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Krets-Kmtsbtatt * Myemsmer mnULcherKuzeLgevfür den Kreis Schtüchtero
Nr. 38 (1. Blatt)
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Dienstag, den 29. März 1932
84. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
KretsaussHutz.
L.-Nr. 594.
Ich beabsichtige, am Mittwoch, den 6. April 1932, nachrn.
2 Uhr, im Kreishaus (Kreistagssaal) zu Schlächtern eine dienstliche Versammlung der Hebammen der Kreises Sch'üch« " fern nebst Nachprüfung sämtlicher Hebammen abzuhalten. Diese haben also bestimmt zu erscheinen mit Hebammen- tasche, Tage« und Rbrechnungsbüch. Die Herren Bürgermeister werden um ortsübliche Bekanntgabe dieses Termins an die Hebammen gebeten.
Der Kreisarzt des Kreisarztbezirkes
I Gelnhausen«Schlüchtern. Istabt Schlüchtern.
i. Bekanntmachung. 1 I Die Stimlnkartei für die am 10. April 1932 stattfindende I Keichspräsidentenwahl und für die am 24. April d. 3s. n I stattfindende Wahl zum preußischen Landtag liegt in der ” | Seit vom 30. März bis einschl. 3. April 1932 im Rathaus !■ | - 3immer 4 — und zwar von vormittags 9—12 Uhr und * I nachmittags von 4—6 Uhr zur Einsichtnahme öffentlich h aus.
i Am Sonntag, den 3. April 1932 wird die Auslegungs- t zeit auf vormittags 1OV2—12 Uhr beschränkt.
1. I Es wird ausdrücklich darauf hingewiefen, daß die aus« , gelegte Stimmkartei sowohl für den zweiten Wahlgang h der Reichspräsidentenwahl als auch für die Landtagswahl - I am 24. April 1932 dient und daß die in der Kartei mit h I dem Vermerk „am 10. April 1932 noch nicht wahlberechtigt" r gekennzeichneten Personen zur Reichspräsidentenwahl noch nicht zugelassen werden.
I Jeder Wahlberechtigte, der die Wahlkartei für unrichtig ; | oder unvollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der I Kuslegungsfrift bei dem Magistrat schriftlich anzeigen oder , I zur Niederschrift geben. , I 5chlüchtern, den 29. März 1932 . , | Der Magistrat. Gaenßlen. t I
Das Srftnöen des Segelsiithers Krocadaff. > I W5R. Varmstadt, 28. 3. Der bekannte Rekord, und t I Segelflieger Günther Groenhoff, der, wie gemeldet, am 5 I Karfreitag einen Selbstmordversuch unternommen hatte, ist j I am Ostermontag aus der Bewußtlosigkeit erwacht. Wie die I Kerzte erklären, geht es ihm den Verhältnissen entsprechent> , I gut, allerdings befindet er sich begreiflicherweise in einer | seelischen Depression, zumal nunmehr die Staatsanwaltfchaft I gegen Groenhoff ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung - r einleiten wird. Groenhoff hatte auf der Rückfahrt von 5 I Darmstadt, wo er am Montagnachmittag noch Schleppsegel- flüge ausgeführt hatte, der Schwester seines $lugkamera« ’ | den Riedel, Beate Riedel, das Steuer seines kleinen Autos ’ I überlassen, obwohl seine Begleiterin, die ebenfalls Segel- , I fliegerin war, noch Keinen Butoführerschein besaß. Kurz , I hinter Behelligen ging es in sehr schnellem Tempo in eine t l Kurve. Groenhoff griff in das Steuer, um den Wagen auf > | der richtigen Bahn zu halten, jedoch zu spät. Der Wagen * I rannte gegen einen Baum; Beate Riedel erlitt eine schwere ! | Kopfverletzung, an deren Folgen sie bald darauf starb. J I Günther Groenhoff blieb wie durch ein Wunder unverletzt. I Der junge Segelflieger, der sich über die Folgen seiner Hand- | lungsweise völlig im Klaren war, irrte in der Rächt zum I Dienstag und am folgenden Tage ruhelos umher, ehe er zu seinen Eltern zurückkehrte. Sein völlig zerstörter Wagen, der von einem Lastwagen abgeschleppt worden war, konnte I hon der Polizei erst nach längerem Suchen gefunden und liefet gestellt werden. Obwohl Groenhoff seinen Eltern ver- I sprach, keinen unüberlegten Schritt zu tun, nahm er sich | die Sache so zu herzen, daß er am Karfreitag versuchte, I aus dem Leben zu scheiden. Die auf so tragische Weise j ums "Leben gekommene Beate Riedel wurde am Samstag i in Halle beigesetzt .
— Eine Meldung des „Intransigeant" bezeichnet es I als wahrscheinlich, daß Ministerpräsident Tardieu und $i« | nanzminister Flandin sich am Samstag auf ein oder zwei 1 | Tage nach London begeben. Die Konferenz der vier Großmächte werde am 11. April in Genf zusammentreten.
— Das Luftschiff „Graf Zeppelin" überflog heute (Dienstag) gegen 11 Uhr Südfrankreich und wird um 17 Uhr in Friedrichshafen erwartet. l
— Der starke Osterverkehr hat in Frankreich zahlreiche Unfälle zur Folge gehabt. Räch den bisherigen Meldungen sind 19 Tote und 60 Schwerverletzte zu beklagen.
— Die Öfter tage sind in Braunschweig ruhig verlaufen. Gevlante kommunistische Demonstrationen konnten durch vorbeugende lRaßnalpnen der Polizei verhindert werden.
Der Wortlaut des Leipziger Vergleichs
Vom amtlicher preußischer Seite wirb mitgeteilt:
„Die Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof in Geip> Zig am 24. März hat dargetan, daß der Antrag der NSDAP auf Erlaß einer Einstweiligen Verfügung gegen die preußische Staatsregierung durch die vom preußischen Minister des Innern von vornherein getroffenen Anordnungen und Maßnahmen gegenstandslos war. Die Parteienvertreter haben daher folgender, vom Vorsitzenden des Staatsgerichtshofes. Präsident Bumke, formulierten Feststellung zuge- stimmt: „Die Antragsteller haben von dem Wortlaut der Verfügung des Landeskriminalpolizeiamtes Berlin vom 15./ 17. 3. und von der Anordnung des preußischen Ministers des Innern vom 22. März 1932, auf die in dem Brief des preußischen Innenministers an Rechtsanwalt Dr. Frank H hingewiesen ist, heute (also am 24. März) Kenntnis bekommen." „Sie gehen hiernach davon aus. daß das gesamte über diese Anordnungen hinaus noch in polizeilichem Gewahrsam befindliche Material unverzüglich an die Stellen der NSDAP., bei denen es erfaßt worden ist, zurückgegeben wird."
„Die Antragsgegner stellen fest, daß die Verfügung des preußischen Ministers des Innern vom 22. März vor Zustellung der Klage unabhängig davon erlassen worden war; sie stellen ferner fest, daß der Sinn der Anordnung nur war, auf die genaue Beachtung der in der Verfügung bes Landespolizeiamtes bezeichneten Grenzen noch einmal" hinzuwirken."
Es folgt dann die Aufzählung einer Anzahl von Schriftstücken.
„Die Beteiligten find sich weiter darüber einig, daß durch diese Erklärungen der Antrag auf Erlaß einer Einstweiligen Verfügung vom 19. März erledigt sein soll. Beide Teile behalten sich vor, in einem Verfahren zur Hauptsache ihre rechtliche Auffassung zur Geltung zu bringen und auch nach der tatsächlichen Seite hin mit weiterem Material zu belegen.
Oeulsch-polnische Einigung
Die Wirkschaftsberatungen abgeschlossen.
Berlin, 29. März.
Räch einer amtlichen Mitteilung sind die in den letzten
Wochen in Warschau geführten Besprechungen zwischen der deutschen und der polnischen Regierung über die deutschpolnischen Wirtschaftsbeziehungen zum Abschluß gelangt. Das Ziel der Besprechungen, einer weiteren Verschärfung des Zollkrieges zwischen beiden Ländern vorzubeugen, und die aus der letzten Zelt stammenden neuen Beschränkungen des Handels nach Möglichkeit zu beseitigen, ist erreicht worden.
Im großen und ganzen sind die Einfuhrmöglichkeiten des Jahres 1931 beiderseits wiederhergestellt. Polnischer- seits werden für diejenigen Waren, für die nach dem 31. Dezember 1931 neue Einfuhrverbote in Kraft getreten sind, Einfuhrkontingente gewährt, während deutscherseits die Anwendung de^ Obertarifs gegenüber Polen entsprechend eingeschränkt wird. Die polnische Regierung wird ihrerseits die Anwendung des Höchsttarifs gegenüber Deutschland auf diejenigen Waren beschränken, die bisher Kampfeinfuhroer- boten unterworfen waren.
Die Zinssenkung am Kapitalmarkt.
Zweite Durchführungsverordnung.
Berlin, 29. März.
Die Bedürfnisse des Verkehrs haben eine Ergänzung und Klarstellung der Bestimmungen über die Kapitalzms- senkung in der Vierten Notverordnung vom 8. Dezember 1931 im Wege einer zweiten Durchführung»- und Ergän- zungsoerordnung in einigen Punkten erforderlich erscheinen lassen.
Zur Vermeidung von Weiterungen im Kreditverkehr ist vorgesehen, daß auf den Grundbesitz des Kreditnehmers zu Gunsten des Kreditgebers für die Sicherung eines bankmäßigen Personalkredits eingetragene Grundschulden den Kündigungsschutz der Notverordnung nicht genießen sollen. Ferner wird der Kündigungsschutz auf solche fälligen Forderungen ausgedehnt, die vor dem 9. Dezember 1931 auf unbestimmte Zeit gestundet worden sind.
Weiter wird bestimmt, daß die Pfandbriefinstitute, die auf Grund des Darlehnsvertrages oder der Satzung eine Gebühr im Falle der Rückzahlung des Darlehens in Pfandbriefen verlangen können, nicht berechtigt sind, soweit die Tilgung durch Pfandbriefhingabc im Rahmen der Notverordnung erfolgt. Auch soll dem Schuldner das in der Notverordnung eingeräumte Recht, seine Schuld in Pfandbriefen zurückzuzahlen, auch dann gewährt bleiben, wenn gleichartige Pfandbrief« im Markte nicht oder nur zu unangemessenen Bedingungen zu haben sind. In einem solchen Fall sollen die Aufsichtsbehörden der Pfandbriefinstitute berechtigt sein, die erforderlichen Anordnungen zu treffen.
Einladung zur Konferenz der Reichsregierung übeermittelt.
Berlin, 29. März.
Wie verlautet, ist dem Auswärtigen Amt amtlich ein« englische Einladung zu einer Donaukonferenz übermittelt worden, zu der auch Frankreich und Italien elngeladen wor. den sind.
Ort und Datum für diese Konferenz sind noch unbestimmt. Aus Aeußerungen der englischen Presse ist schon bekannt geworden, daß Macdonald London als Konferenzort vorzieht. Deutscherseits bestehen hiergegen an sich keine Bedenken. Da die deutsche Regierung jedoch -nregen wird, i Ae Konferenz erst nach dem 10. April, dem Zeitpunkt der Reichspräsidentenwahl abzuhalten, entstehen gewisse Schwie- । rigkeiten, denn am 11. April beginnt die Abrüstungskonferenz in Genf wieder. England legt anscheinend Wert dar- , auf, die Konferenz möglichst bald stattfinden zu lassen.
Frankreich scheint dem englischen Vorschlag bereits grundsätzlich zugestimmt zu haben. Auch Italien dürfte voraussichtlich keine Einwendungen machen, da es selbst bekanntlich eine Konferenz vorgeschlagen hatte, die es allerdings auf alle interessierten Mächte einschließlich der Donaustaaten ausdehnen wollte. Man nimmt aber an, daß • Italien auch mit einer Konferenz nur der vier großen Mächte einverstanden ist.
Französische Sonderwünsche?
Wie neuerdings verlautet, scheint französischerseitg be« dringende Wunsch zu bestehen, noch vor der Besprechung Der vier Großmächte eine Begegnung zu zweien zwischen Tardieu und Macdonald herbeizuführen, um auf diese Weise eine französisch-englische Vereinigung zu erreichen.
Das Reich hält zu Ostpreußen.
Der Reichswehrminister über den Schutz der Ostgrenze.
Königsberg, 29. März.
In der Königsberger Allgemeinen Zeitung äußert sich RÄchdehrmmisier Groener über politische Fragen, die sich aus ^' stpreußen beziehen und erklärt dann, daß man der memelländischen Frage mit heißem Herzen aber klarem Kopf gegenüberstehe. Es würde eine friedliche Gölung gesucht, doch wäre diese Einstellung kein Zeichen der Schwäche.
Die Reichsregierung werde im Einklang mit Gesetz und Vernunft ihre ganze Kraft dafür einsetzen, daß dem Deutschtum im Memellande seine verbrieften Rechte ungeschmälert erhalten bleiben.
Der Wehrminister fährt dann wörtlich fort: „Ich verstehe das Gefühl der Vereinsamung und Bedrohung, das in Ostpreußen angesichts seiner isolierten Lage und angesichts des ungeheuren Mißverhältnisses unserer militärischen Macht und den Rüstungen unserer Nachbarn herrscht. Ich weiß, das gerade in letzter Zeit die Besorgnis um sich gegriffen hat, Ostpreußens Bedrohung steige von Tag zu Tag. Ich unterschätze diese Gefahr nicht. Aber auch ihr gegenüber gilt es, ruhig Blut zu bewahren, denn mir wissen: Ostpreußen ist nicht schutzlos fremden Machtgelüsten preisgege- ben. Für diese Provinz sorgt zunächst der dort stehende Teil des deutschen Reichsheeres. Deren Schutz und deren gesicherten Verbindung mit dem Reich dient ferner die Reichsmarine, unterstützt von einer Bevölkerung, bie Gut und Blut für die Verteidigung der Heimaterde einzusetzen bereit ist. Auf jeden Fall bedeutet die Abwehrkraft Ostpreußens für jeden Angreifer ein starkes Risiko des Mißerfolges.
Denn darüber soll Klarheit herrschen: Ein feindlicher Einbruch in Ostpreußen, unter welchem Vorwand er auch erfolgen mag, stößt nicht auf passiven, sondern auf aktiven Widerstand, und dieser Widerstand beschränkt sich nicht aus den Osten, sondern er wird getragen sein, von der ganzen moralischen und materiellen Kraft des deutschen Volkes, das in dieser Lebensfrage der Ration über alle parteifdjranfen hinweg einig zusammenhält. Das ist auch der Sinn der Erklärung des Herrn Reichspräsidenten, die er vor Monatsfrist an den Provinzialausschuß gegeben hat."
Der Artikel schließt mit einem Appell an die Vernunft der ostpreußischen Bevölkerung.
Demonstrationsversuche.
60 Personen zwangsgestellt.
— Berlin, 28. März.
Am Ostersonnlagnachmiklag versuchten in Tegel am Schloßplatz sowohl als auch in der Hauptstraße jugendliche Kommunisten zu demonstrieren. Ein Polizeibeamter wurde von den Kommunisten angegriffen und zu Boden geschlagen. Der Beamte wurde leicht verletzt. Insgesamt wurden 51 , Personen zwangsgestellt.
Am Ostermontag wurde der österliche Burgsriede in Treptow ebenfalls durch Kommunisten gestört. Acht Männer und eine Frauensperson wurden zwangsgestellt und der politischen Polizei zugeführt.
— In den nächsten Tagen wird der österreichische Land, wirtschastsminister in Gesellschaft des Vizekanzlers nach Berlin reifen, um dort mit maßgebenden Persönlichkeiten der Wirtschaft handelspolitische Fragen zu erörtern.