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Kreis-Kmtsbtatt * Kllyemeiner mMlicherKuKeLgkv für öm Kreis Schtüchtem
Nr. 12
<1. Blatt)
Donnerstag, den 28. Januar 1932
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Amtliche Bekanntmachungen.
KreisausfKuß«
Freiwilliger Arbeitsdienst im Rahmen der Heimvolkshochschule Habertshof, Elm, Kr. Schlüchtern, v. 4< Febr. - 24 März 1932.
Nach den günstigen Erfahrungen mit dem ersten freiwilligen Arbeitsdienst, der im November-Dezember 1931 in der Heimvolkshochschule. Habertshof durchgeführt wurde, findet in der Zeit vom 4. Februar bis 24. März 1932 ein weiterer Arbeitsdienst ebendort statt.
praktische Arbeit: Ein im letzten Herbst begonnener Straßenbczu soll fertiggestellt und anschließend mit größeren Drainage-arbeiten begonnen werden. (Es handelt sich um dringende gemeinnützige und zusätzliche Arbeit, die sonst aus Mangel an Geldmitteln nicht ausgeführt werden könnte. Die Planung liegt in den Händen von Fachleuten, die Leitung übernehmen geschulte Kräfte.
Lehrgang: Neben die wertschaffende Arbeit, die im allgemeinen auf dem vormittag liegen wird, tritt Unterricht im Sinn heutiger Erwachsenenbildung. 3m Stoffgebiete sind vorgesehen: Die Frage der Wirtschaftskrise und Erwerbslosigkeit / Deutsche Staatskunde im Zusammenhang mit Erörterungen von Fragen der deutschen Innen- und Außenpolitik, sowie der heutigen Weltpolitik / Arbeitsrecht und Sozialpolitik / Lebenskundliche Fragen. Nebenher gehen Pflege des Gesanges, Sport, Wanderungen usw. Die pädagogische Leitung liegt in der Hand der heimvolkshoch- schule.
Te ilnahme be re ch ti g t sind alle Empfänger von Erwerbslosen- und Krisenunterstützung im Alter von 21—27 Jahren, ferner Jugendliche zwischen 18 und 21 Jahren, denen aus familienrechtlichen Gründen ein Anspruch auf Unterstützung entzogen wurde. Die Teilnehmer erhalten während der Zeit des freiwilligen Arbeitsdienstes zwar keine Unterstützung! statt dessen zahlt die" Reichsanstalt an die Schulleitung für Unterbringung, Verpflegung und Unterricht bis zu 2.— RM. täglich. Der Teilnehmer erhält ein wöchentliches Taschengeld, dessen Höhe z. Zt. noch nicht feststeht. Irgendwelche Kosten erwachsen ihm nicht, da ihm auch die Reise vergütet wird.
Wer an dem Arbeitsdienst teilzunehmen wünscht, ist gebeten, sich umgehen d unter genauer Angabe von Namen, Adresse, Beruf, Geburtsdatum, Art der Unterstützungsan- sprüche (ob arbeitslosen- oder Krisenunterstützt, ob ohne Unterstützung und aus welchen Gründen, ob wohlfahrtsun- terstützt) und der besonderen geistigen Interessen bei der Geschäftsstelle des Schulheims Habertshof, Elm bei Schlüchtern, zu bewerben. Es wird alsdann umgehend mitgeteilt, ob eine Aufnahme möglich ist, ebenso alles Notwendige betreffend Reise, Kleidung usw.
Schlüchtern, den 21. Januar 1932.
Die Kreisjugendpfleger für die Regierungsbezirke Kassel und Wiesbaden. Maurer, Grebenstein.
Die Bezirksjugendpflegerin. Math. Rohrbach.
Der Kreisjugendpsleger. P. hix.
Die Leitung der heimoolkshochschule
Emil Blum. . Hans von Lerlepsch.
Veröffentlichung vo« Steuerorduungeu.
Uunderlaß des Ministeriums des Innern und des Finanzministeriums vom 16. Januar 1932.
IV St 1293 und II A 2647/11 B 2988 -
Gemäß Artikel 9 Ziffer 4 Absatz 2 der Ausführungs-An- weisung zum Kommunalabgabengesetz vom 10. 5. 1894 sind Steuerordnungen der Gemeinden in ortsüblicher Weise bekanntzumachen und die hierauf bezüglichen Nachweise nufzubewahren. Nach Abschnitt II T Ziffer 1 Absatz 2 ^usführungs-Anweisung zum Kreis= und Provinzial-Ab- gaben-Gesetz (Min.vl.iverw. 1906 S. 277) sind Steuer Ordnungen der Kreise im Kreisblatt zu veröffentlichen.
Wie wir gelegentlich uns zur Kenntnis gekommener Ein- sAfälle festgestellt haben, werden diese Bestimmungen nicht überall restlos beachtet. Wir bringen sie daher hiermit erneut in Erinnerung und ersuchen die Aufsichtsbehörden, Wär zu sorgen, daß künftig sämtliche Steuerordnungen über
C> Hebung indirekter Steuern einschl. des Genehmigungs- ^schlusses, soweit es sich um Gemeindesteuern handelt, ortsüblich bekanntgemacht, soweit es sich um Kreisfteuer= Ordnungen Handelt, im Kreisblatt veröffentlicht werden. Sofern bei z. Zt. in Geltung befindlichen Steuerordnungen die Veröffentlichung bisher unterblieben ist, ist sie alsbald Oach zuholen.
Die Aufsichtsbehörden wollen sich die Nachweise über Och' erfolgte Veröffentlichung auch .schon bestehender Steuerortmungen — vorlegen lassen.
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I.-Nr. 275 K. A. vorstehender Ministerialerlaß wird den Herren Bürgermeistern zur Kenntnisnahme und Beachtung mitgeteilt.
Schlüchtern, den 23. Januar 1932.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
Landratsamt«
Der Herr Kreismedizinalrat wird am Dienstag, den 2. Februar 1932 von 9 Uhr ab im hiesigen Kreishaufe (Kreis« tagssaal) Sprechstunde halten.
Schlüchtern, den 25. Januar 1932.
Der Landrat. 3. V.: Duwe.
Tagung des deutschen Einzelhandels.
Eine Rede Dr. Goerdelers.
Berlin, 27. Januar.
In der Geschäftsführerkonferenz der Hauptgemeinschafl des Deutschen Einzelhandels sprach der Reichskommissar für Preisüberwachung, Oberbürgermeister Dr. Goerdeler, über sein Amt, seine Ausgaben und deren Durchführung. Es sei notwendig, darauf hinzuweisen, daß für Länder mit hoher Industrieentwicklung eine Autarkie, selbst bei größter Pflege des Binnenmarktes, einen starken Rückgang der Lebenshaltung zur Folge haben müsse.
Er gehe nicht an der Tatsache vorbei, daß ein wesentlicher Teil der Unkostenbildung bedingt sei durch Steuern, Gebühren und Tarife. Um hier zu einer Entlastung zu kommen, bliebe nur der Weg höchster Vereinfachung der öffentlichen Verwaltung und organisatorischer Umgestaltung der Arbeitslosenfürsorge. Außerdem seien alle irgendwie erdenkbaren Möglichkeiten zur Beschäftigung der Arbeitslosen auszunutzen
Er halte es für seine Pflicht, aus die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge hinzuweisen, von denen eine gerechte Ueberwachung der Preisgestaltung ausgehen müsse und zu denen sie immer wieder zurückführe.
Wirtschaftliche Besserungen könnten nur kommen aus Arbeit, Sparfcrmfeih Reubüb^ntg von Kapital und aus der Erkenntnis, daß ein politisch ohnmächtiges Volk sich gute Lebensbedingungen niemals verschaffen kann.
Das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Hauptgemeinschaft, Dr. Tiburtius, schilderte die Wirkungen der Notverordnung auf Preise, Unkosten und Kreditfähigkeit der deutschen Wirtschaft Der Einzelhandel könne seine Aufgabe der Bestellung und Verteilung von Waren nur ausführen, wenn seine eigene Kaufkraft erhalten bleibe. Die Bemühungen um Ausgleich der Spannen des Preisgefüges zwischen freien und gebundenen Waren seien energisch fört= zusetzen. Daneben gelte es, den Willen zur langfristigen Anlage beim Sparer herauszustellen. Der Redner erörterte die Möglichkeit einer besseren Kreditorganisation für den Einzelhandel in Verbindung mit einer Zusammenfassung seiner Warengenossenschaften und schilderte Wünsche und Zweifel gegenüber den Reformen der Realsteuern, bei der besonders gefürchtete Mehrbelastungen der mittleren Gewerbeerträge abzulehnen sind.
— Die Zentrale des spanischen Jesuitenordens in San Ignacio de Lopola ist seit Sonntag geschlossen. Die Grdens- mitglieder haben sich zur Abreise nach Belgien bereitge- macht.
— Der Kaugummikönig William Wrigley ist in Phönix in Arizona im Alter von 71 Jahren gestorben.
— Das Schwurgericht in Königsberg verurteilte Dienstag abend den Arbeiter Dombrowski und den Tischler Eisen- menger wegen gemeinschaftlichen Mordes in Tateinheit mit Straßenraub zum Tode und zum dauernden Ehrenverlust. Sie hatten einen Kraftwagenführer ermordet und ihm 44 Mark und die Uhr geraubt.
— In Wanne-Lickel wurde Dienstag früh eine Putz- frau von ihrem früheren Untermieter in der Absicht verfolgt, ifie zu erschießen. Als die Frau in ihrer Angst nach bcm Polizeirevier lief, um den Vorfall zu melden, schoß der Untermieter auf den Eingang zum Polizeirevier, wo zwei andere Putzfrauen standen, die beide tödlich ge= hoffen wurden. Der Untermieter wurde später erschossen auf dem Friedhof aufgefunben.
— Ein deutscher Student an der Universität von Edinburgh namens Krause hat den Preis von 100 Pfund Sterl. errungen, der alljährlich von Lord Tecil für einen Aufsatz über die Erhaltung des internationalen Friedens unter Berücksichtigung der Tätigkeit des Völkerbundes ausgesetzt wird.
T Nach einer später aus London eingetroffenen Meldung muh damit gerechnet werden, daß das bei Portland vermißte Unterseeboot M. 2 verloren ist. Es hatte ungefähr 46 Mann Besatzung an Bord.
— Finanzminister Flandin machte am Dienstag vor dem Finanzausschuß der französischen Kammer lllitteilungcn über'die von Deutschland bisher geleisteten Zahlungen, namentlich über die für den Wiederaufbau bes Kampfgebietes verwendeten Summen. Einzelheiten über die von ihm angeführten Zahlen sind nicht bekannt geworden.
Pht tastisch^Tt utzifferr-
Die Rechnung des Grafen d'Ormesson.
Paris, 27. Januar.
Graf Wladimir d'Ormesson, der angebliche „Deutschenfreund", veröffentlicht im „Temps" einen umfangreichen Artikel, in dem er u. a. erklärt, daß zehn französische Provinzen während des Weltkrieges als Schlachtfeld gedient hätten und vollkommen verwüstet aus dem Völkerringen hervorgegangen feien.
Diese Verwüstungen seien absichtlich geschehen. Roch am Vorabend des Waffenstillstandes habe der gemeinsame Feind nur aus Zerstörungswut sein Vernichlungs- werk fortgesetzt.
Dörfer, Gruben, Schlösser, Industriebetriebe und Städte, wie etwa Cambrai, die ziemlich unversehrt aus den Kämpfen hervorgegangen seien, hätten die Deutschen systematisch in Brand gesteckt. Ohne die 125 Milliarden Franken in Rechnung zu stellen, die der Frankreich aufgezwungene Krieg gekostet habe, und ohne die 115 Milliarden zu berücksichtigen, die Frankreich bisher an Pensionen und Himer- bliebenenunterstützungen gezahlt habe, habe Frankreich ein Anrecht auf Wiedergutmachung der erlittenen Schäden, die sich auf 250 Milliarden Franken belaufen, wenn man Zinsen und Zinseszinsen berücksichtigt, und auf 175 Milliarden Franken, wenn man nur das investierte Kapital rechne.
Es ist zu beachten, daß die völlig unsinnigen Schätzungen des' „Versländigungsfreundes" d'Ormesson sogar die französischen amtlichen Zahlen noch bei weitem übertreffen.
Nach amtlichen Aufstellungen, so fährt der Verfasser fort, und denjenigen des Reparations-Ausschusses habe Frankreich insgesamt 63 Milliarden Franken erhalten. In dieser Summe sei jedoch nicht einmal ein Unterschied zwischen den Zahlungen gemacht worden, die auf Konto Reparationen und denjenigen, die für die Unterhaltung der Besatzungs- armeen verbucht werden müssen.
Paris bleibt hartnäckig
Der Gegensatz zu Frankreich.
London, 27. Januar.
Auf englischer Seite besteht man darauf, daß die Tributkonferenz im Mai oder Juni zusammentreten müsse, und daß wenigstens eine Lösung auf eine Reihe von Jahren nötig sei. Ferner halten es die Engländer für nötig, ein auf die Gesamtheit der deutschen Zahlungen ausgedehntes Moratorium zu bewilligen.
Aus französischer Seile seien dagegen weder Laval noch Flandin gewillt, auf eine Lösung einzugehen, die praktisch die Tributzahlungen ohne Rücksicht aus die Haltung Amerikas in der Schuldenfrage beseitige. Frankreich könne in seinen Zugeständnissen über eine einjährige Verlängerung des hoover-Feierjahres sowie über die darin enthaltenen Beschränkungen und Vorbehalte nicht hinausgehen.
Schließlich stehe die französische Politik auf dem Standpunkt, daß eine im Mai oder Juni zusammentretende Tributkonferenz keine über ein oder zwei Jahre hinausreichenden Beschlüsse fassen dürfe.
Englands Zahlungsfähigkeit.
Die Bank von England hat die Absicht, den gesamten Restbetrag des im August vorigen Jahres aufgenommenen französisch-amerikanischen Rediskonlkredits in Höhe von 30 Millionen Pfund Sterling (etwa 600 Millionen RM) zum Fälligkeitstermin am 1. Februar zurückzuzahlen. Die Zurückzahlung werde ohne jede weitere Inanspruchnahme der Goldreserven der Bank möglich sein.
Reichshilfe für Landkreise.
Rund 582 000 wohlsahrtserwerbslose.
Berlin, 27. Januar.
Der Vorstand des Preußischen Landkreistages beschäftigte sich erneut mit den steigenden Wohlfahrtslasten. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Betreuung der Wohl- fahrtserwerbslosen kein rein kommunalpolitisches, sondern in erster Linie ein staatspolitisches Problem sei. Reich und Staat müßten ausreichende Mittel dazu zur Verfügung stellen.
Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen in den ländlichen Bezirksfürsorgeverbänden des Reiches habe am 31. Dezember 1931 rund 582 000 betragen, was gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 16 Prozent bedeute. Das katastrophale Absinken der Steuereinnahmen erhöhe die Schwie- rigkeiten ins Angemessene.
Ferner wurde das Gutachten von Prof. Popitz über den Finanzausgleich eingehend besprochen.
Wieder Gold- und Devisenverluste der Reichsbank.
Im dritten Januar-Ausweis der Reichs' ' k treten erneut Gold- und Devisenverluste von insgesamt 1( Millio n RM zutage, die im wesentlichen aus Zahlungen ai -run! Still- halteuereinbarun"."! entstanden sind. Die Dccku der Roten burdt Gold und Dev hat sich dagegen r ' von 25,6 auf 26,4 Prozent gebessert, die gesamte Kap? ge erneut zurückgogan- gen ist