MeLs-KmtsbLatL * Myenremee amtlicherMzeLtzeefür dm Kreis -Echtem
Nr. 57 V. Matt) Donnerstag, den 12. Mai 1032
84. Jahre.
Amtliche Bekanntmachungen.
LandratsaNt.
Bekanntmachung
der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau über DersicherungSbetträge vom 1. Januar 1932 ab.
Nach dem Reichsgesetz vom 8. April 1927 sind für die der Invalibenvekstcherungspflickt unterliegenden Personen vom 27. Juni 1927 ab folgende Wochenbeiträge zu entrichten:
s
■ s
£ 0 81
Wochen- Beitrag
Reichs- psennig
Bei einem wirklichen Arbeitsverdienste von
täglich
ober wöchentlich
ober monatlich
ober jährlich
30
bis 0,85 RM
bis 6 RM
bis 26 RM
bis 312 RM
II
60
von mehr als 0,85 b. 1,70 „
von mehr als 6 b. 12 „
von mehr als 26 b. 52 „
von mehr als 312 b. 624,,
III
90
// zz // I/7° // 2,55 //
zz zz zz 12 ,, 18 „
ZZ ZZ ZZ 52 ZZ 78 zz
ZZ ZZ ZZ 624 ,, 936 //
IV
120
// // zz 2,55 /> 3/4° //
zz zz zz 18 „ 24 //
zz zz zz 78 zz I04 ZZ
zz zz zz 939 zz I248 „
V
150
z; zz zz 3z4° zz 4,25 „
zz zz zz 24 ,, 3° zz
zz zz zz I04 zz 1 3° ZZ
zz zz „ 1248 „1560 „
VI
180
zz zz zz 4,25 zz 5z10 ZZ
zz zz zz 3° zz 36 zz
zz zz ZZ 13° ZZ 156 ,,
ZZ ZZ „ 1560 „1872,,
VII
; —
200
über 5,10 „
über 36 „
über 156 „
über 1872 „
Bei Errechnung des Arbeitsverdienstes für die Einstufung in die Lohnklassen ist neben dem Barlohn auch der Wert der Sachbezüge mit in Ansatz zu bringen.
Der Wert für Kost und Wohnung ist wie folgt festgesetzt:
1. Regierungsbezirk Kassel
a) in den Städten Kassel und Hanau v. 1. 1. 1932 ab auf täglich 1,40 RM
b) in den sonstigen Orten des Regbez. Kassel
für die Zeit v. 1. 1. bis 31. 3.1932 auf tägl. 1,40 RM
vom i. 4. 1932 ab auf täglich
r. Regierungsbezirk Wiesbaden
1,25 RM
a) in den Städten Frankfurt a, M, und Wies-. -^^ Auch Lrerbe^^er Mrt der Sachbezüge m gle.cher baden, sowie in den Orten der ÄreiftMim We.se und Hohe, w.e es vorstehend für d.e Versicherungs-
taunus und ^berMnnns 1. r. 022 ab W dargesteM 'st, be. der Errechnung des Einkommens
taunus und Obertaunus v. i. 1. 1932 ab
auf täglich
1,50 RM
b) in den sonstigen Orten des Regbez. Wies
baden v. 1. 1. 1932 ab auf täglich 1,2; RM Der Wert der sonstigen Sachbezüge (Kleider, Frucht usw.) ist mit den am Tage der Lieferung üblichen Preisen (Markt- ireie) in Anrechnung zu bringen.
Falls der Arbeitgeber die gesamten Versicherungsbeiträge "trichtet, sind die von ihm für den Versicherten gezahlten lnteile an Beiträgen zur Invaliden- und Krankenversicherung !em Lohn hinzuzurechnen.
Unsere Bekanntmachung vom 6. November 1930 kommt nit dem 31. Dezember 1931 in Wegfall.
Um Verzögerung in der Bearbeitung von Dienstsachen u vermeiden, empfiehlt es sich, während meiner Beurlau- >ung Dom 12. bis 28. Mai amtliche Zuschriften nicht un- cr meiner persönlichen Anschrift einzusenden.
I Lchlüchtern, den 11. Mai 1932.
1Der Landrat. Dr. Müller.
ö.-M. 1977. Nach § 38 der Polizeiverordnung zum Fi- chereigesetz (Fischereiordnung) vom 29. März 1917 — «g. stmtsbl. Leite 165 — müssen Tnienbesitzer ihre Enten ^ fremden Fischgewässern fernhalten, wenn ihnen der sischereiberechtigte die Einlassung nicht gestattet hat. Lei ^widerhandlungen setzen sich die Besitzer abgesehen von Bestrafung (§ 53), der Gefahr der Beschädigung oder Tötung der Enten nach § 228 des Bürgerlichen Gesetz- Äches aus.
Bie Drtspolizeibehörden weise ich an, diese Vorschriften sktsithsich bekannt zu machen und gemeinsam mit den Land- ^reibeamten ihre Durchführung zu überwachen.
bchlüchtern, den 7. Mai 1932.
Der Landrat. Dr. Müller.
Abschrift.
Anwesend
Kreisobersekretär Duwe Schlächtern,
'° Vertreter der Aufsichsbehörde; den 19. April 1932. Mitglieder der Zwangsinnung r ^as Schuhmacherhandwerk.
. 3n der auf heute 3 Uhr nachmittags anberaumten In- ^gsversammlung der Schuhmacher wurde unter Beach- M der gesetzlichen und statutarischen Bestimmungen nach- gende Wahlen vorgenommen:
’• Die Wahl des Vorsitzenden des Jnnungsvorftandes; N Zuruf; es erhielt 10 Stimmen Heinrich Friedrich in Achtern.
Der Schuhmachermeister Heinrich Friedrich in Schlüch- M ^m<t ^^ Vorsitzender des Jnnungsvorftandes ge-
Bezüglich der DersicherungSpflicht der Lehrlinge verweisen wir auf unsere Merkblätter A vom 6. April 1929, A1 vom 22. April 1930 und A2 vom 19. Januar 1932.
Bei der freiwilligen Gelbstverstcherung und der freiwilligen Weileroerstcherung sind mindestens Beiträge der Lohnklasse II zu entrichten. Beträgt das Einkommen des Freiwillig-Versicherten jedoch wöchentlich mehr als 12 RM oder monatlich mehr als 52 RM oder jährlich mehr als 624 RM, so müssen die Beiträge der dem jeweiligen Einkommen entsprechenden oben genannten höheren Lohnklassen entrichtet werden.
für die Lohnklaffeneinstufung in Ansatz zu bringen.
Im übrigen verweisen wir auf unser diesbezügliches Merkblatt B vom 5. Juli 1929.
Kassel, den 19. April 1932.
Der Vorstand.
wird veröffentlicht! Die den Herren Bürgermeistern in den nächsten Tagen zugehenden Bekanntmachungen ersuche ich an die Arbeitgeber zu verteilen.
< Lchlüchtern, den 9. Mai 1932.
Der Vorsitzende des Versicherungsamts. 3. D.: Duwe.
2. Die Wahl der Mitglieder des Jnnungsvorftandes; durch Zuruf; es erhielten alle Stimmen:
Kaspar Schickedanz, Schlächtern
Nikolaus Richter, Schlächtern
Philipp Werner, Schlächtern
Eduard Weber, Schlächtern sind somit als Mitglieder des Jnnungsvorftandes gewählt.
3. Die Wahl eines Vorsitzenden und 2 Mitglieder des Gesellenausschusses; durch Zuruf; es erhielten
Georg Endres, Vollmerz alle Stimmen
Josef Müller, Weiperz alle Stimmen.
4. Die Wahl eines Vorsitzenden und 2 Mitglieder des Ausschusses für das Lehrlingswesen; durch Stimmzettel; es erhielt Kreisobersekretär Duwe alle Stimmen.
Es ist somit als Vorsitzender gewählt:
Heinrich Linkersdörfer, Stcinau
Heinrich Röder, Sterbfritz
Stellvertreter Georg Schäfer, Schlächtern sind somit als Mitglieder gewählt.
Beglaubigt. gez. Duwe, Kreisobersekretär.
Stadt Schlächtern.
Bekanntmachung.
Das Bad in der neuen Volksschule ist diese Woche am Freitag und Samstag von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 8 Uhr geöffnet.
Lchlüchtern, den 11. Mai 1932.
Der Magistrat. Jenaer.
Städtische Kateinschnle Schlächtern.
Bekanntmachung.
Die vorgeschriebene zweite Elternversammlung wird hiermit auf Samstag, den 21. ds. Mts., 4 Uhr nachmittags, einberufen. Tagesordnung: Wahl des Wahlvorstandes.
Die Wählerliste liegt vom 9. Mai ab 14 Tage lang im Amtszimmer des Unterzeichneten zu jedermanns Einsicht auf.
Schlächtern, den 9. Mai 1932.
Der Leiter der Stöbt. Lateinschule. 3. V.: H. Schreiber.
Sowjelrußlands Kraftquellen
Bon Professor Dr. Hans von Eckardt.
Rußland liegt heute immer noch wie ein Rätsel zwischen Europa und Asien. Hans von Eckardt, in Rußland geboren und ausgewachsen, macht die russische Gegenwart durch Klarlegung der großen natur« und volksbestimmten Entwicklungslinien verständlich und greifbar. Sein Buch „Rußland", das im Bibliographischen Institut A.-G., Leipzig, erschienen ist, gibt einen umfassenden Ueberblict. Ueber die neue Nutzung der ökonomischen Kraftquellen und insbesondere über die Entwicklung der Landwirtschaft schreibt Hans von Eckardt:
Krisen und Schwierigkeiten, jahraus, jahrein, erbitterte Machtkämpfe um die Nachfolge Lenins, Vernichtung der Opposition und Ausstoßung der Führer der Oktoberrevolution, der Schöpfer und Leiter des Sowjetstaates — und doch ein Weiterkommen, ein Aufbau. Das „Experiment des Bol- [Chemismus" hat nicht bewiesen, was anfänglich angestrebt wurde, aber dennoch etwas geschafft und vollbracht. Neue Kraftquellen sind erkannt, breitere, verheißendere Wege, wie ehedem, beschritten worden. Nach 12 Jahren unermüdlicher Anstrengungen darf bereits resümiert werden — auch wenn die Einzelhandlungen fehlschlugen, Irrtümer vorwalten, im Detail das meiste barbarische oder verworren, unordentlich und mißraten aussieht. . . .
Was ist nun letztlich geschafft? Kurz gesagt: die Werktätigen Rußlands, anders wie ehedem auf ihren Boden gestellt, vor neue Aufgaben gezwungen. Die russischen Menschen hatten für ihr eigenes Land bisher nur sehr geringes Interesse gehabt. Das alte Nowgorod oder Smolensk auf- zusuchen — wie man im Westen nach Nürnberg oder Brügge reist, — wäre einem Russen früher ebensowenig eingefallen, wie den Ural kennenzulernen oder gar nach Sibirien zu gehen; man pflegte seine eigene Heimatprovinz kaum zu kennen, von ihrer Wirtschaft, Nöten oder Aussichten, Bodenschätzen und Natur fast nichts zu wissen. Nun zeigte man dem Proletariat, den in der Wirtschaft Tätigen, der Jugend, • ” Soldaten und den zu großen Kongressen und Feiern in die Städte geladenen Bauern, was ihr Gebiet, ihr Umkreis, ihr Wirtschaftsrayon enthielt, versprach, verhieß: ungenützte Schütze am Ort, Möglichkeiten unerwarteter Art. „Materielles ist unstillbar an sich" — Schatzgräberinstinkte wurden geweckt und gepriesen, der abenteuerliche Rausch, Entdeckungen zu machen, verbreitet. Die nüchternen Probleme der Schaffung neuer oder des Ausbaues alter Wirtschaftsgebiete besamen ein anderes, aktuelles Aussehen.
Nicht viel mehr wie vom ökonomischen Nutzungswert des Waldes und den Borteilen einer Forstwirtschaft wußte der großrussische Muschik oder ukrainische Chochol vom eigentlichen Wert seines Bodens und Lander. Gearbeitet wurde an sich nicht weniger wie im Westen. Die Feldarbeit trug, jedoch jahrhundertelang den Stempel bedrückender Zwecklosigkeit, tödlicher Aussichtslosigkeit. Der Landmangel und die Preisgestaltung der landwirtschaftlichen Er- Zeugnisse ließen den Bauern verzweifeln. Er war gewiß nicht faul, nicht träger wie andere Bauern auch — es lohnte sich jedoch nicht, intensiv zu arbeiten, wenn die Steuern ja doch alles fortnahmen, weitere Pachtung von Land nicht in Frage kam, jeder Aufschwung immer nur dem Staate, niemals der Landwirtschaft zugute kam.
So ist es auch heute noch. Aber sicherlich nicht mehr auf lange. Etwas hat sich entscheidend geändert: Das ganze Land, die ganze Oberfläche der UdSSR., steht den Bauern zur Verfügung, worum heute gekämpft wird, ist deshalb nur noch die Frage: auf welcl)e Weise man den Bauer zu intensiverer Bodenbearbeitung bringt. Die Statistik meist eine Zunahme der Anbaufläche auf. Die Erträgnisse sind — selbst in Jahren guter Ernte — geringer als ehedem. Die russische Weizenproduktion betrug 1926 nur 16,9 Prozent, die Gerstenproduktion nur 14,2 Prozent der Welterzeugung. Das läßt sich steigern. Und gerade wenn die Getreideerzeugung der übrigen Welt zunehmen sollte, dann werden sich auch Rußland neue Chancen bieten. Es ist natürlich tragisch, bei einer enormen Ausfuhrmöglichkeit Getreide einführen zu müssen — wie die Dinge jedoch liegen, bedrückt diese Tatsache den Staat und entlastet die Landwirsschaft.
Wichtig ist nicht nur die Zugänglichkeit des Bodens für die Bauernmassen, sondern auch die — wenn auch außer- ordentlich langsame — Zunahme der Arbeitsfähigkeit der Landbevölkerung. Dies drückt sich unter anderem in einer Zunahme der Anbaufläche technischer Kulturen aus. Die technischen Kulturen nehmen heute bereits eine größere Anbaufläche in Anspruch als 1913. Die Fruchtfolge kann reichhaltiger gestaltet werden als ehedem. Die Aufgaben der Landwirtschaft werden über das primitiv-bäuerliche Denken in einen größeren Rahmen als bisher hineingestellt. Man hat sich auch daran gewöhnt, weniger Arbeitskraft als früher anzusatze«. In Friedenszeiten waren etwa 1,5 Millionen Saisonarbeiter in dem Schwarzergebiet alljährlich tätig.
Andererseits ist jedoch der Bauer selbst, nicht etwa nur der Landwirt oder der Pächter von ehedem, in Beziehung zur Maschine getreten: vor dem Kriege gab es nur sehr wenige Traktoren — 1927 zählt man bereits 25 000. Nimmt man diese Dinge psychologisch, so kann man sagen, daß sich eine Wandlung vollzogen hat, deren Folgewirkungen noch nicht im entferntesten abgeschätzt werden können. Das Mißtrauen jeder zivilisatorischen und technischen Möglichkeit gegenüber beginnt zu verschwinden. Der Maschinenpflug