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Ychluchterner Leitung
Kreis-Kmtsb(att * Allgemeiner amtlicher Anzeiger für 6m Kreis -Echtem
Nr. 37
(1. Blatt)
Samstag, den 26. Mär; 1932
84. gabro.
*
- Amtliche Bekanntmachungen.
jgandrat samt.
al R'tchsprästdentenwahl und Kandtagsmahl.
3«Hr. 1322. In Ergänzung meiner Bekanntmachung d M 22. d. Mts. Kreisbl. Nr. 36 weise ich die.Herren Bür- germeifkr an, in der Bekanntmachung gemäß § 18 Nbj. 2RSt®. und § 13 Abj. 2 L. W. G. ausdrücklich darauf
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5tr» hmzuweisen, daß die ausgelegten Wählerverzeichnisse so« steil ochl für den zweiten Wahlgang der Neichspräsidenten- 16 wähl am 10. April 1932 als auch für die Landtagswahl am 24. April 1932 dienen, daß die in den Listen mit dem eu Vermerk „am 10. 4. 1932 noch nicht wahlberechtigt!" ,g8„ gekennzeichneten Personen aber zur Neichspräsidentenwahl om noch nicht zugelassen werden.
i Schlüchtern, den 26. März 1932.
Pi Der Landrat. I. D.: Vuwe.
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J Die Herren Bürgermeister ersuche ich mir bis späte« ] chns zum 1. April d. 3 s. die Zahl der in die Stimm« isten eingetragenen stimmberechtigten Personen anzuzeigen. Der Termin ist genau einzuhalten.
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Schlüchtern, den 23. März 1932.
Der Landrat. 3. D.: Vuwe.
^ Die Herren Fleischbeschauer und Trichinenschauer werden an die pünktliche Einsendung der Vierteljahresnachweisun- Pit gen (Postkarten) an den Herrn Veterinärrat erinnert.
oft Schlüchtern, den 21. März 1932.
uz. Der Landrat. I. v.: Vuwe.
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oft Stabs Schlüchtern.
J Bekanntmachung.
l^u Die Stimmhartei für die am 10. April 1932 stattsindende fue leichspräsidentenwahl und für die am 24. April d. 3s. i «i tattfindende Wahl zum preußischen Landtag liegt in der
Seit vom 30. März bis einschl. 3. April 1932 im Rathaus - Zimmer 4 — und zwar von vormittags 9—12 Uhr und
in ^mittags von 4—6 Uhr zur Einsichtnahme öffentlich 'US.
' Am Sonntag, den 3. April 1932 wird die Auslegungs« 8 eit auf vormittags 10y2—12 Uhr beschränkt.
Ieder Wahlberechtigte, der die Wahlkartei für unrichtig |i »der unvollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der Mslegungsfrist bet dem Magistrat schriftlich anzeigen oder iUr Niederschrift geben.
^ Schlüchtern, den 23. März 1932.
Der Magistrat. Gaenßlen.
tadt Steinau.
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Bekanntmachung.
Die Wahllisten für den am Sonntag, den 10. April ds. 3$. stattfindenoen 2. Wahlgang der Neichspräsidentenwahl,
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» sowie für die am Sonntag, den 24. April ds. Is. stattfin- »dei ^^ Landtagswahl, liegen in der Zeit vom 30. März ' bis zum 3. April 1932 je einschließlich, im Nathause — ,h iianzleizimmer — und zwar von vormittags 9—12 Uhr ^W Md nachmittags von 4—6 Uhr, zur Einsichtnahme öfsent- ötw ^ aus.
Am Sonntag, den 3. April 1932 wird die Auslegungs« frift auf 11—12V2 Uhr beschränkt.
Ieder wahlberechtigte, der die Wahllisten für unrichtig oder unvollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der Mslegungsfrist beim Magistrat schriftlich anzeigen oder
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M Niederschrift geben.
Steinau, den 24. März 1932.
Der Magistrat: Dr. Kraft.
Der zum Beigeordneten der Stadt Steinau gewählte Kaufmann und Fotograf Wilhelm Merz ist durchs Regie« nmgsverfügung zum Beigeordneten bestätigt worden. Öir bringen dies zur öffentlichen Kenntnisnahme.
Steinau, den 24. März 1932.
Der Magistrat. Dr. Kraft
Für die Ziegenbockhaltung wird geeignetes primacs Heu ^gehaust.
schriftliche Angebote werden bis zum Dienstag, den 29. März 1932 vormittags 10 Uhr entgegem^nommen.
Steinau, den 24. März 1932.
Der Magistrat: Dr. Kraft.
— In der Nacht zum Karfreitag wurde in Hohenlinr- >urg (Reg.«13ep Arnsberg) der Arbeiter Turczik von dem Heiter Schrpeder auf der Straße nach voraufgegangcncr soiitischer Auseinandersetzung erschossen. Der Täter stellte ch sofort der Polizei und gab an, in Notwehr gehandelt 11 haben, da er von mehreren Kommunisten belästigt worden sei.
Reich und Severing-Attion.
Das Schreiben des Relchsinnenmlnisters. — Der hat die Haussuchungen veranlaßt?
Zu dem in der Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich von dem Ministerialdirektor Dr. Badt verlesenen Schreiben des Reichsinnenministers Groener an die preußische Staatsregierung wird der Telegraphen-Ümon von unterrichteter Seite auf Anfrage bestätigt, daß ein solches Schreiben vom Reichsinnenminister an die preußische Regierung gesandt worden ist. Auch wird bestätigt, daß das Schreiben des Reichsinnenministers von Dr. Dadt richtig wiedergegeben wurde. Jedoch wird darauf hingewiesen, daß die Schlüsse, die anscheinend aus diesem Schreiben gezogen worden sind, nicht richtig seien.
Der Reichsinnenminister habe lediglich Gerüchte wiedergegeben, die er von einem Gewährmann erhalten habe. Diese Gerüchte habe er nicht auf seine Richtigkeit nachprüfen können, da er als Reichsinnenminister keine polizeilichen Befugnisse habe. Die das auch schon in anderen Fällen geschehen sei, habe der Reichsinnenminister daher das Material an die Länderregierungen zur Prüfung und etwaigen Veranlassung weilergeleitet, ohne sich damit jedoch die Angaben des Materials zu eigen zu machen.
Der Reichsinnenminister habe lediglich pflichtgemäß die preußische Regierung von den Gerüchten in Kenntnis setzen wollen, damit sie am 13. März in der Lage sei, auf jeden Fall für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Davon, daß der Reichsinnenminister durch sein Schreiben die erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt erfolgten Haussuchungen und Beschlagnahmen bei der RSDAP. habe veranlassen wollen, könne somit keine Rede sein.
Ein Schreiben des SA -Führers.
Nach einer Meldung der NSK. ist der oberste Führer Der SA. den Veröffentlichungen des preußischen Innenministers Severing gegen die NSDAP. mit einem Schreiben an den Reichsinnenminister Groener entgegengetreten. In dem Schreiben heißt es u. a., für jeden SA.-Führer sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, in einem Zeitpunkte, der bei der allgemeinen Erregung der politischen Leidenschaften am Wahltage schwere Zusammenstöße erwarten ließ feine Leute geschlossen in der Hand und von der Straße fern zu halten. Damit sei der Wille zur Aufrechterhaltung der Ruhe am Wahltage bewiesen und ebenso die absolute Legalität der Partei. Bezüglich der der Partei zur Last gelegten angeblichen Waffenfunde wird in dem Schreiben betont, daß jeder, der im Besitz von Waffen betroffen wird, auto- matisch aus der Partei ausscheidet. Bezüglich des Alarmbefehls der Standorte 149 im Gausturm Ostmark <Schnei- demühl) sei festgestellt, daß es sich um einen gefälschten Befehl handele.
Im Gegensatz zu der letzten Behauptung wird vom „Amtlichen Preußischen Pressedienst" erklärt, daß sich nicht nur die notwendigen Unterlagen im Besitz der Behörden befinden, sondern daß auch der „Angriff" die Echtheit jenes Befehls nicht bestritten, sondern nur seinen Wert herabzusetzen versucht habe.
Sechsfacher Mord und Selbstmord.
Entsetzliche Familientragödie in Jena.
Jena, 26. März.
Ein Familiendrama von ungewöhnlichem Ausmaß Hal sich in der Rächt zum Karfreitag in Jena abgespielt. Der in der Westendstraße wohnende Oberlandesgerichtsrat Dr. D e u r e r hat in feiner Wohnung feine Ehefrau, feine beiden minderjährigen Kinder, feine betagten Eltern, eine in der Wohnung anwesende Bekannte seiner Frau und sich selbst erschossen. Alle sieben Opfer waren entweder sofort tot oder sind im Laufe der Rächt gestorben. Die Familie Meurer sollte, nachdem die Ehe geschieden worden war, aufgelöst werden. Meurer hat offenbar aus Verzweiflung darüber den schrecklichen Entschluß gefaßt, feine ganze Familie zu töten. Zeugen der schauerlichen Tat sind nicht mehr am Leben.
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Zu dieser Bluttal wird noch gemeldet, daß die erschossene Bekannte, eine Frau N„ die Frau eines Kollegen von Dr. INeurer ist, mit der letzterer im Lause der Zeit nahe Beziehungen anknüpfte, sodaß beide Ehen geschieden wurden und Dr. ITT. beabsichtigte Frau N. zu heiraten. Beide Ehen hatten beschlossen, in Frieden auseiaanderzu- gehen und waren bereits schon die Unterhaltsfragen geregelt und die Umzüge in die Wege geleitet, da Dr. IR. mit dem 1. April an das Amtsgericht in Altenburg versetzt war. Die Bluttat soll sich wie folgt abgespielt haben: Im Wohnzimmer waren gegen Mitternacht mit INeurer die drei Frauen anwesend, die er zuerst tötete, ehe er dann in den anderen Räumen sein blutiges Werk vollendete und sich selbst tötete. Die beiden Kinder lagen bereits in ihren Betten, als der Dater die Waffen gegen sie richtete. Bei allen Personen ist der Tod durch Kopfschuß eingetre- fen. Die beiden jüngeren Frauen standen in den 30er Iahren. INeurer war 36 Iahre, seine beiden Kinder fünf und sieben Iahre alt.
Ostern in der Politik.
Professor Martin Dibelius, Heidelberg.
Die christlichen Feste stellen im Ablauf des politischen Geschehens kaum noch Pausen und schon gar nicht mehr wirkliche Ruhepunkte dar. Es hilft nichts, darüber zu klagen; es hilft vollends nichts, wenn wir an der Tatsache vorbei- sehen. Es bleibt nur eines: die Lage zu begreifen und der Tatsache Rechnung zu tragen, daß wir Ostern feiern als Menschen, die zwischen zwei großen Wahlentscheidungen mit politischen Sorgen überreichlich beladen sind. Das bedeutet nicht, daß mir unsere Politik mit ein paar „christlichen" Redewendungen verbrämen wollen, sondern daß mir österliche Gedanken hineinsagen in unsere mit Politik belastete Lage.
Die christliche Gemeinde ist auf den Osterglauben gegründet worden, auf den Glauben an den Auferstandenen, auf den Glauben, daß der am Kreuz Gerichtete aller Schmach zum Trotz der Sieger sei. Und alles, was die Welt als christliche Kraft kennt, die Kraft der Bruderliebe wie die Kraft der Beharrung im Leiden, Belätigung in der Welt wie Ueberwindung der Welt, ist ursprünglich aus diesem Glauben erwachsen. Dieser Glaube selbst aber ist weder eine Meinung noch Weltanschauung, sondern ein bestimmtes Verständnis eines bestimmten Geschehens, des Schicksals Jesu, ein Verstehen dieses Schicksals als Gottes Fügung, eine Deutung dieses Schicksals als einer dem Menschen gestellten Aufgabe. Was die Christen zusammenschloß. was die christliche Bruderliebe zeitigte, war nicht irgendeine menschliche Sympathie oder irgendeine natürliche Verbindung des Stammes oder Blutes, sondern es war dies: daß eine Anzahl Menschen das Stück Geschichte, das ihnen gemeinsam widerfahren war, im selben Glauben bejahten und ihre Daseinspflichten danach verstanden.
Es sollte nicht schwer sein, die Gedanken oon_biefem österlichen Schicksalsoerständnis hinzuwenden zum Schicksal eines Volkes. Denn ein christliches Begreifen der Nation uv^Mrer Aufgaben ist rucht in erster Linie zu gewinnen vom Dlulzusammenhang. sondern von der verpflichtenden Verbindung, die unser gemeinsames Schicksal zwischen uns geschaffen hat. Wenn in diesem Schicksal Gott zu uns gesprochen hat — und das ist doch die Aussage des Glau- bens —, dann hat er gewaltig und mit nicht zu überhörender Stimme gesprochen. Wohl niemals, soweit unser Blick in die Vergangenheit reicht, war das Leben bis in die Verzweigungen des privaten Daseins hinein so vom gemeinsamen Schicksal bedingt. Wir brachten gemeinsam die Blutopfer des Krieges, wir saßen gemeinsam in dem Wirtschafts- gefängnis, in das uns die Blockade gebannt hatte; gemeinsam erlebten mir die Enttäuschung von 1918, gemeinsam das Auf und Ab der Jahre feit Versailles. Gewiß wurde bei all diesem von Menschen gehandelt, klug und töricht, kraftvoll und schwächlich, aber wer, der überhaupt an ein Schicksal glaubt, wollte sich vermessen, den Ablauf dieser Dinge aus einem Zusammenspiel menschlicher Kräfte ab« zuleiten? Wer mit dem Osterglauben an dieses Geschehen Herantritt, hört aus ihm den Anspruch Gottes heraus und die Forderung, zu tragen, zu wirken und zu gestalten.
Wir haben uns freilich immer mehr daran gewöhnt, diesen Anspruch durch geräuschvolle Anklagen zu übertönen. Auch diejenigen, die das Buch der jüngsten Geschichte nicht wie ein Schulheft mit roter Tinte behandeln, stellen sich doch oft zu dem Ablauf der Ereignisse wie der Staatsanwalt zu einer Verbrecherlaufbahn. Die ganz kurzfristigen Denker blicken nur bis 1918 zurück und verklagen Scheidemann; an« dere denken an 1914 und beschuldigen Bethmann; im selben Ton geht es gegen Bülow und gegen den Kaiser.
Solche Anklagen mögen vor dem Forum der Geschichte teilweise oder ganz anerkannt werden; als Deutungen unseres Schicksals gehen sie völlig in die Irre. Sie unterstützen die Einbildung, daß nur ein paar böse oder schwache Menschen die Unheilstifter der Weltgeschichte wären. Menschliche Unzulänglichkeit ist gewiß ein Faktor des Geschehens, aber nicht der gestaltende. Es ist eine Anschauung ohne Glauben, die der Dummheit und der Bosheit die führende Stelle an« meist. Und es ist eine Anschauung ohne Liebe, die menschliche Bedingtheit mit Schlechtigkeit verwechselt. Auch solche Bedingtheit ist schicksalhaft, mit Erbgut und Erfahrung gegeben. Wer die Ehrfurcht vor unserem Schicksal nicht verlernt hat, wird es ablehnen, die eigene Stellung vom Haß gegen Volks- und Schicksalsgenossen bestimmen zu lassen.
Es gehört zur Organisation eines politisch mündigen Volkes, daß die Gegner einander bekämpfen, aber ein Volk, das die Schicksalsgenosienschaft 'leugnet, die auch politische Gegner miteinander verbindet, das weigert sich dem Anspruch, den ein solches Schicksal an uns macht, dem Anspruch, der für den Gläubigen der Anspruch Gottes ist.
Laßt fahren hin das Allzuflüchtigel Wer seine eigene Aufgabe innerhalb der Nation begreifen will, der besinne sich zu Ostern auf den christlichen Glauben, der dem para« doxesten Schicksal einen Sinn und eine Losung abgewann, weil er es von Gott bestimmt wußte. Die Deutung dessen, was auf uns liegt, gewinnen mir nicht, indem wir Klagen mit Anklagen beschwichtigen. Aber ein Volk, das die Schicksalsgenossenschaft nicht verleugnet, weil es den Anspruch Gottes in diesem Schicksal vernimmt, wird sein Geschick nicht nur deuten, sondern bewältigen.