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Am Donnerstag, den 4. Februar nachmittags 11,2 Ahr

Seiet in der neuen StadtslhuI Tnrnhnlle

in GchlüchLern

eine große Kundgebung gegen die geplante Auflösung des Kreises Schlächtern statt.

Zu dieser Kundgebung fordern wir sämtliche Einwohner des Kreises Schlächtern, insbesondere die Vorstände und Mitglieder der Kreis-, Städte- und Gemeindevertretungen, die Vertreter sämt­licher Berufsorganisationen, Handels- und Ge­werbevereine, Innungen, Gewerkschaften usw. zur Teilnahme auf.

Bei der Wichtigkeit der Entscheidung, die die Staatsbehörde in dieser Frage in allernächster Zeit treffen wird, bedarf es wohl für die Not­wendigkeit dieser Kundgebung keiner näheren Be­gründung, da die Lebensfrage und die Existenz des größten Teiles der Kreiseinwohner bei der Angelegenheit betroffen bezw. gefährdet wird. Andererseits ist es notwendig, daß diese Kund­gebung, was Teilnahme und Inhalt anbetrifft, sich zu einem machtvollen Protest gegen die Auf­lösung unseres lieben Heimatkreises auswirkt, um den maßgebenden Stellen zu zeigen, daß hier die Voraussetzungen der Notverordnung nicht ge­geben sind, und daß im Gegenteil, die Interessen der Bevölkerung durch eine solche Auslösung ernstlich und sehr wesentlich beeinträchtigt werden.

Im Austrage sämtlicher Einberufer: Landwirtschaftlicher Kreisverein Schlächtern.

Die Herren Bürgermeister werden gebeten, diese Kundgebung in ortsüblicher Weise bekannt­machen zu wollen.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

I.-Nr. 155. In der letzten seit mehren sich die Sülle, in denen von unberufener Seite, namentlich von politischen Vereinigungen, öffentliche Sammlungen für Zwecke der Winterhilfe, und zwar nicht allein durch Zeitungsaufrufe, sondern auch von Haus zu Haus, ohne Verbindung mit öen allgemeinen Winterhilfsausfchüsfen und ohne die vorge- lchriebene behördliche Genehmigung veranstaltet werden, verschiedentlich hat dies bereits zu einer fühlbaren Beein­trächtigung des von den berufenen Trägern der Wohlfahrts­pflege churchgeführten allgemeinen Winterhilfsweräs ge­führt. Es wird daher darauf hingewiesen, daß nur solche Sammler zur Rnnahmc von Ipenden für die Winterhilfe ermächtigt sind, die einen polizeilich abgestempelten Ausweis oder eine polizeilich abgestempelte Sammelliste bei sich fuhren. Hur dadurch, daß jedermann die Legitimation des Sammlers prüft, ehe er eine Spende beiträgt, kann ver- Ijütet werden, daß sich Schwindler die winterhilfssannnlun- 9«n zu nutze machen.

8ch.lüchtern, den 28. Januar 1932.

Der Landrat: Dr. titulier.

Egb. Nr. 491 I. Nachdem die Abheilung der Maul- und Klauenseuche in den einzelnen verseucht gewesenen <Drt- Ichaften des Landkreises Fulda amtstierärztlich festgestellt werden ist und die Abnahme der Desinfektion stattgefun- den hat, habe id} durch viehseuchenpolizeiliche Anordnung vem heutigen Tage meine zum Schutz gegen die Maul- und Klauenseuche erlassene viehseuchenpolizeiliche Unordnung Dom 19. ii. 1931 über das Verbot der Bbhaltung von

Klauenniehmärkten und der Veranstaltung von Bullen« Versteigerungen in der Stadt Fulda wieder aufgehoben.

Fulda, den 27. Januar 1932.

Der Oberbürgermeister als Grtspolizeibehörde.

*

Nr. 428. wird veröffentlicht.

Schlächtern, ben 29. Januar 1932.

Der Landrat. J. D.: Duwe.

Die Preissenkung wird fortgesetzt.

Dr. Goerdeler über seine Pläne.

Der Preisindex ist, wie der Reichskommissar für Preis­überwachung Dr. Goerdeler erklärte, gegenüber der letzten Zahl vor seiner Amtsübernahme um 6,3 Prozent gefallen. Damit ist bei den durch den Index erfaßten Bedarfsartikeln die Senkung erzielt, die bis Ende Januar zu erreichen er bei seiner Amtsübernahme für möglich erklärt hätte. Ich bin, so fuhr er fort, hiervon aber nicht befriedigt, obgleich die Preissenkung auf dem außerhalb des Index liegenden Gebiet noch größer ist.

3m Interesse der Belebung der Wirtschaft ist es not- wendig, das Verhältnis zwischen Kanfkraft und preisen noch stärker zu verbessern. Das muß in kürzester Frist durchgeführt werden, um Stockungen im Produktions­prozeß auszuschalten, die sonst bei unsicher wirkenden Preisverhältnissen drohen würden.

An den Orten, für die ich festgestellt habe, daß die zentralen Vereinbarungen über Lebensmittelpreise nicht durchgeführt sind, wird mit besonderen Anordnungen eingegriffen wer­den. Zu einer Beunruhigung wegen des Brotpreises liegt keine Veranlassung vor.

Die Senkung der gebundenen preise wird für jeden Käufer nachprüfbar gemacht, die Preise für Leistungen noch stärker der Bildung im freien Wettbewerb anvertraut. Im übrigen wird das bewährte Verfahren der Preisüberwachung durch Abmachungen mit den verschiede­nen Wirtschaftsgruppen in noch stärkerem Tempo zu einem gewissen Abschluß y.-^adjt werden Eine beachtliche Zahl von Gas- und Elektrizitätswerken haben ihre Preise ge­senkt. Auch diese wichtige Frage, bei der der Zusammen­hang zwischen Preisgestaltung, allgemeiner Wirtschaftslage und öffentlichen Lasten besonders klar in Erscheinung trit* wird beschleunigt geklärt werden. " l

Gegen inAatorische Maßnahmen.

Berlin, 30. Januar.

Amtlich wird mitgeteilt:Es sind Nachrichten durch die presse gegangen, als ob die Reichsregierung mit einer Um­gestaltung der gesetzlichen Grundlagen der Währung befaßt sei, daß sogar beabsichtigt sei, eine künstliche Ausweitung der Kreditmöglichkeiten durch Notverordnung in die Wege zu leiten. Diese Nachrichten sind völlig aus der Lust ge- , griffen. Die Reichsregierung steht mit der Reichsbank nach wie vor geschlossen aus dem Standpunkt, daß nichts ge- I schehen darf, was einer inflatorischen Maßnahme auch nur ähnlich sieht. Es wird keinerlei Veränderung des Reichs bankgesehes erwogen."

Kleine politische Meldungen.

Gouverneur a. D. Schnee bei Hindenburg. Der Reichspräsi­dent empfing den Gouverneur a. D. Dr. Schnee, der sich in seiner Eigenschaft als deutsches Mitglied der vom Völkerbund ernannten Mandschureikommission meldete.

Curtius Vorsitzender im Gläubigerbeirat der pleßschen Ver­waltung. Der frühere Reichsaußenminister Dr. Curtius hat nun endgültig den Vorsitz im Gläubigerbeirat der Pleßschen Unterneh­mungen übernommen.

Redeverbot für Goebbels in Altona. Der Polizeipräsident vs« Altona-Wandsbek hat für den Bereich seines Bezirks angeordnet, daß der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Goebbels in öffentlich-politischen Versammlungen weder reden noch anwe­send sein darf.

Der bayerisch« Hindenburg-Russchutz teilt mit, daß er den Aufruf des in Berlin zu bildenden Hindenburg-Rus- schusses mit allen Kräften unterstützen werde.

Nach einer Versammlung in Dortmund wurden am Samstag abend die abziehenden Kommunisten aus der Dun­kelheit beschossen. Dabei wurden zwei Arbeiter getötet und einer schwer verletzt. Don wem die Schüsse abgefeuert wor­den sind, steht noch nicht fest. Der Regierungspräsident hat für die Ermittlung der Täter 1000 INark Belohnung ausge­setzt.

Die AorüHungskonferenj wird, wie entgegen allen Vertagungsgerächten bestimmt erklärt, am Dienstag, 2. Februar, um 16'2 Uhr zusammentrelen.

In amtlichen französischen Kreisen wird davon ge­sprochen, daß Anfang dieser Woche eine Formel gefunden wird, die als Grundlage einer Vereinbarung zwischen Frank­reich und England in der Frage der Reparationen dienen . wird.

Im Bezirk Mirpur in der indischen Provinz Kafd)= mir ist ein ernster Bufstand ausgebrochen. Die mohammeda­nischen Rufständigen plünderten einen Hindutempel und ' eine Bank und bräunten sie nieder.

Das Arbeitsbeschassungs-Programm

Voraussetzungen und Forderungen.

Die jetzigen Erörterungen über das Arbeitsbeschaffung,- Programm innerhalb der Reichsregierung gehen von ben wirtschaftspolitischen Grundsätzen aus, die im zweiten Brauns-Gutachten über die Frage der Arbeitsbeschaffung aufgestellt worden sind.

In diesem Gutachten hieß es u. a.:Wie Ueberlegung und wie Erfahrung früherer Krisen zeigen, erfolgt die Lösung einer Erstarrung regelmäßig in der Weise, daß neue Kapital-Anlagen die brachliegenden Produktivkräfte wieder in Bewegung setzen. Diese Bewegung war früher regelmäßig der privaten Initiative zu verdanken und nahm ihren Ausgang vorzugsweise von der Bauwirtschaft. Die Lage zwingt heute dazu, der durch äußere Umstände ge­hemmten Initiative der Privatwirtschaft dadurch zu Hilfe zu kommen, daß durch eine Kapitalwerbung auf Grund öffentlichen Kredits neue Arbeitsgelegenheit geschaffen wird, die ihrerseits ausstrahlt auf Beschäftigung und Absatz der deutschen Gesamtwirtschaft. Heute fällt günstig ins Gewicht der planmäßig eingeleitete Abbau unserer erhöhten Pro­duktionskosten und der Tiefstand der Depression, welche einer Belebung der Wirtschaft bessere Aussichten bietet, als sie in den vorhergehenden Jahren bestanden."

Die Reichsregierung hat sich veranlaßt gesehen, den Abbau der Produktionskosten weiterhin planmäßig fortzu- setzen; dazu gehörte u. a. die Zins- und Lohnsenkung. Leider sind aber hier die erhofften Wirkungen nicht in dem er­warteten Umfange eingetreten, nämlich als Anreiz für die Verstärkung der Produktion. Die Unternehmer haben viel­fach die Einsparungen lediglich dazu benutzt, um ihre Kredit­verpflichtungen bei den Banken zu erfüllen. Die Folge war eine weitere Schrumpfung der Wirtschaft.

Um diese schädlichen Wirk^-zen zu bef/tigei: ' die Du ung eines k-"tzunktur-polit''^"' Arbei" no« grc uns 'unmehr d- - end notwendig . jorben. .ses A atspre mm br ber feiner -, nit k D-chfüh- r eines rogran von äffte osarbe' n verwe werden. Norstandsar- iten mu risse von Lp etlichen . der« -verschieben mur aie 5;mhhw;i i;a Krisemm. Sie ban­gen keinen Konjunktur-Anstieg, sie können sogar konjunktur- hemmend wirken. In diesem Sinne müssen auch die Pläne des Reichspostministeriums bewertet werden, wonach Wohl- fahrtserwerbslose für die Bautätigkeit Verwendung finden sollen, wenn die betreffenden Gemeinden bereit sind, einen Zuschuß von 2 Mark täglich zu den Kosten der Wohlfahrts- erwerbslosen zu leisten. Das Gleiche gilt von erörterten Plänen, die darauf hinzielen, eine große Zahl von Schiffen abzuwracken und neue zu bauen. Das System der Subven- Honierung, ganz gleich ob in Gestalt der Lohn-Subventto- nierung oder der direkten Subventionierung hat sich in feiner mechanischen Anwendung nicht als brauchbar er­wiesen, um uns aus der Krise herauszuhelfen.

Ueber die Finanzierung des konjunktur-politischen Ar- beitsprogrammS-ist im Brauns-Gutachten bereits nach der grundsätzlichen L-cite ausgeführt, daß die auszuarbeitenden Pläne wirtschaftlich wertschaffend sein müßten und beim Kreditgeber das nötige Vertrauen erwecken müßten. Es ist aber gleichzeitig auf die Erschwerungen hingewiesen, die darin liegen, daß zur Zeit in Deutschland die Aufnahme von Kapital in ausreichendem Umfange nicht möglich ist. Wie im einzelnen die Fiuanzierungspläne aussehen werden, steht noch keineswegs fest. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die erörtert werden. Man kann u. a. an eine Zwangson- leihe in Verbindung mit den Steuerzahlungen denken.

Alle Fiuanzierungspläne aber stoßen sofort auf eine Reihe von Voraussetzungen, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Reichskanzler Dr. Brüning hat in Verhand­lungen mit dem Reichstagspräsidenten Löbe bereits darauf hingewiesen, daß der Schutz der Währung unbedingt ge­währleistet werden müsse. Eine Kooperation der Noten­banken bei den zu treffenden Maßnahmen erscheint demnach unerläßlich. Eine andere Voraussetzung ist, da sich eine Kreditausweitung nur bei einem gut funktionierenden Ban- kenfystem vornehmen läßt, eine Lösung der Bankenpro- blems.

Weiter aber zeigt sich vor allem, wie wichtig eine bal­dige Einigung in der Reparationsfrage ist. Die Wirtschafts­krise in Deutschland wird verstärkt und vertieft durch eine außenpolitische, eine innenpolitische und eine psychologische Krise. Ueberall gilt es abzubauen, dann erst wird auch die Wirtschaftskrise ausgeglichen werden können.

Die Bearbeitung der Pläne, soweit sie seit dem Früb- Herbst im Reichsm!rtsck)aftsministeriuni verfolgt worden sind, ist mit den Namen Lautenbach und Rüstow verbunden wor­den. Auch Staatssekretär Schäffer hat wichtige Anregungen gegeben. In einer Tagung der Friedrich-List-Gesellschast, die vor einiger Zeit stattfand, sind dann die Pläne für ein konjunktur-politisches Arbeitsprogramm unter Anwesenheit des Reichsbankvrälidenten Luther, des damaliaen BrofefforS Warmbold, des heutigen Wirtschaftsministers, des «taals- sekretärs Trendelenburg und einer Reihe führender National- ökonomen eingehend erörtert worden. Auch im Reichswirt- fchaftsrat hat bereits eine Besprechung der Materie statt« gefunden. Bis zur Stunde existiert ein fester Plan in Ge­stalt einer Kabinettsvorlage noch nicht, aber es kann an­genommen werden, daß durch die letzten Besprechungen des Reichskanzlers die Dinge rasch in Fluß kommen und in kurzer Zeit auch vom Reichskabinett in seiner Gesamtheit erörtert werden.