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I pus Stadt, Kreis und Provinz

Mitteilungen lokalen Interesses aus dem Kretsgebiet sind für diese Rubrik willkommen.

Das sanfte Ruhekissen.

Manchmal begehen die Menschen Handlungen, die sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können; manchmal sind es auch nur ein paar Worte, die zu viel gesprochen wurden, und die dann großes Unheil heraufbeschworen. Aber in dem Augenblick, da man das Unrechte tut, ist man sich in den seltensten Fällen der Folgen bewußt. Dieses Bedenken kommt erst hinterdrein, zwar nicht sehr viel spä­ter, aber doch meistens, wenn es eben schon zu spät ist. Und dann stellt sich das böse Gewissen ein, der Zustand der inne­ren Qualen und heimlichen Vorwürfe, der so lange anhält. bis man Klarheit darüber erhalten hat, ob die Gefahr her­eingebrochen oder abgewendet worden ist. Ach, jeder Mensch hat diesen Zustand wohl schon an sich selber kennen gelernt, wenn dann die schlaflosen Nächte kommen, in denen man sich, von Gewissensbissen geplagt, unruhig von einer Seite . auf die andere wirft. Und am Tage ist man mit den Ge- ' danken gar nicht so recht bei der Arbeit, sie irren ab und beschäftigen sich immer wieder mit der eigenen Unbesonnen­heit oder Dummheit. Solche Zustände ergeben sich auch im Anschluß an sogenannte Klatschereien, wenn man das nicht für sich behalten konnte, was einem die anderen anvertraut hatten. Das böse Gewissen mahnt dann, es ist eine Art innere Justiz, die sich hier vollzieht, die erste Strafe, die der Tat auf dem Fuße folgt. Wenn dann all das Schreck­liche vorüber ist, wenn das Schicksal uns vor den schreck­lichsten Folgen bewahrt hat, dann pflegen wir zu geloben uns niemals wieder in eine solche Gefahr zu begeben. Aber wie lange? Es verlockt viele Menschen nach einiger Zeit geradezu, erneute Dummheiten anzustellen, und sie können nicht anders, als immer wieder dunkle Fäden zu spinnen. Aus diesem Grunde sind sie auch meistens unstet und flüch­tig; das böse Gewissen läßt ihnen niemals recht Ruhe, und sie leben in ständiger Furcht, doch einmal die Früchte ihrer unheilvollen Saat ernten zu müssen. Sie sollen des alten deutschen Sprichworts gedenken, das sich noch immer be­wahrheitet hat:Ein gutes Gewissen ist das beste Ruhe­kissen!" Wenn sie sich das zur Richtschnur machen, dann werden sie nicht mehr von innerer Unruhe geplagt sein, sondern sorglos und fröhlich ihrem Tagewerk nachgehen können.

Wetterbericht. Ueber Nordeuropa! ist wieder leb­hafte Wirbeltätigkeit in Gang gekommen, wobei mildere Westlust schon über Lkandinavien bis ins Baltikum und in die deutschen Gstseegebiete vorgedrungen ist. Unser Ge­biet liegt noch im Bereiche des festländischen Hochdruckge­biets, das sich aber unter Bbslachung nach dem Balkan verlagert hat. Lin stärkeres Eingreifen der Tiesausläu- fer auf unser Wetter ist vorerst nicht wahrscheinlich, doch wird die Bewölkung im ganzen wieder zu nehmen, stussichten für Dienstag: Nächtliche Frostgefahr sich weiter mildernd, meist bewölkt, aber nur vereinzelt auch etwas Niederschlag.

Bauernworte vom Februar. Der Februar will als richtiger Wintermonat angesprochen werden, und zwar bis in seine letzten Tage hinein. Eine alte Bauernregel heißt:Matthein (24.) brichts Eis, hat er keins, dann macht er eins." Wer glaubt, daß schöne, warme Tage im Februar schon den Frühling machen, täuscht sich, denn der Bauer warnt:Wenn im Hornung die Mücken schwärmen, muß man im März die Dhren wärmen." Eine bedeutsame Rolle spielt das Wetter am Lichtmeßtag, heißt es doch: 3fts Wetter zu Lichtmeß hell und rein, wird ein langer Winter sein, wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit", oderLichtmeß im Klee, Ostern im Lchnee". Das Wetter auf lange Licht bestimmt der Tag Petri Stuhlseier (22.):Die Nacht vor Petri Stuhlseier weiset an, was wir aus 40 Tag.für Wetter han." Daß der Februar ein unsicherer und unzuverlässiger Geselle ist, das kündet uns folgende Regel:Der Februar hat seine Nucken, er baut von Eis oft feste Brucken." Von Wichtig­keit ist schließlich noch der Romanstag:Romanus hell und klar, deutet auf ein gutes Iahr."

Ein Frühlingsbote in Gestalt eines Maikäfers wurde uns heute in der Redaktion präsentiert. Inzwischen ist es aber wieder kalt geworden, sodaß dieser braune Ge­selle die für seine Sippe ausgestreckten Frühlings-Fühler wieder zurückziehen wird.

Betr. Wirtschaftsprüfer. Von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau sind die von dem Herrn preußischen Minister für Handel und Gewerbe öffent­lich bestellten Wirtschaftsprüfer beeidigt worden: Kurt Braun, Frankfurt a. M., Wilhelm Bröhmer, Frankfurt, Gustav Höke, Frankfurt, Johannes Kühler, Frankfurt, Kurt Lindheimer, Hannover, Gottfried Metz, Frankfurt, William Meyer, Hanau a. M., Paul Schindler, Frankfurt, Brthur Schwarz, Frankfurt.

G enossensch aststa gun g des Kreises Schläch­tern. Die Ländlichen Genossenschaften des Schlüchterner Kreisgebietes werden hier, imHotel zum Stern", am Mittwoch, 10. Februar, um 14 Uhr eine Vertretertagung abhalten, die von Unterverbandsdirektor des Kreises Schlächtern, Pfarrer Gtto-Marjoß, geleitet, die Herren ver- bandsanwall Schmidt und Generalsekretär Most (beide Kas­sel) zu Gästen haben, und wesentliche Referate aus der Genossenschaftsarbeit des Bezirkes bringen wird.

Ein Bezirkstag der Landgemeinden der Kreise Gelnhausen, hanau a. M. und Lchlüchtern ist seitens der Bezirksabteilung Kurhessen des preußischen Landgemeinde- tages auf Sonnabend, 20. Februar d. 3s., nach Gelnhausen, Saalbauzur Hoffnung", anberaumt mit folgender Ta­gesordnung: 1. Geschäftsbericht für das Iahr 1931 und Erledigung aller, den engeren Bezirk betreffenden Tages­fragen, u. a. Bauordnung für das platte Land, Besoldungs- Holzrente; 2. Kassenbericht für 1931 und Leitragsfestsetzung für 1932; 3. Vortrag von Syndikus Steinberg aus Berlin: Die Landgemeinden unter dem Notverordnungsrecht"; 4. Wahl von Vertretern der Bezirksabteilung zum Vorstand des Gemeindeunfall-Versicherungsverbandes und des Ver­kehrsverbandes Hessen-Waldeck und 5. Verschiedenes. Die Kreisabteilungen Gelnhausen, Hanau und Lchlüchtern sind gebeten worden, ihre Landgemeinden zum zahlreichen Be­suche der sehr aufschlußreichen Tagung anzuregen.

Das Stahlhelmkonzert der Bundeskapelle Halle erfreute sich auch am gestrigen Sonntag eines zahlreichen Besuches. Wie diese Kapelle schon mehrmals in Schlüch­tern die Gelegenheit wahrgenommen hatte, das Publikum mit einem ausgezeichneten Programm zu erfreuen, so tat sie dies auch jetzt wieder, umsomehr als der stürmische Bei­fall bewies, daß der Dirigent und die junge Musikerschar ihrer schönen Aufgabe gerecht wurde. Neben melodiösen Tonschöpfungen aus den OpernDie Zigeunerin",Nienzi" undZar und Zimmermann" waren es aber auch humoristi­sche und militärische Lieder-potpourris und nicht zuletzt Märsche mit Fanfaren- und Kesselpaukenbegleitung, die das Interesse der Zuhörer erweckten und einen nachhaltigen Cind.uck hinterließen. Im Mittelpunkt der Kouzertveran- sialtung stand ein parteipolitisches Referat des deutsch na­tionalen Landtagsabgeordneten Steuer-Kassel, mit.dem die­ser sich nach der Begrüßungsansprache von Herrn Wegmann in «inständiger Dauer befaßte. Während er einerseits in­folge desKrieges im Frieden" in Thina und des neuer­lichen litauischen Nechtsbruches im deutschen Memellande die Nichtrespektierung und Dhnmacht des Völkerbundes feststellte, hofft er andererseits, mit dem Ausgang der am 8. Mai stattfindenden Preußenwahlenzu den unver­antwortlichen und verderbnisbringenden Geschehnissen -der vergangenen 13 Iahre die Bilanz zu ziehen und das kom­mende Negierungssystem mit einem echten nationalen Geist zu erfüllen".

Verlauf der Bullenverste igerun ge n. Der Verband Kurhessischer Fleckviehzüchter hielt vor kurzem je eine Bullenvelstetgerung in Hersfeld, Fulda und Neustadt, Kreis Kirchhain, ab, zu denen insgesamt 180 Bullen ange­meldet waren, wovon 145 auf getrieben wurden, von diesen 145 Bullen wurden 118 Stück gekört. Die Versteigerun­gen nahmen in Hersfeld und Neustadt einen flotten Ver­lauf. In Hersfeld wurden in der Versteigerung bis auf einen lahmen Bullen alle Bullen verkauft. In Neustadt wurde bis auf 4 Bullen ausverkauft, dagegen verblieb in Fulda etwa Vs Ueberstand. Insgesamt wurden von den 118 gekörten Bullen 87 Stück = 73% verkauft, und zwar zum Durchschnittspreis von 333. NM. In Neustadt wurde ein Durchschnittspreis von 359. RITT. erzielt, d. h. etwa 80% mehr wie der Schlachtpreis der Bullen. Der höchste Preis, der erzielt wurde, betrug 650. NM. Die Ver­steigerung, die in Kirchhain stattfinden sollte, mußte 2 Tage vorher infolge Busbruch der Maul- und Klauen­seuche in der Hälse von Kirchhain nach Neustadt verlegt

werden. Die Stadt verkaufte am Tage vor der Verstei­gerung ihre beiden alten Bullen und erwarb auf der Ver­steigerung zwei neue Bullen, darunter den zweitteuersten Bullen von 600. RM. Die Mutter dieses mitgut" ge­körten Bullen hatte eine Milchleistung von 4116 Klg. Milch mit 4,06% Fett. Den teuersten Bullen zum Preise von 650. NM. erwarb die Zuchtgenossenschaft homberg, die seither ihre Bullen in Erfurt kaufte. Züchter war Herr Bürgermeister Heß in Todenhausen. Die Mutter des Bullen von K. Herbener, Großseelheim hatte eine Milch­leistung von 5662 Klg. Milch mit 4,48 % Fett. Das vor­geführte Material war in Hersfeld befriedigend, in Fulda infolge des schlechten Futterzustandes der Tiere, der auf die Geldarmut zurückzuführen ist, mangelhaft, in Neustadt dagegen im Durchschnitt gut. Die nächsten Versteigerungen finden am 6. April in Treysa, am 7. April in Fulda und am 8. April in Hersfeld statt.

V. D. A. Verein für das Deutschtum im A u s l a n d. (Ortsgruppe Schlächtern.) In ihrem Vortrags- und Rezitations-Abend am Mittwoch, den io. Februar, 20 Uhr in der Klosteraula, wird Fräulein Else Hessenauer-Kafsel, mit dem ThemaDeutsches Wort im fremden Land" die Besucher dieser Veranstaltung durch Kärnten, Steiermark- Südtirol, Baltikum, Nordschleswig, Saarland, Elsaß, Deutsch, böhmen und Oesterreich führen. Der Abend wird eingeleitet werden mit einem Mozart-Trio für Klavier, Geige und Cello, gespielt von Fräulein Helene Höbeler und den Herren Musik- lehrer Bettin und Dr. König. Frau Studienrätin Anacker bringt im Verlauf des Abends Gesänge von Mozart und Graener zu Gehör. Alle Mitglieder und Freunde des Ver­eins sind eingeladen. Man achte auf das Inserat in heuti­ger Nummer.

158 800 neue Wohnungen in Preußen 1931. Auf Grund der Feststellungen des Preußischen Statistischen Landesamts ist die Gesamtzahl der 1931 neu erstellten Woh­nungen in ganz Preußen mit 158 800 anzunehmen. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahre einen Rückgang um fast 56 000 Wohnungen. Das Ergebnis der Wohnungserstel- lung, das bisher von Jahr zu Jahr anftieg, ist damit er­heblich unter den Stand des Jahres 1927 gesunken. Wird mit einem Abgang von rund 12 000 Wohnungen durch Ab­bruch, Umbau und Brand gerechnet, so bleibt für 1931 ein Reingewinn an Wohnungen von rund 147 000 übrig gegen­über reichlich 202 000 im Jahre 1930.

5 al Münster. (Seltneres klutounglück.) Auf der Fahrt nach Lüdingen verunglückte am Sonntag das Auto des Kaufmanns Grünebaum aus Salmünfter. von drei Nad- fahrern, von denen zwei links und einer rechts vor dem Auto Hersuhren, kreuzte einer plötzlich die Straße. Das Auto, das auszuweichen versuchte, überschlug sich und ge­riet dabei gegen einen Baum, von den Insassen wurde die 14jährige Sophie Grünebaum tödlich verletzt. Die beiden andern Insassen erlitten nur Hautabschürfungen. Der Wa­gen wurde schwer beschädigt.

Uttrichshausen. Man schreibt uns: Der Grtsgrup- penverband Gverkalbach-Uttrichshanfen der USDBP. ver- anftaltete am 31. Januar d. Is. im Saale der Gastwirt­schaft Müller einen Deutschen Abend. Der Abend wurde eröffnet durch den Grtsgruppenverbandsführer Herrn pg. Lpaniol-Gberkalbach. Die Begrüßungsansprache hielt Herr pg. Freche-Frankfurt a. M. Er hatte einen starken Beifall zu verzeichnen. Unsere pg. von Dberkalbach uiib Uttrichs­hausen spielten die Theaterstücke 1. Im Solde des Volks­feindes; 2. (D diese Nazis; 3. Erwachen, mit voller Be­geisterung, weil sie wußten, daß dieser deutsche Abend für unsere Bewegung in Uttrichshausen einen großen Erfolg haben sollte. Später wurden nur deutsche Tänze aufge- führt. Unter Abfingen des Horst-Wessel-Liedes nahm die Feier, in der verschiedene Neuaufnahmen zu verzeichnen waren, ihr Ende.

Fulda. Zum Lchweinemarkt waren 147 Ferkel und 2 Läufer angefahren. Je nach Alter und Qualität ko­steten die Ferkel pro Stück 6, 10 und 14 Mark; für die Läufer verlangte man 40 Mark.

Die Ursache zum Untergang des englischen Unter­seebootesM 2", das man bei günstigem Wetter in Kürze zu heben gedenkt, sucht man nach Nnsicht eines Tauchers darin, daß beim Buftauchen des Bootes die Türen zum Flugzeugraum zu früh geöffnet wurden, wodurch das Was­ser eindrang.

Flockenwirbel, Ostwindsausen. Qualm undDuft beim Wintersport. Zähneklappernd saust mit Grausen Duft zum nahen Abgrund fort. Hier istQualm einmal der Helle, Denn er zeigte wenger Mut, Blieb an einer sanften Stelle.

Seine Ramses schmeckt ihm gut!

RAMSES Q M^^cigarette 33*