz bezeichnete den na- heines als den Hauptan-

werde, um festzustellen, ob sich den Abgeordneten befinde. Dr. lionalsozialistischen Abgeordneten greiser.

Nach dreiviertelstündiger Sitzung wieder eröffnet.

Unterbrechung wird die

Präsident Löbe teilt mit, daß die Vorkommnisse, die bedauerlicherweise zur Unterbrechung der Sitzung geführt hätten, Gegenstand einer Beratung im Ältestenrat gewesen seien. Der Aeltestenrat habe sich dahin geeinigt, daß die an dem Zwischenfall Beteiligten im Reichstagsgebäude zwecks Feststellung des Tatbestandes vernommen werden sollen.

Mißtrauensanträge abgelehnt

Das Haus nimmt dann zunächst die Abstimmung über die von Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Kommu­nisten eingebrachten Mißlrauensanlräge gegen die Reichs­regierung vor. Es stimmen dafür außer den Antragstellern auch die Deutsche Volkspartei und das Landvolk.

Die Anträge werden mit 287 gegen 257 Stimmen ab- gelehnt.

Die Mehrheit beschließt die Unterbrechung der Sitzung für eine Stunde, um zu den Vorfällen mit Klotz Stellung nehmen zu können.

Die Unterbrechung dauerte diesmal mehr als 1% Stun­den Bei Wiedereröffnung der Sitzung teilt Präsident Löbe mit daß er seine Strafbefugnisse der Polizei übertragen

84. Iadrv

habe und alle Maßnahmen habe treffen lassen, um eine Ver­dunkelung zu verhüten.

Weiter keilt der Präsident mit, daß bei der Arau des Journalisten Klotz telefonisch angerufen und ihr milgeteilt worden sei, daß ihr Wann sich im Reichstagsgebäude un­gebührlich benommen habe, er dafür zusammengeschlagen worden sei und sie sich seine Knochen vom Reichstage ab­holen möchte. (Stürmische Psuil-Ruse im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.)

Nach den bisherigen Ermittlungen seien, wie der Prä­sident weiter mitteilt, die nationalsozialistischen Abgeordneten Heines, Weihet, Stegmann und Krause- Ostpreußen an den Straftaten beteiligt gewesen. Er schließe diese Abgeordneten wegen gröblicher Verletzung der Ordnung des Hauses für dreißig Tage von den Sitzungen des Reichstags aus. (Bei­fall bei den Sozialdemokraten.)

Neue Unterbrechung

Der Aufforderung, den Saal zu verlassen, kommen die gemaßregelten Abgeordneten nicht nach. Darauf erklärt Präsident Löbe die Sitzung für unterbrochen. Er werde mitteilen, auf wann er die nächste Sitzung des Reichstags einberufe. (Händeklatschen bei den Sozialdemokraten.)

Nach der Aufhebung der Sitzung blieben die meisten Abgeordneten der einzelnen Fraktionen zunächst im Saale, in lebhafter Unterhaltung über die Sachlage. Als von der Hauptpublikumstribüne ein Besucher, im Begriff, die Tribüne zu verlassen, die Hand zum Hitler-Gruß erhob und Heil! Hitler! rief, riefen sozialdemokratische Abgeordnete wiederholt: Raus! Raus! AIs Gegenkundgebung brachten die nationalsozialistischen Abgeordneten ein dreifaches Heil auf Hitler aus. Die erregte Stimmung machte sich auch in gegenseitigen erregten Zurufen zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten Luft. Im Anschluß an diese Tu­multszenen wurden die Tribünen geräumt.

Polizei im hohen Hause

Plötzlich erscheinen im Saal, durch die Tür zu den Winislerplähen, ein Polizeioffizier mit etwa 20 Beamten ir Änisorm. Die Beamten springen über die Winislerbänkr

Jetzt sieht man auch den Polizeivizepräsidenten Weiß inmitten der Beamten. Man hört erregte Rufe:Jsidorl" Jude!"Verräter!" Vizepräsident Weiß ruft den National­sozialisten mehrere Sätze zu, die aber unverständlich bleiben. Dann ziehen sich die Schupobeamten von den Bänken der Nationalsozialisten zurück. Man sieht den nationalsoziali­stischen Abg. Hinkel auf dem Platz des Reichskanzlers fitzen, neben ihm Dr. Frick und andere Nationalsozialisten. Der Polizeipräsident unterhält sich lebhaft mit diesen Abgeord- neten und gibt dann plötzlich den Beamten den Befehl, den Saal zu verlassen.

Die vom Reichslagspräsidenten ausgewiesenen vier Na­tionalsozialisten werden von den Polizeibeamten zur Ver­nehmung mitgeführt. Auch der Polizeivizepräsident verläßt schließlich wieder den Sitzungssaal, in dem dann allmählich wieder Ruhe eintritt.

Auf der Pressetribüne vernimmt man, wie der kommu­nistische Abg. Torgler mit besonders lauter Stimme, offen­bar um überall verstanden werden zu können, seinen Frak- tionsmitgliedern mitteilt, daß nach seinen Informationen die nächste Reichstagssitzung erst am 6. Juni stattfinden solle.

Wir werden, so ruft er seinen Araktionskollegen zu, natürlich sofort Einberufung des Aeltestenrats fordern.

Einberufung des Aeltestenrats

Einem Antrag der kommunistischen Araktion, auf so­fortige Einberufung des Aeltestenrates, schlössen sich auch nationalsozialistische Abgeordnete an. Die Antragsteller be­mühten sich vergeblich, ihr Anliegen bei dem Reichstags- präsidenten Loebe vorzubringen, der nicht auffindbar sein soll. Ebenso war es ihnen nicht möglich, den Vizepräsidenten Esser (Zentrum) zu erreichen, während Vizepräsident v. Kar­dorfs (DVP.) erkrankt ist. 2Hif Rücksicht darauf hat Vizepräsi­dent Graef (DNVP.) die Einberufung des Aeltestenrakes des Reichstags auf 17 Uhr verfügt, die von Präsident Loebe nad äglich bestätigt wurde. ,

Polizeimannschaften hatten zur Zeit der erregten Zwi- schenfälle, die sich im Sitzungssaal nach Aufhebung der Sitzung zutrugen, eine sehr strenge Absperrung in der Um­gebung des Reichstagsgebäudes vorgenommen, so daß von außen her niemand ohne besondere Befugnis in das Gebäude gelangen konnte. Die Eingänge des Reichstages mit Aus­nahme eines Portals, wurden polizeilich gesperrt. Anderer­seits konnte auch niemand ohne besondere Kontrolle das Haus verlassen, in dem übrigens auch Kriminalbeamte in größerer Zahl anwesend waren.

Zns Polizeipräsidium überführt

Die vier Beschuldigten wurden von Kriminalrat Dr. Stumm vernommen. Heines gab zu, den Schriftsteller Klotz geschlagen zu haben, aber er beftritt die Richtigkeit der von Klotz gegebenen Darstellung. Auch die übrigen Beschuldig­ten bestrikten die Richtigkeit der Aussagen der bisher ver­nommenen Zeugen, so daß nach polizeilicher Auffassung Verdunkelungsgefahr besteht und die Inhaftierung verfügt werden mußte. Die vier Abgeordneten wurden darauf nach dem Polizeipräsidium transportiert und sollen möglichst schon am Areitag dem Schnellrichter vorgesührt werden. Bis dahin werden sie im Poli^eigefängnis bleiben.