chlüchtemer Zeitung
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M. 2
(1. Blatt)
Dienstag, den 5. Januar 1932
84. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachung.
Kreisausschutz.
Krüppelörratungsstunden.
I.-Nr. IV 24371 F. Die Krüppelberatungsftunben in Kassel, Gießbergstr. 5, werden auch im Kalenderjahr 1932 von den beiden Landeskrüppelärzten, San. Rat Dr. Risberg upd San. Rat Dr. Möhring, allwöchentlich am Dienstag, vormittags 10 Uhr, abgehalten.
Schlüchtern, den 29. Dezember 1931.
Kreiswohlfachrtsamt: Dr. Müller.
Die Ablösung der Hauszinssteuer.
Die Ersparnisse bei einer vorzeitigen Zahlung.
Amtlich wird mitgeteilt:
Die Durchführungsbestimmungen für die Ablösung der Hauszinssteuer, die der Zustimmung des Reichsrats bedürfen, find zur Zeit in Vorbereitung. Wenn auch die Ablösung erst für die vom 1. April 1932 ab fällig werdende Hauszinssteuer gilt, so tut der Hauseigentümer doch gut daran, schon setzt die für ihn in der Ablösung liegenden Vorteile zu errechnen. In dieser Richtung sei zunächst nur auf folgendes Beispiel hingewiesen:
Die Gebäudeentschuldungssteuer möge für ein Haus vom Rechnungsjahr 1932 ab 2000 Mark jährlich betragen. Dann würde der Hauseigentümer, der von der Ablösungs- möglichkeit keinen Gebrauch macht, bis zum Fortfall der Steuer noch insgesamt 12 000 Mark zu entrichten haben.
Der Eigentümer, der ablöst, hak dagegen, wenn er bis zum 31. März 1932 zahlt, nur 6000 Mark, wenn er nach diesem Zeitpunkt zahlt, nur 7000 Mark als Ablösung zu entrichten. Den gezahlten Ablösungsbetrag kann er bei Ermittlung des steuerpflichtigen Einkommens in Abzug bringen Die Ersparnisse an Einkommensleue - und an laufender Gebäudeentschuldungssteuer erreichen, wenn man die verzins«»» jjnet etwa aufgcuamm^a. AblösunM ^stLeL, eilfmSl unberücksichtigt lässt, f^on im Jahre 1934 die Höhe des Ablösungsbetrages.
Reichsgesetzlich ist ferner sichergestellt, daß Grundstücke, für die die Hauszinssteuer abgelöst ist, zur Grundsteuer mit keinem höheren Satz herangezogen werden dürfen, als die entsprechenden anderen, noch hauszinssteuernflichtigen Grundstücke.
Da im übrigen auch bei Zahlung des Ablösungsbetrages nach dem 31. März 1932 die jeweils bis zur Zahlung fällig gewordenen Steuerbeträge mit zu entrichten sind, liegt eine möglichst frühzeitige Zahlung der Ablösung im Interesse der Eigentümer.
Glückliche Fahrt!
Neujahrsgruß-Austausch zwischen Reichsmarine und Handelsmarine.
Hamburg, 4. Januar.
Im Rahmen des Hamburger Hafenkonzertes am Neu- jahrstage. das auf dem Schnelldampfer „Cap Arcona" der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft stattfand, übermittelte die „Norag" von Bord des Linienschiffes „Hessen" aus dem Kieler Hafen die Flaggenparade der deutschen Reichsmarine.
Aus diesem Anlaß sandte die deutsche Handelsmarine der Reichsmarine durch Rundfunk einen Neu- iahrsgruß, in welchem es u. a. heißt: „Die deutsche Handelsschiffahrt weiß den Wert sehr wohl zu schätzen, den ihr eine starke Reichsmarine bietet, wie sie andererseits auch häufig gute Dienste leisten kann. Wenn man an die unvergeßlichen Taten der deutschen Hochseeflotte wie der deutschen Auslandskreuzer denkt, so darf man auch die treuen Dienste nicht vergessen, die so viele Handelsschiffe ihr als Zubringer und Begleitschiffe geleistet haben. Daß das neue Ighr unserer Reichsmarine weitere Fortschritte bringen möge, und daß die Ausbildung der Besatzungen in fried- jjcher Arbeit zu höchstem Können rüstig fortschreiten möge, ist der Wunsch, den die deutsche Handelsschiffahrt der deut- ; wen JReidjemarine zum Jahreswechsel barbringt. In die- । lern Sinne: „Volldampf voraus 1932!"
Die d e u t s ch e Reichs m arine antwortete aus die- len Gruß u. a.: „In dankbarer Erinnerung an die treue : Waffenbrüderschaft im Weltkriege und in gemeinsamer Ar- Iveit für Deutschlands Seegeltung fühlt sich die deutsche Reichsmarine der Handelsschiffahrt verbunden und ruft zum | neuen Jahre allen Kameraden, die unter der Reichshandels- stagge fahren, in guter Kameradschaft zu: „Glückliche Fuhrt!"
Sturm über der Rorbfce.
umhaveu. 4. Januar. Nach den Berichte» heimkehrender Fischer tobt auf der Nordsee ein starker Sturm. Bei Horng Riff ist ein deutscher Hochseekutter aus Seenot ge- H'tiet und nach Esbjerg (Dänemart) eingeschleppt worden zwischen Horns Riff und Helgoland wurden große Mengen Treibholz gesichtet, die von einem mit Holz beiadenen -Dampfer herzurühren scheinen, dessen Deckladung wahr- lchemlich über Bord gespült wurde.
Schrumpfung des Güterverkehrs.
7 ie Einnahmen der Reichsbahn haben einen Rekordkiesstand erreicht.
Berlin, 4. Januar.
„Die Reichsbahn" bringt nunmehr eine Uebersicht über die Entwicklung des Verkehrs und der Finanzen der Deutschen Reichsbahngesellschaft im November 1931. Danach ging der Güterverkehr im November weiter zurück, so daß die durch den allgemeinen Konjunkturrückgang bedingte Schrumpfung des Güterverkehrs über 26 o.H. gegenüber 1929 betrug. Der Jahreszeit entsprechend hielt auch der Rückgang des Personenverkehrs im Berichtsmonat an. Die Betriebseinnahmen betrugen im Personen und Gepäckverkehr 69 912 000 Mark, im Güterverkehr 183 642 000, sonstige Einnahmen 36 456 000 Mark zusammen 290 010 000 Mark, während die Betriebsausgaben sich auf insgesamt 384 550 000 Mark beliefern
Die Gesamteinahmen der Reichsbahn im November blieben hinter dem an sich ungewöhnlich niedrigeren Oktoberergebnis um rund 46 Millionen Mark zurück. Die Einnahmen erreichten einen Tiefsland, wie er seit Jahren nicht einmal in den schwächsten Verkehrsmonaten festgestellt worden ist.
Der Einnahmerückgang betrug gegenüber November 1930 19,7 v. H. und gegenüber November 1929 25,4 v. H. Der Personalstand der Reichsbahn betrug insgesamt 663 463 Köpfe gegenüber 675 681 im Oktober 1931.
Aufhebung des Mitteldeutschen Braunkohlensyndikats.
Berlin, 4. Januar.
Die vor einigen Tagen angekündigte Auflösung des Mitteldeutschen Braunkohlensyndikats ist nunmehr zur Tatsache geworden. Der Reichswirtschaftsminister veröffentlicht im „Reichsanzeiger" auf Grund der Notverordnung vom 26. Juli 1930 eine Verordnung, wonach der Syndikatsvertrag des Mitteldeutschen Braunkohlensyndikats für nichtig ertönt uppd. — Die Bevor- : :g tritt am 20. Januar-1-932 in Kraft.
Zwei Telephonarbeiter die Rundfunkstörer?
Berlin, 4. Januar.
Die polizeilichen Ermittlungen nach den Störern der Rundfunkansprache des Reichspräsidenten haben bis Sonntagabend noch kein Ergebnis gehabt. Die feit Sonnabendmittag in Verhör befindlichen beiden Telephonarbeiter sind noch in Gewahrsam und scheinen der Tat dringend verdächtig. Die Polizei bewahrt über ihre Feststellungen strengstes Stillschweigen und erklärt lediglich, daß weitere Festnahmen bisher nickst erfolgt seien.
Die Reichsrundfunkgesellschaft stellt in einer Erklärung fest, daß von der kommunistischen Störung der Hindenburg-Rede direkt nur der Deutschlandsender betroffen worden sei. Den Rundfunk treffe an der Störung kein Verschulden, da alle Maßnahmen getroffen waren, die ihm zur Sicherung der Uebertragung möglich waren. Gegen einen Eingriff in den Leitungsweg auf offener Strecke könne man sich von technisckzer Seite leider nicht schützen.
Unmögliche Reparationszahlungen.
Newyork, 3. 1. Der Banbier James Spetjer erklärt in einem Ueberblick über die politische und die wirtschaftliche Lage, der Baseler Bericht, der dem HooverMoc- schlag folge, sei ein weiterer Schritt in der notwendigen Richtung. (Es sei in erster Linie Pflicht der Siegerstaaten Europas, einen Weg zu finden, um die wirtschaftlichen Folgen der „Friedensoerträge" zu verbessern, die Mitteleuropa in durch Zollmauern eingeschossene kleine Einheiten zerrissen und Deutschland für ein halbes Jahrhundert unmögliche Zahlungsverpflichtungen auferlegt hätten. Unter den Folgen dieser Mißgriffe litten Sieger und Besiegte in gleicher Weise. Es müsse ein Rusweg gesunden werden.
Aufstand in Uordost-Argentinit»
WTB. Buenos Rires. 4. 1. Jn der Provinz Lutre Rias im Nordosten Argentiniens ist ein RufsMd ausge- brochen. Die Rufrührer haben La Paz und andere Grte der Provinz eingenommen und die Verbindungen unter= brocken. Jn Regierungskrisen schiebt man die Revolte Anhängern Jrigopens zu.
Das Verfahren gegen Dr. Dest eingestellt?
WSN. Darm st a d t, 5. I. Die „Hessische Landetet- hing" schreibt: „Wie uns aus Berlin gemeldet wird, ver- öffentlicht die „Germania" soeben die Nachricht, bafr das Hochverratsverfahren gegen den nationalsozialistischen Land- tagsabgeorbneten Dr. Best eingestellt worden ist. Eine Bestätigung der Meldung konnte bisher nicht eingeholt werden.
Verhaftung des indischen Kangrehprästdenten.
. WTB. Bombay, 3. Januar. Der Präsident des Kon= grosses Vallabhai Patel ist gleichfalls verhaftet worden. Gandhi und patel wurden in das Perwada-Gefängnis in Puna gebracht.
iRegierungsarbeiien für 1932
Reue Pläne und Entwürfe.
Berlin, 3. Januar
Das Jahr 1932 wird die Reichsregierung und die Regierungen der Länder deshalb vor besonders schwierige Aufgaben stellen, weil in diesem Jahre die Auswirkungen der Wirtschaftskrise für den Fiskus am stärksten fühlbar werden. Die Reichsministerien sind gegenwärtig mit den Vorbereitungen für die großen internationalen Verhandlungen vollauf beschäftigt: im Reichswehrministerium wird vor allem gerüstet zur Abrüstungskonferenz in Genf. Daneben werden die Handelsvertragsverhandlungen des Jahres überaus bedeutsam sein. Dazu kommen die deutsch-, canzösi- schen Verhandlungen über die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Aufmerksamkeit beanspruchen auch die Verhandlungen, die Sowjetrußland mit einer Reihe von Staaten über einen Nichtangriffspakt führt.
Im Reichsfinanzministerium
ist die Hauptsorge für das Jahr 1932 der Ausgleich . s Haushaltes. Ob aber berechtigte Wünsche über eine Steuerreform erfüllt werden, läßt sich noch nicht übersehen.
Im Reichswirkschaftsministerium
ist als wichtigste Aufgabe die Durchführung der letzten Notverordnung anzusehen. Für die Zinssenkung sind noch weitere Ausführungsbestimmunge» zu erwarten. Es wird alsdann entschieden werden müssen, was mit den Kartellen geschieht, die der notwendigen Preissenkung nicht nachgekommen sind.
Die innerpolitische Lage
macht es notwendig, daß der Reichsinnenminister zur Zeit den Hauptwert auf seine Eigenschaft als Polizeiminister legen muß. Das große Werk der Reichsreform wird dagegen in der nächsten Zeit kaum entscheidend vorangebracht werden. Der Gesetzentwurf über das Reichsverwaltungs- gericht harrt noch der Verabschiedung im Reichsrat, und zwar schon seit 1% Jahren. Besondere Bedeutung kommt her :'Ai der »chulÄneiluaz im Reichst :!..m,-istsrium zu, denn man kann jetzt daran gehen, mit den Ländern über einen planmäßigen und einheitlichen Aufbau unseres höheren Schulwesens zu verhandeln. Die Arbeiten am allgemeinen Reichsbeamtengesetz und an der Reichsdienststrafordnung gehen weiter. Das Arzneimittel-Gesetz ist fertiggestellt. Aus- stehen noch Gesetzentwürfe über die Ausführung des Artikels 48 der Reichsverfassung, sowie ein neues Pressegesetz und ein Gesetz zum Schutze des Pressenachrichtenwesens.
3m Reichsjustizministerium
ist man bemüht, die großen Reformvorlagen weiter zu treiben. Dazu gehören neben dem neuen Strafgesetzbuch das Einführungsgesetz und das Strafvollzugsgesetz, ‘ bie neue Zivilprozeßordnung und die Aktienrechtsresorm.
Da» Reichsarbeilsministerium
bereitet die Umorganisation der Sozialversicherung vor. Das Reichsverkehrsministerium hat den Gesetzentwurf über die Uebernahme der Wasserstraßen auf das Reich fertiggestellt und wird darüber mit den Ländern verhandeln.
3m Reichsheer und in der Reichsmarine
wird die planmäßige Ausbildung fortgesetzt. Die nächsten . Jahre sollen dazu dienen, den bisherigen militärischen Aufbau zu erproben und Uebungen im Divisionsoerbande abzu- Halten. Bei der Reichsmarine finden lediglich die planmäßigen Uebungen statt. Eine Auslandsreise der Flotte ist nicht vorgesehen.
In Preußen werden die Wahlen zum neuen Landtag das Hauptereignis darstellen.
Die Streiklage »m Dortmunder Bezirk.
WCL. Dortmund, 4. 1. Während am Sonnabend auf allen Schachtanlagen in Grotz-Vonmund die Frühschicht eingefahren ist und keinerlei Störungsversuche zu verzeichnen waren, kam es am Sonntag morgen vor dem Eingang des Eisenwerkes Dortmunder Union zu kleineren Zwischenfällen. Hier hatten sich etwa 40 Kommunisten ein- gefunden, die die vom Eisenwerk kommenden Arbeiter belästigten und beschimpften. Einschreitende polrzeibeamtc wurden ebenfalls von der Menge beschimpft und bedroht. Als die Beamten mit dem Gummiknüppel vorgingen, stob die Menge auseinander. Weitere Störungsversuche sind im Dortmunder Bezirk am Sonntag nicht zu verzeichnen gewesen.
Am Sonnabend wurden von der Polizei 4 Flugblatt Verteiler gestellt, von denen einer eine Pistole mit 6 scharfen Patronen bei sich trug. Zwei Arbeiter wurden feftgenom- men, gegen die beiden anderen Strafanzeige erstattet.
— Nach einer Meldung aus Mukden ist der amerikanische Vize Konsul von japanischen Soldaten tätlich angegriffen worden. Ruf diplomatischem Wege wurde dagegen Protest eingelegt.
— Die deutsche llldtorgaleaf.se „Wilbelm" aus Basbeck ist.an der südschrvedischen Küste gestrandet. Die aus drei Mann bestehende Besatzung weigert sich, das Schiff zu verlassen. Das Schiff ist bereits mit Wasser ungefüllt.