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chluchtemer Zutuns

-Amtsblatt * MyemeLner amttütierKazettzerjÄr ten Kreis Schtüchtern

Ut. 47

(1. Blatt)

Dienstag, den 19. April 1932

84. Aahrg.

etliche Bekanntmachungen.

Kreisausfchuß.

Neredittttgsk«rf«s.

L,ftr. 1567 K. 6. Ende April oder Anfang Mai d. 33. I, wie alljährlich eine Unterweisung im Umpfropfen i Obstbaumen (Veredelungskursus) stattfinden. Für die eiligung an diesem eintägigen Kursus wird keine Ge- x erhöhten, jedoch muß jeder Teilnehmer ein guter Mngsmesser und einen Abziehstein mitbringen.

Der Kursus findet in der Ureisbaumschule in Schlucht i statt. Anmelbungen hierzu sind sofort, spätestens je- h bis zum 25. April an Herrn Kreisobergärtner Hol- in hier, Dreibrüderstraße 16, zu richten, woselbst auch pe Auskunft erteilt wird.

)ur^ den Kursus soll den Teilnehmern neben der prak- hen Uebung der Handgriffe auch Aufklärung über Sor- mhl unter Berücksichtigung der örtlichen Lage gegeben eben. Die Erfahrungen, die bei dem Ubsatz und der Der- rtung des Obstes aus der Ernte 1931 gemacht worden d, haben den Gbstzüchtern gezeigt, daß viele Obstsorten erkäuflich sind. Durch Umoeredeln können diese aber m nach 34 Jahren durch eine rentable Sorte ersetzt rben. Bei Ausführung der Umpfropfarbeiten darf nicht ulos und ohne jede Kenntnis der Sorte, die der Obstbau- verlangt, verfahren werden. 3m Hinblick! darauf, daß der Rückkehr normaler Wirtschaftsverhältnisse die ©bit­ten angemessene Einnahmen bringen werden und der stbau sich rentabler gestalten wird, kann die Teilnahme dem geplanten Kursus nur empfohlen werden.

)ie Herren Bürgermeister des Kreises werden Ersucht, ' den Veredlungskursus in ortsüblicher Weise hinzuweisen. ILchlüchtern, den 16. April 1932.

Der Vorsitzende des Ureisausschusses: Dr. Müller. lobt Schlüchtern.

'^ Bera « NtmaLitUa.

)ie Heberolle über die für das Jähr 1932 zur landwirt- stlichen Berufsgenossenschaft und deren Haftpflichtver- erungsanstalt zur Erhebung kommenben Beiträge liegt der Zeit vom 20. April bts einf d>L 3. Mai 19 3 2 Rathaus Stadtkasse zur Einsichtnahme öffentlich

hchlüchtern, den 18. April 1932.

Der Magistrat. Gaenßlen.

»lksetttschetde zur Auflösung uo« Kundtagen.

* 3n Sachsen und in Oldenburg wurden am Sonntag ksentscheide auf Landtagsauflösung durchgeführt, die in )en Fällen von der Rechtsopposition und den Kommune i unterstützt wurden. In Oldenburg, wo die einfache Hrheit der abgegebenen Ja-Stimmen nach der Landes­fassung genügte, wurden 125 365 Ja- und 5796 Heim mmen abgegeben, so daß der Landtag damit aufgelöst Neuwahlen werden wahrscheinlich am 29. Mai ftatt- kn. In Sachsen betrug die Gesamtzahl der abgegebenen unten dagegen nur 38 Prozent der Wahlberechtigten, isrend zum Gelingen des Volksentscheids eine Majorität Wahlberechtigten erforderlich gewesen wäre. Danach also in Sachsen der Volksentscheid gegen die Auflösung 1 Landtags ausgefallen.

- Reichskanzler Dr. Brüning hatte am Sonntag in Genf c Besprechung mit dem amerikanischen Außenminister imfon.

" Der Reichsinnenminister hat die Regierung von Meck» ^Streliß (bie aus Deutschnationalen und Rational- lalisten besteht) ausdrücklich ersucht, für die polizeiliche Erstellung der S. R.-Rusrüstungsgegenstände zu sorgen. c Mecklenburg-Strelitzer Regierung hatte in einem Rund- leiben gegen das S. A.-Derbot protestiert und erklärt, »^azu keinerlei Veranlassung bestehe.

Graf Zeppelin" ist in der Nacht zum Montag unter Mng Dr. Eckeners zu seiner dritten diesjährigen Lüd- ^rikafahrt in Friedrichshasen gestartet. An Borb befin* " sich fünf Passagiere.

" Lindbergh hat das Lösegeld für fein Rind von 50* auf Dollar erhöht.

" Nach einer Berliner Blättermeldung soll Abolf Hitler gen der Behauptung, er habe vor der ausländischen Pres- »Märt, bie Auflösung der S. A. sei unter Frankreichs * erfolgt, gegen sich selbst Antrag auf Einleitung eines ^iplinarVerfahrens gestellt haben. Für die Dauer des Hehrens habe Hitler Suspenbierung von den Amtsge* Wkn bei der braunschweigischen Regierung beantragt.

In einer sozialdemokratischen Wahlversammlung in Wurt a. M. machte der Redner Arthur Trispien die Enthüllung, daß Hitler nämlich in Wirklichkeit Wttelgruber heiße.

Der Wahnsinn der Reparationen.

Schachts Rundfunkrede an Amerika.

Sei der Eröffnung der deutschen Vortragsreihe der International Radio Forum" in Berlin am 16. April hielt der frühere Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar Schacht, eine Rede, in der er u. a. folgendes ausführte:

Als ich im Herbst 1930 meine amerikanischen Hörer zum ersten Male in aller Oeffentlichkeit auf die katastropha­len Folgen der sinnlosen Nachkriegspolitik für das gesamte Geschäftsleben der Welt und insbesondere für die deutsche Wirtschaft aufmerksam machte, stieß ich vielfach noch auf Verwunderung und Unglauben. Die Ereignisse der letzten 18 Monate haben mich voll gerechtfertigt.

Jetzt wird es immer klarer, daß die internationalen Rachkriegsverträge vielfach nur eine Verewigung dieses ökonomischen Wahnsinns bedeuten und deshalb in vielem unhaltbar sind.

Nicht nur Deutschland und die Länder, die mit ihm im Kriege unterlegen sind, sondern auch eine Reihe der Sieger­länder und neutraler Länder haben ihre ökonomischen und finanziellen

Reserven ganz oder beinahe aufgezehrt.

Zwei Momente spielen dabei mit, erstens daß ohne ein ge­deihliches geschäftliches Leben auf die Dauer kein Staat existieren kann, weil die Steuern sonst ausbleiben, die die Finanzen des Staates tragen, und zweitens, daß eine Welt, die nur von politischen, aber nicht von ökonomischen Bestre­bungen geleitet wird, den internationalen Kredit außer Funktion setzt. Und das ist das besondere Signum der jetzi­gen weltweiten Depression.

Das Geschäflsleben Deutschlands und folglich eines gro­ßen Teiles der übrigen Welt steht still. Es scheint nur An­erkennung zu verdienen, daß angesichts dieser Umstände das deutsche Volk dennoch einmütig entschlossen ist, alle seine pri­vaten Schulden zu bezahlen. Vorbedingung freilich hierfür ist, daß die jetzige Stillhalke-Psychose überwunden wird

Die Schwierigkeiten des Transfers werden in den näch­sten Monaten sicherlich zunächst noch steigen. Was aber tigen Transfer erleichtern.

Wir haben zu sehr nach ausländischer finanzieller Hilfe ausgeschaut und uns zu sehr auf internationale Konferenzen verlassen. Auch haben wir in diesen Jahren viele Fehler in unserer inneren Finanzpolitik begangen. Ich bin aber fest überzeugt, daß Deutschland in kürzester Frist wieder ein vertrauenswürdiges Glied der internationalen wirtschaft­lichen Gemeinschaft sein wird.

Unhaltbare Lage -er Städte.

Reue gefährliche Verschlechterung der Gemeindefinanzen.

Berlin, 17. April.

In den Borstandssitzungen des Deutschen und des Preußischen Städtetages kam von allen Seiten zum Aus­druck, daß sich die Lage der Städte in den letzten Woch m unhaltbar verschlechtert habe. Aus den einleitenden Wor­ten des Präsidenten Dr. M ul e rt und der eingehenden. , teilweise sehr erregten Aussprache ging die neuerliche kata­strophale Zuspitzung der Lage eindeutig hervor.

| Es wurde betont, daß das Steueraufkommen selbst die pessimistischsten Schätzungen unterschreitet. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen ist in den letzten sechs Monaten um mehr als 60 v. h. gestiegen, so daß zu der Verschlechterung der Einnahmen ein weiteres katastrophales Anwachsen der Ausgaben getreten ist, gegen das jeder Sparwille und jeder noch so rigorose Abbau wirkungslos bleiben muh. Es be­steht die ernste Gefahr, daß in kurzem auch die Zahlung der Zinsen, Gehälter, Löhne und Unterstützungen in größe­rem Umfange in Frage gestellt wird. Die deutschen Gemein- ! den und Gemeindeverbande müssen für 1932 mit einem Fehlbetrag von mindestens 750 Mill. RM rechnen, nachdem das Rechnungsjahr 1931 mit einem Fehlbetrag von wenig­stens 350 Mill. RM abschließt. In zahlreichen Industrie­städten decken die gesamten Steuereinnahme» nur noch die Hälfte der Wohlfahrtslasten.

Angesichts dieser Sachlage ist von einem Haushaltsaus­gleich in den meisten Städten nicht mehr die Rede, bevor nicht die dringlichsten Forderungen der Städte erfüllt sind. Die seit langem geforderte und auch von Reichs wegen in Aussicht genommene Reform der Arbeitslosenfürsorge muß endlich verwirklicht werden. Es geht nicht an, daß die Lasten der Arbeitslosenfürsorge von Monat zu Monat stär­ker vom Reich auf die Gemeinden abgewälzt und die Länder von diesem Hauptteil der Wirtschaftskrise überhaupt nicht betroffen werden.

- In einer überfüllten Versammlung der R5DRP sprach am Samstagabend im Hippodrom in Frankfurt a. 11t. der frühere thüringische Staatsminister Dr. Frick u. a., daß das, S. A.=Derbot vor den Wahlen das beste Propaganda- mittel für die RSVRP sei. Der zweite Redner, Zilkens-Lssen sagte, daß das Endziel nicht die präsidentsclxrft Hitlers, sondern die Hitler-Diktatur sei.

Auf dem Unter-Uckersee bei Prenzlau ertranken bei einem Vootsunsall vier Ruderer.

Wie es war und fein wird.

Am 24. April wird nun endlich da» preußische Landesparlament neu gewählt, nachdem es seit dem 20. Mai 1928, also die vorgeschriebenen vier Jahre, voll bestanden hatte. Daß es sich um eine wichtige Entscheidung für lange Zeiten handelt, ist heute für jedermann klar. Aber es ist auch zweckmäßig, sich noch vor der Wahl in Erinne­rung zu rufen, wie denn dieser jetzt zu Ende gehende Land­tag eigentlich ausgesehen hat. Darüber bestehen nun bei vielen Leitten im Lande meist sehr unklare Borstellungen. Wir wollen deshalb einmal klarstellen, wie der Landtag unmittelbar nach der Wahl und wie er am Schluß der Tagungszeit sich zusammensetzte.

Am 20. Mai 1928 wurden 137 Sozialdemokra- t e n gewählt, die insgesamt 5 463 000 Stimmen erhielten. Die zweitstärkste Partei war die Deutschnationale, die 83 Landtagssitze mit 3 270 000 Stimmen aufbrachte. Ihr folgte das Zentrum mit 71 Mandaten und 2 870 000 Stimmen. Dann kamen die K o m m u n i st e n mit 56 Man­daten und 2 200 000 Stimmen, während die Deutsche Volkspartei schon in weitem Abstande davon blieb mit 40 Mandaten und 1 600 000 Stimmen. Weniger als 1 Mil­lion Stimmen brachten auf die Demokraten (21 Man­date), die Wirtschaftspartei (21 Mandate), die N a - tionalsozialisten (die damals nur 346 000 Stimmen und 6 Mandate erzielten), dann derVölkisch-Rationale Block" (2 Mandate), Christl.-Nationale Bauern (8), oie Deutschhannoveraner (4) und die Aufwertungspartei (2). Die christlich-nationalen Bauern, Deutschhannoveraner, Volksrechtspartei und der völkisch-nationale Block schloßen sich zu einerDeutschen Fraktion" zusammen.

Die Regierung wurde gestützt, wie schon in den Jah­ren vorher, von den Sozialdemokraten, dem Zentrum und den Demokraten (Staatspartei), die insgesamt 229 Abge­ordnete umfaßten gegen 221 der Opposition. Im Laufe der Gesetzgebungszeit ist es im Landtage zu einer Umgrup­pierung der Parteien gekommen, so daß zum Schlüsse die Deutschnationalen statt 83 nur noch 70 Man­date hatten, während ein Teil von ihnen sich der Deutschen ZraktjM anschloß, ein anderer aber als Christlich-Sozialer yolfsöienb eine eigene Gruppe bildete. Auch von den Kom­munisten sind einige abgesplittert, die einekommunistische Opposition" aufmachten. Von den sozialdemokratischen Ab­geordneten sind kurz vor Landtagsschluß zwei zur Soziali­stischen Arbeiterpartei (SAP.) übergetreten.

Die gegenwärtige Preußische Staatsregierung wird ge­führt von dem Ministerpräsidenten Otto Braun. Dieser ist als Ministerpräsident mit nur kurzen Unterbrechungen be­reits seit dem März 1920 im Amt. Das heißt, daß die preußische Regierung trotz aller inneren Wandlun­gen in Deutschland die läng ste Amtsdauer aufweisen kann und infolgedessen eine verhältnismäßig gleichmäßig« Staatspolitik betreiben konnte. Während die Reichskabinette in der gleichen Zeit sehr oft gewechselt haben, blieb die preußische Regierung fest und beharrlich auf ihrem Platze. Sie setzte sich seit 1925 zusammen aus 2 Sozialdemokraten, 3 Zentrumsparteilern, 2 Demokraten und 1 parteilosen De­mokraten. Seit Februar 1930 sind dagegen 3 Sozialdemo­kraten (außer dem Ministerpräsidenten der Innenminister und der Volksbildungsminister), 3 Zentrumsparteiler und 2 Demokraten im Ministerium, im November 1931 schied der demokratische Finanzminister Höpker-Aschoff freiwillig aus, an seine Stelle wurde der aus konservativen Kreisen stammende, aber parteilose Dr. Klepper als Finanzminister berufen. Zentrumsmitglieder sind der Iustizminister Dr. Schmidt, der Landwirtschaftsminister Dr. Steiger und der langjährige christliche Gewerkschafter Hirtsiefer als Minister für Volkswohlfahrt. Die Staatspartei ist noch durch den Handelsminister Dr. Schreiber vertreten.

Alle drei Parteien, die die Regierung bildeten, haben im Laufe der Zeit fest zusammengehalten, um eine Er­schütterung der preußischen Staatsführung nach Möglichkeit zu verhindern. Daß sie dabei gegenseitig aufeinander Rück­sicht nehmen mußten und keine von ihnen ihr« eigenen Pro­grammforderungen voll durchsetzen konnte, ergibt sich aus der Lage der Sache von selbst. Die Arbeit ist ihnen von der Opposition begreiflicherweise nicht leicht gemacht worden, trotzdem diese in sich durchaus nicht einheitlich war. Seit dem Zusammentritt des Landtags im Juni 1928 bis zum Ende des Jahres 1931 sind nicht weniger als 32 Miß- trauensanträge gegen sie eingebracht und sämtlich abgelehnt worden. 16 dieser Anträge stammten von den Kommu­nisten, 12 von den Deutschnationalen und an 4 Anträgen waren Wirtschaftspartei, Deutsche Fraktion oder National­sozialisten beteiligt. Trotzdem die Mißtrauensanträge von den verschiedensten Richtungen der Opposition stammten und gan» verschiedene Begründungen mit auf den Weg besamen, mürben sie fast immer von allen nicht zur Regierung ge­hörenden Parteien unterstützt. Dabei aber waren die Mit­glieder dieser Oppositionsparteien bei den Abstimmungen nicht einmal immer vollständig anwesend, so daß der christ­lich-soziale Abgeordnete Meyer-Hermsdorf eines Tages dar­auf aufmerksam machte, daß zum Beispiel bei der Abstim­mung über den Antrag auf Landtagsauflösung bei der Opposition fehlten: 5 Deutschnationale, 8 Kommunisten, 7 Mitglieder der Deutschen Volkspartei und 1 Mitglied der Wirtschaftspartei, insgesamt also 21 Mitglieder der Oppo­sition, trotzdem ihre Parteien den Antrag eingebracht hatten.