(Nüchterner Leitung
Arets-Kmtsbkrtt * Myerminer amtlicher Anzeiger für 0m Kreis Schtüchtero
Nr. 35
(). Blatt)
Dienstag, den 22. Mär; 1932
84. Iahrg
Amtliche Bekanntmachungen.
Laudratsamt«
Die Herren Vorsteher der Gesamtschulverbände und dich Herren Bürgermeister der Linzelschulverbandsgemeinden werden an die alsbaldige Anmeldung etwaiger Ansprüche der Lchulverbände auf Erstattung der im Rechnungsjahr 1931 entstandenen Lchulbaukosten erinnert.
Zu den Anträgen ist das vor geschriebene Formular zu benutzen, welches bei der Waisenhausbuchdruckerei in Kassel erhältlich ist.
Lchlüchtern, den 16. März 1932.
Der Landrat. Dr. Müller.
3-Rr. 622 b. Diejenigen Drtspolizeibehörden, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 13. Februar d. 3s. - Rr. 622 — Schlüchterner Zeitung Rr. 21 —, betr. Mitteilung der Besitzer von Schlacht- und Fleischverkaufsstätten sowie von Händler- und Gastställen noch im Rückstände sind, werden an deren alsbaldige Erledigung erinnert. Schlüchtern, den 17. März 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
J-Ur. 822«. Die Drtspolizeibehörden verweise ich auf die unter Ziffer 110 des Reg. Amtsblatts vom 27. Februar d. 3s. (Rr. 9) veröffentlichte Bekanntmachung des Herrn Regierungspräsidenten, betr. Nachweise für die Anmeldung zur Aufnahme in eine Hufbsschlag-Lehrschmiede, und ersuche für geeignete Bekanntgabe Sorge zu tragen. Lchlüchtern, den 17. März 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
J-Ur. 1082. Die Drtspolizeibehörden und die Herren Landjägereibeamren werden hiermit auf den im ITT. Bl. i D. S. 219 veröffentlichten Rderl. des Herrn M. d. 3.
vom 22. 2. 1932 — I f 11/7, betr. Lchmalfilmvorführungen
und Lichtspielgesetz, besonders aufmerksam gemacht. ^, ^hieUnartige kunstvolle Froren aus, zeigten ihre Ge
ersuche die Lchmalfilmvorführungen streng zu überwachen. Lchlüchtern, den 18. März 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
Die 3. G. Farbenindustrie A. G., welche schon seit län- lerer Zeit die Herstellung eines antitoxischen Serums zur Behandlung Per durch Kreuzotterbisse verursachten Vergif- ungen in die Wege geleitet hatte, wird nunmehr ein solches Käparat gleichfalls in den Handel bringen. Die im Sero« ogischen Laboratorium der Bakteriologischen Abteilung des leichsgesundheitsamts durckgeführte Prüfung dieses von der 3 G. Farbenindustrie A. G. hergestellten Schlangenserums m Mischungsversuch an weißen Mäusen hat ergeben, daß eine Wirksamkeit gegenüber den Giften der in Deutschland o gut wie ausschließlich in Frage kommenden Kreuzottern »erjenigen des seither verwendeten Serums ER des Instituts tofteur in Paris mindestens gleichwertig, zum Teil sogar überlegen ist.
Von den im Reichsgesundheitsamt zur Abgabe vorrätig gehaltenen Packungen des Serums „ER" find nur noch einige wenige vorhanden, nach deren verbrauch auch seitens »es Beichsgesunoheitsamts das neue Serum der 3. G. Far» benindustrie abgegeben werden wird. Dieses Serum wird auch im freien Handel zum preise von etwa 2 -ROT. je impulle von 10 ccm. käuflich fein. Die 3. G. Farbenin- »ustrie A. G. hat sich bereit erklärt, ihr Schlangengiftanti- erum auch in Senilen, die eine rasche Anwendung ermög. ilten würden, in den Verkehr zu bringen, falls solche Ab- üllungen erwünscht fein sollten. Bei dieser Art der Der* »ackung würde ein Preisaufschlag von etwa 30 Rpf. in Ktracht kommen.
Schlüchtern, den 14. März 1932.
Der Landrat. 3. V.: Duwe.
K r e i s a u s s ch u h.
Betr. Hess Nass. landw Berufsgenossenschaft.
3.-Rr. 1030 L R. In AusftHrung der Notverordnung vom 5. Juni 1931 — Reicksgesetzblatt von 1931 Teil 1 Veite 304 — gehen im Kreise Schlüchtern die bisher von »er Sektion Schlüchtern erledigten, auf Unfallsachen bezug- «benden Dienst-Geschäfte auf den Genossenschaftsvorstand n Kassel über. Ausgenommen sind allein die Katasterfüh- »ng (Bearbeitung der An- und Abmeldungen landwirt- chaftlicher Betriebe pp.) sowie die Einziehung der Um« Mebeiträge. Diese Lachen werden auch weiterhin von der Aktion erledigt.
Zudem ich diese Aenderung zur allgemeinen Kenntnis »ringe, bitte ich, allen auf Unfallsachen bezüglichen Lchrift- »srkehr bereits von Mittwoch, den 30. März d. 3s. ab an »>e Adresse:
Hessen-Uassauische landwirtschaftliche Berufsgenossen- schaft in Kassel, Wolfsschlucht 7/9
Der Ilugtag in Schlüchtern. / Vorzeitiger Abbruch durch Absturz des Doppeldeckers „D ISIbGberhessen"
Zu dem mit großer Spannung erwarteten Flugtag 'in Lchlüchtern, der am Sonntag nachmittag von der SHörnest« deutschen Sportflieger-Dereinigung Gießen auf der Elm- wiese verunstaltet wurde, hatte sich eine mehrtausendköp- fige Menschenmenge aus Schlüchtern und seiner näheren und weiteren Umgebung einge funden. W er seinen (Dbulus entrichtet hatte, konnte im vorgesehenen Fluggelände die schönen und von Wagemut zeugenden Flugleistungen verfolgen, während mehrere hundert „Zaungäste" auf den umliegenden Höhen wie auch viele „Fenstergucker" unentgeltlich an dieser Veranstaltung teilnahmen. Drei Flug, zeuge, der aluminiumsarbigs Doppeldecker D 1516 Ober« Hessen, der rote Eindecker D 1858 und gelbe Eindecker D 1866 trafen gegen 1 Uhr über Lchlüchtern ein, machten mehrere Rundflüge, um schließlich auf dem Flugge- lände zu landen. Die Ankunft der Flieger war auch zugleich das Signal zum Aufbruch nach dem Fluggelände, in dessen Zugangsstraßen sich sozusagen eine „Völkerwanderung" abspielte. Der abgesteckte Flugplatz wurde von Polizei und Mannschaften der Freiwilligen Feuerwehr Lchlüchtern bewacht und von unbefugten Personen frei- gehalten als auch die Lanitätskolonne Lchlüchtern nicht fehlte, um jederzeit hilfsbereit zu sein. Es war gegen 23A Uhr als sich der Doppeldecker unter Führung von Ehefpilot Maier und kurz darauf der rote Eindecker unter Führung von Kunstflieger Moog in die Luft erhoben und alle Aufmerksamkeit der Zuschauer in Anspruch nahmen. Denn diese Helden der Luft legten mit ihren stolzen Seglern bewundernswerte Leistungen ihres Könnens ab. 3n beträchtlicher Höhe gingen die Flieger von der normalen Flugbahn ab, Überschlagen sich und führten ver-
schicklichkeit in der Ballonverfolgung und im Zielabwurf,
als aber im besonderen der rote Flieger (Kunstflieger Moog) im Rütfuenflug, wobei das Fahrgestell nach oben und der Kopf des Fliegers nach unten gerichtet war, mit großer Ausdauer ganz hervorragendes leistete. Zum Luftturnier gesellte sich auch der gelbe Fließer (Jungflieger Viedrichs) hinzu, so-daß es alle Aufmerksamkeit erforderte, die manchmal weit auskreisenden und Kunststücke vollführenden Flugzeuge im Blickfeld zu behalten. Bei der Landung zur Flug-
zu senden, in Eilfällen aber unter Rr. 7 358 in Kassel telefonisch anzurufen.
hier kann Auskunft über Unfallsachen vom 1. April 1 93 2 ab nicht mehr erteilt werden.
Schlüchtern, den 15. März 1932.
Der Vorsitzende des Sektionsvorstandes: Dr. Müller.
Krüppeln«, tersnchung und Beratung.
3.=Rr. II 5517 F. Der Herr Landeskrüppelarzt, Spe- zialarzt für Orthopädie, in Kassel, wird am Donnerstag, dem 31. März 1 932 von nachmittags 2 Uhr ab, im hiesigen Kreishause (Kreistagssaal) Sprechstunde abhalten.
Ich mache hierauf die Eltern und Vormünder der mit einem Krüppelleiden behafteten Kinder sowie auch die Herren Schulleiter aufmerksam und empfehle drin« gend, "den alljährlich nur einmal stattsindenden Sprechtag dieses Spezialarztes recht zahlreich zu besuchen. Die ärztliche Untersuchung und Beratung ist kostenlos. Sämtliche orthopädischen Apparate, auch solche, die defekt sind oder aus irgend einem Grunde nicht mehr passen, sind von den Patienten oder deren Begleitern mitzubringen und dem Herrn Landeskrüppelarzt bei der Untersuchung vor. zuzeigen.
Die Herren Dormundfd’aftsrid'ter und Aerzte sowie die Gemeindeschwestern, die eine persönliche Rücksprache wünschen bezw. sich für dieses Gebiet der Gesundheitsfürsorge interessieren, werden zu dem Sprechtag ergebenst einge« laden.
Schlüchtern, den 17. März 1932.
Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.
3.-Rr. 1074 K. A. Am Samstag, den 9. April 4 9 3 2, vormittags von 10 Uhr ab, findet in Schlüchtern an der Dreschhalle eine
Körung der Alt-Ziegenbocke
statt. Zu dieser find sämtliche bereits gekörte falte n) Ziegenböckc, deren erneute Ankörung gewünscht wird, vor- zuführen. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dafür zu sorgen, daß die alten (gekörten) Böcke der Gemeinden vollzählig zu Vorführung gelangen.
Die Körung der Jungzicgenböcke findet wie alljährlich
pause wurden die Flieger vom Publikum mit verdientem freudigen Beifall empfangen. 3n dieser Pause wurden schon durch den Fallschirmpiloten Resch Vorbereitungen zum Fallschirmabsprung getroffen und der Fallschirm auf seine Entfaltungssicherheit geprüft. Nach Wiederaufnahme der Fliegerei, wobei Kunstflieger Moog den Doppeldecker führ- te, sollte niemand ahnen, daß über dieser zweüen Halbzeit ein unglücklicher Stern waltete und den verhängnisvollen Sturz des Fliegers zur Folge hatte. Beim Turnieren war das Flugzeug, wie flugfachmännisch angenommen wird, ins flache Trudeln gekommen, aus welcher schwierigen Flugfigur ein Abwindloch keinen Ausweg mehr bot und das Flugzeug im Angesicht der vieltausendköpfigen Zuschauermenge am Boden zerschellen ließ. Glücklicherweise kam der 23jährige Kunstflieger Moog bei dem Sturz mit einer Kopfwunde davon, die allerdings sehr starken Blutverlust und seine völlige Erschöpfung verursachte. Der verunglückte Flieger, der sich selbst aus dem mit dem Führersitz nach oben liegenden Flugzeug befreien konnte, wurde auf Anweisung von Sanitätsrat Dr. Stern durch Sanitätsmann« schuften in das Kreiskrankenhaus gebracht, wo er einer baldigen Genesung entgegensieht. Daß für die Gesundheit des Fliegers keine weiteren Komplikationen entstehen, dürfte der allgemeine Wunsch des Publikums sein, das voll von Bewunderung seiner künstlerischen Flugleistungen war. Infolge dieses Unglücks konnte eine der Hauptattraktionen, der Fallschirmabsprung durch Pilot Resch nicht gezeigt werden, da dieser seinen Absprung in Begleitung von Kunstflieger Moog von einem Eindecker aus durchgeführt hätte. So war der Flugtag, der dennoch einen großen Einblick in die Vielseitigkeit des Flugwesens bot, du.3 das Unglück vorzeitig beendet. Nachdem man das verunglückte Flugzeug umpfercht hatte, ließ sich die zuvor auf eine gewisse Entfernung herangekommene Menschenmenge nicht mehr halten und strömte herbei, um das Flug- zeug aus der Nähe zu sehen, was sich selbst auch die „Zaungäste" auf den Bergeshöhen nicht nehmen ließen, die querfeldein nach der Unglücksstätte eilten. Gegen 5 Uhr starteten die beiden Eindecker zu ihrem Rückflug nach Gießen.
auch in diesem Jahre im Monat September statt. Die frühere Abhaltung der Körung für Altziegenböcke soll den Zweck haben, eine unnötige Haltung der Böcke bis zum herbst im Falle der Abkörung zu vermeiden. Bei der später stattsindenden Sung-Ziegenbockkörung dürfen Alt- Läcke nicht mehr vorgeführt werden. Es ist deshalb unbedingt notwendig, daß bei der Körung am 9. April d. 3s. sämtliche Alt-Böcke, deren erneute Ankörung gewünscht wird, vorgeführt werden.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, aus die vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise in ihren Gemeinden aufmerksam zu machen.
Schlüchtern, den 12. März 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Oeffentliche Mahnung.
An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat März 1932 (fällig am 15.' 3. 1932) zu entrichtenden Staatssteuern (Grundvermögens- und Hauszinssteuern), städtische Steuern und [onftigen Abgaben an die Stadtkasse nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung. Bei Meidung kostenpflichtiger Einziehung find sofort zu zahlen:
Staatliche Grundvermögenssteuer mit Zuschlag,
Staatliche Hauszinssteuer,
Städtische Grundvermögenssteuer-Zuschläge,
Gewerbeertragsteuer für 4. Vierteljahr 1931, Gewerbe- kapitalsteuer-vorauszahlunqen für 4. Vierteljahr 1931, Bär- gerfkuer, Holzgelder, Schulgeld für Lateinschule, Schulgeld für Staatliche Aufbauschule, Wassergelder, Mieten volizei- strafen, Hundesteuer, Pachtgelder Anerkennungsgebühren sowie alle anderen angeforderten Abgaben.
Für verspätete Zahlungen werden die gesetzlichen Verzugszinsen bezw. Verzugszuschläge erhoben.
Die Steuer- und Abgabenzettel find zur Vermeidung einer zeitraubenden Abfertigung unbedingt bei der Zahlung vor- zulegen.
Mahnungen erfolgen nur öffentlich, nicht durch Beendigung von Mahnzetteln.
Schlüchtern, den 19. März 1932.
Der Magistrat: Gaenßlen.