Weidwerk im Härtung.
Mit dem neuen Jahr begann für die Jünger Huberti eine Zeit, die jagdlich bedeutend stiller ist, als des vergangenen Jahres letztes Viertel; die eigentliche Erntezeit ist zu Ende. Zunächst rückt da, wo sie noch nicht begonnen hat, die Schonzeit für Hasen immer näher heran, und, wenn die Witterung so verhältnismäßig milde bleibt, wie sie es im Durchschnitt in den meisten Revieren Deutschlands bisher war, dann macht auch dort, wo der Hasenbesatz es an und für sich zulassen würde, noch den einen oder den anderen Krummen auf den ^opf zu stellen, der Jäger auch ohne gesetzliche Vorschrift Schluß mit dem Abschuß, weil dann die Gesellschaft mit den langen Löffeln bereits mit dem Rammeln beginnt. Der erste satz ist nämlich für die Entwicklung des Hasenbestandes im laufenden Jagdjahr von so weittragender Bedeutung, daß Häsinnnen, die befruchtet sind, unbedingt unbehelligt bleiben müssen.
In vielen Ländern darf im Härtung noch weibliches Rot- und Damwild zur Strecke gebracht werden, was am zweckmäßigsten auf Pürsch und Anstand geschieht, denn bei den an und für sich so reizvollen Drückjagden besteht, weil die Tiere meist flüchtig ^or die Schützen kommen, die Gefahr, daß gerade solche Stücke von der Kugel erwischt werden, die man im Interesse der Wildhege am Leben lassen sollte. Früher durfte in Preußen im Januar auch noch männliches Rot- und Damwild besagt werden, aber eine Er- gänzungsverordnung zur Verordnung zum Schutze der Tier- und Pflanzenwelt vom 16. Dezember 1929 hat mit sofortiger Wirkung den Beginn der «chutzzeit für diese Wildgattung auf den 1. Januar festgesetzt. Wildenten haben in Preußen ebenfalls vom 1. Januar ab Schonzeit, überhaupt in den meisten Ländern; wo sie aber bejagt werden dürfen, da schießt man zweckmäßig nur noch Erpel ab, die ja jetzt in ihrem in herrlichen Farben schillernden Winterkleid so leicht zu erkennen sind. Wo Wildgänse noch ziehen, lohnt sich mitunter noch der Anstand am Abendeinsall; man vergesse aber nicht, daß in Preußen die Brandgans zu den dauernd geschützten Vögeln zählt. Das Buschieren auf Fasanen kann dort, wo sie einigermaßen gut geraten sind, noch den einen oder den anderen Gockel an den Galgen bringen. Das Wildbret ist, wenn noch keine Winternot vorhanden war, außer- ordenrlich schmackhaft und begehrt. Die Hennen jedoch läßt man jetzt am besten unbeschossen.
Unser uriges Wild, das Schwarzwild, feiert Hochzeit. Wenn es von der Kultur nicht ganz verschlungen werden soll, dann trägt die Jägerwelt nur dem Keiler die tödliche Kugel an und läßt die Bache leben. Hubertus sei Dank, daß es heute schon einfache bürgerliche und bäuerliche Jäger gibt außer den „Herrenjägern", die noch ein Herz haben für dieses verfemte Wild, die den Standpunkt des Dichiers rechtfertigen:
Gerechte Weid — ein Privileg Von sogenannten feinen Leuten? Da lach' ich nur. Den gleichen Weg, Kann auch der schlichte Mann beschreiten.
Die vom „Rauhen Grund".
Roman von Paul Grabein.
Romandienst DIGO Berlin W. 30.
57) (Fortsetzung.)
Nachdem er abgelegt, trat er zum Schreibtisch. Die Post, die in seiner Abwesenheit eingelaufen war, harrte dort bereits seiner. Er sichtete die Eingänge. Ein Kuvert mit Trauerrand war darunter. Er erbrach es. Eine gedruckte Danksagung für die anläßlich des Trauerfalls erwiesene Aufmerksamkeit, erstattet von Eke von Selbach geb. Grund und Eberhard von Selbach.
Sein Auge blieb auf dieser Unterschrift hängen, mit einem starren Ernst. Da gehörte sie nun zu dem andern, eng und unauflöslich, die einmal sein eigen hatte werden sollen. Jetzt wäre die Stunde dagewesen, auf die sie damals so sehnsuchtsvoll gewartet hatte. Frei von jedem fremden Willen hätte sie an seine Seite treten können, vor aller Welt! Und nun?
Hart lachte er aus. Aber die Hand, die das Blatt hielt, zitterte. Dann warf er die Anzeige beiseite, zu dem Erledigten, und griff nach andern Eingängen.
Es gab gleich zu tun. Wenn man ei. ..ai ein paar Tage fort war, sofort war es zu merken. Nun, es war gut.
Doch die Wirtschafterin störte ihn bald wieder: ein Besuch, Doktor Herling. Er stand auf und trat dem Freunde entgegen. Der begrüßte ihn mit frischer Stimme. Er sah überhaupt verjüngt aus, froh und zufrieden. Recht wie ein junger Ehemann. Im Februar hatte der Doktor nämlich beim Wintersport aus dem Astenberge ein Mädchen kennengelernt, nicht ganz jung mehr und keine Schönheit, aber ein guter Kamerad; das hatte er sich nun heimgeholt vor ein paar Wochen. Und freute sich jeden Tag, den Gott werden ließ, von neuem dieses gescheiten Einfalls. Auch jetzt, wie er sich nach erfolgter Begrüßung Gerhard im Sessel gegenüber niedergelassen hatte.
„Ich sage' dir, alter Junge, es geht nichts über die Ehe! Man wird ja erst richtig ein Mensch, wenn man sein eigen Haus hat, eine Frau darin. Ich bet» steh' dich nicht, wie du es noch immer so aushalten kannst."
Bertsch zuckte die Achseln. Er sah nicht auf dabei. Seine Hand ordnete wie gedankenverloren an dem Briefstoß vor ihm. Der andere aber ließ nicht ab^ „Du mußt auch heiraten! Herrgott, ein Kerl wie du, der findet doch bald jemanden." ____L ____
„Gewiß, eine Frau zu finden, die einen heiratet das wäre wohl nicht allzu schwer. Aber — man muß doch auch sie wollen."
„Ach so, die Liebe meinst du? Ja, mein Bester, da will ich dir mal was sagen. Das mit der großen 'Leidenschaft, das ist ja alles Ueberspanntheit! Braucht's
3&sr P Mn Pßad so rauf) tmi> steil Als jener and're schon geglättet, Und wird vielleicht ein groß'rer Teil Der Jägerehre hier gerettet.
Archer dem Schwarzwild ist auch den Füchsen die Liebe siedend heiß in die Adern gefahren. Freund Reineke ist den ganzen Tag über und die Nacht dazu auf den Läufen, um Frau Ermeline zu suchen und um ihre Gunst zu werben. Liebe macht blind, und so kommt es, daß auch der rote Freibeuter blind und unvorsichtig wird zur Freude des Grünrocks, der erst recht der lachende Dritte ist, wenn Neuschnee, der weiße Leithund, ihn verrät, wo das verliebte Paar seine Schnur zog. Dann weidwerkt er mit Hasenquäke oder Mäusepfiff, oder er läßt sich die Dickung, in der das Hochzeitspaar steckt, durchdrücken, oder er sprengt mit seinem , Dackel oder seinem Terrier den Bau, in dem sich der Galan mit seiner Braut zu einem Schäferstündchen zurückgezogen hat. Kommt er dann so oder so durch einen blitzschnell hin- geworfenen und richtig sitzenden Schuß zu einem Prachtbalg, dann kennt seine Freude keine Grenzen.
Man sieht, es gibt im Härtung, trotz der Schonzeiten, noch viele, herrliche Weidmannsfreuden. Die Hauptsache aber muß für den weidgerechten Grünrock im Januar die Hege sein, denn der Winter kann noch erst kommen. Beweis: Das swhr 1929.. Wer also bis jetzt nichts für sein Wild getan hat, der beginne sofort, in letzter Minute damit, ehe es zu spät ist. Sind aber die Schüttungen und Fütterungen in Ordnung und ordentlich beschickt, dann kann der Heger mit großer Zuversicht den kommenden Dingen entgegenseben.
Turnen und Sport.
Fußball im Reich.
Außer den beiden Hauptspielen Nord gegen Süd ( (2:5) und München—Berlin (4:2) gab es zum Jahres beginn nur wenige Fußballkümpfe. Norddeutsch land hatte nur zwei Spiele auf dem Programm: Stadtmann- schaft Kiel (Bezirksliga)—Stadtmannschaften Gaarden 3:6: , Bremer SV—Rasensport-Harburg 8:6. In We st d e uts ch- land gewann Schalke 04 vor 6000 Zuschauern in Benrath ; gegen eine Kombination von VfL.-Benrath und SV. 04- Tüsseldorf knapp mit 2:1. Kuzorra schoß die beiden Schalter Tore. Bonner FV. und Fortuna-Düsseldorf spielten unentschieden 2:2.
Bei den süddeutschen Verbandsspielen gab es in der Maingruppe eine Ueberraschung, da Rot-Weiß-Frankfurt den Lffenbacher Kickers mit 0:2 unterlag und für den zweiten Platz nicht mehr in Frage kommt. FSV.-Frankfurt besiegte Germania mit 2:1, während Eintracht mit 9:2 über den VfL.-Neu-Jsenburg triumphierte. Gesellschaftsspiele: Sportfreunde-Etzlingen—FTC.-Budapest 3:8, Offenburg- : Kehl-Lahr—Wiener AC. 1:5, Wacker-München—Hungaria- Budapest 3:5. Der FC.-Freiburg besiegte in Basel den dortigen FC. etwas überraschend mit 4:3 (1:3).
Die Spiele in Mitteldeutsch!«and brachten folgende Ergebnisse: Ostsachsen—Turngau Mittelelbe 11:1; Polizei-Chemnitz—Gau Mittelsachsen 5:2: Planitz—DSV.- Saa; 4:5: VfL.-Zwickau—Elsterberger BC. 2:4: Sturnl- Reichenbach—Bayern-Hof 4:8.
In Südo st deutschland blieb das Breslauer Pokalspiel 08—FV. 06 trotz Spielverlängerung unentschieden 1:1 und mußte wegen Dunkelheit abgebrochen werden. Beu- then-Seadt besiegte Beuten-Land knapp mit 3:2 (1:0).
Mitteldeutschland—Hungaria 4:1. Trotz des Regenwetters hatten sich 7—Witz Zuschauer aus dem Wacker-Platz in Halle eingesunden, die Zeuge eines spannenden Spiels zwischen der mitteldeutschen Auswahlmannschaft und Hungaria-Budapest wurden. Die mitteldeutsche Elf zeigte ein überraschend gutes Zusammenspiel, vor allem war die rechte Stirnseite im Angriff sehr gefährlich. . Bei den Ungarn zeichneten sich die schnellen Außenstürmer aus.
; denn das zur Ehe? Wenn man sich nur sympathisch ist und beiderseits den guten Willen hat, das genügt vollkommen. Das andere findet sich schon. Man gewöhnt sich aneinander und verwächst zusammen ganz von selbst."
„Ich weiß nicht — ich denke da doch anders. Vielleicht bin ich recht altmodisch, aber eine Ehe ohne Liebe — nein! Für den faden Haustrunk, den du mir da anpreisen willst, bin ich nicht zu haben. Die Frau, die ich in mein Haus, in meine Arme nehme, die —" Mit steigender Erregung hatte Bertsch gesprochen, doch jäh brach er ab.
Verwundert sah der Freund auf ihn.
„Das hätte ich nie von dir erwartet. Ich hatte dich immer für ganz kühl gehalten den Frauen gegenüber. Nur einmal —" Er verstummte nachdenklich. Dann fragte er Plötzlich: „Sag' mal: hast du eigentlich nie daran gedacht, daß Eke von Grund wohl eine Frau für dich gewesen wäre?"
„Eke von Grund? Nein — nie."
Ohne Besinnen kam die Antwort. Aber wohl etwas zu hart und schroff. Der Doktor schwieg. Doch die klugen Augen hinter der goldnen Brille ruhten beobachtend auf Bertsch, der sich jetzt tiefer über seine Briefe gebeugt hatte. Da trat ein Verstehen in des Arztes Blick, und ein Mitleid zugleich.
Er ließ das Thema fallen. Von diesem und jenem plauderte er noch. Dann sah er nach der Uhr und erhob sich.
„Abendbrotzeit — meine Frau wird mich schon erwarten. Ich muß heim. Aber, weißt du was, komm mit!"
Ein Kopfschüttcin.
„Ich will euer junges Glück nicht stören."
„Ach, Unsinn, du störst uns nicht. Im Gegenteil, meine Frau wird sich freuen."
„Vielen Tank, mein Alter." Bertsch drückte dem Freunde die Hand, „aber es geht wirklich nicht. Hier — du siehst ja, das will alles noch heute aufgearbeitet ; sein." .. । ।
Da gab Doktor Herling es auf.
„Wie du willst. Nun, dann bald ein andermal. Hörst ■ du?"
Wohl nickte Bertsch, aber als er den Freund hinausgeleitet und wieder ins Zimmer zurückkehrte, stand in seinen Zügen ein finster entschlossenes Nein. Allein fein, gut — damit wurde man fertig. Es mußte ja fein. Aber das Glück zweier anderer mitanschen und , oabeiftetjen mit leeren Händen, im Herzen das brennende Sehnen — nein, das konnte niemand verlangen! Gerhard Bertsch setzte sich wieder an seinen Schreib- , fisch: aber statt nach den zu bearbeitenden Eingängen, griff die Rechte in dunkelm Zwang nach dem Brieftorb: Erledigtes, und wieder starrte sein Auge auf den schwarzumränderten Bogen.
Eke von Selbach — die Frau des andern. Nie
Bereits nach 10 MüMsi kommt Mitteldeutschland in Führung, während die Ungarn gegen die gute Hintermannschaft nicht viel ausrichten können. In der 25. Minute gleicht Ungarn durch prächtigen Kopfball aus. Eine gute Steilvorlage bringt die Mittel- deutschen 10 Minuten später zur 2 :1-Führung und einige Minuten vor Schluß ist das Halbzeitergebnis von 3:1 hergestellt. Nach der Pause sind die Ungarn in ihren Angriffen gefährlicher, doch ohne Erfolg. Kurz vor Schluß schießt Mitteldeutschland das vierte Tor.
Fußball in Süddeutschland. — Club und Iürth überlegen. Don den vier angesetzten süddeutschen Meisterschafts-Endspieten wurden nur die beiden Spiele der Gruppe Südost durchgeführt, die mit klaren Siegen des 1. FC. Nürnberg und der SVg. Fürtb, der beiden Vertreter Nordbayerns, endeten. Ferner füllten Pokalspiele das Programm, wobei es keine sonderliche überraschenden Ergebnisse gab. — Zu Gesellschaftsspielen weilten zwei Wiener V-r- eine- in Suddeutschland zu Gast, beide holten sich Siege. Nachstehend die einzelnen Ergebnisse: SVg. Fürth—VfB. Stuttgart 3 :0, FV. Rastatt—1. FC. Nürnberg 0 :5, FC. Rheinfelde»— Phönix Karlsruhe 1:2, Eintracht Frankfurt—Union Niederrad 3 : 2, FSV. Frankfurt—VfL. Neiysenburg 3 : 0, FSV. Heuscn- stamm—Rot Weiß Frankfurt 3 :1, FC. Bayreuth—SS. Ulm 1:1, Wacken München—Würzburg 04 4 : 2, Teut. München—VfL. Fürth 6 :1, SV. Feuerbach—Schramberg 3 : 2, Stuttgarter Kickers—VfB. Karlsruhe 6 :1, FC. Freiburg—Austria Wien 2 :3, 1. FC. Pforzheim-Wiener AC. 3 : 6, SV. Waldhof—FV. Saarbrücken 2 : 0.
Deutsche Kunstlauf-Meisterschaften. Aus dem Rießersee begannen jetzt die Deutschen Kunstlaufmeisterschaften mit den Pflicht- Übungen. Den besten Eindruck hinterließen bei den Herren Maier—Labergo (München) und der Berliner Baier, bei den Domen Fräulein Michaeli (Berlin) und die Münchnerinnen Herder (13 Jahre alt!) und Jbscher.
Berliner Schlittschuh-Club gewinnt in St. Moritz mit 13:1. Das neue Jahr scheint für den BSC. einen besseren Start zu bringen, als man nach seinem mäßigen Abschneiden in Davos erwarten konnte. Beim ersten Spiel um den „St. Moritz-Pokal" zeigten sich die Berliner wieder von ihrer besten Seite, indem sie den Eishockey-Club St. Moritz mit 13 :1 (4 :1, 6 : 0, 3: 0) überlegen schlugen. Von Beginn an legten die Schwarz-Weißen ein enorm schnelles Tempo vor, welches sie im zweiten Drittel noch steigerten. Der „Schützenkönig" war diesmal G. Jaenecke, der allein sechs Tore auf fein Konto brächte, während R. Ball 3 und Bigelow und Brück je zwei Tore schössen, dem die St. Moritzer nur ein Ehrentor entgegensetzen konnten. — Racing-Club Paris und Mailand lieferten sich einen recht harten Kampf, den die Pariser mit 5:2 gewannen. Voraussichtlich wird sich in tot. Moritz der Endkampf um den „St. Moritz-Pokal" wieder zwischen Paris und Berlin abspielen und die Berliner haben Aussicht, diese Trophäe zu gewinnen.
Das Pariser Hallentennisturnier brächte bisher folgende Entscheidungen: Dameneinzel:Frau Goldschmidt—Frau Golding 6 : 3, 6 :3; Damendoppel: Sigart-Rosambert—Leila Anet-Neuseld 6 : 8, 6 :1, 6 :3; Gemischtes Doppel: Sigart-Perry—Neufeld-Merlin 6:4, 6:1.
Für die internationalen Tennismeisterschaften ist folgendes Programm aufgestellt worden: 18.—24. April Griechenland in Athen; 20.—30. April englische Hartplatzmeisterschaften in Bourne- mouth; 25. April—1. Mai Italien in Mailand; 22.Mai—5. Juni Frankreich in Paris; 6—12. Juni Schweiz in Basel; 20.Juni bis 2. Juli England in Wimbledon; 7—14. August Deutschland in Hamburg; 3.—11. September Ungarn in Budapest; 2.—9. Oktober Portugal in Cascaes; 1—15. November Argentinien in Buenos Aires.
Das pariser Dreistundenrennen sah Wambst-Broccardo als Sieger mit einer Leistung von 133,125 Kilometern. — Das Dortmunder Dreistundenrennen wurde von Rieger-Schenk mit 128,7 Kilometern gewonnen. — Im Brüsseler Sechstagerennen triumphierten die Holländer Pijnenburg-Braspenning mit Rundenvor- sprung vor Charlier-Deneef.
Selbstmord eines Berliner Fabrikanten. In den Räumen seiner Fabrik in Berlin beging der Fabrikbesitzer Hans Röder Selbstmord durch Erhängen. Röder, der Mitinhaber der allgemein bekannten und angesehenen Stahl- federnfabrik S. Räder war, ist von wirtschaftlichen Sorgen zu seiner Tat getrieben worden.
würde er es vergessen, nie verwinden können, daß sie einst ihm angelobt war, daß er sie verloren durch eigene Schuld. Nie würde eine fremde Frau in diese Räume hier einziehen, die bestimmt gewesen waren, sie als Herrin zu begrüßen, denn er — er liebte sie und würde nie aufhören, sie zu lieben.
November war es. Grau die Luft. Schwer flatterten die dunkeln Vögel mit mißtönendem Gekrächze über die Flur. Unheilkündend. Und ebenso schwirrten im Rauhen Grunde Gerüchte.
Schon seit einiger Zeit war ein Raunen umge- gangen: Mit dem Reusch-Mannes stimmt es nicht mehr. Er wirtschaftete Hintenaus. Daran konnte all sein großartiges Auftreten nichts ändern. Das Auto, der -kostbare Pelz, der Sekt bei jeder Gelegenheit. Aber nun sprach sich noch ein anderes herum: Auch mit seiner Gründung Reuschfelde und der ganzen Baugenossenschaft sollte es schlecht stehen — sehr schlecht sogar.
Da zog Unruhe und Sorge ein in manches Haus im Rauhen Grund und immer häufiger kamen die Nachfragen in die Bureaus der Baugenossenschaft, aber sie fanden hier nur verlegene Gesichter, ein Achselzucken und stets den Bescheid, Direktor Reusch wäre nicht da. Er sei auf einer geschäftlichen Reise.
Auch nach ChrisfianLglück war die Kunde gedrun- Ben. Nicht überraschend für Bertsch. Er war von der andesbank schon längst gewarnt worden. Mit Reusch stände es faul — oberfaul, aber es berührte ihn ja nicht. Er hatte weder geschäftlich noch persönlich mit der Gründung Reuschs etwas zu tun. Um so verwunderter war er daher, als man ihm zu später Abendstunde in seinem Hause Plötzlich noch einen Besuch meldete — Hermann Reusch. Er ließ ihn schließlich vor, aber ganz kühlste Zurückhaltung. Aehend empfing und fertigte er ihn ab, der mit verstörter Miene herein- kam.
i „Sie wünschen?"
„Herr Bertsch!" Und Hermann Reusch, äußerlich noch immer der Mann des schweren Geldes mit seiner übertriebenen Eleganz, trat näher. Nervös erregt. „Ich komme zu Ihnen in momentaner Notlage. Sie dürften schon gehört haben —"
„Allerdings, ich bin unterrichtet von Ihrem Ruin." „Bitte — so steht es doch nicht. Eben nur eine Krisis, wie sie jedes Unternehmen einmal durchwachen kann. Es kommt nur darauf an, daß wir durchkommen. Und darum eben —"
„Pardon, da wenden Sie sich an die falsche Adresse. Ich bin doch kein Geldmann."
„Aber Sie genießen das unbegrenzte Vertrauen der Landesbank. Wenn Sie den Herren dort die Sache nahe- legen wollten! Unsere Interessen gehen doch Hont» in Hand, wir —"
Eine kalte Bewegung der Abwehr.