Einzelbild herunterladen
 

Dchluchtemer 3titung

Kreis-Kmtsttatt * MyemeLner amtlicher KnzeLtzer Mr 0m Kreis Schlächter»

Nr. 18 (1. Matt-

Donnerstag. den 11. Februar 1932

84. Jahrs.

Zur Wiederwahl des Reichs prästdeuten von Hindenburg.

Zur Ausführung des Aufrufes für die Miederwahl Hin- d^nburgs hat der hindenburg-klusschuß die deutsche Presse gebeten, Listen zur (Eintragung für den Mahlvorschlag Hindenburg" auszulegen.

In unserer Geschäftsstelle liegt eine Einreichnungs- liste Werktags von 812 unDül-S Ahr aus. Wettere EintragungSlisten liegen aus im Gast­haus Domhof und ^ der Buchhandlung Gppenhei- mer, beide Iulbaerstraste.

EintragungSberechtigt sind Personen, die bis zum 13. März d. Is. das 20. Lebensjahr vollenden.

Bürger, bekundet durch Nasseneintragung unserem ^in= denburg, dem Vater des Vaterlandes, (Euer unerschütter­liches vertrauen!

Die (Eintragungsfrift endet bereits mit Sonnabend, dem 13. Februar.

Darum schreibt Luch sofort bei den <Eintragungs= stellen in die Listen ein!

Amtliche Kekatttttmachuupen 3. Klatt 1 Seite.

Der Ranzler aus Genf abgereist.

Empfang der presse.

Gens, 10. Februar.

Reichskanzler Dr. Brüning hat in Begleitung des Mi­nisterialdirektors Dr. Zechlin und des Oberregierungsrats Planck Genf wieder verlassen. Staatssekretär Dr. von Bülow ist noch für einige Tage zurückgeblieben, um die Reichsregierung bei den Verhandlungen über Mem-el im Völkerbund zu vertreten.

Vor seiner Abreise empfing der Reichskanzler noch die internationale Presse. Er erklärte, er werde im Laufe der Konferenz noch einmal nach Genf zurückkehren. Der Kanz­ler äußerte sich sodann noch einmal über die Aufgabe der Konferenz und die deutsche Politik, wobei er betonte:

Der Zeitpunkt ist jetzt gekommen, vor der ganzen Menschheit die Forderung aus Abrüstung und Bereinigung der politischen Zahlungen zu erheben. Der Augenblick ist jetzt für die Staatsmänner da, mutig und schnell die Fol­gerungen zu ziehen. Das deutsche Volk hat nach der In­flation mit großen Mühen seine Wirtschaft wieder aufge- baut und ist jetzt ohne seine Schuld wieder in eine schwere Krisenlage geraten. Der Welthandel geht weiter in Zer­rüttung, die wirtschaftliche Trennung der Staaten setzt sich immer stärker durch. Wenn die Dinge sich so weiter ent- wickeln, sehe ich sehr trübe für die ganze Menschheit in die Zukunft. I

Vor wichtigen innerpolitischen Beratungen.

Berlin, 9. Februar.

Der Reichskanzler Dr. Brüning wird voraussichtlich im Laufe des Mittwoch in Berlin eintreffen, um an der für diesen T§g angesehten Kabinettssitzung über die Ban- kenfrage teilzunehmen. Der Kanzler wird dann noch im Laufe der Woche weitere Besprechungen in der Prä- sidentenfrage haben, die sich besonders auf die Fest­setzung des Wahltermins beziehen werden. Die vorgesehe­nen Besprechungen über die Sozialresorm dürften ebenfalls nach der Rückkehr des Kanzlers stattfinden.

Die Oelegationsführer bei Brüning.

Erörterung der Tribuksrage?

Gens, 9. Februar.

Die Besuche, die zuerst der englische Außenminister, Sir j ^ohn Simon, sodann der französische Kriegsminister Tar- meu und darauf der italienische Außenminister Grandi im Hotel Metropole dem Reichskanzler Brüning abstatteten, dauerten je eine Stunde. In den drei Unterredungen soll fast ausschließlich die Tribulfrage im Vordergrund gestanden haben. Insbesondere soll die Frage deg Zusammentritts der Tributkonserenz im Juli eingehend erörtert worden sein.

Die Rede des Reichskanzlers Brüning in Genf wird von den französischen Rechtszeilungen stark kritisiert, wäh- kfnd die Linksblätter anerkennen, daß mit dieser Rede die Tür zu weiteren Verhandlungen offen gelassen. sei.

Die dem ksindenburg-klusschutz bisher mitgeteilten Einzeichnungen beliefen sich am Dienstag abend auf insge­samt 1 160 ÖOO.

Bei einem Appell der Berliner und Brandenburger

A. vor Hitler im Berliner Sportpalast erklärte Hitler M' Frage der Reichspräsidentenwahl u. a., die USD Ap. wisse genau, was sie bei der Reichspräsidentenwahl wolle.

werde nicht mehr lange dauern, bis sie ihren Entschluß khanntgebe. Das Volk werde aufschreien vor Begeisterung, wenn er bekannt geworden sei.

$05 w 6« 7 »n.

Brunings Appell an die Welt.

Genf, 10. Februar.

Die Abrüstungskonferenz erlebte einen großen Tag. Die Sitzung stand völlig im Zeichen der großen Rede des Reichs­kanzlers, in der zum ersten Mal Deutschland vor den Ver­tretern der ganzen Welt offen seinen feierlichen Rechtsan­spruch aus Erfüllung der Deutschland im Versailler Ver­trag zugesicherten Verpflichtungen zur allgemeinen Abrü­stung darlegte.

Der Andrang zu den Tribünen war ungewöhnlich groß. Die Diplomatenloge war schon lange vor Eröffnung der Sitzung bis auf den letzten Platz besetzt, die Abordnungen vollzählig vertreten.

Das Bewußtsein ist allgemein, daß Deutschland im Mittelpunkt dieser Konferenz steht.

Die Spannung wuchs im Saale, als der französische Dol­metscher die Uebersetzung der Rede des amerikanischen Bot­schafters Gibson zu Ende führte. Präsident Henderson er­teilte dann dem Reichskanzler das Wort. Als dieser die Rednertribüne betrat, erhebt sich allgemeiner Beifall. Der Kanzler sprach ungewöhnlich ruhig und gehalten. Schon bei seinen ersten Worten herrschte atemlose Stille im gan­zen Saal. Jedes Wort war deutlich vernehmbar. Die Konferenz spürte, daß hinter den Worten des Kanzlers der geschlossene Wille des ganzen deutschen Volkes steht.

Die Rede des Reichskanzlers, dessen Verlesung eine halbe Stunde in Anspruch nahm, wurde fortgesetzt von starkem Beifall unterbrochen und fand auch zum Schluß langanhaltenden Beifall.

Besonders auffällig war der Beifall an der Stelle, an der der Kanzler betonte, daß er nicht anzuerkennen vermöge, daß zwischen den richtig verstandenen eigenen Interessen und den Gemeinschaftsinteressen aller Staaten ein unlös­barer Gegensatz bestehe und daß Deutschland von dieser Konferenz die Lösung der Probleme der Abrüstung auf dem Boden der Gleichberechtigung und der Grundlage gleicher Sicherheiten für alle Völker verlange. Nur die französische und die polnische Abordnung nahmen an dem allgemeinen Beifall nicht teil.

Amerikas Verirster.

Die Aussprache der Abrüstungskonferenz begann Bot­schafter Gibson Vereinigte Staaten. Er führte etwa aus: Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, nichts un­getan zu lassen, um zu einem wesentlichen Fortschritt zu dem Gebiete der Abrüstung zu, gelangen. Die amerikanische Regierung nimmt an, daß alle Regierungen von dem glei­chen Sinne beseelt sind. Der erste Versuch, eine Abrüstung herbeizuführen, fei die Washingtoner Konferenz von 1922 gewesen. Auf der Londoner Konferenz seien dann weiter« Versuche unternommen worden, um zu einer allgemeinen Flottenabrüstung zu gelangen. Die amerikanische Regierung wird jeden Vorschlag auf Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen mit größtem Ernst prüfen, der die Möglich­keit eines praktischen Fortschrittes auf dem Wege der inter­nationalen Sicherheit und des Schutzes gegen Angriffe ent­hält. Seit zwei Jahren ist eine Weltwirtschaftskrise ent­standen, die alle Nationen erfaßt hat. Alle Regierungen sind zu wesentlichen Einschränkungen ihrer Ausgaben ge­zwungen worden. Die Vereinigten Staaten sind hart von diesen Schwierigkeiten betroffen, leiden jedoch heute weniger als ändere Nationen.

Das amerikanische Volk trägt die Lasten der Rüstungen, aber es wünscht, von den unnützen und unverantwortlichen Lasten befreit zu werden. Die Rüstungen sind nicht nur die Wirkungen, sondern die Ursache der heutigen politischen Un­sicherheit in der Welt und haben wesentlich zu der allge­meinen Wirtschaftskrise beigetragen. Das amerikanische Volk ist davon überzeugt, daß das System der Weltrüstun- gen, der Allianzen und Gegenallianzen, das seit Jahrhun­derten in Europa besieht, nicht geeignet gewesen ist, den Frieden aufrechtzuerhalten, vielmehr zu kriegen geführt hak, deren Ergebnisse gleich vernichtend für Sieger und Besiegte waren.

Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß die Welt jetzt neue Lösungen suchen muß und die Belastungen eines alten Regimes und die alte Bewaffnung und die alten Tra­ditionen beiseite gelegt werden müssen.

Die amerikanische Delegation ist bereit, die Vorschläge der englischen und französischen Regierung wie auch alle anderen Vorschläge sorgfältig zu prüfen.

Der amerikanische Botschafter legte sodann in neun Punkten den amerikanischen Standpunkt zur Abrüstungs- frage der Sponseren wie folgt dar und schlug folgendes vor:

1. Behandlung der Abrüstungsfrage auf der Grundlage des Ab- kommcnsenlwurfs als allgemeine Berhandlungsgrundlage unter Berücksichtigung aller anderen Vorschläge:

2. Verlängerung der Washingtoner und Londoner Flottenabkom- men, insbesondere durch Beitritt Frankreichs und Italien:

3. proportionale Herabsetzung der in dem Washingtoner und Londoner Flottenabkommen festgesetzten Tonnage;

4. völlige Abschaffung der Unterseeboote;

5. Schuh der Zivilbevölkerung gegen wnsfenangrisse;

6. vollständige Abschaffung des Gas- und chemischen Krieges;

7. besondere Beschränkungen für Tanks, schwere Geschütze und alle Waffen besonders offensiven Charakters;

8. Prüfung der Herabsetzung der Heeresausgaben als eine er­gänzende Methode für die direkte Beschränkung der Rü­stungen;

9. Herabsetzung des aktiven Rüslungsstandes der Länder aus eine Grundlage, die mit der nationalen Verteidigung verein­bar ist.

Hierauf betrat

Reichskanzler Or. Brüning von langanhaltendem Beifall begrüßt die Tribüne un) führte u. a. folgendes aus:

Wenn ich in dieser feierlichen Stunde das Worr er­greife, so bin ich mir bewußt, daß diese Zusammenkunft, zu der sich die Regierungen der ganzen Welt vereinigt ha­ben, einen Vorgang von einzigartiger und welthistorischer Bedeutung darstellt. Seit langem hat das deutsche Volk diese Stunde ersehnt. Was bisher als Wunschbild die Geister beschäftigte, soll sich auf dieser Konferenz zum ver­pflichtenden Gebot des Völkerrechts verdichten. Das alte, eifersüchtig behütete Souveränitätsrecht der Staaten über die Wehrkraft ihres Landes selbst zu verfügen, soll feine höchste Vollendung finden in der freiwilligen Einordnung dieses Rechts in den Pflichtenkreis der internationalen So­lidarität und Friedenssicherung.

Vollendung und Krönung des Abrustungsgedankens.

Das Friedenswerk, das mit der Gründung des Völker­bundes eingeleitet werden sollte, und durch spätere Akte, wie den Kelloggpakt weitergeleitet wurde, ruft gebie­terisch nach der Durchführung des Abrüstungsgedan- kens als feiner naturgemäßen Vollendung und Krönung.

Wir alle kennen die Schwierigkeiten, die in den letzten Jah­ren zu überwinden waren, um die heutige Versammlung zu ermöglichen. Aber es ist jetzt nicht mehr die Stunde für rückschauende Betrachtungen. Es gilt, den Blick fest, frei und unvoreingenommen nach vorwärts zu richten und die große, nicht wiederkehrende Gelegenheit zu nutzen, die unsere Zusammenkunft in sich schließt.

Wir alle gehören noch der Generation an, für die der > eV.Aeg unmittelbares, persönliches Erleben war. Un­seren Frontkämpfern von ehedem steht ein Bild in sei­ner ganzen Furchtbarkeit unverwischt und unverlierbar vor Augen.

Wille zum Frieden.

Der Wille zum wahren Frieden, ein Gebot der christlichen Gesinnung, das ist das erste wesentliche Erfordernis, das jeder der an dieser Konferenz beteiligten Staaten mitbrin­gen,muß, wenn sie einen Erfolg. haben soll. Ich bin über­zeugt, daß auch jede der hier vertretenen Regierungen wünscht, daß es ihr gelingen möchte, die Lebensziele ihres Landes auf friedlichem Wege zu erreichen. Doch das ist noch nicht der Friedenswille, der für die Bereitschaft zur Ab­rüstung genügt. Es muß der neue Wille zum Frieden, die Verfolgung eines Interesses auf kriegerischem Wege, den Austrag eines Streites mit den Waffen als Mittel der na= tionalen Politik bewußt außer Rechnung stellen. Daher begrüßen wir die Gesinnung, die vor einiger Zeit der lei­tende Staatsmann einer Großmacht drastisch zum Ausdruck gebracht hat, indem er sich bereit erklärte, sein Land bis auf 10 000 Gewehre abzurüsten, vorausgesetzt, daß keine andere Nation mehr behält. Daher: fort mit dem Streben, die eigenen militärischen Kräfte so hoch wie möglich zu erhalten und die des Nachbarn so viel wie möglich herabzudrücken!

Fort mit dem Bestreben, sich selbst mit dieser oder jener Interpretation der Bestimmungen die Möglichkeit militäri­scher Krastentfallung zu sichern und sie anderen zu nehmen! Das ist nicht der richtige Weg! Das ist der Weg, um die Konferenz zum Scheitern zu bringen und den heute beste­henden unseligen Zustand des bewaffneten, auf ungleichen Rechten aufgebauten Friedens aufrecht zu erhalten.

Zeiten der Krise und Not.

Die Abrüstung ist unbedingt notwendig, um neben an­deren bedeutsamen Schritten die unerträgliche Spannung zu beseitigen, die heute lähmend auf der ganzen Welt lastet und die Weltwirtschaft von Tag zu Tag mehr zum Still­stand bringt.

Fast alle Länder ringen heute mit den ernstesten Schwierigkeiten, und ich brauche vor dieser Versammlung wohl nicht zu betonen, daß diese Schwierigkeiten in keinem

Lande sich so furchtbar auswirken, als in dem, das ich hier zu vertreten habe. Bei allen internationalen Bemühun­gen um Beseitigung der Rot der Gegenwart ist immer und immer wieder in elementarster Form die Erkenntnis zum Ausdruck gekommen, daß die erste Voraussetzung für das Gelingen solcher Bemühungen die Wiederherstellung des Vertrauens ist.

Nun, hier haben wir die Gelegenheit, diese Voraus­setzung ganz zu erfüllen. Hier haben wir die Frage, deren Lösung am besten geeignet ist, den Völkern das verlorene Vertrauen wiederzugeben.

Die wirtschaftliche Not der Welt beruht im gegenwärtigen Zeitpunkt zweifellos in erster Linie auf den politischen Zah­lungen und den übertriebenen und ungleichen Rüstungen.