Börse und Hantel.
Berlin, den 23. Januar 1932.
Produktenmarkt. Der heute in Berlin abgehalten« 13. Allgemeine Deutsche Saatemnarkt zog einen guten Teil Interessenten ab. Es blieb demnach im allgemeinen auch bei reckn geringen Umsätzen. Weizen wurde nach der lange durchgeführten Zurückhaltung der Abnehmer wieder von einzelnen Seiten gefragt und zwei Mark höher bezahlt. Roggen, der ebenfalls "schwach offeriert war, zog um eine Mark an, desgleichen Hafer. Gerste ruhig und ohne Anregung.
Dollar: 4,209 (Geld), 4,217 (Brief), enqL Pfund: 14,53 14,57, holl. Gulden: 169,48 169,82, Belga (Bel- gien): 58,69 58,81, ital. Lira: 21,08 21,12, dän. Krone: 80,02 80,18, norw. Krone: 78,92 79,08, franz. Franken: 16,56 16,60, tschech. Krone: 12,465 12,485, schweiz. Franken: 82,10 82,26, span. Peseta: 35,36 35,44, schwed. Krone: 81,12 81,28, österr. Schilling: 49,95 50,05.
Warenmarkt.
Mittagsbörse. (Amtlich.) Getreide und Oelsaaten per 1000 Kilo, sonst per 100 Kilo in Reichsmark ab Station: Weizen Mark. 232—234 (am 25. 1.: 230—232). Roggen Märk. 197-199 (196-198). Braugerste 158-168 (158 bis 168). Futter- und Jndustriegerste 153—158 (153—158). Hafer Mark. 139-147 (138-146). Weizenmehl 28-31,75 (28-31,75). Roggenmehl 27,25—29,50 (27,10-29,40). Wei:enkleie 9,60—10 (9,60-10). Roggenkleie 9,60—10 (9,60—10). Viktoriaerbsen 21—27,50 (21—27,50). Kleine Speiseerbseu 21—23,50 (21—23,50). Futtererbsen 15—17 (15-17). Peluschken 16-18 (16-18). Ackerbohnen 14-16 (14-16). Wicken 16-19 (16—19). Lupinen blaue 10-12 (10—12), gelbe 14,50—16 (14—15,50). Serradella neue 23-29 (23-29). Leinkuchen 11,70-11,80 (11,70-11,80). Erdnußkuchen 50 Prozent ab Hamburg 12,50—12,60 (12,50 bi? 12,60). Erdnußkuchenmehl ab Hamburg 12,20—12,30 (12,20—12,30). Trockenschnibel 6,60-6,70 (6,60-6,70). Sojabohnenschrot 10,60—11,90 (10,60—11,90). Kartofsel- flocken 12,40-12,50 (12,40-12,50).
Heu und Stroh.
(Aintlich.) Erzeugerpreise für 50 Kilo ab märkischer Station frei Waggon für den Berliner Markt in Reichsmark: Drahtgepreßtes Roggenstroh 0,80—1,00, deSgl. Gerstenstroh 0,60—0,70, desgl. Haferstrob 0,70-0,85. desgl. Gerstenstroh 0,65—0,75. gebundenes Roggenlangstroh 0,85—1.00, bind- fadengepreßteS Roggenstroh 0,70—0,80, deSgl. Weizenstroh 0,55—0,65. Häcksel 1,30^-1,55. Handelsübliches Heu, gesund und trocken 1,20—1,40, gutes Heu, gesund und trocken 1,70—2,00. Luzerne lose 2,40—2,70. Thhmotee lose 2,35 bis 2,65. Kleeheu lose 2,25—2,55. Drahtgepneßtes Heu 30 Pfennig über Notiz. — Tendenz: Stroh behauptet, Heu stetig.
Berliner Schlachtviehmarkt.
(Amtlich.) Austrieb: 1420 Rinder (darunter 309 Och sen, 463 Bullen, 648 Kühe und Färsen), 2625 Kälber, 3159 Schafe, — Ziegen, 14 313 Schweine, 721 Auslandsschweine. — Preise für 1 Zentner Lebendgewicht in Reichsmark:
Ochsen:
1. vollst., ausgem., höchsten Schlachtwerts jüngere ältere
2. sonstige vollfleischige, jüngere ältere
3. fleischige
4. gering genährte
Bullen:
1. jüngere, vollfl., höchsten Schlachtwerts
26. 1. 22. 1.
— 36-37
33—35 33-35
29-32 29-33
24—27 24-27
28-29 28-29
2. ivnstige vollfleischrge/odcr aUSgemästete
3. fleischige
4. gering genährte
Kühe:
1. jüngere, vollfl., höchsten Schlachtwert t
2. sonstige vollfleischige oder auSgemästte
3. fleischige
4. gering genährte
Färsen (Kalbinnen):
1. jüngere, vollst., höchsten SchlachtwertS
2. vollfleischige
1 3. fleischige
Fresser:
1. mäßig genährtes Jungvieh
- Kälber:
i 1. Doppellender bester Mast
i 2. beste Mast- und Saugkälber
! 3. mittlere Mast- und Saugkälber
4. geringe Kälber
Schaf«:
1. Mastlämmer und jüngere Masthammel Weidemaft Stallmast
2. mittl. Maftlämmer, ältere Mafthammel
i 3. gut genährte Schafei
4. fleischiges Schafvieh
5. gering genährtes Schafvieh
Schweine:
1. Fettschweine über 300 Pfund
2. vollfleischige von 240—300 Pfund
3. vollfleischige von 200—840 Pfund
4. vollfleischige von 160—200 Pfund
5. fleischige von 120—160 Pfund
6. fleischige unter 120 Pfund
7. Sauen
Marktverlauf: Rinder und
25-27 25-27 23—24 23—24 20—22 20—22
24—26 24—27
20-23 20-23 16-19 16-19 12-14 12-15
31-33 32—33
26-30 27—31
18-23 20-25
17—22 17-22
40—47 40—48
27—40 27—38
18—25 18—25
38-40 38-40
36—38 36—38
28—30 26—30
32—35 30—35
23-27 21—27
40 42—43
38-40 40—42 35—38 37—39 32-34 34—36
34-35 86—38 her mittelmäßig:
Schafe glatt, beste einhalbjährige Lämmer über Notiz: Schweine ruhig.
Die Preise sind Marktpreise für nüchtern gewogene Tiere und schließen sämtliche Spesen des Handels ab Stall für Fracht, Markt- und Verkaufskosten, Umsatzsteuer, sowie den natürlichen Gewichtsverlust ein, müssen sich also wesentlich über die Stallpreise erheben.
Magervichhof Berlin-Fried ichsselde.
(Amtlicher Bericht vom 26. Januar.)
Auftrieb: 422 Schweine und 321 Ferkel. Es wurden gezahlt im Engroshandel für das Stück:
Läufcrschiveine: 6—8 Monate alt —,—, 5—6 Monate alt 22—32 Mark.
Pölke: 3-4 Monate alt 18-23 Mark.
Ferkel: 9-13 Wochen alt 14-18, 6—8 Wochen alt 12—14, bis 6 Wochen alt 10-12 Mark.
Marktverkauf: Ferkel etwas freundlicher, Läu- ‘ ser ruhig.
perlen in Nordseemuscheln.
Perlen in Nordseemuscheln sind keineswegs selten. Bekanntlich entstehen die Perlen dadurch, daß das Muscheltier eingedrungene Fremdkörper, seien es schmarotzende Eingeweidewürmer oder Sandkörner durch Umhüllen mit der Perlmutterschicht unschädlich zu machen sucht. Man kann Perlen in fast allen Muschelarten finden. In der Auster sind sie sehr selten, und man rechnet etwa auf jede zehn- tausendste Muschel eine Perle, die der Seltenheit wegen teu« bezahlt wird, obwohl sie matt und glanzlos ist. Um so häufiger kommen Perlen in der Mies- oder Pfahlmuschel vor, wo man durchschnittlich in jeder zweiten Muschel sie finden kann, und zwar in einer Schale bis über zwanzig Stück. Die Perlen sind von der blauen Farbe der Perl
mutter|d)id)t, einige aber auch weiß »md fchS« BtflWenk Selbst schwarze Perlen kommen vor. Die Größe wechselt zwischen der eines Mohnsamenkorns bis zu der einer kleinen Erbse. Die Perlen sitzen teils im Mantel der Muschel, teils festgewachsen an der Perlmutterschicht der Schale. Manchmal füllen Wucherungen der Perlmutterschicht fast die ganze Schale aus. Muscheln mit vielen Perlen scheinen krank zu sein, deren Schalen sind dann oft verwachsen, und das Tier zeigt wenig Leben. Die Juweliere messen den Perlen der Miesmuschel nur geringen Wert bei. Schön von Farbe und Glanz, leider aber nur klein und selten sind die Perlen der Mociola. Auch in den Sandmuscheln kommen Perlen vor, die aber wie die Farben der Schale einfarbig weiß und ohne Glanz sind. Da diese Muscheln in den: Boden bohren und dadurch vielfach die Muschelschalen beschädigen, so sondert das Tier oft aus einer Drüse Perlenmasse ab, um solch« Schäden zu überdecken. Eigenartig machen sich die Perlen in den kleinen Pellina-Muscheln, wo sie im Verhältnis zur Schale ziemlich groß sind und eine weiße, gelbe oder rote Farbe zeigen können. Selbst die Napfschnecke, die an der englischen Küste sehr häufig ist, bildet oft Perlen. Bei den Mactra-Arten hat man niemals Perlen beobachten können, wahrscheinlich aber findet man Perlen bei den meisten Muschelarten. In der Ostsee sind dagegen die Perlen sehr selten und kommen selbst in der Miesmuschel nur ganz vereinzelt vor.
Revision im Arenzel-prozeß verworfen. Die Revision des Amtsvorstehers Arthur Frenzel aus Bornim gegen das Urteil der Großen Strafkammer beim Landgericht Potsdam vom 1. Dezember 1930, durch das gegen Frenzel wegen Blutschande, begangen an seiner Tochter Gertrud, aus 1 Jahr 2 Monate Zuchthaus und 3 Jahre Ehrenrechtsverlust erkannt worden war, hat der zweite Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig verworfen. Die gegen das Urteil vorgebrachten rechtlichen Bedenken feien zwar nicht durchweg einfach zu verwerfen, soweit aber Bedenken gegen die Prozeßführung berechtigt seien, konnte nirgends festgestellt werden, daß dadurch die Urteilsfindung beeinflußt worden sei. Das Urteil gegen Frenzel ist damit rechtskräftig geworden.
Unregelmäßigkeiten bei einer kranken- und Sterbe- taffe. Größere Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung sind bei der E e l l e r Verwaltungsstelle der Kranken- und Sterbekasse für das Deutsche Reich, genannt Lichterfelder Krankenkasse, aufgedeckt worden. Der sozialdemokratische Geschäftsführer Frank ist fristlos entlassen worden. Wie weit die Unregelmäßigkeiten in der Buchführung rein krimineller Art sind, läßt sich noch nicht übersehen, da auch eine große Zahl von Ausgabebelegen gefunden wurde, die nicht ordnungsgemäß verbucht waren. Ein Strafantrag gegen Frank von Seiten der Verwaltung ist noch nicht gestellt. Bei der genannten Kranken- und Sterbekasse handelt es sich um ein den freien Gewerkschaften nahestehendes Institut.
Wieder Schiffahrlsstörungen durch Nebel. In den späten Nachmittagsstunden machte der Nebel, der erneut die Schiffahrt im Unterelbegebiet lahmgelegt hatte, einem diesigen Wetter Platz. Bei einer Sichtweite von 1000 bis 1500 Meter war der Schiffsverkehr wieder möglich. Während der Nacht kam jedoch neuer Nebel auf, und die Sichtweite betrug auf der Elbe bei Hamburg nur 50 bis 100 Meter, bei Brunsbüttelkoog und Cuxhaven etwa 150 Meter. Bei einer weiteren Verdichtung des Nebels muß mit erneuter Lahmlegung der Schiffahrt, die jetzt noch in beschränktem Umfange möglich ist, gerechnet werden.
(Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart)
Fortsetzung 1)
Und Christel kann diesen ungerechten Vorwurf nicht ver- winden; seit dieser Zeit ist aus dem luftigen Buben ein verschlossenes, verschüchtertes Kind geworden. Ich leide namenlos darunter — doch ich muh mit meiner Frau so behutsam um= hon. damit sie mir mcht gemütskrank wird. Nahe daran ist sie: ihre Trauer ist schon krankhaft, dieses fortgesetzte Grübeln und dieses Wühlen im Schmerz." Der Lehrer seufzte tief auf.
„Wenn Ihre Frau nun wieder etwas zu umsorgen und zu pflegen hätte, was sie von dem tiefen Kummer ab= lenkt--?" Der Pfarrer zögerte ein wenig und suchte nach den richtgen Worten. — „Sie beide sind noch junge Leute--ich meine, wenn der Himmel da doch noch mal Ersatz für das Mariele schenkte? Die Freude auf ein werdendes Wesen, die Hoffnung daraus, die sie so ganz erfüllen würde--"
In Qual zuckte das charaktervolle Gesicht des jungen Lehrers. „Es wäre auch mein Trost gewesen! Aber das eben, Herr Pfarrer, kann nie wieder sein!" entgegnete er gepreßt. „Seit der sehr schweren Geburt unseres Töchter- chens ließ die Gesundheit meiner Frau außerordentlich zu wünschen übrig. Und eine durchaus notwendige Operation hat ihr dann die Fähigkeit genommen, jemals wieder Mutter zu werden."
„T)as ist allerdings sehr bedauerlich, lieber Lenz! Aber so geht es nicht weiter — ihr beide reibt euch auf! Ich habe es schon lange mit Kummer beobachtet — doch ist es so schwer, an eine solche Wunde zu rühren! Dennoch will ich mit Ihrer lieben Frau einmal sprechen, und noch heute! Ich werde sie auf dem Friedhof aufsuchen: sie muß aus dieser zerstörenden Trauer gerissen werden!"
„Sie haben recht, Herr Pfarrer, so geht es nicht weiter, nicht lange mehr! Dieses Schicksal liegt schwer auf uns! Wir sind ja nicht die einzigen Eltern, die ein Kind hergeben mußten! Aber auf solch tragische Weise, ist unsagbar schwer! Eben noch frisch und gesund, und in der nächsten Viertelstunde das alles vorbei, und unser Liebling kalt und tot — ich kann es heute noch nicht fassen! Wäre uas Kind einer tückischen Krankheit, wie Diphterie, die so viele Opfer fordert, erlegen, man wäre noch dar
auf vorbereitet gewesen — aber dieser Unglücksfall — vom Treppengeländer herunterzufallen! Und wie oft ist das Kind sonst fast jeden Tag die Treppe herauf und wieder hinuntergelaufen — eine Fünfjährige kann doch wirklich auch mal ohne Beaufsichtigung einen Schritt tun —! Aber meine Frau macht sich die bittersten Selbst- vorwürfe, daß sie nicht Obacht auf das Kind gegeben hat — sie kommt nicht darüber, hinweg und wird mir daran noch zugrunde gehen!"
Teilnahmsvoll drückte der Pfarrer dem Anderen die Hand — „ich werde tun was mir möglich ist! Ihre kleine Frau muß langsam dem Leben zurückgewonnen werden."
„Wenn Ihnen das gelingen würde, Herr Pfarrer, so wäre ich Ihnen unaussprechlich dankbar! Denn ich habe meine Frau über alles lieb, und sie seelisch so leiden zu sehen, ohne ihr helfen zu können, drückt mich ganz darnieder!"
„Der Himmel wird helfen, lieber Freund! Nur die Hoffnung nicht verlieren!"
Gedankenvoll schritt der Pfarrer die sonnige Dorfstraße entlang bis zur Kirche, einem einfachen Bau aus roten Backsteinen. Ihr gegenüber lag der Friedhof, von einer übermannshohen dichten Dornenhecke umzäunt. Grell blendete die Sonne auf den weißen Grabsteinen und Kreuzen. Die Schmetterlinge gaukelten lustig in der heißen, flimmernden Luft, und emsig trugen die Bienen süße Beute heim aus den vielen Blumen, die in bunter Pracht auf dem Friedhof blühten. Sonntäglich gekleidete Menschen gingen zwischen den Gräbern umher, lasen die Inschrift auf den Grabsteinen, sprachen von den Toten •— man hatte sie ja alle gekannt, die hier den ewigen Schlaf schliefen; die paar Dörfer, die zur Gemeinde Remshagen gehörten, waren ja nicht groß.
Am Zaun, unter dem Schutz einer Trauerweide, war ein kleines Grab, mit den köstlichsten Blumen geschmückt, und davor saß eine schmale, schlanke Frau, die Hände krampfhaft ineinandergeschlungen, ganz eingehüllt in ihren Trauerschleier, der lang vom Hute wallte, den Kopf tief geneigt, als zöge die Last des Schmerzes ihn herab. Ihre Augen starrten auf den Hügel, als wollten sie die Erde durchdringen und suchen und sehen, was er barg. Hoffnungsloseste Trauer drückte ihre Haltung aus; sie achtete auf nichts um sich her. Die Vorübergehenden machten um dieses Grab einen kleinen Bogen. Erst in einiger Entfernung blieben sie stehen, warfen scheue, teilnahms- i volle. Blicke nach der jungen Frau und tauschten in unwillkürlichem Flüsterton ihre Meinungen aus.
Es war ja auch zu schrecklich gewesen — das bildhübsche Kind, das jeder im Dorf gern gehabt und bewundert — wie ein Engel hatte es im weißen Kleidchen, den blonden Locken, den blauen Augen und roten Wan
gen ausgesehen — auf was für eine schreckliche Art hatte es ums Leben kommen müssen! Im Uebermut hatte es getan, was die Eltern streng verboten — hatte sich auf das Treppengeländer gesetzt und dabei das Gleichgewicht verloren und sich Überschlagen, mit Wucht war das Kind auf die Steinplatten des Hausganges gestürzt und auch gleich tot gewesen! Keiner hatte es glauben können, die unglückliche Mutter am wenigsten! Sie war nicht von der Leiche wegzubringen gewesen; Tag und Nacht hatte sie bei ihrem Kinde gesessen, und herzzerreißend war es am Begräbnistage gewesen, als man die verzweifelte Mutter mit Gewalt vom offenen Grabe hatte wegführen müssen, weil sie es nicht dulden wollte, daß man über ihren Liebling kalte schwarze Erde schüttete — dann hielt eine wohltätige Ohnmacht, die ihr das Letzte, Schwerste ersparte, ihre Sinne eine lange Zeit tief umfangen!
Seit diesem Tage war die sonst so fröhliche junge Lehrersfrau eine Andere geworden. Anfangs hatte man für ihren Verstand gefürchtet; doch gnädig ging dieser Schlag an Lehrer Lenz vorüber, wenn ihm auch noch genug des Schweren blieb. Die Frau war jedem Tröstungs- versuch unzugänglich, schroff wies sie alle zurück: aber man trug es der bis ins Herz getroffenen Mutter nicht nach. Man bemühte sich, dem Christel, dem neunjährigen Söhnchen, allerlei Liebes zu tun, weil die Mutter sich in ihren Schmerz hüllte und den Knaben darüber vernachlässigte, der dadurch nur ein sehr ernstes, ja, fast trauriges Kind wurde.
Der von allen Seiten ehrerbietig gegrüßte Pfarrei redete mit vielen, bis er zur Frau Lenz kam. Langsam näherte er sich der Trauernden, die so in ihre schmerzlichen Gedanken versunken war, daß sie ihn gar nicht bemerkte und förmlich zusammenschreckte, als er ihr sanft die Hand auf die Schulter legte und sie anredete.
Sie schob den Schleier vom Gesicht, und mit einem abwesenden Blick in den dunklen, schönen Augen schaut! sie den Pfarrer an.
"Ich habe soeben Ihres lieben Mannes herrlicher Garten bewundert — wie groß ist feine Mühe und Arbeit!"
Sie nickte schwach.
„Der kleine Christel ist ein netter Bub! Er ist nw recht still und ernst."
„Für ein Haus der Trauer paßt kein Lachen uni Lärmen!"
„Schelten Sie nicht auf das Lachen, Frau Lenz! Es ist ein Geschenk für den, der so recht von Herzen zu lacher vermag!"
„Das sagen Sie mir, Herr Pfarrer--mir?"
(Fortsetzung folgt.)