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Nr. 41

Gchlüchterner Aeivma

2. Blatt

Kein Wahlbündnis der DBP.

Eigene Listen in ganz Preußen.

Berlin, 4. April

Der Pressedienst der Deutschen Volkspartei teilt mit: Verschiedene Blättermeldungen lauten dahin, daß sich die Deutsche Volkspartei in einigen Wahlkreisen an einem Wahl­bündnis mit den Mittelparteien beteiligt bezw. gemeinsame Listen mit ihnen aufstellen werde. Demgegenüber ist festzu- stellen, daß Parteivorstand und Landesausschuß der Deut­schen Volkspartei sich einmütig auf den Standpunkt gestellt haben, daß die Deutsche Volkspartei in ganz Preußen mit eigenen Listen vorzugehen hat. Es kam weiter zum Aus­druck, daß die Deutsche Volkspartei mit ganzer Kraft einer Sammlung des nationalen Bürgertums zustreben muß, daß dagegen aber eine rein technische Listenverbindung ohne Eindruck auf die Wählerschaft bleiben werde, solange die daran beteiligten Gruppen sich nicht zu einer einheitlichen Linie im Reich und in Preußen vereinigen können. Wenn die anderen Parteien der Mitte und der gemäßigten Rech­ten sich zu einem gemeinsamen Vorgehen einigen sollten, io wird das von der DVP durchaus begrüßt, da sie den selbst­verständlichen Wunsch hat, daß keine Reststimmen verloren­gehen. Die volksparteilichen Stimmenzahlen kommen auf der eigenen Wahlliste und der eigenen Landesw.ahlliste voll zur Geltung. Die Dinge in Württemberg, und in Bayern, wo Abkommen mit der Konservativen Partei und der Wirt- schaftspartei geschlossen wurden, liegen ganz anders und sind aus besonderen landespolitischen Verhältnissen und wahlgesetzlichen Bestimmungen in diesen Ländern zu er­klären.

Der ehemalige Kronprinz für Hitler.

Der ehemalige Kronprinz erläßt folgende Kundgebung: „Wahlenthaltung im zweiten Wahlgang der Reichsprä- sidenienwahl ist unvereinbar mit dem Gedanken der Harz- burger Front. Da ich eine geschlossene nationale Front für unbedingt notwendig halte, werde ich im zweiten Mahlgang Adolf Hitler wählen.

Auflösung der Versorgungsämier.

Ersparnisse von etwa 2,5 Millionen RM im Jahre.

Berlin, 4. April

Durch den Erlaß des Beichsarbeitsministers ist die Zu­sammenlegung einer größeren Anzahl von versorgungsäm- tern und andere Maßnahmen zur Vereinfachung der Vcr- sorgungsverwallung angeordnet worden. Insgesamt ist die Zahl der Versorgungsämter um 21, also um etwa ein Vier­tel, auf 76 Versorgungsämter verringert worden

Zum 1. April 1932 wurden folgende Versorgungsämter aufgelöst (die Orte in Klammern ^deuten die Aufnahme- ämter): Landsberg a. d. Warthe (Frankfurt a. d. Oder und Schneidemühl), Kottbus (Frankfurt a. O.), Belgard (Stolp, Stettin und Schneidemühl), Schleswig (Flensburg, Kiel und Altona) Lübeck (Rostock, Altona und Kiel), Bremen (Olden­burg), Stade. (Oldenburg und Altona), Celle (Hannover und Altona), Deutz (Köln), Meißen (Chemnitz, Dresden und Leip­zig), Ansbach (Nürnberg), I bis IV Berlin, Neuruppin und Potsdam. Für die beiden letzteren wird das Versorgungs­amt IV Berlin gebildet, während an Stelle der bisherigen Versorgungsämter I bis VI die Versorgungsämter I bis III Berlin treten. Mit dem 1. Mai 1932 wird das Versorgungs­amt Stralsund mit dem Versorgungsamt Stettin in Stettin vereinigt. Zum 1. Juli 1932 werden aufgelöst die Versor- gungsämter Görlitz (Liegnitz und Schweidnitz), Weimar (Gera), Meiningen (Gotha), Halberstadt (Magdeburg), Zwickau (Chemnitz und Plauen) und Bamberg (Bayreuth, Würzburg und Nürnberg).

In Aussicht genommen ist ferner die Zusammenlegung der kleinen Hauptversorgungsämter Baden und Würt­temberg.

Die Erörterungen für den künftigen Amtssitz des Hauptver­sorgungsamtes Südwestdeutschland (Karlsruhe oder Stutt­gart) sind noch nicht beendet.

Die neuen Vereinfachungsmaßnahmen haben nach einer überschläglichen Berechnung für den Haushalt des Reichsarbeitsministeriums bei den Personal- und Sach- ausgaben eine dauernde Minderausgabe von jährlich etwa 2,5 Millionen Mark gebracht. Die eintretende Mehrbela- stung aus Reifen ist demgegenüber nur gering zu veran­schlagen. _____________

Deutschenentrechtung.

Enteignungen des deutschen Grundbesitzes.

Warschau, 4. April.

Das polnische amtliche Verordnungsblatt veröffentlicht am Freitag auf Grund des Bodenreformgefetzes eine Liste der im Laufe des Jahres zu enteignenden Grundstücke. Demnach entfallen in Posen aus deutschen Grundbesitz un­gefähr 3000 Hektar und auf polnischen gleichfalls 3000 Hektar. In pommerellen entfallen auf deutschen Grund­besitz etwa 5700 Hektar und auf polnischen nur 1600 Hektar.

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Wie bisher so ist auch dieses Mal das Mißverhältnis des zur Enteignung bestimmten deutschen Grundbesitzes ge­genüber der polnischen Quote auffallend. Dieses ist ferner noch um so auffallender, als Polen bekanntlich den letzten Beschluß des Dreier-Komitees hinsichtlich der Agrarreform- klage des deutschen. Abgeordneten Graebe an den Völker­bund angenommen hat. In diesem Beschluß wird beispiels­weise festgestellt, daß die bisherige Enteignungspraxis der polnischen Regierung namentlich den Deutschen im Korri­dorgebiet gegenüber eine Verletzung der diesbezüglichen Bestimmungen des Minderheitenvertrages darstellt. Fer­ner wird der polnischen Regierung ein Ausgleichsverfahren mit den geschädigten Grundbesitzern anempfohlen. Schließ­lich ist beachtenswert, daß die zur Enteignung bestimmten Grundstücke beinahe ausschließlich westlich der Eisenbahn­linie von Bromberg nach ©bingen gelegen sind. Nichtsdesto­weniger setzt Polen diese Enteignungen fort.

80 russische Flugzeuge bei Wladiwostok eingelroffen. 80 rub Ke Militärflugzeuge sind in Spaßt bei Wladiwostok eingetroffen, jerbem sollen in der Gegend von Wladiwostok umfangreiche russisch» Truppenbewegungen stattfinden.

Neuregelung — Llmorganisaiion.

Forderungen des Langnamvereins.

Düsjelk-orf, 4. April.

In einer Eingabe an den Reichskanzler nimmt der Langnam-Verein in grundsätzlichen Ausführungen Stellung zur kommunalen Finanzkrise, die zu einem Gefahrenherd erster Ordnung für die öffentlichen Finanzen in ihrer Ge­samtheit und damit für die ganze Volkswirtschaft geworden sei. Aus diesem vor allem im Industriegebiet bedrohlich gewordenen Zustand müßten unverzüglich die notwendigen Folgerungen gezogen und vor allem drei Maßnahmen so­fort und in organischer Verbindung miteinander ergriffen werden.

Die kurz- und mittelfristige Verschuldung der deutschen Gemeinden, die drei Milliarden RM übersteige, bedürfe raschester Konsolidierung. Diese Umschuldung, die notfalls unter Bürgschaft des Reiches vorzunehmen fei, werde über den Kreis der unmittelbar Interessierten hinaus allgemein beruhigende Wirkungen auslösen und so auch die Kredit- grundlagen für die ganze Volkswirtschaft bessern.

Die Hilfe, die das Reich den Gemeinden durch eine Umschuldung angedeihen lasse, berechtige das Reich, von sich aus eine einheitliche neue Finanzordnung für sämtliche deutschen Gemeinden und Gemeindeverbände zu schaffen, um eine Garantie gegen eine Wiederholung der Fehler der Vergangenheit herzustellen.

Schließlich werde die Reorganisation der Erwerbs­losenbetreuung immer dringlicher.

Das Reich habe sich von den steigenden finanziellen An­forderungen der Massenarbeitslosigkeit zu Lasten der Ge­meinden und Gemeindeverbände befreit. Die Zusammen­fassung der gesamten Erwerbslosenbetreuung in einer ein­zigen Organisation, die den Arbeitsämtern zu übertragen sei, und die allgemeine Einführung der Prüfung von Be- j dürftigkeit und Arbeitswilligkeit sei dringend erforderlich.

Werde das kommunal-finanzpolitische Junctim: Um- schuldung, Neuregelung der Finanzordnung, Reform der Erwerbslosenfürsorge wie vorgeschlagen, sofort geschaffen und durchgeführt, so bestehe begründete Hoffnung für bal­dige Gesundung der Gemeindewirtschaft.

Chicago will Neuyork einholen.

Chicago hat im letzten Jahre eine große Ausdehnung ge­nommen und die Zahl der Wolkenkratzer ist so gestiegen, daß man dieser Stadt wegen ihrer zentralen Lage die Aus- sicht gibt, Neuyork zu überflügeln.

Die Zukunft des Pfundes.

Eine Abhandlung I. M. Keynes'.

London, 4. April.

Der englische Finanztheoretiker I. M. Keynes entwik- kelt in einer Abhandlung seine Theorien über die Zukunft des englischen Pfundes auf der Grundlage einer kurzen Dar­stellung der Ursachen, die im August des vergangenen Jah­res den Sturz der englischen Währung wesentlich herbeige- führt haben.

Zwei Momente werden in knapper klarer Form be­leuchtet: Einmal die Ursachen für das Abgleiten einer Wah­rung im besonderen (im vorliegenden Fall der englischen), zweitens aber die Grundfrage nach der Möglichkeit einer Aufrechterhaltung der Goldwährung im allgemeinen.

Als besondere Ursachen für den Pfundsturz im August vorigen Jahres werden unter Anerkennung ihrer Bedeu­tung für jeden ungünstigen Valutawandel 3 Gründe ange­führt, die von dem Dberfaß ausgehen, daß die Stabilität je­der Währung durch den selbstverständlichen Ausgleich zwi­schen den Einnahmen und den Verpflichtungen eines Landes abhängig ist. Somit kann nach Keynes ein Währungswan- del nur durch eine Störung dieses Ausgleichs eintreten.

Drei Faktoren

sind es jedoch, die in ihrer Gesamtheit ben Ausgleich herbei­führen oder sein Zustandekommen verhindern.

1. Die Zahlungsbilanz aus Grund der Einkommensberechnung eines Landes, wie sie sich aus der Handelsbilanz und aus der Zinsenbilanz von Kapilalsanlagen im Auslande ergibt. Während nun in England der schon seit mehreren Jahren üblichen Unterbilanz der lausenden Geschäftsbetriebes stets eine erhebliche Aktivbilanz aus auswärtigen Anlagen gegcn- überffanb, sind in den letzten Jahren beide gesunken.

2. Die Bilanz aus kapilalszahlungen. Hier treten zu den ver- ringerlen Einnahmen aus den unter 1 genannten Einkommen die Verpflichtungen dem Ausland gegenüber, insbesondere

diejenigen, die durch Ausnahme kurzfristiger Kredite vor­handen sind. hier sieht Keynes die wesentlichste Ursache der Psundkatastrophe.

3. Die Zahlungsbilanz aus Grund der Berechnung der Speku­lationen. hier bestand beim Abgleilen der Währung sofort die Gefahr, das Pfund auf dem Wege der Spekulation zu drücken und es nach vorangegangenen Mustern zum Spiel­ball zu gestalten, indem man es der festen Hand der na- tionalwirtschaftlichen Oberleitung zu entziehen versuchte.

Keynes hält die Krisis des Pfundes für überwunden, ja er hält die Zukunft des Pfundes für günstig.

MacDonald verteidigt den Zolltarif.

In einem Artikel in der Halbmonatsschrift der nationa­len Arbeiterpartei „News Letter" verteidigt Ministerpräsi­dent MacDonald den englischen Zolltarif, der zur Ausrecht­erhaltung des englischen Lebensstandards und nicht nur zur Erzielung von Geschäftsgewinnen notwendig sei. Eng­land müsse ein allumfassendes System der nationalen Wohl­fahrt und Sparsamkeit schaffen, in das sich der Zolltarif organisch einfüge. Wenn England sich nicht vor der inter- nationchen Konkurrenz schütze, dann werde das englische Volk schrittweise verhungern.

MacDonald kritisiert in dem Artikel die Arbeiterpartei verschiedentlich sehr stark und betont, daß die Ideale ihrer Gründer und Pioniere nun auf anderen Wegen und durch andere Organisationen erfüllt werden müßten.

Die Kämpfe in der Mandschurei

Neue japanische Verstärkungen.

Tokio, 4. April.

Die Kämpfe nordwestlich von der Stadt Nunang in der Nähe von Tschantschun sind nach Mitteilung des japa­nischen Oberkommandos noch im Gange. Japanische Bom­benflugzeuge haben die chinesischen Aufständischen zwei Stunden lang bombardiert, ohne daß es ihnen gelang, die Aufständischen zum Rückzug zu zwingen. Eine japanische Brigade soll auf dem schnellsten Wege von Mukden nach der Front gebracht werden.

Die Aufständischen verlangen die Auflösung der mand­schurischen Regierung unter Führung Puyis und die Wie- derherstellung der Einheit der chinesischen Republik.

Puji bittet um Anerkennung.

Puji hat an den japanischen Ministerpräsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem er die japanische Regierung im Interesse des Friedens in der Mandschurei um die baldige Anerkennung des neugeschaffenen mandschurischen Staates bittet. Die Antwort des japanischen Ministerpräsidenten wird in den nächsten Tagen mitgeteilt.

Japan gibt nach.

Wie amtlich mitgeteilt wird, verlaufen die Schanghaier Verhandlungen zufriedenstellend. Die japanische Regierung hat die chinesischen Forderungen, daß die Japaner weder die Wusung-Forts noch das Dors Kiangwan besetzthalten dürfen, angenommen. Nunmehr bleibt noch die Frage des Zestpunktes der Zurückziehung der japanischen Truppen zu regeln.

Wüste Schlägerei.

Erwerbslose im italienischen Konsulat.

Paris, 4. April.

Eine wüste Schlägerei zwischen vier italienischen Ar­beitslosen und Beamten des italienischen Konsulats spielte sich im italienischen Generalkonsulat in Paris ab. Die vier Italiener waren in ben Nachmittägsstunden vorstellig geworden und hatten um finanzielle Unterstützung gebeten. Als man sie ihnen verweigerte, verlangten sie, von dem Generalkonsul persönlich empfangen zu werden. Diesem Wunsche wurde auch entsprochen. Der Generalkonsul teilte ihnen mit, daß er nicht befugt sei, geldliche Unterstützung zu gewähren.

Als die vier Antragsteller wieder in das Wartezimmer zurückgekehrt waren, griffen sie plötzlich zu den Stühlen und Tischen und zertrümmerten sämtliches Mobiliar. Zwei große Bilder von Mussolini wurden in Stücke gerissen.

Die Beamten des Generalkonsulats alarmierten sofort die Polizei und versuchten inzwischen selbst die vier Arbeits­losen festzunehmen, was ihnen aber nicht gelang. Erst als ein Ueberfallkommando ihnen zur Hilfe eilte, gelang es, die wie wütend um sich schlagenden Eindringlinge festzuneh­men und dem Polizeigefängnis zuzuführen.

Brand in einem Konzentrationslager.

In dem fowjetrufsifchen Konzentrationslager in Krajfk entstand ein Brand, der sich schnell ausbreitete. Das Lager war so fest verschlossen, daß von den dort festgehaltenen 100 weißrussischen Bauern über 50 in den Flammen um- kamen und 15 vor Schreck wahnsinnig wurden.

Der Reichsbankausweis zum Ultimo März.

Nach dem Ausweis der Reichsbank Dom 31. März hat sich die gesamte Kapitalanlage der Bank um 253,5 auf 3969,5 Mill. RM erhöht. Hiervon entfallen allein 155 Mill. auf Lombardforderun­gen. Der Notenumlauf stieg um 225 Mill. auf 4231 Mill. Der Goldbestand konnte sich leicht (um 1,6 Mill.) erhöhen, während der Bestand an deckungssähigen Devisen um 400 000 RM zurück- ging. Das Deckungsverhältnis sank von 25,4 aus 24,1 o. H.

Besprechungen Schiele» in Bayern.

Reichsernährungsminister Dr. Schiele ist in Kempten cinge- trossen. Nach einem Abendessen in kleinem Kreise, an dem 15 Per­sonen aus führenden Kreisen der Landwirtschaft, insbesondere der Allgäuer Milchwirtschaft, teilnahmen, fand im Sitzungssaal des Hospizes eine Besprechung statt. Die Bayerische Staatsregierung war vertreten durch Staatsrat Hänlein. Außerdem waren er­schienen Vertreter der Landesbauernkammer und bekannte Führer der bayerischen Landwirtschaft.

Brasilianischer Kaffee gegen deutsche Ruhrkohle.

Der brasilianische Finanzminister hat die Unterzeichnung des Kaufvertrages des brasilianischen Kasseeausschusses im Austausch gegen 7$ 000 Tonnen deutsche Ruhrkohle davon abhängig gemacht, daß Deutschland 300 000 Sack brasilianischen Kaffees ohne An­wendung von Einfuhrbeschränkungen kaust.