Jlr. 49
Gchlüchteraer Zeitung
4. Blatt
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Alle Minister versammelt
Entscheidende Phase der Genfer Besprechungen.
Gens, 22. April
Rascher als man Mitte der Woche noch angenommen ' hatte, sind die maßgebenden Staatsmänner nun doch alle vollzählig in Genf versammelt. MacDonald und Tardieu sind Donnerstagvormittag mit dem gleichen Auge aus Paris in Genf eingetroffen. Kurz nach der Ankunft MaeDonalds * tastete St i m s o n dem englischen Ministerpräsidenten einen Besuch ab, worauf sich beide im Auto zur Villa Stimsons degaben. Im Laufe des Vormittags traf auch Tardieu dort ein. Gegen Mittag erschienen Reichskanzler Dr. Brüning unb kurz darauf MacDonald im Sitzungssaal der Abrüstungskonferenz. Der Präsident der Konferenz unterbrach für einen kurzen Augenblick die Verhandlung. MacDonald, der trotz seines Augenleidens einen frischen Eindruck machte, mürbe von allen Seiten auf das herzlichste begrüßt. Er nahm am Sitz der englischen Abordnung dicht neben der deutschen Abordnung Platz und begrüßte den Reichskanzler. 3m Anschluß an die Sitzung fand ein Frühstück bei Lord Londonderry statt, an dem sämtliche führenden Minister teilnahmen. Diese Begegnung leitete die entscheidende Phase der Genfer Besprechungen ein.
Das plötzliche Eintreffen Tardieus in Genf ist offenbar darauf zurückzuführen, daß Paul-Boncour telegraphisch um Hilfe in seinem Kampf gegen die Uebermacht gebeten hat. Zweifellos wird Tardieu alles versuchen, das verlorene Terrain zurückzugewinnen, mit allen Mitteln eine
siisch-ita-
Festlegung der Konferenz auf die amerikanisch-englisch-ita- limischen Abrüstunstsvorschläge unmöglich zu machen und die Konferenz zu einer sofortigen Behandlung der französischen Sicherheitsvorschläge zu zwingen. Nach dem bisherigen Verlauf der Genfer Abrüstungsverhandlungen zu ur« teilen, dürfte sich der französische Ministerpräsident allerdings nur schwer durchsetzen können. In der Donnerstag- Sitzung fand der vom englischen Außenminister eingebrachte Antrag auf Abschaffung der schweren Angriffswaffen in einer ausgedehnten Aussprache unerwartet starke Unter-
M
iützung von allen Seiten. Von 13 Rednern erklärten sich ille bis auf Paul-Boncour uneingeschränkt für den englischen Antrag.
3n allen Konferenzkreisen hat die Aussprache den Eindruck verstärkt, daß die Stimmung in verstärktem Maße zugunsten des englisch-amerikanisch-italienischen Vorschlages wächst und daß die französische Regierung damit in eine außerordentlich schwierige Lage geraten ist, da die Isolierung Frankreichs und der mit Frankreich verbundenen Staa- H ten deutlich zutage tritt.
Der Versuch von französischer Seite, den offensichtlich § in der Linie des Abrüstungsvorschlages liegenden englischen Vorschlag zu sabotieren, ist zunächst auf unerwartet starken nachhaltigen Widerstand gestoßen, jedoch setzte noch am Donnerstag der Gegenstoß der französischen Staatengruppe
unter Führung des stets den französischen Interessen dienenden rumänischen Gesandten Titulescu ein, um durch einen Gegenvorschlag in letzter Stunde di» Annahme des
n paul-Boncour in Bedrängnis
Im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz sprachen ich zunächst die Neutralen von Cakrada und Norwegen uneingeschränkt für die Vorschläge der englischen Regierung ins Abschaffung der schweren Angriffswaffen aus. Mit großem Pathos setzte sodann Paul-Boncour den Standpunkt der französischen Regierung zu dem englischen Vorschlag auseinander, ohne hierbei wesentlich Neues zu sagen. Er chnte, wie zu erwarten war, den englischen Vorschlag ab. Bas Hauptargument, das Paul-Boncour immer wieder vor- "wchte, bestand in dem Hinweis, daß es außerordentlich ge- ährlich sei, wenn die Abrüstungskonferenz jetzt dem Völkerbund die wichtigste Waffe entziehe, die er eines Tages im Interesse der internationalen Sicherheit dringend gebrauchen könne. Wenn die schweren Angriffswaffen abgeschafft würben, so sei damit eine einzigartige Gelegenheit vorübergelassen worden, dem Völkerbund die notwendigen Macht- »ätel zu geben. Die Staaten hätten kein Recht, dem Völ- erbund die entscheidenden Angriffswaffen zu verweigern baul-Boncour suchte sodann den Nachweis zu führen, daß ™e Unterscheidung zwischen Angriffswaffen und Nichtan- Isiffswaffen überhaupt nicht möglich sei. Die französische Nehrung sei daher nicht in der Lage, den englischen Antrag mber vorliegenden Fassung anzunehmen. Sie stehe vielmehr «eingeschränkt auf dem Boden des Abkommensentwurfes 1,5 Völkerbundes, der die alleinige beste Grundlage der Lä- Mg her Abrüftungsfrage bilden könne.
Amerika sekundiert England
Als nächster Redner sprach der amerikanische Botschafter M[on und erklärte, daß er den Antrag des englischen «ßenministers auf Abschaffung der schweren Angriffswaf- e" im Namen seiner Regierung wärmstens unter- "utze. Sinn und Ziel des englischen Antrages stimme voll dem amerikanischen Vorschlag überein, durch Abschaf- W der Angriffswaffen die Verteidigungsmöglichkeiten zu Phen und damit die allgemeine Sicherheit zu stärken.
। Zum Schluß wandte sich Gibson noch gegen die franzö- W Forderung, die Abrüstung auch auf die Flotten auszu- wn. Aus dem Gebiete der F l o t t e n r ü st u n g e n sei, 0 erklärte er, bereits seit 10 Jahren eine Herab- Wng und Beschränkung der Rüstungen vorgenommen, "lese Tatsache sei von der Weltöffentlichkeit aufs wärmste Mißt worden.
Der erste Hoffnungsstrahl
i' „ Der Vertreter von Südafrika erklärte mit großem v Mruck, daß der englische Antrag der erste Hoffnungs- ' W sei und der Welt beweise» könnte, daß die 64 Staa- u '? >n Genf nicht müßig ihre Zeit verlören Warme Unter« [• u&ung fand der englische Vorschlag durch die Außenminister t, Mol+anb, Beelaerts, unb Schweden, Baron Ra- , Nur der japanische Botschafter Sato nahm mit ge« ' Vorsicht und dem Vorbehalt der Berücksichtigung der 7 Anderen Lage seines Landes den englischen Vorschlag an. " 11 herzlichen Worten setzte sich auch der bekannte Führer * * Mohammedaner Indiens und Vertreter der iudi- Regierung auf der Abrüstungskonferenz, Agha Kan,
für den Vorschlag ein. Auch der Vertreter E h i n a s nahm den englischen Vorschlag namens seiner Regierung in rotiern Umfange an.
Der französische Gegenstoß
Der rumänische Gesandte Titulescu krachte zum Schluß der stundenlangen Verhandlungen als Beauftragter von 14 Staaten einen Gegenvorschlag gegen den englischen Antrag ein, der eine Hinauszögerung der Entscheidung über den Grundsatz der qualitativen Abrüstung bezweckt und auf diese Weise den gesamten englischen Antrag zu Fall zu bringen sucht. In der von Titulescu dem Hauptausschuß vorgelegten Entschließung wird lediglich hervorgehoben, daß einige Mächte ein völliges Verbot der Nicht- angriffswaffen wünschen während nach Auffassung anderer Mächte diese Waffen dem Völkerbund zur Verfügung gestellt werden müssen.
Aus diesem Grunde müsse die gesamte Frage zunächst den „technischen Ausschüssen zur Prüfung überwiesen" werden.
Zum Schluß der Sitzung kam es zu einem unerwarteten Zwischen fall. Der sowjetrussische Außenkommissar L i t w i n o w erhob sich und erklärte, daß der Vorschlag Ti- tulescus nicht eine Lösung, sondern ein als Lösungsvorschlag maskiertes Manifest darstelle und daher die sowjetrussische Abordnung für den englischen Antrag stimmen werde.
Der Präsident Henderson war im Hinblick auf den neuen rumänischen Antrag nicht in der Lage, wie ursprünglich vorgesehen, die Verhandlungen mit der Einsetzung eines Redaktionsausschusses abzuschließen und erklärte, daß durch den Vorschlag der 14 Mächte eine völlig neue Lage geschaffen sei, die eine Wiederaufnahme der Aussprache am Freitag notwendig mache.
Der Vorstoß der französischen Staatengruppe wird deutscherseits in Uebereinstimmung mit den meisten Abordnungen als ein grobes Manöver aufgefaßt, um die ersten Ansätze praktischer Arbeiten auf der Abrüstungskonferenz zu verhindern. Allgemein besteht in Konferenzkreisen die Auffassung, daß durch derartige unehrliche Machenschaften, für die sich der rumänische Gesandte Herr Titulescu hergegeben habe, die Arbeiten der Abrüstungskonferenz auf das ernsteste in Frage gestellt werden, und man berechtigt ist, an dem ehrlichen Willen dieser Staaten zu einer wahrhaften Lösung des Abrüstungsproblems zu gelangen, Zweifel zu hegen.
Groener fährt zu Brüning
Besprechungen über das Reichsbanner.
Berlin, 22. April.
Der Reichsminister des Innern, Groener, wird sich am Sonnabend nach Süddeutschland begeben, um dort mit dem Reichskanzler Dr. Brüning zusammenzutreffen, der zur Ausübung seines Wahlrechtes für den preußischen Landtag am Sonntag in Sigmaringen sein wird. Bei dieser Zusammenkunft des Kanzlers und des Reichsinnenministers soll die Haltung der Reichsregierung zum Reichsbanner end- güttig geklärt werden.
Der für Donnerstag vorgesehene Besuch Groeners beim Reichspräsidenten hat nicht stattgefunden. Wie von zuständiger Stelle dazu mitgeteilt wird, hat sich die Angelegenheit dadurch verzögert, daß am Dienstagnachmittag aus dem Büro des Reichspräsidenten neues Material im Reichsinnenministerium eingegangen sei. Der Reichsinnenminister Groener habe noch am gleichen Tage den Führer des Reichsbanners, Höltermann, empfangen und ihm auch von diesem neuen Material Kenntnis gegeben. Höltermann hat darauf an den Reichsinnenminister ein S ch r e i - ben gerichtet, in dem er zunächst mitteilt, daß ein Rundschreiben an sämtliche Gauvorstände des Reichsbanners herausgegangen sei, in dem die Auflösung der Schutzformationen des Reichsbanners angeordnet werde. Dem Schreiben liegt eine eidesstattliche Versicherung bei, aus der sich ergibt, daß die Führerschaft des Reichsbanners mit den Maßnahmen der Bundesleitung einverstanden war und ist. ferner daß die Führerschaft bereit sei, das gesamte Akten- material den Behörden zur Kenntnis zu geben, und daß keine Tarnabsichten beständen. In dem Schreiben an den Reichsinnenminister geht Höltermann weiter ausführlich auf das ihm von Minister Groener am Dienstag übermittelte Material ein.
Junkers „D 2000“ wird zweistöckig.
Die Iunkersmaschine „G 38", die unter der Zulassungsnummer „D 2000" am 1. Mai den Dienst Berlin—London wieder aufnimmt, wurde in Dessau vollständig überholt und weitgehend umgebaut. „5 2000" ist durch Verstärkung der Motare das stärkste deutsche Flugzeug geworden, so daß das moderne Riesenflugzeug jetzt statt 15, 30 Fluggäste befördern kann. Das Bild zeigt das Flugzeug nach dem Umbau auf dem Dessauer Flugfeld.
Einbruch in das Märkische Museum. In das Märkilche Museum in B e r l i n drangen Einbrecher ein. Sie zerschlugen mehrere Vitrinen und raubten Goldmünzen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Münzen stellen keinen großen Wert bar; die Diebe hatten es lediglich auf den Metallwert abgesehen. Die Täter konnten noch nicht ermittelt werden.
Die Hof des Saarbergbaues — 60 000 Erwerbslose.
Die Vertreter der saarländischen Gewerkschaften hatten eine mehrstündige Besprechung mit der Regierungskommission. Sie wiesen besonders darauf hin, daß eine Einkommenssenkung von 600 Millionen Franken eingetreten sei, und daß man einschließlich der Saargänger zurzeit etwa 60 000 Erwerbslose im Saargebiet zähle. Da, sei im Verhältnis zu den Beschäftigten die größte Arbeitslosigkeit der Welt. Für die Versorgung der Bevölkerung mit verbilligten Lebensmitteln müßten die.Kontingente vergrößert und die Kartoffelzölle gesenkt werden. In schärfster Form verurteilte man die Massenkündigungen im Bergbau und den Druck aus die Bergarbeiter zu Gunsten der französischen Schule. Die Minister sagten eine ernste Prüfung des Materials zu.
Aufrechterhaltung der Junkers-Werke.
Die Verhandlungen der zuständigen Stellen über die Lage i bei den Junkers-Werken haben erneut die einmütige Bereitwilligkeit zu einer Fortführung der Betriebe ergeben. Um die Klärung der wirklichen wirtschaftlichen Lage durchführen zu können und die Fortführung der Betriebe sowie die Wiederaufnahme von Lohn- und Gehaltszahlungen zu ermöglichen, ist beschlossen worden, eine von Professor Dr. Junkers unabhängige Betriebsgesellschaft zu gründen. Dieser Betriebsgesellschaft sollen beschleunigt Mittel zur angemessenen Aufrechterhaltung der Betriebe, zur Materialbeschaffung und zu Lohn- und Gehaltszahlungen überwiesen werden.
Bekämpfung der Schwarzarbeit.
Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat soeben erneut einen Runderlaß an sämtliche Regierungspräsidenten und i den Polizeipräsidenten in Berlin gerichtet, in hem sie nochmals aufgefordert werden, der Bekämpfung der Schwarzarbeit ständig ihr Augenmerk zuzuwenden.
Wassenverhaslungen von Nationalsozialisten in Mittel-
- franken.
Dieser Tage wurden unter den ehemaligen SA.-Führern in Mittelsranken Massenverhaslungen vorgenommen. Die Aktion geht vom Oberreichsanwalt aus. Die Verhaftungen erfolgten wegen unrechtmäßiger Waffenbeschaffung und unrechtmäßigen Waffenbesitzes. Nähere Einzelheiten können aus kriminalpolizeilichen Erwägungen vorerst nicht gemacht werden, da die Erhebungen noch nicht abgeschlossen sind.
Neues aus aller Welt
Selbstmord. In den Anlagen der Hindenburgstrahe in A l l e n st e i n erschoß sich ein gutgekleideter junger Mann. Die Polizei war sofort zur Stelle, alsbald auch ein Arzt, der nur noch den Tod feststellen konnte. Nach den Papieren handelt es sich um einen 1905 geborenen, in Berlin-Lichten- rade wohnhaften Geserich, der in einem Allensteiner Hotel abgestiegen war. Auf einem Zettel hinterläßt er letzte ! Grüße an einen Bekannten in Allenstein und an [eine Frau i in Berlin.
toroge Kindersterblichkeit in Frankreich. Vom Statistischen Landesamt in Frankreich werden jetzt die endgültigen Zahlen über die Bevölkerungsbewegung im Jahre 1931 veröffentlicht, aus denen sich ein Geburtenüberschuß von 49 000 ergibt. Gegenüber dem Jahre 1930 bedeutet dies einen Rückgang von etwa 50 000. Von 730 000 lebendgeborenen Kindern starken 55 000 vor der Vollendung des ersten Lebensjahres und 625 000 nach der Vollendung des ersten Lebensjahres. Außerdem sind 28 000 Totgeburten zu verzeichnen. 326 358 Ehen wurden geschlossen und 21 212 Scheidungen ausgesprochen. Diese letzten beiden Zahlen decken sich ungefähr mit -denjenigen aus dem Jahre 1930.
Außerdienststellung der „Los Angeles"? Aus Spar- samkeitsrücksichten empfahl der Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses in Washington die sofortige Außer- dienslstellung des amerikanischen Luftschiffes „Los Angeles".
Besuch deutscher Linienschiffe in Oslo. Auch in diesem Sommer wird in Oslo deutscher Flottenbesuch erwartet. Für den 6. bis 12. Juli ist der Besuch der beiden deutschen Linienschiffe „Hessen" und „Schleswig-Holstein" angemeldet worden.
Schwere Malaria-Epidemie. Eine große Malaria-Epidemie herrscht in zwei Tälern von N a t a l. Hunderte von Eingeborenen sind bereits gestorben.
Faltboot-Atlantikfahrer verschollen. Ein Opfer des | Meeres scheint der am 14. Oktober v. I. von Lissabon aus mit eineM Faltboot zu einer Ozeanüberquerung gestartete 31 Jahre alte Kapitän Engler, der den Spuren Rohmers folgen wollte, geworden zu sein. Seit einer Dampferbegeg- nung in der Nähe der Kanarischen Inseln am 20. November hat man von dem kühnen Ozeanfahrer nichts mehr gehört, so daß man annehmen muß, daß er den Tod in den Wellen gefunden hat.
General Walter von Moßner gestorben. In Heidel - b e r g ist General der Kavallerie a. D. Walter von Moßner, 86 Jahre alt, gestorben. Moßner, zu Berlin geboren, trat 1864 beim Königs-Husarenregiment Nr. 7 in Bonn ein, wurde 1884 zum Major, 1890 zum Oberstleutnant befördert. 1891 zum Kommandeur des Leibgardehusaren-Regiments ernannt. 1897 erfolgte seine Ernennung zum Generalmajor und 1900 zum Generalleutnant. 1901 wurde er Gouverneur von Straßburg und 1902 General der Kavallerie. Während des Krieges wurde Moßner stellvertretender Kommandeur des 21. Armeekorps. 1918 wurde ihm der Schwarze Adlerorden verliehen. Moßner hat sich auch als Rennreiter einen Namen gemacht und 80 Rennen bestricken. Zweimal gewann er das Armeejagdreiten von Baden-Baden. Er nahm auch an den Feldzügen 1866 und 1870/71 teil.
Staatsrat vor Gericht. Die Verhaftung des ehemaligen Thüringer Staatsrats Erich Port im Dezember v. I. erregte großes Aufsehen. Port, der in Klein-Reinsdorf im Landkreise Greiz ein Gut besaß, wurde in das Bezirksgerichts- gefänqnis in Greiz eingeiiefert, weil er im Verdacht stand, Unterschlagungen begangen zu haben. Der Verdacht bestätigte sich. Das Greizer Gericht hatte sich nun mit dem Fall' zu befassen. Die Anklage legte Port, der schon mit 32 Jahren Staatsrat in Thüringen geworden war und mehreren Regierungen angehört hatte, zur Last, als Rechner der Spar- und Darlehnskasse Klein-Reinsdorf aus der Genossenschaftskasse 11 000 RM, weiter durch Verkauf von im Lagerhaus ausbewahrtem Getreide von sieben Land- wirten 1800 RM und 1200 RM dem Radfahrerverein Klein-Reinsdorf, dessen Vorsitzender er war, unterschlagen zu haben. Das Urteil lautete auf zwei Jahre Gefängnis und zwei Jahre Ehrverlust.