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Nr. 30
(1. Blatt)
Donnerstag, den 10. Märr 1932
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Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Nr. 940. Der Herr Regierungspräsident in Kassel hat unterm 29. Februar d. 3 s. widerruflich genehmigt, dah in ben Friseurgeschäften der Kreises Zchlüchtern die Kunden an den Sonnabenden und den Festvortagen unter folgenden Bedingungen bis 20 Uhr mit Haar- und Bartpflege bedient werden dürfen:
1) Ein Verkauf von Gegenständen irgend welcher Art ist nach 19 Uhr verboten.
2) Falls ourch die Verlängerung der Arbeitszeit an den Sonnabenden und Feftvortagen die achtstündige Arbeitszeit überschritten wird, muß eine Einigung mit den Arbeitnehmern über einen Ausgleich der Arbeitszeit an den übrigen Wochentagen erzielt werden.
3) Diese Genehmigung wird sofort zurückgezogen werden, falls die Bedingungen nicht innegehalten werden oder sich sonstige Unzuträglichkeiten durch diese Regelung heraus, stellen sollten.
Die Grtspolizeibehorden ersuche ich, die in Frage kommenden Gewerbetreibenden alsbald Hiervon zu verständigen.
Schlächtern, den 4. März 1932.
Der Landrat. 3. V.: Vuwe.
Kreisausschuh.
Kreishundesteuer-Nachveranlagung.
3. «Rr. 858 K. A. Die Herren Bürgermeister des Kreises mache ich auf die in diesem Monat zu erfolgende Nach- veranlagung zur Kreishundssteuer aufmerksam.
Die Ureishundesteuer-Grdnung ist in der Schlüchterner Zeitung Nr. 1 von 1932 abgedruckt worden. 3n dem Ver- anlagungsverfahren, wie solches in meiner Kreisblatt-Verfügung vom 12. April 1921 — 3.«Rr. 500 K. R. — sSchlüchterner Zeitung Nr. 93 von 1921) vorgeschrieben ist, tritt keine Aenderung ein.
Schlächtern, den 4. März 1932.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses. Dr. Müller.
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Hindenburg-Erklärung auf der Schallplatte.
Die Vereinigten Hindenburg - Ausschüsse haben den Reichspräsidenten von Hindenburg gebeten, sich zu einer Schallplattenaufnahme zur Verfügung zu stellen. In.Erweiterung seiner Annahme-Erklärung vom 15. Februar hat Reichspräsident von Hindenburg ausgeführt: „Alte Soldatenpflicht verlangt von mir in unserer schweren Zeit, auf meinem Posten zu verharren, um das Vaterland vor Erschütterungen zu bewahren. Nur auf der Grundlage vollster Unparteilichkeit und Unabhängigkeit habe ich die Kandidatur übernommen. Ich habe es abgelehnt, irgendwelche Bindungen nach der einen oder nach der anderen Seite ein« zugehen. Ich will wie bisher auch im Falle meiner Wiederwahl der Treuhänder des ganzen deutschen Volkes sein und nicht der Beauftragte einer Partei oder einer Parteigruppe. Nur Gott, dem Vaterlande und meinem Gewissen will ich verantwortlich sein. So habe ich es bis jetzt gehalten und so werde ich auch weiter handeln. Die deutsche Würde und Ehre zu wahren und gegen Angriffe zu schützen, wird stets meine vornehmste Aufgabe sein. Für mich gibt es nur ein wahrhaft nationales Ziel: Zusammenschluß des Volkes in seinem Existenzkampf, volle Hingabe jedes einzelnen in dem harten Ringen um die Erhaltung der Nation. Dazu verhelfe uns Sott!"
Keine nennenswerte Aenderung der Arbeitslosenzahl.
Berlin, 9. März.
Die Aufwärksbewegung der Arbeitslosenzahl ist in der zweiten Februarhälfte zum Stillstand gekommen. Ende Februar waren bei den Arbeitsämtern rund 6 128 000 Arbeitslose gemeldet, annähernd ebensoviel wie Mitte Februar.
In der Belastung der Arbeitslosenversicherung ist ein Rückgang um etwa 30 000, in der Krisenfürsorge eine Erhöhung um rund 31 000 hauptunterstützungsempfänaer ein« getreten. In beiden Unterstützungseinrichtungen zusammen wurden Ende Februar rund 3 526 000 Hauptunterstützungsempfänger gezählt, wovon rund 1 852 000 auf die Arbeitslosenversicherung und rund 1 674 000 auf die Krisenfürsorge entfielen. Von den Arbeitsämtern anerkannte Wohlfahrts- ermerbslofe wurden rund 1 833 000 gezählt.
In den einzelnen Bezirken war die Bewegung der Ar- beitslojenzahl verschieden. Während die Landesarbeitsämter Ostpreußen. Schlesien, Niedersachsen. Westfalen, Rheinland, Hessen, Sachsen, Bayern und Südwestdeutschland noch eine Zunahme melden, trat tn den Bezirken Brandenburg, Pommern, Nordmark und Mitteldeutschland ein Rückgang ein.
Einbruch in der Universität Göttingen. Gin Einbruch wurde im ethnographischen Institut der Universität Göttin gen verübt, bei dem die Diebe aus einem Glasschrank einen Federmantel und eine Federhaube aus Hawai entwendeten, die einen Sammlungswert von etwa 5 Millionen RM haben sollen. Nur ein Kenner kann von dem großen Wert der gestohlenen Gegenstände gewußt haben.
Sie Russengeschäsle der Industrie.
Regierung gibt Rediskonlkredile.
Berlin, 9. März.
Ueber die Russengeschäfle der deutschen Industrie sind in der Presse falsche Meldungen verbreitet worden. Wie von Sndiger Stelle mitgeteilt wird, ist es Tatsache, daß die
etje Industrie von den Russen größere Aufträge erhallen hat. Die betreffenden Industriellen sind nun bei den Regie- rungrstellen vorstellig geworden, um zu erfahren, in welchem Umfang die Reichsregierung ihre Hilfe für diese Geschäfte zur Verfügung stellen will.
Es handelt sich bei diesen Geschäften erstens um noch nicht völlig durchgeführte Aufträge aus dem Vorjahre, von denen die Firmen die von der Reichsregierung garantierten Wechsel bereits in der Tasche haben, die sie aber nicht rediskontieren konnten. Die Höhe dieser Wechsel beträgt etwa 120 Millionen RM. Die Reichsbank hat sich nun bereit erklärt, diesen Rediskont zur Verfügung zu stellen. Zweitens handelt es sich um neue Aufträge, für die die Reichsregierung aber keine neuen Mittel zur Verfügung stellen kann, da der Garantiefonds nur 1 Milliarde RM beträgt. Die Reichsregierung ist dagegen damit einverstanden, daß die Summe, die in diesem Jahre durch Zahlungen aus den Russengeschäften hereinkommt (etwa 400 Millionen RM), wieder in Form von Rediskontkrediten zur Verfügung gestellt wird.
Wachsende Schwierigkeiten.
Die wesentliche Voraussetzung dafür, daß die Russen ihre Geschäfte in Deutschland weiter tätigen können, ist die Möglichkeit der Ausfuhr russischer Waren nach Deutschland. Rußland hat im vorigen Jahre bis zu 300 Millionen RM eingeführt, was immer noch eine Passivität der russischen Handelsbilanz im Hinblick auf den deutsch-russischen Geschäftsverkehr bedeutet. Diese Passivität hat Rußland durch Ausfuhrüberschüsse nach England und Italien und zum Teil auch durch Edelmetall ausgeglichen. Was England angeht. so wird zweifellos das Guarantee-Departement weitere Kredite bis zur Höchstgrenze von zwölf Monaten bewilligen. Die englische Regierung drückt aber darauf, daß die Russen die Pfunderlöse aus dem Geschäft mit England auch wieder in russische Bestellungen umwandeln. England hat vorerst etwa 15 Millionen Pfund Kredite für das Rußlandgeschäft zugestanden, schon um der eigenen Arbeitslosigkeit abzu- helfen. Der Zwang für Rußland, seine Handelsbilanz im Warenverkehr mit Deutschland auszugleichen, wird daher immer dringlicher.
Aus diesem Grunde wird es ausgeschlossen sein, daß Deutschland russische Aufträge in der vorjährigen Höhe von 800 Millionen wiederum hereinnehmen kann. Die deutschen Wald-, Oel- und Landwirtschaftsinteressenten sind daher wegen der russischen Einfuhren in größter Sorge. Aus der anderen Seite macht die deutsche Industrie geltend, daß die Rußlandaufträge für sie lebenswichtig sind.
Die Reichsregierung hat auf die Gestaltung dieser Dinge wenig Einfluß, zumal deutsche Firmen bereits Gegenseitig- keitsgeschäfte abgeschlossen haben. (Sie betreffen die Hereinnahme von Erzen und von Naphta im Austausch gegen deutsche Jndustrielieferungen nach Rußland.)
' Deutschland und der Fernostkonfliki.
Eine Erklärung in der Völkerbundsversammlung.
Genf, 9. März.
Der deutsche Vertreter von Weizsäcker gab in der Aussprache der Völkerbundsversammlung eine Erklärung über die Stellungnahme Deutschlands zu den Verhandlungen zur Beilegung des Fernojtstreitfalles ab. Er erklärte, daß der deutsche Vertreter im Völkerbundrat in den letzten sechs Monaten bereits mehrfach den Standpunkt Deutschlands dargelegt habe.
In diesen Erklärungen sei wiederholt auf die Notwendigkeit der Einstellung der Feindseligkeiten und einer friedlichen Regelung des Streitfalles hingewiesen worden. Der Völkerbundrat habe sich dieser Stellungnahme angeschlossen. Nach den letzten Meldungen bestehe die Hoffnung, daß die Feindseligkeiten eingestellt würden und daß man jetzt leichter eine Grundlage für die weiteren Verhandlungen zur Beilegung des Streitfalls finden würde.
Der Völkerbund verliere feine Daseinsberechtigung, wenn er diese große 'Aufgabe nicht erfülle, Deutschland, das als erste Macht den Kelloggvertrag unterzeichnet habe, der den Weg für eine allgemeine Abrüstung eröffne, habe das allergrößte Interesse daran, daß der Grundsatz einer gerechten Regelung aller internationalen Streitigkeiten durch den Völkerbund uneingeschränkt Achtung finde.
Frankreichs Vertreter, P a u l - B o n c o u r, betonte, daß die französische Regierung sich jedem Vorgehen zur friedlichen Regelung des Streitfalles und zur Aufrechterhaltung der internationalen Verträge sowie des Völker- bundsvertrages anschließe. Die Achtung der internationalen Verträge bilde die Grundlage der französischen Außenpolitik und der Abrüstungskonferenz.
— Der Oberste Vollzugsausschuß der Nankinger Na- tionalregierung hat Eschiangkaischek zum Dberbcsehlsha- her der chinesischen Streitkräfte ernannt.
Nach Donau — Balienbund. polnische Stimmungsmache.
Warschau, 9. März.
Jede außenpolitische Handlung Frankreichs, die sich gegen Deutschland richtet und den Zweck verfolgt, die Nach- Versailles-Zusiande zu festigen, wird von der polnischen presse von vornherein fast ausnahmslos gutgeheißen. So ist es auch mit dem neuen Vorstoß Tardieus, der zweifellos den Zweck hat, in das bestehende südosteuropäische Vasallen- system nun auch Oesterreich und Ungarn hineinzuziehen und Deutschland dadurch noch mehr abzuschnüren.
Der nationaldemokratische „Kurjer Warezawski" er« klärt hierzu, daß der politische Gedanke Frankreichs eine natürliche und notwendige Ausfüllung der Lücke fei, die durch den Fehlschlag der Anschlußpolitik Deutschlands entstanden sei Während die deutsche Absicht „eigensüchtig und engherzig" gewesen sei, habe Frankreich feinen Gesundungs- plan auf die breitere Grundlage eines Donau-Bundes ge» stellt. Das größte Hindernis erblickt das Blatt nicht in Oesterreich, sondern in Ungarn, dessen weitgehende Ansprüche befriedigt werden müßten. Polen würden, so heißt es zum Schluß, auch gewisse Möglichkeiten eröffnet werden. Beispielsweise könne der Donau-Bund für eine Agrarver- ständigung ausgenützt werden.
Der regierungstreue „Krakauer Illustrierte Kurier" ist überzeugt, daß der Briandsche Paneuropa-Plan restlos begraben sei, aber die Donauföderation zweifellos Lebensmöglichkeiten besitze, und das um so mehr, als die ganze politische und wirtschaftliche Macht Frankreichs dahinter stehe.
Gleichzeitig weist das Blatt auf die großen Möglichkeiten eines baltischen Bundes, oder, wie so schön gesagt wird, der „Vereinigten baltischen Staaten“ hin. „Natürlich würde", so hofft das Blatt, „ein solcher nachbarlicher Bund sehr bald unter die Fittiche Polens geraten, denn niemand anders als gerade Polen ist der Garant der Unabhängigkeit der baltischen Staaten."
Das Blatt ist überzeugt, daß dieser Gedanke der baltischen Föderation bei den in Frage kommenden Staaten bereits lebhafteste Zustimmung gefunden habe.
Das Hindernis der Völkerfreundschaft.
Der Erzbischof von Park zur Kriegsschuldfrage.
London, 9. März.
In einer von der englischen Völkerbundsvereinigung herausgegebenen Kampfschrift nimmt der Erzbischof von Jork zu den heftigen Angriffen, die von verschiedenen Seiten nach feiner bei der Eröffnung der Abrüstungskonferenz in Genf gehaltenen Rede u. a. auch von Sir Allsten Cham- berlain gegen ihn erhoben worden waren, Stellung. Er erklärt u. a., er müsse sich gegen die Ansicht wenden, daß die Kriegsschuldklausel aufrechterhalten bleiben solle als Erinnerung an das, was feine Unterzeichner damals für richtig hielten.
Die Kriegsschuldklausel sehe die moralische Kriegsschuld voraus und sei daher nicht ausrechtzuerhalten. Man müsse bedenken, daß sie ein Hindernis für die internationale Freundschaft sei, da sie alle Beziehungen zwischen den Ländern beherrsche.
Man müsse jetzt nicht mehr fragen: War Deutschland schuldig oder war England schuldig, sondern: Was war falsch an unserem Christentum, was war falsch an der ganzen zivilisierten Welt? „Ich glaube", so fährt der Erzbischof in der Schrift fort, „daß die deutsche Regierung eine viel größere Verantwortung zu tragen hatte als die anderen Länder.
wenn wir die Ursache der Umzingelung Deutschlands durch die alliierten Mächte untersuchen, so werden wir in eine lange Zeit der internationalen Geschichte zurückgeführt, in der das vorherrschende Merkmal ein immer zunehmender Nationalismus unter annähernd allen europäischen Ländern war. Wenn dieft Lage in dem Licht des christlichen Ideals der Gemeinsamkeit d^r Nationen betrachtet wird, so sieht man, daß es eine Lage voll von Sünden war."
Keine Einigung in der Postabfindungsfrage.
Zu der Frage der Postabfindung wird mitgeteilt: „Es ist richtig, daß zwischen der Reichsregierung einerseits und den Ländern Württemberg und Bayern aus der anderen Seite eine Vereinbarung über die endgültige Abtragung der Postabfindung erzielt worden ist. Der Arbeitsausschuß des Verwaltungsrats der Reichspost hat jedoch der Vereinbarung gegenüber sich ablehnend verhalten. Daraufhin hat Bayern sofort einen entsprechenden Antrag beim Staatsgerichtshof gestellt, um aus Grund der mit der Reichsregierung erzielten Vereinbarung eine Entscheidung herbei- zuführen.
parteipolitische Betätigung von Schülern.
Der badische Minister für Kultus und Unterricht hat eine Verordnung gegen die parteipolitische Betätigung von Schülern erlassen. Wahlunmllndigen Schülern wird damit jede Zugehörigkeit zu politischen Parteien und Vereinigungen sowie ihrer Organisationen und ihrer Iugcndgruppen oder Bünden jeder Art und die Teilnahme an parteipolitischen Veranstaltungen, auch wenn sie in gesellige oder sonstige Form gekleidet sind, unter Androhung strenger Strafe, unter Umständen Verweisung von der Schule, verboten. Ebenso wird den Lehrpersonen jede parteipolitische 'Beeinflussung der Schüler innerhalb und außerhalb der Schule streng untersagt.