Hchluchtemer Zeitung
Mrls Amtsblatt * Allgemeiner amtlich erKnKÄgev für 6m Kreis SchlüMso
Nr. «
(1. Blatt)
Dienstag, Ren 26. Januar 1932
84. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I .-Nr. 277. Das den Herren Bürgermeistern und Schul- vcrbandsvorstehern in den nächsten Tagen zugehende Formular zur Uebersicht über die Zahl der die öffentliche Volksschule besuchenden schulpflichtigen Kinder usw. nach dem Stande vom 1. Februar d. Js. ist im Benehmen mit dem betreffenden Schulleiter sorgfältig auszu- füllen und bis zum 5. n. Mt s. hierher zurück- z u s e n d e n.
Meine Verfügung vom 17. Januar 1927 Nr. 399 — Kreisblatt Nr. 10 — und die Anmerkungen auf der Rückseite des Vordrucks ersuche ich zu beachten.
Der Vermin i st genau einzuhalten.
Schlüchtern, den 18. Januar 1932 .
Der Landrat. J. v.: Vuwe.
I.-Nr. 90.
Lezirkseinteilung des Kreises Schlüchtern für die Ausübung der Ergänzungsfleischbeschau.
a. Trgänzungsbeschaubezirk Schlächtern I.
Ergänzungsbeschauer: Kreistierarzt Dr. Wehn, Schlüchtern' Vertreter Tierarzt Dr. Nover, Schlüchtern.
Schlüchtern, Salmünster, Lad-Soden, Ahlersbach, Bel- lings, Breitenbach, Gundhelm, Elm, Herolz, Hohenzell mit Lindenberg, Niederzell, vollmerz mit Ramholz und hin- kelhof. ;
b. Ergänzlingsbeschaubezirk Schlüchtern II.
Ergänzungsbeschauer: Tierarzt Dr. Nover, Schlüchtern,' Vertreter Tierarzt Dr. Taemmerer, Steinau.
Heubach, Hintersteinau, Hütten Klosterhöfe, Kressenbach, Reustall, Gberkalbach, Reinhards, Uerzell mit Klesberg, Wallroth.
c. Trgänzungsbeschaubezirk Steinau.
Ergänzungsbeschauer: Tierarzt Dr. Taemmerer, Steinau: Vertreter Tierarzt Dr. Rover, Schlüchtern.
Steinau mit Hundsrück, Ahl, Eckardroth Kerbersdorf, Marborn, Marjoß, Romsthal, Seidenroth, Sarrod mit Rabenstein und Rebsdorf, Ulmbach und Wahlert.
d. Trgänzungsbeschaubezirk Sterbfritz.
Ergänzungsbeschauer: Tierarzt Dr. Bergien, Sterbtritz' Vertreter Tierarzt Dr. Rover, Schlüchtern.
Altengronau, Breunings, Jossa, Mottgers, Neuengronau, Dberzell, Sannerz, Sterbfritz, Schwarzenfels, Weichersbach, Deiperz und Züntersbach.
e. Trgänzungsbeschaubezirk Uttrichshausen.
Ergänzungsbeschauer: Tierarzt Dr. Boeder, Schmalnau; Vertreter Tierarzt Dr. Rover, Schlüchtern.
Uttrichshausen.
Schlüchtern, den 19. Januar 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
Kreisausschuß.
KuUeuversteigernnge«
J=ttr. 249 K. A. Die nächsten Bullenoersteigerungen des Verbandes Kurhefsischer Fleckviehzüchter finden am Mittwoch, den 3. Februar d. Js. in Hersfeld
(städt. Halle), :
am Donnerstag, den 4. Februar d. Js. in Fulda > sviehmarktplatz) und
am Freitag, den 5. Februar d. 3s. in Kirchhain (städt. Halle) jeweilig ab 11 Uhr vormittags statt.
_ Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, obige - Termine ortsüblich bekannt zu machen.
Lchlüchtern, den 23. Januar 1932.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
T-Nr. 300 K. A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- i unb Landgemeinden des Kreises werden hiermit an die . Erledigung meiner Verfügung vom 24. November u. Js.
J-Nr. 5567 K. A. — betr. Erstattung von Vorschlägen über die Durchführung von Meliorationen im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes nochmals mit einer Frist von 10 Hagen erinnert.
Schlüchtern, den 25. Januar 1932.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
Nach einer Meldung aus Schanghai sollen die Ja- lauer angekündigt haben, daß sie Teile von Groß-Schang- „sU darunter die Thinesenstadt, das Arsenal und die chrne- ' ^^«>r städtischen Gebäude besetzen werden, falls ihre For- rerungen nicht erfüllt werden. Die Besetzung wird inner- i ‘/all 48 Stunden erwartet.
Die Verluste an Menschenleben durch den Vulkan- , "Umbruch in Guatemala sind bedeutend geringer als man ; befürchtet hatte. Die Regierung schätzt die Zahl Todesopfer auf nur 10. :
Vertrauen zu Deutschland.
Das Ergebnis der Slillhalteverhandlungen.
Berlin, 25. Januar.
Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Vertretern ausländischer Gläubigerbanken und Mitgliedern des deutschen Schuldnerausschusses ist nunmehr ein als „Deutsches Kreditabkommen 1932“ bezeichnetes Abkommen zustandegekommen, dessen Annahme die Vertreter ihren Ausschüssen empfehlen wollen und das, ohne formell und inhaltlich eine bloße Fortsetzung des am 29. Februar 1932 ablausenden Abkommens über die kurzfristigen deutschen Auslandsschulden zu sein, die Rechtsbeziehungen zwischen den ausländi- schen Bankengläubigern und den privaten Schuldnern kurzfristiger Kredite im Sinne einer Aufrechterhaltung dieser Kredite für ein weiteres Jahr regelt.
Gleichzeitig mit der Veröffentlichung des neuen Abkommens wird ein Bericht des Stillhalteausschusses der ausländischen Gläubiger der Oeffentlichkeit übergeben. In diesem Gutachten, das in seiner Bedeutung dem der von den Regierungen ernannten Baseler Sachverständigen nicht nachsteht, stimmt der Ausschuß den Ergebnissen der Baseler Sachverständigen nachdrücklich zu. Es heißt dann weiter
„Der Liquidationsprozeß ist in Deutschland weiter fortgeschritten als in irgendeinem anderen großen Lande, da Deutschland nicht nur den Folgen der Weildepression, sondern auch einem fortdauernden und außergewöhnlichen Druck von außen ausgesetzt war. Deutschland hat den Verlust eines großen Teiles feines Betriebskapitals, der durch den Krieg, die schweren Nachkriegszahlungen an fremde Staaten und die „Inflation" Entstanden ist, durch lang- und kurzfristige Kredite vom Anhand in großem Umfang ausgeglichen.
In den letzten 16 Monaten hat es jedoch der Außenwelt sehr bedeutende Summen zurückgezahlt — ein Prozeß, der von seiner Kraft Beweis ablegte, aber zugleich auch sein ganzes Kreditsystem und seine auswärtigen Kreditverpflichtungen auf eine außerordentlich schwere Probe stellte."
Unter „Allgemeine Gesichtspunktes wird gesagt, daß der Ausschuß angesichts dieser Tatsachen als
das wichtigste Interesse der Gläubiger
ansah, das Kreditsystem in Deutschland im allgemeinen uno die Reichsbank im besonderen zu stärken. Seine Einstellung gebt dahin, die Reichsbank und die Stabilität der Währung zu schützen und das Vertrauen wiederherzustellen. Weiter erklärt der Ausschuß u. a.:
Die deutsche Besteuerung hat nunmehr eine Höhe erreicht, die, wie in dem Baseler Bericht festgestellt wurde, nicht mehr überschritten werden kann. IBir sind der gleichen Meinung. Die Regierung hat außerdem die Ausgaben in drastischer Weise vermindert.. Ein Haus- Halksfehlbetrag ist trotzdem weiter vorhanden.
Der Ausschuß stellt fernerhin ausdrücklich fest, daß die kurzfristigen Beträge in ihrer Gesamtheit zweckmäßig angelegt wären. Wichtig ist folgende Auslassung: Das Entgegenkommen seitens der Stillhaltcgläubiger macht es erforderlich, daß dk deutschen Mittel nicht zersplittert werden zur Befriedigung von Ansprüchen außerhalb des Slillhalte- Abkommens. Die Reichsbank hat den Ausschuß brieflich von der Absicht der deutschen Regierung unterrichtet, unter Mitwirkung der Reichsbank einen „Ausschuß für Auslandsschulden" zu schaffen, der , ermächtigt von Regierung und Reichsbank, eine allgemeine Kontrolle über alle Zahlungen ausüben soll, die sich aus der gesamten deutschen Auslandsverschuldung, sowohl innerhalb wie außerhalb des Stillhalteabkommens, ergeben. Der Ausschuß ist überzeugt, daß dies die Interessen der Still- Halls-Gläubiger wahren wird, und versichert, daß, solange diese Gläubiger keine weiteren Kapikalrückzah- lungen erhalten, auch keinerlei Zahlungen an Gläubiger außerhalb der Stillhaltung geleistet werden, es sei denn, daß dies für die Aufrechterhaltung des deutschen Kredites als notwendig erachtet werde.
Kapitel: „Wiederherstellung der Kreditfundamente" ent- hält die bemerkenswerten Sätze:
Das Problem des Kredits ist gelöst wenn die Gläubiger Kredite, die sie nach eigenem, Gutdünken hätten zurückziehen können, bereitwillig und vertrauensvoll weiter gewähren.
Es leuchtet ein, daß eine Regelung der deutschen Auslandsverpflichtungen, die jetzt Gegenstand von Verhandlungen der Regierungen bildet, ein entscheid-ndes Element in diesem Problem bedeutet. Der Ausschuß kann nur wiederholen, daß er all das sich zu eigen macht was bezüglich dieser Probleme von den beiden Baseler Ausschüssen gesagt worden ist. Deutschland kann an die Außenwelt nur Zahlungen leisten, wenn es in der Lage ist, einen Ausfuhrüberschuß von Gütern hinauszusenden.
In den Schlußfolgerungen heißt es: Die Gläubiger haben alles aufgeboten, um dafür zu sorgen, daß die nächsten 12 Monate für Deutschland eine Periode der Erholung gewährleisten. Der Ausschuß hat einen tiefen Eindruck gewonnen von den überaus großen Anstrengungen und Opfern, die die deutsche Regierung und das deutsche Volk auf sich lahmen, um ihre Stellung inmitten nie dagewesener Schwierigkeiten zu behaupten.
Der orutsche Wirtschastskörper r ügt gewaltige Wieder- aufbaukräfte in fich, die zum Vorschein kommen werden, fo- bald günstigere Weltverhältnisse eintreten, und es ist au-
erläßlich, daß die Hemmnisse einer solchen Entwicklung be- fertigt werden. Das wird nicht einkreten ohne positives handeln der Regierungen und Völker auf dem Gebiet der internationalen Zusammenarbeit, und, wie die beiden Baseler Ausschüsse dringend gefordert haben, ift keine Zeit zu verlieren.
Die gegenwärtige übersteigerte Krise muß dahin führen, daß die Völker der Erde miteinander verarmen. Das Gegenteil muß erreicht werden.
Zahlungsaufschub keine Hilfe.
Eine Erklärung des Senators Borah.
Washington, 25. Januar.
Zu der französischen Forderung nach einer Verlängerung des Zahlungsaufschubs erklärte der amerikanische Senator Borah, daß dadurch keine wirksame Abhilfe gefchas- fen würde. Ein Zahlungsaufschub unter den jetzigen Verhältnissen wirke wie die Verschiebung einer Operation, bis der Patient an Schwäche sterbe.
Zum Bedauern, das Herriot über die Ablehnung Amerikas zum Ausdruck brächte, stellte Borah fest, daß die Bereinigten Staaten großes Interesse daran nehmen würden, wenn Frankreich ein Arbeitsprogramm oorlcge, das zu der Hoffnung berechtige, daß ein n°uer Tag für s - üebfüuf- bau Europas anbreche. „We ützt", io sch p ra .ein neuer Zahlungsaufschub un' en ^Ymyuage )ü .anal in seiner Rede gestellt hat, und wi unten die 2 rigten Staaten interessiert sein?"
Volksentscheid in Danzig gescheitert.
Wahlbeteiligung durchschnittlich 20 Prozent.
— Danzig, 25. Januar.
Der auf das Betreiben der Kommunisten eingeleitete Volksentscheid, der die Auflösung des Danziger Volkstages und den Sturz der jetzigen bürgerlichen Rechtsregierung zum Ziele utfe, ist .ssche.°?rt. Die Wahlbeteiligung betrug durchschnittlich 20 Prozent.
Der Volksentscheid wurde außer von den Kommunisten noch von den Sozialdemekraten und den Polen linterstützt, während die Nationalsozialisten und sämtliche bürgerlichen Parteien die Parole der Nichtdeteiligung ausgegeben hatten. Der Wahltag nahm einen ruhigen Verlauf, es ist nirgends zu Zusammenstößen gekommen.
Um die Senkung der Ausfchankpretse.
Jn der Frage der Vierpreissenkung hat das Gastwirts- gewerbe dem Reichskommissar für Preisüberwachung mitgeteilt, daß die Gastwirte nicht in der Lage seien, zur Senkung der Ausschankpreise Borschläge zu machen. Das Gastwirtsgewerbe erkenne die Notwendigkeit einer fühlbaren und den Verbrauch belebenden Preissenkung durchaus an, sei aber der Auffassung, daß hierzu die Senkung des Brauereipreises um nur 2 RITT, für das Hektoliter nicht ausreiche. Das Gewerbe habe den lebhaftesten Wunsch, einen fühlbaren Abbau des Russchankpreises vorzunehmen, allein dies fei nur durch eine gleichzeitige Senkung der überspannten Bierfleuer möglich.
Der Abbau der höheren Schule«.
Jn den Beratungen des Ausschusses für das Unterrichts- Wesen ist von den Beauftragten des preußischen Kultusministeriums darauf hingewiesen worden, daß bei dem Abbau und der Zusammenlegung von höheren Schulen die Lesckäftiaungsmöglichkeil für die Assessoren, die schon jetzt sehr stark eingeschränkt sei, weiter verringert werden würde. Hinzu komme, daß schon bisher ohne Zutun des preußischen Kultusministeriums rund 450 Klassen eingegangen seien. Bei normaler Weiterentwicklung würden bis 1940 etwa 2000 Klassen der höheren Schulen verschwunden sein.
— Jn der vergangenen Nacht wurden in Dresden sämtliche Fensterscheiben, darunter auch solche mit wertvollen Glasmalereien, der Thristuskirche eingemorfen. Ein „Schriftsteller" und ein „Architekt" wurden als die Täler festgenommen.
—- Sonntag vormittag kam es in Berlin zwischen Anhängern der NSDAP und Andersdenkenden zu einer schweren Schlägerei, in deren Verlauf ein Mitglied der NDAAP, ein 16jähriger Junge, durch einen Messerstich getötet wurde. Die Täter sind unerkannt entkommen.
— Nach Meldungen aus Peking finden Kämpfe zwischen chinesischen Freiwilligen und regulären japanischen Truppen in der Gegend von hulutav statt. Die Bildung chinesischer Freischaren wird in Peking eifrigst betrieben.
— Der führende amerikanische Bankier Paul Marburg, der deutscher Abstammung ist und dem bekannten Hamburger Bankhaus Warburg entstammt, ist Sonntag abend in Newvork im 63. Lebensjahre gestorben.
— Auf der dem Klöckner-Konzern gehörenden Schacht- anlage Viktor 1 2 kommen 500 Arbeiter und 50 An- gestellte megen Absatzmangel zur Entlastung.