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chlüchtemer Rettung

Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlicher finzeitzer für tat Kreis Schlüchlem

Ar. 22

(1. Blatt)

Samstag, den 20. Februar 1032

84. Iahrg

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Amtliche Bekanntmachungen, ljandratsamt.

Nach einem Telegramm des Herrn Preuß. Ministers it$ Innern sind die Wählerverzeichnisse für die Reichsprä- Kentenrvahl vom 3. bis 6. März auszülegen, 'falls der leichstag als Wahltag den 13. März festsetzt.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, sofort mit der Aufstellung bezw. Berichtigung der Wählerlisten oder Wahl- larteien für die Reichspräsidentenwahl zu beginnen.

Dabei sind möglichst die bei der letzten Reichstagswahl be- mtzten Wahlverzeichnisse zu verwenden.

Formulare zu etwa neu aufzustellenden Verzeichnissen inö in der Waisenhausbuchdruckerei in Kassel erhältlich. 5chlüchtern, den 19. Februar 1932.

Der Landrat: Dr. Müller.

I.-Rr. 581. Auf Anordnung der Reichsregierung findet am 1. März d. 3s. eine Schweinezählung statt, bei kr zugleich die in den Monaten Dezember 1931 sowie Januar und Februar 1932 geborenen Kälber gezählt wer- kn sollen. Die Zahlung dient allgemeinen volkswirtschaft­lichen und statistischen Zwecken.

Die gleichzeitig mit der Schweinezählung durchzuführende Kalbeze ire ne rhe b u n g soll feststellen, inwieweit die Häufung der Kälbergeburten zu gewissen Zeiten Ursache kr Milchschwemme sein kann. Will man die durch die Mchschwemme verursachten Preisstürze bekämpfen, so ist eine' genaue Kenntnis der Verteilung des Melkwerdens der Kühe über das Jahr nötig.

Um auch in Betrieben ohne Zuchtbuchführung zuoe» lässige Angaben zu erhalten, wird jedemal nach Ablauf von 3 Monaten, also bei den nächsten vier Zählungen nach den in den voraufgegangenen 3 Monaten geborenen Kälbern gefragt werden. Es ist anzunehmen, daß dann jeder Land-

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rairt^bic (Beburtsmonate feiner Kälber fehlerlos, wMW^W nötig aus dem Gedächtnis, angeben kann. Dem Wesen der

Erhebung entsprechend ist es gleichgültig, ob die Kälber noch vorhanden sind oder nicht, da wesentlich das durch das Kalben verursachte Anschwellen der Milchmengen in den einzelnen Provinzen festgestellt werden soll.

Die näheren Anweisungen für die Durchführung der Füh­lung enthalten die den Herren Bürgermeistern zugehenden Formulare zu den Zählbezirkslisten T und den Gemeinde­listen E. Mit dem Inhalt dieser Anweisungen und der Formulare wollen die Herren Bürgermeister sich alsbald eingehend vertraut machen und wegen der Ausführung der Rhlung das Weitere veranlassen. Etwaiger Mehrbedarf in Formularen ist alsbald hier anzumelden.

Die Reinschriften der Zählbezirkslisten sollen der Kosten­ersparnis wegen bei dieser Zählung versuchsweise weg­fallen. Aus diesem Grunde weise ich besonders auf die Notwendigkeit hin, die Zählbezirkslisten sauber auszufül- len und sie möglichst schonend zu behandeln. Die Gemeinde- listen sollen der Sicherheit wegen wie bisher in 2 Stücken ^gestellt werden. A

Die sorgfältig ausgestellten Zählbezirks- und Gemeinde­listen sind vollzählig sobald wie möglich, spätestens je = doch bis zum 6. März d. 3., nach Benehmen mit dem zuständigen Landjägereibeamten hierher einzureichen. Der für die Einsendung der Listen festgesetzte (Termin darf nicht überschritten werden, da zur Zusammenstellung und Nach­prüfung der Listen hier nur wenige Tage zur Verfügung flehen. Auffällige Abweichungen gegenüber der Zählung am 1. 12. 1931 sind in besonderem Berichte zu begründen.

Da bei früheren Zählungen in einigen Fällen Tiere ver­heimlicht worden sind, ersuche ich die Herren Bürgermeister, die Viehbesitzer darauf hinzuweisen, daß neben der Strafe Obefängnis bis zu 6 Monaten oder Geldstrafe bis zu 10000 Rm.) die Beschlagnahme der verheimlichten Tiere angeordnet werden kann.

Ich mache ferner darauf aufmerksam, daß die in den Zählbezirkslisten ausgenommenen Angaben über den Vieh- Mit} der einzelnen Haushaltungen nicht für Zwecke der Steuerveranlagung verwendet werben dürfen. Ueber diese Angaben ist das Amtsgeheimnis zu wahren.

Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, für ge- signete Bekanntgabe zu sorgen, auch die Zähler anzuwei- kn, die Einwohner ihrer Zählbezirke auf diese Bestim­mungen besonders aufmerksam zu machen.

Die Zählerlisten ersuche ich dem zuständigen Landja- Seteibeamten auf Verlangen zwecks Nachprüfung auszu- händigen und ihn dabei auf zweifelhafte Angaben aufmerk- MUr zu machen. Die Listen dürfen nicht hierher einge« anbt werden, bevor die Landjägereibeamten sie einge- ^n haben.

Schlüchtern, den 12. Februar 1932.

Der Landrat. Dr. Müller.

I.-Rr. 671. Der Gast- und Landwirt Friedrich Günther zu Mottgers ist als Lchiedsmannsstellvertreter wiederge­wählt und bestätigt worden.

Schlüchtern, den 16. Februar 1932.

Der Landrat. 3. V.: Duwe.

I.-Rr. 673. Die Zuchthengste vom Landgestüt Villen- burg stehen vom 9. Februar d. 3s. ab auf der hiesigen Deckstation wieder zur Verfügung. Die Herren Bürger­meister ersuche ich, dies sofort ortsüblich bekannt zu geben und b^e Züchter darauf hinzuweisen, daß

1. die Deck- und Fohlengelder um lO°/o herabgesetzt sind.

Die Lätze betragen nunmehr: Deckgeld für Ltutbuchstuten Deckgeld für nicht eingetragene Stuten Lohlengeld

1^,20 RITT.

18- RITT.

9- RITT.

2. die Dockgelder nach den ministeriellen Bestimmungen vor dem 1. Sprunge zu zahlen sind und die Gestütwärter als Beamte bestimmungsgemäß dafür haftbar gemacht wer­den müssen. Es wird daher erwartet, daß die Züchter in Verständnis der Dienstpflichten und der Haftbarkeit der Deckstellenvorsteher für die rechtzeitige Bezahlung des Deck- geldes dasselbe in jedem Falle beim erstmaligen Zuführen der Stuten entrichten.

3. die Fohlengelder nach Fälligkeit zur Vermeidung von Kosten ungesäumt an den Deckstellenvorsteher zu zahlen ' sind.

Gleichzeitig mache ich die Herren Bürgermeister bei die­ser Gelegenheit darauf aufmerksam, daß sie die Abfoh- lungsergeblisse in die ihnen s. Zt. zugehenden Deckregister genau einzutragen und die Register baldmöglichst, späte­stens jedoch bis zum 20. 3uni d. 3s. an den hiesigen Deck- sh'llenvorsteher zurückzusenden Habm.

Schlüchtern, den 16. Februar 1932.

Der Landrat. 3. D.: Duwe.

3. »Rr. 522 b. wie in verschiedenen Gemeinden des Krei­ses beobachtet worden ist, sind die Anordnungen des Ikrrn Reichskommistars für Preisüberwachung in Einzelfällen van den Gewerbetreibenden sa ausgelegt worden, als ob die

darin für Berlin erörterten preise alsfestgesetzte" odergenehmigte" Richtpreise auch für dir ganz anders gelagerten hiesigen Verhältnisse zu gelten hätten. Aus bieder irrtümlichen Auffassung heraus sollen beispielsweise ein­zelne Friseure nicht nur von einer Herabsetzung der preise abgesehen, sondern dieselben sogar auf den Stand der Richtpreise erhöht haben. Zur Aufklärung sei darauf hin­gewiesen, daß oie von dem Herrn Reichskommissar für Preisüberwachung erörterten preise eine Höchstpreisgrenze für großstädtische Verhältnisse darstellen. Für alle Ge­werbetreibenden besteht die Verpflichtung, ihre bisheri­gen preise einer neuen scharfen Kalkulation zu unter­ziehen und sämtliche Erleichterungen für die Preisbildung zu Gunsten der Kunden in Form einer Preissenkung als­bald nutzbar zu machen. Eine Anpassung bereits bestehen­der niedrigerer Preise an den Stand der Richtpreise würde selbstverständlich in vollem Widerspruch zu dem Zweck der Dreislenkunasaktion stehen und könnte unter keinen Um­ständen geduldet werden.

Schlächtern, den 17. Februar 1932.

Der Landrat: Dr. Müller.

Kreisausschuß.

Freiwillige'Sanitätskolonue Schlüchtern.

f Die Jlebnngsstnnden fder hiesigen Sanitätekolonne finden in Zukunft wie folgt im Kreistagssaal statt:

^ Konttlass von 27a4/» Ubr nachmittags, Mittwochs von 897» Ubr abends.

f Unsere Mitglieder werden gebeten,'diese Ucbungsstunden

regelmäßig zu besuchen.

Schlächtern, den 19. Februar 1932.

Wolf, Bors, der Sauitälskolonnc Schlächtern.

Dr/Müller,

Vors. des Männer-Vereins vom Roten Kreuz.

Der preußische Landtag bestätigte durch Abstim­mungen des Inhalt der preußischen Sparverordnungen und protestierte einmütig gegen die Vergewaltigung des Deutsch­tums im Memelland. Die nächste Sitzung des Landtags findet am 1. März statt.

Der am Donnerstag vormittag in Bitterfelb zu einem Substratosphärenflug ausgestiegene BallonErnst Branden­burg" landete in den Abendstunden bei Dlpr i. W., nachdem er während seines Fluges die 9000-Mtr.-3onc erreicht hatte.

vor dem Amtsgericht Hilden im Rheinland kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Rationalsazialisten und Kommunisten. (Einige Personen wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Die deutschen Abröstungsvorschlöge.

Deutliche Worte an richtiger Stelle.

Genf, 19. Februar.

Noch einmal, gegen Ende der allgemeinen Debatte auf der Abrüstungskonferenz ein Höhepunkt in Genf. Deutsch­lands Vertreter hat nun die Vorschläge überreicht, die Deutschland für eine positive Abrüstung zu machen hat, und hat sie begründet. Das große Leitmotiv für diese Forderung nach einer positiven Abrüstung ist der Antrag auf die rest­lose Abschaffung jeder Angriffswaffe. Aus diesem Leitge­danken heraus wird der Antrag auf Abschaffung der allge­meinen Wehrpflicht zum logischen Zwang. Will man, wie der Versailler Vertrag es vorsah, und wie das Völkerbunds­statut es sanktionierte, die allgemeine Abrüstung und damit das einzige Mittel zu einer dauernden Sicherung des Frie­dens, dann muß man genau wie der Versailler Vertrag als Auftakt es für Deutschland bestimmte, die Beseitigung aller der kriegerischen Mittel durchführen, die für den Angriffs- krieg notwendig sind. Hierher gehört die Abschaffung der Wehrpflicht, wie sie für Deutschland durchgeführt wurde, hierher gehört die Vernichtung aller Aggressiowaffen, wie sie Deutschland verboten wurden.

Die deutschen Vorschläge, die der Abrüstungskonferenz im einzelnen von dem deutschen Delegationssührer, Bol- schafter Radolny, überreicht wurden, halten sich streng im Rahmen des Versailler Vertrages. Versailles wird zum Schema genommen.

Damit ist die französische These widerlegt, die behaupten wollle, Deutschland ziele selbst nicht auf die allgemeine Ab­rüstung ab, sondern unter der ParoleGleiche Sicherheit für alle" wolle es die Wiederaufrüstung für sich selbst erreichen. Aus dieser These wird dann die bekannte Weigerung Frank­reichs hergeleitet, durch eigene Abrüstung die eigene Sicher­heit zu gefährden. Nein, Deutschland fordert die positive Ab­rüstung, fordert sie nicht gegen, sondern mit dem Versailler Vertrag.

Ein klares, ein nüchternes Programm. Ein Programm

Der Botschafter Nadolny, der diese Vorschläge sehr aurführ- lich und schlagend motivierte, hat mit Recht hervorgehoben, daß diese Abrüstungskonferenz im wahrsten Sinne bei Wortes eine Friedenskonferenz ist, daß sie ihren Sinn ver­liert, wenn man die allgemeine Abrüstung, die für alle gel­ten muß, nicht will. Wer in der Abrüstungsdebatte das Mo­tiv der Sicherheit zur Grundlage seiner Reden und seiner Entschlüsse macht, dem muß in der Tat gesagt werden, daß nur eine weitgehende allgemeine und gleichwirkende Ab­rüstung diese Sicherheit gewährleisten wird.

Die Abrüstungskonferenz muh zweierlei ausräumen: das Mißtrauen untereinander und den störenden Stachel der Deklassierung.

Es war gut, daß der deutsche Vertreter auf das Schlußpro­tokoll von Locarno hinwies, wo die Zeit zur Verwirklichung der Abrüstung als gekommen erachtet wurde. Der Völker­bund selbst hat 1928 etwas Aehnliches ausgesprochen. Frank­reich hat die Schaffung einer internationalen Polizeimacht zur Debatte gestellt. Deutschland hat keinen 'Anlaß, solche Vorschläge zurkckzuweisen. Aber solche Vorschläge dürfen nicht zur Grundlage einer wirklichen Abrüstung gemacht werden, sie werden vielmehr die Folge einer solchen Ao- rüftung sein müssen.

Deutschland hat seine Vorschläge gemacht. Gemacht au» dem ehrlichen Willen zum Frieden, aus dem guten Recht, daß jeder Vertragspartner hat, der für sich einen Vertrag erfüllt hat. Es wird nun an den Mächten sein, deren Ver­treter in Genf versammelt sind, nach der Klarstellung der Probleme und Aufgaben, nach der Aufreizung der Ziele, kurz nach allen Reden nun zu tun, was getan werden muß, wenn wirklich Sicherheit und wenn wirklich Frieden für alle gewährleistet werden soll. Sonst hat der Pölkerbund seinen Sinn verloren, sonst fehlt den Verträgen, die dem Krieg, dem Weltkrieg ein Ende machen sollten, für eine weitere Zukunft die Grundlage. Deutschland hat gesprochen, die Welt muh nun antworten.

Inhaltsangabe

Die deutschen Abrüstungsvorschläge, die Botschafter Nadolny in der Vollversammlung der Abrüstungskonferenz überreicht hat, zerfallen in eine einleitende Denkschrift und die Aufzählung der die Landstreitkräfte, Seestreitkräfte, die Lustrüstungen und allgemei­nen Bestimmungen sowie Uebergangsbestimmungen betreffenden eigentlichen Vorschläge.

In der einleitenden Denkschrift wird darauf hingewiesen, daß Deutschland bereits entwaffnet sei, und daß die deutsche Entwaff­nung als richtunggebend für die Abrüstung sämtlicher Mitglieder angesehen werden müsse, um so mehr, als der Völkerbund nur au» gleichberechtigten Mitgliedern bestehen könne.

Es wird daraus hingewiesen, daß die Vorschläge der deutschen Regierung aus dem Grundsatz beruhen, daß künftig nur ein für alle Staaten in gleicher Weise geltendes Abrüstungssystem bestehen könne. Schließlich wird erklärt, daß die deutsche Regierung nur eine solche Konvention für annehmbar halte, deren Bestimmungen für sie in gleicher Weise wie für die anderen Staaten gelten würden. Die nun solgenden Vorschläge sehen für die Landstreit- kräste im Prinzip

die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und, soweit diese niOt erfolgt, die angemessene Bewertung der aus­gebildeten Reserven, ferner eine möglichst genaue Festsetzung der Prozentsatzes an Offizieren und eine Ausschaltung der militärischen Verwendung von Polizei, Gendarmerie und ähnlichen Formationen.