Einzelbild herunterladen
 

Steuerliche Ungerechtigkeiten.

Milderung der Bürgersteuer für Kurzarbeiter ist notwendig.

Im Januar werden zum ersten Male die Raten für die Bürgersteuer für 1932 am Arbeitslohn und Gehalt zum Ab- zug gebracht. Die meisten Gemeinden haben von ihrem Zu­schlagsrecht weitgehenden Gebrauch gemacht, so daß der Steuersatz oft ein Vielfaches von dem normalen Landessatz ausmacht. Dadurch wirkt sich die Bürgersteuer wie eine zu- ätzliche Einkommensteuer aus, die aber den Nachteil hat, daß sie außerordentlich roh gestaffelt- ist. Da die Einstufung nach dem Einkommen vom Jahre 1930 vorgenommen wird, müssen viele Arbeitnehmer eine Bürgersteuer entrichten, die ihrer gegenwärtigen Einkommenslage nicht mehr entspricht. Eine besondere härte bedeutet diese Regelung für die ver­kürzt arbeitenden Arbeiter und Angestellten. Wer heute stark verkürzt arbeitet und außerdem noch eine beträchtliche Minde­rung des Tariflohnes oder Gehaltes in Kauf nehmen mußte, muß trotzdem die gleiche Bürgersteuer entrichten, die seinem Einkommen vom Jahre 1930 entspricht. Nach der Bürger- steuerverordnung sind wohl diejenigen Arbeitnehmer, deren Einkommen die steuerliche Freigrenze (1200 Mark jährlich zuzüglich der Familienzuschläge) von der Bürgersteuer be­freit. Aber da die Veranlagung aus der Grundlage von 1930 erfolgt, tritt die Befreiung nur für die Arbeitnehmer ein, die bereits damals keine Lohnsteuer zu zahlen brauchten. Wer im Jahre 1930 noch mehr als die steuerliche Freigrenze verdiente, jetzt aber infolge Lohnabbau und Kurzarbeit dar­unter gesunken ist, muß trotzdem den vollen Satz der Bür- dersteuer bezahlen, wenn sein Einkommen noch mehr als 500 Mark jährlich beträgt. Dagegen sind die Arbeitslosen ohne Rücksicht auf die Höhe ihrer Unterstützungsbezüge von der Bürgersteuer befreit.

Diese Regelung ist infolge der starken Ungerechtigkeiten, die sie mit sich bringt, unhaltbar. Der Reichsfinanzminister sollte unverzüglich eingreifen, um für die verkürzt arbeiten­den Arbeitnehmer schon in diesem Jahre eine Erleichterung bei der Bürgersteuer zu bringen. Man könnte daran denken, für alle Kurzarbeitenden den Steuersatz um 50 v. h. zu er­mäßigen. Diese schematische Regelung hat aber dann den Nachteil, daß Kurzarbeiter, die an manchen Orten noch mehr verdienen, als Vollbeschäftigte in notleidenden Industrie- bezirken, bevorzugt werden und dadurch eine neue Ungerech­tigkeit entsteht. Vielleicht wäre es auch möglich, für Kurz­arbeiter, die gegenwärtig lohnsteuerfrei sind, die Bürger­steuer zu erlassen, also das Arbeitseinkommen am jeweiligen Stichtage für die Steuerzahlung zugrunde zu legen. Dadurch würde ohne Zweifel eine Gleichstellung mit denjenigen Voll­beschäftigten erfolgen, die bereits im Jahre 1930 keine Lohn­steuer zu zahlen brauchten.

Auf die Dauer läßt es sich aber nicht vermeiden, eine Reform der Bürgersteuer vorzunehmen. Nachdem diese Steuer entgegen ihrer ursprünglichen Gestaltung rein fiska­lischen Zwecken dienstbar gemacht wird, muß sie auch den­selben Grundsätzen unterworfen werden wie die Lohnsteuer. Die Arbeitnehmer haben in den letzten Jahren große Ein­kommensverluste in Kauf nehmen müssen, durch die sie un­fähig werden, eine Bürgersteuer in der jetzigen Höhe zu ent­richten. Man muß zum mindesten fordern, daß nicht das viel höhere Einkommen von 1930, sondern das jetzige Ein­kommensniveau der Besteuerung zugrunde gelegt wird. Da­bei darf nicht verkannt werden, daß die Gemeinden solchen Bestrebungen den schärfsten Widerstand entgegenstellen wer­den, weil ihre Haushaltsgebarung dadurch beeinträchtigt wird. Das Reich hat die Gsmei'ndm zu äußerster Aus­nutzung dieser Steuerquelle angehalten. Der Reichsfinanz­minister allein hat es in seiner Hand, die unerträglichen härten, welche die Bürgersteuer in d r jetzigen Form für die Arbeitnehmer mit sich bringt, zu mildern. Dabei wird es sich nicht vermeiden lassen, daß das Reich den Gemeinden für dadurch entstehenden Einnahmeausfall Mittel zum Ausgleich zur Verfügung stellt.

Postkarten nach dem Ausland. Der Wert der aus den Postkarten des innerdeutschen Verkehrs eingedruckten 8-Rpf-Wertzeichen beträgt bekanntlich seit dem 15. Januar nur noch 6 Rpf. Wenn solche Postkarten, auch mit Antwort­karte, nach dem Ausland abgesehen nach Freie Stadt Danzig, Litauen und Memelgebiet, Luxemburg und Oester­reich versandt werden, sind auf der Postkarte und g F. auch auf dem Antwortteil Freimarken im Gesamtwert von 9 Rpf, jedoch im Verkehr mit der Tschechoslowakei und Ungarn 4 Rpf nachzukleben. Die Aufgabepostanstalten sind angewiesen, unzureichend freigemachte Postkarten dieser Art an den Absender, wenn dieser bekannt ist, zur richtigen Frei­machung zurückzugeben. Ist die Rückgabe nicht möglich, so werden die Postkarten mit Nachgebühren belegt.

Kleine Tiere große Zahlen.

Von Hans von Gaudecker.

Im Lager der Kleintierzüchter wird pit Wochen fieber­haft gearbeitet. Hühner, Tauben, Gänse, Enten, Puten und Kaninchen müssen sich manchen Handgriff gefallen lassen. Be­schädigte Federn werden ausgezogen. In sechs Wochen sind fr nachgewachsen. Das Gefieder des Geflügels ist glatt und glänzend; ein warmes Bad hat die kleinste Unreinheit, das letzte Staubkörnchen entfernt. Kamm und Bürste fahren über das weiche Fell der Kaninchen. Das sind die letzten Vorbe­reitungen der Kleintierzüchter zur7. Grünen Woche Ber­lin", denen jahrelange, durchdachte Züchterarbeit ooraus- gegangen ist.

Die große Schau am Kaiserdamm bringt einen Quer­schnitt durch alles, was in Wald und Feld wächst und heran- reift, was in Stall und Wirtschaft geschlachtet und gezüch­tet wird. Da darf die Kleintierzucht nicht fehlen! Gewaltige Zahlen beweisen ihre Wichtigkeit, Zahlen, die gleichzeitig imponieren und zum Nachdenken anregen.

Allein der Jahreswert von Geflügelerzeugnissen ist fast doppelt so hoch wie die gesamte Stein- und Braunkohlen­förderung. Mit 1,12 Milliarden (davon 600 Millionen für Eier, 490 Millionen für Geflügelfleisch und 30 Millionen für Feder und Dünger) übersteigt er sogar die gesamte deutsche Kraftfahrzeug-Industrie, «ie es nur auf 1 Milliarde bringt; denselben Wert hat die deutsche Roggenerzeugung, während die Weizenernte eines Jahres nur 600 Millionen und die Zuckerrübenernte 300 Millionen einbringen.

Trotzdem kann Deutschlands Riesenbedarf an Geflügel- erzeugnissen nicht im eigenen Lande gedeckt werden- für fast 350 Millionen wird eingeführt. Diesen Mißstand können nur die Geflügelzüchter beseitigen, indem sie Leistungstiere hervorbringen, die den Gesamtertrag der großen Geflügel­massen steigern. Das deutsche Huhn nach der letzten Zäh- lung hatte Deutschland 87 937 284 Hühner legt im Jahre 90 Eier. Das ist zu wenig! Wenn man erfährt, daß die Hühner in Dänemark 150, in Holland 135, in Belgien und Norwegen 110 Eier durchschnittlich im Jahre legen.

Vorführung eines Segelwagens auf der Berliner Avus.

Der deutsche Ingenieur Wolfgang v. Bolton führte eine Neukonstruktion eines Segelwagens auf der Berliner Avus vor. Gewicht einschließlich Segel 35 Kilogramm. Geschwin­digkeit 50 bis 60 Kilometer. Der Segelwagen ist als Ein- oder Mehrsitzer zu benutzen.

Blinder Alarm. In Berlin gingen Gerüchte von einer politischen Razzia am Siemens-Damm um. Wie sich nachher herausstellte, handelte es sich um einen blinden Alarm. Es war gemeldet, daß die Kommunisten einen Ueberfall planten, bei Eintreffen der Polizei war jedoch alles ruhig, und nichts ließ auf Unruhen schließen.

Uieneck. Die Jugenbburg wurde nach kurzer Winter- pause am vergangenen Samstag mit Kindern aus dem österreichischen Lurgenlande wieder vollbelegt. Es handelt sich um ganz außerordentlich unterernährte, schwache und äußerst bedürftige Knaben und Mädchen.

Ge lnha use n. (Den Schaden haben die Genossen.) In dem 1928 eröffneten Konkurs über das Vermögen der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank e. G. m. b. h. in Gelnhausen wird jetzt die fünfte klbschlagsoerteilung vorgenommen. Verfügbar sind 2593,53 Mk., zu berücksich­tigen sind Forderungen in der Höhe von 25 936,14 Mk. Die haftpflichtigen Genossen müssen, soweit sie dazu in der Lage sind, zur Deckung des Fehlbetrages den vollen Haft- summenbetrag von 2000 Mk. pro Geschäftsanteil einzahlen. Diese Genossen waren aber auch gleichzeitig Mitglieder der ebenfalls in Konkurs geratenen Fränkisch-Hessischen Land­wirtschaftlichen Ein- und Verkaufsgenossenschaft, Sitz ha- nau, und wurden auch von dieser zur Deckung des Fehl­betrages mit 1500 Mk. der Haftsumme pro Geschäftsan­teil herangezogen. Der Zusammenbruch beider Genossen­schaften hat die zuständigen Gerichte in Hanau in elfter und zweiter Instanz beschäftigt.

Hanau. Das Erweiterte Schöffengericht Hanau verur­teilte die Geschäftsführerin der Innungskrankenkasse der Bäckermeister des Stadt- und Landkreises hanau, Frau Glga heil, wegen Unterschlagung zu sechs Monaten Ge­fängnis. Die unterschlagene Summe belauft sich auf 5000 Mark.

, Frankfurt a. M. Ruf einer Geschäftsreise ist in Zürich der bekannte Frankfurter Großindustrielle Harry Fuld im Alter von fast 53 Jahren plötzlich gestorben. Fuld war der Gründer der priteg (Deutsche Privat-Telephon A. G.), die er dann zu dem Fuld-Konzern ausbaute, der heute etwa 5000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Sei­nen Wohnsitz hatte Fuld in den letzten Jahren in Berlin.

Würzburg. (Keine separatistischen Bestrebungen in Unterfranken). Aus den Verhandlungen des Derfa|fungs= ausschusses oes bayrischen Landtages über den Antrag betreffend weiterer Zusammenlegung der Kreisregierungen ist von Interesse, daß gegenüber einer deutschnationalen Anbeutung, als bestünden in Untersranken separatistische Be­strebungen, der Abg. Dr. probst (B. v. p.) feststellte, daß in Unterfranken kein Mensch an so etwas denke. Solche Bestrebungen würden außerhalb Bayerns, besonders in Frankfurt, immer wieder betrieben.

Hirschhorn. (Furchtbare Folgen von Familienzwistig- Keiten.) Dienstag morgen kam es im benachbarten Ueckar- Hausen zu blutigen Buseinandersetzungen zwischen den be­nachbarten Familien des Landwirts Karl Brecht und des Bäckermeisters Egner. Zwischen beiden Familien bestehen schon seit einer Reifte von Jahren ernste Zwistigkeilen. Im Verlauf eines heftigen Wortwechsels griffen Brecht und seine beiden Söhne zum Beil und andern Gerätschaften und schlugen in bestialischer Weise damit auf den Sohn Hermann des Bäckermeisters Egner ein. Egner tzug so schwere Ver­letzungen davon, daß er in das hiesige Krankenhaus zur (Operation eingeliefert werden mußte, doch ist er am späten Abenb gestorben. Die Täter wurden in das hiesige Amts= gerichtgefängnis eingeliefert- Die Staatsanwaltschaft Darm- stadt hat die weiteren Ermittlungen eingeleitet.

Kassel. Am 25. um 17 Uhr wurde auf dem Wegüber­gang zwischen Allenborf (Eder) und Frankenberg (Eder) das einspännige Pferdefuhrwerk des Bauunternehmers Trutz aus haina von einem Güterzug leicht angefahren und leicht beschädigt. Die Witwe Hause wurde vom Wagen gewor­fen und am Kopfe verletzt. An den Folgen der Verletzung ist sie inzwischen gestorben. Das Fuhrwerk versuchte bei nebligem Wetter den Wegüburgang vor dem herannahen des Zuges zu überfahren. Die Warnzeichen waren in Grdnung.

Kassel. (Delschalterexplofion.) In dem Ueberspann- werk in Sandershausen ereignete sich eine schwere Del- schalterexplosion. Die Explosion; war so stark, daß mehrere Zwischenwände des Gebäudes niedergerissen wurden. Die Stromversorgung wurde dadurch zeitweise unterbrochen. Gin glücklichen Umstand ist es zuzusch reiben, daß Menschen nicht zu Schaden gekommen sind, denn der Stationswärter hielt sich zur Zeit der Explosion in einem Rebenraum auf. Als Ursache wurde eine schwere Uauhre ifbildung an einer Ueber- landleitung festgestellt.

Flockenwirbel.TOstwindsaüsen. Qualm undDuft beim Wintersport.

Zähneklappernd saust mit Grausen Duft zum nahen Abgrund fort.

Hier istQualm einmal der Helle, Denn er zeigte wenger Mut, Blieb an einer sanften Stelle.

Seine Ramses schmeckt ihm gut»

RAMSES o M^^cigarette 33^ J

^