Mütterliche Liebe.
Sie Mutter trug im Leibe das Kind drei Vierteljahr; Die Mutter trug auf Armen das Kind, weil'- schwach noch war;
Die «lutter trägt im Herzen die Kinder immerdar.
F r. von Logau.
Wie oft soll man Kindern Mahlzeiten geben
Die Sorge der Mutter, ob ihre Kinder genügend essen, i ist fast immer unnötig. Manche Kinder, bei denen die Ausnutzung der Nahrung gut vor sich gehl, haben ein geringes Nahrungsbedürfnis. Andere wieder essen von selbst mehr, als sie eigentlich brauchen. Man bedeute doch nur folgendes: Ein Kind von 6 oder 7 Jahren braucht im Durchschnitt läg- lich 1600 Kalorien zu seiner Ernährung. Dieser Kalorien- bedarf wäre mit 1« Litern Milch, 50 Gramm Butter und 100 Gramm Brot schon mehr als gebotst Die richtige Menge an Nahrung wird in vielen Fällen erreicht wo besorgte • Mütter schon an eine Unterernährung ihrer Kinder denken.
Bei Kindern, die nicht genügend essen, kann es Zweck- mäßig sein, auf Zwischenmahlzeiten zu verzichten, damit sie zu den drei Hauptmahlzeiten genügend Appetit bekommen. In anderen Fällen nehmen die Kinder bei einer Hauptmahlzeit nicht gern große Mengen zu sich. Bei den ein= geschobenen Zwischenmahlzeiten am Vormittag oder Nachmittag werden am besten Nahrungsmittel gewählt, die vom kindlichen Körper gut verwertet werden: ein Glas Milch, ein Butterbrot mit oder ohne Obst. Mit Butter wird dem Kinde stets ein besonders wertvolles Nahrungsmittel gegeben
Sie Frage der Zwischenmahlzeiten beim Kind läßt sich nicht allgemein beantmonen. Meist find sie angezeigt, doch muß in jedem Einzelsall Ausprobieren stattfinden. Zweck- mäj:g ist Mi'ckkakao als Zwischenmahlzeit, wird er doch «ton den dein meist gern getrunken. Wo es möglich ist. rohe ung« lockte Milch in sicher einwandfreiem Zustand zu bekommen, wird man sie jeder anderen Ernährung vorziehen. Ein Kind, das auch längere Zeit einmal nur wenig ißt, braucht deswegen noch nicht krank zu sein. Eine nicht übertriebene Besorgnis könnte den Eltern hier viele unnötige Sorge, den Kindern unangenehme Stunden ersparen.
Vorsicht beim Pfannkuchenbacken!
Kaum sind am Silvester die letzten Glockenschläge des scheidenden Jahres verklungen, so wird nach alter deutscher Sitte der Einzug des neuen Jahres mit Pfannkuchen und Glühpunsch gebührend gefeiert. Daß jedoch beim Backen der Pfannkuchen Vorsicht geboten ist, zeigt ein Vorfall, den die Feuersozietät der Provinz Brandenburg zur Kenntnis gibt:
Eine junge Hausfrau wollte kürzlich ihren Mann mit den ersten selbstgebackenen Pfannkuchen erfreuen. Durch ein zu starkes Herdseuer wurde die Herdplatte glühend. Funken, die von der glühenden Platte hochflogen, fielen in das siedende Fett und entzündeten dieses An Haaren und Kleidern brennend lief die Unglückliche auf den Treppenflur und schrie um Hilfe. Zum Glück kamen die Schwiegereltern hinzu, bedeckten die Frau mit Decken und erstickten so die Flammen. Die Verunglückte erlitt schwere Brandwunden. Das Feuer, durch gesprungene Fenster Zugluft bekommen, verbreitete sich schnell in der Küche und vernichtete die gesamte
Die vom „Rauhen Grund".
Roman von Paul Brobein.
Romandienst DIGO Berlin W. 30.
56) (Fortsetzung.)
Da tfuoll es heiß und weh in ihr auf. Eine große Weichheit, in der sich ihr ganzes Wesen wohltätig löste, nach der künstlichen Erstarrung, in die sie sich selber gewaltsam getrieben hatte. Sie wurde sehend für all das Leid, das um sie herum war. Nicht sie allein trug bloß. Waren sie nicht alle, alle leidbeschwert, die um sie her waren, deren Pfade das Leben mit dem ihren sich hatte kreuzen lassen, in unheilbringender Berührung? Gerhard Bertsch, der nun einsam seinen Weg weiter gehen mußte —, aber auch ihr Mann daheim, der vergeblich die Hände nach ihr ausstreckte, den es fror an ihrer Seite?
Und in dieser Stunde der Weichheit rang sich in Ekc von Selbach ein ehrliches Wollen empor. Konnte sie Eberhard sein letztes Sehnen auch nie erfüllen, so wollte sie ihm doch Güte bezeigen, Wärme um ihn verbreiten. Da trat ein stilles, klares Leuchten in ihren Blick und stand noch darin, als sie dann wieder heim- । kehrte ins Adlige Haus.
Was bisher noch nie geschehen war in ihrer Ehe, sie suchte ihren Mann in seinem Zimmer auf. Eberhard von Selbach saß an seinem Schreibtisch. Nun sah er auf, wohl etwas verwundert, aber ein gleichgültiges i Hinblicken. Doch sie trat zu ihm. Ihre Hand legte sich auf seine Schulter.
„Eberhard —" es klang eine weiche Güte aus ihrer Stimme — „ich weiß, ich habe manches an dir gutzumachen. Aber noch ist es ja Zeit. Und ich habe den besten Willen."
Er antwortete nicht gleich. Seine Rechte machte eine matte Bewegung zu ihr hin, aber blieb dann doch auf der Platte des Schreibtisches liegen. So sagte er endlich:
„Ich danke dir, Eke — du bist sehr gut."
Jedoch hörte man es den Worten an, wie er sie sich avzwang.
Da stieg ihr ein leises Rot in die Wangen. Schweigend trat sie von ihm zurück und verließ das Zimmer.
Schwer ging sein Atem durch die Stille um ihn her. Dann stützte er den Kopf in beide Hände. So sann er lange vor sich bin, das Antlitz vergraben.
Endlich sah er wieder auf. Blaß, mit tief aufgewühlten Zügen. Zu spät! Er kam nicht mehr los von dem süßen Gift, nach dem er gegriffen, um sich das Gefühl seiner Einsamkeit zu betäuben. Nun fraß eS ihm tief im Blut. Und würde weiterfressen, unersätt- ftdj. Seinen Frieden und den seines Hauses, bis alles zerstört war.
Und ein Mitleid beschlich ihn mit der Frau, die eben still von ihm gegangen war. Ihren wunden Stolz zu
Kücheneinrichtung. Nur mit großer Mühe gelang es, das j Feuer auf feinen Herd zu beschränken. Aus diesem Fall mag die Hausfrau die ernste Mahnung entnehmen, beim Pfannkuchenbacken recht vorsichtig zu sein. Das Herdfeuer darf nicht übermäßig stark sein, damit die Flammen nicht herausschlagen und die Herdplatte nicht glühend wird. Um Funkenbildung bezw. Stichflammen zu vermeiden, empfiehlt sich im übrigen, der Sauberhaltung der Herdplatte größte Beachtung zu schenken.
Seht die Lebensmittelvorräte durch!
Der Hausfrau bleibt die Mühe, ihre Vorräte in Küche und Keller in diesem Jahre öfter denn je durchzusehen, nicht erspart. Dem Winterob st e fehlt es infolge des spärlichen Sonnenscheins in dem verregneten Sommer an Zucker und Würze. Es ist wässerig, und wir haben das Gefühl, daß es nicht ausgereift ist. Aus diesem Grunde dürfte es auch nicht sehr haltbar sein und daher leicht zur Fäulnis , neigen. Eine öftere Durchsicht des Obstlagers ist daher unbedingt nötig, um größeren Verlusten vorzubeugen.
Besondere Aufmerksamkeit ist demEingemachten zuzuwenden. Das eingedünstete Obst ist öfter daraufhin durchzusehen, ob die Deckel noch fest auf den Gläsern sitzen. Man kann dann etwa nicht mehr schließende nochmals nachsterilisieren oder in der Küche verwenden, ohne daß der Inhalt bereits schlecht geworden wäre. Bei Gelee und Marmelade muß man auf die Schimmelbildung achten. Ein kleiner Schimmelfleck ist ohne Bedeutung, falls er sich mit der Zeit nicht vergrößert, da er den Geschmack nicht beeinflußt und die Ware auch nicht verdirbt. Wächst der Schimmel jedoch stark, dann wird er entfernt und das Glas nochmals neu sterilisiert.
Auch die Kartoffeln bedürfen in diesem Jahre wegen der verbreiteten Fäulnis reger Aufmerksamkeit. Man nehme nur saubere und trockene Knollen aufs Lager in i einen trockenen, luftigen Keller. Die faulen Kartoffeln müssen regelmäßig ausgelesen und verbrannt werden.
Ksch-Rezepie.
Graupenklößchen sind wenig bekannt. Man quellt dazu 250 Gramm mittelseine Graupen mit Wasser und 70 Gramm Butter recht weich aus, indem man sie drei Stunden unter häufigem Umrüsten langsam kochen läßt, schüttet sie dann aus und läßt sie abkühlen. Nach und nach rührt man 125 Gramm zerlassene Butter, vier ganze Eier und vier Dotter, zwei Eßlöffel geriebene Semmel, eine Prise Salz und geriebene Muskatnuß sowie 125 Gramm gewaschene Korinthen hinzu und formt Klößchen aus dem Teig, die man in Suppen einlegt. Helle Suppen sind hierfür besonders geeignet.
praktische Winke.
Borax gegen küchenschaben. Borax, der in jedem Haushalte zu finden ist, stellt ein ausgezeichnetes Mittel zum Vertreiben der lästigen Küchenschaben dar. Man streut den Borax 2 bis 3 Wochen lang des Abends um und in die Schlupfwinkel des Ungeziefers. ,
Die Aufbewahrung des Glaserkittes muß unter Wasser erfolgen, damit er gebrauchsfähig bleibt. An der Luft wird er schnell hart und unbrauchbar.
Oelhrbe .steifen an den Fensterscheiben lasten sich beim A:'..eichen der Rahmen wohl kaum ganz vermeiden, wie verschwinden heim Einreiben und folgendem Abwaschen mit grüner Seife.
Me pflegen wir Mekallgeschirr? Metallgeschirr muß immer ganz besonders gepflegt werden, wenn es hygienisch
verbergen. Arme Eke! Warum hatte sie den Weg zu ihm nicht eher gefunden?
In der Halle hatten sie Henner von Grund aufge- bahrt. Von jeher hatte sie mit angesehen, was von bedeutungsvollen Ereignissen das Adlige Haus betraf, Freud' und Leid. Nun barg sie auch den dahinge- schiedenen Herrn des Hauses zur letzten Rast unter seinem Dach.
Trotz der frühen Nachmittagsstunde war tiefe Dämmerung in der Halle. Nur der Schein der Kerzen um den Sarg durchbrach sie, feierlich gedämpft.
Gedrängt voll war der weite Raum. Wohl kein Mann aus dem ganzen Rauhen Grunde, der noch rüstig genug war zum Weg hierher, war fern geblieben. Hatten sich auch die Zeiten geändert, es war doch noch etwas wie ein unsichtbares Band geblieben, das den Herrn vom Adligen Hause verband. mit den Ortseingesessenen draußen im Gau. Nun gaben sie ihm auch das letzte Geleit, vereint mit den Dienstleuten des Gutshofes.
Der Altan, hinten in der Ecke, wo Henner von Grund zu Lebzeiten so gern gesessen, war schwarz ausgeschlagen worden, wie eine Kanzel, und Pfarrer Burgmann stand jetzt dort. Mit mattem Glanz hob sich sein Greisenantlitz aus dem tiefen Schatten. Ein ernster, weihevoller Duft von Lorbeer und Tannen?, grün, vermischt mit dem Hauch der Wachskerzen wehte von der Bahre her, die zu Füßen des Altans stand. Davor saßen in der ersten Reihe der Stühle Eke und Eberhard von Selbach, nun die Herren in dem alten Hause.
Laut hallte Burgmanns Stimme über die Trauer- gemeinde hin. Aber wer näher zuhörte, der merkte wohl: es war nicht mehr die alte Kraft darin, die ehedem wie ein stürmender Waldbach sich grollend und donnernd auf sie ergossen. Wie eine Glocke schwang sie, die durch lange Zeiten ihren ehernen Ruf geschickt, nun aber den ersten Sprung erlitten. Tiefe Bewegung bebte, wenn auch verhalten, in der Brust des greisen Priesters. Sein getreuefter Mitkämpfer für die Sache des Rauhen Grundes lag dort auf der Bahre. Als ob es die Sache selber sei — so war es ihm. Und es klang das auch aus seinen Worten:
„Ihr Männer vom Rauhen Grund, von nah und fern seid ihr hergekommen, keiner wollte Zurückbleiben, und mit ernster Trauer steht ihr vor diesem Sarge. Und das mit vollem Fug. Denn der hier liegt, er war der eure!
Mehr denn vier Jahrhunderte steht dies alte Haus, trutzig und wehrhaft, als ein Wahrzeichen des Rauhen Grundes. Und ebensolange sitzt in diesem Hause das Geschlecht der Grunds, selber trutzig und wehrhaft wie sein Haus. Ein rechtes Herrengeschlecht. Allzeit sind sie hocherhobenen Hauptes über ihr Eigen geschritten — selbstherrlich und hart. Gar oftmals haben
einwandfrei sein soll. Organische Säurereste, die eigentlich in allen Speisen enthalten sind, und die Feuchtigkeit der Luft sind die größten Feinde des Metallgeschirrs. Bei Verwendung von Metallputzmitteln bewirkt die geringste nicht entfernte Spur des Putzmittels schon nach kurzer Zeit ein« noch beträchtlich stärkere Oxydation, und der Schandfleck wird noch größer als der Fleck, der vorher beseitigt werden sollte. Falls Säuren bei der Reinigung von Metallgeschirr I Verwendung finden müssen, so ist der Inhalt der Säure- flaschen deutlich zu kennzeichnen und die Flasche selbst gut verschlossen aufzubewahren. Kesselstein soll man zuerst mit Hilfe von Zitronensaft oder unverdünntem Essig aufzulosen suchen, ehe man zu schärferen Mitteln greift. In der Regel erleidet Kochgeschirr einen geringeren Schaden durch das Kochen als dadurch, daß Speisenreste zurückbleiben, die sich zersetzen und das Metall angreifen; darum soll mit der Reinigung des Metallgeschirrs nach dem Gebrauch nich! unnötig lange gewartet werden. Wi—Ha.
RnndsiliiWrögranime.
Frankfurt a. M. und Kassel (Südwestfunk).
Jeden Werktag wiederlehrende Programmnummern: 6.15 Wettermeldung, anschließend Morgengymnastik I; 6.45 Mor- aenqymnastik II; 7.15 Wetterbericht, anschließend Fruhkon- zert- 7.55 Wasserstandsmeldungen; 12 Wirtschaftsmeldungen; 12.05 Unterhaltungskonzert; 12.40 Nachrichten; 12.55 Nauener Zeitzeichen; 13 Konzert; 13.50 Nachrichten; 14 Werbekonzert; 14.45 Gießener Wetterbericht; 15.05 Wirtschaftsmeldungen; 17.05 Konzert; 18.30 Wirtschaftsmeldungen; 19.30 Nachrichten; 22.25 Nachrichten..
Sonntag, 3. Januar: 7 Bremer Hafenkonzert; 8.15 Katholische Morgenfeier; 9.30 Stunde des Lhorgesangs; 11 „Siegfried", erster Aufzug, einführender Vortrag; 12 Mittagskonzert; 13.50 Landwirtschaftskammer Wiesbaden; 14.10 Stunde des Landes; 15 Jugendstunde; 16 Konzert; 18 „Kunst und Gesellschaft", Vertrag; 18.15 Die Dämmerstunde; 18.50 „Das. Goethejahr beginnt"; 19.20 Sportnachrichten; 19.30 Unterhaltungskonzert; 20:15 Funkspiele; 21.15 „Siegfried", erster Aufzug; 22.35 Nachrichten; 23 Tanzmusik. Montag, 4. Januar: 15.20 Aerztevortrag; 18.40 „Polizeiliche Plauderei"; 19.05 Englischer Sprachunterricht; 19.45 Konzert; 20.45 Aus hessischer Vergangenheit; 21.45 Forts, des Konzerts; 22.25 Kanalisation der Großstadt.
Dienstag, 5. Januar: 15.20 Hausfrauennachmütag; 18.40 Theatervortrag; 19.05 „Freiwilliger Arbeitsdienst", Vortrag; 19.45 Zitherkonzert; 20.15 Bunter Abend; 21.30 Konzert; 22.40 Tanzmusik. . .,
Mittwoch, 6. Januar: 11 Drei-Königstag in Kiedrich; 15.15 Jugendstunde; 16 Konzert; 18 Kantate; 18.40 Stunde der Arbeit; 19.35 Heitere Vortrage; 20.05 Konzert; 21.45 Räuberhauptmann Cococh, Ballade; 22.45 Tanzmusik.
Donnerstag, 7. Januar: 15.30 Jugendstunde; 18.40 Stunde des Buches; 19.05 Chemievortrag; 19.45 Wiener Schrammelmusik; 20.15 Rotationen und Vorträge; 21.45 Vorlesung über moderne Literatur; 22.50 Tanzmusik.
Freitag, 8. Januar: 18.40 Juristischer Vortrag; 19.05 Aerztevortrag; 19.45 Deutsche Humoristen; 20.05 Symphoniekonzert; 22 Volkslieder zur Laute; 22.40 Tanzmusik. Samstag, 9. Januar: 10.20 Schulfunk; 15.15 Jugend- tunde; 18.40 Vortrag über Charakterbilder; 19.05 Spam- cher Sprachunterricht; 19.45 Blumen-, Frucht- und Dornen« tücke, Vorlesung; 20.15 „Das Spitzentüch der Königin", Operette: 22.50 Tanzmusik "'' — jieunttrdjen (Saar). (Vom Feugrwagen gets - t e t.) Bei Reparaturarbeiten auf der Koksanlage des Eisenwerkes wurde der Schlosser Nitschki von Neunkirchen vom Feuerwagen erfaßt und so schwer verletzt, daß er kurz darauf starb.
wir es verspürt, auch an ihm, dem nun ein Stärkerer die Hand aufs Haupt gelegt hat. Manchen Strauß haben mir ausfechten müssen mit ihm, manchen heißen Zorn haben wir auf ihn gehabt.
Aber dennoch, ihr Männer, er war der unsere! Heute, an seiner Bahre, fühlt es auch der, der ihm vielleicht bei Lebzeiten grollend ferngestanden.
Ihr Männer — besonders ernst und tief ist unsere Trauer an dieser ‘ Bahre. Der dort liegt, er ist der Letzte seines Hauses. Mit ihm erstirbt sein Geschlecht. Nur eine Frau ist es, in deren Adern noch weiter etwas fließt von seinem Blut."
Ein Blick glitt hinunter zu Eke von Selbach, die ernst, aber mit Haltung in ihrem Stuhl saß. Aufrecht, dessen sich bewußt, was sie sich schuldig war als Hüterin der Familientradition. Doch dann sprach Burgmann weiter:
„Aber diese Frau trägt einen andern Namen. Der Name derer von Grund sinkt ins Grab mit dem Letzten ihres Geschlechts. Ihr Männer — das will uns seltsam schwer ankommen. Die von Grund, — das / gehörte zu uns, das gehörte zur Heimat, wie draußen Wald und Berg. Und nun ist es damit vorbei — für immer.
Ist es uns nicht allen, als trüge man mit diesem Toten ein Stück von uns selber zu Grabe?"
Ein Zittern schwang hörbar aus ber Stimm? des greifen Priesters, auch wie er nun fortfuhr, in innerster Bewegung:
„Wahrlich, es ist vielleicht sein Zufall, daß Henner von Grund in die Gruft sinkt, und mit ihm sein Geschlecht, zur selben Stunde, wo all das um uns her zu versinken beginnt, an dem unsere Herzen gehangen haben mit unerschütterlicher Liebe. Wie ein Wahrzeichen ist es, daß jedermann offenbar werde: «Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit!" —"
Am dritten Tage darauf war es. Gerhard Bertsch kam heim von seiner Reise. Es war also nicht die Unwahrheit gewesen, als er den Kranz an Eberhard bon Selbach hinuntergeschickt hatte mit den paar Zeilen, die sein Fernbleiben vom Begräbnis mit beruflicher Abwesenheit entschuldigten. Nur daß er diese Fahrt nicht gerade auf diese Tage hätte zu verlegen brauchen.
Gern hätte er auch Nenner von Grund die letzte Ehre erwiesen. Gerade, weil ev hart auf hart gegangen war zwischen ihnen beiden. Er wußte den ebenbürtigen Gegner zu achten. Dazu war er selber zu feljr Sohn seiner Heimat. Aber durfte er Eke die stille Weihe dieser Stunde mit seinem Anblick stören?
.Also war er denn ferngcbliebcn. Erst heute kam er wieder zurück, wo die Kränze draußen auf dem neuen Wrabbüael schon tu welken beaannen.
(Fortsetzung folgt)