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(1. Blatt)
Donnerstag, den 7. Januar 1932
84. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
3m Monat Dezember sind folgenden Personen Jagdscheine ausgestellt worden:
a. Iahresjagdscheine:
Kern, Karl, jun. Frankfurt,
Bauer, Rlfcms, Bad-Brückenau,
Ulrich, Christian, Gastwirt, Schwarzenfels Lehman», Kurt, Betriebsleiter, Schlächtern Dehler, Wilhelm, Kaufmann, Schlächtern, Dehler, Karl, Kaufmann, Schlächtern, Roth, Joachim, Gberrealschüler, klhlersbach Dolender, Georg, Kaufmann, Schlächtern Schwaab, Wilhelm, Reichsbahnsekretär i. R.
Kerbersborf,
Dr. von Rühlmann, Ramholz,
Rugustin, Oberförster, Romsthal,
Wedel, Förster, Ramholz, Michel, Förster, Ramholz, Hartmann, Revierförster, Hinkelhöf.
b. Tagesjagdscheine: Rother, flhalbert, Verwalter, Rhlersbach.
Schlächtern, den 4. Januar 1932.
Der Landrat. 3. V.: Duwe.
Kreisausschutz.
I.-Rr. 19 K. st Die Herren Standesbeamten der Landgemeinden des Kreises mache ich auf den am 15. Januar d. 3s. um 945 Uhr in Rad Grb (Pension Ronetznp, Sauer- bornstraße) stattfindenden standesamtlichen Fortbildungskur- sus aufmerksam und ersuche, an demselben teilzunehmen. Die Tagesordnung ist auf dem den Herrn Standesbeamten bereits zugegangenen Plan abgedruckt. Sofern einer der Herren Standesbeamten an der Teilnahme verhindert sein sollte^ ersuche ich den ^Stellvertreter zu entsenden. Das amt- fli* Handbuch ist mitzubringen.
Schlächtern, den 5. Januar 1932.
Der Vorsitzende des Rreisausschusses. Dr. Müller.
Stadt Steinau.
Bekanntmachung.
!Die Brandsteuererhebung findet am 7. Januar 1932 um 11 Uhr in der Gastwirtschaft Eckart statt.
Die Branbfteuern werden wie in den Vorjahren in einer Summe erhoben. Rbgezähltes Geld erleichtert die Hebung. > Rinder sind tunlichst nicht zur Hebung zu schicken. Die Hebung beginnt präzise um 11 Uhr und muß pünktlich 3 Uhr geschlossen werden, da noch in anderen Gemeinden Hebung stattfindet. Zinsen und Mobiliaroersicherungsbei- träge werden im Termin ebenfalls entgegengenommen. _ Räch Beendigung der Hebung wird voraussichtlich Herr Landesrentmeister Hoff einen vor trag über die Lage des Geldmarkts in Bezug auf die Landeskreditkasse halten.
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Wird veröffentlicht.
Steinau, den 4. Januar 1932.
Der Bürgermeister: Dr. Kraft
Hoovers Appell an den Kongreß.
Schleunige Verabschiedung der Wirtschaftsvorlagen gefordert.
Washington, 5. Januar.
Präsident Hoover hat dem Kongreß eine Sonderbot- schaft übermittelt, in der er die schleunigste Erledigung der Wirtschaftsvorlagen fordert. hoover hebt hervor, daß die allgemeine Wirtschaftslage zur Zeit schlimmer sei, als noch , vor wenigen Wochen, wo er die Gründung d^r Wiederauf- baugescllschaf» empfahl. Er ist der Ansicht, daß Amerika sich unabhängig von der übrigen Well wirtschaftlich wieder erholen könne.
Die Brotpreissenkung überall durchgeführt.
Wie von Seiten des PrekskoMmissärs mitgeteilt wird, ist die Preissenkung für Brot gemäss dem Abkommen mit dem Germania-Verbund überall üurchgeftihrt worden. Teilweise ist der Preis für das Brot sogar um 8 bis 9 Pfennige gesenkt worden. Du Nordhausen find die Preise für Gas, elektrisches Licht, Wasser und Kanalgebühren in dem erforderlichen Umfang ermäßigt worden.
Anhalt!sche Regierung gestürzt.
Der Anhallifchc Landtag nahm einen deutschnationalen MIH- trauensnntrag mit 1!) gegen 17 Stimmen an. Für den Miß- frauensnntrag stimmten DcutschmUionale, Deutsche Volkspartei, Hausbesstzer, der Nationalso'zialist und die Kommunisten: dagegen Snziatdcmvkraten und Denwkraten. lllach der Annahme des Miß- tranensantrages erklärte Ministerpräsident Deist sofort den Räck- trilt der anhaltischen Regierung. Man rechnet mit der Wiederwahl öes felsigen Ministeriums, das die Staatsgeschäfte bis zu den Landtagswahlcn im Mai führen dürfte.
Außenpolitik nur mit Brüning.
Die Hauptkoalitionsbedingung des Zentrums.
Mainz, 6. Januar
Im „Mainzer Zentrumsblatt" veröffentlicht der Vorsitzende der hessischen Zentrumspartei, Rechtsanwalt Dr. Bockius, M. d. R., einen Artikel „Im Jahre 1932 hinter Brüning". Es heißt darin: „Soweit es an uns liegt in Deutschland, müssen wir geschlossen auftreten.
Das heißt aber nichts anderes, als daß das ganze deutsche Volk sichtbar und offen hinter dem verantwortlichen Staatsmann, dem Kanzler und Außenminister Brüning, zu treten hat. Das ist das Gebot der Schicksalsstunde Deutschlands im Anfang des Jahres 1932. Deshalb ergebe sich für uns in Hessen daraus auch die Konsequenz, daß wir von jeder Partei, die mit uns in eine Regierung treten will, verlangen müssen, daß es in Deutschland nur eine Außenpolitik gibt, die Außenpolitik der Reichsregierung Brüning. die im Reichsrat unterstützt werden muß.
Wir stehen vor Wahlen in Preußen und vor der Reichspräsidentenwahl ebenfalls in diesem Schicksalsjahr. Niemand kennt den Ausgang dieser Wahlen. Soviel jedoch erscheint als sicher: in den nächsten Jahren wird keine Partei die absolute Mehrheit erhalten. Dies haben die Hessenwahlen gezeigt.
Es wird im übrigen Deutschen Reich genau so fein, weil der katholische Volksteil dem Zentrum die Treue hält, wenn auch alle Parteien rechts von ihm zerschlagen werden sollten. Nach allen Wahlen wird das Zentrum mitregieren müssen. Mit dem Zentrum kann man jedoch nur verantwortlich regieren und auch wohl aus weite Sicht hinaus nicht ohne Brüning, den gegenwärtigen Exponenten des Zentrums.
Auch die Nationalsozialisten, die danach nicht dazu kommen werden, auf Grund von Wahlen in Deutschland allein zu regieren, müssen sich eventuell einmal entscheiden, Dom Regieren sich dauernd fernzuhalten oder völlig verantwortlich zu arbeiten, also umzulernen, wie es vor ihnen schon so viele andere Parteien tun mußten. Vielleicht könnten sie in der Zukunft einmal als eine Zujammenfasjuncc TMrMechten in einer Verantwortung eine geschichtliche Bedeutung im aufbauenden Sinne erhalten, die sie bis jetzt nicht haben Das wäre allerdings eine Zeit, wo SS. und SA. neben de gesetzlichen Machtmitteln des Staates aufgehört hätten s erstehen. &
politischer Hochbetrieb
Reichsfinanzminister Dietrich in Nürnberg.
Reichsfinanzminister Dr. Dietrich führte in Nürnberg auf einer Versammlung der Staatspartei aus, die Friedensdiktate hätten in Europa einen auf die Dauer unmöglichen Zustand geschaffen. Die Krise könne nicht durch Agitations- reden radikaler Agitatoren überwunden werden, sondern nur durch die Geschlossenheit des deutschen Volkes und das Durchbrechen der Vernunft auch bei den anderen Völkern.
Duesterberg in Hannover.
Der Stahlhelmführer Duesterberg erklärte auf einer Versammlung in Hannover, nicht Moratorien könnten aus der Krise helfen, sondern allein die völlige Beseitigung der Tributzahlungen. Wenn die Regierung Brüning in Lausanne das von allen nationalen Deutschen ersehnte „Nein" spreche, habe sie den Stahlhelm hinter sich.
Rosenberg in Essen.
Auf einer Kundgebung führte der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Rosenberg aus, Deutschland habe einen Rechtsanspruch auf internationale Abrüstung. Eine aktive deutsche Außenpolitik müsse auf eine allgemeine Friedenskonferenz hinarbeiten und müsse den Gegnern sagen, daß Deutschland schon übergenug Tribute gezahlt habe.
Graf Reventlow in Münster.
Graf Reventlow forderte auf einer Versammlung in Münster eine Verständigungspolitik, die auf Gegenseitigkeit vor sich gehe und nicht Deutschland als Nation zweiter Klasse behandle. Die Nationalsozialisten seien bereit, mit allen Regierungen zu verhandeln, da sie nicht den Krieg, sondern den Frieden wollten. Die bisherige Verständigungspolitik hätte jedoch die Kriegsgefahr vergrößert.
Reue Länderkonferenz über die Wasserstrahenfrage.
Berlin, 6. Januar. Auf der Konferenz der Länder teilte Minister Treviranus noch mit, daß er zur Klärung der grundsätzlichen Fragen demnächst die zuständigen Länder- minister zu einer persönlichen Aussprache nach Berlin bitten werde. Ferner soll der Mindestbedarf der Reichswasser- straßenverwaltung an Behörden und Personal ermittelt werden.
Alles auf Iributtonfo!
Das Pariser Strafgericht hatte sich mit einem Prozeß zu beschäftigen, der wieder einmal deutlich beweist, wie man bei der Aufstellung der während des Weltkrieges erlittenen Schäden ver fahren ist. Der Angeklagte, ein Industrieller aus Reims, hatte es fertiggebracht, nicht weniger als 50 Millionen Franken mehr Kriegsschäden zu erklären und auch einzukassieren, als er in Wirklichkeit erlitten hatte. Das Gericht verurteilte ihn zur Rückerstattung der Mehreinnahme, zu drei Jahren Gefängnis und zu 500 Franken Geldstrafe.
Warum die Tribute?
Frankreichs Konkurrent soll ausgeschaltcl bleiben.
Paris, 6. Januar.
Der Grundsatz der Pariser amtlichen Kreise, daß es sich bei der Aufrechterhaltung der Tribute weder um die sogenannte Durchführung verbriefter und heiliger Rechr«, noch um eine Lebensnotwendigkeit des französischen Volkes oder um eine Wiedergutmachung der durch den Krieg verursachten Schäden handelt.
sondern einzig und allein um die Möglichkeit, Deutsch- land solange wie möglich am Boden zu halten, um einen ernstlichen Konkurrenten für Frankreich auszu- schalten,
wird jetzt im „Echo d e Paris" ganz offen ausgesprochen. Wenn Deutschland von den Tributen befreit werde, so erklärt er, dann werde es nach Ablauf der augenblicklichen Krise auf dem internationalen Markt ur"m- stritten die Uebermacht gewinnen. Außerdem werde es um so schneller an den zweiten Punkt seines Programms, nämlich die Gebiets- und politischen Forderu^aen, Herangehen, je eher es von der Last der Tribute befrei, werde.
Auch in anderen Blättern wird betont, daß Frankreich durchaus nicht freiwillig und ohne Gegenleistung auf . die Tribute verzichten dürfe.
So sagt „ E r e N e u o e l l e ", diese Angelegenheit komme erst nach der Streichung der interalliierten Schulden durch Amerika und der Regelung der kurzfristigen Kredite in Betracht, die beide nicht den „geheiligten Charakter" hätten, wie gerade die Tribute. Deutschland müsse sich endlich zu einer Politik der Organisierung des Friedens bekennen und alle Sicherheiten geben, die eine derartige Politik verlange.
Hoesch kommt nochmals nach Berlin.
Der deutsche Botschafter von Hoesch wird in den nächsten Tagen nochmals nach Berlin reifen, um das Reichs- kabinett über die Auffassung der französischen Kegicrungs- kreise zur Tribut- und Abrüstungsfrage zu unterrichten.
E>iÜ! Hütte-Abkommen für ein weiteres 3»br?
Das Skillhaltekomitee in Berlin verhandelt, wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, nur noch über die Verlängerung des bisherigen Stillhalte-Abkommens um ein Jahr und über gewisse Verbesserungen dieses Abkommens. Alle weitergehenden Pläne scheint man faliengemfien zu haben, um noch vor Beginn der Tribulkonferenz zum Abschluß zu kommen.
Professor Lasset über Weltkrise und Tribute.
Stockholm, 6. Januar
Professor Gustav Cassel nimmt in einem Artikel des „Svenska Dagebladet" Stellung zu der Frage „Tributzah- lungen und Weltwirtschaft". Gaffel erinnert an das französische Verlangen, die schuld am Weltkriege ein für alle mal durch eine erzwungene Unterschrift festzustellen, und sagt weiter, Frankreich habe die Baseler Verhandlungen unter dem Leitsatz begonnen, daß Deutschlands Zahlungs fähigreit im Poungplan festgestellt sei und deshalb nicht erörtert werden könne. Schon die geistige Einstellung eines solchen Leitsatzes sei bezeichnend für die französische Denkweise.
Abgesehen hiervon begehe Frankreich den großen Feh- > ler, daß es Deutschlands Zahlungsfähigkeit als eine gegebene Größe binflelle, was unrichtig und unerhört fei. Frankreich habe ja selbst anerfennen müssen, daß Deutschland im Augenblick zahlungsunfähig sei. Weiler habe Frankreich allerdings nicht gehen wollen, sondern dann vielmehr behauptet. daß die Weltwirtschaftskrise bald zu Ende gehen müsse. Das sei aber eine durch und durch unmoralische Ansicht.
Die ganze Tributpolitik müsse ihre innere Unmöglichkeit erkennen, wenn nachgewiesen werde, daß die Tributzahlungen tatsächlich an der Weltkrise schuld seien. Daher sei auch bei der Baseler Konferenz ein zweifellos von französischer Seite beeinflußtes Telegramm bemerkenswert, das die Konferenz auf den Grundsatz festlegen wollte, die Weltwirtschaftskrise und die Tributzahlungen hätten nichts miteinander zu tun.
Die Tributforderungen hätten die Goldstandard» der Welt und den internationalen Handel ins Verderben gestürzt. Deutschland habe nämlich außer den Tributen die Zinsen der für frühere Tributzahlungen geliehenen 10 Milliarden Auslandsschulden zu zahlen.
Hierfür sei ein gewaltiger Ausfuhrüberschuß nötig, den die Gläubigerstaaten jedoch nicht aufnehmen wollten. Die Vereinigten Staaten und Frankreich hätten schließlich soviel Gold an sich gerissen, daß in den übrigen Ländern eine Goldknappheit entstand und alle Preise fielen. Dadurch sei die Summe der Tribute und der übrigen Schulden noch weiter in die Höhe geschraubt worden. Aus diesen Gründen habe das internationale Goldstandardsystem zusammen- brechen müssen.
Tributkonferenz am 25.3anuar.
Bern, 6. Januar.
Der Bundesrat der Schweiz hat der Einberufung der Reparalionskonferenz nach Lausanne nunmehr offiziell zugestimmt. Die Konferenz wird am 25. Januar beginnen. Als Vertreter des Gastlandes wird Bundespräsident Motta der Eröffnungssitzung beiwohnen.