zu werden. Mit vollem Recht haben Sie, Herr fünftes, betont, wie eng die Wohlfahrt jedes Landes heute mit der Wohlfahrt der anderen Länder verknüpft ist. Die ernsten Ereignisse des vergangenen Jahres haben diese Wahrheit der ganzen Wett auf das eindringlichste vor Augen geführt. Es gilt, diese Erkenntnis jetzt ohne Zögern in die Tat um- zufetzen, wenn es gelingen soll, noch rechtzeitig einen Ausweg aus der Rot anzubahnen. In verständnisvollem Zusammenwirken müssen von den Regierungen Lösungen gefunden werden, die der unerbittlichen Wirklichkeit Rechnung tragen und so die Gesundung von Wirtschaft und Finanzen in der Welt ermöglichen.
Gleiches Sicherheitsrecht für alle Völker.
Reben dieser Aufgabe steht für das kommende Jahr mit nicht minderer Dringlichkeit eine andere, deren Erfüllung Sie in schönen Worten als das Ziel der Sehnsucht der Völker bezeichnet haben. Kein Volk kann das Ende der kriegerischen Rüstungen aufrichtiger und stärker herbeiwünschen als das deutsche Volk. Es wäre für die Welt verhängnisvoll, und es darf deshalb nicht fein, daß die Erwartungen in der Frage der Abrüstung nochmals enttäuscht werden. Auch auf diesem Gebiet kann in Zukunft kein verschiedenes Recht für die einzelnen Völker gelten, wenn das Vertrauen, die Grundlage aller Völkerbeziehungen, wiederher- gestellt werden soll.
Möchte das neue Jahr in allen diesen Schicksalsfragen endlich befreiende Taten bringen! Möchte es den Regierungen gelingen, sich in vertrauensvoller und gerechter Solidarität zufammenzufinden, um die Völker aus dem Dunkel der Gegenwart einer lichteren Zukunft entgegen- zuführen und der Welt die endgültige Befriedung zu geben.
In dieser Hoffnung, in der ich mich mit Ihnen eins zu misten glaube, spreche ich Ihnen, Herr Nuntius, sowie Ihnen, meine Herren, zugleich für Ihre Staatsoberhäupter, Regierungen und Völker" im Namen des deutschen Volkes und in meinem eigenen Namen meine herzlichsten Neujahrswünsche aus.
Nach der Verabschiedung des diplomatischen Korps nahm der Reichspräsident noch die
Glückwünsche der Reichsregierung, des Reichstags, des Reichsrats, der Wehrmacht, der Reichsbank und der Reichsbahn
entgegen. Die Glückwünsche des Kabinetts übermittelte in Vertretung des beurlaubten Kanzlers Reichspostminister schätzet; für die Wehrmacht sprachen Admiral Raeder und General Hasse.
Minister Dr. Schätzet betonte u. a., die Reichsregierung hoffe, daß es im Jahre 1932 der Einsicht aller gelinge, zu einer Regelung zu kommen, die die Wirtschaft heilt und den schwergeprüften, von der Geißel der Arbeitslosigkeit gepeinigten Völkern neuen Lebensmut einhauche.
Reichspräsident von Hindenburg antwortete:
„Unter dem Zwange der Notwendigkeit mußten dem deutschen Volke harte Lasten auferlegt und Eingriffe in die Rechtsspäre des einzelnen vorgenommen werden.
Die in ernsten Tagen immer bewährte hohe moralische Kraft des deutschen Volkes, sein stets bewiesener Wille zur Selbstbehauptung und fein stark ausgeprägter Ordnungssinn haben Deutschland befähigt, diese Opfer zu tragen und standzuhalten. Ich bin im Innersten überzeugt, daß Deutschland auch in Zukunft alle Gefahren überstehen wird, wenn es nur einig ist und treu.
So begrüße ich es, daß die Reichsregierung, von dem festen Willen beseelt, dem deutschen Volke die notwendigen Erleichterungen zu schaffen, in das neue Jahr eintritt. Möge die Arbeit der Reichsregierung und möge Ihrer aller persönliches Wirken von Erfolg begleitet sein!
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Der Empfang der Halloren.
Vor den offiziellen Neujahrsempfängen empfing der Reichspräsident in diesem Jahre eine Abordnung der „Halloren", der allen „Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle", die zum ersten Male seit dem Weltkriege wieder dem Reichsoberhaupt nach altem Brauch Salz, Soleier und Schlackwurst sowie ein Gedicht, den sogenannten Neujahrs- karmen, darbrachte und ihre Neujahrsglückwünsche aus- iprach. Die Abordnung, die in der alten historischen Hallo- ren-Tracht erschien, bestand aus dem „Regierenden Vorsteher der Salzwirker-Brüderschaft" Max Frosch als Führer, zwei weiteren Halloren, Paul Moritz IV. und Richard Puppe, und dem mit der Wahrnehmung der Geschäfte des „Salzgrafen" betrauten Ersten Bergrat Liebenam.
Kommunistische Störungsversuche.
Während der Rundfunkrede hindenburgs.
Berlin, 2. Januar.
Die Aebertragung der Rede des Reichspräsidenten über den Deutschlandsender wurde durch einen kommunistischen Agitationsredner unterbrochen, der zum Massenstreik auf- forderte und den Kommunismus hochleben lieh. Als der Reichspräsident ausführle^ „Auch heute rufe ich . . .“, begannen die Störungsversuche mit den Worten: „Achtung, Achtung! Deutschland steht im Zeichen von Rot Front!" Der kommunistische Propagandasprecher, der schließlich noch von der Einheitsfront des Proletariats sprach und gegen Diktatur und Rokverordnung aufrief, konnte dann wieder von der Welle verdrängt werden, so daß die letzten Worte des Reichspräsidenten wieder deutlich zu hören waren.
Die sich anschließende Uebertragung ins Englische ging ohne weitere Störungen vor sich.
Die Rundfunkbehörde hat unmittelbar nach den Vorfällen eine Untersuchung über die Herkunft der Störung eingeleitet, ohne daß es bisher möglich gewesen wäre, festzustellen, ob die fremde Sendung vom In- oder vom Ausland kam. In verschiedenen Gegenden Deutschlands ist die Ansprache des Reichspräsidenten nur höchst unvollständig vernommen worden. Zahlreiche telegraphische und telephonische Anfragen beweisen, daß auch im Auslande die Störungen wahrgenommen worden sind. So ist beispielsweise in den Randstaaten der kommunistische Redner deutlich gehört worden.
Die Störung der Hindenburgrede Das Leitungskabel nach Königswusterhausen auf freiem Felde angefchnitlen.
Berlin, 2. Januar.
Die bisherigen Ermittlungen in der Angelegenheit der kommunistischen Rundfunkstörung bei der Rede des Reichspräsidenten haben ergeben, daß das Leitungskabel nach Kö- nigswusterhaufen hinter dem Krankenhaus Neukölln auf freiem Felde angeschnitten worden ist. Die Nachforschungen werden fortgesetzt.
Der Doyen des diplomatischen Korps, Monsignore Orsenigo, der am Neujahrstage dem Reichspräsidenten die Glückwünsche des diplomatischen Korps überbrachte, beim Verlassen des Präsidentenpalais.
Loch Lausanne. Deutschland mit Zeit und Ort der Tribulkonferenz einverstanden.
Berlin, 2. Januar.
Die Reichsregierung hak der englischen Regierung in Beantwortung der vom britischen Botschafter überbrachten Einladung zur Renir«»ionskonferenz am 18. Januar nach Lausanne milgetrUt. daß sie mit Laufanne als Konferenzort und mit dem 18. Januar als Termin für den Beginn dieser Konferenz einverstanden sei.
Da inzwischen auch Frankreich, Belgien, Griechenland und Italien ihre Zustimmung zu obenstehendem Termin erteilt haben, so ist nun Lausanne als Tagungsort anzu- sehen.
Fünf Todesopfer spanischer Unruhen.
Madrid, 2. Januar.
In der spanischen Provinz Badajoz kam es zu Iusam- , menstößen zwischen Kommunisten und Polizeibeamten. Vie^ Polizeibeamte und ein Landarbeiter wurden erschossen.
Oesterreichlsch-deutscher Telegrammwechsel
Berlin, 2. Januar.
Reichspräsident von Hindenburg und der österreichische Bundespräsident Miklas wechselten aus Anlaß des Jahreswechsels Glückwunschtelegramme. Bundespräsident Miklas wünscht dem deutschen Volke die heißersehnte wirtschaftliche Wiedergesundung. Reichspräsident von Hindenburg gab der Hoffnung Ausdruck, daß das neue Jahr dem deutschen Volke das Ende der Not sichtbar werden läßt.
Personalvetänderungen im Reichsverkehrsministerium.
Berlin, 2. Januar. Der Staatssekretär im Reichsver- kehrsministerium, Dr. Gutbrod, ist in den einstweiligen Ruhestand getreten. Zu seinem Nachfolger wurde Ministe- naldirigent Koenigs ernannt. Ministerialdirektor Dr. Gleichman ist ganz in die Hauptverwaltung der Reichsbahn- Gesellschaft übernommen worden. Ministerialdirigent Bran- denburg, der Leiter der Luftfahrtabteilung, ist zum Mini- Iterialdirektor befördert worden.
Ströbel aus der SAP. ausgetreten.
Berlin, 2. Januar. Der Reichstagsabgeordnete Strö- bel, der sich seinerzeit der von Seydewitz und Rosenfeld gegründeten SAP. angeschlossen hatte, hat seinen Austritt erklärt.
Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 30. Dezember: Zufuhr: 110 Rinder, 782 Kälber, 163 Schafe, 836 Schweine. Preise pro 50 Kilogramm Lebendgewicht in Reichsmark: Kälber —, 40 bis 45, 34 bis 39, 27 bis 33: Schafe 22 bis 27, 19 bis 27; Schweine —, 44 bis 45, 43 bis 45, 43 bis 45, 38 bis 42.
Darmstadt. (Neujahrsbilanz.) In der Tschollbrük- Kerstraße gerieten zwei Brüder aus der Großen Kaptanei« gasse aus Eifersucht miteinander in Streit. Der klettere brächte seinem in den 20er Jahren stehenden Bruder Ludwig Metz zwei Stiche in den Lauch bei, sodaß der erheblich verletzte in das Krankenhaus überführt werden mußte. Bei einer Schlägerei auf dem Marktplatz trug ein junger Mann eine schwere klugenverletzung davon; er mußte einem klrzt zugeführt werden, klizßerdem erhielt der Gärtner Karl Vock in der Hinkelsgasse einen Stich in die Schulter.
— In einen auf dem Bahnhof Bottrop zur klbsahrt bereitstehenden Bahnpostwagen drangen Donnerstag abend zwei maskierte Räuber, hielten die Postbeamten mit Revolvern in Schach und raubten einen 40 Klg. schweren Geldkasten mit 56 500 MK. Inhalt. Die Täter flüchteten in ehrefn bereitstehenden Rate.
— Nach Berichten aus Tokio soll sich die japanische Vorhut in der Mandschurei in unmittelbarer Nähe von Tichintschau befinden.
Gedenkt der hungernden Dögel 1
j stus Sludl, Kreta und Provinz |
Mitteilungen lokalen Interesses aus dem Kreisgebiet sind für diese Rubrik willkommen.
Sonntagsgedanken
„Ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Jesum Christum." — Ein neues Jahr hat begonnen, und zum ersten Male ist es wieder Sonntag geworden. Mit Sorgen und mit Bangen haben wohl die meisten das Neuland 1932 betreten. Es wird ein schweres Jahr werden, so schwer, daß wir nur dankbar dafür sein können, wenn uns im einzelnen noch verborgen ist, welche Lasten wir hindurchzutragen haben. Wir sehen nur dunkles Gewölk. Wie eine schwarze Wand baut es sich auf. Wohin wir blicken, nur Sorge und Not, Nacht und Grauen. Aber sollten mir darum verzagen und verzweifeln? Das wäre gewiß das Schlimmste, was wir tun könnten. Sollten wir vergeblich die frohe Weihnachtsbotschaft vernommen haben, das Evangelium von der Vaterliebe unseres Gottes die uns sucht und Heimsucht und uns nicht lassen will? Gewiß nicht! Darum wollen wir uns stärken und rüsten für den Weg, der vor uns liegt, am ersten Sonntagmorgen im neuen Jahre mit neuem Gottvertrauen, mit christfrohem Hoffen, und uns das wundervolle Gebet des Dichters Möricke zu eigen machen: In ihm sei's begonnen, der Monde und Sonnen am blauen Gezelte des Himmels bewegt! Du Vater, du rate! Lenke du und wende! Herr, dir in die Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt!
Es war eine schöne Sitte, wenn unsere Vorfahren sagten und schrieben anno domini, im Jahre des Herrn. Sie brachten damit zum Ausdruck, was in der Weihnachtstat- sache liegt, was darin liegt, daß wir unsere Jahre rechnen nach Christi Geburt. Jedes Jahr nach Christi Geburt ist ein Jahr der Gnade, denn seit Christus geboren ist, wissen wir, daß mir einen Heiland haben und einen Vater im Himmel. Wenn mir das wissen, können und dürfen wir unter keinen Umständen und in keiner Lage ganz unglücklich sein, denn wir wissen, daß wir einen gnädigen Gott haben. So fallen die Strahlen des Christbaumes, der am Silvesterabend in vielen Häusern zum letzten Male angezündet wurde, in das Dunkel und in die Ungewißheit des neuen Jahres. Diese Strahlen geben Licht in alle Finsternis und Trost in alle Trauer, Hoffnung in alle Hoffnungslosigkeit und neue Kraft für die alte Last, neuen Mut für den alten Kampf.
Warum sollt' ich mich denn grämen?
Hab' ich doch
Christus noch;
Wer will mir den nehmen!
Der Jahreswechsel.
Etwas verhaltener und nicht so allgemein als sonst ist in diesem Jahre das Hinüberwechseln vom alten zum neuen Jahr gefeiert worden. Ruf den Strafen knallten Feuerwerkskörper, aber mehr als sonst beschränkten sich diesmal die Menschen daraus, ihre Silvestersröhlichkeit daheim im Kreise der Familie steigen zu lassen. Es ist ein -sthöner Brauch von altersher, diese Fröhlichkeit—m—de^ Silvesternacht, besonders auch in bösen Zeiten. Denn Freude und Hoffnung machen die Menschen stark, ihr Erbenlos zu tragen. Und Freude und Hoffnung sind nie nötiger gewesen als in diesen Tagen. AIs die Mitternachtsglocken den Beginn des neuen Jahres verkündeten und ein Dankgebet als Thoralmusik des Jungmännervereins Schlüchtern vom Kirchturm erklang, mag sich gar mancher die bange Frage vorgelegt haben, was uns das neue Jahr an Schwerem noch bringen wird. Gewiß, das verflossene Jahr hat vielen Menschen den Pessimismus gelehrt und klirzeichen dafür, daß das neue Jahr eine Besserung bringen könnte, sind kaum vorhanden. Glücklich derjenige, der sich noch ein wenig Optimismus bewahrt hat. Er wird mit dem Glauben an die Zukunft in das neue Jahr hineingerutscht sein. Und dieser Glaube an die Zukunft ist es ja, der uns das Schwere, das uns das Jahr 1932 etwa noch bringen sollte, überwinden läßt!
Rn der Wiege des neuen Jahres hat der Winter Pate gestanden. Schnee und Eis bei über 10 Grad Kälte hatten ein Winterbild geschaffen, wie' es schöner zu einem Neujahrstag nicht passen kann. Vogelsberg, Rhön und Spes- sart waren denn auch am Neujahrstag das Ziel Tausender von Wintersportlern und Wanderern. Der Wintersportzug nach dem Dogelsberg beförderte ab Frankfurt 350 Personen und hatte bei seiner Ankunft in Hartmanns»- Hain 580 Passagiere. Den Sportzug nach der Uhön benutzten von Frankfurt ab etwa 100 Personen, deren Zahl bis Fulda aus 370 stieg und bei der Ankunft in Gers- feld 500 betrug. Weiterer Schneefall in der Nacht zum Samstag hat eine schützende Decke über die Saaten gezogen und der Jugend für gesunde Wintersportbetätigung gesorgt.
Wetterbericht. Bei südwestlichen bis westlichen Winden steigen die Temperaturen langsam an und ist für Sonntag und Montag bei bedecktem Himmel vorwiegend mit Regen und Glatteis zu rechnen.
Sladtve rord ne te n si tzun g Schlüchtern. Arn Montag, den 4. Januar 1932 findet eine Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Neuwahl des Vorstandes (Stadtverordneten- Vorsteher und Stellvertreter) gemäß § 41 der Städteord- nung und § 6 der Geschäftsordnung. 2. Uebernahme der Kosten für die Rattenoertilgung auf die Stadtkasse. 3. Vergleich mit dem Vermessnngsdirektor i. R. Lube, Frankfurt a. M., betr. Wasserleitung im Schöpfenborn. 4. Verschiedenes.
Die preise für klrzneispezialitäten sind in Preußen bereits seit 1. Oktober 1931 amtlich herabgesetzt. Die Regierung gibt bekannt, daß die neue klrznei- taxe für 1932 nicht vor dem 1. Februar 1932 erscheinen wird.