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Nr. 22

Gchlüchterner Jeltung

3. Blatt

Volkstrauertag.

Notzeit in Deutschland! Die Not geht um in unserem Vaterland. In Hütten und Palästen, in Stadt und Land ist sie zu Gaste. Wie ein unheimliches Gift dringt die Ver­zweiflung und Hoffnungslosigkeit immer tiefer in unsere Seele.

Gedenket Eurer Schwestern und Brüder, die hungern und frieren, helft ihre Not zu lindern, gebt, so viel ihr noch geben könnt, sind die Rufe, die uns stündlich an das große Elend und den bitteren Ernst unserer Lage erinnern.

Auf allen Lippen schwebt die Frage: Werden wir einen Weg aus der Verzweiflung finden, oder müssen die letzten Funken Hoffnung verglimmen, da wir nicht mehr die Kraft aufbringen, die Glut zu entfachen zur heiligen Flamme glaubensfroher Zuversicht: Es muß doch wieder Frühling werden!

In eine solche Zeit hinein läuten die Glocken vom hohen Turm: Reminiscere. Gedenket der Toten des Weltkrieges! So mancher wird vielleicht sagen, laßt die Toten ihre To­ten begraben, wir haben jetzt keine Zeit, unser ganzes Den­ken und Tun gehört den Lebenden. Jene haben ausgekämpft und ausgelitten und schlafen in guter Ruh, diese aber stehen mitten im Kampf um das tägliche Brot. An ihrer Seite zu stehen, ist höhere Pflicht, als Totenfeiern abzuhalten und die müden Seelen noch mehr zu belasten mit der Erinne­rung an die furchtbare Stunde der Gewißheit: der, den du liebst, kehrte nicht heim.

Hätte der Volkstrauertag die Aufgabe, alte, vielleicht erst oberflächlich vernarbte Wunden wieder aufzureißen, wollte er, worauf sein Name allerdings hindeutet, Trauer in die Herzen unseres Volkes, der Eltern und Bräute, der Witwen und Waisen, der Kinder und Kindeskinder hinein­senken, dann hätte er seinen Zweck verfehlt. Welche Aufgabe der Volkstrauertag hat, darauf weist schon seine Festlegung auf einen Sonntag im Vorfrühling. Damals, nach dem Kriege 1813, als die Begeisterung über die Siege der deut­schen Armee und die wieder errungene Freiheit über- schäumte, damals lag es nahe, daß der preußische König einen Tag der Toten am letzten Sonntag des Kirchenjahres, unseren heutigen evangelischen Totensonntag, einführte, der das preußische Volk zur Besinnung mahnen und es an die Gräber der Gefallenen führen und es erinnern sollte, so wie die Natur jetzt im Absterben begriffen ist, wird auch für dich dermaleinst die Stunde kommen, da du bereit sein mußt. Das ist auch noch heute der Sinn des Totensonntags.

Es'wäre also ein Unding, wollte man den Totensonntag und den Volkstrauertag zusammenlegen. Die Erinnerung eines ganzen Volkes an die 2 Millionen Toten des Welt­krieges kann nicht verquickt werden mit der Trauer der Familie um den Verlust eines Angehörigen, den vielleicht Alter oder Krankheit dahingerafft hat. Diese haben größten­teils ihre Aufgabe erfüllt gehabt, als der Tod sie abberief, jene 2 Millionen aber waren fast alle lebensfrische Männer in der Vollkraft ihres Schaffens, die ihr Leben freiwillig Hingaben, damit Deutschland lebe.

Nicht ist daher derVolkstrauertag ein Taa de^ feaugr des Derlierens in Klage und Mutlosigkeit, sondern ein Tag- des Aufbruches, des ernsten Willens, das Vermächtnis dieser 2 Millionen zu erfüllen. Ueber dem Totensonntag oder dem Allerseelentag steht das uralte Philosophenwort: Die Hoffnung ist bei den Lebenden: der Volkstrauertag sagt uns aber: sie ist auch bei den Toten!

Volkstrauertag feiern bedeutet also: aus der Vergangen­heit schöpfen, um für die Zukunft zu bauen.

Siehe, Deine Gefallenen kommen am Volkstrauertag zu Dir. Sie sind eine Saat, die von Gott in unsere Herzen gesät ist, um frisches Leben und neue Kräfte zu treiben, die Kräfte, die sie befähigte, in Not und Tod auszuhalten: der Glaube an das Recht, die Hoffnung auf den Sieg und die Liebe zur Heimat.

Reminiscere heißt: zielsicheres Vorwärtsschreiten im Geist und Willen derer, die von uns gegangen sind.

Das Gedenken an unsere Toten gibt uns den Glauben wieder, jenen unerschütterlichen Glauben, der sie beseelte, als sie in den Kampf gingen: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!

Volkstrauertag, an der Schwelle des Frühlings, bringt uns die Hoffnung auf die Wiederauferstehung unseres Vol­kes und Vaterlandes, auf die Sonne, die durch die Wolken bricht, wenn jetzt auch noch der Sturm durch die deutschen Gaue fegt und alles niederzureißen droht.

Und letztens soll aus der Erinnerung jene Liebe wie­der erxoachen, die auch zum letzten Opfer bereit ist. Auf diese Liebe weist uns auch der Passionssonntag. Jesus Christus opferte sich, um uns Frieden zu geben. So werden wir von der Liebe unserer Gefallenen hingeführt zu der ewigen Liebe Gottes.

Volkstrauertag in der Pafsionszeit! Ueber uns leuchtet versöhnt das Kreuz von Golgatha und vor uns stehen die 2 Millionen Kreuze der Gefallenen, von denen es herüber- klingt als Fanal in eine neue deutsche Zukunft:

Als die Sterbenden und siehe, wir leben!"

Deutsche Kriegsgräberstätte Amel

(Dep. Meuse, Frankreich) nach der Ausgestaltung durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Es wurden

ONVp zur Präsidentenwahl.

Berlin, 18. Februar.

Der Parkeivorstand der Deutschnationalen Volkspartei beendete seine Beratungen mit der Annahme einer Ent­schließung, durch die die weiteren Entscheidungen in der Vräsidenkenfrage in die Hände des Parteiführers Dr. hugen- verg gelegt werden.

Der Vorsitzende berichtete über die durch die Reichsprä- sidentenwahl geschaffene politische Lage. Dabei wurde auch über die bei der NSDAP. bestehenden Absichten Mitteilung gemacht. In vollständiger Uebereinstimmung aller Landes­verbände und Vorstandsmitglieder begrüßte der Vorstand die Stellungnahme des Parteiführers gegenüber dem Versuch Brünings, den Reichspräsidenten durch den Reichstag wie­derwählen zu lassen und die von der schwarzroten Koalition getragene Kandidatur Hindenburgs ankündigt. Der enge Zusammenhang zwischen Preußen wählen und Reichspräsi- dentenwahl wurde eingehend erörtert.

Konzeutrationsregierung in Paris?

Painlevö mit der Kabinettsbildung beauftragt.

Paris, 19. Februar

Der Präsident der Republik hat den ehemaligen RH- nisterpräsidenlen PainleoS mit der Kabinettsbildung beauf­tragt. PainleoS hat angenommen.

Nach einer langen Unterredung mit Tardieu hatte sich der Staatspräsident entschlossen, zunächst die Bildung einer Konzentrationsregierung zu versuchen. Als langjähriger Kriegsminister und Vater der französischen Heeresreform schien Painlevd der geeignete Mann, um zugleich mit den Bedenken der Linken gegen einen allzu scharfen Rechtskurs auch diejenigen der scharf rechts gerichteten Kammermehr- Heit gegen eine Wiederkehr einer Kartellregierung zu zer­streuen. PainlevS hat erst kürzlich während der Abrüstungs- kundgebung im Trocadero die französische Rüstungsthese energisch verteidigt und sich dadurch das Vertrauen der Rech­ten in erhöhtem Maße gesichert.

Neue Bankenfusion.

Lämmer - und Privatbank Barmer Bankverein.

Berlin, 19. Februar

Die Gerüchte bestätigen sich, nach denen der Barmer Bankverein mit der Commerz- und Privatbank fusioniert werden wird. Ueber Einzelheiten des Fusionsplanes liegen konkrete Angaben zur Zeit noch nicht vor.

Die Commerz- und Privatbank, die 1930 ihre Dividende von 11 auf 7 v. H. ermäßigte, verfügt über ein Aktienkapi­tal von 75 Millionen RM und ein Eigenkapital von 115,5 Millionen RM. Der Barmer Bankverein konnte 1930 8 v.H. Dividende ausschütten gegen 10 v. H. in den Vorjahren. Dar Kapital dieses westüeutschküLustUuts betrug 35,8 Millionen RM, denen Rücklagen von 18 Millionen RM hinzuzurech- neu sind. Die Bilanzsumme des Instituts stellte sich auf 424 Millionen RM. Die Bilanzsumme der Commerzbank wurde 1930 mit 1,8 Milliarden angegeben.

Eine Welle von Riesenunterschlagungen.

Um 14 Millionen ein Finanzamt geschädigt.

Große Unterschlagungen, die insgesamt auf 14 Millio­nen Zloty (rund 7 Millionen RM) geschätzt werden, wurden im Finanz- und Steueramt in Lodz (Polen) festgestellt. Als Schuldiger wird der Vorstand des Steueramts namens Richter bezeichnet.

Unregelmäßigkeiten in einem Nahrungsmittelamt.

Im Nahrungsmittelamt in Leningrad sind Riesen­unterschleife und Unregelmäßigkeiten aufgedeckt worden. Die mit der Versorgung der Bevölkerung betrauten Stellen haben über 150 000 Lebensmittelkarten verschwinden lassen, wäh­rend etwa 200 000 Portionen in den staatlichen Speiseanstal­ten an Unberechtigte ausgegeben wurden. Es wurde fest­gestellt, daß auch die Arbeiterausschüsse der großen Fabriken sich rege an den ungesetzlichen Machenschaften beteiligt haben. Unter Umgehung der behördlichen Vorschriften haben di« großen Werke miteinander privaten Handel zu Spekula- tionszwecken betrieben. Der Direktor der Textilgenossen- schaft ist bereits seines Postens enthoben worden.

15 Millionen Dollar veruntreut.

Gegen sechs Beamte des Bain-Dank-Konzern, mürbe in C h i c a g o Anklage wegen Unterschlagung von insgesamt 15 Millionen Dollar erhoben. Der Konzern umfaßt zwölf Banken und hat im Juni letzten Jahres die Zahlungen ein­gestellt. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen haben die Angeklagten Auszahlungen gemacht, die sich zu ihren Gun­sten auswirkten. Ferner haben sie sich an Depvsstenverschie- bungen insolvent gewordener Banken beteiligt.

Heuer Anschlag geplant? Die gefährdete Strecke ParisMarseille.

Paris, 19. Februar

Ein Angestellter der Eisenbahngesellschaft Paris-Lyon- Marseille, auf deren Strecke in den letzten Monaten verschie­dene Anschläge verübt wurden, bemerkte ein großes Paket, das über die Schienen gelegt war. Noch ehe er sich jedoch diesem merkwürdigen Gegenstand nähern konnte, trat aus dem dichten Wald, der bis an die Gleisanlagen grenzt, ein Mann hervor, bemächtigte sich des Paketes und reichte es einem zweiten, worauf beide Männer wieder verschwanden Der Bahnangestellte benachrichtigte sofort die Polizei, die die ganze Gegend absuchte, ohne aber eine Spur zu finden.

Die Polizei ist der Auffassung, daß es sich hier wieder um die Vorbereitung eines Anschlages aus den internatio­nalen Schnellzug ParisRom handelt, der nur wenige Minuten später in beiden Richtungen die Strecke passieren mußte.

Miß Slabe zu Gefängnis verurteilt. Die ständige Begleiterin und Sekretärin Gandhis, Miß Slabe, die Tochter eine» englischen Admirals, würd - zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Freiverkehr ab 25,

Börsenbeginn in Berlin.

Berlin, 19. Februar.

Der Berliner Börsenvorstand hak beschlossen, den vom preußischen Handelsminister nunmehr zugelassenen Frei- verkehr in den Börsensälen der Werkpapier-Börse ab Don­nerstag, den 25. Februar, wieder auszunehmen.

Europa" im Sturm.

(Eine schwierig lleberfahrt. 24 Stunden Verspätung.

Cherbourg, 19. Februar.

Der große L l o y d d a m p f e rEuropa" ist mit 24 Stunden Verspätung in Cherbourg eingetroffen.

Der Ozeanriese hatte aus seiner Ueberfahrt einen selten heftigen Sturm zu überstehen, der großen Materialschaden anrichkete. Das erste und zweite Deck wurde unaufhörlich von haushohen Wellen überschüttet, wobei fast sämtliche Fensterscheiben zersplittert wurden. Eine Reihe von Fahr- gasien wurde zu Boden geschleudert, ohne jedoch ernsteren Schaden zu nehmen. DieEuropa" führte 400 Millionen Franken Gold an Bord, die für die Bank von Frankreich bestimmt sind.

Beschäftigung ausländischer Landarbeiker verboten.

Der Reichsrat hat der Vorlage des Reichsarbeitsministers zu­gestimmt, wonach mit Rücksicht auf die außergewöhnliche Arbeits­losigkeit in Deutschland im Jahre 1932 die Beschäftigung neu «in- reisender ausländischer Landarbeiter verboten ist. Der Reichsar- beitsminister hat eine entsprechende Anweisung an den Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversiche­rung gerichtet.

Ausruf Hitlers zur Sicherstellung der deutschen Ernte.

Adolf Hitler erläßt in derNationalsozialistischen Korrespon­denz" einen Ausruf an alle Deutschen, die Sicherstellung der deut­schen Ernte 1932 als eine ihrer vornehmsten Aufgaben zu be­trachten. Wer jetzt die Durchführung der sachgemäßen Frühjahrs- bestellung gefährde, begehe Verrat am deutschen Volk Eine kom­mende nationalsozialistische Regierung werde alle Maßnahmen ganz besonders schützen, die von Landwirten und anderen Stellen jetzt getroffen würden, um die Frühjahrsbestellung in uneinge­schränkter Form durchzuführön. Eine nationalsozialistische Regie­rung werde außerdem eine Prüfung aller Zwangsversteigerungen landwirtschaftlicher Grundstücke durchführen, die nach dem Tage der Bankenkatastrophe vom 13. Juli 1931 vorgenommen worden seien.

Drei Opfer einer Eifersuchtstat.

Regensburg, 19. Febr. In Regensburg ereignete sich eine schreckliche B > uttat. Ein Reichswehrobergefrei- ter gab nach 22 Uhr auf ein Mädchen, mit dem er ein Ver­hältnis unterhielt, sowie auf dessen Mutter, mehrere Schüsse ab. Letztere wurde durch drei Kugeln in die Brust sofort getötet. Das Mädchen, das auf der Flucht in den Rücken einen Schuß erhielt, und der Gefreite, der nach der schrecklichen Tat sich einen Kopfschuß beibrachte, wurden im schwerverletzten Zustand in das Krankenhaus eingeliefert. Hier erlag der Gefreite feinen Verletzungen. Das Mädchen muhte sofort einer Operation unterzogen werden. Als Grund zur Tat wird Eifersucht angegeben.

Lersammllmgsoerbot in Baden.

Karlsruhe, 19. Februar.

Wie die Pressestelle beim Staatsministerium mitteilt, hat bet Minister des Innern aus Anlaß des Zusammenstoßes I zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten in Weinheim I und wegen der sich häufenden Störungen der öffentlichen Ordnung öffentliche Veranstaltungen der Nationalsozialisten und Kommunisten auf Grund der Bestimmungen der Not­verordnung vom 19. bis einschließlich 28. Februar verboten.

Schifsszusammenflöße auf der llnterelbe. Auf der Unter­elbe hat sich wieder Nebel eingestellt, der Zusammenstöße zur Folge hatte. Beim Feuerschiff I ist der 3500 Br.-Reg.-Tonnen große russische DampferDnjestr", der von London auf dem Wege nach Hamburg war, mit dem Motorschiff des Nord­deutschen LloydIsar" zusammengestoßen Beide Schiffe wurden am Vorschiff beschädigt und gingen vor Anker. D'.e 3far" ist 9000 Tonnen groß Die beschädigten Schiffe wer­den die Reise ohne Hilfe nach Hamburg fortsetzen, sobald die Wetterverhältnisse es erlauben. Der englische Dampfer Ethiopian", der auf dem Wege von Liverpool nach Ham­burg war, stieß in der Nähe von Falkental bei Blankenese mit dem MotorseglerSeestern" zusammen.Seestern" mußte, da er schwer beschädigt worden war, auf Strand ge­setzt werden. Der nur leichtbeschädigte englische Dampfer konnte seine Fahrt nach Hamburg fortsetzen.

Friedrich August ni.,

der frühere König von Sachsen, ist am Donnerstag abend um 22 Uhr auf Schloß Sibyllenort in Schlesien an den folgen eines Schlagansalles sanft entschlafen.