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0. Blatt-
Dienstag, den 9. Februar 1932
84. Fahrg
Amtliche Bekanntmachungen
Stadt Schlüchter ».
Bekanntmachung.
In der Zeit vom 8. bis 13. Februar 1932 erfolgt die Reinigung der Schornsteine in der Hanauerstratze, Schlag, weg, Schloß-, Wassergasse, Kirchstratze, Sackgasse, alte Bahn- Hofstraße und Höbäckerweg.
Schlüchtern, den 6. Februar 1932. ,
Die Grtspolizeibehörde: Gaenßlen.
Stadtschule in JchlKchtern Bekanntmachung.
Das laufende Schuljahr schließt am 22. März. Die Aufnahme der nach Ostern 1932 schulpflichtig werdenden Kinder findet am Mfttwoch, den 6. April, vormittags 9 Uhr, statt.
Schulpflichtig werden alle Kinder, die bis zum 30. Juni ds. 3s. sechs Iahre alt werden. Gesunde Kinder, die bis zum 30. September 1932 ihr sechstes Lebensjahr vollenden, können der Schule auch zugeführt werden.
Um die Stärke der neuen Klasse annähernd feststellen zu können, erbitte ich bis zum 1. März ds. 3s. Anmeldung aller im Schulverband Schlächtern wohnhaften, aber nicht im hiesigen Standesamtsbezirk geborenen Schulneu- Itnge.
wenn eins der vom Standesamt Schlächtern gemeldeten Kinder, die in der Zeit vom 1. 3uli 1925 bis zum 30. September 1926 geboren sind, zurück gestellt werden soll, bitte ich gleichfalls um gefl. Mitteilung.
Sprechstunden des Schulleiters werktäglich von 11 —12 Uhr.
Schlächtern, am 8. Februar 1932.
Der Rehtor: Flemmig.
(Weitere Bekanntmach«»^«» im %. gHatt.) ^
Kundgebung des Wafsenringes.
Berlin, 8. Februar.
Die dem Allgemeinen Deutschen Waffenring angehörenden Berliner Altherrenschasten und aktiven Verbände ver- anstalteten im Sportpalast eine Kundgebung für deutsche Kultur. Mehrere tausend Personen hatten der Einladung Folge geleistet. 11. a. sah man den Berliner Oberbürgermeister Sahm, Exzellenz Waechter und Vertreter des Kyffhäu- serbundes. Landgerichtsdirektor i. R. Lohmann (Deutsche Burschenschaft) begrüßte die Versammlung.
Vorsitzender Reihe! (Akademischer Turnbund) führte aus, die größte Schande für ein Volk sei, einem anderen politisch oder geistig unterworfen sein, die größte Gefahr aber, daß die folgenden Geschlechter diese schmähliche Abhängigkeit nicht mehr als solche empfänden. Daher gelte es, deutschen Geist und deutsche Kultur zu pflegen.
— Reichskanzler Dr. Brüning ist am Sonntagnachmittag in Gens eingetroffen. Die am Bahnhof anwesende deutsch« Kolonie in Genf bracht« Dr. Brüning eine begeisterte Kundgebung dar. Am Abend stattete der Kanzler dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz Henderson einen Besuch ab.
— Die Verluste der Besatzung der Wusung-Forts bei Schanghai durch das japanische Geschützfeuer beliefen sich in den letzten drei Tagen auf 30 Tote und 50 Verletztes. 3ur Verteidigung, die bis auf den letzten Mann fortgesetzt werden soll, verbleibt noch eine Besatzung von 250 Mann.
— Deutschland wird beim Generalsekretär des Völkerbundes den Antrag stellen, den putsch im Memelgebiet als einen Bruch des Memel-Statuts sofort atff die Tagesordnung des Rates zu setzen.
3m Gebiet von Kaschmir (Britisch-Indien) kam es zu neuen schweren Unruhen, bei denen zwei Demonstranten und ein Polizist erschossen wurden. 72 Demonstranten wurden verhaftet.
In der Nacht zum Sonntag und am Sonntag kam es in Berlin zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten B zahlreichen Zusammenstößen. Insgesamt wurden 109 Nationalsozialisten, 19 Kommunisten ,20 angeblich Partei- Me und 2 Stahlhelmer zwangsgestellt.
wegen der gemeldeten Attentatsgerüchte gegen Ljj- Winow hat die schweizerische Bundesanwaltschaft sich mit den schweizerischen und ausländischen Polizeiinstanzen in Verbindung gesetzt. Es hat sich jedoch nicht der geringste ünhaltspunkl für die Nichtigkeit der Gerüchte ergeben.
(Ein furchtbares Unglück ereignete sich am Sonntag ^dend in Wandsbeck. Zwei sechsjährige Knaben waren ^uf den Führersitz eines Lastkraftwagens geklettert und hatten anscheinend mit Streichhölzern gespielt, plötzlich explodierte der Benzintank des Autos, dessen Führerhäuschen äleicfy darauf in Flammen auf. The Hilfe herbeigeeilt ^d das Feuer gelöscht war, waren die beiden Kinder m den Flammen umgekommen.
Deutsche Abwehr
. . . gegen französische Lügennachrichten.
Berlin, 7. Februar.
Zu den Behauptungen des Berichterstatters zum französischen Wehrbudget, Bouilloux-Lafont im „Matin", erklärt das Reichswehrministerium: Die Behauptungen Bouilloux-Lafonts enthalten nichts Neues. Sie sind in eine Linie zu stellen mit den kürzlich in gebührender Form zurückgewiesenen Angaben der Senatoren Bourgeois und Eccard.
Was die angeblichen Bestände an Material und Munition anlangt, die Deutschland der Kontrollkommission zu entziehen verstanden habe, so genügt der Hinweis aus die Urteile des Marschalls Fach und des jetzigen Kriegsministers Tardieu, die beide übereinstimmend erklärten, daß alles, was Deutschland vernichten mußte, auch zerstört wurde.
Wie soll ein Land, das 6 Millionen Gewehre, 125 000 Maschinengewehre, über 30 000 Minenwerfer, nahezu 60 000 Geschütze und mehr als 15 000 Flugzeuge an feine früheren Gegner ablieferte bezw. auf Grund der Entwaffnungsbe- beftimmungen zerstörte, über verborgene Bestände an Kriegsmaterial verfügen?
Die Behauptung über eine in den letzten Jahren erfolgte weitgehende industrielle Mobilmachung richtet sich angesichts der Wirtschaftslage Deutschlands, der Größe seiner Arbeitslosenzahl und der Tatsache, daß nach der kürzlich bekanntgegebenen amtlichen Statistik die Zerstörung der deutschen Rüstungsindustrie auf Grund des Versailler Diktats dem Reich 3,5 Milliarden RM kostete, von selbst.
Wenn Flugzeugwerke im Ausland Kriegsflugzeuge bauen, so kann die deutsche Gesetzgebung sie nicht daran hindern. Nach Deutschland ist nicht ein einziges Militärflugzeug eingeführt worden.
Die im französischen Wehrbudget enthaltenen Ausgaben für Kriegsmaterial übersteigen das gesamte deutsche Wehrbudget seit Jahren erheblich. Sie betrugen für das fran- «e Landheer im Jahre 1929, nicht wie Bouilloux-Lafont ptet, 359 Millionen Franken, sondern laut Anführung „Annuaire militaire" des Völkerbundes, das die amtlichen französischen Angaben enthält, 1,3 Milliarden Franken, also nahezu das Vierfache der genannten Summe. Sie erreichten im Etatjahr 1930/31 für die französische Wehrmacht zu Lande, auf dem Wasser und in der Lust nach der amtlichen Rüstungsverössentlichung Frankreichs die Höhe von 4.68 Milliarden Franken gleich 780 Millionen RM.
Die in Frankreich immer wieder vorgebrachten Nachrichten über deutsche Rüstungsfabriken in den umliegenden Staaten sind von den maßgebenden Regierungen dementiert worden. Somit entfällt jeder Grund für eine Fortsetzung dieser völkervergiftenden Polemik.
Was endlich die „moralische" Kriegsrüskung in Deutschland anlangt, so gibt es kein besseres Mittel, die berechtigte Beunruhigung des deutschen Volkes zu beschwichtigen, als die Einlösung des in Versailles gegebenen Abrüstungsver- sprechens durch die Siegermächte. im gleichen Umfang und nach den gleichen Entwaffnungsmethoden, um damit die Gleichberechtigung Deutschlands und seine gleiche nationale Sicherheit zu verwirklichen.
Gondertagung des Raies beaniragi.
Wegen der flagranten Verletzung der Memeler Konvention durch Litauen.
Genf, 8. Februar.
Reichskanzler Dr. Brüning ist in Begleitung des Staatssekretärs Dr. von Bülow, des Reichspressechefs Dr. Zechlin und des Oberregierungsrats Planck in Genf eingetroffen, wo er auf dem Bahnhof von einer hundertköpfigen Menge mit Hochrufen begrüßt wurde. Der Kanzler begab sich vom Bahnhof aus in das Hotel „Metropole", wo die deutsche Delegation Wohnung genommen hat. Sogleich nach Ankunft des Kanzlers wurde der Beschluß der Reichsregierung bekanntgegeben, angesichts der flagranten Verletzung der Memelkonvention durch Litauen den Generalsekretär um die Einberufung einer außerordentlichen Ratssitzung zu ersuchen.
707000 Unterschriften.
— Berlin, 8. Februar.
Wie der Hindenburg-Ausschuß mitleilt, haben sich nach den bisherigen Feststellungen an den ersten vier Linzeich- nungstagen für die Volkskandidatur Hindenburgs insgesamt 707 000 Personen eingetragen.
Das Linzeichnungsversahren bei der Sahm-Aktion.
Der Reichsminister des Innern hat durch Roodtelegrmnm an die Landesregierungen diese daraus hingewiesen, daß größere Städte die Bestätigung der Stimmberechtigung der Unterzeichnung Don Wahivarschlagslisien für die Reichsprüsidenlenwahi nicht deshalb verweigern können, weil sie bereits für mehr als 20 000 Eintragungen die Bestätigung erteilt haben. Grundsätzlich hat jeder Unterzeichner den Anspruch, daß seine Unterschrift bei d - Ein- reichung berücksichtigt wird, hiernach sind Gemeindebehörden nicht in der Lage, Ersuchen um Vornahme weiterer Bestätigungen ob- zulehnen.
Hilfe für den Osten
Die neue Notverordnung unterzeichnet.
Berlin, 7. Februar.
Die vom Reichskabinett verabschiedete Verordnung zur beschleunigten Durchführung der landwirtschaftlichen Entschuldung im Osthilfegebiet, die die weitere Finanzierung der Osthilfe aus eine sichere Grundlage stellen und eine beschleunigte Durchführung der Entschuldungsverfahren — in etwa 1 bis 1 Hi Jahren — ermöglichen soll, ist vom Reichspräsidenten unterzeichnet worden.
In der Verordnung ist vorgesehen, daß die Gläubiger mit Osthilfeentschnldungsbriefen abgefunden werden können. Diese Entschuldungsbriefe werden von der deutschen Rentenbank-Abteilung Osthilfe, bis zur Höhe von 500 Millionen ausgegeben, mit 4y2 o H. verzinst und in Höhe von rund 300 Millionen im Rechnungsjahr 1935, mit dem Rest- bestand im Rechnungsjahr 1938 eingelöst. Zur Verzinsung und Einlösung werden verwendet die Aufbringungsumlage der Industrie, Reichshaushaltsmittel, verfügbare Reingewinne der Rentenbankkreditanstalt und die Zins- und Til- gungsbeträge der Entschuldungshypotheken, die in Höhe der ausgegebenen Entschuldungsbriefe auf den entschuldeten Grundstücken eingetragen werden.
Außer den Entschuldungsbriefen stehen für die Durchführung der Entschuldung Barbeträge in Höhe von 100 Millionen Mark zur Verfügung, deren Aufkommen sichergestellt ist
Die danach für die Entschuldung der bereitstehenden Beträge von rund 600 Millionen reichen nach genauen [ Schätzungen aus, um den Entschuldungsbedarf rm Osthilfe- gebiet zu decken Obwohl die oben angegebene Einlösungs- : zeit der Entschuldungsbriefe verhältnismäßig sehr kurz bemessen ist, wird den Gläubigern auf Grund eingehender Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Banken- anstalten die Möglichkeit gegeben, sich auf die Entschuldungsbriefe durch Rediskontmöglichkeiten oder Lombardierung alsbald in erheblichem Umfange Barmittel zu verschaffen.
Auf dieser Grundlage kann mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß die landwirtschaftliche Entschuldung i.^ OsMfcgebtztt in den angegebenen Seifreume? reibungslos durchgeführt wird.
In der gleichen Sitzung hat sich das Reichskabinett eingehend mit der Frage der landwirtschaftlichen Siedlung befaßt. Diese wurde" von allen Seiten als vordringlich bezeichnet. Verhandlungen über die Lösung dieser wichtigen Frage werden bereits in den nächsten Tagen beginnen. Endlich beschäftigte sich das Kabinett mit der weiteren Durchführung der im siebenten Teil der Notverordnung vom 5. Juni 1931 vorgesehenen Vereinfachung?- und Sparmaßnahmen der öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Kreditorganisationen. Die danach erforderlichen Maßnahmen sollen demnächst von den zuständigen Ressorts geprüft und einer baldigen Lösung zugeführt werden.
„Volk will Hindenburg"
Sahm über die Aktion seines Ausschusses.
Berlin, 7. Februar.
In seiner Unterredung mit einem Pressevertreter über die Aktion des Hindenburg-Ausschusses führte Dr. Sahm u. a. aus: Es fei nicht die Absicht gewesen, eine Probeab- stimmung für die Präsidentenwahl zu veranstalten. Dem Ausschuß sei es zunächst darauf angekommen, durch eine «timmensammlung eine eindrucksvolle Kundgebung für den Reichspräsidenten von hindenburg zu ermöglichen.
Gewiß hätte man die Einzeichnungsfrisk, nachdem in den ersten Stunden des ersten Tages sich schon weit über 20 000 Wähler eingetragen hatten, sofort abbrechen können. Der Ausschuß wollte jedoch den Verlauf der Vertrauenskundgebung nicht vorzeitig abbrechen. Da der Zustrom zu den Einzeichnungsstellen immer noch anhalte, könne er nur sagen, daß das Ziel des Aufrufes vom Volk klar erfaßt worden fei.
Das endgültige Gesamtergebnis laste sich naturgemäß nicht so rasch feststellen, wie bei allgemeinen Wahlen, da dem Ausschuß der behördliche Zählapparat nicht zur Verfügung stehe. Die Mitwirkung der Presse habe sich auf das beste bewährt. Er hoffe, daß die Zeitungen ihn mit derselben Kraft in der nächsten Woche unterstützen würden. Ihm sei vorgeworfen worden, daß er zu wenig organisiert hätte. Dies sei jedoch Absicht gewesen, da einmal hierfür die Zeit zu kurz gewesen wäre und dann auch jetzt noch keine Wahlkampagne eingeleitet werden sollte. Zunächst sollte vielmehr nur dem Gedanken „Das Volk will hindenburg" zum Ausdruck verholfen werden Für die eigentliche Wahl müsse dann allerdings mehr geschehen.
zrallionssitzung der DruiVaationain.
Berlin, 8. Feb.
Die tReichstagsf’-’^fion der Deutschnationalen Vocks- partei hielt unter . 8c<?- des Abg. Dr. Oberfol "en eine Sitzung ab, über deren Verlauf folgendes initgeieilt wird: „Die Deutschnationale Reichstagsfraktion beschäftigte sich mit der politischen Lage. Die Aussprache wurde in völliger Einmütigkeit geführt. Gegenüber den falschen Behauptungen in der Linkspresse stellte der Vorsitzende fest, daß auch in der zurückliegenden Zeit irgendwelche Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Reichspräsidentenwahl weder in der Fraktion, noch in der Partei bestanden haben."