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Achlüchterner Zeitung

Kreis-KmtsbLatt * UllMneiner rmrUicherftazeitzev für 8m Kreis Schlüchtao

(1. Blatt) Samstag, den 30. Januar 1932

84. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen.

L ndratsamt.

Uerordnung f«m Schutze von Fasauentzennen

Ruf Grund des § 30 des Feld- und Forstpolizeigesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Januar 1926 (G. S. S. 83) in Vierbindung mit § 13 Rbf. 4 der Verord­nung zum Schutze von Tier- undPflanzenarten in Preußen (Tier- und Ilflanzenschutzoerordnung) vom 16. Dezember 1929 pr. G. S. S. 189 wird für den Umfang des Regierungsbezirks Kassel folgendes angeordnet:

§ 1.

Bis zum 1. Februar 1933 ist es auch den Jagdausübungs- berechtigten untersagt, Fasanenhennen zu erlegen.

§2:

Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 150. RM. oder mit entsprechender Haft bestraft

LL

Ausgenommen von dieser Vorschrift sind Fasanerien mit künstlicher Aufzucht, jedoch sind hier nur schwache, nicht zur Nachzucht geeignete Hennen zum Abschuß zu bringen.

§4.

Diese Verordnung tritt mit einer Geltungsdauer bis zum 1. Februar 1933 mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft.

Kassel, den 22. Januar 1932.

Der Reglerungspräsident. gez. Dr. Friedensburg.

Wird veröffentlicht.

Schlüchtern, den 26. Januar 1932.

Der Landrat. J. D.: Duwe.

Kreisausschutz.

J.-Nr. II 1263 F. Die Geschäftsstelle für Landaufent­halt von Stadtkindern in Hagen i. W. hat mit Rücksicht auf die große Kollage der dortigen Bevölkerung, die vd. " ständig wachsende Arbeitslosigkeit veranlaßt wird und unter der besonders auch die Kinder zu leiden haben, gebeten, auch in diesem Jahre wieder eine Anzahl erholungsbe­dürftige Kinder aus Hagen während des Frühjahrs und des Sommers unentgeltlich im hiesigen Kreise unterzubrin­gen.

Die Kreisbevölkerung bitte ich daher, die Unterbringung Rogener Kinder im Kreise wie in den Vorjahren nach Kräf­ten fördern zu helfen. Familien, die zur Aufnahme eines oder mehrerer Kinder bereit und in der Lage sind, wollen dies unter Angabe der genauen Anschrift, des Alters, des Geschlechts und der Konfession der gewünschten Kinder durch Vermittlung der Bürgermeisterei um­gehend, spätestens bis 8. Februar ds. Jrs., hierher mitteilen. Falls die Aufnahme von Kindern nicht schon in den nächsten Monaten möglich ist, wolle mir auch mitgeteilt werden, wann die Kinder frühestens ausgenom­men werden können.

Schlüchtern, den 27. Januar 1932.

Kreiswohlfahrtsamt: Dr. Müller.

Freiwillige Sanitätskolonne SAlüchtcrn.

Auf Sonntag, den 31. Ja'nuar 1932, nachmittags 1/23 W, werden die Kolonnenmitglieder zu einer Uebung in den Kreistagssitzungssaal eingeladen.

Gleichzeitig werden die neuangemeldeten Herren hiermit gebeten, sich an dieser Uebung beteiligen zu wollen.

Pünktliches und vollzähliges Erscheinen ist Ehrenpflicht. Schlüchtern, den 29. Januar 1932.

Wolf, Vorsitzender der Sanitätskolonne Schlüchtern.

Dr. Müller,

__Vorsitzender des Männervereins vom Roten Kreuz.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachn« g.

3u Probezwecken wird die F e u e r a I a r in a n I a g e auf ^m Rathaus am Sonnabend, den 30. d. Bits? mittags 1 W vorübergehend in Betrieb gesetzt.

Schlüchtern, den 29. Januar 1932.

Der Bürgermeister: Gaenßlen.

Nach einer Meldung aus Köslin sind auf einem Stausee bei Roßnow drei Personen beim Fischen ertrunken, ^re Leichen konnten noch nicht geborgen werden.

3u den Verhandlungen über die Kabinettsbildung 'n Oesterreich wird mitgeteilt, daß Bundeskanzler Buresch heute mit Vertretern des nationalen Wirtschaftsblockes, Landbundes, der Sozialdemokratischen Partei und des Heimatblockes Besprechungen hatte, die noch zu keinem Ergebnis geführt haben. Die Verhandlungen werden mor- SM fortgesetzt.

Konferenz der Kuliusminister.

Aussprache über die Entpolitisierung der Schule.

Amtlich wird mitgeteilt:

Mit der Frage der Entpolitisierung der Schule be­schäftigte sich im Reichsministerium des Innern eine Kon­ferenz der Kultusminister der Länder unter dem Vorsitz des Reichsministers Dr. Sroener.

Auf Grund der eingehenden Aussprache stellte Reichs minister Groener als einmütige Auffassung fest, daß du Parteipolitik nicht in die Schule gehöre.

Er werde es stets begrüßen, mettn die Länder entsprechend den verschiedenen Verhältnissen scharfe Maßnahmen ergrei­fen. Ob und inwieweit den von mehreren Seiten ausge­sprochenen Wünschen gemäß von Reichs wegen einheitliche Grundsätze für die Entfernung der Parteipolitik aus der Schule aufzustellen seien, müsse geprüft werden. Die Län­der hätten schon jetzt die Möglichkeit, die Teilnahme von Schülern an politischen Versammlungen zu verbieten. Er empfehle, allgemein Gebrauch von dieser Möglichkeit zu machen. Aufs schärfste zu verurteilen sei die Verbreitung von Flugblättern und Zeitungen verhetzenden Inhalts un­ter den Schülern Hier komme es vor allem darauf an ge­gen die Verteiler und Urheber mit allem Nachdruck vorzu- gehen

Im übrigen wies der Minister darauf hin, daß die Entpolitisierung der Schule durch positive Maßnah­men gefördert werden müsse, z. B^ durch staatsbürger­lichen Unterricht, sowie durch gute Schülerzeitungen und Einwirkung auf die Elternkreise. Die Bedeutung einer un­terstützenden Mitarbeit des Elternhauses hob der Minister besonders hervor. Er erklärte sich auch bereit, den Anre­gungen verschiedener Minister entsprechend einen

Appell an die Parteien zu richten, von der parteipolitischen Beeinflussung der Ju­gend Abstand zu nehmen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden die Aus­schreitungen der Gottlosenpropaganda erörtert. Es ergab sich die einmütige Auffassung, daß die bestehen­den gesetzlichen SBorirbHtym, insbesondere die Bestimmungen :r Notverordnung des Reichspräsidenten vom 28. März 1931 ausreichen, die Ausschreitungen der Gottlosenpropa­ganda zu bekämpfen. Sache der praktischen Handhabung sei es. den geltenden Vorschriften einen wirksamen Vollzug zu sichern.

Japan beseht Schanghai.

Landungstruppen im Chinesenviertel. Fort Wusung unter japanischem Feuer.

London, 29. Januar.

Japanische Truppen haben am Donnerstag die Chi- nesenstadt von Schanghai beseht. Wie weiter verlautet, ha­ben die japanischen Kriegsschiffe das chinesische Fort wu- sung unter Feuer genommen, nachdem die Chinesen die Feindseligkeiten vorher eröffnet haben sollen.

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Schanghais Uorbereitnnge« für den Kampf.

WTB. Schanghai, 28. Januar. Die männliche Be= völkerung Schanghais drängt sich, dem Rufruf des Gemeinderats folgend, nach dem Rennplatz von Schanghai, der in aller Eile in ein Feldlager verwandelt wird. Die gesamte städtische Polizei, verstärkt durch Freiwillige, ist mobilisiert worden. Das Verteidigungskomitee der Nie­derlassung hat ebenfalls einen Rufruf an alle Freiwilligen erlassen, die als Polizisten Dienst tun wollen, ober bei den Transport- und Sanitätsarbeiten, der Beschaffung von Le­bensmitteln oder sonstwie mitarbeiten wollen. Die fran­zösischen Truppen in der französischen Niederlassung arbei­ten mit den anderen Truppen der Niederlassung zusammen. Die japanische Streitmacht hat den Schutz der nördlichen Bezirke von Schanghai übernommen, die britischen Trup­pen den Bezirk im Westen von Schanghai und die amerika­nischen Marinesoldaten die Avenue Haig und die Sutschau Greek Fronts. Stacheldrahtverhaue werden errichtet, aber die Verteidigungstore zwischen der Niederlassung und dem chinesischen Gebiet bleiben vorläufig offen, um den Aus­ländern und Japanern, die außerhalb der Siedlung woh­nen, sowie taufenden chinesischen Flüchtlingen den Zugang zu gestatten. Nach den letzten Schätzungen befinden sich 24 000 undisziplinierte chinesische Truppen rund um die Niederlassung und stellen eine ernste Bedrohung dar. Ruf chinesischem Gebiet haben bereits Plünderungen begonnen.

Die. Chinesen leisten in Schapei hartnäckigen Widerstand. 13 japanische Verwundete sind in die Lazarette gebracht worden. Die chinesischen Verluste sollen schwer fein. 50 Chinesen wurden gefangen.

Ein japanischer Panzerwagen versuchte, durch die Kon« «liion vorzudringen, mußte aber umkehreu, da britische Freiwillige Hpu die Durchfahrt nicht gestatteten.

Nach einer Meldung aus Schanghai hat der japanische Befehlshaber ungeordnet, den Stadtteil Schapei mit Flie­gerbomben zu belegen. Der Befehl wurde um 4,25 Uhr früh (21,3V MEZ) gegeben. Die Bevölkerung Schapei

Unmoral der Tribute.

Aufsehenerregende Aeußerungen Professor gaffet«.

Stockholm, 29. Januar.

Professor Gustav Cassel erbringt imSvenska Sag- bladet" den Beweis dafür, daß Frankreich und seine Ver­bündeten das Recht verwirkt haben, von Deutschland irgend­welche Tribute zu fordern. Cassel stellt zunächst den ursäch­lichen Zusammenhang zwischen Tributen, einseitiger Gold- anhäufung, Preissall und Zusammenbruch des Goldstan­dards mit der Weltwirtschaftskrisis fest.

Die Versuche Frankreichs, die deutsche Tributfrage und die amerikanische Schuldenfrage zufammenzukoppeln, seien unberechtigt.Dadurch, daß Frankreich die deutschen Tribut- zahlungen zur Voraussetzung der Zahlungen an Amerika macht, versetzt Frankreich die Vereinigten Staaten in die unangenehme Lage, die Reparationen eintreiben zu müssen, mit denen Amerika nichts zu tun haben will. Amerika hat hierbei zweifellos das Recht auf feiner Seite."

Cassel setzt dann ou^: 'ander, bc" ie Tributforderun- gen und 1 . Unwilligkeil r Forderungsländer, die d-"v scherseits .imenbigen 9 hrüberschüsse -"'° unehn n, Deutschlan geheuren S i zugefügt hätt 0 ba^ ie Forderung«: inder das Rech im Empfan« :.. jab'"igen ' verwirkt hätten.

Wenn die Gläubiger sich ein^s so groben rmh^auches ihrer Stellung schuldig machen, daß sie dem Schuldner nicht , nur die Zahlung unmöglich machen, sondern ihm darüber hinaus unermeßlichen Schaden zufügen, so wird alles Ge­rede über die Heiligkeit eingegangener Verpflichtungen nichtig. Formelles Recht wird dann von materiellem Un­recht zerbrochen, und es bleibt nichts anderes übrig, als einen Strich durch die Paragraphen zu machen, die keine moralische Berechtigung haben.

Zum Schluß macht Cassel darauf aufmerksam, daß es auf keinen Fall so weitergehen könne wie vorher. Die Ver­suche, in offenbarem Gegensatz zu den wirtschaftlichen Vor­aussetzungen Zahlungen zu erpressen, müßten zu Maßnah­men hübH-n, die die ganze Rechtsordnung untergrüben und c-u..' P. .wirtschaft und Zivilisation auss schwerste gefähr­deten. Cassel warnt vor dieser Entwicklung und schließt mit den Worten:Man wird, wenn man sich über die Unmög­lichkeit der Tributforderungen klar geworden ist, mit gro­ßem Gleichmut die verhältnismäßig geringen Opfer ertragen können, die mit der Streichung dieser verwirkten Forderun­gen verbunden sind."

Eine seltsame englische Anregung.

Die Verhandlungen zwischen Frankreich und England über die Tributfrage haben, wie bestätigt wird, keine weite­ren Fortschritte gemacht, so daß die Aussicht auf eine baldige Zusammenkunft zwischen Laval und MacDonald in London sehr pessimistisch beurteilt wird. In dem Bestreben, eine Grundlage für eine Reparationskonferenz zu finden, wendet sich der Blick Londons jetzt wieder nach Berlin in der Hoff­nung, von dort eine Meinungsäußerung Brünings über die Zahlungsmöglichkeit Deutschlands in der Zukunft zu er­halten.

Der Gedankengaug ist etwa der, daß der Test der Er­klärung Brünings, in dem gesagt wird, daß Deutschland auch in Zukunft nicht zahlen könne, möglicherweise näher erläutert werden könnte. Das könne etwa in dem Sinne ge­schehen, daß die Aussichten auf Reparationszahlungen sich vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren ändern könnten.

Nach englischer Auffassung würde eine Erläuterung Brünings zu seiner früheren Erklärung betreffend die Wie­deraufnahme von Zahlungen in späterer Zukunft einen prak­tischen Wert zwar nicht haben, wohl aber würde sie im Hin­blick auf die französische Empfindlichkeit das Finden einer Formel zur Einberufung einer Reparationskonferenz er­leichtern.

zählt eine halbe Million Einwohner hat sich in ihren Wohnungen verbarrikadiert. Jn den Straßen wird noch mit Maschinengewehren geschossen.

Amtlich wird mitgeteilt, daß bei den Kämpfen in Sdjapei die japanischen Verluste 8 Tote und 29 Verwundete betra­gen. Die Höhe der chinesischen Verluste kann nicht ange­geben werden. Jn der Morgendämmerung wurde seitens der Japaner das Bombardement von Schapei wieder aus­genommen. Es wird angenommen, daß die Chinesen mit Hilfe von Panzerzügen die Eisenbahnstation wieder zu­rückeroberten.

vier in Manila liegende amerikanische Zerstörer haben Befehl erhalten, alle Vorbereitungen zu treffen, um nach Schanghai auszulaufen.

Der preußische Ministerpräsident (Otto Braun, der in Rscona (ital. Schweiz) zur Erholung weilt, feierte heute feinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlaß krachte ihm die Stadtmusik ein Ständchen.

Nach einer Meldung aus Mahn bad wurden Post- zeibeamte, die gegen Boykottposten bei den Tuchständen auf dem markt vorgingen, von einer wütenden Menge bedroht und mußten zur Schußwaffe greifen. Dabei wurden drei Personen getötet.